Kombinat Fortschritt
17.08.2012 | 11:30 147

Wir haben kein Mitleid

Gastbeitrag Die Autoren der Plattform Kombinat Fortschritt haben die Verbindung Nadja Drygallas zu einem Neo-Nazi öffentlich gemacht. Hier schreiben sie ihre Version der Geschichte

Es war uns klar, dass die Geschichte um die Beziehung von Nadja Drygalla, die wir Anfang August online stellten, Potenzial haben würde. Eine Olympionikin im Ruderachter, deren langjähriger Freund zu den führenden Neonazis in Mecklenburg-Vorpommern gehört, NPD-Direktkandidat für die Landtagswahlen und obendrein Kameradschaftsführer in beider Heimatstadt Rostock ist – dies würde, anders als die meisten der Berichte, die wir auf unserer Internetseite kombinat-fortschritt.com veröffentlichen, die überregionalen Medien interessieren.

Kombinat Fortschritt gab es zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem Jahr. Das erste Mal war unsere Berichterstattung vom Fernsehen Ende Februar aufgegriffen worden, als die „Nationalen Sozialisten Rostock“ gegen eine von ihnen als „Döner-Kundgebung“ diffamierte Gedenkveranstaltung im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel mobilmachten. Acht Jahre zuvor war hier am 25. Februar 2004 Mehmet Turgut mit drei Kopfschüssen ermordert worden. Turgut war das vierte Opfer der Mordserie der rechtsterroristische Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund“. An der Gedenkkundgebung nahmen etwa 120 Menschen teil. Wahrscheinlich wäre davon über die lokalen Medien hinaus kaum Notiz genommen worden, wenn nicht eine knapp 20-köpfige Gruppe von Rechtsextremen sie zu stürmen versucht hätte. Angeführt wurde der gewaltbereite Trupp von Michael Fischer, dem Lebensgefährten von Nadja Drygalla. Die Sendung Report Mainz verwendete die Bilder des vermummten und bewaffneten Mobs, die wir online gestellt hatten, als Einstieg für einen Beitrag über die kriminellen Neigungen und Gewaltaffinität der NPD.

Kombinat Fortschritt wird von einer Handvoll Personen betrieben, die den Kern der Redaktion ausmachen. Darüber hinaus arbeiten wir ad hoc mit weiteren Personen oder Gruppen zusammen, sofern bestimmte Anlässe eine journalistische Begleitung erstrebenswert machen. Außerdem nehmen wir Artikel entgegen, die uns über unser Kontaktformular, via Mail oder über informelle Bahnen erreichen. Zu Anfang ging es uns vor allem darum, über die Aktivitäten von Antifaschisten gegen den Landtagswahlkampf der NPD zu berichten. Das liegt nahe, denn die Redaktion betrachtet sich als ein Teil der linken Szene in Mecklenburg-Vorpommern. Bevor unsere Seite an den Start ging, benutzte diese vor allem Indymedia als Kanal. Indymedia oder genauer: das Independent Media Centre ist ein Portal, das vor mehr als zehn Jahren in den USA entstanden ist. Es ist ein früher Vertreter dessen, was heute Web 2.0 genannt wird: Publizieren ist einfach, Partizipation erwünscht. Das bietet Gruppierungen, die in den Mainstream-Medien in der Regel kaum gehört werden, die Möglichkeit, ihre Themen öffentlich zu machen, „den anderen Teil“ der Geschichte zu erzählen.

Wunsch nach Anonymität

Wie so etwas konkret aussieht, zeigt ein Ereignis im Juli 2011. Die Kampagne „Wake Up, Stand Up – Keine Stimme den Nazis in MV“ führte unter anderem Stadtteilspaziergänge durch. Größere Gruppen von linksgerichteten Jugendlichen hatten sich verabredet, in verschiedenen Städten Flyer gegen die NPD zu verteilen. In Toitenwinkel wurden sie von drei Neonazis mit Pfefferspray angegriffen. In den Lokalmedien hieß es zunächst, Vermummte hätten Passanten gejagt. Erst nach Berichten auf Indymedia, die mit Fotos von dem Vorfall belegt wurden, änderte sich die Darstellung der Geschichte: Die vermeintlichen Passanten wurden nun auch in den lokalen Medien als angreifende Neonazis beschrieben.

Medienaktivismus von links gab es in Mecklenburg-Vorpommern also bereits vor dem Start von Kombinat Fortschritt. Er reduzierte sich jedoch darauf, Pressemitteilungen zu erstellen und gelegentlich Artikel auf Indymedia zu posten. Eine kontinuierliche, zentral koordinierte Berichterstattung gibt es erst seither – ebenso einen Ort, an dem grundsätzliche Fragen unseres Engagements diskutiert werden können. Diesen selbstgesteckten Anspruch können wir jedoch noch längst nicht einlösen. Für unsere Arbeit gibt es noch viele weiße Flecken, unsere Mittel reichen bei Weitem nicht aus, um mit unserer Berichterstattung tatsächlich das gesamte Bundesland abdecken zu können, denn natürlich werden wir nicht entlohnt, bekommen keine Spenden, sondern tun all dies nur in unserer Freizeit. Dazu kommt, dass die linke Szene zu den Medien ein ambivalentes Verhältnis hat: Auf der einen Seite steht die Einsicht, dass ohne öffentliche Aufmerksamkeit keine Politik möglich ist, auf der anderen der Wunsch nach Anonymität.

Dass wir bei unserer Medienarbeit nicht unter bürgerlichen Namen agieren, hat zwei Gründe. Zuerst geht es um den Schutz vor Angriffen von Neonazis. Hetze in den Kommentaren ist keine Seltenheit. Erst am Wochenende wurden Molotow-Cocktails gegen ein alternatives Haus in Rostock geworfen, gegen das in rechten Foren wie MupInfo oder NSRostock immer wieder Stimmung gemacht wurde. Das zeigt die konkrete Bedrohungssituation, aus der heraus wir agieren. Darüber hinaus geht es aber auch darum, dem Interesse staatlicher Sicherheitsorgane vorzubeugen, die nach der sogenannten „Extremismustheorie“, antifaschistische Aktivitäten zu kriminalisieren suchen.

Indem wir als eigenständiges Medium auftreten, stellen wir eine Gegenöffentlichkeit dar, wenn in den Mainstream-Medien falsch oder verzerrend berichtet wird. Mitteilungen der Polizei werden dort oft mangels eigener Augenzeugenschaft ungeprüft übernommen. Wenn unsere abweichende Darstellung überzeugend ist, wie im Fall Drygalla, wird sie Teil der großen Öffentlichkeit. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir trotz aller Parteilichkeit keine Propaganda betreiben können, wenn wir als ernsthafter und verlässlicher Akteur wahrgenommen werden wollen. Auch wenn unsere Redaktionssitzungen nicht öffentlich sind und wir nicht mit professionell arbeitenden Journalisten zu vergleichen sind, gibt dies unserer Arbeit ein gewisses Maß an Legitimität, auch nach Innen in die eigene Szene hinein.

Der Artikel über die Verbindungen von Nadja Drygalla zur gewaltsuchenden Neonazi-Szene in Mecklenburg-Vorpommern verschaffte unserer Seite binnen von drei Tagen 54.000 Besucher. Die breite Berichterstattung, die er nach sich zog, war jedoch nicht nur angenehm. Zur Liaison zwischen Drygalla und Fischer gab es im März 2011 erste Berichte aus dem antifaschistischen Spektrum. Zum September des gleichen Jahres löste Drygalla ihr Dienstverhältnis bei der Landespolizei auf, wo sie als Polizeianwärterin und in der Sportfördergruppe beschäftigt war. Ein Umstand, der Kombinat Fortschritt jedoch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels wie anderen Medien unbekannt war. An solchen Fehlern, die wir auf der Seite umgehend korrigiert haben, kann man unsere begrenzten Mittel zur journalistischen Recherche erkennen.

Verzögertes Echo

Für uns stand Michael Fischer im Fokus der Beobachtung, was bedeutete, seine Aktivitäten im Netz zu verfolgen. Dass er auf seinem Facebook-Profil „Fail Better Photography“, wo er Frauen im rechten Szenelook porträtierte, auch Fotos seiner Lebensgefährtin einstellte, war hinlänglich bekannt. In unseren Artikeln werden solche Informationen dann zusammengetragen. Dass dies im Fall von Nadja Drygalla erst nach dem Ausscheiden des Frauenachters geschah, war Zufall. Die Redaktion war in andere Projekte involviert, das Abschneiden von Drygalla in London interessierte uns nicht sonderlich. Anders als der Umstand, dass auch Fischer sich in England aufhielt. Das Echo auf den Artikel erfolgte dann mit einer gewissen Verzögerung.

Dabei reduzierte sich Berichterstattung relativ schnell auf die verharmlosende Formel „Drygalla mit NPD-Kandidat liiert“. Als sich die Ruderin vom rechtsextremen Gedankengut distanzierte, sprangen viele Journalisten und Politiker der jungen Frau zur Seite. So wurde darauf hingewiesen, sie habe sich nichts zu Schulden kommen lassen, eine Verfolgung wegen ihres Freundes sei ein Fall von Gesinnungsschnüffelei oder gar Sippenhaft. Gerne bemüht wurde der Vergleich mit der DDR. Für uns zeigt sich hier doppelte Geschichtsvergessenheit: So unangenehm die Nachrichten für Frau Drygalla sein mögen, ging es uns nicht darum, einen Menschen durch geballte Anwendung aller staatlichen Exekutivmaßnahmen auf Linie zu bringen. Und auch der Begriff „Sippenhaft“, der in der NS-Zeit geprägt wurde, ist fehl am Platz. Im Fall von Nadja Drygalla ging es um den Entzug von Privilegien, nicht um die Aufkündigung ihrer bürgerlichen Rechte.

Wer nun einwendet, dass die Beziehungen zu einem Verfassungsfeind kein Kriterium für das Versagen staatlicher Zuschüsse sein darf, der sei an die so genannte Extremismusklausel erinnert. Vereine, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, werden genötigt, eine Erklärung zu unterschreiben, die eine Zusammenarbeit mit Extremisten ausschließt. Worunter die Linkspartei fallen könnte. Insofern ist es heuchlerisch, wenn sich Bundesinnenminister Friedrich (CSU) gegen „Gesinnungschnüffelei“ im Sport ausspricht, während diese in anderen Bereichen Praxis ist.

Auch muss man sich vor Augen halten, welche Folgen Toleranz gegenüber nationalsozialistischem Gedankengut hat: Mecklenburg-Vorpommern ist das zweite Bundesland, in dem die NPD im Landtag sitzt. Rechts oder Nazi zu sein, ist, gerade bei jungen Erwachsenen, in einigen Gegenden die Regel, nicht die Ausnahme. In Umfragen sagen 20 Prozent der Wahlbevölkerung, die NPD sei eine ganz normale Partei. In diesem Klima auf rechtsextremistische Umtriebe hinzuweisen, bedeutet Nestbeschmutzer zu sein. Sei es in der idyllischen Dorfgemeinschaft oder im Sportverein.

Nadja Drygalla wusste, in welchem Umfeld sie auf Bildern posiert, sie wusste, dass ihr Freund, wenn er nicht sie fotografiert, seine politischen Feinde ablichtet, um ihnen zu drohen. Wir wurden in den vergangenen Tagen von konservativen Medien häufig gefragt, ob wir das Schicksal von Nadja Drygalla nicht bedauern, ob wir Fehler gemacht haben. Wir haben kein Mitleid mit Nadja Drygalla.

Kombinat Fortschritt publiziert im Netz unter kombinat-fortschritt.com

Kommentare (147)

poor on ruhr 17.08.2012 | 13:58

Liebes Kombinat Fortschritt,

danke für das Blog. Ihre Darstellung ist schlüssig. Der Schutz des Inneministers , in dem Sinne, dass er sich vor seine Sportlerin stellt, kam mir auch heuchlerisch vor. "Nachtijall, ich hör Dir trapsen" würde wohl der Berliner oder die Berlinerin dazu sagen. Bei links ist da alles erlaubt und bei rechts werden dann die menschlichen Aspekte seitens der staatlichen Sicherheit entdeckt.

Liebe Grüße

por

luddisback 17.08.2012 | 16:13

ich danke für den beitrag, fand ihn interessant und aufschlußreich.

dazu jedoch:

"Wer nun einwendet, dass die Beziehungen zu einem Verfassungsfeind kein Kriterium für das Versagen staatlicher Zuschüsse sein darf, der sei an die so genannte Extremismusklausel erinnert. Vereine, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, werden genötigt, eine Erklärung zu unterschreiben, die eine Zusammenarbeit mit Extremisten ausschließt. Worunter die Linkspartei fallen könnte. Insofern ist es heuchlerisch, wenn sich Bundesinnenminister Friedrich (CSU) gegen „Gesinnungschnüffelei“ im Sport ausspricht, während diese in anderen Bereichen Praxis ist."

... habe ich eine ganz andere meinung. nur weil die regierung mit der extremismusklausel praktisch zu denunziation und gesinnungsschnüffelei verpflichten will, ändert das doch nichts an meiner grundsätzlichen ablehnung des konservativen leitkulturverständnisses, und es ändert nichts an demokratischen grundwerten, die in dunklen zeiten eben auch gegen die regierung hochgehalten werden müssen.

wwalkie 17.08.2012 | 16:52

So wichtig der Kampf gegen die Nazis ist, den ihr führt - umso mehr als die staatlichen Stellen, ob geheim oder ungeheim, versagen, so unangemssen finde ich den letzten Satz: Wir haben kein Mitleid mit Nadja Drygalla.

"Man muss die Mechanismen erkennen, die die Menschen so machen, dass sie solcher Taten fähig werden...," schrieb Adorno und fuhr fort: "muss ihnen selber diese Mechanismen aufzeigen..." Ihr gebt einen Menschen einfach auf ("kein Mitleid"), ja in eurer Aussage steckt etwas Autoritäres, etwas "Unbedingtes", sehr Deutsches.

Hans Springstein 17.08.2012 | 16:57

Ein letzter Nachtrag zum Thema: den herrschenden hierzulande machen die Linken schon immer mehr Sorgen und Angst als die Rechten, als Neonazis und alte Faschisten. Die Linken bedorhen potenziell das System, die Rechtsextremen und Nazis nur Menschen.

Eine Kostprobe (von vielen) gab 2004 der damalige BDI-Chef Michael Rogowski, der in einem Interview mit der Chemnitzer Freien Presse warnte, "das Phänomen Rechtsextremismus überzubewerten". Ihm machte damals die PDS mehr Angst, weil "die nichts anderes als Nein sagt". Rogowski ist nicht mehr im BDI-Amt, das Denken ist geblieben, weil es vorher auch schon da war.

Uschlef 17.08.2012 | 17:13

Die gute Frau Drygalla ist bestimmt auch so ein politisch völlig neutraler Mensch mit gesunder Rechter Meinung wie es sie im Osten der Republik sehr viele gibt.

Das was ihr Freund da macht entspricht bestimmt nicht ihrem demokratischen selbstverständnis aber irgendwie kann man damit ja doch sympathisieren und die tun doch auch keinem was ausser diesen Zecken und den paar Ausländern die hier eh nicht her gehören...

also nein kein Mitleid mit dieser Person sie hatte fünf Jahre Zeit zu bemerken und hat es sicher bemekrt neben was sie da Morgen für Morgen aufwacht. Der olympische Grundgedanke (bei aller berechtigter Kritik an den Olympischenspielen) steht einem Nationalsozialistisch Gedankengut eben diametral gegenüber.... von daher hat das nichts mit Sippenhaft sondern mit Konsequenz zutun

@ Fritz Teich

also ist Verein A der sich für das friedliche Miteinander von Menschen ohne Ausgrenzung oder Diskriminierung einsetzt und dabei Verein B dessen Ideologie eigentlich nur darauf aufbaut Menschen auszugrenzen, zu diskriminieren oder direkt zu vernichten mit einander vergleichbar weil die jetzt jemand seine Sportförderung verliert ? Das ist für sie wirklich vergleichbar mit den werfen von Brandsätzen auf Jugendclubs oder andere tätliche Handlungen bis hin zum zusammenschlagen in der eigenen Wohnung ? Ernsthaft ?!? Da sehen sie keinen Unterschied ?!?

Wenn sie sich nun berechtig Fragen was das mit Frau Drygalla zutun hat hier die Antwort:

Sie wusste was ihr Freund da macht, es sei denn die beiden haben noch nie ein Wort miteinander gewechselt und wofür er sich einsetzt und das Paar hat offentlich auch das Risiko für die Karriere Drygallas gesehen sonst wäre der Herr Fischer sicher nicht noch im Mai aus der Npd ausgetreten ...so zufällig kurz vor der Olympiade infolge dessen hat sie diesen "Watschen" denn mehr ist es defacto nicht verdient ...vielleicht beginnt ja für Frau Drygalla nun mal eine Phase der reflektion über sich und ihr Umfeld und ob das wirklich so unbedenklich ist aber vielleicht sind auch nur wieder die Linken schuld.....

oder anders gefragt lieber Fritz Teich wo liegt denn für sie die arumentatorische mitte zwischen Nationalensozialismus und einer libertär, Egalitären Gesellschaft ? Muss dann jeder mal im periodischen Wechsel die diskriminierte Minderheit sein ?

Columbus 17.08.2012 | 18:07

Ich kann ihrem Statement nur voll und ganz zustimmen. Der letzte Satz, der so völlig überflüssig im Bezug auf die mitgeteilten Inhalte ist, entwertet, was das "Kombinat Fortschritt" durchaus richtig macht in Sachen Aufklärung zu Rechtsradikalismus und rechter Gewalt.

Ohne Mitleid agieren, keine Gnade kennen, das sind so Sprüche die doch grübeln lassen was passierte, hätte das "Kombinat Fortschritt" noch ganz andere Ziele und betätigten sich die Denker und Lenker dieses Kombinats mit mehr Einfluss. Ein wenig Fantasie genügt.

Leider ist der blöde Satz auch schon gedankenlos gedruckt worden. Hat einer von der Redaktion zurück gefragt, ob das wirklich so gemeint war und daher stehen bleiben musste, um konsequent auszudrücken, welch´ klaren Kurs das "Kombinat" segelt? Hier, Online, könnte man ihn ja zurück nehmen, den vermaledeiten Satz.

Beste Grüße

Christoph Leusch

Meyko 17.08.2012 | 18:41

"Hat einer von der Redaktion zurück gefragt, ob das wirklich so gemeint war und daher stehen bleiben musste, um konsequent auszudrücken, welch´ klaren Kurs das "Kombinat" segelt?"

Mir fällt das Folgende dazu ein:

Je nach dem, wo man grad bewertungsmäßig unterwegs ist, gibt es mindestens zwei etwas unterschiedliche, menschliche Sichtweisen bzw. Bewertungen beim Thema Mitleid:

-Wir haben kein Mitleid, kennen keine Gnade und machen keine Gefangenen!

Ist die eine Lesart. (Bedeutet im Extremfall: Wir machen gnadenlos Alles nieder!)

-Wir haben kein Mitleid und nehmen nichts von dem Gesagten zurück.

Wäre eine etwas weichere Lesart. (Will heißen: Kein Mitleid mit denen, die einmal an die "Richtigen" geraten sind und denen Paroli geboten wurde oder mit den "gefühlt" zu Recht gescheiterten, Verurteilten….)

miauxx 17.08.2012 | 19:15

Durch den hier kritisierten letzten Satz wird in meinen Augen die Arbeit des "Kombinats" nicht "entwertet". Man muss sich schon entscheiden: Entweder findet man die Arbeit dieser Leute gut oder nicht. Letzterer Fall ist dabei noch nicht als Verharmlosung des Rechtsextremismus einzuschätzen; man kann aber durchaus die Wahl der Mittel des "Kombinats" nicht gutheißen. Wenn man aber das, was das "Kombinat" eigentlich macht, als "durchaus richtig" ansieht, so folgt zwangsläufig ein Einverständnis damit, dass rechte, v.a. rechtsextreme, Strukturen und Bewegungen weiter sichtbar gemacht werden. Und es ist doch nun nicht so, dass gefordert würde, Drygalla auf irgendeine Abschußliste zu setzen. Jedoch: Bei der offensichtlichen Blindheit für bzw. bisweilen schon unverhohlenen Verharmlosung rechtsextremer Umtriebe seitens der Behörden und v.a. Lokalpolitiker, ist die Arbeit von Leuten wie eben dem "Kombinat" in meinen Augen nicht hoch genug einzuschätzen. "Kein Mitleid" mit Drygalla zu haben, verstehe ich in erster Linie nun so, dass sie sich jetzt einer Situation stellen muss, die "erfolgreich" jahrelang unter den Teppich gekehrt wurde. Denn die Gesellschaft sowie freilich ihre vollziehenden Organe müssen sich entscheiden, ob sie einen konsequenten Kampf gegen Rechtextremismus führen wollen oder nicht und dann eben aus Angst vor Kratzern im Image, etwa einer Region, die wesentlich auf Tourismus setzt, sich lieber ausschweigt und vertuscht. Es gilt nicht immer nur zu heilen, sondern vorzubeugen. Zumal von "heilen" auch kaum die Rede sein kann, wenn es erst Todesopfer gibt, Progrome stattfinden, Personen mit einer persönlichen Nähe zu Neonazis im Polizeidienst sind oder sich Vereine und ganze Gemeinden einem rechtsextremen Mainstream ergeben. All' das hatten und haben wir im Deutschland dieser Tage. "Aufstände der Anständigen", die mit Kerzen in zwei Kilometer von der Nazi-Demo entfernt Händchen halten, reichen, leider, nicht aus.

lrgendwer 17.08.2012 | 20:10

Sicherlich bedauern einige hier, dass sie Eva Braun nicht mehr kennenlernen und mit ihr eine Tasse Tee trinken konnten. Die hat doch auch nur immer so schöne harmlose Filmchen von ihrem Adolf gedreht und sich überhaupt nicht um Politik gekümmert. Sicherlich hätte sie auch nicht bestätigen können, dass er zu andern böse gewesen wäre - zu ihr sei er immer nett gewesen. Was wäre Deutschland ohne seine Bedenkenträger - der alternde Cohn-Bendit hat's ja auch schon gewußt, vielleicht möchte sich Claudia Roth noch schnell empören. Und Pussy Riot hätten halt nicht so übertreiben sollen. Gell? Linke Lampenputzer hat schon Erich Mühsam durchschaut ...

wwalkie 17.08.2012 | 20:15

Denn die Gesellschaft sowie freilich ihre vollziehenden Organe müssen sich entscheiden, ob sie einen konsequenten Kampf gegen Rechtextremismus führen wollen oder nicht.

Das, lieber miauxx, wird die Gesellschaft nicht tun, weil sie die Quelle des Faschismus ist, in der softig-sarrazinischen und in der Hardcore-Version. Und die Exekutive wird weiterhin postulieren, weder auf dem "linken" noch auf dem "rechten Auge" blind sein, dabei aber mit dem rechten Auge blinzeln. Zumal sie jetzt auch über den Ausnahmezustand entscheiden darf. Das heißt in historischer Perspektive: Verfolgung harmloser linker und Tolerierung faschistischer Positionen und Aktionen. Das regt die Autoren zu Recht auf.

Was mich wiederum aufregt, ist, dass sie in ihrem Zorn humanistische Positionen aufgeben ("kein Mitleid"). Ich muss hier wohl nicht Brecht, Bloch und die Frankfurter zitieren, um zu zeigen, dass dies keine linke Position ist, sondern eine polizeiliche, eine autoritäre, eine gnadenlose, eine lieblose.

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 21:22

Ich schliesse mich @ WWALKIE und Herrn Leusch an!!

Ich gehe sogar noch so weit und behaupte, weil real erlebt! das in angeblich Linken Bündnissen so einige Neue Rechte sich tummeln. Solche Bündnisse agieren meißt im Auftrag der Landesregierung bzw sind mit ihr vereint, was die Strategie und Politik angeht. Es ist nur pure Heuchelei. Diese Linken sind meißt genauso autoritär wie die Rechten es ebenfalls sind!! Was sich zwischen Rechts und Links abspielt, ist nichts weiter als ein purer Machtkampf wie in der Politik auch! Ich habe genug mit einem angeblich linken Aktionsbündnis erlebt. Einem Bündnis, dass auch nur seine Meinung gelten ließ, überhaupt NICHT DEMOKRATISCH war, sondern autoritär und nur seine Interessen, teils sogar wirtschaftlicher Natur, wahrnehmen wollte. Da erfolgte genauso eine ideologische Gehirnwäsche wie bei den Rechten. Und wenn ich etwas dagegen sagte, ich nach Lösungen und Kompromissen suchte, Verständnis für alle Seiten forderte, wurde ich abgewürgt und kalt liegen gelassen.

