Dierk Hirschel, Klaus Busch
09.06.2012 | 09:00 47

Wider die Wachstumsbremse

Essay Schulden sind nicht per se schlecht: Sie haben eine wichtige wirtschaftliche Funktion. Deshalb wäre es ein Segen für Europa, wenn der Fiskalpakt scheitert

Europa schnallt den Gürtel enger. Angela Merkel hat unseren europäischen Nachbarn die deutsche Stabilitätskultur eingetrichtert. Von Athen bis Paris werden die nationalen Staatshaushalte auf Zwangsdiät gesetzt. In Griechenland belaufen sich die Sparmaßnahmen bis 2013 auf ein Viertel der Wirtschaftsleistung. Die spanischen und portugiesischen Sparpakete bringen etwa 13 Prozent des jeweiligen Sozialproduktes auf die Waage. Super Mario (Monti) kürzt im italienischen Staatshaushalt jeden zehnten Euro. Im ganzen Euroland belaufen sich die Kürzungspläne auf rund sieben Prozent der Wirtschaftsleistung – 600 Milliarden Euro.

Dieses historische Spardiktat ruiniert den alten Kontinent. Das erste Opfer war Griechenland. Kein Industrieland hat seinen Haushalt so radikal saniert wie Athen. Das griechische Haushaltsdefizit sank um fünf Prozentpunkte auf 10,5 Prozent. Harte Sparprogramme vertragen sich aber nicht mit wirtschaftlicher Erholung. Die Haushaltskürzungen drosselten Einkommen und Konsum. Folglich schrumpfte das hellenische Sozialprodukt im letzten Jahr um über sechs Prozent. Für das laufende Jahr droht ein ähnlicher Absturz. Jeder fünfte Grieche ist heute arbeitslos. Unter den Jugendlichen findet jeder Zweite keine Arbeit. Die Steuereinnahmen brechen ein.

Auch in Portugal, Spanien und Italien richten die Haushaltskürzungen riesige Schäden an. Die portugiesische Wirtschaft droht im laufenden Jahr um über vier Prozent abzustürzen. In Italien schrumpft die Wirtschaft um voraussichtlich 2,6 Prozent. Auch der spanischen Volkswirtschaft wird ein Einbruch von über 1,5 Prozent vorhergesagt. Jeder siebte Portugiese, jeder vierte Spanier und jeder zehnte Italiener ist inzwischen ohne Arbeit. Die Schulden wachsen ungehindert weiter.

Doch damit nicht genug: Der europaweite Schrumpfkurs soll keine Eintagsfliege bleiben. „Sparen bis in alle Ewigkeit“ lautet das Brüsseler Glaubensbekenntnis. Deswegen sollen neue Defizit- und Schuldenregeln den Kassenwarten Daumenschrauben anlegen. Das neue Regelwerk hört auf den Namen Europäischer Fiskalpakt. Das strukturelle Haushaltsdefizit – um konjunkturelle Einflüsse bereinigt – darf künftig nicht 0,5 Prozent des nationalen Sozialproduktes überschreiten. Staaten mit einer Schuldenquote von über 60 Prozent müssen jährlich fünf Prozent ihrer übermäßigen Verschuldung abbauen. Diese Regel findet sich bereits im verschärften Stabilitätspakt wieder. Die neuen Schuldenregeln sollen in den nationalen Verfassungen verankert werden. In Deutschland verhandelt Merkel bereits mit der Opposition, die sie für die Verabschiedung des Paktes braucht. Deren Zustimmung wird sie letztlich wohl bekommen, doch die Gewerkschaften leisten Widerstand.

Alle auf Zwangsdiät

Die neuen europäischen Schuldenregeln werden nicht dazu beitragen, die Schuldenkrise zu überwinden: Wenn die Diagnose nicht stimmt, wirkt die Therapie nicht. Die aktuelle Krise ist keine Staatsschuldenkrise. Das europäische Schuldengebirge entstand nicht durch prassende, verantwortungslose Schatzmeister. Im Gegenteil: In den meisten EU-Ländern kam es vor der großen Finanzmarktkrise zu keinem exzessiven Anstieg der Staatsausgaben. Die öffentlichen Ausgaben stiegen schwächer als das Sozialprodukt. Folglich schrumpften die Staatsquoten – Anteil der Staatsausgaben am Sozialprodukt. In den heutigen Krisenländern Irland, Spanien und Italien sank sogar die Schuldenlast. Die Schuldenquoten – der Anteil der Staatsverschuldung am Sozialprodukt – waren rückläufig. Erst der Super-Gau der Glaspaläste ließ die Schulden europaweit explodieren. Die Bankenrettung machte aus privaten Schulden im Handumdrehen öffentliche Schulden. Konjunkturprogramme und Arbeitslosigkeit leerten die öffentlichen Kassen. Die Schuldenquote des Eurolands kletterte von rund 66 Prozent auf über 85 Prozent.

Der Europäische Fiskalpakt verteufelt das Schuldenmachen. Es gibt aber nicht nur schlechte Schulden. Schulden können eine wichtige wirtschaftliche Funktion haben. Staatsausgaben sind immer auch Einnahmen der Unternehmen und der Privathaushalte. Wenn der Staat zum falschen Zeitpunkt kürzt, verlieren Firmen Aufträge und drosseln die Produktion. Wenn staatliche Transfers gekürzt werden, haben Arbeitslose und Bedürftige weniger Geld in der Tasche. Im Aufschwung ist dieser Nachfrageentzug verkraftbar, im Abschwung verlängert er die Talfahrt. Dann sinken Wachstum und Steuereinnahmen, Arbeitslosigkeit und Schulden steigen.

Der Fiskalpakt setzt fast alle EU-Länder gleichzeitig auf Zwangsdiät. Sie müssen zukünftig, ohne Rücksicht auf die konjunkturelle Wetterlage, den Gürtel enger schnallen. Bei schweren Krisen sitzt der Staat dann tatenlos auf der Zuschauertribüne. Eine erfolgreiche Antikrisenpolitik wie in der Finanzmarktkrise 2008 ist nicht mehr möglich.

Generalangriff auf Schwache

Der Fiskalpakt belastet auch die öffentlichen Investitionen. Europas Kassenwarte dürfen nicht mehr auf Pump in Bildung, Gesundheit, Infrastruktur oder Umwelt investieren, wenn sie damit Schuldengrenzen verletzen. Selbst aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das grober Unfug. Schließlich sind die Erträge dieser Zukunftsinvestitionen höher als ihre Finanzierungskosten. Die Schuldenbremse ist in Wirklichkeit eine Wachstumsbremse.

So verhindert der Fiskalpakt eine Lösung der Eurokrise. Solange die Überschussländer – insbesondere Deutschland – nicht mehr ausgeben dürfen, bleiben die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Währungsunion bestehen.

Natürlich könnten die Schatzmeister ihre Staatsfinanzen auch über höhere Steuern sanieren. So begründeten einige Politiker ihre Zustimmung zu den nationalen Schuldenbremsen. Richtig ist aber auch, dass höhere Steuern öffentliche Schulden nicht vollständig ersetzen können. Zudem ist es naiv zu glauben, dass unter den gegenwärtigen politischen Machtverhältnissen der Fiskalpakt zum Hebel für künftige Steuererhöhungen wird. In Europa läuft die Haushaltskonsolidierung zu 80 Prozent über die Ausgabenseite.

Von Rom bis Madrid rollt jetzt unter dem Deckmantel der Sparpolitik ein Generalangriff auf Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitslose. Staatsdiener werden entlassen, Löhne, Arbeitslosengeld und Renten gekürzt, öffentliches Eigentum wird verramscht. Das Arbeitsrecht und die Tarifautonomie kommen unter die Räder. Der Schuldenknüppel trifft die Opfer der Krise. Der Europäische Fiskalpakt wird diesen Trend verschärfen. Er institutionalisiert den Abbau des Sozialstaates.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Fiskalpakt nicht hinreichend demokratisch legitimiert ist. Die europäischen Schuldenregeln greifen unmittelbar in das Budgetrecht der Nationalparlamente ein. Dies ist eine Kernfrage der europäischen Demokratie. Diese darf nicht ohne gesellschaftliche Debatte in Hinterzimmern durch europäische Eliten entschieden werden. Vielmehr muss die Bevölkerung der EU-Staaten dazu befragt werden. Zudem ist der Fiskalpakt nicht kündbar. Künftige Regierungen werden an ein Regelwerk gebunden, für das es vielleicht keine gesellschaftliche Mehrheit mehr gibt.

Der Europäische Fiskalpakt ist eine Wiedergeburt gescheiterter neoliberaler Ideen und Konzepte. Er verschärft die soziale Schieflage in den betroffenen Nationalstaaten und spaltet den alten Kontinent. Deswegen lehnen die deutschen Gewerkschaften erstmals ein zentrales „europäisches Integrationsprojekt“ ab.

Zweifelsohne müssen die nationalen Finanzpolitiken in Europa künftig besser aufeinander abgestimmt werden. Der einheitlichen Europäischen Geldpolitik muss eine einheitliche Fiskalpolitik gegenübergestellt werden. Koordination ist aber kein Selbstzweck. Entscheidend ist das politische Ziel. Ein Regelwerk wie der Europäische Fiskalpakt, das die ökonomische Vernunft mit Füßen tritt, richtet nur Schaden an. Dank Fiskalpakt können die Staaten schon morgen weder krisenanfällige Märkte stabilisieren noch in die Zukunft investieren. Schulden sind aber nicht per se schlecht. Sie haben eine wichtige wirtschaftliche Funktion. Deswegen wäre es ein Segen für Europa, wenn der Fiskalpakt scheitert.

