Katja Kipping
Ausgabe 0416 | 10.02.2016 | 06:00 32

Wider das Reinheitsgebot

Debatte „Wer flüchtet schon freiwillig?“, fragt unsere Autorin Katja Kipping in ihrem neuen Buch und plädiert für eine „liquide Kultur“

Aktuell erschallt vielerorts der Ruf nach Integration. Nun wäre eine ernsthafte Debatte darüber, wie das Zusammenleben verschiedener Menschen gut organisiert werden kann, durchaus zu begrüßen. Mehr als überfällig wäre zudem, gemeinsam darüber zu beraten, wie die Angriffe auf den Gleichheitsgrundsatz abgewehrt werden können, denn leider wird zunehmend gegen diesen Grundsatz des Grundgesetzes verstoßen. Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes besagt: dass niemand „wegen seines Geschlechts … oder seiner Herkunft, seiner Hautfarbe diskriminiert werden darf“. Das Grundgesetz ernst nehmen hieße also, Sexismus und Rassismus gleichermaßen zu bekämpfen, es gleichermaßen gegen islamistische Fundamentalisten wie gegen deutsche Rassisten zu verteidigen.

Leider geht die dominierende Problembeschreibung in Politik und Medien gegenwärtig an dieser Fragestellung vorbei, schon allein, weil die explodierende rassistische Gewalt eher in Fußnoten behandelt wird, während die Übergriffe der anderen auf den Titelseiten besprochen werden. Auch infolgedessen bekommen die Debatten um Integration eine auffällige Schieflage. Wann immer in den letzten Monaten das Wort Integration verwendet wurde, lief es darauf hinaus, dass sich die Geflüchteten bzw. die Asylbewerber und -bewerberinnen anpassen müssen – und zwar an die deutsche Kultur, die dann gleich mal zur Leitkultur erhoben wurde.

Doch gibt es das überhaupt, die eine deutsche Kultur? Ich bin groß geworden mit den großartigen Werken von Goethe, Christa Wolf und Schiller. Aber alles, was ich aus dieser Lektüre verinnerlicht habe, nährt mein Unbehagen angesichts der Ausrufungen einer deutschen Leitkultur.

Wie bitte sieht diese denn aus? Nehmen wir nur mal zwei in Deutschland sehr beliebte Festivitäten: das Oktoberfest und die Fusion, das Festival des Partykommunismus. Beide locken jeweils Unmengen von Menschen mit deutschem Pass an und scheinen doch kulturell von jeweils unterschiedlichen Sternen zu kommen. Sowohl was die bei beiden Festivitäten laufende Musik, die jeweils bevorzugte (Ver-)Kleidung, die angebotenen Speisen sowie die jeweils vorrangig konsumierten Rauschmittel anbelangt. Beide Festivitäten sind prägend für unterschiedliche kulturelle Milieus in Deutschland. Und die meisten Besucher und Besucherinnen der einen Festivität stehen fassungslos vor der Attraktivität, die das andere Ereignis auf Menschen ausübt. Auf keinen Fall kann ernsthaft behauptet werden, dass sich Fusion und Oktoberfest kulturell näher seien als bayrisches Bierzelt und marokkanische Teestube.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, welches verdeutlicht: Die Vorstellung einer homogenen nationalen Kultur hat in der Lebenswirklichkeit keine wirkliche Entsprechung. Die Gesellschaft setzt sich aus ganz verschiedenen, einander überlappenden kulturellen Welten zusammen. Wenn man diese künstlerisch darstellen würde, käme wahrscheinlich eine Art kubistische 3-D-Installation heraus, die sich beständig im Wandel befindet.

Glaubensflüchtlinge

Auch ein Blick in die Geschichte lehrt, dass Reinheitsgebote in Bezug auf Kultur nicht angebracht sind. Migration und die damit einhergehende kulturelle Hybridisierung sind der historische Regelfall. Der Homo sapiens ist immer auch „Homo migrans“. Die Spuren dieser Wanderungserfahrungen prägten sich so tief in Gesellschaften ein, dass sie erst mühsam freigelegt und rekonstruiert werden müssen, um wieder sichtbar zu werden.

Mentale und geografische Landschaften werden durch Migration geformt, Siedlungsräumen ist ihr Stempel aufgedrückt. Wer heute an der Oder und am Niederrhein in die Ferne blickt, denkt in der Regel nicht daran, dass es Glaubensflüchtlinge waren, die diese Regionen in der Frühen Neuzeit urbar gemacht und ihnen ihre heutige Gestalt gegeben haben.

Daran, dass das Potsdamer Holländerviertel einst ein Migrantenviertel und der Französische Dom am Berliner Gendarmenmarkt eine „Migrantenkirche“ war, erinnert heute nur noch der Name. Aus den Nachkommen von Deutsch-Rixdorfern und Böhmisch-Rixdorfern sind mittlerweile gleichermaßen Neuköllner geworden, die im Zweifelsfall die nächste Migrantengeneration zunächst als „fremd“ wahrnehmen.

Um ein weiteres Beispiel aus der Geschichte zu benennen: Zwar beschwerten sich auch vor 300 Jahren sächsische Bürger über die Ansiedlung von „refugirten französischen Manufacteurs“. Es sei „sattsam bekandt, daß diese Nation sich mit denen andern gar schlecht comportiren könne…, woraus nichts Gutes erfolgen kann“. Gänzlich unbeeindruckt von solchen Einschätzungen schuf in derselben Zeit der Franzose Louis de Silvestre in Dresden als Hofmaler die Deckengemälde im Brühl’schen Palais sowie im Zwinger und baute sein Landsmann Raymond Leplat das Taschenbergpalais.

Statische Nationalkulturen sind nachträglich geschaffene Konstruktionen, die durch bewusste Auslassungen entstehen.

