Wenn Ilse Aigner zu viel Gin getrunken hat

Die Ratgeberin Von Ösi-Lemmingen und stinkendem Pansen: So kann man sich endlich die Namen der anderen Eltern bei Kita- und Schulfesten merken
Susanne Berkenheger | Ausgabe 30/2016 2
Wenn Ilse Aigner zu viel Gin getrunken hat
Taugt immerhin zur Eselsbrücke
Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images

Ich bin Susanne, Mama von Finn. Das kann ich mir gerade noch merken. Erste Schwierigkeiten tauchen bereits bei Lui, Papa von Malik, auf. Oder war es Leo (von Marik)? Bei Jamal (von Nesta) weiß ich bereits Sekunden nach dem Händedruck nur noch Aal (von A), der Rest: Gone with the Wind. So war es zumindest, bevor ich mein Gedächtnis mithilfe von Dr. Gunther Karsten, Gedächtnisweltmeister 2007, in ein „Erfolgsgedächtnis“ umwandelte.

Bei einem plötzlichen Ansturm neuer Bekanntschaften merkte sich mein früheres Gedächtnis nur, wer außer mir noch Susanne hieß. Damit konnte ich zwar bei Kita- und Schulfesten oft schon einige andere Mütter abdecken, aber alle heißen halt dann doch nicht Susanne und ihre Kinder schon gar nicht: Kein einziges heißt da Susanne.

Im Gegenteil haben die oft Namen, die ich noch nie zuvor im Leben gehört habe. Namen, die wahrscheinlich ausgedacht sind, und das auch noch von Iranerinnen, Marokkanern, Finninnen oder Polen. Aber: Für mein neuartiges Erfolgsgedächtnis kein Problem. Es ist toll: Ich muss nur möglichst originelle Mentalbilder finden, schon lassen sich die sinnlosesten Silbenfolgen auf immer und ewig mit Leuten verknüpfen.

Mit diesem angenehmen Wissen stapfe ich jetzt zum Grill zu Aydın, Papa von Abbas. „Aydın“, wiederhole ich, weil man das so machen soll. Einerseits um zu überprüfen, ob man den Namen richtig gehört hat, andererseits um sich währenddessen ein passendes Bild zu erarbeiten. Aydın, Aydın, Aydın, überlege ich hektisch, fängt an wie Aigner und hört auf wie Gin. Das muss ich jetzt noch mit diesem Papa verknüpfen. Dazu stelle ich mir vor, wie Aydın der betrunkenen Ex-CSU-Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner nach Hause hilft. Sie grölt und schwenkt eine leere Ginflasche. Immer wieder fällt sie hin, er hat es wirklich schwer, der Papa mit der Aigner, aber auch mit mir, weil mein Gehirn im Mentalbild-Erstellungsmodus das Gespräch für Momente nicht weiterführen kann. Ich bin im Stand-by.

„Auch eine Wurst?“, fragt er mich nun schon zum zweiten Mal. „Wurst“, wiederhole ich, um gleich das nächste Bild zu kreieren, und assoziiere bereits Schnurz und Schnurrbart, bevor ich mein Versehen bemerke. Ich muss mir doch den Namen Wurst gar nicht einprägen, schließlich wird die sowieso gleich gegessen. „Entschuldigung, ja gern, vielen Dank.“ Aigner, Gin und ich schlendern sodann gemeinsam zu einem Tisch, an dem ein österreichischer Lemming auf einer großen lockigen Frisur fläzt (den Haaren von Özlem). Neben ihr und ihrem Ösi-Lemming auf dem Kopf sitzt, hallo, eine Susanne, die einen Homo kashmir (Homokashti) zur Welt gebracht hat. Ich frage den betrunkenen Aignergin, von wem er noch mal der Papa ist, weil ich dummerweise nur noch Barbapapa erinnere. Dabei ist er, wie sich jetzt herausstellt, der Vater zweier Popgruppen namens Abba, also den Abbas. Jetzt stößt noch stinkender Pansen hinzu mit ihrer herrlich gekräuselten Nase, die ich vorher schon kennengelernt habe. Begeistert stelle ich fest, dass ich mich tatsächlich noch an ihren Namen erinnere. Dank stinkendem Pansen, den unser Hund so gern mag. „Panya“, sage ich erfreut, sie freut sich auch – wow, ich weiß den Namen noch. Aber sie weiß meinen auch noch.

Das erschreckt mich etwas. Operiert sie auch mit Mentalbildern? Und, falls ja, wie bin ich bei ihr abgespeichert? Hängt mir vielleicht ein Regenwurm aus der Nase? Nein, Moment, jetzt weiß ich es, ganz bestimmt: Wahrscheinlich bin ich ein grunzendes Wildschwein (Sus scrofa) in der Wanne.

Susanne Berkenheger verteilt als Die Ratgeberin regelmäßig für den Freitag gute Ratschläge

06:00 30.07.2016

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