Ella Hartmann
Ausgabe 0516 | 09.02.2016 | 06:00 57

Wer hat Angst vor einem Stück Stoff?

Crossdressing Eine Mutter näht ihrem fünfjährigen Sohn ein Kleid und muss sich viele Fragen anhören

Mehrere Wochen lang bettelte der kleine Sohn, ich möge ihm bitte ein Kleid nähen. Der Wunsch hielt sich hartnäckig. Ausgesucht hat er sich dann ein Trägerkleid mit einem Stoff mit Einhörnern. Dass die Knöpfe in ungleichmäßigem Abstand angenäht sind, stört ihn überhaupt nicht. Er liebt sein Kleidchen jetzt heiß und innig. Er tanzt und tobt darin durch die Wohnung und fragt jeden Tag, wie lange es noch dauert, bis es endlich warm genug ist, um es im Kindergarten tragen zu können. Ein voller Erfolg! Eigentlich gäbe es dazu nicht viel mehr zu sagen: Wenn mein Sohn sich ein Kleid wünscht, dann bekommt er eins. So einfach ist das.

So einfach ist das anscheinend aber nicht für alle. Während des Nähprozesses habe ich immer mal wieder einzelne Zwischenschritte auf Instagram gezeigt, und jedes Mal erreichten mich dazu per Instagram oder Twitter Fragen und Kommentare. Also gut, machen wir mal das große Fass auf und beschäftigen uns damit, welche Sorgen und Ängste ein Kleidchen auslösen kann, wenn es von einem männlichen Kind getragen wird.

Seltsames Frauenbild

Ein Kommentar lautete: „Ein Junge in einem Kleid? Das sieht doch lächerlich aus! Kleider sind was für Mädchen, und Jungs gehören in Hosen.“ Je länger ich darüber nachdenke, desto absurder finde ich das. Zum einen denke ich: Wer es lächerlich findet, wie ein Mädchen auszusehen, sollte mal gründlich über sein*ihr Frauenbild nachdenken. Was sich für welches Geschlecht angeblich gehört oder nicht, ist für mich eine antiquierte Denkweise, die zeigt, dass Geschlechterrollen ausgedachte Konstrukte sind, die hauptsächlich in unseren Köpfen existieren. Zum anderen finde ich es irritierend bis bedenklich, einem Kind, das sich ein Kleid wünscht, erst mal in die Unterhose gucken zu wollen, um zu entscheiden, ob es eins haben darf.

Die nächste Frage: „Ich fände das toll, aber ich hätte Angst, dass er irgendwie ausgegrenzt oder gehänselt werden könnte. Bereitest du ihn drauf vor, dass das passieren könnte?“ Diese Frage hat eigentlich zwei Teile, und der erste beantwortet sich eigentlich von selbst: „Ich hätte Angst.“ Ja, genau, du hast diese Angst. Dein Kind nicht. Vielleicht siehst du Normen und Grenzen, die dein Kind zum Glück noch nicht sieht. Dein Kind ist frei davon, es hat einfach Spaß dran, sich auszuprobieren.

Zum zweiten Teil der Frage: Ja, ich bereite mein Kind in gewisser Weise drauf vor, dass andere sich blöd verhalten könnten – indem ich mich bemühe, ihm ein möglichst standhaftes Selbstbewusstsein und ein paar schlagfertige Antworten mit auf den Weg zu geben. Mein Sohn findet sich wunderschön in seinem Kleid und mit den rosa Haarspangen, die er seiner Schwester gemopst hat. Er genießt es, darin durch die Wohnung zu tanzen, er fühlt sich toll. Niemand hat ein Recht, ihm diese Freude und diese Leichtigkeit kaputtzumachen. Ich sage ihm, dass er schön aussieht. Bejahe seine Frage, ob ich ihm auch noch ein zweites Kleid nähe. Kurz: Ich unterstütze ihn in seinen Interessen und Vorlieben.

Und nein, ich sage keine Sätze wie: „Du kannst das schon machen, aber du musst wissen, dass das anderen nicht gefallen könnte und dass sie dann vielleicht blöde Sachen zu dir sagen.“ Ich möchte ihm nicht beibringen, dass er die Erlaubnis von anderen Menschen braucht, um so sein zu können, wie er ist. Ihm kommt es überhaupt nicht in den Sinn, dass andere ihn wegen eines schönen Kleids auslachen könnten. Im Freundeskreis des großen Sohns wird teils leider erwartet, dass man sich von Mädchen und allem, was mädchenhaft scheint, möglichst stark abgrenzt. Da wird „Mädchen“ unter Siebenjährigen schon hin und wieder als Beleidigung verwendet und „Iiih, Mädchen!“ und „Bäääh, Rosa!“ gesagt.

Glücklicherweise macht der große Sohn da selten mit und vergewissert sich zu Hause immer wieder mal: „Die haben einfach keine Ahnung, gell? Weil, sonst dürften Mädchen ja auch kein Blau tragen, oder keine Hosen.“ Wenn es einen Standardsatz gibt, mit dem ich meine Kinder in dieser Hinsicht irgendwie wappnen will, dann lautet der: Alle Farben sind für alle Kinder da, und Jungs dürfen Kleider anziehen, genau wie Mädchen Hosen anziehen dürfen.

Eine ähnliche Frage lautet: „Habt ihr noch nie blöde Reaktionen bekommen?“

Ich glaube, was richtig Blödes war tatsächlich noch nie dabei. Es gab schon öfter das typische „Aber das ist doch eine Mädchenfarbe!“ oder „Damit spielen doch nur Mädchen“ – sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern. Zwischenzeitlich hat das meine Jungs ein bisschen verunsichert. Mehr habe ich aber bisher noch nicht mitbekommen.

