Wie man ...

Howtopedia ... mit Samenbomben öde Brachen in eine wilde Prärie verwandelt oder nur mit der Kraft der Sonne kocht. Fünf Beispiele, wie man mit wenig Aufwand viel verändern kann

Wie man mit Chili gegen Schädlinge kämpft

Chili ist schon lange als das schärfste Gewürz bekannt, das in der freien Natur vorkommt. Aber es gibt weltweit noch weit mehr Anwendungsmöglichkeiten als solche für die Küche. Die außergewöhnlichste dürfte wohl aus Zentralafrika stammen, wo sie dazu verwendet wird, Elefanten davon abzuhalten, in Getreidefelder einzufallen. Die Tiere trampeln auf der Suche nach Nahrung die Ähren auf den Feldern nieder und zerstören dadurch die Lebensgrundlage der örtlichen Bauern. Zu den Lieblingsspeisen der Elefanten gehören Maiskolben, die oft auf dem früheren Territorium der Tiere angebaut werden. Riecht die Herde den Mais, gibt es für sie kein Halten mehr und da der Elefant nun einmal das größte an Land lebende Säugetier ist, kann er in kürzester Zeit großen Schaden anrichten. Immer wieder wussten die Bauern sich nicht anders zu helfen, als die Tiere zu erschießen, um ihre Existenzgrundlage zu sichern und es kam zu vermehrten Angriffen durch Hyänen auf Bauern, die nachts allein ihre Felder bewachten.

./resolveuid/580fe6a475fc58b395ed605cc80adcff

Vor kurzem wurde nun aber eine neue Wunderwaffe für diesen unglücklichen Kampf entdeckt: Die uns als Gewürz bekannte Chili. Entweder werden die das Feld umgebenden Zäune mit Chili und Öl eingeschmiert, wodurch die unerwartet empfindliche Haut der Tiere verletzt wird, wenn sie mit dem Zaun in Berührung kommen. Oder die Chili wird zusammen mit Kuhmist zu sogenannten Chili-Bomben geformt, die erst getrocknet und dann angezündet werden. Der starke Rauch irritiert den Rüssel des Dickhäuters auf unangenehme Weise. Und da die Elefanten über ein sehr gutes Gedächtnis verfügen, machen sie wochenlang einen großen Bogen um jene Gebiete, in denen sie diesem Mittel begegnet sind.

Egal, ob auch Sie ein Problem mit Elefanten haben oder ob Sie andere Schädlinge von ihren Pflanzen fern halten wollen – es gibt mehrere Möglichkeiten, Chili anstelle kommerzieller Pflanzenschutzmittel zu verwenden. Chili-Spray erhält man beispielsweise, indem man vier Tassen voll reifer Chili-Schoten in drei Liter Wasser fünfzehn bis zwanzig Minuten kochen lässt. Danach fügt man weitere drei Liter Wasser dazu und lässt das Ganze abkühlen. Sieben Sie die Flüssigkeit und geben Sie Seife auf Kaliumbasis hinzu, damit es an den Blättern der Pflanzen haften bleibt. Besprühen Sie die Pflanzen bei trockenem Wetter einmal pro Woche und zwei oder dreimal, wenn es viel regnet. Ein anderes Spray erhält man, wenn man 500 Gramm reifer Chili- Schoten in Scheiben schneidet, in einen mit Wasser gefüllten 5-Liter-Eimer gibt und dort fünf Tage verwesen lässt. Nach­dem die Zersetzung fortgeschritten ist, können Sie die Flüssigkeit abgießen und diese mit 30 Gramm Seife auf Kalium­basis versetzen, fertig ist das Pestizid.

Es ist wichtig, Seife auf Kaliumbasis zu verwenden und keine andere – Spülmittel zum Beispiel, jedoch keine Putzmittel – denn sonst wäre der Schaden größer als der Nutzen.

Um vom Boden aus operierende Schädlinge zu bekämpfen, können Sie auch einfach ein wenig Chili mit Mehl vermischen und am Fuße der Pflanze verstreuen, um den Möchtegern-Eindringling von dem Gewächs abzuhalten.

Wenn Sie Getreidefelder schützen wollen, so kann der Anbau von über das Feld verstreuten Chili-Stauden ein wirkungsvoller Schutz gegen Insekten, Pilze und Viren sein. In Ländern wie Mexiko wird Chili aber auch dafür verwendet, Insekten aus dem Haus fern zu halten, indem man aus dem schärfsten vor­handenen Chili eine Art Paste anfertigt und mit dieser die Kellerwände großzügig einstreicht. Craig Beyerinck

Wie man mit wenig Wasser die Hände wäscht

Eine so alltägliche Handlung wie das Händewaschen mag zwar nicht als das Wichtigste angesehen werden, um mit dem Wassersparen zu beginnen. Aber ein Anfang wäre es doch. Manchmal ist es sogar eine Notwendigkeit: Man muss beim Waschen der Hände schlicht deshalb sparen, weil das Wasser knapp ist – sei es in einer südlich der Sahara gelegenen Schule oder auch in Ihrem Garten, wo weit und breit kein Wasseranschluss in der Nähe ist.