Das heißt nicht, dass die europäische Politik die hohen Schuldenberge ignorieren soll. Für weniger Schulden ist aber kein Fiskalpakt nötig. Zunächst brauchen wir eine neue Ordnung auf den Kapitalmärkten. Die Finanzmärkte dürfen nicht mehr mit der öffentlichen Geldnot Geschäfte machen. Durch eine indirekte oder direkte Staatsfinanzierung via Zentralbank – ähnlich wie in Großbritannien, den USA oder Japan – könnten die Staaten aus der Geiselhaft der Kapitalmärkte befreit werden. Dann könnten Investmentbanker, Hedge-Fonds-Manager und Rating-Analysten nicht mehr über den Preis bestimmen, zu dem sich die Kassenwarte frische Kredite besorgen. Die Kapitalmärkte könnten die Politik nicht mehr vor sich hertreiben.

Darüber hinaus ist die Schuldenfrage immer auch eine Verteilungsfrage. Alle EU-Staatsschulden belaufen sich aktuell auf rund zehn Billionen Euro. Das sind nicht einmal 40 Prozent des privaten Geldvermögens in Westeuropa. Die beste Schuldenbremse ist und bleibt somit eine höhere Besteuerung großer Einkommen und Vermögen.

Dierk Hirschel ist Chefökonom der Gewerkschaft ver.di. Klaus Busch ist europapolitischer Berater des ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske

Kommentare (47)

Oberham 09.06.2012 | 12:21

Gewerkschaftsapostel im Doppelpack, wie nett. Also, abgesehen davon, dass Ihr zwei ohnehin zum Establishment gehört, Ihr Eure Zeilen als selbstbelustigenden Broterwerb ins Nirwana der Synapsen steuen könnt, möchte ich folgende Frage stellen: Wohin wollt Ihr mit Eurer Wachstumsphilosophie bitteschön steuern?
Zu gerne würde ich Euren ganz persönlichen Lebensstil und Euren persönlichen Öko-Foot-Print mal analysiren dürfen.

Für Euch ist das ganze ein intellektueller Sandkasten, Ihr theoretisiert und monatlich kommen die Euros aufs Konto -von allen möglichen Quellen.

Es sei Euch vergönnt.

Scham solltet Ihr dennochverspüren, da der Weg doch vorgezeichnet ist - Ihr wisst das selber ganz genau, habt euch längst entsprechend vernetzt und bildet momentan noch die Truppe der anderen Seite - so pro Forma -ohne jeden Esprit zwar, aber den hat die andere Seite auch nicht.

Es kann ja auch nicht erbaulich, beschaulich oder gar phantasievoll zugehen, so man daran bastelt für wenige eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten zu schaffen, dabei aber realisiert, dass man 6,9 Milliarden Menschen zuviel an der Backe hat.

Von Euch ist keiner bereit auch nur ein Jota von seinem Lebensstandard zurückzutreten, Downsizing ist ein schöner Euphemismus, Entschleunigung ein Witz den sich die Berater wie Pinp-Pong Bälle zuspielen, Resilienz trifft Eure Karaktäre am Besten - Ihr nehmt die ganzen widerlichen Fakten zur Kenntnis, angefangen vom Auto-Wahn bis hin zum Zahneldorado erhaltet ihr sämtliche Statisiken von Euren Helfern brühwarm auf die Schirme - ja Informationen stehen Euch zu Verfügung - widerliche Neuigkeiten, das Bild der Welt ist ein offenes Buch für Euch, doch als resiliente Wesen wird in euren Oberstübchen all diese fluggs wegignoriert und ihr schaltet in Lichtgeschwindigkeit wieder auf Ego-Modus und Volksverarschermodus um - dieses smarte Lächeln auf den Podien, die derben Gelage an den Hotelbars, die noch derberen Incentives in noch perverseren Dimensionen - das ist Eure Welt.

Ihr könnt all jenen die Phrasen bieten, die selbst nach Unverwundbarkeit streben, die Ihren Immunisierungsmodus täglich weiter stärken, die ihre Karrieren befeuern und dabei auf keinen Fall den Hauch eines Zweifels in Ihren Gedanken gebrachen können.

So spielen die einen das Lied der Austerität, die andern jenes des allgemeinen Wohlstands - durch Wachstum - dabei verteilt ihre eine Welt die es heute schon nicht mehr so gibt, wie Ihr glaubt.

Nun mag sein ich irre mich - doch wäre ich ein hässlicher Milliardär mit dem Gehirn einer widerlichen, intellektuell hyperanalytischen, rosanackten, zweibeinigen, zweiarmigen,
Zellstruktur, ich würde einen Teufel tun die Massen noch weiter an meinem Lebensraum fressen zu lassen, ich würde das Ganze zurückfahren - das geht am besten, indem man langsam den Hahn zudreht.

Langsam, ganz langsam, sagen wir so in fünf Dekaden, herrschen weltweit indische Verhältnisse, natürlich - Funktionssklaven wie ihr beide es seid, werden nicht im Slum enden - als Plutokrat mag ich schon noch etwas soziales Leben um mich haben - zwischen den Palästen und den Slums wird es auch in 50 Jahren noch eine Welt geben.

Ich weiss ja nicht ob ihr Kinder habt, jedenfalls bin ich überzeugt davon, dass Ihr alles - aber auch alles mögliche unternehmt, sie vom Schicksal der Massen zu bewahren - ihr werdet sie zu perfekt funktionierenden, resilienten, intellektuell scharfsinnigen Egomanen erziehen - nur ja keine Sentimentalitäten.

Nicht umsonst ist die Suizidrate bei Kindern von Eliten die höchste auf der ganzen Welt.

heidenplejer 09.06.2012 | 12:57

"Die beste Schuldenbremse ist und bleibt somit eine höhere Besteuerung großer Einkommen und Vermögen."

Das mag sein, damit haben wir nicht so viel Erfahrung- jedenfalls, wenn es den großen Einkommen und Vermögen wirklich wehtun soll. Richtig ist aber leider auch, dass eine sehr hohe Besteuerung großer Einkommen und Vermögen ohne Sparpolitik ebenfalls eine sehr effektive Wachstumsbremse ist.

Oberham 09.06.2012 | 13:24

... ja ich schimpfe nur - darum was wirklich helfen würde:

Zwangsanleihen zu 0,1 % Verzinsung bei allen Menschen dieser Welt die mehr als 1 Mio Privatvermögen besizten und zwar in Höhe von 5 % dieses Vermögens ....

Dieses ganze Geld in einen Aufbaufonds lenken , dieser Fond finanziert die ökologische Neuausrichtung einer globalen Gesellschaft.

In dieser Gesellschaft gibt es nur zwei Bestimmungen - die automatisch über den Verteilungsgenerator einer globalen Girozentrale überwacht werden.

Kein Mensch erhält im Monat weniger als die Hälfte des Durchschnitts aller Menschen.

Kein Mensch erhält im Monat mehr als das Zehnfache des Durchschnitts.

Das wäre es schon.

Meiner Meinung nach, sind wir klug genug in diesem Spektrum eine auf Gegenseitigkeit beruhende Gemeinsachft als Teil des Ökosystems Erde zu bilden.

Übrigens - das sind in etwa die Verteilungsregeln -nach der eine Herde Ihre Beute teilt - wir müssen nicht zurück in die Höhlen, wir müssen nur endlich kapieren, dass unbegrenztes Wachstum genauso unmöglich ist, wie unbegrenztes Einkommen und Vermögen - obwohl - kapiert haben es ja alle - nur die Mächtigen sollten endlich aufhören es zu ignorieren - sie dürfen doch auch künftig im Glof Club Spaß haben - nur - sie müssen etwas intelligenter ihren abgehobenen Lebensstil zelebrieren und den Rest der Menschen ebenso intelligent motivieren - friedlich und gütlich miteinander zu leben.

Momentan sind doch gerade die Eliten die Antreiber und Befeuerer von Haß und Gier - Neid und Mißgunst.

Machiavelli hatte eben nicht recht mit seiner Spalterthese - die ging nur auf - wenn man nur eine Gernation weit denkt und für sich das Maximale erreichen möchte - von der Endlichkeit der Resourcen hat er noch nichts geschrieben und wohl auch gedacht.......

Es wird Zeit, einen neuen Bewußtheitszustand zu erreichen, sonst geht es so oder so (Konzentrierung und maximale Spaltung - despotische Kontrolle, Aufstand und exzessive Ausbeutung der Erde durch noch mehr Menschen - extremster - hemmungsloser Verteilungskampf...) grandios in die Hose.

Entweder die Leute mit der Fähigkeit eine breite Schicht von Menschen anzusprechen nutzen diese weiter nur für ihre persönlichen kurzfristigen Belange - oder aber sie werden endlich positiv visionär und leben das auch persönlich den Massen vor - dann brauchen sie keine gepanzerten Karossen, dann können sie mit dem ÖPNV fahren, dort mit den Menschen sprechen und - sie werden ehrlich geachtet werden!

Verwendungszweck 09.06.2012 | 13:30

Also ehrlich, wer von anderen einleitend Esprit fordert und dann auf den letzten rumhackt, die sich noch für die Schwachen einsetzen, BILD-schöne Begründung, sie wären selbst ja reich, sich dann zurücklehnt in duldender Erwartung indischer Verhältnisse für die tumben Massen in Europa, und den Suizid für seine Kinder einplant, der - ja, wie soll ich's sagen - der hätte heute besser noch ein Stündchen länger im Bett bleiben sollen.

Wenn Sie nur halb so viel auf der Pfanne haben, wie Sie hier glauben machen wollen, sollten Sie dringend nochmal über ihre Standpunkte und Feindbilder nachdenken.

Verwendungszweck 09.06.2012 | 13:48

@Oberham
Das hört sich schon besser an, wie oben. Verabschieden Sie sich von der Idee, dass es so was wie einen globalen Umbaufond zum Wohle aller Menschen je geben wird. Schauen Sie sich den Euro an. Alle, die nicht mehr mithalten können, werden zuerst untergebuttert wie die Menschen in Griechenland, Portugal und Spanien und dann abgehängt.

Sie verachten die Gewerkschaften, dabei sind das diejenigen, die Anfang des 20. Jahrhunderts etwas ganz Ähnliches national geschafft haben, was ihnen global vorschwebt.