Im Zuge der technologischen Entwicklung hat sich der Austausch zwischen unterschiedlichen Regionen dieser Welt noch vervielfältigt. Dank sozialer Netzwerke nehmen Menschen faktisch in Echtzeit an Ereignissen teil, die in anderen Zeitzonen stattfinden. Die Globalisierung der Wirtschaft trägt (wahrlich nicht immer zum Vorteil für die lokale Wirtschaftsstruktur) das Übrige zum Austausch bei. Ein realistischer Blick auf Kultur zeigt: Die Idee einer an eine Nation gebundenen Leitkultur ist eine Schimäre. Kultur ist beständig im Wandel.

Der französische Anthropologe Marc Augé entwirft in seiner Schrift Die illusorische Gesellschaft eine besondere Vision: Danach kann „jedes Individuum als eine originelle und einzigartige Synthese aus den Kulturen der Welt“ definiert werden. Jede konkrete in einem Moment eingefangene Kultur stellt also lediglich eine Momentaufnahme einer Synthese der Kulturen der Welt dar. Insofern braucht keine Kultur – weder in Europa noch in Deutschland noch in irgendeinem imaginären Abendland – den Schutz vor dem angeblichen Fremden. Denn über die Sedimente der Geschichte und über die modernen Technologien des Austausches findet die permanente Neuzusammensetzung wie in einem Prisma sowieso beständig statt.

Statt von Leit- und Nationalkulturen sollten wir also von liquiden, sich beständig verändernden Kulturen im Plural ausgehen. Ihr Wandel ist gelegentlich durchaus mit Konflikten und Auseinandersetzungen verbunden, aber er ist nicht an sich bedrohlich, sondern Ausdruck ihres Reichtums und ihrer Lebendigkeit.

Humanressourcen

Der Demografieforscher der Universität Florenz, Massimo Livi Bacci, spricht davon, dass wir die „schlimmste und schizophrenste aller Entscheidungen“ treffen würden, wenn wir weiter „eine de facto offene Gesellschaft mit einer Politik verwalten, die für eine geschlossene Gesellschaft entworfen wurde“. Denn ein solches schizophrenes Verwaltungsmodell ist verhängnisvoll. Unter humanen Aspekten ist es eine Zumutung, unter kapitalistischen Bedingungen eine permanente Krisenressource. Ob Wirtschafts-, Umwelt-, Bürgerkriegsflüchtlinge oder Asylsuchende – Bacci pocht in seinem Buch nicht nur darauf, sondern macht plausibel, dass Migration eine der wesentlichen Antriebskräfte der Menschheitsgeschichte ist, eine, nun ja, „Humanressource“.

Denn ja, die Geflüchteten – sie sind Humanressourcen. Doch ganz anders, als die Hans-Werner Sinns dieser Republik es sich in ihrer neoliberalen Verblendung vorstellen wollen. Nicht als billiger Rohstoff, der in der Konkurrenz von Standorten als Arbeitskraft verbraucht werden kann, sondern als eine elementare Möglichkeit: als die Gelegenheit für uns alle, Mensch zu sein – und als Menschen zu handeln.

Und das ist immer noch die kulturvollste Art, Kultur zu würdigen: Den Einzelnen, den anderen als Menschen anzuerkennen.

Info

Am 1. 2. erscheint Wer flüchtet schon freiwillig von Katja Kipping (Westend). Der Text ist eine leicht überarbeitete Passage aus dem Buch der Vorsitzenden der Linken

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 04/16.

Kommentare (32)

Nordlicht 10.02.2016 | 11:10

Dass die hierher gekommenen Einwanderer irgendwelche ominösen deutschen Kulturen übernehmen sollen, hat wohl niemend ernsthaft gefordert.

Was sicherlich zu fordern ist: Die Gesetze des Gastlandes respektieren und den dadurch vorgegebenen Regeln zu folgen. Wenn man die WZB-Studie von 2010 gründlich liest, halten rd. zwei Drittel der in Mitteleurop lebenden Muslime die Befolgung religiöser Gesetze für wichtiger als die Befolgung der staatlichen Gesetze. Ca. 75 % sind der Meinung, es gebe nur eine geltende Koranauslegung. Diese Zahlen sind relativ unabhängig davon, ob es Muslims der 1. oder 2. Generation hier sind.

Eine daraus abzuleitende Kritik an diesen Vorstellungen darf man meinetwegen als anti-islamisch bezeichnen, sofern man die von den Befragten genannten Wertvorstellungen als wesentlich für diese Religion ansieht. Zumindest für diese wäre das Adjektiv nicht falsch.

Ich würde eine solche anti-islamische Haltung aber nicht als rassistisch bezeichnen, wie das von interessierten Kreisen gerne vermischt wird.

denkzone8 10.02.2016 | 15:48

die system-ökonomische musterung der migranten nach ha-we sinn und anderen sach-waltern des k-systems hat immer auch eine blumichte sicht-weise von gesellschaftlicher bereicherung im human-kulturellen sinne zur seite.

solang eine partei der k-besitz-los angewendeten: nur als quantité negligable(zu vernachlässigende größe)gilt, deren bemängelungen am system kopf-schüttelnd übergangen werden, ist die übernahme einer regime-tragenden programmatik nicht zu empfehlen, da sie kaum einfluß auf die exekution, ihre fehler und umdeutungen hat. oder?

uebung 13.02.2016 | 10:14

Sehr geehrte Frau Kipping,

sicherlich kann man das alles von diesem Standpunkt aus betrachten. Nur habe ich den Eindruck, dass dies nicht der Kernpunkt vieler ist. Eine offene Gesellschaft, daran stößt sich eventuell kaum einer. Auch nicht an einer Globalisierung, in der jeder die Gelegenheit hat, 'woanders' sein Glück zu suchen oder wenigsten die Inspiration zu Glück.

Nur: Vielen wird klar sein, dass sie eben nicht Teil der Vorteilsnehmer einer globalisierten, offenen Gesellschaft sein werden. Sondern, dass viele nur mit harten Bandagen andere daran hindern zu suchen werden, das kleine Stück, auf welchem sie leben, nicht abgeben zu müssen. Sie können doch mal ganz unillusorisch sich und ihre Nachbarn befragen, wie nicht-kapitalistisch, nicht-egoistisch diese in die Welt gehen? Ob und wer, wie viele Steuer- und Anlageberater haben, um selbst in den kleinsten Winkeln irgendeiner Anlage eine Rendite zu erzielen.