Eine Möglichkeit, beim Hände­waschen im Freien Wasser zu sparen, bietet Ihnen ein „Tippy Tap“. Diese leicht herzustellende Erfindung spart Wasser, indem sie eine geringe Wassermenge sammelt und durch das Ziehen einer Schnur über die Hände gießt. Um ein „Tippy Tap“ zu basteln braucht man lediglich eine Plastikflasche mit Griff. Die Außenseite des hohlen Griffs der Plastikflasche erhitzten, als wolle man die beiden Seiten miteinander verschmelzen. Sobald das Plastik abgekühlt ist, durchsticht man die Außenseite mit einer Nadel, so dass ein klein wenig Wasser herausfließen kann.

./resolveuid/4e80a5fe7f883b8be23dd2bde90cc3de

Jetzt suchen Sie sich einen Baum aus, an den Sie das „Tippy Tap“ hängen möchten und befestigen die Flasche in der Mitte. Dies geht am einfachsten, indem man die Flasche in eine Tüte steckt oder indem man ein weiteres Loch anbringt, durch das man eine Schnur ziehen und am Baum befestigen kann.

Anschließend befestigen Sie mit einer weiteren Schnur ein Stück Seife an der Flasche (siehe Illustration unten). Um sich die Hände zu waschen, müssen Sie nun lediglich an der Seife ziehen. Dadurch neigt sich die Flasche zur Seite und der obere Teil des Griffs füllt sich mit Wasser, das sich dann umgehend über Ihre Hände ergießt. Craig Beyerinck

Wie man mit Essensresten eine Biogas-Anlage betreibt

Essensreste und organische Abfälle machen je nach Land 45 bis 80 Prozent des Hausmülls aus. Sie stinken in der Mülltonne, ziehen Fliegen an, wiegen schwer, nehmen viel Platz in Anspruch und sind unhygienisch, verringern den Energieausstoß von Müllverbrennungsanlagen und setzen Klimagase frei, wenn man sie auf den Kompost bringt. Und das, obwohl aus ihnen wertvolle Energie gewonnen werden kann: Bei der Vergärung organischer Abfälle setzen Bakterien Methan- oder Biogas frei so wie es auch im Verdauungstrakt von Rindern oder anderen Säugern und einigen Insekten passiert.

2003 entwickelte Anand Karve, Gründer des indischen Appropriate Rural Technology Institute ARTI eine kleine Biogas-Anlage für Menschen auf dem Land, die das Abfall-Management verbessert, Energiekosten senkt und die Zeit für das Sammeln von Brennstoffen minimiert sowie der Entwaldung entgegenwirkt.

Die Biogas-Anlage ist für den Freiluftbetrieb bestimmt und wird auf der Basis einer recht schlammigen Flüssigkeit betrieben, die aus etwa zwei Kilogramm stärke- oder zuckerhaltigem Rohmaterial pro Tag besteht (Essensresten, Küchenabfällen, überreifen Früchten, Mehl, verdorbenem Getreide, nicht zur Aussaat geeigneten Samen, ungenießbarem Obst, Wurzeln usw.). Damit können 500 Gramm Methan hergestellt werden, das ausreicht, um eine Mahlzeit für eine fünfköpfige Familie zuzubereiten.

./resolveuid/3bc8554c97cb78cfacccd7ce3f9050ac

Anders als herkömmliche, mit Dung betriebene Biogas-Anlagen, bei denen die im Futter enthaltenen Kalorien bereits von den Tieren selbst verwertet wurden, ist dieser Brei kalorienreich. Dadurch können die Bakterien mehr Methan produzieren. Wenn sich die Bioabfälle unter der warmen indischen Sonne zersetzen, entstehen dieselben Bedingungen wie in Tiermägen. So wird der Prozess verbessert, weil sowohl Biogas als auch flüssiger Kompost entsteht, der als Düngemittel sehr wertvoll ist.

