der Freitag
21.06.2012 | 13:21 79

Wir kommen anders

Aufklärung Ist die Jugend von heute wirklich aufgeklärt? Fünf junge Berliner unterhalten sich über Sex. Wir haben zugehört

Das soll also die Generation Porno sein: versaut, frühentwickelt und gleichzeitig stockkonservativ. Statt Harry Potter hat sie im Internet Cumshots und Gangbang gesehen und vernünftig verhüten hat sie angeblich noch immer nicht gelernt. Geschichten und Vorurteile über die Jugend von heute gibt es fast so viele wie Aufklärungsbücher. Gerade ist wieder eines erschienen: Make Love (Verlag Rogner & Berhard, 22,95 Euro) ist ein Aufklärungsbuch, wie man es selber gern gelesen hätte: unverklemmt und unverschnörkelt, liebevoll und doch auf der Höhe der Forschung. Und am Ende sogar ein wenig verrucht.

Aber brauchen Jugendliche überhaupt noch solche Bücher? Wie aufgeklärt sind sie eigentlich? Was denken sie über Sex? Was wünschen sie sich? Und wie reden sie darüber, wenn sie unter sich sind?

Unsere jüngste Mitarbeiterin hat vier Freunde und Freundinnen an einem Nachmittag eingeladen, das zu tun, was sie angeblich eh ständig tun: über Sex reden. Bloß, dass diesmal ein Tonband laufen würde. Zwei Mädchen und zwei Jungen sagten sofort begeistert zu. Sie sind alle zwischen 18 und 20 Jahre alt. Sie stehen alle kurz vor dem Schulabschluss. Teilweise kannten sie sich untereinander, teilweise lernten sie sich an diesem Nachmittag kennen. Um 14 Uhr wurde das Band eingeschaltet, drei Stunden und fast 90 Zigaretten später haben wir es wieder ausgeschaltet.

Beim Abtippen trieb es dem Redakteur über so viel Offenheit zunächst die Schamesröte ins Gesicht, am Ende aber war er auffallend beschwingt und zuversichtlich, dass hier eine Generation heranwächst, die genauso unsicher, genauso sehnsüchtig, genauso neugierig ist wie alle vorherigen auch. Bloß, dass diese hier offen darüber spricht. Aber lesen Sie selber! Noch eins: Gegen den Wunsch der fünf haben wir ihre Namen verfremdet.

Charlotte: Wie war eigentlich euer erstes Mal?

Juri: Bei mir war es ein unfassbar unromantischer One-Night-Stand. Ich war in einem Club, wir haben getanzt und uns geküsst und sind irgendwann zu ihr. Ich weiß nicht einmal mehr, wie sie hieß oder wie es war.

Robert: Also bei mir war es schön. Ich war schon ein paar Monate mit meiner Freundin zusammen – wir waren beide 16 und hatten schon viel über Sex gesprochen – und dann hatte ich mal sturmfrei …

Maike: Klassisch!

Im Nachhinein hätte ich gern noch ein paar Jahre gewartet.

Janina: Ich habe recht lange gewartet. Und dann hatte ich an einem Abend lange mit meinem neuen Freund geredet und auch ein wenig gekifft und dann ist es passiert. Es war eigentlich sehr schön.

Maike: Mein erstes Mal hat höchstens fünf Minuten gedauert und war total unspektakulär. Noch viel Luft nach oben. Und bei dir?

Charlotte: Ich hatte dazu ja wahnsinnig viel in Mädchenzeitschriften gelesen und diese Vorstellung, dass man sich im Kerzenschein und bei Lagerfeuer-Musik näherkommen würde. Ich hatte dann relativ früh das erste Mal Sex, mit 14, und das war natürlich total unromantisch und im Nachhinein hätte ich gern noch ein paar Jahre gewartet. Wie verhütet ihr eigentlich?

Maike: Pille.

Robert: Wenn man sich nicht kennt, dann mit Kondomen.

Alle: Genau!

Charlotte: In der Beziehung finde ich die Pille besser. Es ist ja bekannt, dass die meisten Männer ein Problem mit Kondomen haben. Und mich stört es ehrlich gesagt auch ein wenig. Wart ihr eigentlich aufgeklärt, als ihr das erste Mal Sex hattet?

Alle: Ja, klar.

Maike: Wie ist es bei euch zuhause? Redet ihr über Sex?

Unsere Generation muss man gar nicht mehr aufklären

Charlotte: In meiner Familie wird überhaupt nicht über Sex geredet. Nicht, dass die spießig wären, aber die reden einfach nicht drüber. Ich glaube, in der Vorstellung meines Vaters bin ich vier Jahre alt, habe ein rosa Kleidchen an und eine Schultüte in der Hand – der würde es nie verstehen, dass ich inzwischen Sex habe.

Maike: Mein Vater ist genauso. Aber meine Mutter hat schon früh ganz offen bei uns am Küchen-tisch mit Freundinnen über ihre Sexualität gesprochen. Das war bei uns normal.

Charlotte: Echt?

Maike: Klar, und als ich 16 wurde, hat sie mir so ein Sexbuch in die Hand gedrückt und gesagt: „Wird ja auch langsam Zeit.“

Robert: Meine Eltern haben mich sehr sachlich aufgeklärt, über Verhütung und Schwangerschaft. Aber heute würde ich nie mit ihnen über Sex reden wollen.

Juri: Meine Mutter ist ja Grundschullehrerin und hat dann irgendwann Aufklärungsbücher mitgebracht, aber ich finde unsere Generation muss man gar nicht mehr aufklären. Wir wissen doch eh schon Bescheid, weil man übers Internet so leicht Pornos schauen kann…

Maike: …aber was haben denn Pornos mit Aufklärung zu tun? Die sind doch total realitätsfern!

Juri: Ja, klar, ich weiß. Aber trotzdem ist man doch dadurch viel früher mit Erotik in Berührung gekommen und hat sich dann rasch informiert, oder?

Charlotte: Unsere Eltern denken ja, dass wir die Generation Porno sind, total versaut von dem ganzen Zeug im Internet.

Maike: Es ist schon so, dass unsere Generation viel Pornographie konsumiert. Du setzt dich einfach an den Rechner und klickst vorher auf „save“.

Charlotte: Oder hinterher auf „delete history“.

Die meisten Jugendlichen, die ich kenne, können das, was sie im Internet sehen, sehr gut von dem trennen, was tatsächlich passiert.

Robert: Schaut ihr gern Pornos?

Maike: Ja, schon, aber sicher nicht, um das hinterher nachzuspielen.

Juri: Es ist doch in unserer Generation jedem klar, dass das nicht der Wirklichkeit entspricht, oder?

