Welt-Klima-Gipfel in Bali

Fakten Der Kyoto-Prozess ...

Der Kyoto-Prozess

1992 - Prinzip Vorsorge
In Rio de Janeiro gibt es die bis dahin größte Umweltkonferenz der UNO, bei der unter anderem eine Klimarahmenkonvention (UNFCC) unterzeichnet wird. Erstmals wird darin völkerrechtlich verbindlich das Ziel fixiert, einen von Menschen verursachten Eingriff in das Klimasystem der Erde aufzuhalten. Es gilt das Prinzip Vorsorge, weil zu diesem Zeitpunkt noch die letzte wissenschaftliche Sicherheit für einen Klimawandel fehlt.

1995 - Berliner Mandat
Der 1. Weltklimagipfel in Berlin einigt sich, die Klimarahmenkonvention mit einem Zusatzprotokoll zu unterfüttern, das konkrete Pflichten der Industrieländer festlegt, ihre Emission an Treibhausgasen zu reduzieren. So soll es in der EU bis 2012 eine Senkung um acht Prozent geben. Russland und die Ukraine dürfen ihr Emissionsniveau von 1990 nicht überziehen. Für China und Indien ist vorerst kein Limit vorgesehen.

1997 - Verhandlungserfolg
Im japanischen Kyoto wird das in Berlin vereinbarte Dokument als Kyoto-Protokoll verabschiedet. Es soll in Kraft treten, wenn es mindestens 55 Staaten, die zusammen mehr als 55 Prozent der CO2-Emissionen des Jahres 1990 verursachten, ratifiziert haben. Als Laufzeit wird ein Zeitraum bis 2012 festgelegt.

2002 - Der 55. Staat
Am 23. Mai ist mit der Annahme des Kyoto-Protokolls durch das isländische Parlament das Staatenquorum von 55 Unterzeichnern erreicht.

2004 - Der Durchbruch
Mit dem Beitritt Russlands zum Kyoto-Protokoll, auf das etwa 18 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes entfallen, ist auch die zweite Bedingung für die Umsetzung des Vertragswerkes erfüllt.

2005 - 5,2 Prozent
Am 16. Februar - 90 Tage nach der Ratifizierung durch die russische Duma - tritt das Kyoto-Protokoll in Kraft, das in diesem Moment 136 Staaten gebilligt haben, die 85 Prozent der Weltbevölkerung abdecken und für einen CO2-Ausstoß von 62 Prozent verantwortlich sind. Ab sofort gilt, dass die Industrieländer bis zum Zeitraum 2008 - 2012 ihren jährlichen Ausstoß an Treibhausgasen um durchschnittlich 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990 abbauen.

2007 - Die Realitäten
Mit dem Stand vom 1. November sind 176 Staaten dem Kyoto-Protokoll beigetreten, nicht aber die USA und Australien, die das Dokument zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert haben. Zugleich steigt trotz aller Bemühungen weltweit die Emission von Kohlendioxid und Lachgas weiter an - viele Staaten halten sich nicht an die übernommenen Verpflichtungen.

Die von Deutschland erzielte Verringerung der Treibhausgasemissionen von etwas mehr als 17 Prozent seit 1990 ist besonders der fast flächendeckenden Abwicklung der Industrielandschaft in Ostdeutschland zu verdanken. Die EU insgesamt hat die übernommenen Verpflichtungen bislang nicht erfüllt.

Die Treibhausgase

Bei den im Kyoto-Protokoll erfassten Treibhausgasen handelt es sich um: Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid (auch Lachdas, N2O), teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW/HFCs), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW/PFCs) und Schwefelhexafluorid (SF6).

Klimaerosion in Asien

Bis 2050 erwartet China bei anhaltender Erderwärmung einen Produktionsausfall in der Landwirtschaft zwischen fünf und zehn Prozent. Bis Ende des Jahrhunderts könnten Dürren fast 40 Prozent der Weizen- und Reisproduktion in der Volksrepublik vernichten.

Bis 2050 könnte Vietnam bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter über zwölf Prozent fruchtbarsten Landes in den Küstenregionen verlieren, so dass 17 bis 18 Millionen Menschen, ein Viertel der Gesamtbevölkerung, umgesiedelt werden müssten.

Bis 2050 werden bei einer Erderwärmung um zwei Grad in Hongkong kalte Winter für lange Zeit der Vergangenheit angehören und die Tagestemperaturen nicht mehr unter zwölf Grad fallen.

Bis 2050 kann die Gletscherschmelze im Himalaja ein Ausmaß erreichen, dass zunächst mit gewaltigen Überflutungen zu rechnen ist, auf lange Sicht der Wasserstand der bedeutendsten Ströme in der Region - des Ganges, Mekong und Yangtse - aber sinken wird. Im Westen Chinas würden 70 Prozent der Eismassen verschwunden sein.

Bis 2050 muss Indien angesichts der sich abzeichnenden Dürren und Überschwemmungen mit einer um ein Drittel verringerten Produktion von Nahrungsmitteln rechnen.

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