Reiner Braun
Ausgabe 3614 | 17.09.2014 | 06:00 52

Wer ist hier gescheitert?

Pazifismus Die Friedensbewegung hat viele Verdienste. Wenn sie stärker unterstützt wird, kann sie auch in der aktuellen Krise etwas erreichen

Wer ist hier gescheitert?

Erkennbar gescheitert ist eine Politik des Kriegs, wie sie im Wesentlichen von den USA und der NATO nicht erst seit dem 11. September 2001 praktiziert wird

Ilustration: der Freitag

Ich kann es nicht mehr hören oder lesen: Es ist Krieg im Irak, in Syrien, in der Ukraine und in Gaza. Und wer hat versagt oder keine Lösung anzubieten: der Pazifismus. Seit der völkerrechtswidrigen NATO-Intervention gegen Jugoslawien 1999 (länger will ich gar nicht zurückgehen) die immergleichen Denkmuster. Als ob der Pazifismus die Kriege führte oder verantwortete. Mit Realität hat diese Sichtweise nichts zu tun, mit Legitimationszwang, mit Ablenkung, teilweise mit Hilflosigkeit eine Menge.

Die Realität ist eine andere. Erkennbar gescheitert ist eine Politik des Kriegs, wie sie im Wesentlichen von den USA und der NATO nicht erst seit dem 11. September 2001 praktiziert wird. Gescheitert ist eine Politik des militaristischen Denkens und Handelns, die um geostrategischer Interessen willen Krieg als legitime Fortsetzung der Politik betrachtet. Gescheitert im doppelten Sinn – die Welt ist nicht friedlicher geworden, sondern gerät zunehmend „aus den Fugen“. Gescheitert aber auch, gemessen am eigenen imperialen Interesse. Keines ihrer „wesentlichen Kriegsziele“ haben die USA in Afghanistan oder im Irak erreicht. Stattdessen sind sie wie andere westliche Staaten immer tiefer verstrickt in asymmetrische, kaum zu gewinnende, langlebige militärische Konfrontationen. Die davon betroffenen Länder wurden ökonomisch, moralisch und ethisch geschwächt, von der sozialen Erosion ganz zu schweigen. Die Opferzahlen sind unglaublich hoch, die Zerstörungen ebenfalls. Was an Ressourcen verloren ging oder verschwendet wurde, ist ein Verbrechen. Aber der Pazifismus hat versagt! Was für ein Unsinn angesichts der Realitäten.

Richtig ist, dass die internationale Friedensbewegung zu schwach blieb, sich dem entscheidend in den Weg zu stellen. Das ist Teil einer menschlichen Tragödie und resultiert aus der Desillusionierung vieler politisch aktiver Menschen. Wie viel Leid wäre den betroffenen Völkern erspart geblieben, wenn die Friedensbewegung den Krieg in Afghanistan frühzeitig gestoppt, den Krieg gegen den Irak 2003 verhindert – es gäbe wohl heute keine Organisation Islamischer Staat (IS) – oder die Aggression gegen Libyen von 2011 abgewendet hätte. Kriegerische Szenarien, die das öffentliche Bild bestimmen, haben einen Namen, und der heißt Imperialismus. Diese Aussage gilt gleichsam für Srebrenica und Ruanda. Auch die Massaker dort waren eine Folge militaristischer und imperialer Politik.

Kann Politik einfältiger sein?

Es gibt Alternativen, Friedenspolitik hat viele Verdienste, sie konnte den Ost-West-Konflikt pazifizieren und Kriege beenden helfen. Sie ist eng mit den Namen Egon Bahr, Willy Brandt, Michail Gorbatschow oder Bruno Kreisky und Olof Palme verbunden und gehorcht zwei Prinzipien: dem Selbstbestimmungsrecht der Völker und dem der „gemeinsamen Sicherheit“, da die Sicherheit eines Staats ohne die Sicherheit anderer Staaten nicht möglich ist. Deshalb ist gemeinsame Sicherheitspolitik auch stets eine Politik alternativ zu Verteidigungsallianzen, die exklusiv sind, bestimmte Länder ausschließen und sich direkt gegen diese richten können. Insofern bricht die Politik der gemeinsamen Sicherheit mit einem Sicherheitsverständnis, das auf Stärke und Abschreckung setzt. Es ist eine Politik auf der Basis fortentwickelten Völkerrechts und des Gewaltverbots der UN-Charta. Das Prinzip der gemeinsamen Sicherheit schließt daher die Absage an jede Form von Interventionen ein, auch solche, die durch Druck von außen einen regime change erzwingen, indem missliebige Machthaber demontiert werden.

„Das hilft doch jetzt den bedrohten Menschen nicht“ – wie oft haben wir diese Aussage schon gehört. „Deshalb müssen wir jetzt auch Waffen in den Irak liefern.“ Einfältiger kann Politik kaum sein. Seit zwei Jahrzehnten gibt es dort permanent Kriegshandlungen, bei denen Unmengen von Waffen eingesetzt werden. Und da kommt die Bundesregierung zu dem Schluss: „Mehr Waffen!“ Liefern wir Kriegsgerät, das unter Umständen schnell beim „Gegner“ landet, um es dann mit „unseren Soldaten“ wieder einzusammeln? Und heißen die deutschen Interessen dabei vielleicht doch wieder Öl, Investitionen in einen neuen unabhängigen (kurdischen) Staat und Marktsicherung für die eigene Rüstungsindustrie?

Mehr Waffen in einer Konfliktregion sollen Frieden bringen und Völkermord verhindern. Das wirkt so, als ob einem Alkoholiker mehr Alkohol verabreicht wird, damit er endlich genesen kann. Mehr Waffen bringen keinen Frieden. Im Irak wurde bisher noch nicht einmal der IS-Vormarsch gestoppt, seit die US-Luftwaffe Stellungen der Dschihadisten bombardiert.

Peanuts für die Forschung

Man sollte sich darüber im Klaren sein: Internationale Politik ist national grundiert und häufig an Bündnisinteressen gekoppelt. Wer dies bei der Frage Krieg oder Frieden nicht wahrnimmt, kann keine Friedensalternative oder pazifistische Orientierung vermitteln. Besagte Interessen ergeben sich in den westlichen Hauptländern aus dem Bedürfnis nach sicheren Handelsrouten, dem Zugang zu Energie- und Rohstoffressourcen, der Abwehr von Terrorismus, Instabilität, Sabotage oder Flüchtlingsbewegungen, wie es im Strategischen Konzept der NATO heißt, das 1999 beim Washington-Gipfel verabschiedet wurde. Offen können diese Interessen, werden sie durch militärische Gewalt gewahrt, angesichts des Friedenswillens der Bevölkerungen und geltender internationaler Rechtsnormen nicht benannt werden. Sie werden hinter vermeintlicher Sachzwanglogik versteckt, mit Bündnispflichten oder durch gesinnungsethische Motive wie den Schutz von Menschenrechten begründet. Dabei sind Kriege der größte und gröbste Verstoß gegen das Menschenrecht auf Leben überhaupt.

Leider verhindert Kriegslogik nur allzu oft das Denken in alternativen Kategorien, wird die normative Substanz des Völkerrechts und des Gewaltverbots der UN-Charta negiert. Dabei gibt es durchaus Ansätze einer zivilen Konfliktprävention, die in Deutschland nicht zuletzt durch das Auswärtige Amt vorgelegt wurden und zuweilen einen Unterausschuss des Bundestags beschäftigen. Leider taucht in der Diskussion über radikale Dschihadisten und den Irak nichts davon auf, auch wenn der „Ruf nach Waffen“ alles andere als alternativlos ist. Kurzfristige gewaltreduzierende Maßnahmen sind möglich, selbst im IS/Irak-Konflikt. Es kann erheblicher politischer Druck auf die Länder ausgeübt werden, die den dschihadistischen Aufmarsch im Widerspruch zu allen humanitären Normen mit ermöglicht haben. Man kann gegen IS-Unterstützerländer wie Saudi-Arabien, Katar oder die Türkei Sanktionen verhängen, die finanziellen Transaktionen ihrer Banken blockieren und ihren Machteliten die Reisefreiheit beschneiden. Es können sich alle Anrainerstaaten des Irak bindend verpflichten, Dschihadisten nicht mehr problemlos ein- und ausreisen zu lassen, sodass der Nachschub an Kombattanten unterbunden wird.

Es sei auch daran erinnert, dass die zivile Friedensforschung einen umfassenden Katalog von Methoden zur nichtmilitärischen Lösung von Konflikten anbietet. Diese Forschung wird bewusst ignoriert und im Verhältnis zu den Rüstungsausgaben mit Peanuts abgespeist. Deutschland gibt pro Jahr über 30 Milliarden Euro für das Militär aus, aber nur 29 Millionen für einen derartigen Friedensdienst.

Kernaufgabe von Irak-Hilfe bleibt humanitärer Beistand. Das hat nichts mit Wegschauen oder Feigheit, sondern mit Verantwortung zu tun. Eine umfassende Unterstützung sollte eine (sich langfristig selbst erübrigende) Wiederaufbauhilfe in der Konfliktzone sein, flankiert von Solidarität mit Kriegsflüchtlingen, die in Deutschland ohne jede Diskriminierung Aufnahme finden.

Freilich muss der Wandel hin zu einer aktiven Friedenspolitik erstritten werden. Dass es dazu an öffentlichem Druck und politischem Rückhalt fehlt, ist ein Grund für das aktuelle Dilemma, mehr internationale Konflikte hinnehmen zu müssen, als eindämmen und befrieden zu können. Dies zu ändern, ist eine pazifistische Mission. Wer deren Akteuren die Legitimation bestreitet oder diese verunglimpft, geht der falschen Seite zur Hand.

Reiner Braun ist Geschäftsführer der deutschen Sektion der International Association of Lawyers against Nuclear Arms (IALANA)

 

Debatte

Deutschland liefert Waffen in den Nordirak. Letzte Woche plädierte Michael Jäger für einen „bedingten“ Pazifismus.