Charlotte: Es gibt sicher viele 13-Jährige, die glauben, dass Frauen nach dreimal raus und rein kommen. Aber ich glaube auch, dass die Eltern ein völlig falsches Bild von uns haben. Die meisten Jugendlichen, die ich kenne, können das, was sie im Internet sehen, sehr gut von dem trennen, was tatsächlich passiert.

Juri: Was ich im Porno immer absurd finde: dass der Mann, kurz bevor er kommt, den Sex abbricht und sich über die Frau kniet, um ihr ins Gesicht zu spritzen. Darauf wäre ich nie gekommen.

Maike: Es gibt schon viele Jungs, die genau auf so etwas stehen…

Janina: Also ich schaue gern Pornos und auch gern zusammen mit meinem Partner. Ich empfinde das als Anregung, wir probieren auch Sachen aus, die wir gesehen haben. Mein Exfreund wollte mir dann unbedingt auch ins Gesicht spritzen, das wollte ich aber nicht, das fand ich respektlos.

Maike: Ich habe damit kein Problem. Es bringt mir zwar nicht viel, aber wenn er drauf steht.

Robert: Ich habe das mal mit meiner Exfreundin ausprobiert, aber es hat mich nicht besonders angemacht.

Charlotte: Das wäre für mich die totale und endgültige Demütigung. Ich würde mich fragen: Was ist das eigentlich für ein Typ, der so etwas gut findet?

Maike: Es ist halt eine Art Machtdemonstration des Mannes. Mich stört das nicht weiter, mir gefällt es, wenn der Mann ein bisschen dominant im Bett ist.

Janina: Das finde ich auch gut. Aber ich mag es nicht, wenn er vorgibt, wie es laufen muss.

Charlotte: Sagt mal, Jungs, wenn eure Freundin in den Ferien ist, und ihr euch einen runterholt, schaut ihr dann einen Porno oder denkt ihr an eure Freundin?

Robert: Dann schaue ich einen Porno. Ich habe doch Sex mit meiner Freundin, dann muss ich nicht auch noch an sie denken, wenn ich masturbiere.

Maike: So geht es mir auch. Habt ihr eigentlich einen Trick, damit ihr nicht zu früh kommt?

Die besten Orgasmen meines Lebens habe ich vorgetäuscht

Robert: Naja, ich stelle mir dann Frauen vor, die mir nicht gefallen. Oder ich denke an ein mathematisches Problem. Ich will ja nach dem Sommer mein Informatik-studium beginnen und da gibt es genügend Fragestellungen, die einen ziemlichen ablenken können.

Maike: Überlegt ihr euch nach dem Sex manchmal: Das hätte ich besser machen können?

Juri: Ja, schon, aber wenn du mit deinem Partner darüber nicht reden kannst, ist das eine echt schwierige Frage. Wie sollst du denn wissen, was ihr gefällt?

Charlotte: Stimmt, ihr wisst gar nicht, ob es uns gefallen hat.

Juri: Naja, man merkt es schon, ob sie dir was vorspielt.

Charlotte: Nein!

Maike: Never!

Charlotte: Die besten Orgasmen meines Lebens habe ich vorgetäuscht!

Robert: Also, dann lieber nichts als etwas vorgetäuscht bekommen.

Charlotte: Du weißt doch gar nicht, wie viele Orgasmen dir vorgespielt wurden!

Robert: Doch, das weiß ich.

Charlotte: Wieso?

Robert: Weil noch keine Frau beim Sex mit mir einen Orgasmus hatte.

(Schweigen)

Charlotte: Also … äh … ich muss gestehen, ich habe wahnsinnig selten einen Orgasmus.

Janina: Nur durch den Akt komme ich auch nicht zum Orgasmus.

Charlotte: Ich auch nicht.

Maike: Sex ist auch ohne Orgasmus gut.

Robert: Dann bin ich ja beruhigt.

Janina: Und wie ist es, wenn ihr keinen hochkriegt?

Juri: Das ist mir mal passiert, als ich sehr viel getrunken hatte. Am nächsten Morgen war mir das wahnsinnig peinlich, aber meine Freundin fand das gar nicht so schlimm. Ich glaube, das ist für uns viel schlimmer als für euch, oder?

Maike: Im ersten Moment denkst du als Frau: Lag es an mir?

Es gibt unter Jungs bestimmte Themen, über die würde man nie sprechen. Zum Beispiel Penislängen

Charlotte: Ich wüsste gern, wie ihr Jungs eigentlich über Sex und Frauen redet, wenn ihr unter euch seid?

Juri: Wenn wir mit der Sportmannschaft auf Fahrt sind und da hat einer ein Mädchen aufgerissen, dann feiern wir den und geben ihm „high-five“. Unter Typen muss man so ein bisschen den Macho rauskehren und prahlen. Man redet viel oberflächlicher und geht nicht ins Detail. Und über Gefühle reden wir schon mal gar nicht.

Robert: Das kann ich nicht bestätigen. Mit meinem besten Freund habe ich immer viel über Gefühle geredet, aber fast nie über Sex. Und mit meiner besten Freundin dann eher ganz konkret über Techniken und Praktiken.

Juri: Es gibt unter Jungs bestimmte Themen, über die würde man nie sprechen. Zum Beispiel Penislängen. Das ist ein totales Tabuthema.

Robert: Genau!

Janina: Wie? Was? Ich dachte ihr redet ständig darüber!

Juri: Nein, nie! Und mich interessiert es auch überhaupt nicht. Also wenn ich über meinen Körper rede, dann nur mit einer Freundin.

Charlotte: Also lasst uns mal über Penisse reden.

Maike: Ja! Size matters!

Charlotte: Genau, je größer, desto besser.

Janina: Also ich finde Größe nicht so wichtig. Was findet ihr Jungs?

Robert: Ich denke ehrlich gesagt nicht so viel drüber nach, denn ich kann das ja sowieso nicht ändern.

Charlotte: Seid ihr denn zufrieden?

Juri: Ja.

Robert: Schon.

Charlotte: Das ist ja interessant, denn wenn du Frauen fragen würdest, ob sie mit ihren Ärschen und Titten zufrieden sind, würden die meisten sagen: naja.

Maike: Als Frau denkst du immer, du müsstest dünner sein. Aber dann sagst du dir: Hey, du hast Kleidergröße 38, das geht voll klar, warum glaube ich, zu dick zu sein?

Juri: Also ich finde bei einer Frau: Mehr ist mehr.

Robert: Genau, lieber etwas kräftiger als diese Superdünnen.