Warten Sie nicht darauf, dass sich die Schöngeister der Welt zu den Abgehängten gesellen. Die sind alle in dem Sinne erzogen, wie sie es für ihre Kinder planen. Die nehmen für sich selbst, was sie kriegen können. Nehmen Sie vorlieb mit dehnen, die sich tatsächlich mit den Niederen solidarisieren und für sie eintreten. Auch wenn es dort nach Gewöhnlichkeit müffelt, werden Sie nur so etwas für die Allgemeinheit erreichen können.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.06.2012 | 13:51

>>Staatsausgaben sind immer auch Einnahmen der Unternehmen und der Privathaushalte.

Bis zu diesem Satz stimme ich vollkommen zu, danach fehlt mir was.

Kürzlich schrieb ich diesen wenig beachteten Blog (Gib mir die Welt plus 5 Prozent). Hauptbestandteil: Ein Video, das das Geldsystem von Beginn an erklärt.

Ich hab' mal gerechnet:

Zwei mal 500 Milliarden Euro, also 1.000.000.000.000 Euro hat die Europäische Zentralbank allein vor nicht allzu langer Zeit zu 1% an Banken vergeben, die es für (sagen wir durchschnittlich 5% Prozent?) weiterverleihen. Das Geld bekommen die Banken also quasi geschenkt, damit die sich rekapitalisieren können, um den ächzenden Schuldnern in Zukunft wieder (noch) mehr Geld zu hohen Zinsen leihen zu können, was zu noch höherer Verschuldung bei irgendjemandem (Staat oder Privat) führt usw.

Die Zentralbank schöpfte also mal eben eine Billion aus dem Nichts - weil sie es kann. Bei den genannten Konditionen könnte sie unter normalen Umständen recht sicher sein, dass sie es - plus Zinsen - zurückbekommt. Die Banken verleihen gemäß meiner Annahme zu 5%.

Und? Was sind denn 5% auf 1.000.000.000.000 Euro? Ich rechne mal (dilletantisch) und komme auf 50 Milliarden Euro Zinsen, die von der Zentralbank nie geschöpft wurden. Also frage ich mich, wo dieses Geld eigentlich her kommen soll. Fragt ihr euch das nicht?

In der gleichen Zeit rasen (große Teile) dieser Guthaben von Privathand getrieben um den Globus und suchen nach Renditemöglichkeiten in Höhen zwischen 25 und vielleicht 15 Prozent (wegen Krise und allem). Wer jetzt noch nicht merkt, dass ganz gewaltig was nicht stimmt, der hat vermutlich meinen Blog noch nicht gelesen. Also bitte nachholen :o)

>>Von Rom bis Madrid rollt jetzt unter dem Deckmantel der Sparpolitik ein Generalangriff auf Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitslose. Staatsdiener werden entlassen, Löhne, Arbeitslosengeld und Renten gekürzt, öffentliches Eigentum wird verramscht. Das Arbeitsrecht und die Tarifautonomie kommen unter die Räder. Der Schuldenknüppel trifft die Opfer der Krise.

Ja klar, wo sollen die Gelder denn sonst auch herkommen? Die Schulden lassen sich entweder nur streichen - ansonsten müssen sie so lange verlagert werden, bis sie bei denen angekommen sind, die sich nicht wehren können/wollen/sollen. Den Privathaushalten, diesen merkwürdigen Konstrukten mit unwiderruflich existenzieller Haftung..

>>Erschwerend kommt hinzu, dass der Fiskalpakt nicht hinreichend demokratisch legitimiert ist.

Ich kann nicht erkennen, dass die Damen und Herren Entscheider sich damit schwer täten, sorry.

>>Deswegen lehnen die deutschen Gewerkschaften erstmals ein zentrales „europäisches Integrationsprojekt“ ab.

Weil es keine Lösung des Problems und somit keine Integrationsmaßnahme ist. Wenn Deutschland auf Dauer die Kredite zu seinen Exportknüllern direkt mit ausliefern muss, dann führt das früher oder später wieder nur zu Schuld, Schuldumkehr und Kriegsrhetorik. Schuld und Sühne - immer schön im Wechsel, na gelle? Als Katholik weiß ich, wovon ich da spreche..

>>Dank Fiskalpakt können die Staaten schon morgen weder krisenanfällige Märkte stabilisieren noch in die Zukunft investieren. Schulden sind aber nicht per se schlecht. Sie haben eine wichtige wirtschaftliche Funktion.

Doch, Schulden sind per se schlecht! Von wegen investieren und vorfinanzieren. In diesen Größenordnungen ist das längst Pustekuchen. Wenn sie aber einmal da ist, die Überschuldung, muss überlegt werden, wie mit dieser Krux umgegangen wird. Dass die Damen und Herren Politiker nur die neoliberalen Folterinstrumente griffbereit halten, wissen wir doch schon lange. Gleicher Unwohlstand für alle kannste knicken. Solange es Leute mit Renditesucht gibt, die Leute suchen, die nichts haben, aber was haben wollen - und bereit sind, sich dafür zu verschulden, werden sie ihr Geld verleihen, das steht mal fest. Das Angebot bestimmt hierbei nämlich die Nachfrage. Und je größer das Angebot an Vermögen, desto größer die Nachfrage. Dafür sorgen ja unsere Politiker mit ihren Kürzungsorgien und Sozialkahlschlägen.

>>Die Finanzmärkte dürfen nicht mehr mit der öffentlichen Geldnot Geschäfte machen.

Die "Finanzmärkte"? Sind das nicht die, die beispielsweise unsere privaten Rentenbillionen verwalten?

>>Darüber hinaus ist die Schuldenfrage immer auch eine Verteilungsfrage. Alle EU-Staatsschulden belaufen sich aktuell auf rund zehn Billionen Euro. Das sind nicht einmal 40 Prozent des privaten Geldvermögens in Westeuropa. Die beste Schuldenbremse ist und bleibt somit eine höhere Besteuerung großer Einkommen und Vermögen.

Seid ihr bekloppt? Die haben doch alle nichts. Und dazu diese Angst, alles zu verlieren. Schlimm, ehrlich.

Oberham 09.06.2012 | 14:30

Bitte - lassen sie mir meine Träume - ohne meine Träume wär ich wohl ganz schön drinn im Getriebe - nach meinen Berechnungen (ist ja ohnehin schwierig sowas wie ein derzeitiges durchschnittliche Welteinkommen pro Kopf auszurechenen - wg. Kaufkraftparitäten etc.)
lebe ich ohnehin wie ein Fürst - viel mehr dürfte ich persönlich gar nicht haben.

Meine Meinung zu den Gewerkaschften ist in der Tat etwas getrübt, Anfang des 20. Jahrhunderts mussten die Kapitalisten Zugeständnisse machen, da sonst der Laden explodiert wäre!

So profan es klingen mag, mir sind die Funktionäre der Gewerkschaften etwas zu saturiert, zu materialistisch in ihrem eigenen Gebahren und insofern einfach noch verlogener als ein Ackermann.

Gerwerkschaften fechten nichts, aber auch wirklich nichts für die Arbeiter aus, da jeder halbwegs skrupellose Arbeitgeber immer so hart am Wind segelt wie möglich - er weiß, wenn er überzieht kentert sein Schiff.

Genauso verhält es sich ja mit der Kaufkraft Wachstumsspirale - gib dem Sklaven mehr Lohn, damit er mehr kauft!

Man stelle sich mal vor, die Mädels und Jungs würden alle die Kohle nehmen um Abends Philosphiekurse zu besuchen, kein bisschen Mehrkonsum, die Dozenten machen das alle gratis.

Nein - Gewerkschafter entsolidarisieren sich mit jedem Amt höher - weiter von der Basis - das ist in der Tat gewöhnlich - es ist das Prinzip unserer Seelen schlechthin. (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel!)

Können sie mir einen Arbeitgebervertreter in gut dotierten Aufsichtsratsgremien größerer Konzerne nennen, der aus sachlichen Gründen sein Amt zur Verfügung gestellt hat?

Mag ja überheblich klingen, ich bin aus einer Bank raus und hab mein Leben umgekrempelt, nachdem mir wirklich klar war, was ich da tat!

Ich war bis unter Vorstandsebene (binnen 10 Jahren - sogar unkündbar - Landesbank) - und ja - manchmal denke ich mir (z.B. wenn wieder mal eine tolle Theateraufführung nicht zugänglich ist....) - wärst du doch ein Arschloch geblieben, aber wer weiß - vielleicht bin ich ja erst eines geworden.

Bitte Seele = Verhaltensmuster - nichts gnostisches!

Verwendungszweck 09.06.2012 | 14:32

"...und komme auf 50 Milliarden Euro Zinsen, die von der Zentralbank nie geschöpft wurden"

Das macht nichts. Wenn die Griechen, Spanier und Portugiesen mit ihren Umschuldungen fertig sind, wird das einiges mehr als 50 Mrd sein.

Wichtig ist nur, dass die spanischen Banken noch möglichst lange, ähnlich wie bei den Griechen, EZB/IWF-Gelder bekommen, damit die privaten Gläubiger Gelegenheit bekommen, ihre Papier zu verkaufen, bevor tatsächlich der erste Schuldenschnitt kommt.

Denn das schlimmste wäre, wenn deutsche Rentenversicherer mit Spanien-Griechenland-/Portugal-Investitionen drastisch Geld verlieren und ihre gesetzliche Mindestverzinsung nicht mehr zahlen könnten. Das könnte den Deutschen die Lust auf privatisierte Renten-/Pflegeversicherung und Daseinsvorsorge nachhaltig mindern.

Verwendungszweck 09.06.2012 | 15:03

"Meine Meinung zu den Gewerkaschften ist in der Tat etwas getrübt, Anfang des 20. Jahrhunderts mussten die Kapitalisten Zugeständnisse machen, da sonst der Laden explodiert wäre!"

Es ist noch heute so, dass die Arbeiter in Betrieben, wenn es zu schlimm wird, sich einen Betriebsrat organisieren. Natürlich hat das nichts Umstürzlerisches, aber es bringt den betroffenen Arbeitern mehr Wissen über ihre Rechte, mehr Rechte gegenüber der Unternehmensführung, kurz, mehr Macht und das gute Gefühl nicht mehr nur Spielball zu sein. Das reicht häufig, die Arbeitsbedingungen erträglich zu machen/halten.