Und die Refugees, wieviel sind diese eigentlich bereit, von dem, was sie erhalten oder besitzen aufzugeben, wenn sie es denn mal haben? Glauben Sie wirklich, diese sind die besseren Menschen, die aus einem ebenfalls kapitalistisch orientierten System kommend, hier den Kommunismus leben wollen?

Um es nochmals ganz deutlich zu sagen: Refugees werden als Konkurrenten wahrgenommen. Und gerade Wirtschaftsflüchtlinge kommen, weil sie als Konkurrenten in ihren Herkunftsregionen versagt haben.

Sie persönlich und die Linke (als Partei) unterstützen derzeit mit dieser Politik das System der kapitalistisch-neoliberalen Konkurrenzpolitik, bei der um noch weniger noch härter gekämpft wird. Das einzige, was Sie damit längerfristig wirklich erreichen werden ist, dass die Deutschen bald nicht mehr perse als 'die Reichen' in der Welt angesehen werden, da die Armut nicht nur zunehmen wird hier, sondern die Armut sich der Armut in sogenannten Dritte-Welt-Ländern annähern wird.

Und, was mir eigentlich wirklich aufstößt ist, dass Sie und viele in ihrer Partei diesen Werdegang, wenn nicht wissen, so doch erahnen.

Sie, die Partei die Linke, haben in dieser Frage auf ganzer Linie versagt. Mit der Unterstützung für Frau Merkel haben sie die Notwendigkeit der Partei Die Linke überflüssig werden lassen. Und dabei nicht annähernd erreicht, dass die neoliberale Systemstrategie minimalst ins Wanken geraten ist. Im Gegenteil, sie haben sie damit maßgeblich unterstützt. Wer Merkel unterstützt, unterstützt die Ausbeutung. Das haben Sie gemacht.

Moorleiche 13.02.2016 | 10:52

Hallo Katja Kipping.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, welches verdeutlicht: Die Vorstellung einer homogenen nationalen Kultur hat in der Lebenswirklichkeit keine wirkliche Entsprechung.“

Wer hat das denn behauptet? Kultur und ihre Regeln sind doch nie monolithisch, in keiner Kultur.

Die Gesellschaft setzt sich aus ganz verschiedenen, einander überlappenden kulturellen Welten zusammen. Wenn man diese künstlerisch darstellen würde, käme wahrscheinlich eine Art kubistische 3-D-Installation heraus, die sich beständig im Wandel befindet.“

Würde ich genauso sehen.

Migration und die damit einhergehende kulturelle Hybridisierung sind der historische Regelfall.“

Klar, aber das ist sogar Ratzinger bewusst.

Insofern braucht keine Kultur – weder in Europa noch in Deutschland noch in irgendeinem imaginären Abendland – den Schutz vor dem angeblichen Fremden.“

Warum denn das nicht? Ich halte den Hysterisierung der Diskussion zwar auch für beknackt, aber dass wir keine Grenzen (und sei es nur in Form kultureller Spielregeln, die man erst erweitern, diskutieren und verändern kann, wenn es sie gibt) bräuchten, folgt ja nicht aus Augés Definition oder Vision. Das ist immer ein Wechselspiel aus Festem und Veränderlichem, teils naturgegeben, teils durch die Produktionsweise gegeben, teils durch implizite und explizite Regeln und Regelwerke selbst gegeben.

Ich glaube, dass man die gegenwärtige Desorientierung gerade durch ein Dutzend klarer, einfacher und uns alle verbindende und für alle verbindliche Regeln klären könnte. (Das Duztend nur als Idee, lieber 12 als 12.837.) Lieber in Form moralischer Absprachen als dröger Gesetze, aber ist es nicht auch oder gerade die Suche nach Orientierung – und die Verweigerung an Angeboten – die Menschen, dann eben oft junge, in die Arme von Extremisten der diversen, bekannten Lager treibt? Denn dort weiß man wonach die sich sehnen und ist weniger zimperlich.

Statt von Leit- und Nationalkulturen sollten wir also von liquiden, sich beständig verändernden Kulturen im Plural ausgehen.“

Können wir ja, aber was würde das für Deutschland zum Jahresbeginn 2016 bedeuten? Und kann nicht jeder moralische Erdrutsch damit pseudolegitimiert werden, dass er irgendwann, irgendwo schon mal so gegolten hat oder bestimmt dereinst gelten könnte?

Denn ja, die Geflüchteten – sie sind Humanressourcen. Doch ganz anders, als die Hans-Werner Sinns dieser Republik es sich in ihrer neoliberalen Verblendung vorstellen wollen. Nicht als billiger Rohstoff, der in der Konkurrenz von Standorten als Arbeitskraft verbraucht werden kann, sondern als eine elementare Möglichkeit: als die Gelegenheit für uns alle, Mensch zu sein – und als Menschen zu handeln.“

Das ist ziemlich exakt auch meine Auffassung, aber dieses Bewusstsein eines grundlegenden „Zunächst sind wir alle mal Menschen“ ist uns eben nicht angeboren, sondern ein relativ komplexer und reifer Standpunkt. Schön, wenn man dort steht, aber leider etwas einfältig, falls man denkt, das sei ein Selbstläufer. Nein, man muss den Menschen helfen, dass sie auch so empfinden können, dass sie den anderen zunächst einmal als Menschen mit all den daran hängenden Implikationen wahrnehmen. In puncto Empathie, Rechte, Moral/Ethik und mit Empathie meine ich warme Empathie, die dem anderen seine Würde und sein primäres Menschsein zugesteht und keine kühle Kalkulation, wie man den anderen noch effektiver ausbeutet. Ich setze mal voraus, dass wir hier (beim letzten Punkt) grob einer Meinung sind, aber dann wäre meine Frage, wieso Sie glauben, dass das ohne Spielregeln geht. Glauben Sie das?