Charlotte: Ich bin bei Frauen seltsamerweise viel kritischer. Bei Männern, finde ich, geht alles: Die können superdünn sein oder etwas dicker, sehr behaart oder kaum. Aber bei einer Frau registriere ich sofort, ob sie fünf Kilo zu viel drauf hat. Das ist echt schlimm. Mein Körpergefühl ist sehr von der Tagesform abhängig. Es gibt Tage, da schau ich morgens in den Spiegel und denke: O Gott, du alte Fettkuh. Wie ist das denn bei den Jungs?

Juri: Wenn ich morgens in den Spiegel blicke und finde, dass ich schlecht aussehe, denke ich einfach: Scheiß drauf. Aber grundsätzlich versuche ich schon, gut auszusehen.

Maike: Du siehst gut aus.

Charlotte: Finde ich auch.

Juri: Aber ich habe auch Problemzonen. Mich regen meine kräftigen Oberschenkel krass auf, weil ich viele Hosen nicht anziehen kann.

Charlotte: Geht mir auch so.

Maike: Ich trage deshalb immer Männerhosen.

Charlotte: Ich finde, große Brüste sehen manchmal komisch aus. Ich stelle mir vor, dass es irgendwie schön ist, wenn Männer einem auf den Ausschnitt starren. Das ist ja irgendwie als Kompliment gemeint. Aber ich würde mich billig fühlen, wenn meine Brüste zu stark betont würden.

Maike: Es ist nicht wirklich ein Kompliment. Ein Freund meines Stiefvaters hat mir mal während des Abendessens die ganze Zeit auf die Brüste gestarrt, bis meine Mutter sagte: Es reicht jetzt auch mal.

Charlotte: Stimmt es, dass es Arschjungs und Tittenjungs gibt?

Robert: Ich guck mir das Gesicht an!

Charlotte: Och ja. Klar!

Robert: Doch, wirklich.

Juri: Ich schau eher auf die Titten, aber das Gesamtbild muss passen.

Charlotte: Ich schau bei Frauen auf die Titten. Wie ist es bei dir?

Janina: Ich stehe auch auf Frauen und finde Titten richtig wichtig. Obwohl die meisten meiner Frauen dann oft eher einen guten Arsch hatten. Was ich dann auch gut fand. Es ist also wohl letztlich nicht so wichtig.

Charlotte: Ich habe mich früher, wenn ich nach dem Sex aufs Klo gegangen bin, in eine Decke gehüllt, weil ich mich nicht nackt zeigen wollte. Inzwischen aber ist es mir ziemlich egal. Ich ziehe auch beim Sex nicht mehr den Bauch ein. Obwohl das ja besser ist für den Orgasmus.

Juri: Ach ja?

Maike: Klar, wegen der Becken-bodenmuskulatur.

Juri: Woher wisst ihr das?

Charlotte: Ich habe das irgendwo gelesen.

Juri: Wie trainiert man denn den Beckenboden?

Maike und Charlotte: Yoga!

Juri: Kennt ihr das, dass ihr euch mehr gehen lasst und weniger auf euer Äußeres achtet, wenn ihr einen Freund habt? Ich zum Beispiel kriege immer eine Beziehungsplautze.

Janina: Bei mir ist es so, dass ich mich anfangs schick mache, weil ich ihm gefallen will und dann, nach einer Zeit, lass ich mich gehen, um zu sehen, ob er mich wirklich mag. Wenn er dann bleibt, bemühe ich mich wieder.

Maike: Eine Art Test also!

Juri: Experimentiert ihr eigentlich viel im Bett?

Robert: Ja, sehr viel.

Charlotte: Also, ich würde gerne sagen können, dass ich sexmäßig wahnsinnig experimentell unterwegs bin, aber ich glaube, das Gegenteil ist richtig: Ich bin ein Gewohnheitstier, ich mag die Missionarstellung. Was anderes, habt ihr euch schon mal gefilmt beim Sex?

Maike: Nö.

Robert: Nee, ich wüsste auch nicht, wann man sich das dann anschauen will. Für eine Nachbesprechung, oder wie? (alle lachen).

Charlotte: Und wie ist es mit Analsex? Habt ihr damit Erfahrungen?

Janina: Ja.

Charlotte: Wie fühlt sich das an, so ein bisschen wie, äh, kacken?

Janina: Nee, aber klar, es ist schon ein wenig schmerzhaft. Es ist sehr eng, aber genau das gefällt mir daran. Hinterher ist man völlig gelöst. Kann ich jedem empfehlen.

Charlotte: Mein Freund will das absolut nicht.

Sex außerhalb der Beziehung ist entspannter, weil man dem Gegenüber keine Rechenschaft schuldig ist.

Janina: Ich musste meinen auch dazu überreden. Ich glaube, dass viele Jungs das irgendwie ekelig finden.

Robert: Ich würde es gern mal ausprobieren.

Janina: Findet ihr, dass Sex in der Beziehung oder bei einem One-Night-Stand besser ist?

Robert: Ich hatte noch nie einen richtigen One-Night-Stand.

Charlotte: Ich finde Sex in der Beziehung bringt Verantwortung mit sich. Man hat das Bedürfnis, dem Partner etwas zu bieten, weil man ihn gern hat. Sex außerhalb der Beziehung ist entspannter, weil man dem Gegenüber keine Rechenschaft schuldig ist. Mit meinem jetzigen Freund ist es besser, aber lange Zeit habe ich mich in Beziehungen nicht getraut zu sagen, was mir eigentlich gefällt. Bei einem One-Night-Stand fiel mir das viel leichter.

Janina: Ich rede über Sex. Und frage viel. Ich finde das wichtig.

Robert: Ich habe mit meinen Freundinnen auch immer über Vorlieben und Phantasien gesprochen. Das hat dazu geführt, dass wir viel ausprobiert haben. Sagt mal, habt ihr eigentlich Erfahrungen mit offenen Beziehungen?

Janina: Ja, und daran ist meine letzte Beziehung gescheitert. Das lief so: Ich hatte meine Leute und er seine, aber als mir klar wurde, dass er überhaupt keinen Wert darauf legt, wen er fickt, fand ich das krass.

Maike: Aber es war vorher so abgesprochen?

Janina: Ja, und wir wollten uns alles erzählen. Aber dann hat er das nicht mehr getan und ich habe irgendwann das Vertrauen verloren.

Charlotte: Warst du nicht eifersüchtig? Ich denke, wenn man jemanden wirklich liebt, dann ist man auch treu, und wenn man das nicht mehr schafft, stimmt auch in der Beziehung etwas nicht. Offene Beziehungen tun immer irgendwann irgendwem weh.