Gewerkschafter haben immer ein Ansehensproblem. Wenn sie keins haben, schaffen ihre größten Kontrahenten eines. Das geht am leichtesten, wenn man die Mitglieder wegen der Bezüge neidisch macht. Oder einem Porsche oder wegen des dicken Bankkontos oder des großen Hauses oder, oder. Dagegen sollte man sich wappnen (ich bin weder Gewerkschafter noch in einer Gewerkschaft).

"Genauso verhält es sich ja mit der Kaufkraft Wachstumsspirale - gib dem Sklaven mehr Lohn, damit er mehr kauft!"

Hartz IV, Leiharbeit, Minijobs, kein Mindestlohn. Ja, richtig! Unsere Unternehmer sind beseelt von dem Wunsch, kaufkräftige Arbeiter zu haben. Der Export hat da erst mal hinten an zu stehen.

Dafür, dass Sie Weltrettungspläne schmieden, nutzen Sie überraschend willfährig Argument gegen Gewerkschafter. Falls es Ironie war, bitte ich zu bedenken, dass das, ohne Sie zu kennen, schwer erkennbar ist.

Dass Funktionäre, von egal was, auch Eitelkeiten und Versuchungen erliegen, bringt vermutlich die menschliche Natur mit sich. Deswegen Gewerkschaften abzulehnen, halte ich für ziemlich überzogen und unüberlegt.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.06.2012 | 16:43

@Oberham,

alles richtig was Sie schreiben, aber warum regen wir uns auf? Sind wir besser? Wir sind nicht besser!!!
Schauen wir uns doch die Anleger an? Keiner legte noch etwas für 5% an, es mußten 15% sein. Alle gierten nach Hochzins. Und wer in diesem Land kritisiert, der sollte den ersten Steuerbescheid werfen. Wer ist Ackermann?
Ackermann ist nur der Klassenprimus. In diesem Land gibt es Millionen von Ackermännern auf kleinem Niveau?
Fragen Sie einmal, wer für bestimmte wichtige Dinge eine kleine Spende gibt und sei es nur für ein Tier? Da werden Ihnen aber Antworten gegeben, wer denn mir helfe. Merkel hat im Grunde Recht, dass es den Leuten noch viel zu gut geht. Wir klagen auf hohem Niveau, dass ist vunser Problem. Und genau dies muss sich ändern. Schauen wir auf unsere Eltern, die hatten noch weniger und waren zufrieden. Heute findet man in diesem System nur noch Unzufriedene.
Der Kabarettist Herr Schramm sagte einmal, dass in anderen Ländern die Armut mit Stolz und Würde ertragen wird, weil sie noch weniger haben als wir Deutsche.

Oberham 09.06.2012 | 17:14

@VwZw:

"Dass Funktionäre, von egal was, auch Eitelkeiten und Versuchungen erliegen, bringt vermutlich die menschliche Natur mit sich. Deswegen Gewerkschaften abzulehnen, halte ich für ziemlich überzogen und unüberlegt."

Jetzt hab ich ein Problem mit der Ironie - ist das wirklich ernst gemeint?

Falls ja, dann bin ich in der Tat unüberlegt -- ich hab so wenig überlegt, dass ich vor 10 Jahren mein Leben total umkrempelte.

Seither bin ich matriell zwar Minimalist, was meine Freiheit angeht - jedoch - wie soll ich sagen - als Solitär vogelfrei - trifft es vielleicht - da man in der Gemeinschaft tatsächlich zum "Sonderling" verkommt (was ich als traurig empfinde!) .

Übrigens wie verhielten sich die Gewerkschaften zur Agenda 2010?

Verbale Kritik - ja - doch es wurde in jenen Kreisen, die von den Beiträgen satt ihren Versuchungen erliegen und ihre kleinen Eitelkeiten pflegen, nicht mal über einen Geralstreik nachgedacht!!

Etliche Gruppen der Basis forderten diesen - aber - die ach so solidarischen Frontkämpfer in den Vorständen der Gerwerkschaften und den Aufsichtsräten der Unternehmen - waren für was?

Sie haben alles - aber auch alles abgenickt und kein einziger hat seine Geldquelle verlassen - aus Protest vielleicht ???? - aber sie würden das ja als eher unüberlegt und naiv bezeichnen.

In der Tat, wer die Menschen im Grunde für etwas positives hält und zumindest selbst versucht sein Leben entsprechend zugestalten, der ist ein naiver Spinner - der sollte auch nicht "BILD"mäßig ausrasten (wie viele Kolumnen haben Gewerkschafter eigentlich schon gegen Zeilenhonorar bei der Bild veröffentlicht?) -
Ihre Argument laufen bei mir ins leer - und meine bei Ihnen - ich weiß nicht ob sie zynisch sind oder vielleicht genau das richtige denken und tun - mir persönlich fehlt der klassische Normativ in meinem Denken - vor allem was die Führung von Menschen betrifft - ich hoffe einfach, dass jeder eines Tage das Einfachste kapiert und akzeptiert , einige Millionen gibt es sicher die ähnlich ticken - (leider nicht in Deutschland sondern hier - bin ich wohl global am schätzen....).
Was ist das Einfachste? Nun - ich nehme doch an das Leben an sich - oder?

@Matto

... also ich möchte nicht in schlecht und gut unterteilen -
.... meine Steuerbescheide gebe ich ihnen gerne, ich zahle wahrscheinlich einige hundert - oder gar tausend Euro´s zu viele - lange Zeig gab ich sie nicht ab, die Schätzungen waren dann so horrend, dass ich sie wieder schleunigst nachreichte - war ein zinsloses Darlehen an den Staat - mein Vorschlag die Sache doch realistisch zu schätzen lehnte mein Sachbearbeiter ab - egal - jetzt mach ich diesen Mist - eine Minute an dieser Zettelwirtschaft ist eine Minute verlorene Lebenszeit - leider brauch ich jährlich jetzt wieder einige Stunden dazu - da ich viele Belege nicht sammle, sind meine Unkosten minimal.... - Unkosten sind völlig irrelevant, wenn sie nicht....

ups sorry - Zeit davongelaufen - ich muss weg...
bis später

Fro 09.06.2012 | 18:16

Nett so etwas von Seiten der Gewerkschafter zu lesen. Die Gewerkschaften haben sich leider bisher zur forcierten Bürgerenteignung und -entmündigung in Europa nicht in angemessener Lautstärke zu Wort gemeldet. Und anscheinend haben sie auch nur wenig Einfluss auf die Gewerkschafter im Bundestag. Da müsste mehr kommen. Ich hoffe, das wird nun geschehen, andernfalls wird das Bekenntnis: die Gewerkschaften wären gegen den Fiskalpakt, vollkommen unglaubwürdig.

Dass der Fiskalpakt eine Wachstumsbremse wäre, ist vollkommen plausibel. Das müsste auch den potenziellen Bündnispartnern in dieser Angelegenheit – den Mittelständlern – zu denken geben.
Der Begriff „Wachstumsbremse“ ist aber etwas missverständlich – was wachsen soll, darüber ist allgemein noch kein Konsens hergestellt -, und er trifft auch die Dramatik nicht. Der Fiskalpakt ist auch: Demokratieabbau, Bürgerenteignung, Kulturbremse ... ein Wohlfühlkiller auf lange Sicht …...

Und falls Schuldenbremsen nicht zu verhindern sind, dann drängt sich eine Rückverteilung der Vermögen geradezu auf.
Es braucht eine 'Rückverteilungssteuer' und die Unternehmensgewinne müssen deutlich gerechter verteilt werden.
Die Vermögenverteilungs- und Einkommenskurve muss einfach 'gestaucht' werden. Wie soll Gemeinwesen und Wirtschaft funktionieren, wenn einige Wenige über den größten Teil der Geldmengen verfügen und die 'unteren' 70% über immer weniger?

http://www.bpb.de/cache/images/2/61782-1x2-orginal.gif?AD741

plaug 09.06.2012 | 19:10

Imao stellt der Fiskalpakt lediglich eine von vielen Maßnahmen dar, der Situation angemessen begegnen zu können.
Daher wäre das Scheitern des Fiskalpakts alleine vermutlich nicht ganz so vorteilhaft, wie man sich gerne vorstellen möchte.
Die immer wieder herbeibeschworene "neue Ordnung auf den Finanzmärkten" unterschlägt, dass alle legislativen Maßnahmen bereits vorliegen, um der "Krise" angemessen begegnen zu können.
Warum "Krise" hier in Anführungszeichen gesetzt steht?
Nun, weil selten so glänzend verdient wurde, wie an dieser "Krise".

Oberham 09.06.2012 | 20:27

nochmal @ Matto,....
also - ich hoffe sehr, dass ich nicht so bin sie es verallgemeinernd schildern - mir würde z.B. der Hartz IV Satz leicht und locker zum guten Leben genügen - doch persönlich würde ich wohl lieber unter einer Brücke schlafen, als mich in einem Amt entwürdigen - vielleicht würde ich meine Nase ins Amt stecken - mit viel Glück treffe ich dort auf einen liebenswerten Sachbearbeiter - ok, dann hätte ich auch keine Hemmungen das Geld zu akzepieren - angesichts der Steuern die ich bisher in meinem Leben bezahlt hab - egal - im Grunde kann ich nicht von stünde mir zu sprechen - da ich erste einmal möchte dass kein Mensch mehr auf dieser Welt an Hunger stribt.

Was sie schreiben kann ich gut nachvollziehen - ....
schon Diogenes (jener von Sinope) propagandierte das einfache Leben - im Grunde hätte ich mit 14(?) schon kapieren können wie ich leben sollte - leider hab ich es bis heute noch nicht so ganz kapiert -

nur eines wußte ich immer, ich hasse Menschen, die mir sagen was ich tun soll - daher an alle - ich bin ein Beobachter - kein Prediger - jeder muss selber wissen was für ihn richtig oder falsch ist - nur - persönlich finde ich eben das Verhalten von uns Menschen großteils völlig falsch - andererseits ist für mich unvorstellbar, dass sich von "OBEN" etwas ändern wird - da in meinen Augen dort die widerlichsten Kreaturen hausen.

