Wie grün sind Sie?

Farbtest Die Grünen sind erfolgreich wie nie. ­Abseits der Wahlurnen haben sie längst die kultu­relle Hegemonie errungen. Jeder ist ein bisschen grün. Ein Selbsttest

Pro Frage gibt es vier Antwortmöglichkeiten zur Auswahl, von A bis D. Notieren Sie bitte die gewählten Buchstaben.

1. Wie bewegen Sie sich fort?

A Ich fahre Fahrrad – ausschließlich. Wenn das nicht geht, fahre ich Bahn. Und wenn das nicht geht, etwa weil die Lokomotivführer für gerechte Löhne streiken, wofür ich absolutes Verständnis habe, organisiere ich eine Fahrgemeinschaft.

B Ich habe eine Bahncard 100, damit das Finanzamt nicht anhand von Bahntickets ein Be­wegungsprofil von mir anlegt.

C Ich arbeite seit 34 Jahren bei Mercedes. Was fahre ich also? Einen renovierten Strich-Achter natürlich. Zum Einkaufen nehme ich aber den Smart meiner Frau.

D Ich besitze ein Rhönrad, meine Mitbewohnerin hat mir das empfohlen. Wenn ich mal raus muss, muss ich natürlich den Flieger nehmen, aber dafür zahle ich wenigstens einen CO2-Ausgleich.

2. Was ist Ihr Lieblingsgetränk?

A Chianti. Bio.

B Latte macchiato. Jedes Klischee hat einen wahren Kern. Und hey, irgendwie muss ich mich ja auch von den Leuten, die bei Lidl einkaufen, abgrenzen.

C Coca-Cola. Als Kind musste ich immer Apfelschorle trinken.

D Club-Mate, ich bin ja noch nicht über 30.

3. Woher kommt Ihr Strom?

A Ich habe daheim nur Kerzen.

B Von Solarpanels auf dem Dach meines Energiesparhauses.

C Aus der Steckdose, wieso?

D Von Lichtblick, mein Herz ist rein.

4. Was ist Gerechtigkeit?

A Gerechtigkeit ist, wenn alle Menschen unabhängig von Herkunft, Aussehen, Geschlecht und Alter gleiche Chancen bekommen. Weshalb ich mich für die Energiewende, fairen Handel, eine Frauenquote und ein Grundeinkommen einsetze.

B Gerechtigkeit ist, wenn alle Menschen unabhängig von Herkunft, Aussehen, Geschlecht und Alter gleiche Chancen bekommen, um 20 Uhr ein bisschen Ruhe zu haben. Daher setze ich mich ja auch dafür ein, dass das Restaurant nebenan keine Tische auf die Straße stellt.

C Es ist jedenfalls ungerecht, dass die immer über unsere Köpfe hinweg entscheiden – ich will beteiligt werden, wenn ein Bahnhof unter die Erde verlegt wird. Dieses Hinterzimmergeschiebe mache ich nicht mehr mit.

D Gerecht ist, wenn alle studieren können, was sie wollen.

5. Was arbeiten Sie?

A Ich schraube in einer von ­einem Kollektiv geführten Fahrradwerkstatt an Second-Hand-Rädern herum.

B Ich habe von meinen Eltern geerbt, engagiere mich aber ehrenamtlich im Tierheim.

C Ich schaff bei Mercedes.

D Irgendwas mit Medien.

6. Wo legen Sie Ihr Geld an?

A Bei einer Öko-Bank, die nur Mikrokredite für Kühe an Frauen in Entwicklungsländern vergibt.

B Da, wo's die beste Rendite gibt. Dafür spende ich Weihnachten auch einen Fuffi an Unicef.

C Sparkasse.

D Was für Geld?

7. Ihre Lieblingsfarbe?

A Ich trage eher Braun, aber politisch betrachtet: natürlich Grün!

B Meine Wohnung ist in Weiß und Beige gehalten, das sind die Farben, die mein Leben bestimmen und die mir viel bedeuten. Sie stehen für Offenheit und Toleranz, genau wie die Glastüren. Hier, sehen Sie das Griffloch in der Glastür? Wie groß ist das wohl? Jetzt kommt’s: Es ist exakt so groß wie eine Espressotasse. Man kann durchaus sagen, dass ich ein Stilkonzept über das reine Farbenspiel hinaus verfolge!