Die Anlage selbst wird aus zwei Plastik- oder Metallfässern (ungefähr 1.000 und 750 Liter) hergestellt, die jeweils auf einer Seite geöffnet sind. Das eine Fass ist geringfügig schmaler und kleiner als das andere, damit sie wie ein Teleskop ineinander gestülpt werden können. Ein biegsamer Schlauch mit etwa drei bis vier Zentimetern Durchmesser und der ungefähren Länge eines der Fässer wird am Boden des größeren Fasses befestigt. Über das andere Ende des Schlauches wird ein Trichter gestülpt. Jenes Ende mit dem Trichter wird nur lose am oberen Rand des Fasses befestigt, so dass über den Schlauch zum einen Rohmaterial direkt auf den Boden des Fasses gefüllt und zum anderen der Container komplett entleert werden kann. Dann wird das kleinere Fass mit der Öffnung nach unten in dem großen Fass platziert. Baut man im oberen Teil des unteren Fasses einen Abfluss ein, kann man das flüssige Düngemittel zum Beispiel in einen Gemüsegarten umleiten. Während des Zersetzungsprozesses wird das produzierte Gas im oberen Fass aufgefangen, das umso weiter nach oben steigt, je mehr Gas gesammelt wird. Man sollte ein einfaches Gestell anbringen, damit das kleine Fass nicht so weit steigen kann, dass es aus dem großen herausspringt und das gewonnene Gas freisetzt.

Dann wird zwischen dem Fass und einem Gasherd eine Gasleitung installiert, idealerweise mit einer so­genannten Flammensperre, die mittels eines Wasserbehälters dafür sorgt, dass die Flammen den Gasbehälter nicht erreichen können. Den Gasbe­hälter kann man mit einem Backstein beschweren, damit der Druck konstant bleibt und die Gasplatte sollte man so einstellen, dass der Herd mit dem Methan/CO2-Gemisch zurecht kommt, welche die Anlage vermutlich erzeugen wird.

Als Anlasser für die Biogas-Anlage nehmen Sie am besten Kuhmist, welcher der Anlage die richtige Bakterienmischung gibt. Nach etwa zwei Tagen sollten Sie dann beobachten können, wie der Gasbehälter steigt. In Ländern mit gemäßigtem Klima, wie etwa Deutschland, ist es vermutlich notwendig, dass Sie den Gülle-Behälter zusätzlich isolieren. Vielleicht braucht es sogar eine zusätzliche (Solar-)Heizquelle, um die Temperatur während der kalten Monate zu halten – oder Sie benutzen ihn eben nur während der Sommermonate. Maud Châtelet

Wie man mit Samenbomben auf Brachen Artenvielfalt sät

Wer hat sich noch nie gewünscht, einen unpoetischen Rasen oder eine öffentliche Brachfläche in eine wilde Prärie zu verwandeln, in der die Blumen der jeweiligen Jahreszeit entsprechend gedeihen? Wer es schon einmal versucht hat, weiß, dass solche Versuche oft von wenig Erfolg gekrönt sind ...

Von den Vögeln verspeist oder der Sonne ausgetrocknet haben die kostbaren Pflänzchen gegen die Elemente oft nur sehr geringe Chancen. Samenbomben, eine von Fukuoka Masanobu in Japan entwickelte Methode, stellen eine Möglichkeit dar, deren Über­lebenschancen zu erhöhen: Die kleinen Kugeln werden hergestellt, indem man die Samen mit Kompost mischt und das Ganze mit einer schützenden Lehmschicht umgibt. So kann man verhindern, dass die Samen vom Wind davongetragen werden. Die Methode ist ideal, um eine große Fläche mit einheimischen (nicht mit fremden!) Samen einzusäen. Mit dem ersten Regen bricht die Kugel auseinander. Der Lehm fungiert als eine Art Wasserspeicher, welcher der Pflanze das Wachstum erleichtert. Der Kompost stellt der Pflanze zusätzliche Nährstoffe und Mykorrhizapilze zur Verfügung, die in dem Boden, in dem sie wachsen soll, vorkommen können oder auch nicht. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Bälle beim Werfen in Mulden rollen, in denen sich Wasser sammelt. Es ist wichtig, dass sich die Samen für das ausgewählte Terrain eignen, denn auch Samenbälle können keine Wunder vollbringen und Orchideen in einer Sandwüste wachsen lassen. Doch man sollte die Eigenschaften der Samen kennen, die man in die Samenbomben stecken will, denn einige sind hierfür völlig ungeeignet und gehen ein. Nach Auswurf der Bombe kann es durchaus eine Zeitlang – teils bis zu einer Saison – dauern, bis die Saat sprießt.