Das ganze ist für mich auch alles nur Theater und wahrscheinlich ebenfalls inszeniert! Da Machtkämpfe eben keine Probleme wirklich lösen.

Bei uns gibt es ein angeblich linken Verein, wo der Macher ziemlich autoritär daher kommt. Er ist sehr intelligent und hat dem VS schon öfter die Stirn geboten. Leider konnte ich mit diesem jungen Mann nicht wirklich demokratisch diskutieren! Ihm geht es NUR UM MACHT! Und ich bin überzeugt, dass er sogar die Rechten provoziert, genauso wie die Rechten die Linken provozieren. Alle beide nehmen sich nicht wirklich viel. In dem Verein werden genauso die Jugendlichen ideologisch gehirngewaschen. Und einen Einblick von ausserhalb wird auch immer oft anderen verwehrt.

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 21:27

Ja @Wwalkie...ich gebe Ihnen in ALLEM vollkommen recht!! Mit Humanismus hat dies überhaupt nichts merh zu tun!! Und das ist meiner Meinung nach auch so vom Staat gewollt. Immer schön Hass und Angst verbreiten. Damit sich ja die Menschen NICHT SOLIDARISIEREN und gemeinsam gegen Ungerechtigkeiten auftreten. In Hierarchien war das schön immer so!!! Nur so kann die Elite in aller Ruhe ihre Macht ausleben, die Menschen ausbeuten und sich ihrem eigenen schönen Leben frönen!

Die Psychologen bestätigten dies sogar einmal! Erst schafft der Staat die Probleme um sich dann als Retter hin zu stellen. So kann man natürlich auch an der Macht bleiben und punkten.

m.chose 17.08.2012 | 21:47

es ist für mich schon erstaunlich, was hier von einigen so "abgesondert" wird. ich frage mich: revoluzerdiletanten, in welchen partisanenbüchern habt ihr das gelesen? wenn ihr in den spiegel schaut, seht ihr aus wie menschen, aber das ist dann auch alles was euch mit diesem begriff verbindet. an welchem emotionalen punkt unterscheidet ihr euch von den anderen?liebes kombinat fortschritt, alles war in eurer erklärung schlüssig, wichtig und aufschlussreich. ich denke aber, mit dem letzten satz habt ihr eure erklärung und euch selbst entwertet. es hätte ein grosser wurf werden können, leider habt ihr nur euer auge getroffen. schade, andere werden frohlocken.

thinktankgirl 17.08.2012 | 21:56

Columbus17.08.2012 20:39@thinktankgirl

Hey, Thinktankgirl und auch Miauxx. Frau Drygalla, ruderte die rechtsextrem, und blieb deshalb der deutsche Frauenachter hinter den Erwartungen zurück? - Sie hat sich öffentlich und glaubwürdig von rechtsextremen Taten und Haltungen distanziert. Oder stimmt das auch nicht?

Beste Grüße

Christoph Leusch

Hallo Christoph,

zuerst habe ich mich auch gegen diese Sippenhaftung ausgesprochen.

Anderseits, ich könnte NIE mit jemanden WIRKLICH befreundet/liiert sein, der rassistisch ist.

D.h.: ich muß Stellung nehmen, wenn meine Freunde sich rassistisch äussern. Sage ich nichts, bedeutet es, daß ich damit irgendwie einverstanden bin.

Dann gibt es eine Grauzone von Bekannten, die ich schätze, aber denen ich nicht wirklich nahe bin, weil sie mehr oder weniger rassistische Ansichten haben. Diese Menschen sind wirkliche Freunde (zuverlässig, ehrlich, verlässlich, etc. ). Ich bringe Argumente, um ihre Überzeugungen zu untergraben. Nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein ;-)

Aber ich würde niemals mit jemanden ins Bett gehen oder eine intime Freundschaft haben, der Nazi-Ideen hat. Das gäbe Streit. Wie soll ich mein Leben mit jemanden teilen, der andere für lebensunwert hält, dessen Freunde Schwule/Linke/etc. klatschen gehen. Das ist einfach nicht möglich.

Wenn es nur um merkwürdige Ansichten ginge, die niemanden schaden, wäre es nicht der Rede wert.

Aber diese Ansichten haben 180 Menschen das Leben gekostet und wir wissen nicht wieviele Tausende verletzt wurden.

Deshalb muss Frau Drygalla sich den Pranger gefallen lassen.

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 22:30

@KOMBINAT FORTSCHRITT17.08.2012 | 11:30

Um es direkt vorweg zu sagen, ich finde euch zum Kotzen!

Ihr betreibt üble Nachrede, Rufmord und eine unsägliche Hetzjagd gegen die Sportlerin Nadja Drygalla und brüstet euch auch noch damit, dass ihr das Leben der Frau zerstört habt.

Lest mal ganz genau das Grundgesetz, die Landesverfassungen, das Strafgesetzbuch und das Bürgerliche Gesetzbuch.

Leider gibt es bis jetzt noch keine Staatsanwaltschaft, die gegen euch ermittelt, euch an das Licht der Öffentlichkeit zerrt und euch zur Verantwortung zieht, indem sie euch vor ein Gericht bringt. Ob man euch damit zur Vernunft bringt, ist zu bezweifeln. Wer mit solch einer inhumanen Selbstgerechtigkeit einen terroristischen Feldzug gegen eine Bürgerin veranstaltet, gleicht darin der Mörderbande, die sich selbst RAF nannte.

Wer, wie Ihr, in einem Rechtsstaat illegitime Methoden für sich als legitim in Anspruch nimmt, stellt sich über alle Gesetze.

Wer seid Ihr Großkotze eigentlich!

Antifaschisten seid Ihr nicht.

Denn Eure Methoden sind nur leider denen der Stasi und der Nazis allzu ähnlich.

In der Bundesrepublik ist man schon vielen rechtsextremen Gruppen Herr geworden, mit rechtsstaatlichen und demokratischen Mitteln.

Und die NPD ist sogar fast in den Bundestag gekommen. Auch das hat unsere Demokratie ausgehalten und überlebt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nationaldemokratische_Partei_Deutschlands

Und all das hat natürlich mit der Sportlerin nichts zu tun. Denn nicht sie ist in der NPD. Von anderen von euch intendierten Implikationen ganz zu schweigen.

Und nur mal so ganz nebenbei: der Begriff "Verfassungsfeind" ist von rechtskonservativen-rückschrittlichen und antidemokratischen Kräften als politischer Kampfbegriff gegen demokratische Bürgerbewegungen erfunden und verwendet worden, bis in die Gegenwart. Unser Grundgesetz kennt diesen Begriff aus weiser politischer Überlegung nicht. Entweder etwas (z.B. eine Partei oder Gruppe) ist durch das Verfassungsgericht als verfassungswidrig beurteilt worden oder eben nicht.

thinktankgirl 17.08.2012 | 22:30

Erich Mühsam (1934 in nationalsozialistischer Schutzhaft in Oranienburg verstorben)

War einmal ein Revoluzzer,

im Zivilstand Lampenputzer;

ging im Revoluzzerschritt

mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: «Ich revolüzze!»

Und die Revoluzzermütze

schob er auf das linke Ohr,

kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten

mitten in der Strassen

Mitten,wo er sonsten unverdrutzt

alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen

rupfte man die Gaslaternen

aus dem Strassenpflaster aus,

zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer

schrie: «Ich bin der Lampenputzer

dieses guten Leuchtelichts.

Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn' das Licht ausdrehen,kann kein Bürger nichts mehr sehen.Lasst die Lampen stehn, ich bitt! –Denn sonst spiel ich nicht mehr mit.»

Doch die Revoluzzer lachten,und die Gaslaternen krachten,und der Lampenputzer schlich

fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben

und hat dort ein Buch geschrieben:

nämlich, wie man revoluzzt

und dabei doch Lampen putzt.

h.yuren 17.08.2012 | 23:13

liebe jungs vom kombinat,

es liest sich gut, was ihr schreibt, und es ist wichtig, was ihr tut. gäbe es doch mehr von diesen jungs in dieser rückwärtsrepublik.

vergesst die kritikaster, die euch am zeug flicken wollen. der satz, der euch zur last gelegt wird, ist ein überflüssiger satz, ein pleonasmus, denn hättet ihr die frau so bemitleidet wie so mancher rechte politiker und journalist, hättet ihr euch nicht angestrengt, sie an den pranger zu stellen.

und den pranger hat sie verdient. natürlich nicht bei unsern frommen von rechts. die aber haben schwierigkeiten, wahn und gewalt als das zu erkennen, was sie sind.

wenn ich lese, dass es sowas wie "NSRostock" gibt in diesem land, und die sogenannten sicherheitsorgane und die wachschlafenden journalisten finden nichts dabei. wer sowas schreibt und sagt und ihm folgt als mitglied oder sympathisant hat ja noch keine straftat begangen. nein, noch lange nicht. und wenn diese nachbeter der altnazis eine straftat auf dem kerbholz haben, muss man das beweisen. und wer macht das? die polizei nicht, die schlapphüte nicht, die richter nicht...

es ist großartig, was ihr getan habt. macht so weiter. und viel erfolg dabei.

Uschlef 17.08.2012 | 23:23

Nochmal: Frau Drygallas leben ist nicht versaut da ihr weder die Bürgerrechte aber kannt werden noch sonst eine Strafverfolgung eingeleitet wird. Ihr wurde ledeglich Sportförderung, also Privilegien, gestrichen.

Die Ausbildung zur Polizistin hat sie aus eigenen Initative abgebrochen also wenn das ergreifen eines Berufes Indikator für ein nicht versautes Leben sein soll hat sie das wenn dann selbst verschuldet.

Ich verstehe wirklich nicht wieso hier für Menschen die ein großteil der hießigen Foristen aufgrund ihrer politischen Gesinnung nur erniedrigen, schikanieren oder schlimmeres antun würden so in die presche zu springen und den Toleranzbegriff bis zur absoluten Wehrlosigkei gegenüber rechtsaussen auszudehnen. Der Frau hat aus einen Image und Ego schaden keinerlei echte Strafe erlitten und auch nicht verdient um ihr mal den subtielen Vorwurf der Rache lust entgegenzutreten.

Frau Drygalla muss mindestens mit dem in der NPD gängigen Gedankengut sympathisieren denn sonst erträgt man diesen braunen schmutz keine fünf Jahre im nächsten Umfeld.

Und das eine Gesellschafft die sich pluarlistisch nennt eben keine NS- Sympathisantin als repräsentatin haben möchte ist wohl auch ein legitimes anliegen.

miauxx 17.08.2012 | 23:55

"Hey, Thinktankgirl und auch Miauxx. Frau Drygalla, ruderte die rechtsextrem, und blieb deshalb der deutsche Frauenachter hinter den Erwartungen zurück? - Sie hat sich öffentlich und glaubwürdig von rechtsextremen Taten und Haltungen distanziert. Oder stimmt das auch nicht?"

Ihre erste Frage, das werden Sie wissen, banalisiert die Dimension einer durchaus wahrscheinlichen Nähe Drygallas zum Rechtsextremismus. Und zu Ihrem folgenden Satz: Freilich soll es das nun nicht gewesen sein für Fr. Drygalla. Es brächte gar nichts, wenn sie nun ein Bauernopfer sein soll, alles wäre gut, wir haben ja ein Auge auf rechtsextreme Umtriebe und haben uns wieder alle lieb. Das Problem ist struktureller Natur. Ansonsten hat ttg alles gesagt: Drygalla musste sich das gefallen lassen.

miauxx 18.08.2012 | 00:03

"zuerst habe ich mich auch gegen diese Sippenhaftung ausgesprochen."

Mit Sippenhaft hat der Fall Drygalla ja auch nichts zu tun. Seine Sippe kann man sich nichts aussuchen. Sie aber hat sich entschieden für eine Partnerschaft mit und ja wohl Liebe zu einem umtriebigen Neonazi. Im "besten Falle" konnte sie irgendwie über das Tun ihres Partners hinwegsehen; gerade so wie ein devotes Heimchen. Wahrscheinlicher ist wohl aber doch eine weitestgehende Einigkeit mit der "politischen Linie" und kriminellen Energie ihres Partners.

Columbus 18.08.2012 | 00:50

Absolut, Thinktankgirl, mir wäre das auch wichtig. Ich könnte auch nicht mit einer Frau zusammen sein, die am anderen Tag "Ausländer raus" brüllt, Hetzartikel schreibt und unter Umständen irgendwas oder irgendwen abflämmt. Aber das Leben lehrt auch, es gibt genau das in Beziehungen.

Mir persönlich genügt erst einmal die erfolgte öffentliche und persönliche Stellungnahme der Sportlerin. Frau Drygalla war zwar Pro forma bei der Polizei und zukünftig ist sie so auch bei der Förderkompanie der BW, aber ganz grundsätzlich ist sie wohl einfach nur Leistungssportlerin im A-Kader. Bei uns gibt es für Ruderinnen wenig Chancen, ohne diese staatliche Förderung Spitzensport zu betreiben.

Ich stelle da, wie gesagt, keine hohen Ansprüche, solange sich Frau D. klar erklärt und sich nicht an Dingen beteiligt, die unwürdig oder gar gewalttätig sind. Ihr Freund ist ein anderes Kaliber, er hat oder hatte böse Absichten. Die kann man vorstellen und an den Pranger stellen.

Es ist schon ein humaner Gewinn, wenn wir nicht verlangen, Leute müssten sich, wiewohl es uns gefiele, von ihren Partnern (Verwandten, Freunden) distanzieren, nur weil die Verbrecher sind, sich radikalisiert haben oder unseren Staat zerstören wollen, bzw. ihren Fremdenhass ausleben. - Ich finde, es geht darum, auch in der Sprache nicht die Rechtsradikalen zu spiegeln. Die deuten das vor ihren Anhängern und Leuten die durchaus beeinflussbar sind so aus, dass es nur eine Frage der Machtverhältnisse wäre und ihre Gegner befleißigten sich der gleichen Methoden.

Noch ein allgemeiner Punkt: Auch die Sportförderung kann man Frau Drygalla nicht entziehen, nur weil ihr Freund Neonazi ist oder war.

Beste Grüße und gutes WE

Christoph Leusch

schorsch klunie 18.08.2012 | 03:04

wer nach wie vor nicht erkennen möchte mit welcher heuchelei hier das gesellschaftliche agreement (sogar: führende) nazis zu isolieren untergraben, und weiterhin rechtsextremismus durch vergleiche mit anti-rechts bündnissen (im volksmund:links) verharmlost wird, der darf sich z.b. mal das verhalten der fdp in diesem und in andren fällen anschauen.

hier wird eine skatehalle wegen entfernter zusammenarbeit mit bei der fdp ungeliebten aber dennoch harmlosen organisationen angegangen.....

http://www.liberale.de/Pressemitteilungen/2980c202/index.html?id=17524

http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/trier/skatehalle+in+trier./Heute-in-der-Trierer-Zeitung-Polizei-Es-gibt-keine-linksextreme-Taeterszene-in-Trier;art754,3188150

Columbus 18.08.2012 | 10:52

Lieber Miauxx,

Gerade das ist aber ein Teil der so genannten Sippenhaftung, die sich dabei auf "germanisches Rechtsverständnis" berief. Wer mit jemandem zusammen war, sich mit jemandem einließ, der etwas gegen die Nazis tat, der hatte sich freiwillig und mutwillig dem Feinde angeschlossen. - Nachweise eigener Beteiligung unnötig!

Die Ehepartner und entfernten Verwandten und Bekannten, eingeheiratet oder nicht, mit einzubeziehen, das war das Ziel.

Bei den Partnern der Mitglieder der Roten Kapelle-Gruppen (Bsp. der Mann Suzanne Spaaks und ihr Schwager, Familie Coppi) kann man das ebenso nachvollziehen, wie bei den Angehörigen des erzkonservativen Wehrmachts- und Adelswiderstandes.

Die Wehrmacht praktizierte zum Kriegsende hin eine ganz eigenen Form der Sippenhaftung oder ihre Androhung, die die Offiziere und Mannschaften zur Verteidigung unhaltbarer Positionen und zum Durchhalten bringen sollte und z.B. auch den Familienkreis von Deserteuren traf.

Bekannt wurde die Sippenhaftung für Angehörige der hingerichteten Brücke von Remagen-Offiziere.

Die Gestapo nutzte Sippenhaftung grundsätzlich im erweiterten Familien- und Freundeskreis als Repressalie um an Informationen zu gelangen, zur Abschreckung und immer mit der Unterstellung, wer sich auf eine Nähe zu Widerständlern einließ, der sei schon mithaftend.

Schon der Umgang mit einem mutmaßlichen oder tatsächlichen Widerständler sollte bedrohlich für diesen Personenenkreis sein.

Das Wort "Sippenhaft" ist bezogen auf Frau Drygalla vielleicht übertrieben. Aber die Tendenz dazu ist schon bedenklich, analog zu den mittlerweile doch sehr verbreiteten Ansicht, dass z.B. Angehörige und Freunde entlassener Sexualstraftäter, sollten sie Wohnung und Unterstützung anbieten, ebenso angegangen werden, wie die Täter nach der Verbüßung ihrer Strafe, sollte ihr Aufenthaltsort öffentlich bekannt werden.

Beste Grüße

Christoph Leusch

Georg von Grote 18.08.2012 | 11:18

Als sogenannter Wessi ist es mir nun ehrlich egal, ob der gewählte Name "Kombinat Fortschritt" manchen "Ossis" deplaziert erscheint, oder auch nicht. Viel wesentlicher ist mir da die Zielsetzung dieser Gruppierung. Und im Falle "Fischer/Drygalla" kann ich sie nur vollumfänglich bis jetzt unterstützen. Ich finde es auch gut, dass die Redaktion ihnen hier eine Diskussionsplatform gewährt.

Auch wenn ich, zumindest in vielen Bereichen des Internets ein absoluter Gegner der Anonymität der Schreiber bin, vor allem auch hier in der FC, kann ich die Mitglieder des Kombinats durchaus verstehen, denn sie sehen sich bei ihrer Arbeit erheblichen Repressalien durch die Neonazi-Szene ausgesetzt und der Staat ist nun leider der letzte, der sie davor schützt.

Vor allem die, die sich hier selbst hinter dem Deckmäntelchen der Anonymität verstecken, sollten diesen Vorwurf schon gar nicht erheben.

Und was heißt hier denn Zerstörung oder Verunglimpfung Unschuldiger?

Fischer ist mit Sicherheit kein Unschuldiger, auch keiner, der mal so in die Szene reingerutscht ist. Das dürfte hier wohl keiner bestreiten.

Ist Drygalla unschuldig? Ich hatte da immer so meine Zweifel und diese Zweifel sind nach ihrem Interview nur bestärkt worden. Ich habe keine Ahnung, wie betriebsblind die gute Dame, immerhin Polizeianwärterin in dieser Angelegenheit war, aber immerhin hat sie fast 5 Jahre lang die die Neonazi-Aktivitäten ihres Lebenspartners stillschweigend akzeptiert und toleriert. Bis jetzt fehlt mir auch jeglicher Beweis, dass sich Fischer tatsächlich aus der Szene zurückgezogen und vor allem der Ideologie abgeschworen hat.

Das ganze Interview klingt eher nach dem Versuch, zu retten, was noch zu retten ist.

Ich zumindest stufe momentan sie als Mitläuferin ein, bis sie mich vom Gegenteil überzeugen kann. Und dieser Personenkreis hat nun einmal nichts in der staatlichen Sportförderung zu suchen. Da sollte sich de Maizière schon noch einmal genau überlegen, ob er sich da nicht eine dicke Laus in den Pelz setzt, wenn er sie nun in Uniform steckt.

Gerade diese Ankündigung aus dem Verteidigungsministerium zeigt doch deutlich, wie lax der Umgang mit der brauen Soße hierzulande gehandhabt wird.

thinktankgirl 18.08.2012 | 11:36

"Columbus18.08.2012 00:50@thinktankgirl

Absolut, Thinktankgirl, mir wäre das auch wichtig. Ich könnte auch nicht mit einer Frau zusammen sein, die am anderen Tag "Ausländer raus" brüllt, Hetzartikel schreibt und unter Umständen irgendwas oder irgendwen abflämmt. Aber das Leben lehrt auch, es gibt genau das in Beziehungen."

Mir ist schon klar, daß es solche Beziehungen gibt. Aber sie sind nicht schicksalshaft. Spätestens nach 1 Jahr, wenn der hormonelle Flash abflaut, sollte der Verstand wieder anspringen. Bleibe ich danach mit dem Neonazi zusammen, dann

a) teile ich dessen Weltsicht

b) bin ich der Meinung, ihn bessern zu können ( = Co-Alkoholiker)

c) spiele ich gerne mit dem Feuer, Nervenkitzel etc.

d) bin ich schlichtweg so dumm, daß ich mir nicht klar ist, worum es geht

e) habe ich irgendwelche handfeste Vorteile durch diese Beziehung

Eine erwachsene Frau muss die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen können. Entweder sie ist in der Neonaziszene oder nicht. Aber kommt mir bitte nicht mit der Tränendüse, daß sie ja nichts dafür kann, weil ihr Herz sich halt zufällig einem Neonazi zugewandt hat. Jeder, der sich einmal mit Psychologie beschäftigt hat, weiß, daß es in der Partnerwahl keine Zufälle gibt.

Man darf Neonazis auch nicht indirekt, (hier: Partner von öffentlichen Personen) eine Plattform geben.

Nur zur Erinnerung: Blut muss fließen

Da ist mir sogar die Mafia noch lieber, die töten nicht aus dumpfen Haß, sondern da geht es um Geld und Macht.

Rechtsradikalismus ist keine politische Einstellung, sondern ein Fall für die Psychiatrie.

SiebzehnterJuni 18.08.2012 | 12:34

Das eine ist es , zu wissen, warum jemand dort hingekommen ist.

Das andere ist, dass er erwachsen ist und eine Verantwortung gegenüber sich und anderen hat.

Was ist der Mensch Drygalla, der hinnimmt, dass ihr Partner brutal gegen andere Menschen vorgeht?

Die Taten des Herrn Fischer zusammen mit seinen Kameraden veranlassen Drygalla offensichtlich nicht dazu, sich von ihm zu trennen!

Das ist ihr gutes Recht. Aber sie hat kein Recht darauf, vom Staat gefördert zu werden und als Olympionikin Deutschland als öffentliche Person zu vertreten

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Ehemaliger Nutzer 18.08.2012 | 13:04

Wenn sich eine Frau bewusst zu einem Menschen bekennt, der eine rechtsextreme Ideologie verinnerlicht, ist dies Frau genauso eingestellt!

Partner finden sich immer nur zusammen, wenn sie gewisse Übereinstimmungen haben. Es kann aber natürlich auch sein, dass es eine gezielte Strategie von Fischer war, sich Frau Drygalla zu nähern. Die Rechtsextremen sind ganz gezielt auf der Suche nach Frauen! Weil Frauen die besseren sozialen Kontakte haben. Und somit ihre Ideologie besser verbreitet werden kann.

Nicht destsotrotz tritt das Kombinat genauso diskriminierend wie die Rechten auf, wenn sie vom MOB auf ihrer Seite sprechen.

Was, vorallem aber wie das Kobinat Fortschritt etwas schreibt, find ich, gelinde gesagt, voll daneben! das ist keine Art und Weise sich mit den Themen so auseinander zu setzen!! Mich erinnert das an gezielte Propaganda ala Stalin. Einfach nur saudumm...

Für mich wird mit dieser Vereinigung ganz gezielt Hass produziert, damit die Gesellschaft gespalten bleibt!! Seriöse Berichte über die Rechtsextremen sieht doch anders aus!! Man lese dau auch Prof. Heitmeyer, der sich NIE des Wortes MOB bedienen würden.

