Wer entscheidet?

GENTECHNOLOGIE Antwort auf die Einwände von Claudia Stellmach ("Freitag" 50/2000) und Jürgen Grosz ("Freitag" 51/2000)

Wenn man einmal annimmt, dass die beiden Repliken von Frau Stellmach und Herrn Grosz repräsentativ sind, dann scheint die zentrale Frage zu sein, ob und wie Eltern selbstbestimmtes Handeln im Zusammenhang mit Gentests und PID/PD (Präimplantationsdiagnostik, Pränataldiagnostik) zuzumuten und zuzutrauen ist. Auf die Spiegelfechtereien vor allem im Beitrag von Frau Stellmach einzugehen, lohnt wohl kaum. Wo zum Beispiel behaupten wir, dass "individuelle Eugenik selbstbestimmte individuelle Krankheitsvermeidung bringt"? Individuelle Eugenik kann es nicht geben, weil sich Eugenik immer auf Populationen bezieht. Was wir sagen ist, dass ein (eugenischer) Populationseffekt als Nebeneffekt von Einzelentscheidungen, die aus ganz anderen Gründen getroffen werden, entstehen kann, aber nicht muss. Und Herr Grosz verstümmelt unsere Aussage "der Missbrauch der Gentechnik wird nicht als inhärent, sondern als Folge der gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen gesehen", um sich dann zu beklagen, dass wir angeblich von Mensch und Gesellschaft absehen.

Aber zurück zur Frage der Selbstbestimmung. Sowohl Frau Stellmach als auch Herr Grosz argumentieren hier völlig einseitig. Wenn Schwangere die Verlautbarungen von EKD oder Vatikan internalisiert haben, dann gilt es bei ihnen offensichtlich als Selbstbestimmung. Wenn Schwangere den angeblichen gesellschaftlichen Mainstream oder die Richtlinien der Bundesärztekammer internalisiert haben, wird das überheblich als Fremdbestimmung abqualifiziert. Wer also soll entscheiden? Unserer Meinung nach kann es und darf es keine "Instanz" geben, die Frauen dazu zwingt, Embryonen auszutragen, wenn sie das nicht wollen. Als zweites wichtiges Interesse ist das Wohl des entstehenden Kindes zu berücksichtigen. Das heißt, alle aktiven Eingriffe müssen sich - ebenso wie Unterlassung von Hilfeleistungen! - an diesen beiden Kriterien orientieren.

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