Nudeln oder Salat

Dann die Frage: „Glaubst du, er könnte schwul oder transgeschlechtlich sein?“

Keine Ahnung. Er ist fünfeinhalb. Ich glaube, das ist noch sehr früh für solche Vermutungen. Vielleicht ist er schwul, vielleicht trans, vielleicht agender – möglicherweise wird er am Ende auch einfach cis-hetero. Vielleicht ist es schlicht pupsnormal, dass ein Kind sich auf diese Weise ausprobiert, wenn man es lässt, und vielleicht hat das gar nichts damit zu tun, welche Geschlechtlichkeit oder Sexualität er irgendwann an sich feststellen wird.

„Was würdest du machen, wenn dein Sohn kein Mädchen, sondern einen Jungen mit nach Hause brächte?“

Diese Frage habe ich tatsächlich schon öfter gehört, nicht nur in Bezug auf Kleidung. Sondern beispielsweise auch, weil meine Jungs immer schon und auch mit fünfeinhalb und sieben Jahren ab und zu noch gern mit Puppen spielen. Was würde ich also machen, wenn einer meiner Söhne irgendwann tatsächlich einen Jungen mit nach Hause bringt? Meine Standardantwort darauf lautet: „Es kommt auf die Tageszeit an. Mittags vielleicht Nudeln, abends einen Salat oder so.“

Die fragende Person guckt dann meistens etwas irritiert, aber ganz ehrlich: Anders kann ich diese Frage nicht verstehen. Mein Sohn stellt den Menschen, den er liebt, zu Hause vor – da freue ich mich doch! Darüber, dass er offensichtlich glücklich verliebt ist, und darüber, dass er seine Liebe gerne mit zu uns nach Hause bringt.

„Juckt dich das wirklich gar nicht, dass er schwul oder trans sein könnte?“

Gut, Spaß beiseite: Natürlich juckt mich das. Denn homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen sind nach wie vor gefährlichen Anfeindungen ausgesetzt. Erst vor wenigen Wochen wurde ein homosexuelles Paar in meiner sonst ach so toleranten Stadt massiv körperlich angegriffen. Und durch transgeschlechtliche Menschen in meinem direkten Umfeld bekomme ich immer wieder mit, welchen Ungerechtigkeiten und Gefahren sie jeden Tag ausgesetzt sind – und wie zermürbend das ist.

Natürlich hätte ich Sorge, dass auch meinem Kind so etwas passieren könnte. Aber das oder auch andere alltägliche Ausgrenzungen von homosexuellen oder transgeschlechtlichen Menschen sind erst recht ein Grund, offen und unterstützend damit umzugehen. Das Kind zu ermutigen, zu sich zu stehen, und ihm klar zu verstehen zu geben: Ich stehe hinter dir. Du hast ein Recht, so zu sein, wie du sein möchtest. Mit der Kleidung, die du anziehen möchtest, und mit dem Menschen an deiner Seite, den du dir aussuchst. Völlig unabhängig davon, was du oder der Mensch, den du liebst, zwischen den Beinen haben – du bist richtig und großartig, genau so, wie du bist.

Ella Hartmann ist Mutter einer Tochter und zweier Söhne. Unter ringelmiez.de betreibt sie einen „politischen Handarbeitsblog“

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 05/16.

Kommentare (57)

Moorleiche 09.02.2016 | 10:26

Hallo Ella Hartmann.

Ich sehe das skeptisch und werde Ihnen eine unpopuläre und hoffentlich begründete Antwort geben.

Das Problem scheint mir zu sein, dass Sie die Fragen zwar für Sich und Ihren Sohn beantworten, aber dabei m.E. verkennen, dass Ihr Sohn (und Sie selbst) nicht allein von Ihnen bewertet wird. Mindestens in ihre Umfang und ihrer Bedeutung. Eine gewisse Empathie in die Sichtweise der Gesellschaft in der man lebt, sollte man haben und habe den Eindruck, dass Sie das durchaus haben. Kritische Fragen perlen ja nicht an Ihnen ab, Sie sprechen sie offen an. Ihre Antwort scheint zu sein, dass es Ihr Kind nur stärken kann, wenn es früh lernt anders zu sein, solange Mutter es dennoch liebt. Die generelle Haltung „Du bist und bleibst Mamas Sonnenschein, was auch immer du tust und willst“ halte ich ehrlich gesagt für nicht ganz ungefährlich. Wenn man die Einstellung: „Was jucken mich die anderen, wenn Mama mich bedingungslos liebt“ verinnerlicht, kann das auch in eine unschöne Richtung kippen. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich nicht weiß, wie Ihr sonstiges Familienleben aussieht und mich das im Grunde auch nichts angeht. Wenn Sie Ihrem Kind ansonsten Grenzen setzen, die klar sind und auch eingehalten werden, scheint mir das tendenziell unproblematischer zu sein. Wenn Sie das nicht tun und Ihr Kind sogar als politisches Beispiel instrumentalisieren, würde ich Ihnen die ernst und gut gemeinten Rat geben, sich psychotherapeutisch helfen zu lassen.

Moorleiche 09.02.2016 | 10:33

Korriegierte Version:

Hallo Ella Hartmann.

Ich sehe das skeptisch und werde Ihnen eine unpopuläre, aber hoffentlich begründete Antwort geben.

Das Problem scheint mir zu sein, dass Sie die Fragen zwar für Sich und Ihren Sohn beantworten, aber dabei m.E. verkennen, dass Ihr Sohn (und Sie selbst) nicht allein von Ihnen bewertet wird. Mindestens in ihrem Umfang und ihrer Bedeutung. Eine gewisse Empathie mit der Sichtweise der Gesellschaft in der man lebt, sollte man haben und ich habe den Eindruck, dass Sie diese durchaus besitzen. Kritische Fragen perlen ja nicht an Ihnen ab, Sie sprechen sie offen an. Ihre Antwort scheint zu sein, dass es Ihr Kind nur stärken kann, wenn es früh lernt anders zu sein, solange Mutter es dennoch liebt. Die generelle Haltung „Du bist und bleibst Mamas Sonnenschein, was auch immer du tust und willst“, halte ich ehrlich gesagt für nicht ganz ungefährlich. Wenn man die Einstellung: „Was jucken mich die anderen, wenn Mama mich bedingungslos liebt“ verinnerlicht, kann das auch in eine unschöne Richtung kippen. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich nicht weiß, wie Ihr sonstiges Familienleben aussieht und mich das im Grunde auch nichts angeht. Wenn Sie Ihrem Kind ansonsten Grenzen setzen, die klar sind und auch eingehalten werden, weil Sie unaufgeregt darauf bestehen, scheint mir das tendenziell unproblematischer zu sein. Wenn Sie das nicht tun und Ihr Kind sogar als geselschaftspolitisches Beispiel instrumentalisieren, würde ich Ihnen den ernst und gut gemeinten Rat geben, sich psychotherapeutisch helfen zu lassen.