Und Frau Drygalla kann auch viel sagen, wenn dies erfordert wird. Warum sollte auch Drygalla in der Öffentlichkeit etwas zugeben, was ihrer Karriere schaden könnte. Für mich verkörpert diese Frau eine typisch germanische Rasse, wie Hitler sie egrne gehabt hätte, schon alleine vom aussehen her.

Popkontext 18.08.2012 | 13:04

Vielen Dank für den Artikel. ich schätze die Arbeit vom Kombinat Fortschritt nicht nur, sondern halte sie für absolut notwendig - weil es hier eine journalistische Leerstelle gibt und zudem ein Korrekturbedarf bei haarsträubende Verdrehungen und Verharmlosungen rechter Gewalt besteht. Zu dieser Verharmlosung gehört auch dem Kollektiv vorzuwerfen, nicht unter Echtnamen zu agieren. Wie kann man so naiv sein? Wer im braunen Sumpf stochert, ist nicht nur persönlich ganz real von Gewalt bedroht, sondern auch sein Umfeld. Wichtig ist natürlich, dass das Kollektiv journalistisch so korrekt wie möglich arbeitet, aber im Fall Drygalla ist das geschehen. Das unglückliche Timing ist wohl eher den Sportfunktionären zuzuschreiben, die erst Augen, Ohren und Mund zugemacht haben und dann hysterisch-panisch reagiert haben.

Sich die Verbindungen von Drygalla in die Neonazi-Szene anzuschauen, wenn sie in den Staatsdienst will oder Deutschland bei den Olympischen Spielen repräsentiert ist absolut richtig und korrekt. Bei dem ganzen braunen Schmarn, mit dem sie jetzt zu einer rechten Ikone stilisiert wird, wird mir schlecht, ebenso bei dem Mitleidsmärchen, das um sie inszeniert wurde. Wenn in Berlin auf dem Flughafen ein "gefährlicher Islamist" festgenommen wird, der aufgrund der Tatsache, dass er Leute kennt, die eventuell Sprengstoffanschläge geplant haben, so bezeichnet wurde, redet niemand von "Sippenhaft". ich finde es da auch ok, dass der überprüft wird, weil er an einem neuralgischen Punkt arbeitet - aber das sollte eben auch für Menschen mit nachweislichen engen Verbindungen in die Neonaziszene gelten.

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Ehemaliger Nutzer 18.08.2012 | 13:13

Ach lieber Herr Leusch,

Sie sind jetzt so naiv oder wissen Sie es nicht besser?

Die rechtsextreme Szene weiß sehr genau was Sie tut!! Und Frau Drygalla kann sich von vielem distanzieren, wenn die Öffentlichkeit erfährt wie es um sie steht!

Nach der Wende hatten auch viele Stasimitarbeiter ihre Zugehörigkeit geleugnet. das beste Bsp. ist ein ehmaliger Direktor der Schule in meinem Ort!! Nach dem die Akten dann richtig überprüft waren, kam alles an die Öffentlichkeit! Menschen lügen nur um ihres Vorteils willen all zu oft, Herr Leusch!

Das einzige richtige am Kombinat Fortschritt ist, das sie aufgedeckt haben mit was für einer Sportlerin wir es hier zu tun HABEN!!

Und dafür kann man dem Kombinat danken!

thinktankgirl 18.08.2012 | 14:10

Schon der Umgang mit einem mutmaßlichen oder tatsächlichen Widerständler sollte bedrohlich für diesen Personenenkreis sein.

Das Wort "Sippenhaft" ist bezogen auf Frau Drygalla vielleicht übertrieben. Aber die Tendenz dazu ist schon bedenklich, analog zu den mittlerweile doch sehr verbreiteten Ansicht, dass z.B. Angehörige und Freunde entlassener Sexualstraftäter, sollten sie Wohnung und Unterstützung anbieten, ebenso angegangen werden, wie die Täter nach der Verbüßung ihrer Strafe, sollte ihr Aufenthaltsort öffentlich bekannt werden.

Beste Grüße

Bei Frau Drygallas Freund handelt es sich um eine Person, deren Weltsicht gemeingefährlich und kriminell ist, bei normalen Verbrechern interessiert sich die Polizei automatisch dafür, auf welcher Seite deren Lebensgefährten stehen. Sind sie Helfershelfer, die die kriminellen Aktivitäten fördern, aber selbst nicht tätig werden? Was ist von einer Ehefrau zu halten, die weiß, daß ihr Mann sein Geld mit Schutzgelderpressung verdient und das einfach hinnimmt? Soll ich mit dieser Mitwisserin Mitleid haben, wenn alles auffliegt? Nee! Der Fall läge anders, wenn sie überzeugt gewesen wäre, daß er z.B. einen legalen Gebrauchtwagenhandel betrieb. So sind auch Verwandte und Freunde von Sexualstraftätern nicht für deren Taten verantwortlich, sofern sie diese nicht geduldet hatten. Leider scheinen das die wenigsten zu begreifen.

Die Sippenhaftung in der NS-Zeit hatte den Zweck der Einschüchterung, um jegliche Opposition gegen das Regime zu unterbinden. Ein totalitäres System kriminalisert jedmöglichen Widerstand.

Bei Frau Drygalla handelt es allerdings nicht um die Freundin eines Kämpfers für Freiheit und Demokratie, der von einem Regime wg. seiner Ansichten verfolgt wird. Nein, es handelt sich um einen Mann, der ein Regime einführen will, in dem es keine Freiheit und Demokratie geben wird, in dem Menschen, die anders sind, als minderwertig betrachtet werden, in dem es wieder Sippenhaftung zwecks Unterdrückung geben wird. Diese Ansichten sind für mich verbrecherisch und wer sie passiv akzeptiert oder aktiv fördert, handelt nicht anders wie die Ehefrau des Schutzgelderpressers: sie duldet kriminelles Verhalten.

Und ich werde nicht darüber diskutieren, ob Neonazis ein Recht auf freie Meinungsäusserung haben: Nein haben sie nicht! Menschen wurden von ihnen umgebracht, weil sie in ihren Augen die falsche Meinung hatten.

wwalkie 18.08.2012 | 14:45

Warum ich in der Tat Mitleid habe:

Schliesse ich derhalben/dass von stund an, wenn die Zauberinnen mit dem Teufel kundtschaft vnnd gesellschafft machen/jre vorige Eigenschafft/stand vnd wesen verloeren/belangend auch die innere form/sind sie gar andere Leuthe als sie vorhin waren/ bekommen sie eine newe gestalt./Denn der boese Engel/der ein Geist vnnd herrscher in der Lufft/ein vrsache auch ist aller vnser Suende und Missethat/hat der Weiber jhr Herz vnnd andere Gliedmassen also eingenommen/ dass er durch die gantze Substantz vnd derer aller theile wesentlich aufgespreyet ist/ja dass auch/dieweil sie in vnbußfertigkeit leben/vnnd sich nicht bekehren/er kein Glied ihres Leibes verlasse (der Marburger Philosoph Wilhelm Anton Scribonius 1583)

Scribonius schlug die Wasserprobe vor, um festzustellen, ob des Teufels "Lufft" die Probandin nicht untergehen lasse. Was muss Drygalla tun, ob zu beweisen, dass sie nicht (mehr) vom Teufel besessen ist? Sich trennen, und zwar schnell, höre ich euch rufen. Das ist ihre Sache, antworte ich, und zwar nur ihre. Wenn sie's denn täte, würde man ihr noch lange nicht trauen. Keiner glaubt keinem, alle wissen Bescheid (Minima Moralia).

Ein Menschen exkludierender Antifaschismus ist ein sehr hilfloser Antifaschismus. Er folgt aber dem gesellschaftlichen Prinzip.

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Ehemaliger Nutzer 18.08.2012 | 14:57

Ich bin da ganz bei Ihnen. Nur wie wollen Sie denn die Nazis bekämpfen?! Mit Verboten wird man auch nichts ausrichten. Dann agieren Sie im Untergrund weiter!!

Das fatale an dieser ganzen Geschichte Drygalla war und ist doch, dass der Ruderverein sich dem NICHT wirklich entgegen stellte!! Obwohl er wußte, dass Frau Drygalla schon lange mit diesem Mann leiert ist.

Ich gehe da mit der Meinung von dem JornalistenStefan Ludamnn des NDR mit.

http://www.ardmediathek.de/ndr-fernsehen/zapp/die-medien-im-fall-drygalla?documentId=11371956

Das ist ein Skandal ohne gleichen und zeigt die Arroganz der Bürgerlichen Mitte!! Der Ruderclub wollte einfach nur eine Vorzeigesportlerin um sich gut dar zu stellen! Das ist mit nichts zu entschuldigen. Auch das Drygalla Deutschland nach aussen vertreten durfte!!

Was aber durch die Medien wieder passierte, ist natürlich auch nicht zu entschuldigen. Diese perversen, gehypten Schlagzeilen haben die NPD doch erst wieder bekannt gemacht! So ist es eben im Kapitalismus, wenn es nur UMS GELD GEHT! Da ist jedes Mittel recht. Wir leben doch schon lange in einer krimeinellen Welt. In einer Welt voller Korruption, Terror, Kriege und voralem Angst schüren durch die Eliten.

Zitat von Krysmanski:

Die alte Regel ‚Money is what money does’ ist die Basis für eine neue Form globaler Souveränität geworden, für die Herrschaft der privatesten der Privaten, übrigens auch in Militärdingen. Umgekehrt ist die kapitalistische Wissens- und Informationsgesellschaft nicht denkbar ohne dieses neue Gravitationszentrum der Geldmacht, den Geldmachtkomplex (GMK). In dessen dunkelster Mitte finden wir eine historisch gewachsene, vernetzte ultra-reiche Klientel. Sie ist umgeben von Konzern- und Finanzeliten, die im Dienst und auf Rechnung dieser Klientel ständig neue Möglichkeiten der Kapitalakkumulation erkunden und erfinden – nicht ohne dabei auch kräftig und in ständiger Konkurrenz untereinander an sich selbst zu denken. Ihnen wiederum zur Seite stehen politische Eliten bzw. politische Direktorate bzw. Oligarchien, die gerade in der heutigen Situation mit neuen Umverteilungsmodellen experimentieren, die den gesellschaftlichen Reichtum weiterhin möglichst geräuschlos von unten nach oben transportieren, also ohne den sozialen Konsens allzu sehr zu gefährden. Das alles geht schließlich nicht ohne ein Millionenheer untergeordneter Technokraten und Experten (versiert in analytischen, symbolischen und affektiven Spielarten des Wissens)"

Das, und NUR DAS!! ist das eigentliche Problem allen Übels. Rechts, links, die Medien gehören auch nur mit dazu. Wir werden hier alle nur benutzt! Und dies gilt es eigentlich zu bekämpfen!! Leider ist der Mehrheit der Menschen total unaufgeklärt und desinteressiert, so dass einer Diktatur nichts mehr im Wege steht. Wir leben nämlich in einer Matrix der Superreichen.

miauxx 18.08.2012 | 19:22

Ich weiß nicht, ob es dem "Kombinat Fortschritt" nun darum geht, Drygalla zerstören zu wollen. Nach meinem Nachlesen auf ihrer Seite konnte ich das nicht erkennen. Ebensowenig habe etwa ich eine solche Position bezogen. Auch bei ttg, die ebenso "Kein Mitleid" fordert, sehe ich eine solche Haltung nicht. Wohl ist aber in meinen Augen hier nachvollziehbar argumentiert worden, dass es keine Schonung für Drygalla hinsichtlich einer Öffentlichmachung ihrer durchaus sehr wahrscheinlichen Nähe zum Tun und Denken ihres Partners einschl. ihrer Eignung als sportliche Repräsentantin eines Staates (mittelbar sogar des Innenministeriums), der sich eine deutliche Abkehr vom Rechtsextremismus auf die Fahnen schreibt, geben darf! Dass auch nicht zuletzt, als hierzulande jüngst gerade der Sport als Vorzeigefeld für Pluralismus und Integration herausgestellt wird. Und dass gerade das Vereinswesen des Sports, v.a. abseits des Spitzensports, ein beliebtes Einfallstor für rechte Unterwanderung bietet und sich große Schwierigkeiten im Umgang damit zeigen, war nun ja auch jüngst in der Diskussion. Und dass es zu diesem Interview kommen konnte, ist nun zuerst ein Verdienst des "Kombinats". Dass es zu diesem Interview, u.v.a. dem vorangegangenen Medienzirkus, kommen musste, ist dem Versagen der Strukturen in Vereinen, wenn nicht sogar einem Vertuschen auf höherer Ebene (Polizei, Innenministerium MV) zu verdanken. Dass hier auf der Ebene eines Widerstandes eingegriffen wird, dem gar nichts anderes übrigbleibt, als "ungehorsam" zu sein, scheint mir nichts anderes als geboten! Ich möchte auch noch einmal feststellen, dass das "Kombinat" bei weitem keine Hetzjagd aufgrund irgendeiner diffusen Vermutung angestellt hat. Dazu lohnt es sich auch, auf der Website nachzulesen. Was diese Leute gerade im Fall Drygalla getan haben und tun, fällt nach meinem Dafürhalten in die Kategorie des doch immer so eingeforderten "bürgerschaftlichen Engagements". Ebenso hören wir stets die Kolportage einer "wehrhaften Demokratie". Doch eine solche muss auch wirklich den Finger darauf halten können, wo es drückt. Also, ja, durchaus eine gewisse "Hexenprobe", um auf ihr Beispiel, wwalkie, Bezug zu nehmen. Allerdings mit dem Unterschied, dass es sich nicht um irgendwelche Anzeichen eines Andersseins handelt. Von Hexenjagd, Rassismus oder Phobien gegen das Andere kann und darf angesichts eines Widerstandes gegen Rechtsextremismus/ Neonazismus nicht die Rede sein. Zumindest nicht, wenn die Anzeichen sehr deutliche sind.

Kein Sex mit Nazis! (wiederhole mal den Lesetipp von ttg)

miauxx 18.08.2012 | 19:26

"Das ist ein Skandal ohne gleichen und zeigt die Arroganz der Bürgerlichen Mitte!! Der Ruderclub wollte einfach nur eine Vorzeigesportlerin um sich gut dar zu stellen! Das ist mit nichts zu entschuldigen. Auch das Drygalla Deutschland nach aussen vertreten durfte!!"

Einerseits schimpfen Sie über das "Kombinat Fortschritt", andererseits regen Sie sich genau darüber auf, was eben durch das "Kombinat" erst öffentlich sichtbar wurde! Hmm ...

wwalkie 18.08.2012 | 20:35

Wir sind uns wahrscheinlich sehr schnell einig, wenn es um die Notwendigkeit der Bekämpfung des Nazismus in diesem unserem Lande geht. Wohl auch darüber, dass es radikal zugehen muss, d.h., die Wurzel muss gekappt werden - und dafür muss man tief in die Gesellschaft hinein graben. Um in der Metaphorik zu bleiben: man muss als antifaschistischer Gärtner erst einmal schauen, welche Pflanzen zu welchen Wurzeln führen.

Was hier aber gemacht wird, erinnert mich an den Erzbischof von Béziers. Der belagerte im Kreuzzug gegen die Albigenser seine eigene Stadt und ließ es zu zu, dass sie mit Feuer eingedeckt wurde. Begründung: Mais oui, das ist meine Stadt und meine Bürger werden sterben, aber: Gott wird schon die seinen erkennen. Ja dann! Wie sagen die Deutschen, traditionell eher aufs Handwerk konzentriert: Wo gehobelt wird, falle Späne. Der Zweck heiligt die Mittel ... eben nicht!

Die "wehrhafte Demokratie" erinnert mich schwer an die unselige Zeit des "Extremistenerlasses", mit dem fast wortgleich mit dem Nazigesetz zur "Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" Kommunisten in der BRD untersagt wurde, Lehrer zu werden (Postbote sowieso) - augerechnet mit dem Robespierrezitat untermauert: Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit. Kein Mitleid mit Verfassungsfeinden, so hieß es damals. In der Bundesrepublik ging übrigens dem Verbot der Linken, der KPD, immer das Verbot der Rechten voraus .

miauxx 18.08.2012 | 23:07

"Wohl auch darüber, dass es radikal zugehen muss, d.h., die Wurzel muss gekappt werden - und dafür muss man tief in die Gesellschaft hinein graben."

Ja, eben! Und da Sie ja, wie sie weiter oben in einem Kommentar schreiben, auch keinen rechten Glauben an hinreichende Selbstheilungskräfte in der bzw. aus der Gesellschaft heraus haben, ist doch der Aktionismus eines "Kombinats Fortschritt" ein geradezu notwendiger Stachel im Pelz der Trägheit einer Gesellschaft. Und es wird doch nicht a la Erzbischof von Béziers wild in eine graue Masse geschossen, auf das ein Gottesurteil die "Richtigen" schon schützen wird. Leute wie das "Kombinat" erzeugen eine Gegenöffentlichkeit. Sie eben "graben tief in die Gesellschaft hinein". Es mag sein, dass Drygalla, um in Ihrem Bild zu bleiben, nicht wirklich in Rostocks Neonaziszene "verwurzelt" ist. Nur sehe ich im "Gärtnern" des "Kombinats" zunächst eine Untersuchung dessen, wohin die "Wurzeln" der Ruderin wirklich führen bzw. wie stark sie bereits sind. Auch hier im thread hat doch, wenn ich nichts übersehen habe, noch keiner gefordert, die Hacke anzulegen. Dass es sich um eine überaus verdächtige "Pflanze" handelt, wird nun aber kaum wegzureden sein.

h.yuren 18.08.2012 | 23:49

von welcher republik redest du da:

In der Bundesrepublik ging übrigens dem Verbot der Linken, der KPD, immer das Verbot der Rechten voraus .

in der rückwärtsrepublik, die ich kenne, verhielt und verhält es sich anders. thesen spucken, sei es auch in hohem bogen, gilt nicht.

der automatismus, dass sofort die linken einbezogen werden, wenn es um die rechten geht, hat hierzulande tradition. man sagt, das hat sich bewährt.

wwalkie 19.08.2012 | 08:03

Der Satz ist keine These, sondern bezieht sich auf die reale Geschichte des KPD-Verbots in der BRD. Dies ging interessanterweise von der SPD aus, die im Februar 1950 einen Gesetzentwurf "gegen die Feinde der Demokratie" vorlegte - vor allem natürlich gegen ddie alten Nazis gerichtet. Die Adenauerregierung legte einen eigenen Entwurf vor, der Gefängnisstrafen wegen "Verfassungsstörung" vorsah. Später "konkretisierte" sie dies durch den Begriff "Staatsgefährdung", ein "völlig uferloser Begriff", wie Der SPD-Jurist Arndt kritisierte. Bei der weiteren Ausarbeitung durch das Justizministerium wurde der Begriff "Landesverrat" fast wörtlich aus dem NS-Gesetz von 1934 übernommen. Das "Strafrechtsänderunggesetz" wurde mit den Stimmen aller Parteien (mit Ausnahme der wenigen KPD-Stimmen) im Juli 1951 angenommen. Mit den entsprechenden Folgen ... für die Kommunisten (die sowieso im Niedergang ware, aber das ist eine andere Geschichte).

Darauf bezog sich meine "These": verallgemeinert formuliert (und empirisch ziemlich gesichert): wer in der Situation linker Opposition nach staatlicher Repression faschistischer Opposition ruft ("wehrhafte Demokratie"), muss damit rechnen, von ebendiesem Staat mit ebendieser Argumentation verfolgt zu werden, wenn dieser Staat, bürgerlich im doppelten Sinne, wie er nun einmal ist, weiterhin von einer Identität der Extreme ausgeht. Dies bedeutet für die Praxis: De-Konstruktion der scheinlogischen Totalitarismus"theorie", die immer noch (oder wieder) hegemonial ist und vor allem (das leichte Schwere) die Vermittlung einer echten humanistischen Alternative. Dazu gehört aber Mitleid und Empathie, und nichts, was entfernt an eine Hexenjagd erinnern könnte.

Ich hoffe, das war nicht zu sehr à la 68 formuliert.

Kcolk Netsrot 19.08.2012 | 08:54

"Wohl auch darüber, dass es radikal zugehen muss, d.h., die Wurzel muss gekappt werden - und dafür muss man tief in die Gesellschaft hinein graben."

Hmm,das hört sich für mich nicht anders an als das hysterische Gekreische von genau eben der Seite,die man aber doch "bekämpfen" möchte.

"Die Wurzel muss gekappt werden" vs."Ausrotten bis ins 3.Glied".

Diese Dame ist Anfang 20.In unserem Rechtssystem würden einige der unappetitlichen Sachen die ihr vorgeworfen werden-wären sie denn überhaupt strafbar-sogar noch nach Jugendstrafrecht beurteilt werden.Ich persönlich finde das,was da ans Tageslicht geholt wurde auch nicht nachahmenswert.Ich habe mich auch glücklicherweise noch nie in einen Partner mit solch Gedankengut verliebt,auch in keinen Linksextremen.Ich wüßte nicht,was ich getan hätte....Polizeidienst vs. Schmetterlinge im Bauch.

Was ist der Unterschied zwischen einem Menschen,der in seiner Jugend durch die Gegend rannte und schrie:"Faschist,Faschist" und dabei Steine auf Polizisten warf,die ja sowieso ACAB sind,und einem Menschen mit Nazi-Freund,der mit Pfefferspray eine "Döner-Parade" attackiert?

Ersterer,selbst Handelnder wohlgemerkt,kann in unserem Lande Bundesaußenminister werden,der/die Andere,rudernde Mitwisserin,wird auf den mdialen Marktplatz gestellt und mit m.M.n. unseriösen Mitteln attackiert.Und Fans des Ersteren sind auch noch der Meinung,dass Sie das richtige tun,weil sie ja eben auf der richtigen Seite stehen.

Abschließend möchte ich nur noch anmerken,dass diese"Partei" NPD in D immer noch nicht verboten ist.Wenn ein Land es nicht hinbekommt diese Partei zu verbieten-ich persönlich denke,dass man Meinungen nicht verbieten kann,siehe Kommunismus in der ehemaligen BRD-dann kann man auch nicht Leute,die einen Parteigänger diesiger lieben öffentlich so an den Pranger stellen.

Aber auch das ist nur eine-meine bescheidene-Meinung.

wwalkie 19.08.2012 | 11:36

"Wohl auch darüber, dass es radikal zugehen muss, d.h., die Wurzel muss gekappt werden - und dafür muss man tief in die Gesellschaft hinein graben."

Hmm,das hört sich für mich nicht anders an als das hysterische Gekreische von genau eben der Seite,die man aber doch "bekämpfen" möchte.

"Die Wurzel muss gekappt werden" vs."Ausrotten bis ins 3.Glied".

Wenn eine politische Metapher mißverstanden wird, ist sie unglücklich gewählt oder formuliert. Allerdings zitieren Sie weder den vorstehenden noch den folgenden Satz, der da lautet: "...man muss als antifaschistischer Gärtner erst einmal schauen, zu welchen Wurzeln welche Pflanzen führen."

Das soll ein Plädoyer für einen strukturellen, an die Wurzeln (radikal also) gehenden Antifaschismus sein. Im Sinne Adornos, der diesbezüglich schon fast alles geschrieben hat: Der gesellschaftliche Druck lastet weiter, trotz aller Unsichtbarkeit der Not heute. Er treibt die Menschen weiter zu dem Unsäglichen, das in Ausschwitz kulminierte. Ein nur personenfixierter Antifaschismus, der die Nazis inklusive Mitläufer und Lebensabschnittspartner diabolisiert, bringt bestenfalls Gewissensberuhigung, kann wunderbar von den Herrschenden instrumentalisiert werden (auch gegen Links, wie ich andeutete) und birgt - was hier nicht diskutiert wurde - die Möglichkeit, den Nazis die Feindbilder zu schaffen, die sie wohl brauchen.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2012 | 11:41

Aqua-Jedi17.08.2012 22:30

Ich kann Ihre Ausführungen gut nachvollziehen. Ich bin auch der Meinung, dass sich in vielen Linken Bündnissen doch mehr rechts eingestellte Menschen engagieren bzw Menschen mit Problemen!!

Es ist nunmal so, dass Menschen ja oft auch ein falsches Selbstbild von sich haben und meinen die Wahrheit gepachtet zu haben.