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 36/14.

Kommentare (52)

meinemeinung 21.09.2014 | 12:00

"Deutschland gibt pro Jahr über 30 Milliarden Euro für das Militär aus, aber nur 29 Millionen für einen derartigen Friedensdienst."

Dies macht deutlich wo unsere Betonung liegt und welche Haltung die Mehrheit der Menschen in Deutschland hat, die diese Politik durch ihre Wahl unterstützen. Nach wie vor glauben viele Menschen das man Konflikte im Extremfall nur mit Gewalt- und mit immer mehr Waffen- lösen kann. Das dies ein offensichlicher Irrweg ist, der zu immer neuer Eskalation führt, wird dabei ausgeblendet und bleibt so der bewussten Wahrnehmung entzogen. Verbunden mit einer solchen Haltung ist der Glaube an eine Gerechtigkeit die immer auf die eigene Seite bezogen ist und die andere Seite ausschließt. Der jeweilige kurzfristige Sieger im sich ständig wiederholfenden Kreislauf der Gewalt, reklamiert dabei für sich das er im Besitz der nun für alle gültigen Wahrheit ist.

Wohin hat uns dies gebracht? Zu einer Geschichte ständiger Eskalation, Gewalt, Tod, Folter, Grausamkeit und ständiger Angst und Mißtrauen vor anderen Menschen, wovon unsere auf Konkurrenzdenken basierte Gesellschaft auf allen Ebenen durchzogen ist. Konflikt, Krieg und Gewalt finden nicht irgendwo da "draussen" statt, sondern existieren in den Köpfen vieler Menschen und bringen so immer mehr desselben hervor, ohne jemals einen Fortschritt zu erzielen.

Es ist nicht der Mangel der Friedensbewegugnen das Sie so wenig erreicht haben, sondern der Mangel an Menschen die sich für friedliche Lösungen engagieren während gleichzeitig eine deutliche Mehrheit daran glaubt das Gewalt doch eine Lösung ist, die das Problem in seiner bestehenden Form erhalten und fortsetzen.

Notwendig wäre aber auch praktische konkrete Arbeit an einer Umsetzung deeskalierender Lösungen. Damit sind wir wieder beim Anfang: statt Deeskalation und entsprechende Massnahmen zu fördern, geben wir Milliarden für das Gegenteil aus und glauben damit etwas zur Lösung beizutragen- während uns das was geschieht ständig das Gegenteil vor Augen führt.

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Ehemaliger Nutzer 21.09.2014 | 15:12

Nach wie vor glauben viele Menschen das man Konflikte im Extremfall nur mit Gewalt- und mit immer mehr Waffen- lösen kann.

Ursache ist vermutlich, dass viele Menschen nicht wissen, wie die Bereitschaft zum Einsatz von Gewalt entsteht und dass es Lösungsansätze gibt, die Gewaltspirale zu durchbrechen.

Dabei haben besonders wir Deutschen aufgrund der auf uns lastenden historischen Bürde die Chance und meines Erachtens auch die Pflicht, als Friedensbotschafter eine Vorbildfunktion einzunehmen. Die Amerikaner waren nach Ende des 2. Weltkriegs der Überzeugung, dass "Kein Deutscher jemals wieder ein Gewehr tragen dürfe", "Diese kriegerische Nation müsse >for ever< entwaffnet bleiben und zu friedlicher Zivilisation umerzogen werden, durch Amerikaner und deutsche Antimilitaristen". Leider wurde dieses Konzept nicht umgesetzt.

Bemerkenswert finde ich, dass es für den Umweltschutz mit "Greenpeace" eine global agierende Organisation gibt, die bereits einiges bewegen konnte. Warum gibt es keine Schutzorganisation für Frieden, die die Befriedung des Einzelnen fordert und fördert?

meinemeinung 21.09.2014 | 18:12

Das Buch von Joachim Bauer erklärt vor allem das Aggression immer eine Schutzfunktion hat. Dabei besteht die Möglichkeit nicht nur im Schutz vor körperlichen Gefahren, sondern auch die Bedrohung wichitiger zwischenmenschlicher Beziehungen stellt eine Gefahr dar die mit Aggression beantwortet werden kann. Dazu kommt das Aggression wenn sie nicht ausgedrückt werden kann, sowohl was Zeit als auch was das Ziel der Aggression betrifft verschoben werden kann. Dies erklärt sehr deutlich wie es zu Aggression kommt, die dann nicht mehr als unverständlicher Ausdruck vermeintlich "böser" Kräfte erscheint, sondern als Teil unserer Natur der eine wichtige Funktion erfüllt. Aus diesem Verständnis wachsen ganz andere Möglichkeiten des Handelns, bei dem es dann nicht mehr darum geht einen vermeintlichen "Feind" zu bekämpfen, sondern die notwendige Sicherheit für alle Beteiligten herzustellen.

Leider wird dies nach wie vor kaum beachtet, und die Vorstellungen vom "bösen" Feind, der nur durch Gewaltanwendung bekämpft werden kann bestimmen nach wie vor das Geschehen.

Um daran etwas zu ändern, wäre ein ganz anderes Bewusstsein und auch ganz andere Formen des Handlens notwendig. Wie dies in der Praxis aussehen kann, hat der Psychologe Marshall B. Rosenberg gründlich erarbeitet: https://www.youtube.com/watch?v=-dpk5Z7GIFs

Das traurige ist, das wir trotz aller Erkenntnis auch weiterhin glauben nicht anders reagieren zu können als in der gleichen Art und Weise die zu immer neuer Eskalation führen.

Dabei investieren wir Milliarden in Mittel die die daraus folgenden Anwendung von Gewalt unterstützen, statt zu versuchen an nachhaltigen konfliktlösenden Strukturen zu arbeiten.

Ihre Frage, warum es keine ähnlich erfolgreiche Organisation für Frieden gibt, wie Greenpeace, macht für mich noch einmal in erschreckender Weise deutlich, wie wenig Beachtung dieses Thema auf gesellschaftlicher Ebene findet. Eine weitere wichtige Frage: Wie lange können wir dies noch weiter machen, wieviel menschliches Leid wird noch entstehen, bevor wir beginnen andere Wege zu gehen?

G.B. 21.09.2014 | 20:01

Leider sehe ich in Deutschland (und EU) zur Zeit gar keine Möglichkeit einer Friedensbewegung wie in den 80ern.Auch wenn damals teilweise mit harten Bandagen zwischen Falken und Pazifisten gefochten wurde,sehe ich damals die Friedensbewegung als wahrgenommen an.Zur Hochzeit des kalten Krieges gab es eigentlich schon die allgemeine (auch bei Politikern) anerkannte Einsicht,daß ein großer Krieg nicht mehr führbar ist und von keinem gewollt.Außerdem wurde der Prozess zwischen beiden Lagern noch von einer relativ differenzierenden Presse begleitet.

Erschreckenderweise,hat sich die heutige westliche Politik davon entfernt,einen großen Krieg auf jeden Fall vermeiden zu wollen.

Im Gegenteil hat bei uns eine merkwürdige,expansive Einstellung überhand genommen.Heutige Mahner und Warner werden bewußt nicht mehr wahrgenommen oder direkt zu Kollaborateuren des "Feindes" erklärt.Im Gegensatz zu früheren Zeiten,wird die bellizistische Aktivität unserer Regierung auch medial massiv und propagandistisch unterstützt.Dies habe ich in dieser Form in der BRD noch nie erlebt,auch nie erwartet.Unter dem Aspekt der allgegenwärtigen Überwachung,welche unser Land mittlerweile im Griff hat,ist deswegen zu verstehen,daß sich keine Friedensbewegung der alten Form zusammenfinden kann.

Ob sie es in einer neuen Form kann,weis ich nicht,wage es aber zu bezweifeln.

Entsetzt im Hier und Jetzt

G.B.

namreH 21.09.2014 | 20:05

Ich denke, das meiste in diesem Kommentar ist richtig gesehen – aber eine Linie ist zumindest fragwürdig. An zwei Stellen erscheint sie als Fakt, der für mich nicht belegt ist:

„Dies macht deutlich wo unsere Betonung liegt und welche Haltung die Mehrheit der Menschen in Deutschland hat, die diese Politik durch ihre Wahl unterstützen. Nach wie vor glauben viele Menschen, dass man Konflikte im Extremfall nur mit Gewalt- und mit immer mehr Waffen- lösen kann.“

-Hier scheint mir der Irrtum vorzuliegen, als gäbe es eine einfache Korrelation zwischen Wahl und Befürwortung von Kriegspolitik. Dazu wäre ein längerer Kommentar nötig. Ich bezweifle hier einmal schlicht diesen Zusammenhang.

Es ist nicht der Mangel der Friedensbewegungen, dass sie so wenig erreicht haben, sondern der Mangel an Menschen die sich für friedliche Lösungen engagieren während gleichzeitig eine deutliche Mehrheit daran glaubt das Gewalt doch eine Lösung ist“.

-In diesem Relationssatz stimmen irgendwie die einzelnen Aussagen nicht zueinander. Zunächst kann ich den ersten Halbsatz noch akzeptieren, und auch der zweite Halbsatz beschreibt wohl eine Tatsache. Aber auch hier wird – wie oben – die Behauptung geäußert: Die Mehrheit sei letztlich doch für den Einsatz von Gewalt und akzeptiere den Krieg.

Dafür fehlen mir bisher demografisch belastbare Fakten. Stattdessen gibt es massenweise Hinweise für das Gegenteil. ZB die unleugbare Tatsache dass etwa in Blogs oder Leserkommentaren bei großen Medien eine deutliche Mehrheit den Befürwortern von Kriegsbeteiligung - in welcher Form auch immer - recht deutlich widerspricht ….sodass vor kurzem bei der SZ die Kommentarfunktion abgeschaltet wurde; angeblich wegen sog. Nerds und Trolle.