Juri: Ich hatte noch keine offene Beziehung, aber was ich von Freunden höre, hat meistens der eine Partner mehr Sex als der andere, und das führt dann zu Problemen. Mir ist Treue sehr wichtig, aber wenn meine Freundin mich betrügen sollte, heißt das nicht gleich, dass ich Schluss machen würde.

Charlotte: Ab wann würdest du sagen: Sie hat mich betrogen?

Juri: Wenn sie mit jemandem geschlafen hat.

Charlotte: Und knutschen?

Juri: Wenn sie mir das hinterher gesteht, dann würde ich ihr das nachsehen. Aber natürlich ist das ein gewisser Krampf: Jedesmal, wenn sie mal alleine feiern geht, hätte ich Angst, dass es wieder passiert.

Charlotte: Und was haltet ihr von der Regel: „Was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß?“

Alle: Nichts!

Maike: Andererseits soll diese totale Ehrlichkeit doch auch nur das eigene Gewissen erleichtern, oder? Und wenn man erzählt, was vorgefallen ist, macht das die Sache für den, der betrogen wurde, letztlich nur noch schlimmer.

Janina: Ich will es immer wissen, weil die Wahrheit nie so schlimm ist, wie die Ungewissheit.

Charlotte: Ich bin schon mal fremdgegangen und mir ist Treue seither wichtiger. Und ich kann diese bescheuerte Ausrede: „Ich war so besoffen“ nicht mehr hören. Wenn ich so betrunken bin, kotz ich doch in die Ecke und gehe nicht mit jemand anderem ins Bett, oder?

Maike: Bei Alkohol stimmt das, aber bei anderen Drogen ist man wehrlos.

Robert: Bei MDMC zum Beispiel. Zunächst verspürst du ein großes Glücks- und Wachheitsgefühl. Du willst tanzen und glaubst, jeden zu lieben. Und bei den meisten wirkt es auch als Aphrodisiakum. Ziemlich stark sogar.

Maike: Stimmt! Ich hatte mal in einem Club mit neun ver-schiedenen Leuten was. Da dachte ich hinterher: Das passiert dir nicht einfach so, das war wegen der Droge.

Charlotte: Wollt ihr eigentlich später mal Familie haben?

Maike: Nö.

Janina: Ich will Kinder, aber keinen Mann.

Robert: Ich will unbedingt Frau und Kinder.

Juri: Ich möchte auch das klassische: Frau und zwei Kinder.

Janina: Ich glaube an die große Liebe, ihr auch?

Maike: Nein.

Robert: Ich glaube nicht an die eine große Liebe, ich glaube, es gibt mehrere Personen, mit denen es gut passen kann.

Juri: Ich glaube nicht, dass es Perfektion gibt, man muss an allem arbeiten.

Charlotte: Ich glaube, man kann sich viel einreden. Man kann also mit relativ vielen Menschen glücklich werden.

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Lesen Sie auch: Maxi Leinkauf hat für unsere Jahresend-Ausgabe 2010 die Sexologin Ann-Marlene Henning interviewt, die nun Make Love geschrieben hat.

Janina, 19, ist Single. Die Schülerin macht nächstes Jahr Abitur. 
Sie singt in einer Band und 
geht am Wochenende gern auf Electro-Partys

Juri, 19, ist Single und spielt Hockey in der 1. Verbandsliga. Er studiert Mathematik und Physik auf Lehramt und möchte 
später mal eine Familie gründen

Maike, 18, ist Single und hat das Abitur bestanden. Sie überlegt sich, ob sie Tätowiererin 
werden soll. Alternativ würde 
sie gern Bestatterin lernen

Robert, 19, Single, hat gerade sein Abitur bestanden, ist von 
zu Hause ausgezogen und 
beginnt im Herbst ein 
Informatik-Studium in Berlin

Charlotte, 19, in einer festen Beziehung, hat gerade ihr Abitur bestanden. Nach dem 
Sommer möchte sie für drei Monate nach Argentinien

Kommentare (79)

Osus 21.06.2012 | 16:17

Ich fand die Ehrlichkeit auch erfrischend. Allerdings ist der Bekanntenkreis dieser jüngsten Freitag-Mitarbeiterin wohl kaum repräsentativ für die "heutige Jugend" oder die "junge Gesellschaft". Es handelt sich scheinbar bei allen um hippe, recht attraktive und selbstbewußte Großstadtbewohner, alle mit höheren Bildungsabschlüssen, bevorstehenden Auslandsaufenthalten etc.

Das Gespräch wird dadurch nicht schlechter, aber es geht im Grunde nur um einen recht kleinen Ausschnitt der Gesellschaft. Über die heutige Jugend oder eine etwaige "Generation Porne" erfährt man - anders als es der Einführungstext suggeriert - eher wenig.

goedzak 21.06.2012 | 23:25

"Beim Abtippen trieb es dem Redakteur über so viel Offenheit zunächst die Schamesröte ins Gesicht"

Nee, im Ernst jetzt?! :-))

Ich hab das Gespräch gleich mal einer jungen Dame zu lesen gegeben, die alters- und sozialgruppenmäßig hätte mit am Tisch sitzen können. Sie sagte dann, dass es ganz okay wäre und es unter ihren Freunden und Freundinnen praktisch und verbal ähnlich zugegen würde. Aus ihren sonstigen Erlebnisberichten - wir unterhalten uns nämlich beinahe täglich über alles, was unser Leben so mit sich bringt - wird aber auch klar, dass es nicht nur in dieser Gesellschaft allgemein, sondern selbstverständlich ebenso auch in bestimmten Altersgruppen wie etwa den 18/19jährigen, soziale Unterschiede gibt, die sich auch in Einstellungen zur Sexualität und im jeweiligen sexuellen Alltag zeigen. Es gibt eben auch in dieser Altersgruppe Sexismus, Frauenverachtung oder auch Prüderie, es gibt sehr wohl eine Porno-Sozialisation, prekäre Emotionalität usw.

Die halbwegs wohllebende Mittelschicht, auch ihre jungen Angehörigen neigen anscheinend dazu, ihre Art von Alltagskultur für die allgemeine und jedermann zugängliche zu halten. Es gibt aber auch heute, und das vermehrt, Jugendliche, die schon damit Schwierigkeiten haben, ganz schnöde einen geiegneten Ort für ein später einigermaßen erinnernswertes erstes Mal zu finden.