Fakt ist...wer so denunziös über einen Menschen schreibt ist genauso diskriminierend und rechts eingestellt wie die Rechten selber. Auch liegt darin ziemlich viel Hass begründet, warum auch immer.

Das Aufdecken der Lebensumstände Frau Drygallas ist richtig und gut. Die Art und Weise, wie das geschehen ist aber eben NICHT!!

Ich kenne solch einen Hass, oder besser gesagt, solch eine Autorität und MACHTSTREBEN aus einem linken Aktionsbündnis bei mir in der Stadt nur zu gut. Da ich auch dort mal involviert war. Deswegen hatte ich mich auch wieder zurück gezogen und mich von diesem Bündnis distanziert! Machtgehabe und Autorität ist nicht mein Ding, sondern Humanismus. Da gehört eben dazu, jeden Menschen mit seinen Ansichten ernst zu nehmen. Wobei Toleranz natürlich auch seine Grenzen hat!

Im übrigen bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass dies alles bewusst inszeniert wird. Dieses linke wie rechte Auftreten in der Öffentlichkeit um von anderen wichtigen Problemen, wie @Matto es schon richtig bemerkte, abzulenken!!

thinktankgirl 19.08.2012 | 11:45

Bei der weiteren Ausarbeitung durch das Justizministerium wurde der Begriff "Landesverrat" fast wörtlich aus dem NS-Gesetz von 1934 übernommen. Das "Strafrechtsänderunggesetz" wurde mit den Stimmen aller Parteien (mit Ausnahme der wenigen KPD-Stimmen) im Juli 1951 angenommen. Mit den entsprechenden Folgen ... für die Kommunisten ...

Daß Begriffe aus der Nazi-Zeit übernommen wurden, sollte doch wirklich niemand wundern, da viele Nazis in den 50gern wieder/noch in Amt und Ehren waren. Deshalb sollte es noch weniger verwundern, wenn die Justiz (durchsetzt von Juristen mit Nazivergangenheit) lieber Kommunisten jagt als Nazis. Ich glaube es war Hyuren, der irgendwo einbrachte, daß es in den 50gern mehr Prozesse gegen Kommunisten als gegen wirkliche Naziverbrecher gab.

Ausserdem wurde die BRD damals als Bollwerk gegen den kommunistischen Osten aufgebaut.

@Redaktion: ich finde es sehr beschränkend, daß ich Hyurens Kommentar nicht mehr finden kann (oder nur mit immensen Zeitaufwand), wie lange soll dieser Zustand ohne Kommentarübersicht noch andauern?

Darauf bezog sich meine "These": verallgemeinert formuliert (und empirisch ziemlich gesichert): wer in der Situation linker Opposition nach staatlicher Repression faschistischer Opposition ruft ("wehrhafte Demokratie"), muss damit rechnen, von ebendiesem Staat mit ebendieser Argumentation verfolgt zu werden, wenn dieser Staat, bürgerlich im doppelten Sinne, wie er nun einmal ist, weiterhin von einer Identität der Extreme ausgeht.

Das Problem ist nicht die wehrhafte Demokratie, sondern ein Staat - bzw. dessen herrschende Klasse - der faschistoide Tendenzen ignoriert oder evtl. sogar deckt/fördert (NSU). Von diesem Staat kann man eigentlich nichts anderes erwarten, als daß er Gesetze, die eigentlich zur Abwehr des Rechtsradikalismus gedacht waren, gegen die Linken anwendet, da diese seine Feinde sind und nicht die Rechten.

Aber ist das ein Grund, nicht mehr für die Demokratie zu kämpfen?

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2012 | 11:55

Lieber @Miauxx,

ich rege mich deshalb auf, da ich versuche zu differenzieren!

Die Aufdeckung war wichtig und richtig! Die Art und Weise, wie das Kombinat etwas auf ihrer Seite darstellt eben nicht! Da sie genauso diskriminieren wie die Rechten!!

Zitat vom Kobinat Fortschritt aus einem Interview

"Claudia: Man kann hier wirklich einmal von einer Komplizenschaft von Mob und Elite sprechen."

http://kombinat-fortschritt.com/2012/08/17/interview-20-jahre-rostock-lichtenhagen-rassismus-ist-kein-randphanomen/

Wer hier vom MOB spricht, ist eben auch nicht besser!!! MOB ist abwertend und diskriminierend, bedient sich die Sprache der herrschenden Klasse!!! Ich frage mich ehrlich wer diese Kombinat eigentlich finanziert und vorallem wer wirklich dahinter steckt!!

Befassen Sie sich mit Krysmanski. Dann wird Ihnen einiges klarer!! Es wird hier sehr viel inszenziert um Unruhe zu stiften und abzulenken!!

h.yuren 19.08.2012 | 11:57

ok, lieber wwwalkie, du bist besser in buchstaben und zahlen. aber wie ist das mit der reihenfolge? zuerst wurden die kommunisten gejagt (51), dann die altnazireste (52)? war in deinem statement die reihenfolge nicht andersrum?

die altnazis als eigenständige partei wurden verboten, damit die altnazis in der cdu desto ungestörter karriere machen konnten in der brd. wie brecht zu recht sagte: der schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. und damit haben wir es immer noch zu tun.

thinktankgirl 19.08.2012 | 12:13

"Das soll ein Plädoyer für einen strukturellen, an die Wurzeln (radikal also) gehenden Antifaschismus sein. Im Sinne Adornos, der diesbezüglich schon fast alles geschrieben hat: Der gesellschaftliche Druck lastet weiter, trotz aller Unsichtbarkeit der Not heute. Er treibt die Menschen weiter zu dem Unsäglichen, das in Ausschwitz kulminierte."

Die politische, geschichtliche, gesellschaftliche, psychologische Analyse des Faschismus ist geschehen und kann nachgelesen werden.

Nur, verklicker mal diese Erkenntnisse der Öffentlichkeit. Glaubst du, daß mehr als 5 % verstehen, über was wir reden?

Ein nur personenfixierter Antifaschismus, der die Nazis inklusive Mitläufer und Lebensabschnittspartner diabolisiert, bringt bestenfalls Gewissensberuhigung, kann wunderbar von den Herrschenden instrumentalisiert werden ...

Ein personenbezogenen Antifaschismus muß es auch geben, da es Personen sind, die aus rechtsradikaler Weltsicht andere Personen bedrohen, verletzen oder töten. Oder dieses Gedankengut billigen, indem sie sich einen Lebensgefährten haben, der eine Weltsicht vertritt, die in den letzten 20 Jahren 180 Menschen das Leben gekostet hat.

Diabolisch ist, Menschen zu ermorden, weil sie behindert, links, schwarz oder schwul sind.

Kcolk Netsrot 19.08.2012 | 12:20

@H.Yuren

Warum genau sollte ich überlegen in welchem Land ich lebe?Weil hier eines der größten Verbrecherregime der Neuzeit sein Unwesen trieb?Weil unter diesem Regime Leute in "Sippenhaft" genommen wurden,die mit "Nichtariern" befreundet waren,Kommunisten oder aufrechte Christen waren?Deshalb?

Genau aus diesem Grunde habe ich meine Zweifel,wenn ich sehe wie eine Person-gegen die meines Wissens staatsanwaltlich(noch) nicht ermittelt wird-öffentlich an den Pranger gestellt wurde.Wenn Menschenrechte universell gleich gültig sein sollen,dann brauche ich mir auch nicht überlegen ob ich als in D lebender Mensch eine Situation anders beurteilen sollte als wenn das in z.B Holland passiert wäre oder ich ein Tutsi oder Hutu wäre.Fakt ist,dass sich eine junge Frau im Teenie-Alter mit einem Nazi eingelassen hat,bisher selbst keine Staftaten begangen hat,sich vom Gedankengut des Freundes distanziert hat und dieser Freund sich nun auch aus der rechten zurück gezogen hat.Ob's stimmt?!Es gilt erst einmal die Unschuldsvermutung.Diese Dame allerdings muss sich als-strafrechtlich- Unschuldige rechtfertigen.Eine Umkehr der Unschuldsvermutung.Jeglicher "...ismus" ist radikal und diskutabel.Allerdings...die schon oft zitierte Aussage:"Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen" mag stimmen,steht allerdings m.M.n. im Gegensatz zu Descartes:"Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen."Wo geht's also los?Wenn man einem Wilders,Sarrazzin,Pro Deutschland und Konsorten die freie Meinungsäußerung verbieten will,dann sind wir von der viel gelobten "Meinungsfreiheit" weiter entfernt denn je.Und diese Dame hat sich-soweit mir bekannt-niemals so geäußert wie eben genannte Herren.Ihr Problem ist,dass Sie Gefüle für einen für einen-(ehemals?! bekennden)-Nazi hatte und immer noch hat.Liebe ist nicht rational erklärbar.

Kcolk Netsrot 19.08.2012 | 13:21

Wertes Thinktankgirl,

ich würde Ihnen einmal zeigen,was ich mit dem-in Ihren Augen "Quatsch"- "ismus" meinte.Dies sind allerdings nicht meine Worte,sondern nur "gemopst",enthalten aber das,was ich auch denke.

"Ein „Ismus“ ist in unserer Sprachpraxis eine Grundhaltung, die Handlungs- und Bewertungsmaximen ausschließlich oder zumindest überwiegend aus einer Quelle, einer grundlegenden Weltsicht oder auch Religion zieht und eine Veränderung des eigenen oder auch des gesellschaftlichen Seins in Hinblick auf diese Weltsicht oder Religion betreibt. Beispiele: Kommunismus, Kapitalismus, Sozialismus, Hinduismus, Buddhismus, Zionismus, aber auch Optimismus, Zynismus, Kubismus, etc. Der Begriff wird durch das „ismus“ überhöht zum allgemeinen, nicht mehr in Zweifel zu setzenden Ziel."

MfG

miauxx 19.08.2012 | 13:35

"Claudia: Man kann hier wirklich einmal von einer Komplizenschaft von Mob und Elite sprechen."

Zum einen geht es in diesem Interview nicht um Drygalla und zum anderen zitierst Du hier die Wortwahl einer Claudia, die vom "Kombinat" interviewt wurde. Und da es um Lichtenhagen 1992 geht: Was anderes als ein "Mob" waren diese Leute, welche Brandsätze warfen, Menschen jagden, angesichts dessen jubelten und den Hitlergruß zeigten??!! "Mob" beschreibt hier zunächst einen temporären Zustand und keine speziellen Menschen. Keinesfalls wird doch hier unterstellt, dass alle "Deklassierten" Rostocks bei dem betreffenden Pogrom zugegen waren oder dies gutgeheißen hätten.

Zum anderen erschließt sich mir immer noch nicht, wie Du sagen kannst, es sei richtig, die "Lebensumstände" (!) Drygallas "aufzudecken", wohingegen die "Art und Weise" dessen zu beklagen sei?! Und wenn Du schon so argumentierst, dann bringe auch Beispiele aus den betreffenden Zusammenhängen!

thinktankgirl 19.08.2012 | 14:43

ok, lieber wwwalkie, du bist besser in buchstaben und zahlen. aber wie ist das mit der reihenfolge? zuerst wurden die kommunisten gejagt (51), dann die altnazireste (52)? war in deinem statement die reihenfolge nicht andersrum?

KPD

Bereits am 23. November 1951 beantragte die Bundesregierung die Feststellung der Verfassungswidrigkeit der KPD nach Art. 21 Abs. 2 GG durch das Bundesverfassungsgericht. Nach langem Zögern des Bundesverfassungsgerichtes erging erst am 17. August 1956 das Verbotsurteil. Der Präsident des Gerichts wies vor Verlesung der Urteilsgründe darauf hin, dass die Verantwortung für die Stellung des Verbotsantrages bei der Bundesregierung liege. Das Gericht habe lediglich nach rechtlichen Kriterien zu entscheiden. Nach den vom Gericht anlässlich des Verbots der Sozialistischen Reichspartei (SRP) entwickelten Grundsätzen einer unantastbaren freiheitlichen demokratischen Grundordnung sei zwar nicht das ja auch in Art. 15 GG berücksichtigte Ziel einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel zu beanstanden, wohl aber die aggressiv-kämpferischen Methoden, welche sie als „marxistisch-leninistische Kampfpartei“ zur Erreichung dieses Zieles einsetze.

Sozialistische Reichspartei

Am 4. Mai 1951 verfügte die Bundesregierung ein Verbot der angegliederten Organisationen, wie der paramilitärischen Ordnergruppe Reichsfront und beschloss zugleich die Einleitung eines Verbotsverfahrens für die Partei selbst.

Am 19. November beantragte die Bundesregierung beim Bundesverfassungsgericht die Feststellung der Verfassungswidrigkeit. Fünf rechtskräftige Urteile wurden bis Juni 1952 ausgesprochen, weitere 25 Redner der SRP waren zu diesem Zeitpunkt in strafrechtliche Verfahren verwickelt. Die SRP wurde am 23. Oktober 1952 schließlich wegen ihrer offenen Bezugnahme auf die NSDAP verboten (BVerfGE 2, 1).[2] Mit diesem Urteil wurden gleichzeitig sämtliche Mandate ersatzlos gestrichen. Die Auflösung der Partei und Einziehung aller parteilichen Vermögen wurde angeordnet und gleichzeitig Ersatzorganisationen untersagt.

wwalkie 19.08.2012 | 15:19

cher yuren, quel besserwisser du bist! Die Reihenfolge ist klar, trotz der trüben Quellen, aus denen die damaligen Beteiligten schöpften. Ich meine, das auch so dargestellt zu haben und weiß, dass du schon zwischen Gesetzesvorlagen, Gesetzen und Urteilen des BVG zu unterscheiden weißt. Vielleicht was dies mißverständlich (für mich nicht), ich danke jedenfalls TTG für die Zusammenfassung. Wahrscheinlich bin ich wirklich "besser" in Zahlen und Namen, dafür bist du "maliziöser".

Dem zweiten Absatz stimme ich übrigens in Gänze zu.

Georg von Grote 19.08.2012 | 17:56

Ich werde mal sehr direkt jetzt, weil es, gelinde gesagt, zum Kotzen finde, wie hier plötzlich diejenigen, die die ganze Sache erst an die Öffentlichkeit gebracht haben, von einigen nicht nur an den Pranger gestellt, sondern auch noch unflätigst beschimpft werden.

Ich habe mir die entsprechenden Seiten des "Kombinats" mehrmals durchgelesen und kann da beim besten Willen weder Hass, noch Demagogie finden. Den Hass aber lese ich aus einigen großkotzigen und selbstverliebten Kommentaren der "ehrenwerten FC-Gesellschaft" heraus. Und wenn ich so etwas lese, dann farge ich mich schon manchmal, mit welcher Klientel ich es hier zu tun habe und beruhige mich einfach mit der Erkenntnis, dass es eben der Durchschnittsdeutsche ist, der sich hier verewigt.

Die Kombinatsleute mögen vielleicht noch ein wenig Nachholbedarf in Sachen journalistischer Recherche haben, aber gravierende Fehler haben sie in der Sqache Drygalla nicht gemacht. Im Gegenteil, wenn man sie auf einen Fehler aufmerksam, geben sie den auch ganz offen zu und korrigieren ihn.

Wer hier leichtfertig von Sippenhaft etc spricht, verkennt ganz gewaltig die Struktur der Neonazi-Szene und vor allem auch, dass diese Szene nur mit dem Schweigen ihres Umfelds lebensfähig ist.

Wenn wir unsere Eltern und Großelternb gefragt haben, warum sie damals geschwiegen haben, dann darf ich mit Fug und Recht Frau Drygalla, die jahrelang mit einem aktiven und dazu auch noch gewaltbereiten Neonazi zusammenlebte, geschwiegen hat, ohne dass mir unterstellt wird, dass ich sie in Sippenhaft nehme.

Und bis jetzt habe ich von dieser Dame noch keine akzeptable Antwort gelesen.

Und auch die Tatsache, dass DOSB und ein Verteidigungsminister glauben, wenn man sie in eine Sportkompanie steckt, könnten sie vom eigentlichen Problem ablenken und die unangenehme Diskussion beenden, exkulpiert die Dame nicht.

Und wenn man das "Unkraut" Neonaziszene bekämpfen will, dann reicht es einfach nicht, nur die Blüten abzuschneiden. Da muss man schon die Wurzeln ausgraben und zu diesen Wurzeln gehören auch die, die die Szene stillschweigend tolerieren.

thinktankgirl 19.08.2012 | 18:48

antares5618.08.2012 17:58

Viele Leute hier scheinen ja Frau Nadja Drygalla sehr gut zu kennen! Oder woher wissen sie sonst wie sie denkt?

Daher:

Auch über Drygalla selbst wurde in Athletenkreisen offen gesprochen. In London sagte die Ruderin Carina Bär: "Wir haben intern öfter diskutiert, dass wir solche Haltungen nicht tolerieren. Bei ihr war es ein offenes Geheimnis." Gemeint sei Drygallas politische Gesinnung. Dies bestätigten laut der Nachrichtenagentur dapd andere Athleten, die ungenannt bleiben wollten.

h.yuren 19.08.2012 | 19:10

lieber georg,

danke für deinen klartext.

es ist zu unterscheiden zwischen der veröffentlichung der verbindung, des an den pranger stellens und schließlich einer bestrafung oder ahndung. wer diesen leuten alles abkauft und sie am ende auch noch belohnt durch die öffentliche unterstützung, riskiert viel.

andrerseits wäre es die verdammte pflicht und schuldigkeit der näheren umgebung von frau drygalla, sich um die person zu kümmern. familie, freunde, bekannte, kollegen. erst wenn das unmittelbare umfeld versagt oder überfordert ist, ist die öffentliche aufmerksamkeit am zug. die alternative war hier angebracht.

ärgerlicher, ja, entsetzlicher und folgenschwerer als das verhalten der mitläuferin finde ich die untätigkeit und pflichtvergessenheit der behörden. auf was warten diese einrichtungen noch nach den serien von mord und gewalt, einschüchterung und bedrohung? dieses starren auf die buchstaben des gesetzes und die ausblendung der fakten sind ein zeugnis der unfähigkeit oder fahrlässigkeit.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2012 | 19:39

Dem NPD-Mitglied Michael Fischer konnte man nichts am Zeug flicken, sonst hätte man ihn ja irgendeines Deliktes bezichtigt und angezeigt. Die NPD ist (noch) nicht verboten. Also auch hier kein Delikt. Und natürlich ist Michael Fischer nicht wirklich mit Mördern und Kriegsverbrechern in Verbindung zu bringen oder auf eine Stufe zu stellen, auch wenn das Kombinat Fortschritt dies mit inbrünstiger und inquisitorischer Wollust versucht.

Weil all das die Leute vom Kombinat Fortschritt wohl maßlos erregte und ärgerte, wendeten sie sich mit infamen Methoden einem nahen Angehörigen Michael Fischers zu, nämlich seiner Freundin. Sozusagen als schwächstem Glied in einer imaginären Kette, denn sie ist ja offensichtlich kein NPD Mitglied.

Da auch ihr nur die persönliche und vom Kombinat Fortschritt als moralisch zu verdammende Verbindung zu Michael Fischer "nachgewiesen" werden konnte, musste man sie irgendwie mit Dreck beschmeißen und dämonisieren, damit man Michael Fischer trifft, so die eigene Zielrichtung des Kombinats Fortschritt.

Vielleicht sollten mal die Leute vom Kombinat Fortschritt als auch deren ebenso inbrünstige Verteidiger hier im Leserforum des Freitags diese Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch lesen:

Beleidigung http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__185.html

Üble Nachrede http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__186.html

Verleumdung http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__187.html

Das alles dient natürlich dazu, den Ruf der Sportlerin zu vernichten, indem man sie öffentlich herabsetzt (diskreditiert).

http://de.wikipedia.org/wiki/Diskreditierung

"... Als Diskreditierung (lat. dis „entzwei“, credere „vertrauen“) bezeichnet man das gezielte Untergraben des in eine Person oder Sache gesetzten Vertrauens in der Öffentlichkeit. Oftmals wird zum Erreichen der persönlichen Ziele das Mittel der Lüge benutzt. ..."

Augenfällig ist die sich im Tonfalll überschlagende Hysterie, mit der der Feldzug gegen die Sportlerin geführt wird. Hier ist jedes Maß verloren gegangen, falls es je überhaupt vorhanden war. Mitgefühl und bürgerlicher Anstand sind beim Kombinat Fortschritt und ihren Kreuzrittern ebenso nicht zu finden. Das alles spricht sehr für sich und gegen das Kombinat Fortschritt. Mal ganz abgesehen von journalistischer Sorgfaltspflicht bei der Verbreitung irgendwelcher Aussagen. Jeder Bürger haftet für das, was er tut und anderen antut. Das Kombinat Fortschritt haftet für nichts, und die wie Federn in den Wind gestreuten Worte können sie natürlich auch nicht zurückholen.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2012 | 20:48

Das weiß ich. Bisher ist gegen das (ehemalige?) NPD Mitglied Michael Fischer keine Klage erhoben worden. Und natürlich hat all das nichts mit der Sportlerin zu tun. Wer so etwas behauptet, muss ihr das mal nachweisen.

Mir geht es um das Unmaß, mit der man hier massiv gegen die Sportlerin vorgeht und sich das moralische Recht dazu anmaßt, denn ein juristisches hat man ja als ziviler Bürger dazu nicht.

Die Infamie besteht ja gerade darin, ihr etwas anzudichten bzw. massiv in ihr persönliches Leben einzugreifen, weil sie mit Michael Fischer zusammen ist. So etwas verbitten sich alle anderen Menschen zurecht. Wo kommen wir denn hin, wenn man sich für die politische Haltung des Lebenspartners rechtfertigen soll, oder gar durch öffentlichen Druck zur Aufgabe der Beziehung gezwungen und genötigt werden soll oder wird.

Popkontext 19.08.2012 | 21:17

Nochmal: Wo hat ihr das Kombinat Fortschritt etwas "angedichtet"? Konkret! Welche Lügen und Diffamierungen gab es: Konkret! Und niemand zwingt sie, ihre Beziehung aufzugeben. Nur muss sie sich dann auch Fragen gefallen lassen, ob sie die richtige Person für den Staatsdienst ist und ob jemand, der sich in einem tiefbrauenen Umfeld bewegt Deutschland bei Olympia repräsentieren sollte. Mehr ist auch nicht passiert.

thinktankgirl 19.08.2012 | 21:29

Wo kommen wir denn hin, wenn man sich für die politische Haltung des Lebenspartners rechtfertigen soll, oder gar durch öffentlichen Druck zur Aufgabe der Beziehung gezwungen und genötigt werden soll oder wird.

Wer mit einem Mafioso zusammenlebt, muß sich auch gefallen lassen, der Duldung krimineller Aktivitäten verdächtigt zu werden. Warum sollte das für die Lebensgefährtin eines Neonazis anders sein?

Und bitte nicht wieder: NPD ist nicht verboten etc. Diese rechte Szene hat 180 Tote zu verantworten. 180! In Deutschland! Aber die sind alle ganz harmlos, die nehmen nur ihr Recht auf Meinungsfreiheit wahr. Und wie furchtbar, es könnte jemand falsch verdächtigt werden, der sich mit diesen Typen rumtreibt. Da könnten ja fundamentale Menschenrechte verletzt werden!