Es wird zu Recht immer mal wieder darauf hingewiesen, dass die Kriegsbereitschaft bei den Befürwortern unter den Politikern sich schnell reduzieren würde, wenn sie selber aktiv werden müssten. Dasselbe gilt noch stärker bei den „normalen“ Bürgern, von denen sicher ein großer Teil ( nach meiner Meinung aber nicht die Mehrheit) für Gewalt und Waffeneinsatz sind.

Diese Grae nach konkreter Mitbeteiligung ist beileibe kein unernstes Scheinargument, sondern im Gegenteil: Es ist letztlich ein existentiales Paradigma, das jenseits von bloßer Theorie die eigene Existenz ins Spiel bringt –und das wird meist gerade bei diesem Thema leichtfertig außer Acht gelassen.

Übrigens: Ich weiß noch gut, als damals der Atom -Exitus drohte; gab es die Rede von den Superreichen und Superschlauen, die dem eigene Atombunker vertrauten…bis ihnen der Zahn gezogen wurde durch das einfache Argument, dass sie ja irgendeinmal auch rausmüssten in die verstrahlte Umwelt, wenn die Vorräte verbraucht seien.

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Ehemaliger Nutzer 22.09.2014 | 09:54

Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, ist von 'MEINEMEINUNG' verfasst worden, aber ich versuche dennoch zu antworten, da ich diesen sehr gut finde.

Hier scheint mir der Irrtum vorzuliegen, als gäbe es eine einfache Korrelation zwischen Wahl und Befürwortung von Kriegspolitik.

Ob diese so einfach herzustellen ist, vermag ich auch nicht zu sagen, aber wundern würde es mich nicht. M.W. lehnt im Augenblick nur noch die Linke kriegerische Handlungen ab. Alle anderen Parteien, inklusive den Grünen, befürworten im äußersten Fall Kriegspolitik. Ich erinnere nicht, dass der Wunsch der Bürger nach mehr Friedenskonsens durch Politik laut geworden wäre. In der aktuellen Debatte, dass die dt. Rüstungsindustrie ggf. aus Deutschland abziehen wolle, sind zahlreiche Kommentatoren dabei gewesen, die zum Teil sehr aggressiv für einen Verbleib eingestanden haben.

Aber auch hier wird – wie oben – die Behauptung geäußert: Die Mehrheit sei letztlich doch für den Einsatz von Gewalt und akzeptiere den Krieg.

Das ist persönlich tatsächlich auch mein Eindruck. Weil Sie das ansprechen in Bezug auf Blogs und Leserkommentare, lese ich dort eine gewisse Ambivalenz heraus: Einerseits gibt es jene, die Krieg komplett ablehnen, aber in Summe sind die, die Krieg befürworten meines Erachtens gefühlt in der Überzahl. Das ist natürlich nur eine subjektive Wahrnehmung.

Gerade in Bezug auf den Zusammenhang von Kriegsbereitschaft des Einzelnen und dessen eigenes Erleben von Gewalt in der Kindheit werde ich gern mit Spott und Häme bedacht, wenn ich das Thema in Diskussionen anspreche – wenn ich überhaupt wahrgenommen werde. Es gibt von dem Blogger 'Sven' hier auf Freitag.de ein Arbeitspapier, indem er vorgenannten Zusammenhang beleuchtet: "Als Kind geliebte Menschen fangen keine Kriege an: Plädoyer für einen offenen Blick auf die Kindheitsursprünge von Kriegen". Ich bin mir ziemlich sicher, dass er recht mit dieser These hat.

Wenn man sich also für Frieden engagieren möchte, ist m.E. dort der Hebel, an dem man ansetzen muss, in Form von Bewusstseinsmachung bzw. Aufklärung. Das setzt allerdings die Bereitschaft voraus, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Mein Eindruck ist, dass dazu viele scheinbar nicht bereit sind. Einen Konflikt per Waffengewalt zu entscheiden, scheint dann die einfachere Lösung zu sein. Noch dazu es Thesen dazu gibt, dass Soldaten tendenziell suizidal sind. Grob umrissen, diese Kette zu durchbrechen, das ist für mich das Ziel modernen Friedensengagements. Denn es hat Auswirkungen auf alle gesellschaftlich relevanten Bereiche. Wie Prof. Joachim Bauer schreibt: Nicht gegeneinander, sondern miteinander.

sven 22.09.2014 | 11:49

Das Fehlen von "Denken in alternativen Kategorien" ist mein Stichwort.

Joachim Bauer wurde oben in den Kommentaren erwähnt. Er schreibt in seinem Buch "Schmerzgrenze":
"Vernachlässigte oder an Gewalterfahrungen gewöhnte Kinder erleben die Welt als einen gefährlichen Ort. Sie interpretieren – wie Studien zeigen – ihre Umwelt – insbesondere die ihnen begegnenden Menschen - auch dann eher als feindselig, wenn tatsächlich keine Gefahr zu erwarten wäre. Da aggressive Erfahrungen im Gehirn ein Wahrnehmungsschema hinterlassen, gehen von Gewalt betroffene Kinder davon aus, dass auch ihnen unbekannte Menschen feindselige Absichten haben. Die Folge ist eine eingeengte, veränderte Wahrnehmung der Welt.„ (S 49)

Fehlendes Denken in alternativen Kategorien bzgl. kriegerischen Konflikten und eine eingeengte Wahrnehmung (vor allem ein Denken in "Strafen müssen sein", nur Gewalt und Machtpräsenz schreckt den Feind zurück, "nur nie das Gesicht verleiren" etc.) können als direkte Folge von Gewalterfahrungen in der Kindheit betrachtet werden.

UNICEF hat gerade die größe Studie der Welt bzgl. des Ausmaßes an Gewalt gegen kinder vorgestellt. Das für Fachleute wenig überraschende Ergebnis: Die Mehrheit der Kind erlebt Gewalt durch Elternfiguren, psychisch und körperlich. (und dabei wurde meist nur das Gewalterleben innerhalb 4 Wochen vor der befragung erfasst) Und: Die größen "Sorgenkinder" der Welt (Syrien, Irak, Palästina, Afghanistan, Ägypten, Kongo, Elfenbeiküste etc. ) sind auch die Länder mit dem größten elterlichen Gewaltaufkommen gegen kinder (vor allem auch bei der schweren körperlichen Gewalt sind diese Länder unter den "Top 23"

Aber man sollte sich nicht täuschen, auch in Frankreich, und den USA finden sich hohe Raten von Kindesmisshandlung. Tja, und auch PolitikerInnen sollen ja einmal Kinder gewesen sein.

Kriege müssen als psychische Störungen erkannt werden. Und die Friedenbewegung sollte sich mit den tieferen Hintergründen befassen. U.a. hier: www.psychohistory.com

Sonja Menzel 22.09.2014 | 11:52

Der 11. September war die moralische Grundlage für alles, was seit dem geschah: das Terrormanagement der USA funktioniert; es nimmt den Pazifisten fast jegliche Argumentation. Wir sind alle vom Terrorbedroht. Diese Saat, die mit dem 11. September ausgesät wurde, trägt nunmehr Früchte. Sie war die Grundlage nicht nur für Afghanistan, sondern für den gesamten arabischen Raum, wo die USA ihr Hegemoniestreben vor allem hin ausrichteten. Jedenfalls hat das Bush jr. klar und deutlich nicht einmal verborgen. Syrien glaubte man, allein durch die Ausbildung u. Finanzierung von sog. Freiheitskämpfern niederzuschlagen, natürlich gemeint ist Assad. Solange die Vorläufer der heutigen IS dort grausamst wüteten, wen interessierte es? Nun kommt uns diese Gefahr, diese aufgerüsteten u. gezüchteten Monster, immer näher. Und wieder fehlt dem Pazifisten das Argument. Die Frage, wer stellt diesen Monstern die neuen Fahrzeuge, Waffen, Ersatzteile usw. hin? Wer verkauft denen das? Wer kauft denen das Öl ab? Wir ahnen es, Kuweit, Katar - Freunde der USA, deren Verbündete im Kampf gegen den Terror? Sie sind die Ursache. Menschen wird heute medial so intensiv Angst gemacht, dass selbst der Friedlichste hofft, mit einem Krieg wäre alles wieder gut. Eine Situation, wie sie wohl nur die "Alten" kennen, die die grausamen Weltkriege miterlebten. Immer wieder höre ich: so fing das damals auch an.

balsamico 22.09.2014 | 12:14

Wie viel Leid wäre den betroffenen Völkern erspart geblieben, wenn die Friedensbewegung den Krieg in Afghanistan frühzeitig gestoppt, den Krieg gegen den Irak 2003 verhindert – es gäbe wohl heute keine Organisation Islamischer Staat (IS) – oder die Aggression gegen Libyen von 2011 abgewendet hätte.