Eine Merkel schüttelt auch ohne mit der Wimper zu zucken einem Massenmörder die Hand, wenn es den Lobbiisten ratsam erscheint und sie die Fäden etsprechend ziehen.

Eine Kipping ist aber kaum anders gestrickt als eine Merkel - sorry an die Linksgläubigen - und ein Bsirske wohl wenig anders als ein Bohlen oder der Laubfrosch - ersterer bezieht Gebühren von den Mitgliedern, letztere beziehen Gebühren von der GEZ..... - alles Maulhelden wohin man blickt.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.06.2012 | 22:22

@Oberham,

alles akzeptiert was Sie schreiben, nur mit einem kleinen Einspruch.
Es gibt Menschen (ich kenne einige), die überdurchschnittlich gebildet sind, einige auch in der Kunst. Diese Leute bekommen kein Bein auf die Erde, um ihr Leben zu fristen. Was sollen diese Menschen tun, vielleicht ihr Leben ein Ende setzen? Haben diese Menschen nicht auch ein Recht auf ein wenig Glück?
In Sachsen-Anhalt haben sich die Abgeordneten einfach mal so ihre Diäten um 18% erhöht, d.h. jeder bekommt jetzt monatlich 850 Euro mehr.
Viele Rentner bekommen noch nicht einmal die Hälfte davon. Ist das Gerechtigkeit oder Demokratie.
Gut, jetzt kann ich auch Paul Nolte verstehen der gesagt hat, dass man den Staat mit der Demokratie nicht immer gleichsetzen kann.
Und genau in dieser Richtung bräuchten wir eben eine starke Linke, damit so etwas nicht
vorkommt. Ich möchte hier keine Nostalgie betreiben und es ist gut, dass die DDR Geschichte ist, aber hier war es an der Tagesordnung, dass der Chef das gleiche Auto fuhr wir der Arbeiter oder der Angestellte.
Werner Eberlein, der Chef der SED im Bezirk Magdeburg wurde mit einem zerlatschten Lada gefahren, unsere unfähigen werten Volksvertreter heute, ob Landtag oder Bundestag, hängen ihren Allerwertesten in riesige Autos und lassen sich durch die Gegend karren. Die Kosten werden dem Volk aufgebürdet, d.h. sie leben wie im Schlaraffenland. Und weil das so ist (viele Dinge kommen noch hinzu), ist dieses Land mit ca. 2,1 Billionen Euro verschuldet und es geht weiter.

Oberham 09.06.2012 | 22:24

Oh durchaus nicht .... ich kann ihre Zeilen durchweg nachvollziehen - ja - in meinen Steuererklärungen war so manches wohl "unüblich" - ich hab mir jetzt ein Programm gekauft - seither ist der Sachbearbeiter happy und wenn ein Prüfer kommt - denke ich wird er das auch sein - alles durchnummeriert, abgelegt und schön sortiert - ich werde vielleicht sogar noch eine 400,-- Euro Kraft einstellen (20 Euro Stunde sollten doch fair sein) die mir diesen Papierkram abnimmt - Steuerbater kommt für mich aus Prinzip nicht in Frage - es kann doch nicht sein, dass wir Menschen bezahlen müssen, damit wir eine vernünftige Steuererklärung abgeben können - zumal die einen Stundensatz verlangen, den ich als absolut unangemessen erachte.

(Aber das hängt ja mit meinen naiven Vorstellungen von Verteilungsgerechtigkeit u.v.m. zusammen.)

Nostradamus 10.06.2012 | 04:25

@Verwendungszweck:

"Gewerkschafter haben immer ein Ansehensproblem. Wenn sie keins haben, schaffen ihre größten Kontrahenten eines. Das geht am leichtesten, wenn man die Mitglieder wegen der Bezüge neidisch macht. Oder einem Porsche oder wegen des dicken Bankkontos oder des großen Hauses oder, oder."

Nein, das Ansehensproblem der Gewerkschaften ist kein Resultat irgendwelcher Bezüge oder Porsche. Die Gewerkschaften, insbesondere die IG Metall, ist korrumpiert durch die sPD (ja, man muss es so nennen), deren Einfluss unglücklicherweise groß ist, die wiederum ist korrumpiert durch die Wirtschaft und, wenn es um Koalitionen mit der Union geht, dieser bis in die Halskrause in den Enddarm kriecht. Das bedeutet letztlich, die Gewerkschaften verhalten sich ähnlich wie die sPD: erst großkotzig auftreten, und wenn dann Ernst wird, kleinlaut werden. Das ist es, was viele inzwischen verzweifeln und den Glauben an eine gewerkschaftliche Interessenvertretung verlieren lässt.

Ich darf nur einmal daran erinnern, dass Gewerkschaftsvertreter mit am Tisch saßen, als es darum ging, die Hartz4 Armutsgesetze zu beschließen. Da ist nichts kämpferisches mehr, nur noch ein wenig Gewerkschaftsvolklore, große Reden schwingen und das war's dann mehr oder minder. So wie sich die sPD längst von den ureigenen Interessen der Arbeitnehmer verabschiedet hat, so haben es im Grunde auch die Gewerkschaften getan.

Verwendungszweck 10.06.2012 | 12:25

@Oberham

"Übrigens wie verhielten sich die Gewerkschaften zur Agenda 2010?"

Ich bin kein Experte, aber in Sachen Leiharbeit z. B. sind Gewerkschaften für gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft. Tatsächlich umgesetzt wurde das so, dass die Arbeitgeber den Verleihern, das gleiche geben, bei den Leiharbeitern dann leider nur die Hälfte ankommt.

Grundsätzlich kritisieren Gewerkschaften natürlich zu kleine Regelsätze bei Hartz IV, sie Sanktionen etc. Nichts, was ein Mensch mit Gewissen und Lust an gesellschaftlicher und kultureller (Konsum-)Teilhabe nicht auch kritisieren würde.

Am Ende des Tages müssen die Gewerkschaften aber natürlich mit dem gesetzlichen Regelwerk leben. Wer "unbehlerbar" mit Kritik fortfährt, wird von den Leitmedien in der Fundamentalismusecke bei den Linken abgestellt.

"Generalstreik"

Sind in Deutschland unzulässig. Auch hier Fundamentalismuseckegefahr. Gewerkschafter sind nur als Mitglieder der Linken "politische Idioten".

"Sie haben alles - aber auch alles abgenickt"

Das immer gleiche Argument, Gewerkschafter sollen ihre Forderungen zu 100 Prozent durchsetzen, entspricht nicht der im Grunde sozialdemokratischen Arbeitsweise deutscher Gewerkschaften.

Natürlich kann man Kooperation immer als Kritik anbringen und punkten. Es sind nur leider ziemlich hohle Punkte, die da "errungen" werden.

"mir persönlich fehlt der klassische Normativ in meinem Denken"

Es ist hilfreich, dass Sie das selbst ansprechen. Nun müssen Sie noch realisieren, dass all die Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit, den Wohlstand schaffen, den Sie und ich so mühelos konsumieren, das meist nicht aus Liebe zur Menschheit, aus Dankbarkeit zu Ihnen oder mir tun, sondern, weil sie auf die ein oder andere Weise, durch innere oder äußere Einwirkung, dazu gezwungen sind.

Das sind häufig Menschen, ich rede nicht von den festangestellten Facharbeitern, die keine komode Nische in der Wohlstandspyramide gefunden haben. Weil die Pyramide, umso weiter dem Boden zu, desto fester, undurchdringlicher und schicksalhafter wird und wenn überhaupt nur durch koordinierte gemeinsame Kraftanstrengung etwas angehoben und aufgelockert werden kann.

Ihr Normativ ist - das klingt jetzt angriffslustiger, als es gemeint ist - die selbstzufriedene Bequemlichkeit, das Jonglieren mit Luftbällen, die Beschäftigung mit dem Unschweren.

Ihre Abneigung gegenüber Gewerkschaften ist deshalb ein notwendiger Affekt, um ihre Freiräume für weitere mutmaßlich freudenspendende Turnübungen unverstellt zu halten.

Verwendungszweck 10.06.2012 | 13:03

Einen extragroßen Danke für Ihren Kommentar.

Oben wird in den Kommentaren erklärt, dass die Gewerkschaften abzulehnen wären, weil sie nicht für die Maximalforderungen ihrer Mitglieder kämpfen.

Sie schreiben, dass die Verdi-Leute schuld an den bevorstehenden Schlecker-Entlassungen wären, weil sie sich den Forderungen des potentiellen, zukünftigen Arbeitgebers nicht weit genug gebeugt hätten.

Es ist tatsächlich ein Kinderspiel, den Balance-Akt der Gewerkschaften zu kritisieren.

Oberham 10.06.2012 | 15:01

also auf meiner Pfanne habe ich meist nur Pfannkuchenteig.... (derzeit auch Butterschmalz - und in etwas modifizierten Pfannkuchenteig - (mit dunklem Bier u. ein bisschen Zitronensaft) überzogene Hollunderblüten (die Dolde).