Was mir (und für mich persönlich erfreulich) auch besagter junger Dame auffiel: Die jungen Leute möchten nicht pauschal als Altersgruppe bedenklicher sexueller Einstellungen und Gepflogenheiten bezichtigt werden, neigen selbst aber dazu, pauschale Einschätzungen gegenüber einer anderen Gruppe abzugeben: der der Eltern nämlich.

weinsztein 22.06.2012 | 02:13

Eine erfrischende Geprächsrunde. Rührend, dass dem abtippenden Redakteur Schamesröte das Antlitz dunkelte.

Danke an die jüngste Freitagmitarbeiterin.

Ich erinnere im Zusammenhang mit Make Love (Rogner & Bernhard, Jakob Augstein hat seine Anteile an diesem Verlag im vorigen Jahr verkauft) an Sex-Front und Das Sex-Buch - bahnbrechende Werke von Günter Amendt aus den 70-er Jahren.

Peter Knobloch 22.06.2012 | 14:26

So ich muss mal dagenhalten. Ich, keine 6 Jahre älter, finde den Inhalt weder erfrischend, noch überraschend, erschreckend oder beruhigend. Vielmehr sehe ich einige Probleme, die m.E. überwunden werden müssen.

Zum einen, dass Eltern nicht über Sex reden, die Jugendlichen beim verstehen unterstützen. Der Grund: Die meisten Erwachsenen wurden genauso schweigsam sexualisiert und verstehen selbst nicht, was abgeht. Diese Lücke bietet Medien- und Pornoindustrie natürlich genug Platz für die verantwortlichen Eltern einzuspringen. Was kommt dabei raus: Jungs wollen Mädels ins Gesicht spritzen. Was zur Hölle ist geil daran? Nicht als eben das Machtspielchen, das Pronos vorspielen.

Hinzu kommt kapitalistisch anputender Leistungsdruck. Die Mädels sorgen sich um ihre Kurven, die Männer um ihre Performance. Wenn es um den reinen Akt geht, das zeigt sich auch in diesem Gespräch, geht es einzig und allein darum, ob der Herr die nötige Fähigkeit besitz, die Dame zu befriedigen. Dass die Jungs immer Spaß haben und immer auf ihre Kosten kommen wird einfach aximatisch vorausgesetzt, als sei ein Samenerguß materieller Beweiß von Befriedigung. Quatsch. Diese Reduktion männlicher Sexualität auf Leistung und Penis degradiert den Höhepunkt auf die Eruption eines Nießens. Ich kann hier mehr von der männlichen Seite sprechen. Von weiblicher Seite sehe ich, dass Frau unter Druck steht perfekt auszusehen. Gleichzeitig bemittleidet sie ihn für seinen Leistungsdruck im Akt und schauspielert einen Orgamus. Wie unsinnig. Und gerade in einer Beziehungs sollten Leistungsaspekte doch am besten wegfallen können, wenn sie die Partner gegenseitig vertrauen, nachsichtig sind und einfühlsam miteinander umgehen. Das ist doch gerade das schöne. Liebe machen kann man nicht unter Leistungsdruck. So!

Ned Ludd 22.06.2012 | 16:54

Fand es rech peinlich die Titelseite mit dem Artikel aufzumachen. Vielleicht war es ja wenigstens verkaufsfördernd. Man kann so ein Gespräch ja durchaus drucken. Aber ich find es wie "OSUS", kaum repräsentativ. Das geht mir zur Zeit im Blätterwald eh gehörig auf den Keks. Wenn sich JournalistInnen mit einem Thema beschäftigen, etwa den psychischen Auswirkungen von Arbeitsstress, geht es furchtbar oft nur um ihr eigenes Milieu. Die Smartphone-Arbeitnehmer, meist AkademikerInnen, die auch von Zuhause noch arbeiten. Und die Arbeitsverdichtung etwa im produzierendem Gewerbe wird kaum zum Thema. Weil: Da kennen viele JournalistInnen vielleicht auch niemanden. Eine ernsthafte Beschäftigung mit der jungen Generation und ihrer Sexualität hätte aber auch viel mehr Arbeit gemacht. Trotzdem, durchaus interessant und nett zu lesen.

Ernst Glischka 22.06.2012 | 17:56

Man muss davon ausgehen, dass das angerissene Probleme mehrere Facetten hat, von denen in der direkten Rede junger Menschen natürlich nur ein Teilausschnitt überhaupt zur Geltung kommen kann; und es ist dann noch eine Frage der Ordnung des Gesprächs, wie diese Punkte diskutiert werden können.

So wird bei aller Offenherzigkeit auch im Gespräch durch Mimik, Gestik und Intonation, durch Augenaufschlag und bedeutungsvolle Gebärde ja selbst schon vieles aus Angst und Imponiergehabe vom Tisch gewischt, was vielleicht in Bezug auf reale Ängste und Versangensdruck durchaus thematisiert werden müsste. -- Weiter oben wurde es schon angesprochen: soziale Differenzierungen bestehen in jedem Milieu, in jeder Gruppe, in jeder Schicht, in jeder Klasse und sind mithin weniger an Alter und Aussehen zu knüpfen, obwohl wir natürlich wissen, dass Alter und Aussehen an sich bereits zu Kritierieren werden können und ja auch sind. Nicht allein innerhalb der Werbeindustrie oder des Leistungssports, sondern in jeglichen Branchen und Gewerben und nicht zuletzt im Arbeitsleben.

Unsicherheit stünde diesen Leuten gar nicht mal schlecht zu Gesicht, und eine gewisse Mentalität des Ausprobieren, der Ablehnung von Schubladendenken wurde ja auch angerissen, nur um dann dennoch in eigentlich überkommene Verhaltensmuster und Denkstile abzugleiten. Eine wirkliche Aufklärung habe ich beim Lesen nicht empfunden und muss sogar sagen, dass mir (Mitzwanziger) viele der genannten Punkte arg aufstoßen. Nicht aus Eitelkeit und Petitesse, sondern aus der doch sehr entscheidenden moralischen Frage, wie heute eigentliche gedacht, wie der Geisteszustand in der Gesellschaft ist.