Kühne Behauptungen sind das, schon deshalb, weil die Verhältnisse in Afghanistan, dem Irak und Libyen auch vor den Kriegen alles andere als akzeptabel waren, sowohl für die Menschen dort als auch für diejenigen, die hilflos zusehen mussten, wie die Taliban, Gaddafi und Sadam Hussein ihre Schreckensherrschaften ausübten. Das ändert freilich nichts daran, dass sich die Machthaber dieser Welt das Geschäft mit dem Krieg nicht entgehen lassen wollen. Wenn ich gerade lese, dass die deutsche Rüstungsindustrie die Bundesregierung mit Abwanderungsgedanken und drohender Arbeitslosigkeit unter Druck setzt, weil es ja nicht angehen könne, dass man einerseits im Inland nichts mehr verkaufen könne und andererseits von der Regierung dabei behindert werde, wenn man ins Ausland verkaufen wolle, dann ist genau dies die Situation, in der man eine Grundsatzdebatte führen müsste. Die Frage ist, warum sie nicht in Gang kommt. Vielleicht hat es (auch) damit zu tun, dass das Auftreten des IS bestens dazu geeignet ist, den Pazifisten dieser Welt das Wasser abzugraben oder sie sogar das Fürchten zu lehren?

meinemeinung 22.09.2014 | 14:09

Ich halte es für offensichtlich, das es nach wie vor eine große Mehrheit gibt die die Anwendung von Gewalt als Methode der Konfliktlösung befürwortet. Wir leben in einer Demokratie und die Politik spiegelt das Bild der Mehrheit wieder. Wenn unsere gewählten Vertreter sich dafür entscheiden 30 Mrd. für Rüstung auszugeben, aber nur 29 Millionen für den Friedendienst, dann gibt dies aus meiner Sicht sehr deutlich wieder wie die Gewichtung in der Bevölkerung aussieht, die diese Politik gewählt hat. Auch die Unterstützung mit Waffen durch die Rüstungsindustrie in viele Regionen der Welt, neustes Beispiel von der Politik unterstützt nach Irak, sind für mich deutliche Zeichen dafür wie selbstverständlich Gewaltanwendung in unserer Gesellschaft befürwortet und unterstüzt wird. Obwohl die Entstehung von Gewalt gut erforscht ist, und auch Möglichkeiten deeskalierend zu wirken bekannt sind-z.B. Gewaltfreie Kommunikation- wird dies kaum beachtet. Es wird bedeutend mehr Geld für alle möglichen Forschungsbereiche ausgegeben, von Gentechnik bis Informationstechnik als für die Erforschung und Anwendung friedenssichernder Maßnahmen.
Statt den Dialog zu suchen und Konflikte zu lösen, wird auf Drohungen in Form von Sanktionen gesetzt, und im schlimssten Fall auch die Anwendung militärischer Mittel gut geheißen. Selbst wenn man annimmt das es in manchen Situationen nicht mehr anders geht, bleibt der entscheidende Mangel an Versuchen bereits im Vorfeld andere Lösungen zu suchen. Das Ergebnis ist ständig neue Eskalation und ständig neue Gewalt, ohne jemals einen für mich erkennbaren Fortschritt zu erzielen. Mein Eindruck ist eher, das wir heute in einer Welt ständig wachsender Ängste leben, bei der immer mehr desselben gefordert wird, das heist: mehr Kontrolle, mehr Abschottung, mehr Waffen, mehr Sanktionen und letzlich auch mehr Gewalt. Ein sich ständig selbst beestätigender Kreislauf mit ungewissem Ausgang.

Und wenn Ich mir das ansschaue was in den meisten Medien publiziert wird, dann ergibt sich ein für mich eindeutiges Bild der deutlich überwiegenden Befürwortung von Gewalt, gespeist von der festen Überzeugung das dies die einzig mögliche Lösung ist.

meinemeinung 22.09.2014 | 14:18

Fürchten tue ich vor allem das so wie am Beispiel der IS sständig neue Feindbilder entstehen und das Gefühl der Bedrohung ständig zunimmt. mit der Vorstellung das die Probelme nur durch noch mehr Waffen und Gewalt gelöst werden können. Angst macht mir vor allem die damit einhergehende Dynamik an der alle beteiligten Seiten mitwirken.

Was in Afghanistan, Irak oder Lynien ohne unsere Eingriffe geschehen wäre ist schwer abzuschätzen. Offensichtlich ist für mich das wir mit den Eingriffen so wie sie erfolgt sind keinen Fortschritt erzielt haben. Die Situation in den betreffenden Ländern ist unverändert furchtbar.Wenn dies nicht Anlass ist unsere Strategien zu überdenken, dann glaube ich kaum das wir dazu überhaupt bereit sind. Wie viel Leid muss noch entstehen, bevor wir anfangen zu begreifen das wir durch die Anwendung von Drohungen und Gewalt nicht weiter kommen?

meinemeinung 22.09.2014 | 14:40

Das tragische ist das sich so wenige Menschen mit den Ursachen der Gewalt auseinder setzen wollen. In Feindbildern zu denken und so die eigene Aggression nach außen zu projizieren scheint für die meisten Menschen die einfachere Lösung zu sein - ungeachtet dessen das so ständig neues Leid entsteht.

Alice Miller hat diesen Prozeß sehr treffend als "emotionale Blindheit" beschrieben:

http://alice-miller.com/flugblatter_de.php?page=4

Ich bezweifle das wir jemals einen Schritt weiter kommen, solange es nicht zu einem anderen Bewusstsein der Entstehung von Aggression und Gewalt kommt.

Die Frage ist, wie kann dies geschehen, wenn nach allen bisherigen Versuchen durch Menschen wie Alice Miller, Arno Gruen oder Joachim Bauer- um einige Beispiele zu nennen- nicht nur wenig erreicht wurde, sondern stattdessen die Konfliktherde auf globaler Ebene zunehmen und immer mehr Menschen glauben das Probleme sich nur durch Gewaltanwendung lösen lassen? MIr scheint das sich die bestehenden Positionen und die Mauern in den Köpfen noch weiter verhärten. Im "Der FReitag" wird von den Usern dann am Rande thematisiert, was in den "Mainstreamnews" kaum eine Rolle spielt. Dort geht es nach wie vor fast ausschliesslich darum wie man mit immer mehr Waffen und Gewaltanwendung die Probleme unter Kontrolle bekommen kann. Wie sollte sich an diesem Teufelskreis ständig neuer Eskalation etwas ändern?

sven 22.09.2014 | 16:01

Hallo Meinemeinung,

nur kurz:

Lesen Sie von Steven Pinker "Eine neue Geschichte der menschheit". Gewalt nahm histroisch stetig ab und sie nimmt auch weiterhin ab. Vor allem Gewaltopferraten pro 100.000 menschen sinken stetig.



Derzeit sind Kriege sehr in den Medien präsent. das ändert nichts daran, dass die welt insgesamt immer friedlicher und kooperativer wird.

Meienr Meinung nach liegt dieser trend darin begründet, dass gewalt gegen kinder historisch stetig abnahm und Kindererziehung an sich ständig verbessert wird

meinemeinung 22.09.2014 | 17:09

Ich kenne diese Haltung, wie Sie vor allem von Lloyd deMause vertreten wird und halte sie für sehr abwegig. Wenn Sie z. B. die Geschichte des 20 Jhd. verfolgen sehen sie das in dieser Zeit die schlimmsten Eskalataionen der Geschichte erfolgt sind, mit der systematischen Vernichtung von Menschen ungekannten Ausmßes. Genauso ist das was Alice Miller als "schwarze Pädagogik" beschreibt nichts was in ferner Vergangenheit geschehen ist, sondern etwas das in der Zeit "preußischer" Erziehungsmehthoden im 19 Jhd. seinen vorläufigen Höhepunkt fand und dann zur Zeit des 33.Reiches noch extremer eskaliert ist.Insofern halte ich es für extrem unrealistisch der Sichtweise von deMause zu folgen.

Arno Gruen beschreibt in seinem neuesten Buch "Dem Leben entfremdet" ähnlich wie Joachim Bauer in "Schmerzgrenze" die Geschichte der Zivilisation als den Begin einer Fehlentwicklung die zur Zeit der Jäger und Sammler nicht bestand. Das dies anders als von deMause dargestellt, der Realität dieser Lebensweise entsprach, können Sie am Beispiel einer noch heute existierenden solchen Kultur in "Auf der Suche nache dem verlorenen Glück" von Jean Lidloff nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Liedloff

Ich halte es für einen gefährlichen Irrtum zu glauben, das wir heute am Höhepunkt einer positiven Entwicklung sind. Eher lässt sich sagen das die Selbstentfremdung des Menschen noch nie so extrem war wie heute. Sowohl die extreme Orientierung an materieller Befriedigung, als auch die zunehmende Tendenz dazu elektronische Medien als Ersatz für unmittlebare zwischenmenschliche Beziehungen zu nutzen, sind dabei Faktoren die zu einer zunehmend abstrakten Lebensweise führen. Es mag zur Zeit in einigen wirtschaftlich besser entwickelten Ländern weniger unmittelbare Gewalt gegen Kinder geben. Dies bedeutet aber keineswegs das Eltern in diesen Ländern auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Leistungststreben, emotionale Kälte, Konkurrenzdenken und Machstreben existieren unverändert weiter, wenn auch vielleicht mit nicht mehr so leicht zu durchschauenden Strategien.

Gewaltsame Konfliktlösungen in allen Formen, autoritäres Verhalten gegenüber Kindern extremer Leistungszwang und extreme Vernachlässigung sind auch heute das was den Alltag der Kinder in vielen Bereichen bestimmt. Angefangen bei den Eltern über Kindergarten und Schule ist beinahe überall das gleiche Prinzip aus Erwartungshaltungen, Druck und Kontrolle wirksam.

Dies zu verdrängen oder zu ignorieren würde bedeuten dazu beizutragen es aufrecht zu erhalten.

Dazu passend kommt dann, das wir auch in internationalen Auseinandersetzungen keinerlei Fortschritt erreicht haben, und nach wie vor glauben Probleme durch mehr Kontrolle, Sanktionen und Gewaltanwendung lösen zu können.

Joachim Bauer merkt dazu passend an das, wenn es nicht zu einem veränderten Bewusstsein kommt, die Gewalt soweit eskalieren wird, bis niemand mehr übrig ist:

http://www.youtube.com/watch?v=PyLeglWf13k

etwa ab 1:08 erklärt er dieses Risiko.

Auch der Uncef-Bericht wiest deultlich darauf hin wie weit verbreitet Gewalt gegen Kinder auch heute ist, auf Seite 107 finden Sie die Zahlen für Deutschland.

Dazu kommt heute ebenfalls Gewaltanwendung in institutionalisierter Form, z.B. in der Anwendung von Psychopharmaka, wobei Kinder in besonders hohem Maße betroffen sind. Das was früher durch Schläge versucht wurde zu erreichen, wird heute zum Teil durch ensprechende Medikamente versucht,wobei die langfristigen Folgen unerforscht sind.

