WeWork, WeLive, das heißt am Ende nur: WePay

Silicon Valley Unternehmen, die immer höher hinaus wollen, obwohl sie nichts Brauchbares produzieren, schaden am Ende uns allen
Nina Scholz | Ausgabe 43/2019 3
WeWork, WeLive,  das heißt am Ende nur: WePay
Ein Co-Working-Space der WeCompany im zentralen Flatiron-Bezirk in Manhattan, New York City

Foto: Imago Images/Levine-Roberts

WeCompany ist in der Krise! Warum das interessant ist, obwohl das durch WeWork bekannte Vermittlungsunternehmen für Coworking Spaces weltweit nur um die 15.000 Angestellte hat(te) und quasi keine Immobilien besitzt? Weil WeCompany ein Paradebeispiel für die sozialen Schattenseiten des esoterisch-religiösen Größenwahnsinns der Silicon-Valley-Ideologie ist.

Klar ist WeWork kein Tech-Unternehmen und kommt nicht aus Kalifornien, sondern aus New York – aber: Die Inhaber Adam Neumann und Miguel McKelvey haben von Firmen wie Uber oder Airbnb gelernt. Genau wie diese bietet WeWork lediglich einen Vermittlungsdienst an: zwischen Unternehmen, die einen Coworking Space wollen, und den Besitzern der Immobilien. Das Unternehmen wurde 2010 in New York gegründet, die Expansionspläne waren riesig. WeCompany hat(te) mit 650 Büros weltweit eine internationale Vormachtstellung, darunter in Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg, München. Weitere Geschäftszweige wie WeLive wurden gegründet (junge Professionelle leben kurzfristig zusammen in möblierten WGs mit hohem Standard). Auch der neoliberale Eifer mutete kalifornisch an: „The I In We“ ist ein Artikel über Adam Neumann im New Yorker Magazine betitelt, und er klingt wie eine überdrehte Persiflage auf den Silicon-Valley-Personenkult. Einmal im Jahr ein Unternehmens-Festival, bei dem sich alle ausufernd selbst feiern – Teilnahme obligatorisch, genauso wie Überstunden und andere wöchentliche Unternehmensevents außerhalb der Arbeitszeiten. Der Arbeitsdruck war so groß wie die Inszenierung Neumanns als überlebensgroßer Guru in seinem Narzissmus gigantomanisch.

Die schwarzen Zahlen und die Gewinnmargen allerdings sind auf der Strecke geblieben, der Absturz kam schnell und heftig. Anfang 2019 noch war WeWork mit 47 Milliarden bewertet, der geplante Börsengang im August scheiterte aber. Tausende Mitarbeiter sind bereits entlassen worden, Neumann ist zurückgetreten.

Selbst wenn der Investor Softbank oder die Bank JPMorgan WeCompany doch noch einmal vor der Insolvenz retten sollten, müsste klar sein: Diese Unternehmen bergen nur Risiken. Für die Gesundheit und Lebensplanung ihrer Mitarbeiter – und für uns alle, weil die Geschäftsmodelle alles andere als nachhaltig sind. WeCompany ist nicht das einzige Unternehmen, das hoch bewertet ist und noch höher fliegen will, obwohl es nichts produziert, was wir wirklich brauchen – und das keine schwarzen Zahlen schreibt. Wer am Ende dafür die Rechnung zahlt, das haben wir in der Finanzkrise hart gelernt.

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