Richard Zietz 09.02.2016 | 10:53

Dass der Junge sich das Kleid gewünscht beziehungsweise sogar darum »gebettelt« hat, würde ich stark bezweifeln. Selbst wenn es so wäre, wäre dringend die Frage zu stellen, wie viel genderpolitische Indoktrination seitens der Mutter oder – im nicht ganz so ungünstigen Fall – ein künstliches, lebensfremdes Milieu-Biotop neben der Realität für das Aufkommen eines derartigen Wunsches verantwortlich ist. Und ob die Mutter das Kind über mögliche Folgen ausreichend aufgeklärt hat.

A Boy named Sue in der späten Alternativmilieu-Variante? Was im Lied bereits schlimm daneben ging (und in Cashs sozialrealistischem Country-Song auch entsprechend geschildert wird), klappt in der künstlich agressionsbefreiten Prenzlauer-Berg-Variante noch viel weniger. Der Freitag-Beitrag zum Experiment kommt zwar im typisch selbstreflexivem Duktus des einschlägigen Milieus daher. Leider reflektiert die Autorin nicht die Folgen für das noch im Vorschulalter befindliche Kind. Gegenstand der freitäglichen Erörterung sind vielmehr zwei wichtigere Themen: a) ideologische Fragen (ist das Experiment konform mit der Gender-Ideologie?), b) die Frage, wie sich die Mutter / Autorin bei alldem fühlt (was anscheinend das Wichtigste ist).

Was tun? Hier ist das Kind wohl in den Brunnen gefallen. Eine Nachbereitung im Freitag – mit entsprechenden Posts der Fangemeinde dieser Ideologie, die ja nicht selbst betroffen ist, sondern die Versuchsanordnung lediglich goutieren muß – ist das Ganze jedoch allemal wert. Zu hoffen bleibt, dass dieser Artikel wenigstens den Gegenwert für eine Halbjahresration Frühstücks-Cornflakes wert war.

GEBE 09.02.2016 | 11:22

Ich, als (alter) Mann und Opa, der u.a. zudem auch gut nähen kann, so daß ich mir selbst einen Teil meiner Garderobe nähe, würde, hätte ich einen Enkelsohn, der sich ein Kleid wünschte, keinerlei Probleme und/oder Hemmungen, ihm ein solches zu nähen. Ich würde ich mit ihm auch selbstverständlich genauso in die Öffentlichkeit gehen, zum Einkaufen, Spazieren, Kräuter sammeln, ins Konzert usw., als trüge er Hosen.

Allerdings eines würde ich absolut nicht tun: sein Gefallen am Tragen von Kleidchen durch irgendeinen genderpolitischen Scheißdreck Zusammenhang vereinnahmen lassen!

GEBE 09.02.2016 | 11:54

"Dass der Junge sich das Kleid gewünscht beziehungsweise sogar darum »gebettelt« hat, würde ich stark bezweifeln."

Warum denn nicht?

Ich erzähle Ihnen mal was: Ich war so ungefähr fünf oder sechs Jahre alt, aufgewachsen in einem "urdeutschen" Proletenhaushalt mit viel Hauruck, so, wie es damals gang und gäbe war, da wurde in der Dorfkneipe, inmitten des abgestandenen Dunstes von kaltem Rauch und Bier, durch eine kleine Gruppe fahrendes Volk, Hänsel und Gretel aufgeführt. Eine sehr bescheidene Aufführung war das. Das Hexenhäuschen war ein mit Tischdecken bis zum Boden verhängter Kneipentisch. Alles war wenig märchenhaft.

Aber eines hat mir unglaublich gefallen, ich hatte so etwas noch nie gesehen, es war das Kleidchen, das die Gretel trug. Es glitzerte über und über. Zuhause habe ich davon erzählt und erfuhr, daß so ein Kleidchen ein Paillettenkleidchen genannt wird. Es hatte mir derart gefallen, daß ich g e b e t t e l t habe, auch so eins zu bekommen. Dem Wunsch wurde selbstverständlich nicht entsprochen!

Ich bin des Weiteren mein Leben lang auch gut ohne Paillettenkleidchen zurecht gekommen. Fällt mir das heute aber wieder ein, wenn ich so hin und wieder durch meine Biographie spaziere, kann ich einerseits verstehen, daß das damals als ein von mir unmöglicher Wunsch angesehen worden ist, der deutschen Ordnung wegen, finde es heute aber grundsätzlich immer noch saudoof, daß die Kriterien der damaligen Ablehnung sich erschöpften in: Nachbarn; deutscher Junge; das gehört sich nicht und ähnliche, sattsam bekannte externale Attribuierungen.

Und viel hat sich da anscheinend bis heute nicht geändert. Nicht wahr, es ist doch schon eine tolle Ventilerfindung, daß verklemmte Männer wenigstens an Karneval mit Fummel und Schminke rumtoben dürfen!

Moorleiche 09.02.2016 | 12:03

Wir, Mädchen und Jungen, haben uns damit verkleidet und gespielt. Keiner ist auf die Idee gekommen, wir könnten schwul oder lesbisch werden. Das gibt mir zu denken. :))))“

Zurecht, denn die Assoziation, dass man durch rosa Kleidchen schwul werden könnte ist m.E. an Blödheit kaum zu überbieten. Wann immer die dominante sexuelle Objektwahl, wie es so schön und scheußlich heißt, stattfindet, wenn man den Wunsch äußert sich rosa Kleidchen anzuziehen, ist dieser Zug längst abgefahren. Das ist einfach grobe Unkenntnis, gepaart mit homophoben Vorurteilen.