Geht's eigentlich noch?

lrgendwer 19.08.2012 | 22:04

DenkTankMädchen, Du hast noch das, was den meisten 'Linken' abgeht: Klasseninstinkt! Selbst wenn Frau Drygalla im letzendlichen moralischen und juristischen Sinne möglicherweise nicht in vollstem gutmenschlichen Sinne Recht ergangen ist - es ist ebenso letzendlich scheißegal. Zwischentöne sind Krampf im Klassenkampf - ein bekanntes Zitat eines leider verstorbenen Denkers. Zwischentöne sind Krampf im Kampf gegen neue Nazis. Das kapiert aber nur der, der mal gesehen hat, wie wolllüstig Nazis mit Baseballschlägern Menschen totschlagen. Gutmenschen schauen da lieber weg.

lrgendwer 19.08.2012 | 22:19

Ergänzung, weil's so schön paßt: Manchmal sagen die Kumpanen jetzt, was soll denn dieser Scheiß? Wo sind deine Zwischentöne? Du malst bloß noch schwarz und weiß. Na schön, sag ich, das ist ja richtig, aber das ist jetzt nicht wichtig. Zwischentöne sind bloß Krampf im Klassenkampf. Auch die alten Kunden klagen, wo bleibt Ihre Poesie? Dinge bilderreich umschreiben, andeuten, das können Sie. Na schön, sag ich, das ist ja richtig, aber das ist jetzt nicht wichtig. Schöne Poesie ist Krampf im Klassenkampf. Einen Scheißhaufen zu malen, das nutzt gar nichts. Der muß weg. Und trotz aller schönen Künste stinkt der Dreck nach Dreck. Daß er daliegt, ist nicht richtig. Daß er weg muß, das ist wichtig. Schöne Künste sind bloß Krampf im Klassenkampf. Und um es genau zu sagen ohne alle Poesie: Weg muß der Nazismus*, her muß die Demokratie. Ja, genau das ist jetzt richtig, alles andre nicht so wichtig. Alles andere ist Krampf im Klassenkampf. Und der Dichter, der poetisch protestiert in seinem Lied, bringt den Herrschenden ein Ständchen und erhöht ihren (und seinen) Profit. Und genau das ist nicht richtig, und genau das ist nicht wichtig. Protestieren ist bloß Krampf im Klassenkampf. Vom Protest zum Widerstand doch dabei bleiben wir nicht stehn denn wir müssen bald vom Widerstand zum Angriff übergehn. Ja genau das ist jetzt richtig, alles andre nicht so wichtig. alles andere ist Krampf im Klassenkampf. *im Original heißt es Kapitalismus

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2012 | 22:20

h.yuren19.08.2012 12:13@KarinL.

was ist genehmer "Mob" oder "Unmensch"? letzteres steht in der tradition des buchtitels "Aus dem Wörterbuch des Unmenschen". wie wäre es mit "Pack"?

Und Sie merken gar nicht wohin diese Reise wirklich geht!! Nämlich in den Faschismus!!

Von mir aus könnt Ihr alle aufeinander dreinhaun...verstanden, um was es in Wirklichkeit geht und das ihr alle nur benutzt werdet, habt ihr jedenfalls nicht!

Lesen Sie Krysmanski und Sie wissen warum Sprache so pervertiert und abwertend geworden ist!! Wenn Sie da mit machen...dann sind Sie ebenfalls "faschistisch". Ich bin es nicht!!

Mit seinem berühmten Buch The Power Elite (1956) brachte der SoziologeC. Wright Mills diese Befürchtungen auf den Punkt. Es ging ihm nicht nur darum, daß in den USA eine Machtelite »aus Männern der Wirtschaft, der Politik und des Militärs« entstanden war,die »etwas Neues im politischen System der USA« darstellte. DasPower Structure Research hielt vielmehr auch die Frage der Möglichkeit des Faschismus offen. Der deutsche Nationalsozialismus war ein besonderer Horror innerhalb des faschistischen Entwicklungsweges der Moderne. Doch faschistische Herrschaftsmuster waren keineswegs eine Sache der Vergangenheit, sondern ein permanentesPotential sogenannter moderner Gesellschaften, basierend aufhemmungsloser Korruption und umfassender umfassender Kontrolle der Kommunikation.Jetzt allerdings hätten wir es mit einem postmodernen, durch dieVirtualität des »global space of flows« geprägten Globalfaschismus zu tun – oder, wie Arthur Kroker und Michael Weinstein es schon1995 ausdrückten: mit einem vom »Pan-Kapitalismus« erzeugten»Retro-Faschismus«.

Sie sehen das ALLE nur viel zu sehr auf Deutschland bezogen!

Wenn man sich mit Krysmanski beschäftigt, dann weiß man mehr und kann sich die Zusammenhänge und Hintergründe erklären!

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/global-texte/globalws0405.htm

miauxx 19.08.2012 | 22:49

Du hast ja freilich recht, wenn Du darauf verweist, dass es im Zweifel gewissen Herrschenden nützt, wenn "Deklassierte" oder wie immer man sagen will, sich nur untereinander auf's Maul hauen. Neonazis in die Fänge zu gelangen ist dabei eben in vielen Regionen eine der nächstliegenden Varianten für junge Menschen, die keine andere Perspektive sehen. NPD und Kameradschaften "kümmern" sich eben; geben das Gefühl, in einer Gemeinschaft aufgehoben zu sein. Und geben darüber auch das Gefühl, endlich bei den Starken zu stehen, indem man nach unten treten kann. Es ist nun aber nicht etwa genetisch, dass Menschen rechtsextrem werden. Vielleicht sogar die meisten können durchaus für einen anderen Weg gewonnen werden. Auch ohne, dass es etwa erst zu ganz schlimmen Gewalttaten gekommen ist. Nur muss man dafür auch in der Lage sein, den Finger in die Wunde zu legen und dahin zu zeigen, wo rechtsextreme Strukturen sich verfestigen. Und wohlgemerkt: Die Eminenzen hinter den faschistischen Mobs entstammen keinesfalls dem Prekariat oder sind nur dumm. Der Rechtsextremismus ist und darf nur keine Bewegung der Straße sein, er ist es im Grunde oft nichteinmal wirklich. Und da "man" sich ganz offenbar auf den Staat bzw. seine Organe keinesfalls verlassen kann, braucht es wenigstens Leute wie die des "Kombinats".

miauxx 19.08.2012 | 23:14

"Wo kommen wir denn hin, wenn man sich für die politische Haltung des Lebenspartners rechtfertigen soll, (...)"

Fachismus/ Rechtextremismus ist keine "politische Haltung", sondern ein Verbrechen. Auch wenn diese Aussage wie ein abgedroschener Spruch von Antifa-Demos klingen mag, ist er trotzdem des Nachdenkens wert. Fast 100 Jahre jüngere europäische Geschichte bieten genug Anhaltspunkte für Wahrheit dieser Aussage!

Und da Sie so beherzt auf die nicht verbotene NPD und keine dem Fischer nachgewiesenen Straftaten (im juristischen Sinne) verweisen: Vor 1933 war die NSDAP auch keine verbotene Partei und es war eine Unterzahl in der Gesellschaft, welche die Bedrohung wahrnahmen. UNd es gab ja nicht nur das Gedankengut, welches scheinbar Labsal für eine von der Wirtschaftskrise gebeutelte Bevölkerung bedeuten sollte, sondern auch die prügelnde SA. 1933 haben die dann die Wahlen gewonnen und den Rest kennen Sie ja hoffentlich. Hitler und die Funktionäre hatten vielleicht nicht unbedingt selbst Knüppel und Gewehr in die Hand genommen. Wissen Sie, es ist nämlich nicht nur allein eine juristische Frage, sondern eine der Moral, für welche Gesellschaft man eintreten will. Und Sie würden wohl für einen Voigt, Pastörs usw. noch vehement in die Bresche springen, solange die nicht selbst den Baseballschläger über irgendeinen Kopf gezogen haben?! Und auch davon abgesehen scheinen Sie überhaupt nicht im Bilde darüber zu sein, wie sich das "Kombinat" Fischer und Drygalla nähert. Darauf jdf. weist die von Ihnen verwendete Terminologie und die juristischen Anschuldigungen, welche Sie gegen das "Kombinat" vorbringen. Machen Sie sich erstmal schlau, bevor Sie hier so einen Bockmist schreiben! Es sei denn, Ihnen ist wirklich so an einer Verteidigung Fischers et al gelegen ...

Georg von Grote 20.08.2012 | 01:22

Nun, liebe Karin,

nichts gegen meine schwarze Seele. Solltest Du aber das "schwarz" politisch meinen, dann hast Du Dich geschnitten :-)

Die Faust?

Tja, meine Visage kennt Ihr ja schon und meinen Allerwertesten würde ich gerne einigen hier zeigen, aber nicht allen.

Deshalb die Faust, die allerdings nicht mir gehört, sondern einem gewissen Tommie Smith, der sie zusammen mit seinem Kollegen Carlos 1968 bei der Siegerehrung in den olympischen Himmel über Mexico City streckte, fand ich angemessen, nachdem einige hier nach Dells Exkurs in die political correctness glaubten, einen Zwergerlaufstand veranstalten zu müssen.

Silent Gesture

Diesen Herrlich- und Dämlichkeiten, allen voran den Herren Heinrich, OI und Hardob, nebst ihren Groupies Diander und Co rate ich mal an nach Watts oder Harlem zu reisen und das Wort "nigger" in den Mund zu nehmen. Vielleicht würden sie es dann begreifen, worum es geht.

abghoul 20.08.2012 | 10:10

Also ich versuch es mal in einfach auszusprechen.

Die Sache die das Kombinat zusammengestellt hat halte ich auch für sinnvoll, nun gut, der Satz mit dem Mitleid kommt etwas schräg daher, aber wir sollten froh sein das es Leute gibt die sich überhaupt um solche Sachen kümmern.

Der Hype der dann, übrigens nicht von dem Kombinat, veranstaltet wurde ist ein anderes Thema. Viel von dem Gezank das hier stattfindet ist doch auf den Hype gerichtet, nimmt aber die Leute vom Kombinat ins Visier.

Wenn die Medien wie wild über das Thema herfallen um dem Sommerloch oder wasauchimmer Abhilfe zu verschaffen liegt das nicht in deren Verantwortung.

Diese Vereinfachung mit dem "Links-Rechts" Spektrum ist einfach Unsinn.Das wird doch nur missbraucht um zu diskreditieren. Und eigentlich nur das "Linke". Etwas ganz anderes muss nicht automatisch das Gegenteil sein. Das "die Linke" das als Partei geschluckt hat und als Emblem benutzt, schmeckt mir auch heute immer noch nicht. Obwohl mir auch kein besserer Name einfällt.

@Georges Faust

Jetzt wo du es sagst, George.

Ich habe da die ganze Zeit einen Korken der aus einer Flasche fliegt drin gesehen. Aber recht hast du mit Mexico, es gab schon ganz andere Anlässe Sportler aus dem Olympiadorf wegzuschicken und da ist auch der Haken dieser ganzen Veranstaltung zu sehen.

Letztenendes ehrt ein derart radikaler Konflikt mit den Massenmedien und so eine Art Werbung hat der ganze Verein von Drygallas Freundchen nicht verdient.

greetz from the pit -abghoul

Maria Jacobi 20.08.2012 | 14:26

Über die Volksdemokratisierung der BRD mache ich mir schon lange keine Illusionen mehr. Dass ein Terroristenverein zum Handlanger unserer Justiz wird und die Takte vorgibt, nach der die Medien Hetzjagd betreiben, ist ein weiterer Schritt auf dem Weg in eine lichte kommunistische Zukunft. Dass der Freitag diesen Friedens- und gegen Rechts-Kämpfern die Plattform liefert, ihr Wasser abzulassen passt ins Bild. Aber: als gelernter DDR-Bürger sind mir solche Aktionen und solche Zeitungsartikel wohlbekannt.

blog1 20.08.2012 | 14:47

Was wissen wir über den Fall Drygalla?

Frau Drygalla ist mit landeskannten Neonazi seit mehreren Jahren liiert. Das mögen viele nicht verstehen bzw. nicht nachvollziehen. Nur gibt es im Volksmund einen Spruch“ Wo die Liebe hinfällt auch wenn sie auf einen Misthaufen fällt“.

Frau Drygalla hat sich in einem mir bekannten Interview von nazistischem Gedankengut eindeutig distanziert. Dies bestätigte auch der Delegationsleiter der deutschen Olympiamannschaft Vesper. Darüber hinaus versuchte sie, auf ihren Freund einzuwirken, sich von den Nazis zu distanzieren. Sie befand sich offensichtlich in einem Dilemma zwischen Liebe/Zuneigung und ihrer eigenen politischen Überzeugung. M. W. ist ihr Freund seit dem Frühjahr 2012 nicht mehr Mitglied der NPD. Ob diese Veränderung der Positionierung ihres Freundes ausreicht, mag bezweifelt werden und ob die Einwirkung von Frau Drygalla ursächlich für den Parteiaustritt war, wissen wir nicht. Jedenfalls ist es ein Fortschritt, der auch zum Gesamtbild gehört. Natürlich kann auch argumentiert werden, dass dieser Parteiaustritt eine Gefälligkeitshandlung ihres Freundes war, um ihre Olympianominierung nicht zu gefährden.

Frau Drygalla hat – wirtschaftlich betrachtet – alles verloren. Zuerst quittierte sie auf Drängen ihrer Vorgesetzten den Polizeidienst. Jetzt flog sie auch aus der Olympiamannschaft bzw. aus der Sportförderung.

Ich finde, diese Frau ist genug gestraft. Ich kenne Frau Drgalla nicht, aber wenn ich ihr ins Gesicht schaue, wirkt sie auf mich verängstigt, so als ob sie mit der ganzen Situation nicht umgehen kann.

Der Begriff „Mitleid“ leitet sich aus dem Verb „mitleiden“ ab und trifft überhaupt nicht den Kern der Sache. Mitgefühl träfe es schon genauer. Aber auch dieser Begriff ist in diesem Zusammenhang verfehlt. Genau genommen geht es dem Kombinat Fortschritt um die Frage, ob sie ihr Vorgehen gegen Frau Drygalla bedauern oder nicht. Das tun sie wohl nicht, weil der Zweck in den Augen der Redakteure die angewandten Mittel rechtfertigt. Interessant ist dieser Schlusssatz allenfalls in dem Zusammenhang, dass es den dort handelnden Personen um die Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz von Frau Drygalla geht. Wenn jetzt von einige Foristen und auch den Redakteuren des Gastbeitrages darauf hingewiesen wird, dass Frau Drygalla ja noch ihrer bürgerlichen Ehrenrechte inne hat und sonst auch keinen Schaden genommen hat, klingt das in meinen Augen zynisch, ja sogar menschenverachtend bzw. selbstgerecht. Das kommt mir so vor, wie wenn ich jemand beide Beine amputiere und ihm dann erkläre, dass es ja gute Prothesen gibt. Und das alles geschieht unter dem Deckmantel der Anonymität. Während der eine an den Pranger gestellt wird, bleibt der andere anonym, weil er vor den Zugriffen der rechten Szene geschützt werden muss. Wo bleiben denn die Persönlichkeitsrechte von Frau Drygalla. Hat sie die etwa verwirkt, weil sie mit der falschen Person liiert ist?

Der Fall Drygalla trägt eindeutige Züge einer Sippenhaft, weil das Kernelement, jemand für die Taten und Denkweisen eines anderen verantwortlich machen zu wollen, erfüllt ist. Dabei spielt es m.E. keine Rolle, ob es sich um nächste Verwandte oder um den Partner handelt. Hier wird eine Grenze überschritten, die zumindest meinem Demokratie- und Rechtsverständnis widerspricht.

Lethe 20.08.2012 | 15:27

Der Bericht von 2009 weist insgesamt 9.375 (2008: 6.724) Straftaten mit linkem Hintergrund aus. Darunter fallen 4.734 linksextremistische Straftaten: 51,5 Prozent mehr als im Vorjahr (3124). Der Anteil linksextremer Gewalttaten stieg von 701 (2008) auf 1.115 um 59,1 Prozent. Das Bundeskriminalamt erfasste 4.734 (2008: 3.124) vollendete oder versuchte Straftaten, darunter 1115 Gewalttaten, davon 2091 Sachbeschädigungen, 502 Körperverletzungen, 271 Fälle von Landfriedensbruch, 173 Widerstandsdelikte, 56 Nötigungen oder Bedrohungen, 113 Brandstiftungen, 18 gefährliche Eingriffe in den Verkehr, 4 Sprengstoffexplosionen und 7 versuchte Tötungsdelikte. Die Zahlen „linksextremistischer“ Straftaten sind insgesamt stets niedriger als vom Rechtsextremismus ausgehende – was vor allem daran liegt, dass es sich bei etwa 71 Prozent der rechtsextremistischen Straftaten insgesamt um „Propagandadelikte“ handelt, für die das StGB auf linksextremistischer Seite kein Pendant kennt. Beschränkt man den Vergleich auf die politisch motivierte Gewaltkriminalität, überflügelt die linksextreme Gewalt diejenige von Rechtsextremen erstmals mit 1115 zu 891 Gewaltdelikten.

aus Wikipedia, Artikel Linksextremismus

ich denke, linksextreme Gewalt ist nur dann kein Problem, wenn mensch a priori und ohne Rückbezug zur Faktenlage weiß, dass Linke irgendwie immer die Moral für sich gepachtet haben. Das spricht Rechtsextreme nicht frei. Macht sie aber irgendwie ... ähnlicher.

thinktankgirl 20.08.2012 | 17:16

Lethe20.08.2012 16:38@thinktankgirl

bei 502 Körperverletzungen, ... 113 Brandstiftungen, 18 gefährliche Eingriffe in den Verkehr, 4 Sprengstoffexplosionen und 7 versuchte Tötungsdelikten allein in einem einzigen Jahr ist das bestenfalls Glück, Thinktankgirl. Oder mutwilliges Ignorieren der entsprechenden Auflistung der letzten 20 Jahre linksradikaler Gewalt.

So, so Glück ...

Stimmt, es war nur Pech, daß während der NS-Zeit 9 Millionen Menschen in den KZs umkamen, davon 6 Millionen Juden, die die von den Nazis eigentlich gemocht wurden, aber dummerweise immer von selbst in die Gaskammern liefen.

Und die heutigen Rechtsradikalen haben natürlich nicht das geringste mit der NS-Zeit und den damaligen Anschauungen zu tun.

Georg von Grote 20.08.2012 | 18:24

Lethe, nichts für ungut, aber auf diese Statistiken sollte man sich nun ünerhaupt nicht berufen.

Mittlerweile ist längst bekannt, wie die zustande kommen und wie fehlerhaft sie sind.

Was dort als Landfriedensbruch geführt wird, sind in den meisten Fällen nichts anderes als harmlose Sitzblockaden. Unter Körperverletzung wird da schon geführt, wenn einer einen Polizisten schubst.

Rechte Straftaten, werden erst seit kurzem und noch sehr zaghaft aufgenommen.

Ich denke, das wissen Sie auch sehr genau, Herr Lethe :-)

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Ehemaliger Nutzer 20.08.2012 | 22:06

Schon der verquaste Ton Ihrer umständlichen Erklärung, der einen ungut an Deutschland im Herbst erinnert, weist in eine Richtung, die zuletzt auch bestätigt wird: 'Wir haben kein Mitleid ...'. Natürlich nicht, denn Sie befinden sich ja an der borderline, im Endkampf mit dem Bösen. Letzteres besteht zum Beispiel darin, dass sich eine Frau wissentlich von einem Rechtsradikalen fotografieren ließ, bevor sie als Ruderin zu Olympia fuhr. Das ist zwar nicht strafbar aber trotzdem natürlich unerhört. Dafür gehört dieser Person jede Vergünstigung gestrichen, ganz klar. Um dies zu bewerkstelligen, mussten Sie als treudeutsche Blogwarte höheren Orts eine entsprechende Meldung machen. Herzlichen Glückwunsch Volksgenossen, wir fühlen die MAcht des Fortschritts durch Ihre mutige Aktion deutlich gefestigt! Nur weiter voran gegen den Feind, wer und wo er auch ist (keine Bange, in Ihnen selbst ist er gewiss nicht, dort ist alles rein weiß oder wie die angesagte Farbe im Moment auch immer heißen mag). Also weiter so! Und vor allem: kein Mitleid! Niemals!

Georg von Grote 20.08.2012 | 22:22

Hätte nicht gedacht, dass hier in der FC derart viele Sympathisanten der rechten Szene unterwegs sind.

Eine interessante Erfahrung. Und nicht wenige von denen, wenn nicht sogar die Mehrzahl hat eine DDR-Vita. Dürfte ja auch nicht wundern, war ja der vermeintlich sozialistische Arbeiter- und Bauernstaat weitaus faschistischer als es der Westen war, trotz seine Ex-Nazis in führenden Positionen.

Da scheint schon einiges totgeschwiegen worden zu sein, statt es aufzuarbeiten.

Popkontext 20.08.2012 | 22:31

Da sind auch einige Neuanmeldungen zum Thema, was mich nicht wundert. Es sind zum Großteil nämlich die Rechten, die versuchen, das Ganze zum Skandal zu machen und hysterisch versuchen, das propagandistisch für sich zu nutzen, indem sie die Tatsachen verdrehen. Plötzlich werden diejenigen, die Bundt statt Braun bevorzugen zu Nazis gemacht - ironischer Weise auch als Negativbegriff.

miauxx 20.08.2012 | 22:38

Was ist denn jetzt los? Steh' ich irgendwie auf'm Schlauch, oder woher kennst Du, Georg, die Vitae der "rechten Sympathisanten" hier? Und der "vermeintliche Arbeiter- und Bauernstaat" war "weitaus faschistischer als der Westen" ??!! Oder übersehe ich Ironie?

Ach ein Lesetipp noch an alle:

http://www.fr-online.de/neonazi-terror/frauen-in-der-neonazi-szene-heimchen-und-der-hitlergruss,1477338,16920174.html

Die Unsichtbaren Deutschen 21.08.2012 | 06:34

Ich kann im Fall Drygalla keine Beleidigung oder üble Nachrede erkennen. Die langjährige Liebschaft mit dem NPD-Kader Fischer ist gut belegt. Die Medien verbreiten hier also eine nachprüfbare Tatsache. Daher verstehe ich nicht, weshalb die Berichterstattung nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sein soll, wenn die Meinungsfreiheit sogar (!) für die NPD, Mohammed-Karikaturen und UFO-Gläubige gilt.

Der Fall Drygalla hat überhaupt nichts mit Sippenhaftung zu tun, sondern mit unserem medialen Star-System im Spitzensport. Eine Spitzensportlerin wie Drygalla eignet sich nicht als Sponsorenträgerin, weil sie nicht zum Star taugt. Für einen privaten Verein wie den Ruderverband ist die Drygalla eine Fehlinvestition. Ein Sportstar spielt eine öffentliche Rolle. Wer das nicht kann, soll deswegen auch kein Sportstar werden. Deswegen sollte man sich nicht aufregen, weil Sportstars keine produktive Funktion im ökonomischen System haben außer bei der Bildung von Marken-Images durch Werbung mit zu wirken, um Extra-Profite aus Konsumenten zu generieren.

In der Frage des Ausscheidens aus dem Polizeidienst oder der Aufnahme in die Streitkräfte sind andere Maßstäbe anzusetzen, weil es sich um die Organe der bewaffneten Staatsmacht handelt. Da sollten Loyalitätsbekundungen zum Staat selbstverständlich sein.

Eine andere Sache ist: der Fall der Ruderin Drygalla ist zu einer medialen Machtprobe geworden. Die "Verteidiger" der Drygalla inszenieren das Opferbild von Drygalla und beschwören den Glauben an eine linke Meinungsdiktatur . Die linke Meinungsdiktatur existiert mit einiger Sicherheit nicht, wenn man sich die Besitzverhältnisse der Zeitungen und TV-Anstalten anschaut. Wirkliche linke Medien sind kleine Buchverlage und unbedeutende Genossenschaftszeitungen. Die Medienlandschaft ist in Wahrheit eher im Meinungsspektrum konservativ bis liberal beheimatet. Die Presseberichte sind sehr ausgewogen und die Medien positionieren sich als das Sprachrohr des Juste Milieu, weil der Fall Drygalla reflexartige Verurteilungen rechter und linker Totalitarismen ermöglicht. Antifaschismus und rechter Rassismus wird stillschweigend gleichgesetzt.

Der Fall Drygalla hat überhaupt nichts mehr mit rationalen Überlegungen der Sport-Ökonomie zu tun, sondern er wird als Stellvertreter-Krieg mißbraucht.

Das rechte Maß ist verloren. Die shareholder der Zeitungen und Fernsehanstalten haben wieder die Empörungsmaschine gegen politische Korrektheit und Gutsmenschentum aktivieren können. Man will wieder einen öffentlichen Raum schaffen für eine andere politische Sprache. Der Rammbock NPD ist gerade recht. Im schrillen sprachlichen Umfeld der NPD Propaganda Vokabulars wie Sippenhaft, Gesinnungsdiktatur kommt die diskriminierende Sprache des Juste Milieu, d.h. die Begriffe wie Unterschicht, Sozialschmarotzer, Faulenzer, Integrationsverweigerer, Prekariat, sozial Benachteiligte, Leistungsträger und Minderleister nicht mehr so menschenunwürdig daher.

thinktankgirl 21.08.2012 | 11:01

Lethe21.08.2012 09:29@thinktankgirl

Und die heutigen Rechtsradikalen haben natürlich nicht das geringste mit der NS-Zeit und den damaligen Anschauungen zu tun.