Angelia 13.02.2016 | 11:00

wir haben doch bereits eine "liquide " Kultur, die des Kapitalismus, was so viel bedeutet wie, alles, was irgendwie auf der Basis von Erfahrung Orientierung gibt, ist aufgehoben.

Zwar haben wir noch das GG mit dem nicht unwichtigen Art.3. Aber der beinhaltet halt auch 3 und nicht nur einen Punkt.

1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Das Kennzeichen eines flüssigen Denkens ist, dass es das Denken derartig verwässert, sodass man den Tropfen vor lauter Wasser nicht mehr sieht. Das ist zwar das genaue Gegenteil vom Fundamentalismus, in den Auswirkungen aber genau so verheerend, weil es die Notwendigkeit von Rahmenbedingungen vollständig negiert. Wenn man also den vollständigen Art. 3 verwirklichen will, sollte man ihn m.E.n 1. in seiner Vollständigkeit betrachten und 2 überlegen, unter welchen Bedingungen die Verwirklichung umsetzbar ist.

Entziehen Sie dem weltweiten Rassismus einfach den Nährboden, schaffen Sie entsprechende Rahmenbedingungen damit sich die Kultur frei, vor allem frei von jedweder Ideologie ob links, rechts, verflüssigt oder fundamentaistisch gestrickt, auch frei und kreativ statt bis zur Unkenntlichkeit verwässert oder im Gegenteil dogmatisch entwickeln kann.

Lenken Sie doch einfach den Blick dahin wo er hingehört. Und das ist m.E der Blick auf diejenigen aus Politik und Wirtschaft deren Denke aus unterschiedlichen Gründen derart verwässert ist, sodass sie den Blick auf die Menschen und auf Notwendigkeiten seit dem Fall des eisernen Vorhangs vollständig verloren haben.

Fangen sie endlich mal an, sich an die eigene Nase zu packen, sich mit dem Versagen oder sogar mit den Bösartigkeiten der Politiker zu beschäftigen, statt die Geister, die sie selbst riefen auf lebendige Menschen innerhalb ganzer Gesellschaften/Kulturen zu projizieren.

zelotti 13.02.2016 | 12:52

Das Grundgesetz bestimmt aber nach herrschender Rechtsprechung auch, dass die Identität des Staatsvolks nicht verwässert werden darf.

"Die Vorstellung einer homogenen nationalen Kultur hat in der Lebenswirklichkeit keine wirkliche Entsprechung."

Stimmt natürlich in gewisser Hinsicht. Das liegt aber am Mangel der Reflektion. Wer schon mal in Belgien gearbeitet hat, weiss dass Flamen und Wallonen nicht nur eine andere Sprache, sondern eine vollkommen andere Kultur haben. Das sieht man auch im Arbeitsleben. Kulturelle Unterschiede sind ganz real, auch wenn Wunschdenken und Neoliberalismus uns was anderes weismachen wollen. Und dann kracht es eben. Belgien ist quasi unregierbar, weil es keine saubere Trennung hinkriegt.

Wir können gerne unsere "Kultur" dekonstruieren, aber wenn wir sie vollkommen unterminieren und leugnen, dann ist das erstens verfassungswidrig und zweitens auch falsch. Demokratie geht nur mit Demos.

So oder so werden wir in den nächsten Jahren nicht Millionen Refugees jährlich aufnehmen können, ohne dass der Sozialstaat kollabiert unter der Macht des Faktischen. Davor habe ich Angst. Wir brauchen nicht alles besser zu machen als unsere Nachbarn in Europa sondern müssen gemeinsame Ansätze finden in Europa.

Meinenstein 13.02.2016 | 14:06

Ich war 1995 in Mostar (Bosnien-Herzegowina) und hatte beim Wideraufbau mitgeholfen. Hatte in diesen Bürgerkriegsruinen und Trümmern gestanden und die erzählten Geschichten der Einheimischen vor Ort im Kopf, die alle unsägliches Leid, Tod, Denunziation etc. erfahren haben und war schlicht fassungslos von dieser allumfassenden gnadenlosen Zerstörung. Es stellten sich mir immer wieder die Fragen: Wo ist nur all die Menschlichkeit hin? Wie kann das sein? Wo ist das Geschichtsbewußtsein? Was ist hier eigentlich drann, an der angeblich so sicher geglaubten, aufklärerischen und humanistischen Zivilisation, Bildung und Gesellschaft . . . ? ??

Mir war damals klar geworden, wie dünn und brüchig die Decke der Zivilisation sein kann, auf der man sich in Sicherheit wähnt. Wenn ich es selbst nicht erlebt hätte, hätte ich es mir nicht vorstellen können, wie angsterzeugend es sich anfühlen kann, sich in einem scheinbar rechtsfreiem Raum zu bewegen, wo mit Einbruch der Dunkelheit jedes Gefühl von Sicherheit verschwindet.

Ich denke, dass viele Flüchtlinge mit ähnlichen Fragen und Erfahrungen zu uns kommen und uns mit Antworten darauf herausfordern. Die Ereignisse zwingen uns in den Spiegel zu schauen!

Deswegen finde ich die Perspektiven die hier Frau Kipping anspricht genau richtig und wichtig!

Hagen 13.02.2016 | 14:16

Selbstverständlich m u s s ein Gesellschaft, die nicht eine Gesellschaft sein will, in dem das Faustrecht herrscht, eine Leitkultur haben.

Und selbstverständlich muss jemand, der in ein fremdes Land einwandert und heimisch werden will, sich an die Gepflogenheiten anpassen. Ansonsten eckt er an. Wie so ein anecken aussieht, konnten wir ja Silvester bemerken. Oder in diversen Schwimmbädern.

Zur Kultur gehört nicht nur die Hochkultur, sondern auch die Alltagskultur, die einen reibungslosen Umgang ermöglicht.

Ansonsten macht sich der Neubürger/Flüchtling ständig zum Horst und wird es niemals zu etwas bringen. Das ist mal sicher.