./resolveuid/5a3c5045e24a84bc6b55d1f43c70afc0

Samenbomben können aus fünf Teilen Lehm, drei Teilen organischem Kompost, einem Teil Wasser und einem Teil Samen hergestellt werden. Den Lehm kann man entweder aus einem trockenen Flussbett entnehmen oder in Puderform kaufen. Sie können Kompost aus ihrem Garten nehmen oder ihn beim Gärtner erwerben. Die Samen können alle gleich oder auch verschieden sein, wenn sie eine natürliche Artenvielfalt erzeugen wollen.

Die Herstellung der Bomben ist sehr einfach: Geben Sie Lehm, Samen und Kompost zusammen in einen Topf. Nachdem Sie die Bestandteile ein wenig vermischt haben, geben Sie soviel Wasser hinzu, bis eine dicke Paste entsteht. Aus dieser Paste formen Sie murmelgroße Bällchen und legen sie zum Trocknen in den Schatten. Sind sie getrocknet, brauchen Sie sie nur noch auf der Fläche verteilen, die sie wiederbepflanzen wollen. Es besteht keine Notwendigkeit, die Bomben einzugraben. Für beste Ergebnisse sollte das Gebiet nach Auswurf der Bomben eingezäunt werden, damit sie nicht von Tieren aufgefressen werden, bevor sie ihre volle Größe entfaltet haben.

Samenbomben machen auch Kindern großen Spaß und sind ein großer Segen, für kleine Gärten wie für große Brachen, die wieder begrünt werden sollen. Sofern die Samen in dem Boden gedeihen können, funktionieren Samenbomben in jedem Klima, vom Sumpfgebiet bis hin zur Wüste. Hat doch der Samen alles, was er braucht, um die ersten Tage zu überstehen, in denen er am verletzlichsten ist. Craig Beyerinck

Wie man mit Sonne kocht

Sie wollten schon immer mal eine Gemüsesuppe zum Picknick mitnehmen, doch die Umstände, die es macht, die heiße Flüssigkeit zu Ihrem Lieblingsplatz im Freien zu transportieren, ließen Sie bislang davor zurückschrecken? Hier kommt die Lösung: „Cookit“! Dieser einfache Solarkocher, der 1994 von dem französischen Wissenschaftler Roger Bernard entwickelt wurde, bedarf einzig einer mit Alufolie umwickelten Pappe (Autofahrer können auch den Sonnenschutz ihrer Windschutzscheibe wiederverwerten), eines schwarzen Kochtopfs mit einem schwarzen Deckel, 30 bis 60 cm steifen Drahts und einer jener hitzebeständigen Plastiktüten, um Spritzer zu vermeiden, wenn man etwa Hähnchen im Ofen brät, die größer sind als der Topf.

Wählen Sie einen sonnigen Tag aus. Schneiden Sie die Pappe zu und falten Sie sie (dem Plan gemäß), um eine Art flachen Trichter zu erhalten, der das Sonnenlicht sammelt und die Strahlen auf den Kochtopf richtet. Biegen Sie den Draht zu einem Gestell zurecht, auf dem der Topf sicher ungefähr fünf Zentimeter über dem Boden stehen kann.

./resolveuid/2a040bfe987396a1018e5c419620e667

Bereiten Sie Ihre Suppe nach Ihrem Lieblingsrezept zu, schließen Sie den Deckel und packen Sie den Topf in die Tüte. Knoten Sie diese zu oder verschließen Sie sie anderweitig und stellen Sie das Ganze dann auf das Drahtgestell, so dass der Papp-Reflektor darauf zeigt. Richten Sie den Solarkocher nach der Sonne aus und korrigieren Sie seinen Standort hin und wieder entsprechend dem veränderten Sonnenstand. Natürlich können Sie auch andere Gerichte zubereiten, die ansonsten in einem Dampfkochtopf erhitzt werden oder Sie können Wasser damit abkochen. Allein an wolkigen Tagen ist Vorsicht geboten: Die Temperatur könnte nicht ausreichen, um Fleisch oder Fisch zu garen.

Fangen Sie um zehn Uhr an, wenn Sie gegen zwölf Uhr fertig sein wollen und seien Sie vorsichtig, denn der Kocher wird wirklich heiß … Maud Châtelet

Alles Illustrationen von Maud Châtelet

Noch mehr praktisches Alltagswissen gibt es auf der .Howtopedia-Webseite

Übersetzung: Holger Hutt

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

13:00 15.07.2010

Ausgabe 42/2021

Hier finden Sie alle Inhalte der aktuellen Ausgabe

3 Ausgaben kostenlos lesen

Der Freitag ist eine Wochenzeitung, die für mutigen und unabhängigen Journalismus steht. Wir berichten über Politik, Kultur und Wirtschaft anders als die übrigen Medien. Überzeugen Sie sich selbst, und testen Sie den Freitag 3 Wochen kostenlos!

Kommentare 1