C Das ist doch eine Fangfrage! Sie werden von mir keine Festlegung auf eine Partei hören. Sinnvolle Politik beginnt beim Wechselwähler. Ich trage tatsächlich auch gerne mal Schwarz.

D Ach, ich trage so viele Farben. Ich liebe Farben! Mein Kleiderschrank enthält viel Rot, viele lebendige Farben, ich bin in solchen Dingen flexibel. Und an meinem Balkon hängt natürlich eine Regenbogenfahne.

8. Was ist mit den Blutmineralien aus Afrika in Ihrem Handy?

A Mein Handy ist so alt, da gab's noch gar keine Bürgerkriege in Afrika.

B Ich habe ein iPhone – Apple gehört doch zu den Guten, oder?

C Irgendwo muss man beim Korrekt-Sein ja Abstriche machen.

D Ich lebe gerade sowieso ein halbes Jahr ohne Handy.

9. Wie beantworten Sie die Soziale Frage?

A Unser neoliberales Wirtschaftssystem behandelt die Menschen wie Gefangene. Wir müssen zunächst das Primat der Wirtschaft über die Gesellschaft überwinden und die Wirtschaft wieder zum Teil des Sozialen machen. Erst dann können wir soziale Fragen zufriedenstellend lösen – solange Unternehmen in der Wachstumsspirale gefangen sind, geht das nicht.

B Na ja, also die Nachbarn zum Beispiel haben ein Zimmer weniger als wir, die müssen sich ein wenig einschränken, aber im Großen und Ganzen funktioniert bei uns im Viertel bereits vieles. Gut, hier leben nicht so viele Aus­länder, aber die würden wir auch ganz tolerant aufnehmen, wenn sie es sich leisten könnten.

C Ach, wissen Sie: Ich mache mir Sorgen. 34 Jahre bin ich jetzt bei Mercedes – was soll ich tun, wenn niemand mehr Auto fährt? Ich sorge mich um meine Rente, die Zukunft meiner Kinder, den Klimawandel und die deutsche Sprache.

D Mit gesäßgeografischen Be­griffen kommt man im 21. Jahrhundert nicht weiter. Des­wegen bin ich für die 'emanzipa­torische Transforma­tion'. Was das ist? Na, wenn alle mitreden dürfen, deshalb rede ich auch mit der CDU.

Für die Auswertung zählen Sie bitte nach, welchen Buchstaben Sie am häufigsten angekreuzt haben.

Auflösung: So grün sind Sie

A Sie stopfen sich schon gerne mal ein kleines Haschpfeifchen, oder? Sie können stricken und bringen Ihren Enkelkindern alte Sponti-Sprüche bei. Sie trauten einst keinem über 30 und haben sich schon gegen Atomkraft engagiert, als Sie noch keine gesellschaftliche Mehrheit hinter sich wussten. Wirklich schön, dass Sie trotzdem an diesem Test teilgenommen haben, Herr Ströbele!

B Ach, Tübingen! Schönste Stadt der Welt! Sie genießen die autofreie Innenstadt. Sie legen wenig Wert auf materielle Dinge. Eine teure Wohnung mit Dachterrasse im Französischen Viertel – man gönnt sich ja sonst nichts. Ist schließlich eher was Ideelles. Da haben auch die Kinder was von. Und von denen haben wir die Erde ja nur geliehen. Auch wenn sie manchmal zu laut sind.

C Sie machen das nicht mehr mit! Es reicht!!! Die politische Klasse ist ein derart verhunzter Haufen, da kann man einfach nicht mehr die Klappe halten. Raus auf die Straße also, und Fäuste hoch gegen alle Schweinereien – den neuen Bahnhof, Fukushima und Westerwelle. Sie haben jetzt also das erste Mal grün gewählt. So verbohrt, wie die früher mal waren, scheinen die ja doch gar nicht zu sein.

D Was sollen Sie denn sonst sein, wenn nicht grün? Sie studieren Kulturwissenschaften und wissen, dass wir die Energiewende brauchen. Da können Sie nicht SPD oder Linke wählen. Das heißt nicht, dass Sie jetzt in die Partei eintreten wollen – Parteien sind ja an sich eher von gestern. Nur gibt es halt auch nichts anderes. Eigentlich treffen Sie Ihre wichtigen politischen Entscheidungen aber im Supermarkt.

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14:45 06.04.2011

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