Statt von Verbesserung, würde ich eher von einer Selbstentfremdung des Menschen in bisher ungekanntem Aumaß sprechen, die Folge einer in sich schlüssigen, tragischen jahrtausendealten Fehlentwicklung ist.

meinemeinung 22.09.2014 | 17:43

Noch eine Ergänzung:

Das es nach dem 2.Weltkrieg bisher nicht zu einer weiteren Eskalation ähnlicher Größenordung kam, lag aus meiner Sicht vor allem daran das die von dem Atomwaffenarsenal ausgehende Bedrohung zu groß war und so niemand den Anfang machen wollte, im Bewusstsein das dies auch das eigene Ende bedeutet hätte. Es hat also nichts damit zu tun das die Menschen seit dem friedlicher oder vernüftiger geworden sind.

Die Bedrohung und die damit verbundenen Risiken bestehen bis heute.

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Ehemaliger Nutzer 22.09.2014 | 18:19

Die Bedrohung und die damit verbundenen Risiken bestehen bis heute.

Man kann das noch weiterspinnen: die Bedrohung besteht nicht nur bis heute, sie ist auch derart übermächtig geworden, dass die Menschheit damit ausgelöscht werden kann. Maixmales Potential an Autoaggression gegen sich selbst, wenn man die Menschheit als einen sich selbst organsierenden Supraorganimus betrachtet - die totale Vernichtung.

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Vielen Dank für Ihre Ausführungen, die überaus interessant sind. Vor dem Hintergrund ist es umso gravierender, dass es bis heute keine professionelle Friedensorganisation gibt, die darauf aumerksam macht. Denn Ihre Frage, wie man die Teufelskreislauf unterbrechen kann: Meiner Ansicht nach durch Öffentlichkeitsarbeit und wie ich schon schrieb die damit verbundene Chance des Bewusstwerdens.

sven 22.09.2014 | 18:25

Steven Pinker hat umfassende Zahlen und Entwicklungen dargestellt (sein Buch umfasst über 1000 Seiten) . Man kommt nicht daran vorbei, die These von der historischen Abnahme der gewalt sehr ernst zu nehmen.

Überhaupt: wenn die dinge schlechter würden oder zumindest nicht besser,die Menscheit wird immer größer und lebt auf immer konzentrierten raum zusammen. Trotzdem sinken Mordraten, nehmen Opferraten pro 100.000 Einwohner durch kriege im historischen vergleich nicht zu.

nehmen sie die Ukraine: Derzeit rechnet die UN mit weniger als 3000 Toten. Die ganzen Entwicklungen sind schrecklich, ohne zweifel. Schaut man sich aber die Einwohnerzahl an, dann ist diese Zahl "relativ niedrig".


Pinker beschreibt zudem in seinem buch dass es den Mördern je weiter man historisch zurückschaute -um so mehr auch darum ging, dass die opfer möglichst lange und schrecklich leiden. schon damals gab es unglaubliche Gewaltorgien. Diese kamen Zahlenmäßig nicht an die Opfer des 2. weltkrieges heran, einfach, weil die Bevölkerungsdichte ganz anders war.

Pinker macht (auf seite 298) da interessante Gedankengerüste auf. er rechnet tabellarisch aus, wie hoch die Opferraten einzelner historischer Kriege wären, wenn die Bevölkerungszahl damals ähnlich hoch wäre wie Mitte des 20. Jahrhunderts. Dabei kämen bei nicht wenigen Kriegen absulte Opferzahlen von weit über denen des 2. weltkrieges heraus.

Ich glaube, dass wir heute viel zu pessimistisch denken und mehr auf historische Vergleiche achten sollten.

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Ehemaliger Nutzer 22.09.2014 | 19:49

Ich glaube, dass wir heute viel zu pessimistisch denken

Sollte morgen aus irgendeinem Grund in Deutschland dauerhaft der Strom nicht mehr funktionieren, wir hätten innerhalb weniger Tage Anarchie.

Das sogenannte Zivilisierte ist vor allem auch erzwungen durch Gesetzgebung, Polizei etc. Es geht ja nicht nur um die Opferraten bei einzelnen historischen Kriegen, sondern auch um die tägliche Gewalt, die sich dann im weiteren Verlauf in Kriegen entlud. Diese tägliche Gewalt, nicht nur gegen Kinder, ist auch in Europa z.B. gegenüber Frauen unfassbarer Weise allgegenwärtig.

Frieden heißt nicht nur, Kriege zu vermeiden, sondern Gewalt zu verhindern. Davon sind wir sehr weit entfernt.

meinemeinung 22.09.2014 | 23:06

Ich glaube nicht das es weiter bringt wenn man unter dem Fokus das die Dinge besser geworden sind nach bestätigenden Statistiken sucht.

Pinker geht dabei schon im Ansatz von Annahmen aus die ich nicht teile:

"In Die inneren Dämonen (Kapitel 8) untersucht er die destruktiven Kräfte der menschlichen Natur und benennt Raublust, Streben nach Dominanz, Rache, Sadismus und Ideologie."

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt:_Eine_neue_Geschichte_der_Menschheit

Dies entspricht weitgehend der Vorstellung eines "Todestriebes" die durch zahlreiche Erkenntnisse wiederlegt sind.

Gewalt existiert nach wie vor auf allen Ebenen, in allen "zivilisierten" Gesellschaften, in den unterschiedlichsten Strukturen. Dies zeigt sich nicht nur in Form von körperlicher Gewalt, sondern auch in Form von Machtstrukturen, Kontrollzwängen und psychischem Druck.

Die zu Grunde liegenden Ursachen werden heute trotz zur Verfügung stehender Informationen kaum beachtet und nur bei oberflächlicher Betrachtung kann man übersehen das wir nach wie vor eine auf Macht, Kontrollausübung , tiefsitzenden Konflikten und damit verbundenen Ängsten die immer wieder in Gewalt münden basierte Gesellschaft sind. Eine von Empathie, gegenseitigem Verständnis und Kooperation getragene Gesellschaft sähe meiner Meinung nach ganz anders aus. Konkurrenzdenken und Gewalt als Lösung ist auch weiterhin das was in den Köpfen der meisten Menschen fest verankert ist.

Dazu kommt das wir zumindest in den Industrieländern in wirtschaftlich weitgehend guten Verhältnissen leben. Wenn diese brökeln - wovon wir bereits einiges erlebt haben- dann wird sich auch die Tendenz zu Feindbildern als angebliche Ursache verstärken. Auch dies zeichnet sich bereits jetzt in vielen rechtspopulistischen Bewegungen ab.

Ich glaube nicht das es weiterhilft wenn wir versuchen dies zu verharmlosen, denn dies ist einer der Faktoren die dazu beitragen das die bestehenden Tendenzen solange ignoriert werden bis es kaum noch möglich ist dem entgegen zu wirken. Nehmen sie Frankreich mit seiner FN als Beispiel - und das ohne das es dort bereits zu extremer Not gekommen ist. Was glauben Sie wie dies aussehen wird, wenn es zu einer wirklich massiven Wirtschaftskrise kommt?

Die Wahrscheinlichkeit das es zu einer solchen kommen wird halte ich ebenfalls für hoch. Die ersten Risse sind bereits deutlich sichtbar und das was zur Bekämpfung getan wird dürfte am Ende dazu führen das sich die Probleme die man derzeit vor sich herschiebt summieren und verschlimmern.

Die einzige Lösung die ich dabei erkennen kann, ist wenn sich immer mehr Menschen der bestehenden Risiken bewusst werden und nach anderen Lösungen suchen als bisher.

Die Frage die sich daraus ergibt ist: Wie ist es möglich Menschen zu erreichen und dazu zu bewegen nach Lösungen zu suchen die auf Kooperation und Gewaltfreiheit basieren, statt wie bisher auf Konkurrenzdenken und Gewalt als Kontrollmechnismus?

knattertom 23.09.2014 | 01:33

"Diese kamen Zahlenmäßig nicht an die Opfer des 2. weltkrieges heran, einfach, weil die Bevölkerungsdichte ganz anders war."

Für den 30jährigen Krieg muss da ein sehr krasses Verhältnis herauskommen. In manchen Regionen lagen die Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung bei 80%.

Magdeburgisieren wurde zum Synonym für die vollständige Zerstörung einer Stadt.

In Staaten in denen eine ein-Kind-Politik betrieben wird, nimmt die Gewalt gegen Kinder gewiss ab.

meinemeinung 23.09.2014 | 11:00

Der Versuch die mit Gewalt zusammenhängenden Problem zu verharmlosen trägt mit dazu bei bestehende Strukturen aufrecht zu erhalten.

Wie brutal Unterdrückungsmethoden sind die in Ländern praktiziert werden in denen eine ein-Kind-Politik betrieben wird, dafür hier ein Beispiel:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/china-uigure-ilham-tohti-in-xinjiang-zu-lebenslanger-haft-verurteilt-a-993203.html

Wo so etwas geschieht wird ganz sicher nicht verständisvoll mit Kindern umgegangen, denn Unterdrückung und Autoritätsgläubigkeit die auf politischer Ebene so drastisch ausfallen, sind nach meinem Verständnis Ausdruck tiefsitzender Ängste und weit verbreiteter Mechanismen die eine Gesellschaft als Ganzes durchziehen.

Hier können sie die zahlreichen Kriege nachlesen die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges stattgefunden haben:

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Kriegen

und hier eine Liste von teils Jahrzehnte andauernden Konflikten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_andauernden_Kriege_und_Konflikte

Dazu kommen 16000 existierende Atombomben und ein riesiger Aparat - von NSA bis ständig schärferen Gesetze - um alles unter Kontrolle zu behalten. Bedrohung durch Strafe und Gewaltanwendung sind dabei die wesentlichsten Mittel um Eskalation zu verhindern - ändern aber nichts an bestehenden Ängsten und Mißtrauen und sind Quelle ständiger neuer Gewalt, die dann mit noch mehr Kontrollmaßnahmen in den Griff zu bekommen versucht wird.