Moorleiche 09.02.2016 | 12:08

"Warum wird aus dem natürlichen Experimentieren von Kindern durch die Autorin ganz offensichtlich ein Politikum konstruiert?"

Das ist auch für mich der eine kritische Punkt.

Der andere ist die merkwürdige Tendenz in letzter Zeit, zwei Themen die scheinbar - aber eben auch nur scheinbar - zusammenhängen, einer Zwangsheirat zu unterziehen.

Was hat denn die Wahl der Kleidung und das Rollenspiel in jungen Jahren mit der sexuellen Ausrichtung zu tun? Muss ich, wenn ich das Verhalten der Autorin kritisiere automatisch auch gegen Homosexualität sein? Was für ein Unfug.

Comparse 09.02.2016 | 12:44

Eben. Mein Junge spielte damals im Kindergarten viel lieber mit den Mädchen und fand kein Gefallen am Herumbalgen der Jungen.

Ich habe mir damals überhaupt keine Gedanken darüber gemacht - auch wenn einige Erzieherinnen glaubten, mich darauf ansprechen zu müssen. Das ging bei mir in ein Ohr rein und zum anderen wieder raus - und heute ist er ein liebevoller Mann und wünscht sich viele Kinder.

Sein damaliger Berufswunsch war Erzieher. Auch wenn ich ihn darin bestärkte - von seinen Kumpels tat das offenbar niemand.

Nun ist er eben keiner geworden - dafür ist er in seinem Unternehmen ein guter Teamleiter.

Nicht jeden "Pups" kommentieren oder verteidigen wollen - stattdessen einfach mehr Vertrauen in das, was uns oder unseren Kindern in die Wiege gelegt wurde.

Richard Zietz 09.02.2016 | 13:42

Um auf Ihre »Warum«-Frage einzugehen: Kinder orientieren sich (außer an den Bio- oder Patchwork-Eltern) normalerweise an ihrer Peer-Group – also Freund(inn)en, Gleichaltrigen, im weiteren Sinn auch an der sie umgebenden Gesellschaft. All diese Gruppen sind in aller Regel nicht »queer«. Im Gegenteil: Teils begründet und zu Recht, bestehen gegen diese Ideologie Vorbehalte der allermassivsten Art. Wertfrei ausgesprochen ist somit Fact: Repressionsfrei ausleben (sofern es das will und die queeren Vielfaltsmodelle faktischen Gehalt haben) könnte das Kind derlei Rollenverständnisse vielleicht in tausend Jahren, oder zehntausend.

Springender Punkt allerdings ist die Frage, ob das Kind das will bzw. wer das Kind auf die beschriebenen Ideen gebracht hat. Der Verdacht, dass hier ein ideologisches Experiment (auf dem Rücken des Jungen) stattfindet, erhärtet sich zum einen durch die ideologischen Schablonen, welche die Autorin im Beitrag propagiert. Sicher, alle sollen ihre sexuelle Orientierung ungehindert ausleben (sofern das gleicher Augenhöhe und freiwillig geschieht). Wenn allerdings die gängigste Variante mit dem abwertend-mißbilligenden Zusatz »cis« attributiert und indirekt-ermahnend so in die anrüchige, potenziell maskulinistisch-rassistisch-chauvinistische Ecke gerückt wird, dann ist klar, wohin die Reise geht, welche Form der sexuellen Orientierung dem Kind als gewünscht und welche als eher unerwünscht beigebogen werden soll.

Zu viel in diesen Beitrag hereingelesen? Werfen Sie einen unvoreingenommenen Blick auf die Webseite der Autorin. Da werden Sie schnell in Erfahrung bringen, dass den »Wünschen«, der »Bettelei« der kleinen Herzallerliebsten lediglich dann nachgekommen wird, wenn diese in die gewünschte ideologische Richtung gehen. Bei Indianerkostümen zu Fasching nämlich – lesen Sie es ruhig nach – ist dann schlagartig Schluss mit Kinderwünschen und Selbstverwirklichung. Und was die Autorin zu den Kasperle-Hexen Ihrer Kindheit eventuell zu sagen hat, möchte ich persönlich lieber nicht wissen.

Ehrlich gesagt sind mir derart massierte Missionsabsichten in jüngerer Zeit selten vorgekommen – vielleicht, weil mich der anmaßende, dauermoralisierende Impetus dieses Milieus aufregt und ich es auch bei meinen Webausflügen eher meide. Wobei das wirkliche, größere Desaster in meinen Augen darin besteht, dass sich der Freitag diesen Mix aus Heterosexualitäts-Feindlichkeit und sonstiger Lebensgestaltungs-Besserwisserei mehr und mehr zu eigen macht bzw. als neue linke Hauptlinie propagiert. Dass Jürgen Elsässer (den ich politisch bedenklich finde) den Freitag als »dröge« klassifiziert (und ich E. in dem Punkt – leider und als dFC-Blogautor zähneknirschend – Recht geben muß), zeigt ergänzend das übergeordnete, auch auf der strategischen Ebene sich anbahnende Desaster auf:

- »Links« ist Lifestyle für die akademischen Klassen.

- Außer Selbstkasteiung und Unterordnung unter die neoliberale Arbeitsmaschine bringt dieser Lifestyle auch denjenigen nichts, die ihn leben und propagieren.

- ersatzweise basht man die Prolet(inn)en als geistig zurückgeblieben (im besseren Fall) oder gleich als Rechte, Rassisten, Chauvis etcetera pepe – Deutschland im Winter 2016.

Leider hatte die linke Idee bereits in der Vergangenheit nicht wenig missionarische Versatzstücke mit an Bord. Tragisch ist, dass Reinreden in die Lebensführung anderer das Einzige ist, was von der einstmals so attraktiven Idee übrig geblieben ist.