Wollen Sie sich diese Argumentation nicht noch mal überlegen, TTG? Oder soll ich der linksradikalen Szene die Verbrechen Stalins, Maos und anderer Heroen in gleicher Weise anrechnen?

Wenn ich sage, daß die Rechtsradikalen sich direkt auf die NS-Zeit und die damaligen Anschauungen beziehen, dann rechne ich ihnen nicht die Verbrechen Hitlers an. Aber ich behaupte damit, daß sie diese Verbrechen und Anschauungen gutheißen und aus diesem Geiste heraus, Menschen töten, wie zuletzt die NSU.

thinktankgirl 21.08.2012 | 11:16

180 Tote:

1990 verzeichnet „Mut gegen rechte Gewalt“ insgesamt sieben Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland:

Am 7. Januar 1990 wurde der 40-jährige Mahmud Azhar in Berlin von einem rassistischen DDR Bürger angegriffen. [33] Der aus Pakistan stammende Doktorand wurde auf dem Gelände der Freien Universität Berlin von einem Angreifer rassistisch beleidigt. Beim Versuch telefonisch Hilfe zu organisieren, verletzte sein Angreifer ihn mit einem Feuerlöscherrohr am Kopf. Er starb fast zwei Monate später, am 6. März, an den Folgen seiner Verletzung.[2]Der aus Polen stammende Andrzej Fratczak war das erste Opfer nach der Wiedervereinigung. Der Vorfall bekam nur geringe Aufmerksamkeit in den Medien. Als Fratczak am 7. Oktober 1990 eine Diskothek in Lübbenau (Brandenburg) verlassen wollte, wurde er von drei jungen Männern attackiert, verprügelt und durch einen Messerstich tödlich getroffen. In der darauf folgenden Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, dass die drei Angreifer ebenfalls bei dem Überfall auf das Asylbewerberheim in Lübbenau 1992 beteiligt waren. Die Urteile fielen mit zwischen acht Monaten und dreidreiviertel Jahren Freiheitsstrafe, verhältnismäßig gering aus, da das Gericht nicht eindeutig feststellen konnte, welcher der Angreifer den tödlichen Messerstich ausführte.[2][34]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/b/b0/Gedenktafelaufschrift_Amadeu_Antonio_Eberswalde.jpg/220px-Gedenktafelaufschrift_Amadeu_Antonio_Eberswalde.jpghttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.png Gedenktafel an die Ermordung Antonios in Eberswalde Amadeu Antonio Kiowa wurde am 25. November Opfer eines Mobs von 50-60 Rechtsextremen. Der 28-jährige angolanischeVertragsarbeiter war eine von drei Personen, die in dieser Nacht durch Eberswalde (Brandenburg) gejagt und verletzt wurden. Während sich die anderen beiden Personen, zum Teil schwer verletzt, retten konnten, wurde Kiowa lebensgefährlich verletzt. Bis zum 6. Dezember lag Kiowa im Krankenhaus im Koma, wo er an den Folgen des Überfalls verstarb. Im Nachgang gab es eine enorme mediale Aufmerksamkeit bis hinein in den Prozess, bei dem internationale Beobachter anwesend waren. Dass die Urteile erneut niedrig ausfielen führte zu massiver Kritik an der juristischen Aufarbeitung.Der 24-jährige Klaus-Dieter Reichert starb am 11. Dezember in Berlin-Lichtenberg. Er sprang in Panik aus einem Fenster seiner im 10. Stock liegenden Wohnung, nachdem drei rechtsextreme Skinheads in seine Wohnung eingedrungen waren und ihn geschlagen hatten. Die drei Männer wurden wegen ihrer bekannten Brutalität von Bekannten des Opfers engagiert, denen er Geld schuldete, um dieses einzutreiben. Die drei Skinheads wurden zu vier Jahren bzw. drei Jahren Haft verurteilt.[2][34]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/82/Aufkleber_Demonstration_zum_Gedenken_an_Nihat_Yusufo%C4%9Flu.JPG/220px-Aufkleber_Demonstration_zum_Gedenken_an_Nihat_Yusufo%C4%9Flu.JPGhttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.png Mobilisierungs-Aufkleber für die Gedenkdemonstration am 20. Jahrestag der Ermordung Yusufoglus. Im Alter von 17 Jahren starb Nihad Yusufoglu im rheinland-pfälzischen Hachenburg durch einen Messerstich, der ihn von hinten ins Herz traf. Yusufoglu war als Kurde aus der Türkei mit seiner Familie nach Deutschland geflohen. Nachdem er einen Asylantrag gestellt hatte, hatte er seiner Residenzpflicht in Hachenburg nachzukommen. Der Täter gehörte der „Freien Kameradschaft“ „Taunusfront“ an. Bereits im Vorfeld und auch im Nachgang war es zu Anfeindungen der Familie Yusufoglu gekommen. Yusufoglu war das erste Opfer rechtsextremer Gewalt nach der Wiedervereinigung, das in Westdeutschland ermordet wurde. Zudem ist er das erste türkische Opfer.In der Silvesternacht wurde in Flensburg ein von Obdachlosigkeit betroffener 31-jähriger Mann verprügelt und getreten. Der Täter war ein rechtsextremer Skinhead. Am 6. Januar starb der Mann, nachdem er gegen ärztlichen Rat das Krankenhaus frühzeitig verlassen hatte.[2][34]Ebenfalls am 31. Dezember kam es im niedersächsischen Rosdorf zu einem Angriff. Zwei junge rechtsextreme Skinheads, die der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) angehören, attackierten Alexander Selchow mit mehreren Messerstichen. Der junge Soldat der Bundeswehr starb einen Tag später im Alter von 21 Jahren. Der Mann wurde von der Bundesregierung auf eine Anfrage hin im Jahr 1993 als Todesopfer rechtsextremer Gewalt eingestuft, taucht aber bei späteren Anfragen aus den Jahren 1999 und 2009 als solches nicht mehr auf.[2][34]1991

Auch 1991 waren sieben Todesopfer rechtsextremer Gewalt zu verzeichnen. In der Liste der „182 Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt“ werden sie unter den Opfernummern acht bis 14 dokumentiert.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/40/Plakette_Jorge_Gomondai_Dresden.JPG/220px-Plakette_Jorge_Gomondai_Dresden.JPGhttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.png Plakette, in Dresden, die an die Ermordung von Jorge Gomondai erinnert. Der 28-jährige Jorge João Gomondai verstarb am 6. April 1991 an schweren Kopfverletzungen, die er sich bei dem Sturz aus einer fahrenden Straßenbahn in Dresden zugezogen hat. Der Vorfall ereignete sich nachdem rechtsextreme Skinheads die Straßenbahn betraten, in der der aus Mosambik stammende und in einem Schlachthof arbeitende Gomondai saß. Ob er gestoßen wurde oder aus Angst vor den dazugestiegenden Personen aus der Bahn sprang konnte in der darauf folgenden Gerichtshandlung nicht geklärt werden.[2][34]Matthias Knabe wird als Punk Opfer eines rechtsextremen Angriffs. Am 8. Mai 1991 wird der damals 23-Jährige von 15 Skinheads im niedersächsischen Gifhorn attackiert. Bei dem Versuch zu fliehen wird der junge Mann von einem Auto angefahren. Er verstirbt am 4. März 1992 an den Folgen der schweren Hirnverletzung, die er sich dabei zugezogen hat. Auch bei diesem Fall bleibt unklar, ob er von den Skinheads vor das fahrende Auto gestoßen wurde oder bei der Flucht die Straße überqueren wollte.[2][34]Helmut Leja wird am 4. Juni 1991 von einem 17-jährigen Skinhead mit einem Messer in Gifhorn-Kästorf (Niedersachsen) erstochen. Dieser hatte den 39-Jährigen aufgrund seiner Obdachlosigkeit als „Abschaum“ bezeichnet.[2][34]Agostinho Comboio wurde 1956 oder 1957 in Angola geboren und kam in den späten 80er Jahren als Vertragsarbeiter nach Westdeutschland.[35] Er war das erste Todesopfer eines rassistisch motivierten Überfalls in Baden-Württemberg nach der Wiedervereinigung. In der Nacht zum 16. Juni 1991 wurde Comboio im Alter von 34 Jahren vor einer Kneipe in Friedrichshafen von einem Rechtsextremisten verprügelt und erstochen.[36] Nach Amadeu Antonio Kiowa, der am 6. Dezember 1990 in Eberswalde von Neonazis tödlich verletzt wurde, war Comboio das zweite angolanische Todesopfer innerhalb kurzer Zeit. Laut dem Landgericht Ravensburg wurde der Täter nach dem Verbrechen auf Flugblättern der örtlichen rechten Szene als "Held von Friedrichshafen" gefeiert. Zudem wurden in der Stadt rassistische Parolen gesprüht. In der Wohnung des Täters fanden sich Flugblätter der Nationalistischen Front und der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei.[37] Der bereits wegen Sachbeschädigung und schwerer Körperverletzung Vorbestrafte gab an, im Alter von zwölf Jahren Skinhead geworden und als Ordner bei Veranstaltungen der Deutschen Volkunion tätig gewesen zu sein.[38] Er wurde im Februar 1992 wegen Totschlags zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt.[36] In der Urteilsbegründung heißt es: „Wir mussten davon ausgehen, dass die Hautfarbe des Opfers wesentlich zur Tat beigetragen hat.“ Diese Begründung wurde teilweise so aufgefasst, dass das Gericht dem Opfer eine Teilschuld zugewiesen habe. So kritisierte beispielsweise Ulrich Wickert die Verurteilung wegen Totschlages anstatt Mordes und sieht sie in eine Reihe anderer seines Erachtens zu milder Urteile deutscher Gerichte gegen rechtsradikale Straftäter nach der Wiedervereinigung.[39] In der vom Mauthausen Komitee Österreich in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und dem Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung veranstalteten Ausstellung "Gib den Opfern einen Namen" (2003-2004) wurde auch Agostinho Comboio eine eigene Gedenktafel gewidmet.[40] Agostinho Comboio wird im Gedicht Ich hab‘ geträumt von Kofi Yakpo erwähnt.[41] Der Konzeptkünstler Hans Haacke nahm in der Installation "Kein schöner Land. Weil sie nicht deutsch aussahen", die in der Akademie der Künste in Berlin ausgestellt wurde, Bezug auf die Ermordung Comboios.[42]Samuel Kofi Yeboah verstarb am 19. September 1991 im Alter von 27 Jahren in einem Wohnheim für Asylsuchende in Saarlouis (Saarland). Er starb, nachdem er den Brand bemerkt hatte und sich über das in Flammen stehende Treppenhaus in Sicherheit zu bringen, versuchte. 18 weitere Personen, die sich zum Zeitpunkt des Brandes im Haus befanden konnten sich in Sicherheit bringen oder wurden von der eintreffenden Feuerwehr rechtzeitig gerettet. Zwar konnte der Brand nicht eindeutig aufgeklärt werden, jedoch wurde festgestellt, dass es sich um einen Brandanschlag handelte, da Brandbeschleuniger im Treppenhaus als Brandursache nachgewiesen werden konnte.[43] Yeboah wird von der Bundesregierung als ein Opfer rechtsextremer Gewalt offiziell anerkannt.Gerd Himmstädt verstarb im Alter von 30 Jahren, nachdem er von sieben jugendlichen, die der rechten Szene angehörten, im brandenburgischen Hohenselchow zusammengeschlagen wurde. Die Jugendlichen, die ihn als „Automatenknacker“ bezeichneten, schlugen mit Baseballschlägern am 1. Dezember 1991 auf ihr Opfer ein. Himmstädt verstarb am 3. Dezember an einer dadurch erlitten Hirnblutung.[2][34]Timo Kählke wurde von einem Mitglied der neonazistischen Wehrsportgruppe „I. Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg“ am 12. Dezember erschossen. Der Täter hatte mit drei Komplizen versucht Kählkes Auto für einen geplanten Raubüberfall auf ein Casino zu stehlen. Als dieser sich wehrte, wurde der 29-jährige im brandenburgischen Meuro erschossen.[2][34]1992

Das Jahr 1992 war mit insgesamt 27 Todesopfern das Jahr, das die meisten Todesopfer forderte (Nr. 15-41).[2]

15 Neonazis erschlugen am 5. Januar 1992 im brandenburgischen Gransee einen 18-jährigen Mann.Im hessischen Lampertheim wurde am 31. Januar von drei Jugendlichen eine Flüchtlingsunterkunft angezündet. In den Flammen starben drei Angehörige einer Familie aus Sri Lanka.[2][34]Aus Rache für eine vorangegangene Auseinandersetzung am Vorabend drangen am 15. März 25 Skinheads in ein Asylbewerberheim im mecklenburg-vorpommerschen Saal ein und schlugen den 18-jährigen Dragomir Christinel zusammen. Der aus Rumänien stammende Christinel starb an den Folgen einer Hirnblutung.[2][34]Der gelernte SeemannGustav Schneeclaus war am 18. März von einer Gruppe von Skinheads so schwer misshandelt worden, dass er am 22. März an den Folgen starb. Der Vorfall ereignete sich im niedersächsischen Buxtehude, nachdem Schneeclaus Adolf Hitler als „großen Verbrecher“ bezeichnet hatte. Je nach Quellenlage war Schneeclaus 52 oder 53 Jahre alt.[2][34]Der 31-jährige Ingo Finnern ertrank am 19. März im Flensburger Hafen. Der Skinhead Sascha D. hatte ihn ins Hafenbecken gestoßen, nachdem er sich als Sinto zu erkennen gegeben hatte.[2][34]Am 4. April kam es erneut zu einem Brandanschlag, diesmal auf das Asylbewerberheim im nordrhein-westfälischen Hörstel. Der Bewohner Erich Bosse, dessen Alter nicht bekannt ist, verbrannte dabei. Ein Täter konnte bislang nicht ermittelt werden.[2][34]Am 24. April wurde der 24-[2] oder 29-jährige[34] aus Vietnam stammende Nguyễn Van Tu in Berlin-Marzahn von einem 21-jährigen mit einem Messerstich in die Lunge getötet, nachdem er zwei Freunden zur Hilfe geeilt war. Der Täter gab an, der Deutschen Volksunion (DVU) nahe zu stehen.Thorsten Lamprecht war der erste von insgesamt drei Menschen, die von Neonazis im sachsen-anhaltischen Magdeburg ermordet wurden. Am 9. Mai griffen 50-60 Neonazis in Magdeburg-Cracau die Gaststätte Elbterrassen an. Dort feierten zu diesem Zeitpunkt alternative Jugendliche. Sie wurden von den angreifenden mit Baseballschlägern, Stahlrohren und Leuchtkugeln angegriffen. Acht Jugendliche mussten mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Unter ihnen der 23-jährige Lamprecht, der am 11. Mai an einem offenen Schädelbasisbruch verstarb.Der 50-jährige Emil Wendtland wurde am 1. Juli im brandenburgischen Neuruppin zufällig Opfer eines brutalen Übergriffs. Drei Skinheads, die sich zum „Penner klatschen“ verabredet hatten, erstachen ihr wehrloses Opfer, da sie ihn als „Menschen zweiter Klasse“ ansahen.[2][34]Am 8. Juli wurde Sadri Berisha im baden-württembergischen Ostfildern-Kemnat in seiner Unterkunft Opfer einer Attacke von sieben neonazistischen Skinheads. Nachdem sie sich Reden von Adolf Hitler angehört hatten, zogen diese los, um „Polacken [zu] klatschen“. Sie erschlugen den 56-jährige Kosovo-Albaner mit einem Baseballschläger.[44]Am 1. August starb Dieter Klaus Klein im rheinland-pfälzischen Bad Breisig. Der von Obdachlosigkeit betroffene Mann schlief dort auf einem Brunnen. Er wurde von dem Lärm, den zwei vorbeiziehende Skinheads mit ihren „Sieg Heil“-Rufen verursachten, geweckt. Als sich Klein daraufhin an die beiden wandte, wurde er von diesen getreten und anschließend mit einem Kampfmesser erstochen.[2][34]Der aus Polen stammende Ireneusz Szyderski wurde am 3. August von Ordnern attackiert, nachdem er nach dem Besuch eines Discozeltes mit Freunden versuchte, das Gelände im thüringischen Stotternheim zu verlassen. Die Ordner, die später der Erfurter Skinheadszene zugeordnet werden können, traten und schlugen den 24-jährigen Erntehelfer so schwer, dass dieser an seinen Verletzungen verstarb.[2][34]Der 35-jährige Frank Bönisch wurde im rheinland-pfälzischen Koblenz ermordet. Böhmisch, der am zum Tatzeitpunkt am 24. August obdachlos war, stand gemeinsam mit einer Gruppe von sieben weiteren Personen am Zentralplatz, als der 23-jährige Skinhead Andy Johann H., welcher der „Deutschen Front Coblenz (DFC)“ zugerechnet wird, ein ganzes Magazin aus einer Smith & Wesson auf die Gruppe abfeuert. Böhmisch erlag seinen Schussverletzungen.[2][34]Auch der 58-jährige Günter Heinrich Hermann Schwannecke starb, weil er obdachlos war. Am 29. August wird er von einem Anhänger des Ku-Klux-Klans mit einem Baseballschläger angegriffen. Er verstirbt am 5. September an einem Schädelbasisbruch.[2][34][45]Waltraud Scheffler ist eine der wenigen Frauen, die von Neonazis ermordet wurden. Am 11. Oktober arbeitete die Aushilfskellnerin im sächsischen Geierswalde, als eine Gruppe von Skinheads in das Restaurant eindrangen. Die Frau, deren Alter unbekannt ist, versuchte auf die Gruppe einzureden, als diese ihre Gesinnung durch „Sieg Heil“-Rufe zu erkennen gaben. Daraufhin verletzte einer der Skinheads Scheffler durch einen Schlag mit einer Holzlatte auf den Kopf so schwer, dass sie fast zwei Wochen später (unterschiedliche Quellen sprechen von 12 bzw. 13 Tagen nach der Tat) verstarb.[2][34]Der 52-jährige Rolf Schulze wurde von zwei Neonazis ermordet, die sich als Mitglieder der kurz vor dem Verbot stehenden „Nationalen Offensive“ und der „Nationalistischen Front“ zu erkennen gegeben hatten. Am 7. November hatten sie ihr Opfer aufgrund seiner Obdachlosigkeit im brandenburgischen Lehnin ausgesucht. Sie verprügelten ihn und erschlugen ihn zuletzt mit einer Propangasflasche. Nachdem sie die Leiche mehrfach im Kölpinsee untergetaucht hatten, übergossen die beiden Täter die Leiche mit Benzin und zündeten sie an.[2][34]Am 13. November 1992 wird der 53-jährige Karl Hans Rohn in Wuppertal ermordet. [46] Der erwerbslose Metzger hatte in einem Gespräch an der Bar behauptet Jude zu sein, woraufhin der Wirt ihn beleidigte. [47] Zwei junge Neonazis, die ebenfalls anwesend waren, schlugen den Mann daraufhin bewusstlos und erstickten ihn. Anschließend fuhren sie mit ihm über die Grenze in die Niederlande, übergossen ihn mit hochprozentigem Alkohol und zündeten ihn an. Die drei Männer wurden später zu Freiheitsstrafen zwischen acht und 14 Jahren verurteilt.[34] Die beiden Skinheads sollen der Nationalistischen Front angehört haben.[48]Alfred Salomon hatte als junger Mann die Shoa überlebt. Seinen Lebensabend verbrachte der 92-jährige in einem Altenpflegeheim im nordrhein-westfälischen Wülfrath. Salomon starb dort am 21. November an einem Herzinfarkt nach einer Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Obersturmführer der Organisation Todt. Dieser hatte ihn zuerst aufgrund seiner jüdischen Herkunft beschimpft und anschließend mehrmals geschlagen.[2]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/bb/U_Samariterstra%C3%9Fe_-_Silvio-Meier-Gedenktafel.jpg/220px-U_Samariterstra%C3%9Fe_-_Silvio-Meier-Gedenktafel.jpghttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.png In Berlin erinnert eine Gedenktafel an die Ermordung von Silvio Meier Der bekennende Antifaschist Silvio Meier war bereits in der DDR im Alter von 17 Jahren Opfer rechtsextremer Gewalt. Er hatte am 17. Oktober 1987 an dem Konzert in der Berliner Zionskirche teilgenommen, dessen Besucher von 30 angereisten Neonazis attackiert und verletzt wurden. Als der 27-jährige Meier am 21. November mit drei Freunden am Berliner U-Bahnhof Samariterstraße auf eine Gruppe von fünf Neonazis stieß, eskalierte die Situation. Den Neonazis hatten sie in einer Rauferei zuvor einen Aufnäher mit der Aufschrift „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ von der Jacke gerissen. Als die Neonazis die Gruppe um Meier wiedererkannte, zogen diese Messer, stachen auf die Opfer ein und verletzten Meier tödlich. Seit der Ermordung Meiers finden an dessen Todestag jährlich Gedenkdemonstrationen an dieser Stelle statt.In der Nacht auf den 23. November fand ein Brandanschlag in Mölln auf zwei von türkischen Familien bewohnten Häusern statt. Dabei starben die 51-jährige Bahide Arslan, die 14-jährige Ayse Yilmaz, sowie die 10-jährige Yeliz Arslan. Die von Neonazis mit Molotowcocktails verübten Mordanschläge löste deutschlandweit Anteilnahme für die Opfer aus.Der 55-Jährige Zeitungsverteiler Bruno Kappi wurde am 15. Dezember Opfer eines nächtlichen Überfalls zweier Neonazis. Diese misshandelten ihn mit Schlägen und Fußtritten, bevor sie ihn schwer verletzt am Boden liegen ließen. Kappi erlag seinen Verletzungen noch am Tatort vor einem Kaufhaus im nordrhein-westfälischen Siegen-Weidenau, wo er später tot aufgefunden wurde.[2]Hans-Jochen Lommatsch wurde am 18. Dezember von einem Neonazis mit Fußtritten und Faustschlägen im brandenburgischen Oranienburg ermordet. Der 51-jährige Baumaschinist inspizierte am Abend vor dem Schlafengehen sein neues Auto, als zwei junge Neonazi-Skinheads auf ihn trafen. Sie attackierten ihn ohne einen konkreten Grund. Der 26-jährige Haupttäter gestand später im Gerichtsprozess, dass es auch jeden anderen hätte treffen können.[2][34]Das 41. Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit 1990 wurde Sahin Calisir am 27. Dezember 1992. Der 20-jährige Deutsch-Türke war mit zwei Begleitern auf der Autobahn 57 im nordrhein-westfälischen Meerbusch unterwegs. Als ein Auto ihn zuerst verfolgte und anschließend rammt, floh er mit seinen Mitfahrern aus Angst aus dem Auto. Calisir wurde dabei von einem Auto erfasst und verstarb in dessen Folge. Die beiden Insassen des ihn verfolgenden Fahrzeugs waren zwei Neonazis. Einen ausländerfeindlichen Hintergrund der Tat wollte das Gericht im späteren Verfahren jedoch nicht feststellen.[2][34]1993http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/56/Solingen_-_Mahnmal_Solinger_B%C3%BCrger_und_B%C3%BCrgerinnen_01_ies.jpg/220px-Solingen_-_Mahnmal_Solinger_B%C3%BCrger_und_B%C3%BCrgerinnen_01_ies.jpghttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.pngDas Mahnmal Solinger Bürgerinnen und Bürger wurde errichtet, um an den Brandanschlag in Solingen zu erinnern.

Auch 1993 kam es zu zahlreichen Übergriffen, die 17 Menschen das Leben kosteten. Der von Neonazis verübte Brandanschlag von Solingen, dem fünf Menschen zum Opfer fielen, war der traurige Höhepunkt rechtsextremer Gewalt in den 90er Jahren. In der Folge kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen und zu einer breiten gesellschaftlichen Diskussion zum Umgang mit solchen Taten.