Ich habe keine Feinde - nur seit meinem 14. Lebensjahr bin ich einfach nicht aus der Pupertät rausgekommen, sprich ich bin nicht "führbar" - einfach uneinsichtig - wobei ich mit 16 eine globale Transformationskurve erstellte - und - sorry seither im Grunde immer das gleiche denke - die Welt wäre für etwa 8 Mrd. Menschen ein nachhaltiger Lebensraum, d.h. sie könnten hungerfrei und gesund ihre natürliche Lebenszeit in Symbiose mit der restlichen Flora und Fauna und durchaus abwechslungsreich, phantasievoll, spannend, einfach schön beleben.
(Sorry, Aluzigarren in 30000 Fuß Höhe gehören leider nicht dazu, Fleischfressen wie die Irren auchnicht (man darf ab und an Fleisch essen! - auch andere tierische Produkte .... - aber eben essen - nicht fressen... - den Unterschied können sie selbst interpretieren... - auch Individualmobilität gehört dazu - nur nicht in 2 Tonnern mit x00 KW - ja, auch Reisen ist erlaubt - aber eben langsamer und mit anderen Mitteln als Düsenjets)
In meiner Welt strebt man nicht die Massenmenschhaltung an, man entwickelt nicht aus der Massenschlachtung die Massenproduktion, man degeneriert seine eigenen Kinder nicht durch verseuchte Nahrung und zerstört den Lebensraum systematisch - um Gewerkschaftsfunktionären die Realisierung ihrer Eitelkeit zu ermöglichen - ja - das ist sehr überspitzt - und sie sind wahrlich nicht alleine diejenigen, die einen - meiner Meinung nach - nicht tolerierbaren Lebenssitl pflegen.
Aber ich denke doch - diese Leute haben alle Kant gelesen - übrigens kennen die auch den 1 Paragraphen unserer StVO - nur - erklären sie mir bitte - warum halten gerde diese Menschen sich weder an das eine - noch an das andere simple Regelmuster sozialen Interagierens?
Sind sie wirklich der Meinung ein bisschen Eitelkeit ist es wert die Welt der Menschen aus der Zeit zu katapultieren?
Ich denke ich hätte durachaus Esprit - und - meine kleine Welt finde ich ganz schön... - wenn mir einer ein Podium gäbe - würde ich auch gerne laut viel mehr Menschen meine Gedanken zurufen - nur - ich werde sicher nicht rumrennen und um so ein Podium betteln - ich strebe es auch nicht an - da letztlich jeder Mensch für sich selbst entscheiden muss - jede Sekunde seines Daseins - jede Sekunde die er den Gedanken eines anderen folgt und Widerwillen dabei verspürt, hat er praktisch demjenigen geschenkt der ihn "führt"..... - verlorene Lebenszeit - und die Führer sind leider meiner Meinung nach verwirrt - sie finden eben mich verwirrt - schön, dass sie einige Worte getippt haben -danke dafür.

Was beispielsweise auch nicht möglich ist, dass ein Gewerksachftsboss ca. 23.000 Tierleben auf dem Gewissen hat, weil er einen weit überduchschnittlichen Lebenssitl pflegt.
(Dabei sind die etwa 100.000 toten Meerestiere nicht berücksichtigt - sagen wir er hat in seinem Leben nie Meeresfisch gegessen - auf ein Scampi kommen etwa 90 andere tote Fische -die wieder ins Meer zurückgeworfen werden - auf 1 Thunfisch in etwa 4 andere gleichgroße oder größe Fische die umsonst verenden... etc. etc. etc.)

Das war aber auch vor 30 Jahren schon so.

Oberham 10.06.2012 | 15:14

@ Matto...

wg. der Menschen die kein Bein auf den Boden bekommen - und der Hoffnung auf die Linke.

Entschuldigung - Gewerkschaftsbosse und Mandatsträger der Linken sind für mich in etwa das Gleiche.... - ich hatte vor einem Jahr versucht mich an Frau Kipping zu wenden - obwohl sie 15.000 Euro für ihre Angestellten zur Verfügung hat, schreibt sie kein Wort darüber - sie belügt sehr geschickt auf ihrer HP die Interessierten Leser.
Sie gibt sogar 20,-- Euro Spenden an und fühlt sich vielleicht sogar noch besonders gut dabei.
Sie unterstützt auch einige Künstler - mit Ihrem Prager - Projekt.
Sie ist sehr eloquent, charismatisch und sicher klug - doch sie benutzt ihre Klugheit eben auch nur, um ihre persönliche Eitelkeit auszuleben - bin schon gespannt ob die LINKE jetzt die Vorstandsvergütungen nach dem neuen Modus auszahlt - oder doch wieder dem alten fröhnt.

Ein Mandatsträger der LINKS Partei, dürfte meiner Meinung nach durchaus die 15.000 Euro für Angestellte voll beanspruchen, er muss seine UK voll für politische Arbeit aufwenden - aber er darf in meinen Augen nicht die ab 1.1.13 über 8200 Euro brutto behalten - 3000 Euro netto mehr darf er keinesfalls für seine Eitelkeit aufziehen - der Rest gehört auch nicht der Partei zur bezahlung der Ämter (solange sie so hoch dotiert sind - nur die Mandatsträger erhalten ja nach dem neuen Modus weniger... - wobei für mich immer noch viel zu viel - im Übrigen gehört hier die Trennung von Parteiamt und Mandat unbeding her... - aber das Thema ist wohl längst durch...)....

Kein Mensch kann mehr als 3000 Euro im Monat in Deutschland verbrauchen, ohne andere Menschen auf der Welt ernsthaft Schaden zuzufügen - man muss eben mal die Kausalketten seiner Eitelkeit verfolgen ---

Mir machen Menschen keine Hoffnung - die so agieren - ein Erfurter Programm steht auf dem Papier - das so wahnsinnig geduldig ist - die Worte aus den Stimmbändern generiert - von den Podien - sie klingen wahrhaft oft (bei den Linken oder bei Gewerkschaftern.... - drumm sind mir die rechten zwar zuwider - nur der Verlogengeitsgrade ist bei ihnen etwas minderer - denke ich - sie vertreten ja offen die Teilung der Gesellschaft... - sie wünschen sich offen das Gewinner/Verliererspiel) hoffnungsvoll - nur - mir fehlt das der Glaube - seit jeher (siehe meine Gedanken zur Führung etc....)

Danke für Ihre Worte

Oberham 10.06.2012 | 15:32

@Verwendungszweck

"Ihr Normativ ist - das klingt jetzt angriffslustiger, als es gemeint ist - die selbstzufriedene Bequemlichkeit, das Jonglieren mit Luftbällen, die Beschäftigung mit dem Unschweren.

Ihre Abneigung gegenüber Gewerkschaften ist deshalb ein notwendiger Affekt, um ihre Freiräume für weitere mutmaßlich freudenspendende Turnübungen unverstellt zu halten."

Schön geschrieben, aber leider - empfinde ich es nicht so - ich habe meine Lebensweise so ausgerichtet, dass eben möglichst wenige Menschen indirekte Frohnarbeit für meine Konsumwünsche leisten müssen.

Der Begriff "einfaches Leben" wurde von mir genannt - zumindest praktiziere ich das soweit irgend möglich.

Mit meinem Fahrrad benutze ich zwar die öfftenlichen Verkehrswege - diese habe ich wo immer möglich aber mit alternativ Vorschlägen bekämpft - die Wege wie sie vor 30 Jahren aussahen - wären mir x-fach lieber - das meine Welt anders aussähe schilderte ich doch auch schon öfter. (Hier und - ok - aber das haben sie ja nicht gelesen...)

Ich möchte mich nicht Entschuldigen müssen, dass ich nicht als williger Helfer agiere und mit dem Dienstleistungsangebot - Sprache, Naturwissenschaft - noch etwas verdienen kann - es reicht um meinen Bedarf abzudecken.

Leider sind diese Turnübgungen hier nicht wirklich freudenspendend - es ist ein Ventil - um keine inneren patologisch relevanten Veränderungen in meiner Zellstruktur entstehen zu lassen - mit kommen nicht selten die Tränen - wenn ich die Fakten lese - die täglich andernorts Menschen widerfahren -

Sie könnten einzig eines als Bequemlichkeit brandmarken - warum gehe ich nicht an Orte um die Welt zu retten - nun - ich bin - wie gesagt - der Meinung - der Mensch kann sich - als Individuum nur selbst helfen - ich maße mir nicht an - andere auf den "rechten" Weg zu führen (ich habe - auch wenn sie mir einen unterstellen - keinerlei Normativ - ich habe nur eine Idee von einer möglichen anderen Arte des Zusammenlebens, - diese formuliere ich - und die bestehnden Verhältnisse kirtisiere ich - manchmal mit Wut im Bauch - dann vielleicht - für den ein oder anderen verletzend - Pauschalierungen passieren uns allen in solchen emotional geladenen Momenten - oder? -

Sie haben sicher den Steppenwolf in der Schule gelesen - wobei mir persönlich Kästner und Borchert näher als Hesse sind... - uvam

Im politischen Betrieb (dazu zähle ich auch die Gewerkschaften....) konnte ich noch nirgends Menschen entdecken, mit denen ich nicht ein Problem hätte - und - sie beschreiben im Grunde immer den realistischen Pragmatismus, den Versuch der kleinen Schritte - nur bitte - wo stehen wir heute - wohin führt dieser Weg?

Glauben sie im Ernst, die Gewerkschaften haben uns die goldenen 60er ermöglicht - war es nicht einzig die Blockpolitik und unser Glück (??) als Schaufenster westlich, kapitalistischer Fähigkeiten zu fungieren -entsprechend befeurt mit Karft aus den USA - gerne diskutiere ich weiter ---
vielleicht treffen wir uns wieder - bei einem ähnlichen Thema (bin ja heute schon "Nachzügler" --- also vielleicht lesen sie dies gar nicht mehr....)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.06.2012 | 16:37

Was bei Schlecker richtig ablief, weiß keiner. Fakt ist aber, dass der Insolvenzverwalter gesagt hat, dass Schlecker hätte gerettet werden können, wenn man die 40 Millionen Euro von der Familie Schlecker hätte. Und genau hier fängt der verbrecherische Kapitalismus an. Das Geld von Schlecker war erarbeitetes Geld von seinen Angestellten, d.h. Schlecker hätte enteignet werden müssen.

claudia 10.06.2012 | 16:41

>>Ich bin kein Experte, aber in Sachen Leiharbeit z. B. sind Gewerkschaften für gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft. Tatsächlich umgesetzt wurde das so, dass die Arbeitgeber den Verleihern, das gleiche geben, bei den Leiharbeitern dann leider nur die Hälfte ankommt.
Ich kenne im Gegensatz zu Ihnen die Leiharbeit aus eigener Erfahrung. Es ist in der Leiharbeit weder möglich, eine Gewerkachaftsorganisation aufzubauen noch eine Betriebsratswahl zu organisieren.
Den Grund dafür könnten Sie auch ohne eigene Erfahrung rekennen und nennen, wenn Sie wollten, Verwendungszweck: leiharbeiter einer Verleihfirma werden an unterschiedlichen Orten eingesetzt und kennen sich gar nicht. Und die Beschäftigungszeiten sind kurz, maximal zwei Jahre.
Wer in der Leiharbeit eine streikfähige Arbeiterorganisation aufbauen will, fängt praktisch bei null an, denn es gibt bislang keinerlei gewerkschaftliche Erfahrungen in diesem Bereich.
Genau das war der Grund dafür dass den Zuhältern (ein zutreffenderer Begriff für Leiharbeitsfirmen) mit den Hartzgesetzen die absolute Macht über den Arbeitsmarkt zugeschanzt wurde. Die Anfänge dieser Entwicklung liegen allerdings vor Hartz, noch unter dem CDU/CSU/FPD-Regime.

claudia 10.06.2012 | 17:15

>>Geiwitz faselt sich da aber auch etwas zusammen.
Hauptsache, er kann genug Honorar für sich aus Insolvenzmasse zusammenkratzen...