GEBE 09.02.2016 | 14:05

"Der Verdacht, dass hier ein ideologisches Experiment (auf dem Rücken des Jungen) stattfindet, erhärtet sich zum einen durch die ideologischen Schablonen, welche die Autorin im Beitrag propagiert"

Das will ich auch keineswegs von der Hand weisen, weshalb ich oben auch von Vereinnahmung durch genderpolitischen Scheißdreck Zusammenhang schrieb, ohne mir die Bastelseite der Autorin angesehen zu haben.

Ihre Bedenken wollte ich auch nicht in Gänze einfach wegwischen, keineswegs. Mir ging es in meinem Kommentar an Sie nur um die "Bettelei", und das diese, unabhängig vom sonstigen Impetus der Autorin, mir aus meiner dargelegten Kindheitserfahrung als durchaus vorstellbar erschien.

Mir gehen ansonsten ebenfalls die fickerig gegenderten Missionsabsichten mit anmaßendem und dauermoralisierendem Impetus dieses Milieus auf den Wecker.

Ich bin mir sicher, wir beide brauchen dazu auch nicht weiter unsere Positionen gegeneinander abzuklären, weil da keine Unüberbrückbarkeiten gegeben sind. ;-)

Charlie Schulze 09.02.2016 | 16:28

Ojeh, hier geht es aber schwer durcheinander … Das (ebenfalls unpräzise gewählte) Themenschlagwort aber lautet Crossdressing, deshalb ein paar Zeilen dazu:

Crossdressing hat weder mit kindlichem Verkleiden zu tun noch zwangsläufig mit sexueller Identität/Orientierung und auch nicht unbedingt mit „Rollenspiel“ oder ideologischem Statement...

Crossdressing ist die modische Entscheidung einer nicht zwingend volljährigen, aber deutlich älter als 5jährigen Person, die über erste Erfahrungen mit dem Gender-Aspekt von Kleidung, den diesbezüglichen kollektiven Dynamiken und deren Risiken und Nebenwirkungen verfügt:

Ein bewusstes Abweichen vom hierzulande tradierten Bild von vereinfacht gesagt: Hosen und Röcken, das dadurch entstehende Irritationen in Kauf nimmt, provoziert, ignoriert, zum Thema macht oder nicht. Die Gründe dafür sind so individuell verschieden wie der Umgang damit.

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Ehemaliger Nutzer 09.02.2016 | 23:27

<< Wenn mein Sohn sich ein Kleid wünscht, dann bekommt er eins. So einfach ist das. >>

Meine Kinder kamen auch immer aus der Schule und wünschten sich, was die anderen so an Markenklamotten trugen oder sonstiges modisches oder nutzloses Zeug.

Niemals habe ich meine Kinder so erzogen, dass meine Reaktion war: "Wenn Du Dir das wünscht, dann bekommst Du das. Punkt."

Sie können sich schon denken, worüber ich mich dann mit meinen Kindern unterhielt. Z.B. über das Thema Sinn und Unsinn von Konsumwünschen und Grenzen der Möglichkeiten der Verwirklichung. Bei uns hieß die Erziehung, es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.

Extrawünsche werden aktiv von den Kindern vom Taschengeld erspart und das Sparziel wird mit Zuzahlungen für gute Lernergebnisse und gezeigte Tugenden gefördert.

Für weitere Geschenke gab es Geburtstage und Festtage. Die bestanden aus Sinnvollem wie z.B. Sportgeräten, Musikinstrumenten, Büchern, Elektrobaukästen oder Brettspielen.

Klamotten wurden nach Tauglichkeit oder Saisonalität und nicht nach Hippsein oder Marke ausgewählt.

Der 5jährige bekam das vom Handeln seiner Eltern und älteren Geschwister alles schon automatisch mit. Zum "sinnlosen" Verwöhnen kamen dann immer mal Oma und Opa vorbei. ;-)

Und meine Kinder sind groß und stark und ausserdem selbstbewusster und lebenstüchtiger als viele der verwöhnten und hippen Sprösslinge aus unserer Nachbarschaft geworden.

Moorleiche 09.02.2016 | 23:41

Ach du Scheiße, das ist ja wirklich Realsatire, was Sie da verlinkt haben. Man müsste lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Ihr Argument ist vollkommen richtig; Wieso dem armen Jungen seinen dringenden Wunsch einmal abschlagen und ein anderes Mal - was ist denn schon dabei? - erlauben?

Ich kann es echt nicht glauben und wie kommt man damit in den Freitag. Das Ding ist ja irgendwie durch die Reaktion gelaufen ... heiliger Bimmbamm.

mymind 10.02.2016 | 00:02

Danke für die Links zu Ella Hartmann. Aber wie kommen Sie darauf, dass EH eine Linke ist? Ich kann aus ihren Texten rein gar nicht darauf schließen, vielmehr auf einen Trend, in dem sich der Kopf um alltägliche Belanglosigkeiten dreht als um linke Positionen. Dieser weist eher in die Grünliberale Ablenkung, die ich nahezu genauso bedenklich finde, wie den Trend der religiösen Entgleisung in gewissen Elternhäusern. Beide bilden Parallelgesellschaften, deren Züge frontal aufeinander zurasen _ dazwischen geraten allerdings als Kollateralschaden die linken Ideen _ was ganz im Sinne der konservativen NeoLibs als auch der Rechten astrein funktioniert. Nur die Linken schauen tatenlos zu & bezeichnen nach wie vor irgendwelche Schwachmaten als Linke. Abgrenzung wäre SOFORT angebracht _ in allen Kommentaren & Blogs. Warum EH hier im DF ihre Beiträge unterbringen kann, muss zumindest kritisch hinterfragt werden müssen!

Leonid Kovar 10.02.2016 | 00:54

Die Frage ist doch, wer eigentlich ein "Genderpolitisches"-Ding aus dieser Geschichte macht: Die Autorin oder diejenigen die es ihr vorhalten? Sollte man mal drüber nachdenken.