Am 18. Januar 1993 stirbt der 45-jährige Parkwächter Karl Sidon im thüringischen Arnstadt. Sidon traf an diesem Tag auf eine Gruppe von fünf Jugendlichen, die der „Babyskin-Szene“ zugerechnet werden. Bereits mehrfach waren die Jugendlichen mit Sidon in der Vergangenheit aneinander geraten. Diesmal schlugen sie ihn bewusstlos. Anschließend warfen sie den leblosen Körper auf eine stark befahrene Straße, wo der Körper von mehreren Autos erfasst wurde. Sidon erlag seinen Verletzungen im Krankenhaus.[2][34]Am 24. Januar stirbt Mario Jödecke. Er war an diesem Tag im thüringischen Schlotheim unterwegs. Als vor einem Heavy-Metal-Konzert linke Punks und Neonazis aufeinander trafen, entwickelte sich eine Schlägerei, bei der der mit einem Baseballschläger bewaffnete 23-jährige von einem sechs Jahre jüngeren Skinhead mit einem Messerstich ins Herz getötet wird.[2]Mike Zerna wurde am 20. Februar 1993 in Hoyerswerda von Skinheads zusammengeschlagen, die anschließend einen Kleinbus auf ihn stießen. Der 22-Jährige Metal-Fan war an diesem Tag Fahrer der christlichenGothic-Metal-Band Necromance. Er erlag sechs Tage später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Mitverantwortlich für seinen Tod sind nach einem Urteil des Landesgericht Bautzen auch Sanitäter und Polizei, die erst eine Stunde nach dem Vorfall am Tatort ankamen.[34] Die Tat wurde von Ronald Möbus (später Absurd) in einem Leserbrief an die Zeitschrift Rock Hard thematisiert.[49] Enslaved (später Killing Spree) aus Cottbus, die Band seines Bruders Frank, widmete Zerna ihr Debütalbum Where Is the Meaning?.[50]Mustafa Demiral war ein aus der Türkei eingewanderter Türke in Deutschland, der am 9. März 1993 an einem Herzanfall starb, nachdem er auf offener Straße von zwei Mitgliedern der Republikaner[51] mit einer Gaspistole im nordrhein-westfälischen Mülheim/Ruhr bedroht worden war. Die jungen Deutschen hatten den herzkranken Demiral zuvor verbal belästigt, woraufhin sich dieser zur Wehr setzte. Daraufhin zielten die Männer mit der Waffe auf Demirals Kopf (einige Quellen berichten, die Täter hätten eine Hinrichtungsszene darstellen wollen), woraufhin hin der so bedrohte 56-Jährige noch 50 Meter weiter ging, zusammenbrach und wenig später an einem Herzinfarkt starb.[52]Als die beiden Nazi-Skinheads Hans-Peter Zarse und sein Begleiter am 12. März auf dem Motorrad in der Nähe von Uelzen unterwegs sind, versagt das Motorrad. Die beiden geraten daraufhin in einen Streit über die Ursache der Panne, in dessen Verlauf Zarses Begleiter den 18-Jährigen mit einem Messerstich tötet.[2][34]Am 26. April überfielen 40 rechtsextreme Skinheads die zu diesem Zeitpunkt als linker Treffpunkt bekannte Diskothek im sachsen-anhaltischen Obhausen. Unter den anwesenden Gästen war auch Matthias Lüders. Der 23-Jährige war zu diesem Zeitpunkt Wehrdienstleistender und wird, nachdem ihm zwei Schläge am Kopf trafen, schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Zwei Tage später erlag er seinen Verletzungen. Bei der darauf folgenden Gerichtsverhandlung machte das Landgericht der Polizei den Vorwurf, sie sei vorab über den Vorfall informiert gewesen.[2][34]Der 35-Jährige Belaid Baylal wird am 8. Mai 1993 von zwei rechtsextremen Skinheads in einer Gaststätte im brandenburgischen Belzig angegriffen. Baylal, der in Marokko geboren wurde, hatte in Deutschland Asyl beantragt. Er muss im Krankenhaus in Folge der erlittenen lebensgefährlichen Verletzungen in Dünndarmbereich eingeliefert werden. Er überlebt, hat aber in Folge des Angriffs in den kommenden Jahren immer wieder Darmverschlüsse, die operativ entfernt werden müssen. Am 4. November 2000 verstirbt Baylal infolge der Spätfolgend des Angriffs an einem weiteren Darmverschluss. Seit 2004 erinnert ein Gedenkstein an den Tod Baylals in Belzig.[2][34]Am 26. Mai 1993 verstirbt der 25-jährige Jeff Dominiak. Dominiak, der im brandenburgiuschen Waldeck mit seinem Motorrad unterwegs war, wurde von einem betrunkener rechtsextremer Skinhead, der in einem gestohlenen Auto unterwegs war, überfahren. Bei dem darauf folgenden Gerichtsverfahren bleibt offen, ob der Täter das Opfer gekannt hatte. Dominiak, war 1983 der Hauptdarsteller im DEFA-Spielfilm Bockshorn.[2][34]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3a/H%C3%BClyaPlatz.jpg/220px-H%C3%BClyaPlatz.jpghttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.png In Frankfurt am Main wurde ein Platz nach Hülya Genç benannt, die beim Brandanschlag von Solingen ihr Leben verlor. Beim Brandanschlag von Solingen am 29. Mai erlagen Gürsün Ince (27) und der vierjährige Saime Genç ihren Verletzungen, nachdem sie versucht hatten, sich mit einem Sprung aus dem Fenster, vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen. Hatice Genç (18), Gülüstan Öztürk (12) und Hülya Genç (9) verbrannten in dem Zweifamilienhaus. Ein sechs Monate alter Säugling, ein dreijähriges Kind und der 15 Jahre alte Bekir Genç wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Als Täter wurden vier junge Männer aus der Solinger Neonazi-Szene verurteilt. Der Anschlag löste heftige Reaktionen von friedlichen Demonstrationen bis hin zu gewaltsamen Ausschreitungen aus. Mevlüde Genç, die beim Brandanschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verloren hat, wurde 1996 für ihre Bemühungen um Versöhnung nach dem Anschlag das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.Der von Obdachlosigkeit betroffene 37-jährige Horst Hennersdorf wird am 5. Juni 1993 im brandenburgischen Fürstenwalde von zwei Neonazis angegriffen und stundenlang misshandelt. Der Vorfall wurde von mehreren Passanten beobachtet, die allerdings nicht einschritten. Bei einer Befragung gab später einer der Täter an, dass Hennersdorf auf ihn den Eindruck "eines niedrigen Menschen, eines dreckigen Penners" gemacht habe.[2][34]Ein weiterer obdachloser Mann wird am 16. Juli im nordrhein-westfälischen Marl von Neonazis im Schlaf überrascht. Sie attackieren den am Boden liegen 33-jährigen, schlagen und treten ihn bis zur Bewusstlosigkeit. Der Mann verstirbt im Oktober an einer Lungenembolie ohne vorher noch einmal aus dem Koma erwacht zu sein.[2][34]In der Nacht des 28. Juli 1993 ist Hans-Georg Jakobson in der Nähe von brandenburgischen Strausberg in einer S-Bahn unterwegs, als ihn drei jugendliche aufwecken. Sie verlangen erst Geld von ihm, als sie merken das ihr 35-jähriges Opfer keines dabei hat, verprügeln ihn die Angreifer. Anschließend werfen sie ihn aus der fahrenden S-Bahn. Jakobson erliegt seinen Verletzungen.[2][34]Der 19-jährige Bakary Singateh, der auch unter dem Namen Kolong Jamba bekannt war, wird zum 58. Todesopfer rechtsextremer Gewalt nach 1990. Der aus Gambia stammende Singateh, der in Deutschland Asyl beantragt hatte, war am 7. Dezember im Zug von Hamburg nach Buchholz unterwegs. Ein 54-jähriger Mitfahrer erstach Singath mit einem mitgeführten Messer. Als Grund gab er später an, dass er sich von Singath gestört gefühlt habe. Kollegen des Täters gaben an, dass der Täter bereits vorher durch rassistische Beleidigungen aufgefallen sei. Die Tatwaffe hätte er sich zugelegt, um sich "vor derartigen Leuten zu verteidigen".[2][34]1994

Im Jahr 1994 kamen acht Menschen durch rechtsextreme Gewalttaten ums Leben (Nr. 59 - 66).

Der 50-jährige Ali Bayram hatte sich als Unternehmer im hessischen Darmstadt niedergelassen. Am 18. Februar wird er in seiner Wohnung von seinem Nachbarn erschossen. Der als Neonazi bekannte Täter war in die Wohnung eingedrungen, weil die Familie ihm zu laut gewesen sei. Bayrams Tochter wurde von einer Kugel in den Arm getroffen, überlebte aber die Tat.[2]Im sachsen-anhaltischen Quedlinburg wurde der 43-jährige Eberhart Tennstedt zusammen mit einem weiteren Mann von rechten Jugendlichen attackiert. Sie waren vorher von einem Kioskbesitzer dazu aufgefordert worden, die beiden obdachlosen Männer zu vertreiben, da sie nicht ins Stadtbild passten. Die Jugendlichen trieben die beiden Männer am 5. April unter anderem mit Schüssen aus einer Gaspistole in einen Fluss. Der alkoholisierte Tennstedt ertrank dort.[2][34]Als der Vermieter einer Leipziger Wohnung Klaus R. am 28. Mai mit den sechs Neonazis verhandelt, die diese Wohnung besetzt hatten, erschlugen diese den 61-jährigen Mann.[2][34]Die 32-jährige Beate Fischer wird am 23. Juli von drei Skinheads erwürgt. Die Frau, die als Prostituierte arbeitete, war den Neonazis zunächst freiwillig in die Wohnung in Berlin- Reinickendorf gefolgt. Als sie nach einer Misshandlung die Wohnung verlassen wollte, ließen sie die Männer nicht gehen. Sie misshandelten Fischer zunächst, bevor sie sie ermordeten.[2][34]Am 26. Juli ertrinkt der 45-jährige aus Polen stammende Bauarbeiter Jan W. in Berlin in der Spree. Vorausgegangen war ein Streit, in dessen Verlauf der in Polen geborene W. mit einem Freund in die Spree gejagt wurden. Die eintreffenden Polizisten gaben an, dass die in den Fluss Getriebenden mit den Sprüchen "Polacken, verpisst Euch" und "lasst den Polen nicht raus" am herauskommen gewaltsam gehindert wurden. W. ertrank im Fluss.[2][34]Der 42- jährige Gunter Marx war am 6. August im brandenburgischen Velten mit dem Fahrrad unterwegs, als er auf einer Gruppe von Jugendlichen stieß. Die Gruppe forderte Geld von Marx. Als dieser angab keins dabei zu haben, wurde er mit einem schweren Schraubenschlüssel erschlagen. Ein Täter war als Neonazi polizeibekannt.[2][34]Am 6. November verstarb der 18-jährige Piotr Kania am Bahnhof des hessischen Rotenburg. Dort war er auf fünf Bundeswehrrekruten gestossen, von denen einer als Neonazis erkennbar war. Als Kania ihn als "Nazischwein" bezeichnet hatte, attackierte ihn dieser und tötete Kania mit einem gezielten Stoßdolchstich ins Herz.[2]Auch Michael Gäbler starb 1994. Der 18-jährige war am 20. November in einem Zittauer Jugendklub auf einer Feier. Als ein Gast Hausverbot wegen nationalistischer Sprüche erhielt, folgte ihm Gäbler und verwickelte ihn in ein Gespräch. In dessen Verlauf stach der dem Haus Verwiesene mit einem Messer auf Gäbler ein und verletzte diesen tödlich.[2]1995

1995 sind insgesamt vier Fälle bekannt, in denen Menschen von Neonazis ermordet wurden (Nr. 67 - 70).

Am 5. Februar wird Horst Pulter im Stadtpark des nordrhein-westfälischen Velbert von einer Gruppe Neonazis auf einer Parkbank schlafend attackiert. Zuerst wird er durch Schläge und tritte schwer verletzt, anschließend tötet ein 22-jähriger Angreifer den obdachlosen 65-jährigen durch einen gezielten Messerstich. Im darauffolgenden Gerichtsverfahren betont die Staatsanwaltschaft den nationalsozialistischen Hintergrund des Täters. Das Opfer sei jedoch zufällig ausgewählt worden. Es stellt sich heraus, dass Pulter zufällig durch die Gruppe als Opfer ausgesucht wurden sei.[2][34]Der 24-jährige Bundeswehrsoldat Peter T. befindet sich am 3. Juni bei einem Ausflug am Stausee im sächsischen Hohenstein-Ernstthal. Dort wird er von einer Gruppe von etwa zwanzig Neonaziskinheads angegriffen, die bereits zuvor einen Pakistani angegriffen und verletzt hatten. T. verstirbt neun Tage später in einem Krankenhaus an seinen an diesem Tag erlittenen Kopfverletzungen. [2][34]Die 25-jährige Dagmar Kohlmann wurde das erste von insgesamt drei Opfern des gesuchten und über Monaten flüchtenden Neonazi Thomas Lemke. Kohlmann kannte Lemke und dessen Freundin, die sie gemeinsam am 16. Juli 1995 aufsuchten. Diese verschleppten Kohlmann nach Altena in Nordrhein-Westfalen und misshandelten sie in einem Wald, bevor Lemke sie mit einem Klappspaten auf den Kopf tötete.Auch Klaus Peter Beer wurde 1995 ermordet. Zwei Neonazis wollten dem 48-jährigen Homosexuellen Beer "einen Denkzettel verpassen". Sie warfen ihn am 7. September im bayrischen Amberg in die Vils, in der er ertrank.[2][34]1996http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/2a/HLBrandanschlaggedenksteinHafenstrasse.JPG/220px-HLBrandanschlaggedenksteinHafenstrasse.JPGhttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.pngGedenkstein für die Todesopfer des Brandanschlags von Lübeck.

Im Jahr 1996 listet "Mut gegen rechte Gewalt" 18 Todesopfer rechtsextremer Gewalt (Nr. 71 - 88). Darunter fallen allein zehn Personen, die bei einem Brandanschlag in Lübeck, bei dem ein Flüchtlingsheim abbrannte, ums Leben kamen. Da der Tathergang bis heute nicht aufgeklärt ist, ist der rechtsextreme Hintergrund der Tat bis heute umstritten.

Am 18. Januar brannte das Flüchtlingsheim in Lübeck, in Folge einer Brandstiftung, aus. Zehn Asylbewerber aus Zaire, Ghana, Togo, Tunesien, Syrien und dem Libanon, darunter Kinder und Jugendliche, kamen ums Leben. Die Todesopfer waren Maiamba und Nsuzana Bunga, Françoise, Miya, Christelle, Legrand und Jean-Daniel Makodila, Rabia El Omari und Sylvio Amoussou. 38 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Zahlreiche Menschen waren in Panik aus den Fenstern des brennenden Mehrfamilienhauses gesprungen, das aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammte. Zunächst wurde Neonazis für die Tat verantwortlich gemacht. Die Tat wurde bis heute jedoch nicht aufgeklärt.Die 23-jährige Patricia Wright wurde in ihrer Wohnung in Bergisch Gladbach zum zweiten Todesopfer des Neonazi-Serienmörders Thomas Lemke. Am 2. Februar 1996 fuhr Lemke mit seinem Bekannten Marcel Müthing zu Wrights Wohnung. Sie hatte Lemke auf dem Bahnhof in Hagen kennengelernt und war von ihm wegen ihres Aufklebers „Nazis raus“ auf ihrer Kleidung als „Linke“ eingeordnet. Die arglose Frau öffnete die Türe, wurde gefesselt, entkleidet, von Lemke vergewaltigt, mit einem Schnürsenkel gedrosselt, mit einer Gipsfigur auf den Kopf geschlagen und mit 91 Messerstichen getötet.Am 25. Februar wird der PunkSven Beutel von einem Neonazi angegriffen in Brandenburg/Havel und mit Schlägen und Tritten so schwer verletzt, dass der 23-jährige fünf Tage später an seinen Verletzung stirbt.[2][34]Am 15. März 1996 wurde der 26-jährige Martin Kemming vom Neonazi-Serienmörder Thomas Lemke in einem Stiegenhaus im nordrhein-westfälischen Rhade (Dorsten) erschossen. Kemming galt in Lemkes Augen als Verräter, da der Aussteiger aus der rechten Szene ihn wegen Bedrohung angezeigt und gegen ihn ausgesagt hatte.Der 43-jährige Geschäftsmann Bernd G. wird am 8. Mai von drei Neonazis in Leipzig-Wahren umgebracht. Die drei Skinheads trafen nach einer Sauftour auf G., sie schlugen auf ihn ein und erstachen ihn anschließen. Den toten Körper versenkten sie anschließend im Ammelshainer See. Bei der Gerichtsverhandlung gaben die drei Täter an, dies "aus Lust und Spaß" getan zu haben.[2][34]Der 26-jährige Boris Morawek wird von zwei Neonazis am 13. Juli in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern) auf offener Straße erschlagen. Die Täter meinten in ihrem Opfer einen Sexualstraftäter erkannt zu haben. Die eintreffende Polizei griff nicht mehr rechtzeitig ein.[2][34]Der Elektriker Werner Weickum ist 44 Jahre alt, als er am 19. Juli am Bahnhof von Eppingen (Baden-Württemberg) überfallen wird. Die Gruppe von Jugendlichen Neonazis, von denen später zehn verurteilt werden, schlägt Weickum nach der Tat tot.[2][34]Im Jahr 1996 stirbt auch der 34-jährige Andras Götz. Er wird das 87. Todesopfer rechtsextremer Gewalt nach 1990 nachdem ihm am 1. August im brandenburgischen Eisenhüttenstadt sechs Neonazis auflauerten. Sie schlugen und traten den Mann brutal. Anschließend stahlen sie ihrem Opfer Bargeld und seine EC-Karte.[2][34]Am 23. Oktober stirbt Achmed Bachir durch einen Messerstich ins Herz. Der 30-jährige aus Syrien stammende Asylsuchende war couragiert zwei deutsche Angestellten in einem leipziger Gemüseladen zur Hilfe geeilt, als diese von zwei Neonazis als "Türkenschlampen" beschimpft und bedroht werden. Bachir drängt die Männer aus dem Laden, als diese ein Messer ziehen und ihn damit vor dem Laden ermorden.[2][34]1997

Auch 1997 wurden Menschen Opfer von rassistischen und rechtsextremen Gewalttaten. Dabei werden zwölf Todesopfer gelistet (Nr. 89 - 100).

Am 31. Januar wird der 42-jährige Phan Van Toau am Bahnhof von Fredersdorf (Brandenburg) Opfer eines Gewaltverbrechens. Von einem oder zwei Neonazis wird der Mann geschlagen und im Verlauf der Auseinandersetzung schlägt sein Kopf mehrfach auf den Betonfußboden auf. Das Gericht bescheinigt dem Hauptangeklagten die Tat sei durch "Ausländerhass" motiviert.[2][34]Der 18-jährige Frank Böttcher, der seit kurzer Zeit der Punk-Szene angehörte, war am Nachmittag des 7. Februars mit einer Straßenbahn zum im Magdeburger Stadtteil Neu Olvenstedt gelegenen Krankenhaus gefahren, um sich dort eine Handverletzung behandeln zu lassen. Den Krankenschwestern berichtete er von einer Gruppe rechtsextremer Skinheads, die ihn auf dem Weg angepöbelt hatten. Auf dem Rückweg traf er am späten Abend des 7. Februar an der Endhaltestelle der Straßenbahn erneut auf einen oder mehrere Jugendliche, die ihn aufgrund seines Aussehens als Punker angriffen. Der oder die Täter rissen ihn zu Boden und traten auf ihn ein. Kurze Zeit später wurden Böttcher mit sieben Messerstichen und Tritten gegen den Kopf tödliche Verletzungen zugefügt. Im Gedenken an den Tod Böttchers werden in Magdeburg regelmäßig Demonstrationen gegen Rechtsextremismus abgehalten. Der Gedenkstein, der an der Haltestelle der Tat an Böttcher erinnert, wurde mehrfach geschändet.Antonio Melis (37) wurde am 13. Februar von zwei Männern im brandenburgischen Caputh zuerst verprügelt und später in der Havel ertränkt. Vermutlich war die italienische Herkunft des Opfers ausschlaggebend für die Tat. Mehrere Zeugen sprachen vor Gericht von rechtsextremen Äußerungen der Täter.[2][34]Nachdem der Neonazi Kay Diesner am 19. Februar einen 63-jährigen Buchhändler aus Berlin-Marzahn mit einer Pumpgun angeschossen hatte, geriet er am 23. Februar in eine Polizeikontrolle auf dem Parkplatz Roseburg an der A 24 im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Hier kam es zu einem Feuergefecht, in dessen Verlauf Diesner den 34-jährigen PolizeiobermeisterStefan Grage tödlich und einen weiteren Beamten schwer verletzte. Im weiteren Ablauf feuerte Diesner auf zwei weitere Polizeibeamten und konnte, selbst durch ein Projektil getroffen, festgenommen werden.Am 17. April kommt es innerhalb von einer Gruppe von Neonazis in Berlin-Treptow zum Streit, in dessen Verlauf die Neonazis Olaf Schmidke und Chris Danneil von ihren "Kameraden" erstochen werden.[2][34]Der 50-jährige Erwerbslose Horst Gens wurde am 22. April in Sassnitz auf Rügen von vier jungen Neonazis geschlagen und in einen Straßengraben geworfen. Anschließend warfen die Skinheads einen 30 Kilo schweren Stein auf ihr Opfer, wodurch er starb. Als Motiv für die Tat gaben sie an, dass sie „Assis klatschen“ wollten.[2][34]Augustin Blotzki (59) wurde am 8. Mai in seiner Wohnung in Königs Wusterhausen (Brandenburg) zweimal innerhalb von einer Stunde von jungen Rechtsextremisten überfallen, wegen seines Namens als "Bulgarensau" und "Ausländerschwein" beschimpft und zuletzt zu Tode geprügelt. Auch er war erwerbslos.[2][34]Am 23. September wird Matthias Sch., 39 Jahre alt, in Cottbus von einem 19-jährigen Nazi erstochen, nachdem er diesen als "Nazisau" beschimpft hatte.[2][34]Ebenfalls am 23. September wird der Obdachlose Erich Fisk (39) in Angermünde (Brandenburg) von jungen Männern attackiert, welche ihm schwere Kopfverletzungen zufügen. Bis zum 30. August 1998 lag Fisk im Krankenhaus im Koma, dann starb er an seinen Verletzungen.[2]Georg V. (46) wurde am 27. September vom selben Skinhead, der Matthias Sch. erstochen hatte in Cottbus getötet, nachdem der Skinhead Geld von ihm verlangt hatte, obwohl V. keines dabei hatte.[2]Josef Anton Gera[53] (59) hatte nach Angaben seiner Mörder ihnen zunächst sexuelle Avanchen gemacht, worauf ihn die beiden 26- und 34-jährigen rechtsextremen Skinheads am 14. Oktober in Bochum attackierten und ihm mit einem Stahlrohr schwere innere Verletzungen zufügten, denen der Rentner drei Tage später erlag.[2][34]1998

1998 sind zwei Fälle von Todesopfern rechtsextremer Gewalt bekannt (Nr. 101 und 102).