Nehmen sie dazu die Fakten aus dem Unicef- Bericht. Für mich ist es geradezu unverständlich wenn Menschen glauben das dies einen Fortschritt darstellen könnte.

sven 23.09.2014 | 11:27

@ MeineMeinung und Rice Against

Ich bin nicht blind für die Alltagsgewalt (habe ja selbst auf den UNICEF bericht hingewiesen). Ich kenne auch die zahlen zur Gewalt gegen frauen in Europa. Es bleibt aber auch hier dabei: Denken wir nur 100 oder 200 Jahre zurück: Gewalt gegen kinder und Frauen (und natürlich auch männer) nimmt im historischen rückblick immer gewaltvollere und grausamere Formen an und natürlich sieht auch das Ausmaß ganz anders aus, als das, was wir heute sehen.

Zurück zu Pinker. Er beschreibt u.a. auch, wie die zahl der kriegerischen konflikte (vor allem auch Bürgerkriege) seit 1945 phasenweise zugenommen hat. Dabei sank die Opferzahl - laut seinen quellen - stetig. 1950 lag die durchschnittliche opferzahl bei 33.000, 2007 waren es weniger als 1000. (S. 455)

Was Pinker unter "Dämonen" bildlich beschreibt und seine erkläungsversuche für die Abnahme der menschlichen gewalt halte ich allerdings für irreführend. Um auf mein grundthema zurückzukommen: Der Rückgang der gewalt gegen kinder und die zunahme elterlicher Fürsorge scheint hier weit wesentlicher zu wirken (nur spricht da kaum einer drüber)

Und um zur Friedensbewegung zurückzukommen: Die hat nach meinem Eindruck alice Miller, arno Gruen und Lloyd deMause weitgehend gar nicht entdeckt.

meinemeinung 23.09.2014 | 13:16

Eine Zunahme elterlicher Fürsorge kann ich nicht entdecken. Hier ein Beispiel für eine ganz andere Entwicklung:

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fuerstenfeldbruck/psychiatrie-wenn-die-seele-leidet-1.1945055

Was ich persönlich am Umgang Erwachsener mit Kindern erlebe, ist für mich gleichermassen erschreckend. Nach wie vor geht es hauptsächlich darum Kindern Regeln beizubringen und sie zu Leistung zu motivieren. Auch Gewalt ist dabei keine Ausnahme,wozu auch gehört Kinder in entsprechendem Tonfall anzuschreien.

Dazu kommt die enorme Vernachlässigung, bei der Medien wie z.B. das Internet zum Ersatz für den Mangel an Geborgenheit und Verständnis werden.

Beim besten Willen kann ich in dem was geschieht keinen Fortschritt erkennen, sondern eher eine Selbstentfremdung die derzeit ihren Höhepunkt erreicht hat, wozu auch die vielen abstrakten Formen angenommener "wissenschaftlicher" Abstraktionen im Bereich von Psychotherapie und Psychiatrie gehören - was von Arno Gruen und Alice Miller deutlich kritisiert wird.

Das dieses Wissen in der Friedensbewegung nicht angekommen ist, dem stimme ich zu. Es spielt auch sonst auf gesellschaftlicher Ebene nur eine Nebenrolle. So aber fehlt die Basis um zu verstehen wie tiefsitzend die Ursachen und wie weitreichend die Folgen früher Prägungen sind. Dies macht es schwierig die bestehenden Probleme überhaupt anzugehen.

knattertom 23.09.2014 | 13:18

"Der Versuch die mit Gewalt zusammenhängenden Problem zu verharmlosen trägt mit dazu bei bestehende Strukturen aufrecht zu erhalten."

?

Wer verharmlost?

Es ging um Gewalt gegen Kinder, und Sie verlinken einen Spiegelartikel über ein Urteil gegen einen erwachsenen Uiguren-Politiker, der in der ersten Instanz auffällig hart bestraft wurde.....?

Sie vermischen Apfel mit Birnen.

Meine auf logischem Denken basierende Schlussfolgerung, dass mit weniger Kindern, um so liebevoller ungegangen wird, behaupte ich weiterhin.

sven 23.09.2014 | 13:54

Meinemeinung,

äußerst selten ist es an sich, jemanden in solchen Kommentarbereichen zu treffen, der sich mit dem befasst hat, was ich unter "Psychohistorie" verstehe. Insofern freue ich mich sehr, dass Sie die destruktive Wirkungsweise von kindlichen gewalterfahrungen anerkennen und dies auch bzgl. Kriegen übertragen, so ich sie richtig verstehe.

Bzgl. dem rückgang der Gewalt gegen kinder in deutschland habe ich einiges in meinem Blog zusamengestellt. Das KFN hat außerdem kürzlich die Ergebnisse einer großen studie online auf deren Homepage veröffentlicht. Diese habe ich leider noch nicht wirklich durchgearbeitet. was seit 1992 (vergleichsjahr) deutlich zurückging ist der sexuelle Missbrauch an kindern, körperliche Gewalt gegen kinder und häusliche Gewalt an sich.

meinemeinung 23.09.2014 | 14:46

Ich habe diess Beispiel genannt um zu verdeutlichen was in Ländern geschieht in denen die von Ihnen erwähnte ein-Kind-Politik praktiziert wird- was von Ihnen positiv beurteilt wurde. Da wo solch extrme autoritäre Strukturen herschen, halte ich es für sehr unwahrscheinlich das Kinder von diesen ausgenommen sind. Eher dürften wie in allen autoritären Systemen Kinder die sein die am stärksten betroffen sind, denn diese stehen ganz unten auf der Hierarchie-Leiter.

Menschen sind vor allem soziale Wesen und ich bezweifle das eine Familie zu einer besseren Familie wird wenn nur ein Kind vorhanden ist. So dürften eher die Erwartungen an das Kind aber auch die Einsamkeit mangels weiterer Bezugspersonen steigen.

meinemeinung 23.09.2014 | 14:54

Sichelich sind manch auffällige Formen der Gewalt weniger geworden. Dies bedeutet für mich keineswegs das Kinder deswegen mit Empathie und Verständnis erzogen werden. Insgesamt bezuweifle ich das sich die Dinge zum besseren gewendet haben, den heute gibt es andere Formen die zur Selbstentfremdung bei tragen und Kindern das Leben schwer machen, mit entsprechend gravierenden Folgen.

Ihren Blog kenne ich schon länger und denke das er insgesamt zumindest einiges dazu beiträgt sich der angesprochenen Themen bewusst zu werden. Dennoch glaube ich das es nicht weiter hilft zu glauben das heute die Dinge insgesamt wesentlich besser sind. Es gibt dabei kaum eindeutige Antworten, Verbesserungen in mancher Hinsicht stehen Verschlechterungen in anderer Hinsicht gegenüber. Insgesamt sind die Verhältnisse nach wie vor erschreckend und die Risiken zu weiterer Eskalation von Gewalt wie auch die jüngsten Beispiele in Irak und Ukraine zeigen weiter vorhanden. Keineswegs halte ich einen großen Krieg unter diesen Bedingungen für ausgeschlossen. Im Gegenteil, wenn die Wirtschaft in gravierende Schwierigkeiten gerät, dürften sich die Verhältnisse sehr schnell gravierend verschlimmern, wobei an Möglichkeiten der Eskaltion keine Grenzen bestehen. Wie schnell dies gehen kann, hat die Ukranine-Krise deutlich gemacht. Wäre das gleiche in Zeiten einer massiven Wirtschaftskrise geschehen, dann wären die Risiken um ein vielfaches höher gewesen.

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Ehemaliger Nutzer 23.09.2014 | 17:05

So aber fehlt die Basis um zu verstehen wie tiefsitzend die Ursachen und wie weitreichend die Folgen früher Prägungen sind.

Es ist von daher unverständlich, da das Know-how ja vorhanden ist. Wenn ich allein überlege, wie lange ich nach Antworten für Ursachen von Krieg und Gewalt gesucht habe, es ist schon beinahe absurd. Und es war reiner Zufall, dass ich darauf aufmerksam wurde.

Dies macht es schwierig die bestehenden Probleme überhaupt anzugehen.

Ich glaube nicht, dass es z.B. in Deutschland so schwierig ist. Es ist m.E. wie schon geschrieben zu allererst eine Frage der Kommunikation. Wenn man sich z.B. ein Plakat denkt, darauf ein glückliches Elternpaar und die Überschrift "Friedensstifter". Oder ein Kind, was glücklich auf dem Bauch von Papa eingeschlafen ist und die Überschrift "Weltfrieden beginnt im Kinderzimmer". Dazu eine redaktionell betreute Internetseite, die das Basiswissen für ein friedliches Miteinander entsprechend 'einfach' aufbereitet zur Verfügung stellt, mit Tipps und Hinweisen in der Erziehung von Kindern und auch im Umgang mit sich selbst und seinem Umfeld – ich glaube, damit kann man die Öffentlichkeit sicher erreichen, auch unterstützen. So etwas kostet nur Geld. Wo die Prioritäten dazu in Deutschland liegen, hat Reiner Braun angeführt: 33,3 Mrd. Euro für die Bundeswehr, 29 Mio. für Friedensdienste. Damit ist eigentlich alles gesagt.

namreH 23.09.2014 | 21:22

Ich will mich zunächst bedanken für die Antwort(en) auf meinen Kommentar.

Ich hatte seltenen aber lieben Besuch von weit her - sonst hätte ich mich früher wieder gemeldet.