Und gar nicht so wenige Menschen, die es nach Europa geschafft haben, sind sehr an der deutschen Kultur interessiert, konnte ich merken. Sie gehen in Museen und machen Integrationskurse. Finden Ähnlichkeiten und sich zurecht.

Leider gibt es in Deutschland viel zu viele Menschen, die ihre eigene Kulturferne feiern und sich als Kosmopolit fühlen, nur weil sie sich noch nicht mal im eigenen Land auskennen.

Wie soll ich mich denn in einem fremden Land zurechtfinden, wenn man mir sagt, alles ist irgendwie hybrid. Mach, was du willst.

Und dann kommt das Naserümpfen, weil ich die Umgangsformen des Landes gar nicht kenne?

Die Menschen einen Bogen machen um mich, weil ich sie irritiere?

Schon mal drüber nachgedacht?

Reinhold Schramm 13.02.2016 | 18:02

"DIE LINKE" in Deutschland und Europa, nicht nur die (bürgerliche) Linkspartei in der BRD, insofern sie keine postbürgerliche, sondern eine antiimperialistische Partei der Werktätigen ist, sollte die zentrale Haupt-Aufgabe haben: den Kapitalismus und die Ausbeutung zu überwinden und beseitigen!

In diesem Sinne sollte sie auch auf die Menschen in und aus den Fluchtregionen und ökonomischen Armutsregionen einwirken.

Insbesondere auf die männlichen Flüchtlinge, den notwendigen antikapitalistischen und antiimperialistischen Befreiungskampf zu führen -- und sich nicht davonstehlen bzw. davonlaufen!

Die jungen Männer aus der (differenzierten) Fluchtbewegung, sei es aus Gründen der Kriege, Krisen oder ökonomischen Ursachen (auch Wirtschaftsflüchtlinge), sie sollten ihren aktiven Beitrag im Befreiungskampf ihrer Regionen und Nationen leisten. Auch ihren Beitrag im Befreiungskampf gegen die beteiligten [westlich imperialistischen] Wirtschafts- und [nahost-arabisch] feudal-religiösen absolutistischen Mächte in den Herkunftsregionen!

Davonlaufen ist keine Lösung für die männlichen Flüchtlinge bei den anstehenden Gegenwarts- und Zukunftsproblemen in ihren Herkunftsregionen!

In diesem Sinne müsste auch die bundesdeutsche Linke eine klare antiimperialistische Position für die überfällige und notwendige Aufklärung einnehmen!

Das klein-bürgerliche "Gutmenschentum" könnte sie dabei den billigen und willigen Idioten der deutschen rechtspolitischen Administration und der Quandtschen Bourgeoisie überlassen!

Andreas Schlüter 13.02.2016 | 18:04

Nun ist es ganz klar, dass die Fluchtursachen und nicht die Flüchtlinge bekämpft werden müssen. Allerdings geht es in erster Linie gar nicht um "Leitkultur", wie sehr auch immer Deutschtümler darauf herumreiten mögen. Zuallersert geht es mal in einer Gesellschaft um Spracherwerb, und der dauert gegebenenfalls lange. Alle "Willkommenkultur" kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Gesellschaft wie andere europäische Gesellschaften mit dieser Situation einem "Stresstest" unterzogen werden, insbesondere wegen der neoliberal gesteuerten unzurechenden Steuerpolitik. Dieser Stress wäre nicht so massiv ausgefallen, wären nicht die Mittel für die Flüchtlingsversorgung in den Nachbarländern des von US-Regimechange-Gier gebeutelten Syrien so gezielt zusammengestrichen worden. Der Wahn: viele europäische Vasallenregierungen der USA haben am Feuerring um Europa mitgezündelt, ohne zu merken, dass damit das "Imperium" auch die Migrationswaffe gegen Europa einsetzt. Nun drohen die Folgen Europa zu sprengen! Siehe auch: https://wipokuli.wordpress.com/2015/09/30/von-nine-eleven-zur-sprengung-europas/ & https://wipokuli.wordpress.com/2015/06/07/der-einfluss-der-us-amerikanischen-machtelite-auf-die-internationale-politik/

Andreas Schlüter

Soziologe

Berlin

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Ehemaliger Nutzer 13.02.2016 | 21:27

"Humanressourcen"

Mich ekelt es bei solch einem Ausdruck. Egal, wie Sie ihn im Gegensatz zu Hans Werner Sinn noch zu deuten versuchen.

Ich verwahre mich dagegen, als eine Ressource für irgendjemandes Interessen betrachtet zu werden! Und so stehe ich jedem einzelnen Flüchtling bei, ihn eben nicht in einen Ressourcenpool zu packen, als Mittel für Hans Werner Sinns oder Ihre Interessen, Frau Kipping.

So wie sich jeder selbstbewusste Mensch dagegen verwahrt, als ein fremdbestimmtes Mittel oder Quelle für die Ziele oder Zwecke von irgendjemand anderem benutzt zu werden.

Sie können von einer Viehherde als Ressource reden, - als Mittel oder Quelle -, die für den Fleischverzehr von Nichtvegetariern "zur Verfügung steht". Aber nicht von ausländischen Menschengruppen als Ressource für die Interessen bestimmter Teile der Bevölkerung Deutschlands oder der EU.

Wenn ein Flüchtling für Sie irgendeine Ressource darstellt, dann bin auch ich Ihre Ressource, Frau Kipping. Oder sehen Sie tatsächlich Unterschiede zwischen Flüchtlingen und Bewohnern im Sinne von als Mittel oder Quelle "zur Verfügung stehen" für irgendjemand anderem als sich selbst? Tut mir leid, ich habe keinen Bock für Sie oder diejenigen, die Sie vertreten wollen, als irgendeine Ressource zur Verfügung zu stehen.

Der Flüchtling und ich, wir wollen ganz gewiss keine Ressource für irgendjemanden sein, sondern ein Mitmensch. Genauso wie wir beide nicht wollen, dass Sie, Frau Kipping, uns als Ressource für unsere jeweiligen Interessen zur Verfügung zu stehen haben.