Die 14-jährige Jana Georgi wurde am 26. März in Saalfeld (Thüringen) von einem 15-jährigen Nazi auf offener Straße erstochen, nachdem sie ihn zuvor als "Faschist" bezeichnet hatte.[2][34]Der portugiesische Zimmermann Nuno Lourenco, dessen Alter nicht bekannt ist, wurde im Juli von acht Neonaziskinheads zwischen 18 und 20 Jahren in Leipzig zusammengeschlagen. Er starb am 29. Dezember in seiner Heimat Portugal an seinen Verletzungen.[2][34]Ab 1999

Am 13. Februar 1999 kam es zu einem Fall, der bundesweit als „Hetzjagd in Guben“ diskutiert und wahrgenommen wurde. Im brandenburgischen Guben wurden drei Personen von circa elf Neonazis verfolgt. Auf der Flucht verletzte sich der 28-jährige Farid Guendoul die Beinarterie und verblutete. Auch die aus Sicht vieler Journalisten viel zu milden Strafen für die Täter waren Teil der Berichterstattung. Am Ort des Geschehens wurde von Anwohnern ein Gedenkstein aufgestellt. Zum 10. Jahrestag gab es mehrere Gedenkaktivitäten.[54]

Die weiteren Todesopfer werden im folgenden tabellarisch aufgelistet:

Nr. Opfer Todesdatum Ort Bundesland Alter 104 Egon Effertz 17. März 1999 Duisburg Nordrhein-Westfalen 105 Peter Deutschmann[55] 9. August 1999 Eschede Niedersachsen 44 106 Carlos Fernando 15. August 1999 Kolbermoor Bayern 35 107 Patrick Thürmer 3. Oktober 1999 Hohenstein-Ernstthal Sachsen 17 108 Kurt Schneider 6. Oktober 1999 Berlin-Lichtenberg Berlin 38 109 Hans-Werner Gärtner 8. Oktober 1999 Löbejün Sachsen-Anhalt 37 110 Daniela Peyerl 1. November 1999 Bad Reichenhall Bayern 18 111 Karl-Heinz Lietz 1. November 1999 Bad Reichenhall Bayern 54 112 Horst Zillenbiller 1. November 1999 Bad Reichenhall Bayern 60 113 Ruth Zillenbiller 1. November 1999 Bad Reichenhall Bayern 59 114 Jörg D. 29. Dezember 1999 Halle-Neustadt Sachsen-Anhalt 39 115 Bernd Schmidt 31. Januar 2000 Weißwasser Sachsen 52 116 Helmut Sackers 29. April 2000 Halberstadt Sachsen-Anhalt 60 117 Dieter Eich 25. Mai 2000 Berlin-Buch Berlin 60 118 Falko Lüdtke 31. Mai 2000 Eberswalde Brandenburg 22 119 Alberto Adriano11. Juni 2000DessauSachsen-Anhalt39

Als strittig gilt die Tötung der Polizisten Matthias Larisch von Woitowitz (35), Yvonne Hachtkemper (34) und Thomas Goretzki (35) am 14. Juni 2000 in Dortmund und Waltrop durch den Neonazi Michael Berger.[56] Während das Innenministerium NRW von einer Verschleierungstat ausging, da Berger ohne Führerschein unterwegs war[57] bezeichnen mehrere Medien sie als rechte Tat.[58] Die Neonazistische Kameradschaft Dortmund bekannte sich in Aufklebern zu Berger und feierte die Tat als „3:1 für Deutschland.“

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/c/ca/Gedenktafel_Eckard_R%C3%BCtz_Greifswald.JPG/220px-Gedenktafel_Eckard_R%C3%BCtz_Greifswald.JPGhttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.png Am 25. November 2000 wurde Eckard Rütz von Neonazis in Greifswald ermordet. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/86/Hn-gedenktafel-theresienwiese.jpg/220px-Hn-gedenktafel-theresienwiese.jpghttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.png Gedenktafel, die an Michéle Kiesewetter erinnert. Die Polizistin war das letzte von zehn Todesopfer der rechtsterroristischen Gruppierung Nationalsozialistischer Untergrund. Nr. Opfer Todesdatum Ort Bundesland Alter 123 Klaus-Dieter Gerecke 24. Juni 2000 Greifswald Mecklenburg-Vorpommern 124 Jürgen Seifert 9. Juli 2000 Wismar Mecklenburg-Vorpommern 52 125 Norbert Plath 27. Juli 2000 Ahlbeck Mecklenburg-Vorpommern 51 126 Enver Şimşek 9. September 2000 Nürnberg Bayern 38 127 Malte Lerch 12. September 2000 Schleswig Schleswig-Holstein 45 128 Eckhardt Rütz 25. November 2000 Greifswald Mecklenburg-Vorpommern 38 129 Willi Worg 25. März 2001 Milzau Sachsen-Anhalt 38 130 Fred Blanke 26. März 2001 Grimmen Mecklenburg-Vorpommern 51 131 Mohammed Belhadj 22. April 2001 Jarmen Mecklenburg-Vorpommern 31 132 Abdurrahim Özüdoğru 13. Juni 2001 Nürnberg-Langwasser Bayern 49 133 Süleyman Taşköprü 27. Juni 2001 Hamburg Hamburg 31 134 Klaus-Dieter Harms 9. August 2001 Wittenberge Brandenburg 135 Dieter Manzke 9. August 2001 Dahlewitz Brandenburg 61 136 Doris Botts 17. August 2001 Fulda Hessen 54 137 Habil Kılıç 29. August 2001 München Ramersdorf Bayern 38 138 Arthur Lampel 9. September 2001 Bräunlingen Baden-Württemberg 18 139 Ingo B. 6. November 2001 Berlin Berlin 36 140 Kajrat Batesov 4. Mai 2002 Wittstock Brandenburg 24 141 Klaus Dieter Lehmann 15. Mai 2002 Neubrandenburg Mecklenburg-Vorpommern 19 142 Roland Masch 1. Juni 2002 nahe dem Ort Neu Mahlisch Brandenburg 29 143 Marinus Schöberl 12. Juli 2002 Potzlow Brandenburg 16 144 Ahmet Sarlak 9. August 2002 Sulzbach Saarland 19 145 Hartmut Balzke 27. Januar 2003 Erfurt Thüringen 48 146 Andreas Oertel 21. März 2003 Naumburg Sachsen-Anhalt 40 147 Enrico Schreiber 29. März 2003 Frankfurt/Oder Brandenburg 25 148 Günter T. 20. April 2003 Riesa Sachsen 35 149 Gerhard Fischhöder 10. Juli 2003 Scharnebeck Niedersachsen 49 150 Hartmut Nickel 7. Oktober 2003 Overath Nordrhein-Westfalen 61 151 Mechthild Bucksteeg 7. Oktober 2003 Overath Nordrhein-Westfalen 53 152 Alja Nickel 7. Oktober 2003 Overath Nordrhein-Westfalen 26 153 Petros C. 6. Dezember 2003 Kandel Rheinland-Pfalz 22 154 Stefanos C. 6. Dezember 2003 Kandel Rheinland-Pfalz 22 155 Viktor Filimonov 20. Dezember 2003 Heidenheim Baden-Württemberg 15 156 Aleksander S. 20. Dezember 2003 Heidenheim Baden-Württemberg 17 157 Waldemar I. 20. Dezember 2003 Heidenheim Baden-Württemberg 16 158 Oleg V. 21. Januar 2004 Gera/Bieblach-Ost Thüringen 27 159 Martin Görges 30. Januar 2004 Burg Sachsen-Anhalt 46 160 Mehmet Turgut 25. Februar 2004 Rostock Mecklenburg-Vorpommern 25 161 Oury Jalloh 7. Januar 2005 Dessau Sachsen-Anhalt 21 162 Thomas Schulz 28. März 2005 Dortmund Nordrhein-Westfalen 32 163 Mann 1. Juli 2005 Essen Nordrhein-Westfalen 44 164 Ismail Yaşar 9. Juni 2005 Nürnberg Bayern 50 165 Theodorus Boulgarides 15. Juni 2005 München Westend Bayern 41 166 Tim Maier 26. November 2005 Bad Buchau Baden-Württemberg 20 167 Andreas Pietrzak 6. Mai 2006 Plattling Bayern 41 168 Mehmet Kubaşık 4. April 2006 Dortmund Nordrhein-Westfalen 39 169 Halit Yozgat 6. April 2006 Kassel Hessen 21 170 Andreas F. 1. Januar 2007 Wismar Mecklenburg-Vorpommern 30 171 Michéle Kiesewetter 25. April 2007 Heilbronn Baden-Württemberg 22 172 M. S. 14. Juli 2007 Brinjahe Schleswig-Holstein 17 173 Peter Siebert 26. April 2008 Memmingen Bayern 40 174 Bernd Köhler 22. Juli 2008 Templin Brandenburg 55 175 Karl-Heinz Teichmann 23. Juli 2008 Leipzig Sachsen 59 176 Hans-Joachim Sbrzesny 1. August 2008 Dessau Sachsen-Anhalt 50 177 Rick Langenstein August 2008 Magdeburg Sachsen-Anhalt 20 178 Marcel W. August 2008 Bernburg Sachsen-Anhalt 18 179 Marwa El-Sherbini 1. Juli 2009 Dresden Sachsen 31 180 Sven M. 14. Mai 2010 Hemer Nordrhein-Westfalen 27 181 Kamal Kilade 24. Oktober 2010 Leipzig Sachsen 19 182 Duy Doan Pham 27. März 2011 Neuß Nordrhein-Westfalen 59 183 André K. 27. Mai 2011 Oschatz Sachsen 50 Weitere Fällehttp://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/b6/Gedenkstein_Mete_Eksi.jpg/170px-Gedenkstein_Mete_Eksi.jpghttp://bits.wikimedia.org/static-1.20wmf9/skins/common/images/magnify-clip.pngGedenkstein für Mete Ekşi

Neben den in der Liste angegebenen Personen werden in der Presse immer wieder auch andere Personen als Opfer rechtsextremer Gewalt erwähnt. Dazu gehört u.a. Mete Ekşi (* 1972 in Berlin). Der Jugendliche starb am 13. November 1991 in Berlin. Am 27. Oktober 1991 hatte er versucht eine gewalttätige Auseinandersetzung zu schlichten und war dabei mit einem Baseballschläger so schwer verletzt worden, dass er ins Koma fiel, aus dem er nicht mehr erwachte. Während das Gericht, welches sich mit den Tätern beschäftigte, einen rechtsextremen Hintergrund verneinte[59], sprechen andere Quellen von einem rechtsextrem motivierten Angriff, der zum Tod des Jugendlichen führte.[60][61][62]

thinktankgirl 21.08.2012 | 11:48

Rechtsradikale Gewalt:

Oktoberfestattentat

Gundolf Köhler wird das „Oktoberfestattentat“, ein Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest am Freitag, dem 26. September 1980, zur Last gelegt.[1] Dabei waren durch eine Rohrbombe, die um 22.19 Uhr am Eingang zur Wirtsbudenstraße der Theresienwiese detonierte, 13 Menschen – darunter auch Köhler selbst – getötet und 200 weitere verletzt worden.

Nach dem Anschlag wurde zwischen ihm und der im Januar 1980 verbotenen rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann eine Verbindung gefunden.

Köhler war, gemeinsam mit anderen Aktiven, auf einem Foto in einer Publikation der Wehrsportgruppe abgebildet, wie in der Arte-Doku: Gladio, Geheimarmeen Europas zu sehen ist.

Lethe 21.08.2012 | 12:18

diese Liste ist sehr beeindrucken, TTG, und ich will gar nicht böse sein und jeden Punkt disputieren, obwohl sicher viele Zuschreibungen disputabel wären - Linke, Rechte und Mittlere können töten, ohne dass deswegen linke, rechte oder mittlere Motive zugrunde liegen. Ich möchte nur die grundsätzliche Frage stellen, ob Sie den Eindruck haben, dass sich Linke und Linksradikale in Deutschland (BRD + DDR) in den letzten 60 Jahren als Friedensengel der Gewaltlosigkeit profiliert haben. Falls Sie das bejahen sollten, scheinen Ihre und meine Wahrnehmungen doch in erheblichem Maße zu differieren.

thinktankgirl 21.08.2012 | 14:34

diese Liste ist sehr beeindrucken, TTG, und ich will gar nicht böse sein und jeden Punkt disputieren, obwohl sicher viele Zuschreibungen disputabel wären - Linke, Rechte und Mittlere können töten, ohne dass deswegen linke, rechte oder mittlere Motive zugrunde liegen.

Sie können gerne eine Liste einstellen mit von Linken begangenen Morden. Vielleicht werden Sie in den Verfassungsschutzberichten fündig.

Und mein Ursprungskommentar bezog sich auf die letzten 20 Jahre, also versuchen Sie bitte keine Ablenkungsmanöver.

Bis dahin:

Und sie wollen nur spielen:

thinktankgirl 21.08.2012 | 15:11

Ja, ich kannte früher auch mal Leute, die dem Maoismus-Lenismus, Stalinismus und ähnlichen autoritären Strömungen anhingen. Nur, mir ist kein Fall bekannt, wo Anhänger dieser Ansichten auf die Straße gegangen sind, um andere krankenhausreif oder gar totzuschlagen.

Diese Leute waren zwar sehr dogmatisch, aber in keinster Weise aggressiv.

Ich bitte um Belege für Körperverletzungen, die durch MLPD u.ä. begangen wurden.

Popkontext 21.08.2012 | 15:40

Oh, so lernt man dazu. Die MLPD hatte ich in der Tat gerade nicht auf dem Schirm, weil ich solche Leute nicht kenne und auch nicht für voll nehme, solange sie eben nicht wahrnehmbar sind in ihren Aktivitäten oder ihre Ideologie weitergehende Anerkennung findet. Aber da befinde ich mich in guter Gesellschaft: "Sie wird vom nordrhein-westfälischen Landesinnenministerium als 'politisch kaum wahrnehmbare Splittergruppierung' eingestuft, die sogar innerhalb des linksextremistischen Spektrums durch 'ihre ideologische Formelhaftigkeit' und einen 'sektenähnlichen Charakter' weitgehend isoliert sei." (Quelle)

Lethe 21.08.2012 | 15:57

Popkontext, wenn mensch keine solchen Leute kennt, sind sie natürlich unbekannt. Außerdem spreche ich hier von Gesinnung, die im privaten Gespräch hochgehalten wird, nicht eine, die nach außen geknüppelt wird.

TTG, die Angehörigen der dritten RAF-Generation sind heute noch teilweise auf der Flucht. Wenn jemand eine komplette Opferliste der RAF zur Hand haben will, sei rafinfo.de ans Herz gelegt. Und natürlich lässt sich alles beweisen, wenn das Zeitfenster so eingeengt wird, dass nur die Sachen reinpassen, die die eigene Weltsicht bestätigen. Und wenn mensch sich auf Deutschland beschränkt.

Was Belege für neuere, "linksmotivierte" Körperverletzungen angeht, sorry, ich führe keine Listen. Es scheint - wenn der Berichterstattung vertraut werden darf - aber wohl doch die ein oder andere Demonstration ein bisschen aus dem Ruder gelaufen zu sein, aber bei einer Motivation aus den rechten, äh richtigen, also linken Gründen sind fliegende Steine selbstverständlich kein Versuch, Körperverletzung zu begehen, und blutende Polizisten sind selbst schuld, wenn sie auch immer in die Flugbahn springen müssen. Wenn Sie also meine fehlende Bereitschaft, Ihnen die - im Internet übrigens problemlos auffindbaren - Belege zu vermitteln, als Beweis dafür verstanden haben wollen, dass derartige Sachen nie stattgefunden haben, bitte sehr.

Popkontext 21.08.2012 | 16:27

Nun ja, ich bewege mich aber seit 20 Jahren in einem linken Spektrum von linke SPD bis linksradikal - wenn ich da noch niemandem über den Weg gelaufen bin, der öffentlich oder in einem privaten Gespräch sich irgendwie anders als verurteilend und entsetzt über die stalinistischen Verbrechen und die Verbrechen der Kulturrevolution geäußert hat, und auch kein linkes Blatt sich irgendwie anders äußert, können solche Leute kaum irgendeinen Einfluss in der linken Szene haben. Das einzige, was mir als politisch sehr interessiertem Menschen, der viel liest und auch viel mit Leuten über politik redet sind diese Herrschaften hier, wo ich bis heute nicht weiß, ob das ernst gemeint ist oder Satire sein soll. Apologeten der Verbrechen Stalins und der Kulturrevolution spielen nicht die geringste Rolle in der linken Szene, sondern werden von der überwiegenden Mehrheit abgelehrnt - nicht weil es imageschädigend ist, sondern diese Haltung nicht geteilt und akzeptiert wird.

thinktankgirl 21.08.2012 | 16:45

Was Belege für neuere, "linksmotivierte" Körperverletzungen angeht, sorry, ich führe keine Listen. Es scheint - wenn der Berichterstattung vertraut werden darf - aber wohl doch die ein oder andere Demonstration ein bisschen aus dem Ruder gelaufen zu sein, aber bei einer Motivation aus den rechten, äh richtigen, also linken Gründen sind fliegende Steine selbstverständlich kein Versuch, Körperverletzung zu begehen, und blutende Polizisten sind selbst schuld, wenn sie auch immer in die Flugbahn springen müssen. Wenn Sie also meine fehlende Bereitschaft, Ihnen die - im Internet übrigens problemlos auffindbaren - Belege zu vermitteln, als Beweis dafür verstanden haben wollen, dass derartige Sachen nie stattgefunden haben, bitte sehr.

Übersetzt: es gibt keine Belege für linksmotivierte Morde in dem Zeitfenster, in dem die Rechten ca. 180 Menschen umgebracht haben.

Nachdem die RAF sich aufgelöst hat, gibt es keine linksmotivierten Toten mehr. D.h. es ist kein verbreitetes Phänomen der Linksradikalen, Menschen zu töten, sondern aus dem rechten Menschenbild resultierendes Verhalten.

luddisback 23.08.2012 | 10:39

ich schrieb das seinerzeit schon an die "zeit". mir sind zwei weitere morde aus den 90ern bekannt, beide im 30km-umkreis um meinen damaligen wohnort. ein obdachloser und ein junger punk. die tauchen beide nicht in in der 180 opfer liste auf und natürlich schon gar nicht in der staatlichen. unnötig zu sagen, dass mich die skandale um den nsu und die staatlichen verdunklungsversuche nicht wirklich überraschen.

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Ehemaliger Nutzer 23.08.2012 | 21:24

Na, das ist ja klasse hier, das Diskussionsniveau. Man haut sich die Toten um die Ohren, versucht, sich gegenseitig mit Quantitäten von schlimmen Taten zu überzeugen und diskutiert dabei munter am Grundproblem vorbei: hat Frau Drygalla etwas getan, das mit unserem Recht kollidiert? Ja, können Sie es nachweisen? Dann werfen Sie das in den Ring. Nein? Dann hören Sie auf, mit Methoden, die nicht besser sind als die der Nationalsozialisten (die Denunziation war eine Kerntugend des Dritten Reichs), die letzten Reste des Rechts auszuhöhlen, die das Zusammenleben in diesem Land noch halbwegs erträglich machen.

Rassismus und Intoleranz kann man, wenn überhaupt, nur mit Geduld und guten Argumenten bekämpfen, nicht mit Denunziation. Zur Erinnerung wohin blinder Aktionismus führt, hier ein Auszug aus dem Kampflied 'Roter Wedding' aus den Endzwanziger/Anfangdreißigerjahren:

"Roter Wedding, grüßt euch, Genossen, haltet die Fäuste bereit. Haltet die roten Reihen geschlossen, dann ist der Tag nicht mehr weit. Drohend stehen die Faschisten (gerufen: 'schlagt sie tot!') drüben am Horizont (gerufen: 'hängt sie auf!'). Arbeitsbrüder, Kommunisten - Rot Front! Rot Front!"

Die Konsequenzen dieses Wettlaufs der Dummheit und hirnlosen Gewalt kennt man. Das Letzte, was wir brauchen, ist eine Wiederholung dieser Gewaltspirale.

In manchen Beiträgen oben steht so viel Empörendes, dass man gerne scharf antworten möchte. Aber andererseits: wir haben (noch) Gedanken- und Meinungsfreiheit (auch Frau Drygalla hat die).

Zuguterletzt an den Herrn antibraunen Reichsfarbleiter, der auf meine Frage 'welche Farbe denn seiner Meinung nach erlaubt sei' antwortete: 'bunt' (das hat er dann nach einer halben Stunde sonderbarerweise wieder gelöscht). Sehen Sie doch mal in einen normalen Farbmalkasten. Da ist auch 'braun' mit drin. Und das werden wir aushalten müssen, wenn wir keine KZs mehr aufmachen wollen in diesem Land.

thinktankgirl 24.08.2012 | 09:33

"Roter Wedding, grüßt euch, Genossen, haltet die Fäuste bereit. Haltet die roten Reihen geschlossen, dann ist der Tag nicht mehr weit. Drohend stehen die Faschisten (gerufen: 'schlagt sie tot!') drüben am Horizont (gerufen: 'hängt sie auf!'). Arbeitsbrüder, Kommunisten - Rot Front! Rot Front!"

Das ist aber interessant. Da hat unser Dimitrigutnacht einfach was in den Text reingeflickt, da wir ja sonst nicht kapieren, daß Antifaschismus böse ist.

Der rote Wedding

Das Lied entstand nach dem Blutmai 1929. Der Berliner Polizeichef Zörgiebel (SPD) hatte Maifeiern unter freiem Himmel verboten. Mehr als 200’000 Werktätige waren nicht bereit, sich das Recht auf den Tag der Arbeit streitig machen zu lassen. Vielerorts schoss die Polizei in Ansammlungen von Demonstranten. 1200 Werktätige wurden verhaftet, Hunderte verletzt und 31 getötet. In den Arbeiterquartieren Neukölln und Wedding, wo es spontan zur bewaffneten Abwehr kam, wurden die Arbeiter tagelang brutal gejagt.

Bei Wikipedia

Bei Dradio

Das Original:

Text: Erich Weinert, Melodie: Hanns Eisler

Links, links, links, links!

Die Trommeln werden gerührt,

links, links, links, links!

Der rote Wedding marschiert!

Wir tragen die Wahrheit von Haus zu Haus

Und jagen die Lüge zum Schornstein hinaus,

Wie uns die Genossen gelehrt.

Wir nähren den Hass und wir schüren die Glut,

Wir heizen die Herzen mit Kraft und Mut

Bis der Prolet uns gehört.

Roter Wedding, grüßt Euch, Genossen,

Haltet die Fäuste bereit.

Haltet die roten Reihen geschlossen,

Dann ist der Tag nicht mehr weit.

Schon erglüht die rote Sonne flammend am Horizont.

Kämpft, Genossen, Sturmkolonne.

Rot-Front! Rot-Front!

Links, links, links, links,

Ein Lump wer kapituliert.

Links, links, links, links!

Der rote Wedding marschiert!

Sie schlagen uns die Genossen tot,

Doch der Wedding lebt und Berlin bleibt rot.

Es wächst unser heimliches Heer

Und holt das Volk seine Freiheit zurück,

Dann spürt der Faschist unsere Faust im Genick.

Dann entrissen wir ihm das Gewehr.

Roter Wedding, grüßt Euch, Genossen,

Haltet die Fäuste bereit.

Haltet die roten Reihen geschlossen,

Dann ist der Tag nicht mehr weit.

Schon erglüht die rote Sonne flammend am Horizont.

Kämpft, Genossen, Sturmkolonne.

Rot-Front! Rot-Front!

Links, links, links, links!

Trotz Faschisten und Polizei!

Links, links, links, links!

Wir gedenken des 1. Mai!

Der herrschenden Klasse blut'ges Gesicht,

der Rote Wedding vergißt es nicht,

und die Schande der SPD!

Sie woll'n uns das Fell über die Ohren zieh'n,

doch wir verteidigen das rote Berlin,

die Vorhut der roten Armee!

Roter Wedding, grüßt euch, Genossen,

haltet die Fäste bereit!

Haltet die roten Reihen geschlossen,

denn unser Tag ist nicht mehr weit!

Drohend stehen die Faschisten, drüben am Horizont.

Proletarier, ihr müßt rüsten!

Rot Front! Rot Front!

Links, links, links, links!

Die Fahne weht uns voran!

Links, links, links, links!

Der Rote Wedding tritt an!

Wenn unser Gesang durch die Straßen braust,

dann zittert der Feind vor der Arbeiterfaust!

Denn die Arbeiterklasse erwacht!

Wir stürzen die Säulen des Ausbeuterstaats

und gründen die Herrschaft des Proletariats.

Kameraden erkämpft euch die Macht!

Roter Wedding, grüßt euch, Genossen,

haltet die Fäuste bereit!

Haltet die roten Reihen geschlossen,

denn unser Tag ist nicht mehr weit!

Drohend stehen die Faschisten, drüben am Horizont.

Proletarier, ihr müßt rüsten!

Rot Front! Rot Front!