Es ist sehr richtig, auf ökonomische und soziologische Unterschiede hinzuweisen; diese allein bedingen schon doe Form der Wahrnehmung des Mitmenschen, der Verbalisierung von eigenen Emotionen und der Akzeptanz anderer Lebensformen und auch Sexualitäten. Im Grunde genommen ist mit der Durchsetzung neoliberaler Gesellschaftsphilosophie ja nicht nur das Denken in großen Konfrontationslinien fälschlich ad acta gelegt worden (was denkt z.B. die geprellte Jugend in Südeuropa?), sondern auch gewisse politische Überzeugungen, die gegen die eigene Versuchung, den kurzfristigen Erfolg, die schnelle und unreflektierte Befriedigung etc. auch als Geisteshaltung hochgehalten wurden. Davon ist ja heute nicht allein bei Jungen teilweise wenig zu spüren (wenn auch der Bedarf an Kritik, an kritischen Diskursen doch vermehrt gegeben ist). Um es zuzuspitzen: Gesellschaftskritik, die einige Menschen meinen en passant als Lebenstil "mitnehmen" zu können, lässt sich eben doch nicht als bloßer Lebenstil, als Konsummuster oder als Etikett tragen - auch nicht als vermeintlich lässigen und abgeklärten Umgang mit Mitmenschen und auch Gleichaltrigen. Kommunikation und Anerkennung basiert auf einem gewissen Grundkonsens, wenn es sich um Gleichberechtigung handeln soll. Ein solches Denken wird aber nicht eingübt, stattdessen bestehen Kriterien, die Anforderungen der Arbeitswelt auf das Private nonchalant übertragen und im kurzfristigen Gewinn Freiheit suggerieren, wo sie doch Unterwerfung und Regression des Geistes meinen. Ein Frau ins Gesicht zu ejakulieren ist und bleibt Unterwerfung des Selbst, weshalb ja jeder Ansatz, politische Verhältnisse zu verändern nicht zuletzt an den ungeklärten kulturellen und mentalen Einflussfaktoren einer bestehenden Gesellschaft scheitert (als stille oder latente Repression). Dieses Anliegen hatte weder der Aufsatz, noch haben ihn vielleicht die Interviewten, die nur als beliebig Naive erscheinen; dennoch könnte es der Anspruch einer Wochenzeitung wie des FREITAG sein, die Debatte gerade an dieser Stelle aufzugreifen und nicht bereits mit dem Label "Aufklärung" vorwegnehmend für beendet zu erklären. Wir sind nicht aufgeklärt, auch wenn unmittelbare Erfahrung von Menschen ein erster Schritt dazu ist. Aufklärung ist viel mehr und setzt nur Beteiligte voraus, nicht schon Ergebnisse und ein Ankommen im Hier und Jetzt. Das Hier und Jetzt ist doch - gelinde gesagt - ein Scheißdreck von Zivilität.

miauxx 23.06.2012 | 12:51

Von Aufklärung zu sprechen, wie es auch Kommentierende hier einfordern, ist doch reichlich übertrieben. Was soll das überhaupt bedeuten, über Sex aufzuklären? Dass der Nachwuchs nicht vom Klapperstorch gebracht wird, weiß heute ohnehin jede/r Fünfjährige. Neu ist auch nicht erst seit den Schulmädchenreports, dass der Mensch Sex nicht allein der Fortpflanzung wegen betreibt. Wie Sex "richtig" oder "falsch" ist, kann überdies niemand erklären; genausowenig, wie es Patentrezepte für die Partnerschaft oder soziales Leben überhaupt gibt. Aufklärung über Sex zu fordern, das gar immer noch den Eltern überhelfen zu wollen, ist doch reichlich anachronistisch. Probleme mit Sex entstehen sicherlich durch Porno und die alltägliche Übersexualisierung z.B. der Werbung. Insofern sind die Hinweise P. Knoblochs wichtig und richtig. Doch, andererseits, wieviel nimmt man dem Sex, wenn man meint, ständig, mal eben ganz offen, darüber reden zu müssen?!

crumar 23.06.2012 | 13:56

Vielen Dank für deinen Einspruch!

Was ich extrem befremdlich finde ist die von den Frauen stolz vorgebrachte Behauptung, sie könnten den Orgasmus so perfekt vortäuschen, dass es ein Mann nicht merken würde. Und hätten dies auch bereits perfekt getan! Ich sage hier "den Frauen", weil das a. ein generationsübergreifender Mythos von Frauen ist, bei dem b. immer der Stolz auf die eigene schauspielerische Leistung mitschwingt und das c. eine als Vorwurf gegen den Mann gedachte Wendung bekommt.

Und ich frage mich immer und dieses Forum: WEM NÜTZT DAS?

Die Frau artikuliert nicht ihre Schwierigkeiten einen Orgasmus zu bekommen, der Mann erfährt nichts von diesen Problemen und demzufolge gibt es auch keine partnerschaftlichen Lösungsansätze.

Der mitgeteilte Spass am Sex war also gar keiner, sondern nur geheuchelt und nachher wird (öffentlich) ausposaunt, der Mann habe sich ja so leicht von der eigenen Schauspielerei täuschen lassen.

Ich fand es auch bezeichnend, dass der Junge als Show-Stopper agierte mit seinem Eingeständnis, noch nie eine Frau zum Orgasmus "gebracht" - also die ihm zugedachte Leistungsrolle nicht erfüllt zu haben. Erst das eröffnete im Gespräch die Wendung zu den Schwierigkeiten der jungen Frauen selbst.

Sehr durchwachsen das alles.

Schönen Gruß, C.

Peter Knobloch 23.06.2012 | 14:28

"Doch, andererseits, wieviel nimmt man dem Sex, wenn man meint, ständig, mal eben ganz offen, darüber reden zu müssen?!" Ein sehr berechtigter Hinweis. Eine mögliche Antwort: Vielleicht nimmt dem Sex so etwas vom Reiz des Geheimnisvollen, aber auch viel vom Krampf des Unausgesprochenen.

Bestes Beispiel: das vorspielen eines Orgasmus'. Wenn ich in einer Beziehung bin, dann sage ich meiner Partnerin ehrlich, dass ich mir wünsche, dass sie sich auf keinen Fall verstellt. Und dass es mich unheimlich verletzten würde so betrogen zu werden. Ich spiele ihr ja auch nichts vor, in anderen Belangen.

Auch partnerschaftlich ist Aufklärung wichtig, um Barikaden zu berechen. Mit falschen Annahmen aufzuräumen. Beispiel: weibliche Ejakulation, für Viele etwas Unbekannts oder Fui oder nicht möglich oder was auch immer. Falsch anoszialisiertes "Wissen" kriegt man hier eben leider oft nur weg, in dem mensch drüber redet.

Also wenn ich Vater wäre, dann würde ich zumindest so gut wie möglich versuchen, gesellschaftlich verbreitete Fehlannahmen auszuräumen. Eben zum Beispiel zu verdeutlichen, dass es eben nicht um Leistung geht beim Liebe machen. Stichwort: Selbstannahme. Die kann mensch einem Kind in der Erziehung sehr gut nahe begingen, ohne die ganze Zeit direkt über Sex im Detail zu reden. Die Botschaft: Es ist okay wie Du bist, ich hab dich genau so lieb wie du bist, ganz unabhängig davon, wie viel du kannst. Und du selbst kannst dich auch so lieb haben, wie du bist. Du musst nicht in allem der oder die beste sein. Und das gilt für alle Dinge.

