Weil es mein Laden ist

Ein Alphabet aus kleinen Ich-AGs Eva & Lothar ...

Eva Lothar

Inhaber: Eva-Maria und Lothar Bark

Frau Bark heißen Sie.
Sie können ruhig Eva zu mir sagen.

Eva-Maria?
Eva-Maria, ja.

Und ihr Mann?
Der heißt Lothar.

Warum haben Sie Ihr Geschäft nach Ihren Vornamen benannt?
Wir fanden das originell, bei Eva Lothar, fanden wir irgendwie originell.

Haben Sie da lange überlegt, oder gab´s da mehrere Ideen?
Nein, wir haben ganz spontan gesagt, das heißt bei Eva Lothar.

Wie lange existiert Ihr Geschäft?
Seit ´88. Früher hieß es "Kieler Hafen".

Nennen Ihre Kunden Sie auch Eva Lothar?
Alle sprechen uns mit den Vornamen an.

Glauben Sie, dass der Vorname wichtig ist für ein Geschäft?
Ich glaub´ schon, ja, in Steglitz sind wir bekannt unter Eva Lothar.

Warum nehmen Geschäftsleute Ihre Vornamen als Firmennamen? Aus ähnlichen Gründen wie Sie? Karstadt, Kaiser´s arbeiten mit Ihren Nachnamen.
Das ist ja auch ´ne Nummer größer, würde ich sagen, Sie können jetzt Kaiser´s nicht mit Eva Lothar vergleichen.

Man denkt bei Eva Lothar auch an Adam Eva.
Ja.

Aber in Ihre Kneipe kommen mehr Männer als Frauen?
Es sind vorwiegend Männer. Aber es kommen auch Frauen rein, und die sollen sich bei mir wohlfühlen. Wenn eine Frau reinkommt, ´n Glas Wein trinkt, und ein Mann würde die ansprechen, dann würde ich sagen: "Lass mal die Frau in Ruhe, die soll jetzt in Ruhe Ihren Wein trinken." Ich würde nicht dulden, dass diese Frau angemacht wird, denn ich will auch, dass Frauen mal alleine in eine Kneipe gehen können. Ich achte also drauf, dass auch Frauen hier hereinkommen können, und darum beschütze ich sie.

Wenn Sie sich mal trennen würden?
Wie, von dieser Kneipe?

Nein, Eva und Lothar.
Nee, ich würde mich nie trennen von meinem Mann, wir führen eine äußerst glückliche Ehe.

Jacqueline´s Juwelen

Inhaber: Edvar Ersoy

Warum heißt Ihr Geschäft Jacqueline´s Juwelen?
Jacqueline ist die Schwester von uns, die einzige, und da habe ich mir vorgenommen, wenn ich einen Laden eröffne, den nach ihr zu benennen.

Wieviel sind Sie?
Wir sind vier Kinder, drei Jungens, und Jacqueline ist die Jüngste.

Mögen Sie Ihre Schwester sehr?
Ja, auf jeden Fall, ja.

Ist sie schön?
Sie sieht gut aus, ja, ist zwar ein bisschen - ja, sag´ ich mal, schwierig manchmal, aber ist ein nettes Mädchen.

Wann kam Ihnen die Idee mit dem Juwelierladen?
Schon in der Schulzeit. Mein Onkel hat ebenfalls in Berlin einen Juwelierladen, er hat ihn nach seinem Nachnamen benannt, und das fand ich nicht so originell. Und Jacqueline ist auch ein schöner Name, generell, und wie gesagt, sie ist die einzige Schwester, und Jacqueline´s Juwelen hört sich auch besser an als der Familienname Ersoy.

Sie haben mir mal gesagt, dass viele Frauen hier kaufen, die Jacqueline heißen.
Ja, in den letzten Wochen kamen auch einige, die darauf sogar bestehen, hier einzukaufen wegen dem Namen, ja, weil sie ebenfalls Jacqueline heißen. Werden natürlich ein bisschen anders geschrieben, aber die kommen, weil sie halt so heißen.

Sind Sie Trauringspezialist?
Wir haben uns auf Trauringe spezialisiert, genau, das haben wir vor ungefähr anderthalb Jahren in Angriff genommen. Wir haben ´ne Riesenauswahl, man könnte sogar sagen, es ist die größte Auswahl ganz Berlins. Wir haben ständig über 500, 600 Paare auf Lager, zur Zeit sind es sogar 1.000, und wir machen auch verschiedene Ausstellungen im Jahr, sechs an der Zahl, die laufen immer ´ne ganze Woche lang, und zu diesen Ausstellungen werde ich noch mal mit Trauringen beliefert, die für diese eine Woche hier bleiben als Kommissionsware.