---
>>Das Geld von Schlecker war erarbeitetes Geld von seinen Angestellten, d.h. Schlecker hätte enteignet werden müssen.
Stimmt, und:
Der Privatreichtum, der Macht, Lobbyismus und Ausbeutung am Laufen hält, ist immer aus privatisierten Arbeitsergebnissen entstanden. Denn entgegen einem verbreiteten Gerücht arbeitet Geld nicht und erzeugt keinen Mehrwert.

Wir haben also gute Gründe, uns die erarbeiteten "Investitionen" zurückzuholen und was Vernünftiges damit anzufangen. Und zwar, bevor die Besitzer zuviel Scheisse bauen: Hinterher Jammern nützt nichts mehr.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.06.2012 | 19:58

Sicher haben Sie auf WDR bei "Mitternachtspitzen" Herrn Schmickler oder ihn gestern bei seinem Soloprogramm, auch WDR, gehört.
Herr Schmickler äußert, dass er sich in den letzten 20 Jahren nahezu den Hintern aufgerissen hat, um das Volk aufzuklären und etwas Sensiblität einzufordern. Nichts dergleichen ist geschehen, was ihn langsam depressiv macht. Die Leute sitzen nur so da und machen in ihrem Schlendrian immer "weiter". Sie merken mit ihrem Gelatinegehirn einfach nicht, dass wir alle in einem Boot sitzen und in Richtung Wasserfall fahren. Und der Wasserfall ist nicht mehr weit, so muss man noch schnell hier und da etwas abgreifen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.06.2012 | 20:04

Ich stehe mit Ihren Ausführungen voll auf Ihrer Seite. Warum können sich diese Leute das alles mit uns leisten? Ich habe keine Antwort darauf, vielleicht die, dass der Hunger noch nicht groß genug ist. Aus dem Hunger wächst eine Revolution und der wird aber mit billigen und wertlosen Häppchen noch gestillt. Wir wissen ja, erst kommt das Fressen und dann die Moral.
Sicher haben Sie auf WDR bei
"Mitternachtspitzen" Herrn Schmickler oder ihn gestern bei seinem Soloprogramm, auch WDR, gehört.
Herr Schmickler äußert, dass er sich in den letzten 20 Jahren nahezu den Hintern aufgerissen hat, um das Volk aufzuklären und etwas Sensiblität einzufordern. Nichts dergleichen ist geschehen, was ihn langsam depressiv macht. Die Leute sitzen nur so da und machen in ihrem Schlendrian immer "weiter". Sie merken mit ihrem Gelatinegehirn einfach nicht, dass wir alle in einem Boot sitzen und in Richtung Wasserfall fahren. Und der Wasserfall ist nicht mehr weit, so muss man noch schnell hier und da etwas abgreifen.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 10.06.2012 | 20:04

Ich stehe mit Ihren Ausführungen voll auf Ihrer Seite. Warum können sich diese Leute das alles mit uns leisten? Ich habe keine Antwort darauf, vielleicht die, dass der Hunger noch nicht groß genug ist. Aus dem Hunger wächst eine Revolution und der wird aber mit billigen und wertlosen Häppchen noch gestillt. Wir wissen ja, erst kommt das Fressen und dann die Moral.
Sicher haben Sie auf WDR bei
"Mitternachtspitzen" Herrn Schmickler oder ihn gestern bei seinem Soloprogramm, auch WDR, gehört.
Herr Schmickler äußert, dass er sich in den letzten 20 Jahren nahezu den Hintern aufgerissen hat, um das Volk aufzuklären und etwas Sensiblität einzufordern. Nichts dergleichen ist geschehen, was ihn langsam depressiv macht. Die Leute sitzen nur so da und machen in ihrem Schlendrian immer "weiter". Sie merken mit ihrem Gelatinegehirn einfach nicht, dass wir alle in einem Boot sitzen und in Richtung Wasserfall fahren. Und der Wasserfall ist nicht mehr weit, so muss man noch schnell hier und da etwas abgreifen.

Nostradamus 11.06.2012 | 01:42

@Verwendungszweck:

"Wenn Sie gute Ideen für Arbeitnehmerinteressen-Vertretung und -Wahrung haben, würden mich die sehr interessieren."

Wirkliche Ideen habe ich nicht. Was soll man machen, wenn nicht unerhebliche Teile der Gewerkschaft ein sPD Parteibuch haben, entsprechend handeln und bestenfalls faule Kompromisse aushandeln, wie z.B. zuletzt die Tarifeinigung im Leiharbeitsgewerbe. In der Vergangenheit handelte vor allem die IGM nach der Maxime "besser als nichts" und feiert sich anschließend selbst.

Ich habe hier schon des öfteren darauf hingewiesen, was die Gewerkschaften meiner Meinung nach tun sollten. Eine der wichtigsten Punkte ist, dass sie sich endlich mal ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung stellen und sich nicht immer nur um Tarife kümmern. Man kann natürlich sagen, dass sei nicht die Aufgabe einer Gewerkschaft, aber der Karren steckt inzwischen für dermaßen viele Arbeitnehmer im Dreck wegen der ausufernden, prekären Beschäftigung, dass große Organisationen gefordert sind, nun endlich und unzweideutig Stellung zu beziehen. Sie sollte sich weiterhin aus der Umklammerung der sPD lösen, was sicher einfacher gesagt, als getan ist. Sie sollte Arbeitskämpfe organisieren, bei denen die Betonung auf Kämpfe liegt, Was hier so abläuft und nicht zu Unrecht von vielen ArbeitGEBERN, aber auch von der Politik so positiv gesehen wird, ist nichts weiter als Karneval mit Gewerkschaftsfähnchen und Trillerpfeifen. In Zeiten wie diesen ist das viel zitierte kooperative Verhalten der GW einfach nur noch lächerlich und vollkommen fehl am Platz. Ja, ich plädiere für eine Radikalisierung der Arbeitskämpfe.

Aber nichts dergleich wird geschehen, aber immerhin haben wir darüber gesprochen ...

Gerd Weghorn 11.06.2012 | 12:29

Die undifferenzierte Propagierung von "Wachstum" ist in der Tat ein mehr als peinlicher, aber sozialdemokratischer faux pas der beiden Profiteure des kapitalistischen Wachstumsfetischismus, der ja de facto in der Privatisierung von Gewinnen auf Kosten der Allgemeinheit besteht.

In meinem Artikel vom August 2009 "Womit die SPD die Wahlen gewonnen hätte" profiprofil.wordpress.com/category/spd/ habe ich eine Maxime formuliert, die nichts von ihrer politischen Durchschlagkraft verloren, sondern - im Gegenteil - sich seitdem als absolut treffliche propagandistische Formel erwiesen hat: „Entmachtung aller Investmentbanken, Ratingagenturen etc.durch eine (Steuer)Gesetzgebung, die das LEISTUNGSLOSE PROFITSTREBEN ALS WIRTSCHAFTSIDEAL strukturell diskreditiert und negiert.“

Das würde voraussetzen, das sich die SPD von einer trade-unionistischen Organisation zu einer politischen Partei revolutionieren würde, deren Funktionäre sich ihre staatliche Alimentierung durch die Erfüllung des einschlägigen Grundgesetzartikels verdienten, der es ihnen auferlegt, durch Aufklärung an der „Willensbildung“ der Bevölkerung mitzuwirken, und dies nicht in Richtung „Befestigung“ der Demokratie per Propagierung des Warenfetischismus, sondern Erringung des demokratischen Sozialismus (!) per Ausgestaltung der Art. 14f. GG sowie – und das ist im folgenden mein Thema – per Demilitarisierung Deutschlands, Europas und der antiimperialistischen Länder weltweit.

Wenn zwei Gewerkschaftsmitglieder nicht erkennen können – weil sie sich sonst mit einigen ihrer Mitglieder anlegen würden – dass die deutsche Bundeswehr mit der Wiedervereinigung auch ihre verfassungsmäßige Legitimation verloren hat, weil es für Deutschland keine Bedrohung mehr gibt und damit das Legitimationsprinzip „Landesverteidigung“ - dessen sich die Flitschpiepe Struck immerhin noch dumpf und dunkel erinnert hatte – in der Tat aufgehoben worden ist und deshalb auch de jure aufgehoben werden müsste – wenn Gewerkschaftsmitglieder nicht darauf kommen, dann sollten wenigstens Politiker darauf gekommen sein.

Das ganze Elend der deutschen Linken besteht seit ihrem Anbeginn vor 150 Jahren darin, dass sie im Trade-Unionismus versackt ist und die Politik, d. h. die Ausgestaltung der Herrschaftsverhältnisse, den „Willensbildner“ des Establishments überlassen hat.