Meine Meinung zu dem Ganzen:
1. Gewisse (vermeintlich) "weibliche" Attribute sind in einer tausenden von Jahren andauernden Geschichte der entmündigung der Frau entstanden, und werden deshalb gemeinhin als negativ bewertet ("Dämlich" vs. "Herrlich").
2. Viele (vermeintlich) "männlichen" Atribute werden folglich bis heute übertrieben romantisierend/positiv/erstrebenswert gewertet, manche sogar völlig zu unrecht (z.B. überzogene "emotionale Härte").
3. Amüsant und entlarvend den Wertvorstellungstechnischen Schulterschluss zwischen "Islam-/Zuwanderungskritikern" mit islamistischen Rollenvorstellungen anzuschauen. Die Familienpolitischen Vorstellungen europäischer Rechtsparteien (die sich als Verteidiger von "Werten" inszenieren) finden sich so auch im Islamischen Staat wieder.

Bönni 10.02.2016 | 02:50

Ich habe absolut nichts gegen Erwachsene die für sich selbst eine solche Entscheidung treffen. Das Kind ist sich über die negativen Konsequenzen in seinem Umfeld, die es vorhersehbar mit sich bringt aber nicht bewusst.
Bei Erwachsenen kann ich Cross-Dressing durchaus akzeptieren, bin aber auch froh, dass es nicht all zu viele Leute gibt die unkonventionell daher kommen wollen. Ein gewisses Maß an Konventionen tut der gesellschaftlichen Bindung meiner Meinung nach ganz gut. Wer würde es schon schätzen wenn Leute anfangen nackt auf die Strasse gehen um sich noch über Koventionen hinweg setzen zu können.

Richard Zietz 10.02.2016 | 08:19

»Warum EH hier im DF ihre Beiträge unterbringen kann, muss zumindest kritisch hinterfragt werden müssen!«

Ja. Oder: eigentlich ja. Auf der Hauptseite jedenfalls ist das Ganze unter dem Schlagwort »GENDER« einsortiert – also muß jemand zu dem Schluss gekommen sein, dass der Beitrag im Sinn der Gleichberechtigungs-Debatte (oder für was »Gender« auch immer stehen soll) zielführend ist. Total hoch hängen würde ich’s wiederum nicht. Redaktionen bringen zu bestimmten Themenbereichen gern etwas zugespitzte »Knaller«. Und die Diskussion beweist ja auch, dass sie diesbezüglich nicht ganz verkehrt gelegen hat. Umgekehrt gehe ich mal davon aus, dass zumindest Teilen der Redaktion das Teil ziemlich irgendwo vorbeigeht.

P. s.: Der Einschätzung Grün-Liberal würde ich mich im Wesentlichen anschließen. Allerdings ist Hartmanns Blog mit Seiten vernetzt, die sich links nennen, sie selbst tut es (zumindest indirekt) auch, der Freitag ist laut Eigenaussage zumindest eine linksliberale Plattform und schlussendlich wird das Ganze als links wahrgenommen. Also ist das Ganze – im Guten wie im Schlechten – Teil des linken Öffentlichkeitsbildes. So einfach ist das.

Moorleiche 10.02.2016 | 08:24

Hallo Leonid Kovar.

1. Etymologisch kommt weder dämlich von Dame, noch herrlich von Herr.

2. Dass emotionale Härte heute noch gefeiert wird, kann ich ehrlich gesagt nicht so sehen. Auch Sportstars, sogar Boxer oder Fußballer (also „echte Männer“) und Politiker dürfen heute vor laufender Kamera in Tränen ausbrechen.

3. Stimmt. Warum sollte man sich darauf beschränken, zwei Themen, die nichts miteinander zu tun haben, zu verknüpfen – um eine eventuell ins Sachliche entgleisende Diskussion, schnell wieder emotional aufzufangen und – wenn es auch mit drei Themen geht? So hat man den hysteriebefördernden Diskurs-Overkill gesichert.

Moorleiche 10.02.2016 | 09:01

Hallo Richard Zietz.

Total hoch hängen würde ich’s wiederum nicht.“

Ich auch nicht. Ist als Artikel sogar unterhaltsam, die Haltung dahinter ist letztlich Privatsache und das was ich zu kritisieren habe, gehört dann ohnehin nicht mehr in die Öffentlichkeit, auch wenn die Chance, dass es auch nur in Ansätzen erhört wird, realistisch bei 0,1% liegt.

Redaktionen bringen zu bestimmten Themenbereichen gern etwas zugespitzte »Knaller«. Und die Diskussion beweist ja auch, dass sie diesbezüglich nicht ganz verkehrt gelegen hat.“

Naja, wäre da nicht das:

Jakob Augstein: Wenn unsere öffentliche Debatte ein höheres Niveau gehabt hätte, wäre uns diese hochgeschlagene Debatte erspart geblieben?

Wolfgang Herles: Demokratie heißt für mich Diskurs, da bin ich bei Jürgen Habermas. Und um diesen Diskurs führen zu können, gibt es die Medien und die Gebühren. Diesen Auftrag hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk verraten. Die Intendanten haben ihre Seele dem Beelzebub der Quote verschrieben und gehen ihrem gesellschaftlichen Auftrag nicht mehr nach.

Jakob Augstein: Eigentlich ist es doch gar nicht schlecht, etwas zu machen, was die Leute auch sehen wollen. Ich habe nie verstanden, warum man so über die Quote schimpft.

Wolfgang Herles: Die Frage ist, um welchen Preis man die Quote zum Fetisch erhebt. Rein statistisch wird genauso viel Material gesendet wie zuvor, nur die Formate sind anders. Beispielsweise gibt es im ZDF keine Wirtschaftssendung. Stattdessen gibt es WISO, ein Schnäppchenjäger-Bausparer-Magazin. Diese Seichtigkeitsspirale steckt überall drin. Die ARD dient als zweites Beispiel: Glauben Sie, es gibt zur Hauptsendezeit ein Feature „USA versus China“? Nein, es gibt „Aldi gegen Lidl“. Das ist der Verblödungsmechanismus – nur wegen der Quote.