Okay, das klingt jetzt vielleicht etwas banal, aber so in etwas. Bin gespannt, wie ich das – soweit ich mal die Rolle einnehmen darf – in der Praxis hinbekomme :)

Peter Knobloch 23.06.2012 | 14:28

"Doch, andererseits, wieviel nimmt man dem Sex, wenn man meint, ständig, mal eben ganz offen, darüber reden zu müssen?!" Ein sehr berechtigter Hinweis. Eine mögliche Antwort: Vielleicht nimmt dem Sex so etwas vom Reiz des Geheimnisvollen, aber auch viel vom Krampf des Unausgesprochenen.

Bestes Beispiel: das vorspielen eines Orgasmus'. Wenn ich in einer Beziehung bin, dann sage ich meiner Partnerin ehrlich, dass ich mir wünsche, dass sie sich auf keinen Fall verstellt. Und dass es mich unheimlich verletzten würde so betrogen zu werden. Ich spiele ihr ja auch nichts vor, in anderen Belangen.

Auch partnerschaftlich ist Aufklärung wichtig, um Barikaden zu berechen. Mit falschen Annahmen aufzuräumen. Beispiel: weibliche Ejakulation, für Viele etwas Unbekannts oder Fui oder nicht möglich oder was auch immer. Falsch anoszialisiertes "Wissen" kriegt man hier eben leider oft nur weg, in dem mensch drüber redet.

Also wenn ich Vater wäre, dann würde ich zumindest so gut wie möglich versuchen, gesellschaftlich verbreitete Fehlannahmen auszuräumen. Eben zum Beispiel zu verdeutlichen, dass es eben nicht um Leistung geht beim Liebe machen. Stichwort: Selbstannahme. Die kann mensch einem Kind in der Erziehung sehr gut nahe begingen, ohne die ganze Zeit direkt über Sex im Detail zu reden. Die Botschaft: Es ist okay wie Du bist, ich hab dich genau so lieb wie du bist, ganz unabhängig davon, wie viel du kannst. Und du selbst kannst dich auch so lieb haben, wie du bist. Du musst nicht in allem der oder die beste sein. Und das gilt für alle Dinge.

Okay, das klingt jetzt vielleicht etwas banal, aber so in etwas. Bin gespannt, wie ich das – soweit ich mal die Rolle einnehmen darf – in der Praxis hinbekomme :)

Peter Knobloch 23.06.2012 | 14:28

"Doch, andererseits, wieviel nimmt man dem Sex, wenn man meint, ständig, mal eben ganz offen, darüber reden zu müssen?!" Ein sehr berechtigter Hinweis. Eine mögliche Antwort: Vielleicht nimmt dem Sex so etwas vom Reiz des Geheimnisvollen, aber auch viel vom Krampf des Unausgesprochenen.

Bestes Beispiel: das vorspielen eines Orgasmus'. Wenn ich in einer Beziehung bin, dann sage ich meiner Partnerin ehrlich, dass ich mir wünsche, dass sie sich auf keinen Fall verstellt. Und dass es mich unheimlich verletzten würde so betrogen zu werden. Ich spiele ihr ja auch nichts vor, in anderen Belangen.

Auch partnerschaftlich ist Aufklärung wichtig, um Barikaden zu berechen. Mit falschen Annahmen aufzuräumen. Beispiel: weibliche Ejakulation, für Viele etwas Unbekannts oder Fui oder nicht möglich oder was auch immer. Falsch anoszialisiertes "Wissen" kriegt man hier eben leider oft nur weg, in dem mensch drüber redet.

Also wenn ich Vater wäre, dann würde ich zumindest so gut wie möglich versuchen, gesellschaftlich verbreitete Fehlannahmen auszuräumen. Eben zum Beispiel zu verdeutlichen, dass es eben nicht um Leistung geht beim Liebe machen. Stichwort: Selbstannahme. Die kann mensch einem Kind in der Erziehung sehr gut nahe begingen, ohne die ganze Zeit direkt über Sex im Detail zu reden. Die Botschaft: Es ist okay wie Du bist, ich hab dich genau so lieb wie du bist, ganz unabhängig davon, wie viel du kannst. Und du selbst kannst dich auch so lieb haben, wie du bist. Du musst nicht in allem der oder die beste sein. Und das gilt für alle Dinge.

Okay, das klingt jetzt vielleicht etwas banal, aber so in etwas. Bin gespannt, wie ich das – soweit ich mal die Rolle einnehmen darf – in der Praxis hinbekomme :)

miauxx 23.06.2012 | 16:52

"Vielleicht nimmt dem Sex so etwas vom Reiz des Geheimnisvollen, aber auch viel vom Krampf des Unausgesprochenen."

Genau: Den "Reiz des Geheimnisvollen" meine ich. Am größten ist der freilich, wenn "man" die ersten Male versucht, über einen verlegenen Kuss hinauszugehen. Aber auch wenn man nicht ewig Teenager bleiben kann, sollte Sex meiner Ansicht nach sich etwas davon behalten. Ich will das nicht zerreden, so dass letzlich eine Alltagshandlung übrig bleibt - grad so, als ginge es darum, wann das Klo geputzt werden soll oder ob man besser gemeinsam Einkaufen geht. Gleichwohl ist auch am "Krampf des Unausgesprochenen" etwas dran - sofern es sich um eine Partnerschaft handelt. Spricht man da gar nicht über Sex, kann man auch Probleme nicht aufspüren, die vielleicht gar nicht sein müssten. Das ist aber gar nicht so einfach ... so, wie oft die Partnerschaft überhaupt.

crumar 23.06.2012 | 18:04

Hmmm, deine Leseleistung ist wenig überzeugend.

Prinzipiell habe ich etwas gegen Lügen und den Orgasmus vortäuschen - aus egal welchem Grund - ist eine besonders perfide Form von Lüge.

Es suggeriert nämlich gemeinsame Befriedigung in einem besonders intimen Bereich von Partnerschaft, wo gar offensichtlich keine vohanden ist. Ich wäre zutiefst enttäuscht hier angelogen worden zu sein.

Du kannst das anders sehen, aber für mich lügt hier ein Geschlecht und das andere wird angelogen.

goedzak 23.06.2012 | 18:18

Hmmm, deine Leseleistung ist wenig überzeugend.

Was denn, bin ich jetzt auch unter einem Leistungsdruck?