Sie sind für uns nichts anderes als einfach ein Mitmensch. Ein Mitmensch, der in den Bundestag gewählt wurde und damit eine Verpflichtung gemäß den Regeln unseres Grundgesetzes übernommen haben. Ich sehe im Grundgesetz keine einzige Vokabel, dass Abgeordnete eine Ressource ihrer Wähler darstellen. Sie haben als Abgeordnete gesetzliche Rechte und Pflichten, Sie sind nicht als Ressource für irgend jemandes Verbrauch dort.

Und sowas wie das Ausbeuten als Ressource benennen Sie als positives Argument? Im Sinne von Ressourcenallokation anderen Ländern knappe "Ressourcen" zu nehmen, um sie sich selbst im Ressourcenverteilungskampf anzueignen?

Damit bei uns und eben nicht in Syrien oder Afghanistan oder Marokko ein Deckengemälde entsteht, wie Sie uns das als "überzeugendes Beispiel" für Ressourcenabschöpfung zu Deutschlands Vorteil verkaufen wollen?

Frau Kipping, es geht nicht um Kultur! Das wissen Sie auch ganz genau, es geht um Regeln des friedlichen, demokratischen Zusammenlebens! Wie sie bei uns z.B. im Grundgesetz festgelegt sind.

Und weil Sie das ganz genau wissen, sind Sie in Ihrem Artikel nicht darauf eingegangen. Deshalb kann man Ihr Gerede über Festivitäten, Speisen, Rauschmittel und Deckengemälde nur als Ablenkung begreifen.

Das kommt daher, weil Sie in Ihrem Artikel nicht über Parallelgesellschaften, Friedensrichter, islamistische Hassprediger, Sharia-Polizei und andere Angriffe auf das Grundgesetz sprechen wollen.

Geschweige denn über die Angriffe auf das Grundgesetz, welche die in-und ausländischen Oligarchen-Ausbeuter, die NATO, die EU, die NSA, Kriegstreiber, Massen von Lobbyisten und der Großteil der verantwortlichen Politiker unseres Landes vornehmen.

Anelim Aksnesej 14.02.2016 | 00:10

Da ich liquiden Kulturen und somit durchlässigen Kulturen nicht ablehnend gegenüberstehe,möchte ich den Aggregatzustand des wichtigen Molekül´s Bildung herausfiltern.Ich stehe Ihrer idealistischen Haltung skeptisch gegenüber,weil der Differenzierung im Bildungswesen in der Vergangenheit so wenig Rechnung getragen wurde.Es blieben und bleiben so viele Kinder auf der Strecke.Obwohl ich nicht in diesem Beruf arbeite,habe ich immer wieder erleben müssen,daß Lehrer und Lehrerinnen die Anfeindungen der Gesellschaft erleben mußten.Veränderungen jetzt in dieser Zeit?-ich bin skeptisch.

rioja 14.02.2016 | 03:52

Die "liquide Gesellschaft" also, nichts ist beständiger als der Wandel, Hermann Hesse und seine "Stufen" - alles prima! Das muss nur den Massen, z.B. denen, die zum Oktoberfest gehen, beigebracht werden wollen. Will das wirklich jemand aus der Nachkommenschaft der "Herrenrasse"? Bis heute nicht wirklich. Und, by the way, die Mayflower Glaubensflüchtlinge des 17. JH, waren wohl die "basic crew", die final zum Ausrotten der Ureinwohner, der "Rothäute", den Grundstein legten. Und weiter südlich, da capo, Vasco da Gama & Co. - Doch, das absolute Meisterstück der Menschheit, das lieferte allerdings die schon besagte Herrenrasse. Diese produzierte 57 Millionen Tote, beim Versuch die Welt am "Deutschen Wesen" genesen zu lassen. Das einzig Liquide dabei war: Das Blut, das in Strömen floss. Was einst die Christianisierung, später die Kolonisierung waren, ist in der jüngeren Geschichte die Demokratisierung dieser Welt. Allen Dreien ist gemeinsam, dass mit Gewalt der "Angry white men" dem Rest der Welt sein Stempel via ZwangsBeglückung aufdrücken will. Und, Hand auf`s Herz, es sind alles Aggressionen des Größenwahns von weissen Eliten. Dem Polaritätsgesetz geschuldet, schlägt das Pendel nun, offensichtlich, mal wieder in die andere Richtung aus. Der IS (sand nigger) will 2020 seine Flagge in Rom hissen! Ideologie lässt sich nicht mit Waffen besiegen. Die Dekadenz des Westens ist unübersehbar. Liqui Moly!

na64 14.02.2016 | 08:46

Ich würde sagen man lässt der Integration gar keine Zeit, um sich entfalten zu können. Wissen wir überhaupt noch etwas von dem Gespür der Zeit? Das selbst Erziehung an den eigenen Kindern Zeit benötigt. Sogar die Familiengründung, die über das anschaffen von Kindern fungiert, und ich beschreibe das mit Absicht so negativ, da unser Denken nur noch in Ressource und Nutzbarkeit und sofortiger Wirkbarkeit ohne Zeitliche Entwicklung funktioniert, wodurch eine Enge erzeugt wirkt, die sich auf die menschliche Psyche verlagert und Enge bewirkt Angstzustände aus denen man sich befreien möchte, da ist dann diese verflüssigte Kultur auch keine Hilfe, da sich in Ihr kein Raum von Familien und Zeit für Familien ergibt. Bei einer Familiengründung braucht es auch Zeit, dass sich die Eltern mit Ihrem neugeborenen Kind integrieren. Das heißt dann, zusammen wachsen. Man kann nicht einfach sagen, Ihr seid jetzt da und Schalter umlegen und fertig ist die Integration. Das ist das was ich assoziiere wenn ich Humanressource höre oder lese. Der Mensch ist kein Mensch mehr, nur noch ein Stück Ware das man an und aus schalten kann. Die derzeitige politische Entwicklung will nicht, dass Integration stattfindet.