Hat für Sie ein Vorname als Firmenlogo etwas Persönliches?
Ja, es kommen viele Kunden rein und fragen auch, wer denn Jacqueline ist, und da sie nur mich und meinen Bruder sehen, fragen sie halt, wer sie sei. Jacqueline ist ja ein weiblicher Vorname, und es ist nun mal so, dass die Frauen mehr Schmuck mögen und lieben, auch im Trauringbereich ist es bestimmt zu 80 Prozent die Entscheidung einer Frau, die die Trauringe aussucht, weil die Männer ja eigentlich gar nicht so viel Schmuck mögen, selten sogar den Trauring tragen, und da entscheidet meistens die Frau, und deshalb auch wie gesagt der Name.

Wann wird am häufigsten geheiratet?
Ich hatte immer gedacht, dass im Mai die meisten Eheschließungen sind, weil ich im April, Mai die größten Umsätze im Trauringbereich mache. Aber letztens habe ich eine Statistik gelesen, in der verschiedene Sachen aufgeführt wurden, wie der Durchschnittstrauringpreis ist zum Beispiel, und wo und wann meist geheiratet wird, und da war der September als der Monat angeführt mit den meisten Eheschließungen. Hat mich sehr erstaunt. Ich find´ eigentlich den Mai doch viel schöner aufgrund des Wetters, und auch aufgrund von verschiedenen Postkutschen, die auch meistens gemietet werden, Cabrios kann man schön fahren, und im September ist es doch ein bisschen kühler.

Larry´s Tanzhaus

Inhaber: Dieter Wolfgang Lehr

Warum haben Sie Ihr Geschäft nach Ihrem Vornamen benannt?
Dazu muss ich sagen, dass es eigentlich gar nicht mein Vorname ist. Mein Rufname ist Dieter, aber der wurde noch nie benutzt, auch in der Schulzeit nicht. Die haben immer meinen Nachnamen "Lehr" verballhornt, und da kam Larry bei raus. Ich wurde also schon immer mit Larry angesprochen. Das tun alle, bis auf meine Mutter. Ich hab´ mich an dieses "Larry" gewöhnt, und durch diese Tanzerei wurde bewusst oder unbewusst der Begriff Larry ...: "Ich geh´ zu Larry!" - das heißt ich geh´ da tanzen.

Hat ein Vorname als Firmenlogo etwas Persönliches?
Ja, finde ich. Das Endergebnis ist, dass sie mich alle mit Larry ansprechen, ob groß, ob klein. Und ich hab´ auch nichts dagegen, ich finde das eher angenehm, dadurch ist diese Hemmschwelle, die Angst davor, sich mit ihrem Tanzlehrer zu unterhalten, gleich weg. "Oh Gott, das ist mein Tanzlehrer, dem darf ich nicht zu nahe kommen." - Die sprechen mich mit Larry an. Der Nebeneffekt ist, dass sich alle Kunden hier alle mit Vornamen ansprechen, entweder mit Du, wenn sie sich länger kennen, oder mit Sie, und das gibt eine ganz angenehme Atmosphäre, das ist fast clubartig, wie diese Clubs im Urlaub. Man spricht sich mit Vornamen an, der Nachname spielt keine Rolle. Und das hat sich dadurch zufällig ergeben, und ich find´ das sehr schön.

Mögen die Leute den Namen Larry?
Ich hab´ bisher nichts Negatives gehört, für sie ist das vollkommen normal, es ist halt ihr Larry.

Es gibt ja auch den Ausdruck "zum Larry machen" ...
Ja, das sag´ ich manchmal selber. "Tanzen Sie bitte nicht so, sonst machen Sie sich zum Larry". Manchmal kommen hier auch Kids rein, die ich vor vier, fünf Jahren mal im Unterricht hatte, die sehen nur die Aufschrift draußen, kommen herein und sagen: "Ja, du bist es ja immer noch." - "Ja", mein´ ich, "wieviel Larry kennst du denn?" - "Gar keinen." - "Ja", mein´ ich, "kann nur ich sein." Darum ist der Name für mich Gold wert, obwohl´s gar keiner ist.

Renates Waschstübchen

Inhaberin: Renate Bauer

Warum heißt Ihr Geschäft Renates Waschstübchen?
Weil ich Renate heiße.

Und Waschstübchen?
Weil es ´ne Wäscherei ist, ist ja keine Großwäscherei, ist ´ne kleine, wo ich bloß mit drei Maschinen wasche, also ist es bloß ein Waschstübchen, keine große Wäscherei.