(Quelle: https://www.freitag.de/autoren/jaugstein/das-diktat-der-quote )

Oder vielleicht ist ja auch gerade das die Antwort.

Was meines Erachtens aber nicht geht – also, gehen tut es schon, wie man sieht – ist, ein Thema maximal emotional zu diskutieren und dann zu fragen, wo zum Teufel auf einmal nur der ganze Hass herkommt. Wenn ich Jahr um Jahr mit Seichtigkeit und Emotionen übergossen werde, Hauptsache die Quote stimmt, dann gehen mir Argumente irgendwann kalt am Arsch vorbei. Gar nicht mal aus bösem Willen, schon allein aus Mangel an Übung. Mich interessiert dann nur noch der möglichst hohe Ausschlag auf der Aufmerksamkeits- und Betroffenheitsskala und wenn das Pendel dann in Richtung Hass umschlägt – aber ist Hass nicht aus herrlich emotional und bringen nicht die zynischsten und ekelhaftesten Kommentare tatsächlich auch tüchtig Quote? - dann sollten die Augen zumindest nicht vor entsetztem Erstaunen aufgerissen werden. Man ist dann in meinen Augen nämlich Teil des Problems.

whitewhirl 10.02.2016 | 12:18

Ich habe mich schon lange gefragt, warum Männer nicht schon längst das Kleid für sich (wieder-) entdeckt haben. Es ist ein sehr komfortables Kleidungsstück insbesondere, wenn das Gewicht etwas schwankt. Im Mittelalter war das noch vollkommen OK für Männer ein Kleid zu tragen, und wir kennen ja auch zeitgenössische Kulturen, in denen Männer ohne Probleme Kleider tragen können. Hier ein Artikel zum Thema http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/36/maennermode-kleid-geschlechter

Ich habe in unterschiedlichen Städten und unterschiedlichen Kulturen gelebt. Wenn man diese Erfahrungen hat kommt man nicht darum herum festzustellen, dass die Erwartungen an eine typische Frau oder einen typischen Mann sehr unterschiedlich sind, je nachdem wo man lebt.

Es ist schwierig universelle Regeln zu finden, wie eine Person eines bestimmten Geschlechts zu leben habe. Was Menschen aber auf jeden Fall unglücklich macht ist nicht das leben zu dürfen was in ihrer Natur liegt. Hierzu ein Ausschnitt aus einem der besten Artikel zu dem Thema wie ich finde (Ist Gleichheit der Geschlechter gegen die Natur?), von Brynja Adam-Radmanic http://www.gmx.net/magazine/wissen/blog/brynja-adam-radmanic/gleichheit-geschlechter-natur-30781692

"Denn Freiheit bedeutet, der eigenen Natur entsprechend leben zu dürfen. Finde ich zumindest. Für manche besteht die Befreiung darin, die klassischen Erwartungen an ihr Geschlecht zurückzuweisen und nicht zu erfüllen. Weil es nicht in ihrer Natur liegt. Für andere dagegen ist es eine Befreiung, wenn sie endlich so leben dürfen, wie es ihnen ihre Natur sagt - auch wenn das dem totalen Geschlechter-Klischee entspricht."

Das Wesentliche ist also, zu entscheiden ob wir in einer Kultur leben wollen, in der die Erwartungen der Anderen wichtiger sein sollen als die PRIVATEN Bedürfnisse eines Menschen.

Kurz gesagt: Vermutlich sind einige Leute erst einmal erstaunt, wenn jemand etwas Unerwartetes trägt, aber muss das das Problem der Person sein, die einfach nur ein Kleid tragen will? Ist die Meinung einer fremden Person wichtiger als meine persönlichen Vorlieben? Wohlgemerkt, wir reden nicht von einem Hang zu Menschenopfern sondern vom Kleidergeschmack.

Ich habe neulich übrigens einen Mann in einem kleinen schwarzen mit dezentem Lidstrich gesehen. Ich war sehr erstaunt - aber schlecht sah es nicht aus. Ich hätte nichts dagegen, das öfter zu sehen. Ist aber nur meine Meinung. Also komplett irrelevant.

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Ehemaliger Nutzer 10.02.2016 | 20:37

Sie haben meine Frage vorweggenommen. :-)

Vielleicht hat er nichts zu melden zur Erziehung seines Sprösslings? Jedenfalls findet er keine Erwähnung.

Oder was ja auch nicht klar ist, vielleicht ist es sogar der Vater, der das Kleid nähte und dieses hier im Internet veröffentlicht.

Das können wir ja an absolut gar nichts identifizieren. Vielleicht ein Vater, dessen innerster Wunsch es schon seit frühester Kindheit war, Mutter zu sein oder sich Mutter statt Vater zu nennen. Denn das Schlimmste ist ja, ein "cis" zu sein oder wie dieser "Fachterminus" heißt.

Dann will ich mal auch nicht im Internet nachsuchen und finden, wo der/die arme verkannte SöhnIn, der/die da zufällig was unwichtiges "zwischen den Beinen" hat, voll indentfizierbar (zumindest unter dem Namen seiner Mutter), ohne sich dagegen wehren zu können, für alle Ewigkeiten abgebildet ist.

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Ehemaliger Nutzer 10.02.2016 | 20:50

Auch wenn keine Abbildung vorhanden ist, textlixh ist ein ganz wesentlicher Teil seiner Privatsphäre, seine unschuldige Kindheit voll in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Und er hat keine Chance, sich dagegen zu wehren! Und das Internet vergisst nichts! Wenn er dereinst in seiner Jugend seine volle Bewusstheit darüber erlangt ...