Heinz Lambarth 14.02.2016 | 12:35

"Hier lässt man Fremde nicht gern parken, es sei' denn, sie geben einen aus." - das singt Gerhard Gundermann über die gegend, in der er geboren wurde.

So banal, wie es hier formuliert wurde, ist auch die integrationswirklichkeit. Bei "integration" geht es nur am äussersten rand um "eine homogene nationalen Kultur", wie die autorin schreibt, sondern um sich einfügen in einen kleinen lokalen raum, in dem mensch sich alltäglich bewegt - dabei spielt die kenntnis von Schillers oder Goethes werken eine eher untergeordnete rolle.

In der voigtländischen reigion, aus der ich komme, ist "integration" ein generationen übergreifender prozess. Da werden noch heute die "vertriebenen", die nach dem ende des zweiten weltkriegs vor allem aus dem heutigen Tschechien einwanderten, als fremde gesehen; selbst "eingeheiratete" aus nachbargemeinden sind nur "teilintegriert" (zumeist über den einheimischen ehepartner) und auch ihre nachkommen nicht...

Ergo, wenn wir von "integration" im sinne des "nicht-mehr-fremd-seins" oder des "nicht-mehr-fremd-wahrgenommen-werdens" sprechen, geht es um sehr lange zeiträume und um "kultur-ebenen", die mit dem überbegriff von "Kultur", den die autorin hier verwendet, (fast) nichts zu tun haben.

Magda 14.02.2016 | 12:45

Das ist aber sehr sehr pessimistisch. Ich hab anderswo schon kommentiert. Ich war kürzlich bei einer Versammlung zum Thema. Niemand behauptet dort, dass Integration - aber sofort- zu erfolgen habe oder sofort Erfolg haben muss.

Alle die sich engagieren haben die Geduld und sehen, dass es so schnell alles nicht geht. Und - schon gar nicht - wird an den "umgelegten Schalter" geglaubt. Dafür, für Geduld, werben alle Akteure - auf der politischen wie auf der zivilgesellschaftlichen - Seite.

Hagen 14.02.2016 | 17:01

Wenn man mal in wie Welt schauen würde als Linker. Mal ohne den Amerika BIAS den hier einige Kommentatoren schön zeigen. Und mit einem geschichtlichen Blick, der mehr umfasst als Goethe.

So könnte man sehen, dass der Krieg um die Köpfe (metaphorisch und real) schon längst in Gang ist.

Und wenn eine Kultur sich so verachtet, wie die Deutsche in Deutschland (wie es auch einige Kommentatoren schön zeigen), dann wird sie den Kampf um die Köpfe verlieren.

Und zwar an die Radikalen auf allen Seiten. Die verachten dann schön mit. Suchen ihre Jünger und zerstören mit ihnen auch noch die Reste der Kultur. Und schreiben halt die Geschichte um in ihren Sinn.

Und schon haben wir eine prächtige Diktatur.

Es fängt schon an. Die jungen Frauen trauen sich schon nicht mehr richtig ins Nachtleben. Ziehen sich aus der Öffentlichkeit zurück. Hallenbad macht auch kein Spaß mehr usw.

Der deutsche Osten ist auch nicht mehr das, was er war.

Die einzige Chance, die ich sehe ist, die europäische Geschichte mit allen ihren Biegungen und Brechungen spannend zu erzählen Und die Kultur, die Deutschland und Europa noch besitzt, zu bewahren. Um den Neubürgern eine Chance zu geben, zu lernen, dass es außerhalb der Religion und einem wahllosen hirnlosen Multikulti auch noch etwas gibt. Und das dies kostbar und des Bewahrens wert ist.

Und ganz nebenbei würde man auch noch den NAZIS die Definitionshoheit in Sachen Geschichte nehmen.

Das wäre doch was!

na64 14.02.2016 | 18:12

Liebe Magda. Wenn ich mit meinem Pessimismus in Ihren Augen falsch liege, dann ist das doch gut und Sie können Ihren Arbeitseifer als Erfolg gegen das negative ansehen. Doch was macht die Politik, die Wirtschaft, die Sicherheitskonferenz, die EU? Das hat mehr mit Funktion als mit Integration zu tun, Selbst in unserm Bildungswesen wird mehr auf Funktion Wert gelegt. Ich fahre mit meinem Pessimismus besser, da ich nicht Naiv vom Regen in die Traufe laufe und ich freue mich auch, wenn ich immer eines bessere belehrt werde und es Grund für Hoffnung gibt, bei positiver Kehrtwende.

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Ehemaliger Nutzer 14.02.2016 | 18:14

Ja korrekt. Migrationsbewegungen sind wohl so alt wie die Menschheit selbst. Motivator für jede Bewegung war und ist letztlich der menschliche Sinn zu Überleben und das Streben nach Sicherheit und Perspektive. Dennoch bildeten sich normative Staatssysteme heraus, die sich auf Basis eines gemeinsamen Werte- und Kulturkanons etablierten. Bis hinunter zu regional spezifischen Gepflogenheiten. Gefördert durch ein höheres Maß an Immobilität bis in das 19. Jahrhundert hinein. Dieses System hatte Zeit sich zu entwickeln. Der Unterschied heute ist, dass globale Vernetzung auf allen Ebenen Migrationsbewegungen beschleunigt. In einer Art, wie es für viele schwer nachzuvollziehen ist. Vermutlich werden in absehbarer Zeit bis zu 3-5 % der Bevölkerung Deutschlands durch Asylsuchende gestellt. Sollte der Trend so anhalten. Die Regierung scheint dabei den Überblick zu verlieren. Der Rest der EU stellt auf Protektionismus um. Und die Landesparlamente verheddern sich in üblichen föderalistischen Streitigkeiten. Zusätzlich vergeht kein Tag ohne eine Meldung in den Medien über Straftaten vermeintlicher Asylsuchender. Und das trifft mittlerweile nicht mehr nur die Städte sondern auch die Peripherie. Das erzeugt Angst. Weil wir nicht wissen wer zu uns kommt. Weil wir es nicht mehr im Griff haben. Weil es vielleicht im Moment auch der einzige Weg ist. Wir werden jetzt im Zeitraffer damit konfrontiert, dass der Rest der Welt nun eben doch weiter von uns entfernt ist als einem das vielleicht bewusst war. Die Anpassung und Integration ist ein Diskurs über Werte. Das wird Zeit brauchen. Jahrzehnte. Es kann nicht aufdoktriert werden á la "werdet liquide". Letztlich muss das bayerische Bierzelt genauso seine Berechtigung haben dürfen, wie die arabische Teestube (die ich persönlich übrigens vorziehen würde :)

Montaine Duvall 14.02.2016 | 18:35

Sehr interessant finde ich, daß Europa immer Werte verteidigen will die es gar nicht hat.