Glauben Sie, dass der Firmenname wichtig für ein Geschäft ist?
Ja, für große, nehm´ ich an, für Reichelt bestimmt, aber ich bin meiner Meinung nach zu klein, ist ´ne kleine Firma, meine also, kann ich auch meinen Namen nehmen, so seh´ ich das.

Wie lange gibt es Ihr Geschäft schon?
Ich bin selbstständig seit drei Jahren.

Ich dachte, das gäb´s schon viel länger.
Ja, existiert auch länger. Vorher war es Waretex, und davor war es Rewatex gewesen, und ich selbst arbeite hier in dem Objekt bestimmt schon 20 Jahre, aber eben nicht selbstständig.

Was heißt Waretex und Rewatex?
Rewatex war ´ne große Aktiengesellschaft vor der Wende, ´ne Großwäscherei - heute ist es Larosé. Und Waretex existiert auch noch.

Was heißt Rewatex als Abkürzung?
Reinigen, waschen, Textil.

Sie haben da gearbeitet?
Das Objekt wollten sie schließen, also wurde mir gekündigt, und da bin ich zum Bezirksrat gegangen. Habe gefragt, ob ich das Objekt übernehmen kann selbstständig und weiterarbeiten, sag´ ich: "Ich habe ja meine Kunden schon 15, 20 Jahre, und ich hätte es ganz gerne weitergemacht." Sonst wäre ich ja zum Arbeitsamt gegangen. Und wie gesagt, auf Grund dessen habe ich den Laden gekriegt.

Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?
Kleinunternehmer, na ja, ich bin Einzelunternehmer.

Sprechen Ihre Kunden Sie mit Ihrem Vornamen an?
Teils, teils, ein paar und ein paar nicht.

Werden Sie auch geduzt?
Ja, einige ja, die ich schon länger kenne, wie gesagt, ist verschieden, teils, teils, nicht alle, aber ist normal, gehöre ja nun mal fast hier rein, bin ja schon alter Bestand.

Warum haben Sie Ihr Geschäft nach Ihrem Vornamen benannt?
Weil es eben mein Laden ist, und dann habe ich gedacht, dann kann es ja auch jeder sehen, dass es mein Laden ist. Die Leute kennen mich alle lange, die wissen wie ich heiße, und da war es eben auch das Naheliegende. Ich bin nicht Waretex, ich bin nicht Larosé, ich bin Renate, also ist es Renates Waschstübchen. Früher bei Rewatex oder Waretex war ich ja auch immer alleine im Objekt und musste immer arbeiten, und da hab´ ich früher schon immer gesagt: "Ich kann Waretex wegmachen, ich kann da Renates Waschstübschen ranschreiben", weil wir ja wirklich für alles alleine zuständig waren.

Gab´s zu DDR- Zeiten auch Geschäfte mit den Vornamen?
Nee, ganz selten, nehm´ ich an, ganz selten. Also mir ist es weniger aufgefallen, schon gar nicht mit den Vornamen, es wurde meistens der Nachname genommen, wenn überhaupt. Und zu DDR-Zeiten war es ja auch recht selten, dass sich einer selbstständig gemacht hat, so was gab´s ja so gut wie gar nicht. Das waren ja wirklich Hürden, die man da überspringen musste. Aber selbstständig sein brauchte man ja auch nicht. Man hat seine Arbeit gehabt, man hat sein Geld gekriegt, und dann war es in Ordnung gewesen, und heute muss jeder sehen, ob er zum Arbeitsamt geht oder um ´ne Existenz kämpft. Und das war ja bei mir auch so, entweder ich wäre zum Arbeitsamt gegangen, oder ich hätte das Objekt genommen. Mir blieb ja keine andere Wahl, und da hab ich gesagt, jetzt springe ich ins kalte Wasser.

Fusspflegesalon Ursula

Inhaberin: Ursula Senzel

Warum heißt Ihr Geschäft Ursula?
Das ist ganz einfach bei mir, ich habe einen schwierigen Nachnamen. Und da ich mit vielen älteren, alten und ganz alten Menschen zu tun habe, entschloss ich mich, meinen Vornamen ins Firmenlogo zu nehmen. Ich heiße Senzel und ältere Leute können sich den Namen zu schlecht merken und nennen mich "Frau Ursula".

Aber Senzel klingt gar nicht kompliziert ...
Wenzel, Menzel, Stenzel sind geläufige Namen in Berlin, aber Senzel nicht. Es gibt nur sechs oder sieben Eintragungen nach der Wiedervereinigung im Telefonbuch. Der Vorname ist auch etwas Anheimelndes in dieser unpersönlichen Welt, in der Großstadt.

Interviews und Fotos von Bärbel Freund


00:00 07.11.2003

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