Die Verwechselung von „Rise Against“ und „Meinemeinung“ als Adressaten für meinen Kommentar ist geklärt. Sie war dann auch nicht so gravierend, weil beide in etwa darin übereinstimmen, dass „eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland(aus dem ganzen Zusammenhang ist deutlich, dass hier nicht von der Weltbevölkerung die Rede ist, sondern von uns in D.) daran glaubt, dass kriegerische Gewalt eine Lösung ist“. Mir ging es in der Tat bei meinem Kommentar um den – sicher schlimmsten - Spezialfall des Kriegs. Da habe ich die Aussage von der Bereitschaft einer Mehrheit in Deutschland dazu in Frage gestellt.

Ich meine, es gibt dazu bisher keine wirklich aussagekräftige Untersuchung – was ja durchaus in einer repräsentativen Befragung möglich wäre. Dabei käme es natürlich auf die Fragestellung an, die selbstverständlich einer kritischen Überprüfung unterzogen werden müsste. Das ist umso wichtiger, weil ja zu Genüge deutlich wurde, wie etwa bei der Ukrainekrise journalistisch manipuliert worden ist.

Also: Ich stelle mir etwa folgende Frage vor in der das „existentielle Element“ unbedingt enthalten sein müsste:

Sind Sie dafür, dass Deutschland bereit sein sollte, sich aktiv an einem Krieg zu beteiligen, der nach Ansicht der Regierung eine Beteiligung Deutschlands erfordert (gemäß der Ansicht unseres Bundespräsidenten, dass D. auch darin mehr Verantwortung übernehmen müsse), wenn sie selber oder ihnen nahestehende Menschen aktiv dazu verpflichtet würden?

In diesem Sinn habe ich meinen Zweifel angemeldet an einer Mehrheitsbereitschaft…aber nicht in Sinn von „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“.

Ich habe inzwischen die Kommentare (bzw. die Dialoge) zum Thema Gewalt in seinen vielen Fassetten nachgelesen, in denen viel Interessantes steht zum Stichwort Gewalt. Allerdings ist damit meiner Meinung nach die Diskussion ziemlich von dem Hauptanliegen des Beitragsschreibers Rainer Braun abgedriftet. Schade, dass Herr Braun sich nicht selbst wieder eingeschaltet hat!

knattertom 24.09.2014 | 00:01

"Wie schnell dies gehen kann, hat die Ukranine-Krise deutlich gemacht. Wäre das gleiche in Zeiten einer massiven Wirtschaftskrise geschehen, dann wären die Risiken um ein vielfaches höher gewesen."

Wir haben eine massive Wirtschaftskrise und das in der Ukraine passiert genau jetzt......, die Gefahr ist greifbar gegeben. Der Zugang zu Waffen stellt keine Hürde mehr da und aktuell holen sich reichlich Neofaschisten aus Schweden, Polen und gewiss noch aus weiteren europäischen Ländern Gefechtserfahrung in der Ukraine ab......., was die wohl anschliessen vorhaben?

1936 war es Spanien, dieses mal fängt das ganze nicht im Südwesten, sonden im Südosten an. Das "Spiel" ist aber ansonsten wieder genau das gleiche!

knattertom 24.09.2014 | 00:09

„Das hilft doch jetzt den bedrohten Menschen nicht“ – wie oft haben wir diese Aussage schon gehört. „Deshalb müssen wir jetzt auch Waffen in den Irak liefern.“ Einfältiger kann Politik kaum sein. Seit zwei Jahrzehnten gibt es dort permanent Kriegshandlungen, bei denen Unmengen von Waffen eingesetzt werden. Und da kommt die Bundesregierung zu dem Schluss: „Mehr Waffen!“

Ist das wirklich Einfalt?

Dass es nichts hilft, steht ausser Frage, aber ist der benannte Grund dafür, dass man es trotzdem tut, auch der tatsächliche?

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Ehemaliger Nutzer 24.09.2014 | 10:15

Ergänzend dazu spielt m. E. auch das frühkindliche Trauma einer Zirkumzision eine Rolle für spätere Gewaltbereitschaft. Da das extrem schmerzhafte Erlebnis (mangels noch fehlenden "Denkens in Sprache) direkt in´s Unterbewußtsein "eingeprägt" wird und eine extreme Erfahrung hinsichtlich persönlicher Auslieferung und Hilflosiogkeit gegenüber Gewalt ist, bewirkt es eine grundlegende Unterwerfung unter und Anerkennung von Gewalt.

Es gibt dazu ausführliche (überwiegend englischspachige) Studien, die ich aber nicht mehr wiederfinde (alle Links und Daten wurden bei einem PC-Crash zerstört :-/).

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Ehemaliger Nutzer 24.09.2014 | 10:46

Zustimmung zur These, daß Einzelkinder für Eltern meist emotional "wertvoller" sind als solche mit vielen Geschwistern. Sie bekommen i. d. R. mehr Aufmerksamkeit und Fürsorge und werden im Umkehrschluß sicher auch seltener körperlicher oder psychischer Gewalt ausgesetzt.

Die Risiken dieser Kinder sind aber auch schon bekannt (hab irgendwo mal Studien aus China darüber gelesen): Oft entwickeln sie Defizite im Sozialverhalten und in puncto Selbständigkeit, da sie zu sehr verwöhnt werden und keine (oder zu wenig) Gelegenheit haben, zu lernen, sich mit Geschwistern arrangieren zu müssen.

Und na klar: Erziehung ist die Basis für möglichst gewaltfreie Gesellschaften.

Es reicht aber nicht, einem Kind als Individuum zu vermitteln, daß es wert ist, um seiner selbst geliebt zu werden (und ihm auf diese Weise Selbstachtung zu vermitteln). Genauso wichtig ist es m. E. von Anfang an vorzuleben, daß ALLE Menschen GLEICHWERTIG sind.

VERachtung und MIßachtung gegen "die anderen" sind grundlegende Vorstufen für gewalttätiges Verhalten von Individuen und Gesellschaften.

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Ehemaliger Nutzer 24.09.2014 | 12:46

Allerdings ist damit meiner Meinung nach die Diskussion ziemlich von dem Hauptanliegen des Beitragsschreibers Rainer Braun abgedriftet.

Jein. Die Friedensbewegung ist offenbar zu weit weg von den eigentlichen Ursachen, durch die Kriege entstehen. Vielleicht ist sie deshalb auch so 'unerfolgreich' bzw. wird auch entsprechend wenig wahr- und ernst genommen? Ich weiß es nicht.

Es ist am Beispiel Irak nicht damit getan, humanitäre Hilfe zu leisten. Angenommen, der IS kann eines Tages zurückgedrängt werden, so bleiben die eigentlichen Ursachen, warum Kriege und Gewalt entstehen, sich selbst überlassen und unbeobachtet zurück. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich die damit verbundene Dynamik erneut in einem Krieg entlädt.

Wie gesagt, um Krieg dauerhaft zu vermeiden, ist es u.a. unumgänglich zu verstehen, warum er entsteht. Im Gegensatz zu Sigmund Freud, der den Aggressionstrieb beim Menschen als etwas Natürliches definiert hat, erklärt Joachim Bauer die wahren Entstehungsgründe der Aggression. Die Gründe, warum Menschen Krieg führen, sind damit erstmals aufgedeckt und eben nicht angeboren, somit auch veränderbar hin zum friedvollen Miteinander. Das Wissen darum, so scheint es, haben bislang nur ein paar handvoll "Eingeweihte". Das gilt es überhaupt erst einmal zu ändern.

Sie schreiben, wir hätten hier das Thema Gewalt behandelt. Ersetzen Sie das Wort Gewalt z.B. mit Kleinkrieg, vielleicht hilft es Ihnen, den Themenkomplex und die Zusammenhänge besser nachvollziehen zu können. Physische und psychische Gewalt zwischen zwei Menschen kann auch als eine Form Krieg definiert werden, um die Abhängigkeiten zu verdeutlichen, die häusliche Gewalt ('Kriege') hin zu Kriegen zwischen Staaten oder Ideologien erzeugen können.

Die Zusammenhänge bewusst zu machen, wird die Welt allein vermutlich nicht verändern. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sprechen, wenn etwas ins Bewusstsein gelangt, kann das sehr wohl eine Veränderung bei einem selbst bewirken. Eine Erfahrung, die ich erst gestern wieder gemacht habe und die mir einiges klar gemacht hat.

meinemeinung 24.09.2014 | 12:53

Anscheinend gibt es hier ein Missverständnis. Sie hatten etwas von ein-Kind-Politik geschrieben. Diese gibt es meines Wissens nur in China. Die Tendenz das Familien in vielen Ländern nur noch aus Paaren mit einem Kind bestehen ist ein ganz anderer Aspekt. Positiv finde ich diese Temdenz nicht.

Was Wirschaftskrise betrifft: Erste Risse sind zwar deutlich geworden und haben in Ländern wie z.B. Spanien oder Grieschenland zu heftigen Problemen geführt. Seit dem haben sich auch rechtsextreme Tendenzen verstärkt, was leicht vorhersehbar war und sich mit dem Fortschreiten der Krise auch absehbar verstärken wird- und so mit dazu beitragen wird das sich die Dinge drastisch verschlimmern.

Bisher würde ich nicht von einer massiven Wirtschaftskrise sprechen. In den meisten Ländern gibt es Wachstum und auch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit hat bisher nur wenige Länder erfasst. Ins besonders in Deutschland sind wir bisher weitgehend verschont worden.

Massiv wird es wenn die bisherigen Massnahmen wie Zinssenkung und neue Schulden nicht mehr funktionieren, Kein neues Wachstum mehr erzeugt werden kann,wenn in Folge die Arbeitslosigkeit steigt und Sozialsysteme in der bestehenden Form nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Davon sind wir bisher noch ein gutes Stück entfernt.

Dann dürfte politischer Extremismus und Gewalt das Einzige sein was Hochkonjunktur hat und dazu beitragen die Probleme drastisch zu verschlimmern.