Dafür ist auch dieser Artikel ein beredtes Beispiel, orientieren seine Autoren den Leser (m/w) nicht darauf, ein Prinzip - in meinen Worten: Bereicherung aus „leistungslosem Einkommen“ - zu bekämpfen und für Prinzipien zu kämpfen, für eine Welt ohne Militär – Pazifismus – ohne die Herrschaft des spekulativen Finanzkapitals – Sozialismus – für eine Welt des demokratischen Interessenausgleichs zwischen Gleichrangigen – Demokratie genannt.

Stattdessen arrangieren sich auch diese Autoren mit der normativen Kraft des Faktischen, verbreiten Meinungen, die das von ihnen nicht verstandene Geldkreditsystem namens Kapitalismus nicht wirklich in Frage stellen, und damit den arbeitenden Menschen und ihren Angehörigen nicht nur keinen politischen Ausweg aus ihrer nicht selbst verschuldeten Unmündigkeit eröffnen – sondern sie in ihrer resignativen, apathischen, entpolitisierten Haltung einbetonieren.

Was aber die arbeitenden Menschen brauchen, das sind Führungspersönlichkeiten, die ihre herausgehobene Position nicht als ökonomische Verwirklichung ihres Karrierestrebens, also zur persönlichen Bereicherung missbrauchen, sondern die bereit sind, diesen Kampf um die Verwirklichung der Prinzipien aufzunehmen, auch wenn es sie ihr persönliches Wohlergehen kosten würde.

Verwendungszweck 11.06.2012 | 13:39

@Oberham
Pfanne in "auf der Pfanne haben" meint die Pfanne für das Zündpulver bei Vorderladern. Ins Fadenkreuz nehmen, Pulver trocken halten, (Zündpulver) auf der Pfanne, schweres Kaliber – alles ein Metaphernquell.

"die Welt wäre für etwa 8 Mrd. Menschen ein nachhaltiger Lebensraum, d.h. sie könnten hungerfrei und gesund ihre natürliche Lebenszeit in Symbiose mit der restlichen Flora und Fauna und durchaus abwechslungsreich, phantasievoll, spannend, einfach schön beleben."

Sehen Sie nicht die Parallelen zu den Gewerkschaften, die sich organisierten, um den Mehrwert der produzierten Waren, vor dem Alleinzugriff der Kapitalinvestoren zu verteidigen?

Glauben Sie denn wirklich, Individuen könnten sich gegen den Sog der bisher noch immer allesverschlingenden Gier des Kapitalismus stellen, sich emanzipieren, die Gesellschaft umkrempeln? Wer könnte das sein? Die entlassenen Schlecker-Frauen? Die mit Arbeitsvertrag versorgten Malle-Urlauber? Die Golf Plus-, BMW- und Porsche Cayenne-Fahrer?

Wenn die Mächtigen schon gegen die Menschen nicht gerecht sind, wie und wieso sollten sie es ohne Druck gegenüber der Umwelt sein? Bzw. wo haben Sie das je beobachtet, außer wenn der Industrielle dem Förster sagt, er solle ein wachsames Auge auf das gepachtete Jagdrevier haben?

Glauben Sie, in Deutschland hätte es den schon mehrfachen Ausstieg aus der Atomenergie und den starken Ausbau der regenerativen Energien gegeben, wenn sich nicht die sockenstrickenden Körnerfresser Anfang der 80er organisiert hätten?

Sehen Sie nicht, dass das vernünftige Individuum, wenn es denn überhaupt mal eine Nische zum Überleben gefunden hat, keine Chance auf Majorität gegen die Interessen der Mächtigen, ihrer Planer und ihre Helfer in den Amtsstuben hat?

Sehen Sie nicht, dass viele Individuen mit anderen Interessenlagen oder anderen Zwängen diese Achtsamkeit gegenüber der Welt nicht aus sich heraus leben können oder wollen oder bei all dem Trubel, der Desinformation und den Konsumverlockungen nur ernsthaft daran denken?

Ich habe für mich beschlossen, dass ich all jenen, die sich organisieren, um gegen die reinen Interessen des Profits vorzugehen, die sich zusammen tun, um für Ausgleiche zwischen Menschen und zwischen Mensch und Natur einzustehen, gnädiger begegne, als ich den teils in solchen Zusammenschlüssen beteiligten Individuen begegnen würde. Schon alleine, weil ich keine Lust habe, "den Anderen" indirekt zuzuarbeiten. Alles, was der Gier wirksam entgegentritt, eröffnet Rücksichtnahmewilligen, zu Achtsamkeit Bereiten und Lernwilligen zusätzliche Möglichkeiten.

Auf die teils naheliegende Kritik an z. B. egomanischen Linken, splinigen Grünen oder karriereverliebten Gewerkschaftern verzichte ich dann schon mal bzw. relativiere auf dem langen Weg zur perfekt-nachhaltigen Menschen-Existenz auf Mutter Erde.

Verwendungszweck 11.06.2012 | 13:59

@Oberham
"Glauben sie im Ernst, die Gewerkschaften haben uns die goldenen 60er ermöglicht - war es nicht einzig die Blockpolitik und unser Glück (??) als Schaufenster westlich, kapitalistischer Fähigkeiten zu fungieren -entsprechend befeurt mit Karft aus den USA"

Die Aufbaupolitik in Europa an dem Krieg war eine zweiter, ein anderer Versuch nach Versaille.

Innerdeutsch spielte der deutsch-deutsche Wettbewerb in den 60er und 70ern sicherlich auch eine Rolle. Aber schon in den 80ern, als an einen tatsächlichen Zusammenbruch der UDSSR und des Ost-Blocks nicht wirklich zu denken war, stiegen die Arbeitslosenzahlen in der BRD. Deutschland begann sich als exportierender Maschinenbauer zu spezialisieren. Es gab zaghafte Versuche mit der Arbeitszeitreduzierung. Zugunsten des Exports wurden die aber zurückgekämpft. Etwas weniger in Frankreich.

Ich denke, China zeigt, dass die Wirtschaft sich über alle Grenzen hinweg ausbreitet. Selbst in Nord-Süd-Korea. National bremsten die Gewerkschaften, international bremsen nur noch der Ölpreis, die leeren Portemonnaies der meisten Inder/Chinesen und die Erdanziehung. Ein Systemfehler, der uns einholen wird, wie uns die Leistungsbilanzen der Euro-Staaten eingeholt haben.

"also vielleicht lesen sie dies gar nicht mehr"

Richtig, wir müssen zum Ende kommen.

Rosbaud 11.06.2012 | 20:12

Antwort an @Oberham:

Ich verfolge jetzt schon eine Zeitlang Ihre Beiträge. Es wundert mich, dass ein selbstverliebter Kritikaster, der bei seiner postmaterialistischen Sinnsuche Ansichten äußert, die jedem Sektenguru zur Ehre gereichen würden, den beiden Artikelschreibern – eigentlich jedem Zeitgenossen, der seine (Oberhams) Erkenntnistiefe noch nicht erreicht hat – Eitelkeit unterstellt. Das scheint mir eine klassische Projektion der eigenen Befindlichkeit zu sein.

Das Elend unserer Konsumwirtschaft ist auch mir nicht verborgen geblieben. Aber die beiden Autoren haben zur aktuellen Lage in der Eurokrise Stellung genommen und, wie mir scheint, sehr vernünftige Vorschläge gemacht. Das kann man von Ihren Vorschlägen nun wirklich nicht behaüpten.

Bildungswirt 12.06.2012 | 16:42

Der galoppierende Wahnsinn kennt eben keine Wachstumsbremse. Die kapitalistische Wachstumsideologie wird wie die heilige Monstranz der Katholiken in der dauermedialen Prozession vorangetragen.
Im einäugigen Blick haben sie alle recht: systemimmanent bedarf es des "Immer-höher-weiter-besser", koste es, was es wolle. Gewerkschafter vertreten ihre einäugigen Interessen wie die Kapitalvertreter. Es zählt die aktuelle Schnitte vom Kuchen, je größer um so besser - die Logik ist unerbittlich. "Wohlstand und Bildung für alle" ist außerhalb dieser Logik angesiedelt.

Oberham 12.06.2012 | 21:18

... danke für die Revision meiner Pfannenmetapher (bin halt mehr der kulinarische Typ - vor allem Obst und Mehlspeisen...) -

hm ... das Folgende: Sie sind der ruhige analytische Typ - und ich bin der Piepmatz, der schimpfende Spatz -
ich fürchte nur, wir haben keine Zeit mehr, die Egomanen entscheiden zu lassen, wohin wir uns bewegen - lassen sie es mich so sagen:

Wer noch am gesellschaftlichen und intellektuellen Gruppenerlebnis teilhaben möchte, muss sich so verhalten, wie sie es tun - kritisch, pragmatisch - aber - bitte - nicht kindisch, offen, und hilflos.
Ich bin kindisch, ich war wohl nie erwachsen.

Ich stelle mir jeden Tag die Fragen:
"Warum tut der Mensch all die Dinge, die aufzuzählen länger als mein ganzes Leben dauerte - dabei würde ich nur einen Bruchteil des Wahns schildern - ?"
"Warum sehnt er sich nach Güte, lebt sie aber nicht?"
Beim Materie-Antimaterie Show-Down - war die Materie mit einem Milliarstel im Vorteil - und gewann.
Also egal welche Theorie ich mir rauspicke - statistisch hat der Mensch ohnehin keine Chance mehr.

Ich glaube, jene die Macht haben, streben eine Nivellierung auf globaler Ebene an.
Sie werden scheitern, da sie die Grenzen nicht beliebig ziehen können.

Doch unser Aufbegehren geht - solange es den Materialismus nicht überwindet - gegen eine Wand aus Gewalt und Elend.

Der ökologische Fußabdruck ist für mich die beste Orientierungsmarke.
Wer hier in Deutschland über 2,5 oder 1,5 (je nachdem welche Methode er anwedet) - der vernichtet die Zukunft seiner Nachkommen.
Im Durchschnitt leben wir eine 4,5 Tendenz steigend.

Meine persönliche Lösung lautet:

einfaches Leben

man möge mir gestatten, manchmal zu schimpfen.