Eigentlich fehlen mir dazu weitere Worte.

beyondswag 12.02.2016 | 15:33

was für ein schwachsinn, wieder ein fall zum thema absurdistan

nach der logik hier:

"Diese Frage hat eigentlich zwei Teile, und der erste beantwortet sich eigentlich von selbst: „Ich hätte Angst.“ Ja, genau, du hast diese Angst. Dein Kind nicht."

müsste man einem kind nur weil es das will und keine angst hat jeden tag 2 kg süßigkeiten zur verfügung stellen, es hat ja keine angst davor davon krank zu werden

ich fasse es nicht, solch abstrusen ansichten sind u.a. der deutliche grund für den zustand der gesellschaft

"mein kind will einen panzer, es hat keine angst davor, na dann kaufe ich ihm einen" sprach der chef des rüstungskonzerns *facepalm*

grüße und frieden und einsicht in die dinge

Raoul Hansen 14.02.2016 | 16:42

Ein Kleid ist weder ungesund noch könnte es eine Gefahr für die friedliche Gesinnung sein. Es müsste also schon einen anderen guten Grund geben, seinem Sohn diesen Wunsch abzuschlagen. Den kann ich nicht sehen.

Frauen können alles tragen, was ihnen gefällt, Männer haben keine Wahl: Was sie anzuziehen haben, ist durch die Gruppenzugehörigkeit und die Situation festgelegt. Das ist praktisch, weil man sich keine Gedanken machen muss und so besser konzentrieren kann auf andere Dinge, wenn man sich nicht damit beschäftigen muss, was man eigentlich mag, was zu einem passt und wie man sich gerade fühlt. Genau solche Fragen müssen nämlich beantwortet werden, wenn man die Wahl hat. Männerkleidung dient dazu, ihren Träger zu verbergen. Die Hose - heute wie vor hundert Jahren Symbol für Dominanz und Handlungsstärke - ist eine selbstgewählte Doktrin, die unsere Rolle zementiert.

Als sich die Frauen gegen männliche Privilegien aufzulehnen begannen und Hosen anziehen wollten, waren die Ressentiments unserer Großväter natürlich groß: Werden sie zu Männern mutieren? Werden sie noch unsere Kinder austragen und unsere Socken waschen? Werden sie uns die Jobs wegnehmen? Und natürlich auch: Frauen sehen in Männerkleidern einfach nicht gut aus.

Natürlich sind viele der Meinung, es wäre besser bei den klaren Rollenzuweisungen von damals geblieben. Vor allem Männer. Das ist nicht erstaunlich, denn Frauen haben gewonnen und viele bequeme Illusionen über exklusive männliche Stärken zum Einsturz gebracht. Männer fühlen sich klein und machen keine besonders eindrucksvolle Figur heutzutage. Sie beneiden Frauen um ihre gegenwärtige Überlegenheit, die vor allem darin liegt, in vielen Situationen frei wählen zu können, in denen Männer aus empfundenen Zwang eben tun müssen was ein Mann tun muss. Natürlich nicht nur in Bezug auf die Kleidung.

Ich habe vor ein paar Jahren begonnen, Kleider in der Öffentlichkeit zu tragen. Inzwischen gibt es keine Lebenslage mehr, in der ich es nicht ausprobiert hätte - so gut wie immer mit positiven Erfahrungen. Natürlich gab es anfangs Widerstände - insbesondere meine Freundin hatte Angst, ich würde mich auflösen. Aber das ist nicht passiert - im Gegenteil. Für die Kinder ist es überhaupt kein Problem und ich wurde bisher nirgendwo diskriminiert. Und wer meint, man könnte vom getragenen Textil schwul werden, hat wahrscheinlich eher vor sich selbst Angst.

Im Sommer werde ich heiraten. Natürlich im Kleid - weil's viel bequemer ist und besser aussieht.

Ach ja: natürlich sollen jetzt nicht alle Männer immer Kleider tragen. Aber ruhig mal probieren. Und frei sein zu wählen.

BirgitR 23.02.2016 | 10:37

Finde ich merkwürdig, den Wunsch des Jungen anzuzweifeln (s. Beitrag vom 09.02.). Nur, weil man selbst nicht den Wunsch hatte, ein Kleid anzuziehen, heißt das nicht, dass andere Jungen das nicht hatten. Ich finde es schade, dass dem Wunsch aller Kinder zur Verkleidung und auch zum Schmücken nur Mädchen zugestanden wird.

Mein Sohn wollte mit 3 oder 4 Jahren unbedingt mit Haarspangen in den Kindergarten gehen. Warum nicht?

Man muss sich überlegen, was es bedeutet, dass Mädchen alle Farben und Kleidung tragen dürfen, Jungen nicht. Wir nehmen die Vorstellung hin, dass Jungen in Rosa oder im Kleid etc. zu weiblich wirken, und dass das als Abwertung empfunden wird.

In der Regal sind es die Mütter, die ihre Söhne möglichst "männlich" und Töchter "weiblich" anziehen. Väter finden es oft gar nicht so gut, wenn ihre Töchter als Kleinkinder bereits lange Haare tragen (die ihnen dann über die Augen fallen) oder stets Kleider angezogen bekommen (mit denen man nicht unbedingt gut toben kann).

Dass Jungen ihre Väter verherrlichen, mag sein, aber in ihrer Entwicklung machen sie eben auch ganz andere Phasen durch.

Sincero 22.07.2016 | 10:46

Gender: Geschlechtertypisierungen aufbrechen!

Aber nur beim Männern! ? Sehr verdächtigt. ...

Warum haben löwen eine Mähne?

Warum werden nur Frauen schwanger?

Warum haben beim asiatische Elefanten nur der Bulle Stoßzähne?

Warum heben die rüden die. Pfoten beim pinkeln?

Warum heiratet eine Ärztin niemals ein Krankenpfleger aber ein Arzt hat kein Problem damit eine Krankenschwester zu heiraten?

Sincero 22.07.2016 | 17:04

Gender ist, wie auch Emma ein Sammelbecken für schwulen, lebisch und verdeckte pedophile (nicht nur an männer denken). Ihr mach nur noch mobil für eurem perfide träumen und machen nie mal halt vor eure eigenen Kindern.

Ihr vergewaltigte eure eigenen Kindern mental damit die Becks hintether es nicht. An Frischfleisch mangels.