Obwohl diese Entwicklung leicht absehbar ist und auch leicht erkennbar ist wohin dies führt, scheint es wenig Menschen zu geben die dies interessiert. Wie sollte es möglich sein diese leicht absehbare Entwicklung zu verhindern? Wäre eine breite Friedensbewegung eine Möglichkeit dazu? Wenn ja, wie sollte diese entstehen?

meinemeinung 24.09.2014 | 13:16

Eine represäntative Befragung findet alle 4 Jahre an den Wahlurnen statt. Dabei entscheidet sich die deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland - genauso wie in fast allen Ländern der Welt - für eine Politik die auf Rüstung, Abschreckung und Bereitschaft zur Gewaltanwendug basiert. Dies wird auch reglemäßig in die Praxis umgesetzt, beginnend mit Sanktionen als Mittel um Druck auszuüben, über Waffenlieferungen bis hin zu direkten Eingriffen - jüngste Beispiel Irak. Würde dies nicht von der Mehrheit gut geheißen, würde eine andere Politik gewählt. Dies wird aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weder in Deutschland noch in anderen Ländern geschehen. Zu verbreitet sind tiefsitzende Ängste und der Glaube das Probleme nur mit Druck und Gewaltanwendung gelöst werden können. Das Gegeneindander das sich daraus ergibt erzeugt dabei stets neue Ängste und so auch das Bedürfnis sich vor dem vermeintlichen Gegner schützen zu müßen. Da dieselben Strukturen global weit verbreitet sind, glaubt jeder vom jeweils anderen das er der Feind ist der nur durch Gewaltanwendung unter Kontrolle zu bekommen ist. So entsteht stets aufs Neue ein Kreislauf aus Eskalation und Gewalt, der mit den angewandten Mitteln immer wieder das hervorbringt was er zu bekämpfen versucht.

Dies ist kein spezifisch deutsches Problem, sondern ein Problem das dadurch entsteht das nahezu überall die gleichen Überzeugungen und Strukturen vorherrschen.

Was ihren Vorschlag der Befragung betrifft, würde dieser aus meiner Sicht weit an der Realität vorbeigehen. Sicher würden viele Menschen ausschließen wollen sich selbst oder nahestehende Menschen aktiv an Gewalt zu beteiligen. Dies verhindert aber nicht das sie dennoch eine entsprechende Politik unterstützen die Gewaltanwendung ermöglicht. Eher im Gegenteil, erwarten die meisten Menschen von der Politik das diese so viel Gewalt an entsprechender Stelle anwendet, das man selbst nicht von dieser betroffen ist. Genau dieses Verhalten ist es was eine Gewalt unterstützende Politik begünstigt.

Ich bin der Meinung das all dies sehr viel mit dem Thema des Artikels zu tun hat, denn ohne eine gründliche Auseinandersetzung mit den Ursachen von Gewalt, aber auch mit der Pasivität des Einzelnen, kann die Frage danach was eine Friedensbewegung bewirken kann und auch die Art und Weise wie eine solche überhaupt zustande kommen kann nach meiner Auffassung nicht geklärt werden.

meinemeinung 24.09.2014 | 13:41

Wenn dies stimmen würde, würden auch entsprechende Politiker gewählt. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Politiker der keine Gewaltanwendung befürwortet hätte bei den meisten Menschen keine Chance gewählt zu werden. Die Tendenz geht dabei in Richtung mehr Kontrolle und mehr Gewalt - im vermeintlichen Glauben dadurch Sicherheit herstellen zu können.

So hat z. B. der Skandall um die NSA so gut wie nichts bewirkt, weil die bestehenden Ängste so groß sind, das die Menschen glauben das all diese Kontrollmaßnahmen notwendig sind um Sicherheit zu gewährleisten. Genauso geht die Tendenz zu immer schärferen Gesetzen mit immer stärkeren Strafmaßnahmen. Auch darin zeigt sich aus meiner Sicht die wachsende Bereitschaft zur Gewaltanwendung zur Problemlösung. Des weiteren sind nach 9/11 durch die dadurch ausgelösten Ängste alle daraus erfolgten Massnahmen, einschliesslich zweier Kriege von der Mehrheit unterstützt worden, denn an den Strategien hat sich bis heute nichts geändert-siehe Irak. Genauso wenig haben die erfolgten Massnahmen etwas bewirken könne-ebenfalls siehe Irak. Gerade die jüngste Entwicklung zeigt deutlich das die Risiken nicht geringer geworden sind, die Fronten sich weiter verhärtet haben und die Bereitschaft zu Gewalt unveränder weiter besteht. Die Nachrichten sind entsprechend voll von Bedrohungszenarien-noch einemal Irak als deulichstes Beispiel, aber auch Ukrainne als weiteres Eskalationssszenario. Die Anwendung von Gewalt als Lösung wird dabei kaum in Frage gestellt. Die deutliche Mehrheit befürwortet diese nach wie vor. Die bestehenden Ängste bringen so immer mehr desselben hervor. Kritiker und Menschen die Gewaltfreiheit befürworten sind die deutliche Minderheit und müßen damit rechnen als naiv und realitätsfern zu gelten, oder werden sogar selbst zur Projektionsfläche vorhandener Aggressionen.

Deutlich wird dies auch im Mangel an Friedensbewegungen. Diese sind trotz der bestehenden Konflikte und ständig neuer Eskalation kaum sichtbar und noch nicht einmal als Randbwegung erkennbar. Die Zeit von "make love, not war" ist längst vorbei und heute interssieren sich gerade junge Menschen viel eher für Karriere, oder dafür welche neuen Gadgets ihnen noch mehr Möglichkeiten der Zerstreuung bieten, als das sie sich aktiv mit diesen Themen auseinander setzen.

Wäre die Mehrheit gegen Sanktionen, würde sich dies in entsprechenden Umfragen längst wiederspiegeln und die Linke würde entsprechende Wahlergebnisse erhalten. Nichts davon geschieht, und eher wird die AfD eine weitere Bewegung Richtung Abschottung und Ausgrenzung in Gang setzen, als das es zu mehr Kooperation und gegenseitigem Verständnis kommt.

Wie sollte unter solchen Umständen eine Friedensbewegung entstehen die in der Lage ist etwas zu bewirken?

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Ehemaliger Nutzer 24.09.2014 | 14:38

Ein Politiker der keine Gewaltanwendung befürwortet hätte bei den meisten Menschen keine Chance gewählt zu werden.

Das glaube ich zum Beispiel nicht, im Gegenteil, dieser Politiker hätte vermutlich eine Menge Wähler. Das Problem ist aber doch: Zur Wahl zu gehen bringt quasi gar nichts. Alle Parteien sind mehr oder weniger gleichgeschaltet, und die Linke ist mir persönlich zu extrem und teilweise dann auch zu unprofessionell, die Piraten haben sich blöderweise selbst zerlegt oder auch zerlegen lassen.

Aber wissen Sie was, Sie haben mich mit Ihrem Kommentar auf eine brillante Idee gebracht. Ich bitte um Verständnis, wenn ich diese erstmal nicht preis gebe. Aber ich laufe hier gerade mit einem Dauergrinsen herum : ))

knattertom 24.09.2014 | 16:01

"Anscheinend gibt es hier ein Missverständnis. Sie hatten etwas von ein-Kind-Politik geschrieben."

Ja, es gab ein Missverständniss von Ihrer Seite. Ich hatte von ein-Kind-Politik geschrieben, wobei China diese aktiv und offen als eine solche deklarierte, in anderen Ländern, wie Deutschland, wird das ganze einfach durch die Rahmenbedingungen erreicht.

Sie hatten mir unterstellt, mit meiner Erwähnung, würde ich diese Bestrebungen befürworten, was so nicht stimmt. Allerdings bin ich in der Lage, in unterschiedlichen Maßnahmen jeweils die positiven und negativen Effekte zu erkennen, und eine Abnahme der Gewalt gegen Kinder ist für mich ein positiver Effekt einer ein-Kind-Politik, dass diese auch viele negative Effekte hat, steht ausser Frage.

"Bisher würde ich nicht von einer massiven Wirtschaftskrise sprechen. In den meisten Ländern gibt es Wachstum und auch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit hat bisher nur wenige Länder erfasst. Ins besonders in Deutschland sind wir bisher weitgehend verschont worden."

Nun, für mich sieht es eher wie eine (Wirtschafts-)Systemkrise aus und zwar nach der ultimativen, die es bereits einmal 1929 gab, und aus der die Herrschenden damals den für sie einzigen Ausweg gewählt haben...., Krieg.

Eine Friedensbewegung entsteht, wenn sich Menschen in die gleiche Richtung und für das gleiche Ziel bewegen.

sven 25.09.2014 | 07:44

Weit weg vom Thema geriet die Diskussion nicht, nur in ungewohnte Bahnen.

Der Gegenwind, den die Friedensbewegung stets bekommt, die Zerlegung von Pazifismus, all dies hat doch damit zu tun, dass viele Menschen sich auch im Politischen kein verhalten ohne Sanktionen/Strafen/Machtdemonstration vorstellen können. Woher das ursprünglich kommt, haben wir oben diskutiert.

Mehr noch als eigens Täterverhalten ist allerdings vielleicht die andere Seite von Bedeutung: Stillhalten, auhalten, nichts sagen, keinen Widerspruch leisten, die "Dinge mit sich passieren" lassen, "die Autoritäten machen lassen", sich der Ohnmacht ergeben. Diese Seite ist belegter weise eine klassische folge von Kindesmisshandlung. Sie gibt Tätern und Machtmenschen die Möglichkeiten so zu agieren, wie sie es tun.

Ein Paradebeispiel sind für mich die Geschwister Scholl: Aufrecht und liberal erzogen, keine Gewalt in der Erziehung, elterliches Vorbild für pazifistisches und menschliches Verhalten in der Familie. Wenn so die erziehung der Mehrheit aussehen würde (und sie ist weltweit immer noch bei der Mehrheit eher das gegenteil) würden kriege bald von der Erde getilgt sein.

Anwälte für den Frieden müssen also immer auch Anwälte für kinder sein.