Wie sieht es nun aus mit Humanität, Solidarität, Demokratie?

Die EU ist ein Interessenverband in dem nur gemacht wird was Geld bringt.

Ansonsten Nationalismus, Kleinstaaterei, Ellenbogen, Bürokratie und Demokratiedefizite.

Die Flüchtlinge sind ein lächerlich kleines Problem für die 580 Millionen Einwohner der EU. Und selbst daran scheitert sie schon. Wie sieht es aus wenn die großen Dinge kommen?

Hagen 14.02.2016 | 20:33

Europa ist eigentlich ein Kulturraum. Das wird immer gern vergessen.

Jedenfalls von denen, die keine Leitkultur mögen.

Die EU ist eine Wirtschaftsgemeinschaft, die ja aus der EWG kommt.

Zwei grundverschiedene Dinge.

Wenn es jetzt zu einer Krise in Europa kommt, dann aus einer als unverschämt empfundenen deutschen Politik, die für die anderen Länder Europas sehr unangenehm nach Stiefelfett riecht.

Deutschland scheint mal wieder dem Größenwahn verfallen zu sein, glaubt man dort. Diesmal mit umgekehrten Vorzeichen. Statt „Wir unterwerfen die Welt“ jetzt „Wir retten die Welt“

Montaine Duvall 14.02.2016 | 20:49

Nun ja, dieser Kulturraum ist extrem weit gefächert. Von einer europäischen Kultur zu reden ist schwierig, da die Einflüsse über die Jahrhunderte sehr stark waren.

Die Eu sehe ich wie Sie. Allerdings hat man den Europäern etwas anderes vorgegaukelt. Zur Zeit sieht man sehr deutlich, wo die wahren Interessen der Länder tatsächlich liegen. Daher sind wie einem Auseinanderbrechen näher gekommen.

luzie 15.02.2016 | 12:33

Ich denke das Bild sagt alles zu deutschen Kultur, quer durch alle Länder. Hier im Osten muß sich schon ein Wessie sehr anstrengen um die Kultur des Ostens nicht zu brüskieren. Es ist die typisch deutsche Veränderungsresistenz die sich seit dem Mauerfall noch verstärkt hat. Sieht man nach am Bildungsabbau, Kulturverfall, am deutlichsten bei ARD und ZDF.

Diese extreme Zuwanderung aus den Kriegsgebieten ist nur aus wirtschaftlicher Sicht zu verstehen, Masse-Klasse=Rest wird zurückgeschickt. Erst waren es die Südeuropäischen Staaten, Portgal, Spanien, Griechenland. Syrer und Libanesen können nicht so schnell wieder in ihre Länder zurück. Und sie sind noch besser auszubeuten. Der Trick dabei ist die naive Bevölkerung gibt ihnen noch die Schuld. Politik und Wirtschaft sind fein raus.

Lethe 15.02.2016 | 12:36

Die vornehmste Aufgabe der Massenmedien seit Beginn ihrer Existenz bestand und besteht in der Verbreitung und Aufrechterhaltung eines politisch opportunen eines Metanarrativs, das anstelle der Wirklichkeit tritt. Das wussten schon immer alle, die für diese Medien arbeiten; wer es lange Zeit nicht wusste, waren die Konsumenten.

Teil des deutschen Metanarrativs nach Ende des zweiten Weltkriegs ist die Entnazfizierung Deutschlands.

Hinter diesem Teil des Metanarrativs konnte ein relativ schlichter Umstand verborgen bleiben: Die BürgerInnen Deutschlands (und Europas) teilen sich in eine riesige xenophobe und eine wesentlich kleinere xenophile Fraktion, eine gewisse Grauzone sei zugestanden, die aber nichts an den Größenordnungen ändert.

Das hat solange funktioniert, als das Fremde weit weg blieb oder dort, wo es näher kam, ins Pittoreske oder in Kolorit umgewandelt oder eingebunden werden konnte. Beides funktionierte nur aufgrund der relativ geringen Anzahl Fremder, die kamen und blieben, beides geht angesichts der nunmehr enormen Anzahl nahe gekommener Fremder nicht mehr. Die Grunddichotomie kann derzeit nicht mehr überbrückt werden, deswegen bleibt es dabei, Xenophobe und Xenophile stehen sich gegenüber. Feindlich.

Es ist ein Versäumnis Deutschlands und Europas nach dem zweiten Weltkrieg gewesen, so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren zu wollen, da diese Normalität für die Xenophobie nur wenig Triggerpunkte geboten hat, so dass der Anschein erzeugt werden konnte, es gäbe sie nicht mehr, eine Tarnung die bis heute durchhielt. Die Hoffnung, dieses Versäumnis jetzt im Schnellverfahren korrigieren zu können, ist illusorisch.

Die Tendenzen, die sich europaweit abzeichnen, bieten im auch nicht die geringste Hoffnung für die Flüchtlinge. Es wird politische Lösungen geben, die auf Mauscheleien hinauslaufen, mit denen die Flüchtlinge effektiv draußen gehalten werden.

Das ist völlige Scheiße, aber es ist die Zukunft, mit der wir leben werden.