Was ich oben gelesen habe, bedeutet für mich, dass Du den Frauen etwas vorwirfst (wer den Grundtenor Deiner postings und die Anlässe, aus denen sie von Dir kommen, kennt, wundert sich ja auch nicht drüber). Hab ich da was falsch verstanden? Nee, wohl doch nicht: "...aber für mich lügt hier ein Geschlecht und das andere wird angelogen."

crumar 23.06.2012 | 18:32

Das ist mein Problem mit solchen Erklärungsansätzen. Wieso repetiert die junge Frau sozialpsychologischen Druck aus der Mottenkiste und reflektiert diesen gerade NICHT? Was ist denn daran "aufgeklärt"? Und wieso ist eine Lüge automatisch akzteptabel, wenn sie aus dem Munde einer Frau stammt?

Wie man im Text nachlesen kann, wendet sie ihre Lügerei gegen den jungen Mann, den sie damit offensichtlich verunsichern möchte.

Wieso macht sie das?

Sie unterstellt ja a. alle Frauen täuschen den Orgasmus vor und b. er wäre nur zu unsensibel diese Lügerei entdeckt zu haben - bzw. seine Freundin zu ungeschickt beim Lügen (wie gesagt: seine mutige Reaktion ist ja ein Show-Stopper).

Damit macht sie sich zur Expertin einer anderen partnerschaftlichen Sexualität, die sie eigentlich nicht beurteilen kann und ihre individuelle Lüge zum weiblichen Normalzustand.

Aus der Männerperspektive ist das einerseits erschreckend, müsste ich befürchten, beim Sex (wer sagt eigentlich, dass es bei diesem Bereich bleibt?) ständig angelogen zu werden und andererseits beraubt mich die Lüge meiner Handlungsfähigkeit. Wie soll sich eine Beziehung weiterentwickeln im Bereich Sexualität, wenn sich ein Partner in einer Pseudo-Realität befindet?

Ich würde gerne mal über die Sozialpsychologie dieses Vorgangs reden.

Schönen Gruß, C.

crumar 23.06.2012 | 18:58

Ich fand deine Leseleistung deshalb wenig überzeugend, weil sich ein ganzer Satz in meinem Beitrag mit der Bgeründung meiner Verallgemeinerung aufhielt.

Es war dieser hier:

"Ich sage hier "den Frauen", weil das a. ein generationsübergreifender Mythos von Frauen ist, bei dem b. immer der Stolz auf die eigene schauspielerische Leistung mitschwingt und das c. eine als Vorwurf gegen den Mann gedachte Wendung bekommt."

Angenommen die Diskutanten hätten wirklich mit Realnamen diskutiert und das wäre hier veröffentlicht worden. Angenommen DU bist der Ex-Freund dieser besagten jungen Frau gewesen und nun breitet sie sich über ihre schauspielerischen Glanzleistungen im Bett aus.

Wie fühlst du dich?

A. Angesichts der strukturellen Unterdrückung der Frau an sich ist die Lügerei dir gegenüber gerechtfertigt und du erfährst völlig gerechtfertigt im Nachhinein - dafür aber schön öffentlich - dass Sex mit dir so unbefriedigend war, dass deine Partnerin dir den Orgasmus vorgespielt hat.

Das wäre die Nummer mit dem tiefen Verständnis für sozialpsychologische Begründung der Lügerei durch die Frau an sich.

Oder

B. Du bist zutiefst enttäuscht und verletzt, dass eure Beziehung anscheinend nicht den Raum eröffnete, nicht das Vertrauen gegeben, nicht die Nähe geboten hat, dass Probleme in und mit eurer GEMEINSAMEN Sexualität gemeinsam behandelt werden. Denn ihre Lüge war eine individuelle "Lösung", die dich ausklammerte und zwar vorab. Du bist zutiefst verärgert, im Nachhinein mitgeteilt zu bekommen in einer Scheinrealität gelebt zu haben, deren Produktion sich deine Ex-Freundin auch noch öffentlich brüstet und dich somit mehrfach - und ich halte dir das zugute: ungewollt - als Trottel dastehen lässt.

Ich nehme eben in diesem Fall B, weil das meiner Gefühlslage entsprechen würde. Aber ich würde es nicht so höflich formulieren, glaub mir.

goedzak 23.06.2012 | 23:19

Du bist nicht Typ B, Du bist Typ C: Der ist im ersten Teil wie Typ B, und wird dann aus narzisstischer Verletzheit Maskulist, weil er seine persönlichen 'Erfahrungen' zur Allgemeingültigkeit aufpustet.

Und was Deinen tollen Satz angeht, genau darin äußert sich das maskulistische Gekränktsein: Sich ständig generell und allgemein von jeder selbstbewussten Frau, nur weil sie auch ne Frau ist, angeblich nur weil man männlich ist, unter Verdacht gestellt zu fühlen.

crumar 24.06.2012 | 01:40

Ooooch Goedzak. Sätze die so anfangen: Du bist... und sich aufschwingen zu irgendwelchen Behauptungen, die durch keinerlei persönliche Erfahrung gedeckt sind, kann man nicht anders als peinlich bezeichnen.

Und du bist erkennbar noch nicht einmal in der Lage zu definieren, was Narzissmus ist. Aber du hantierst mit scheinbaren Pathologien, die du auf mich projezierst, weil du mit meinen Fragen nicht umgehen kannst und mit den von mir geäusserten Gefühlen nicht umgehen willst.

Ich wiederhole an dieser Stelle: Eine Frau, die n einer Beziehung mit mir nicht thematisiert, dass unsere GEMEINSAME Sexualität nicht befriedigend für sie verläuft, belügt mich. Die wiederholt stumpf das Geschlechterklischee, eine funktionierende Sexualität in der Beziehung ist Aufgabe des Mannes und "erspart" mir durch ihre Lügerei nicht diese Aufgabe, sondern "beweist" mir im Nachhinein ich wurde ihr nicht gerecht.

Albern. Wir BEIDE hätten dann nichts davon gehabt. Wie schwer zu begreifen ist das?

Und um dich mit der Realität zu konfrontieren: Ich hatte das Problem nicht, weil ich Sex mit ECHTEN Frauen hatte. Frauen, die artikulieren konnten, was sie selber brauchen zu ihrer Befriedigung und das konnte wirklich Thema sein in einer spielerischen Form von Sexualität, die du anscheinend nicht erfahren konntest.

DAS sind und waren selbstbewusste Frauen, mit denen ich umgehen kann und konnte. Mit den oben vorgestellten Frauen könnte ich nicht umgehen.

Worin äussert sich denn deren Selbstbewusstsein? Mir im Nachhinein eine reinzuwürgen, was sie als Anspruch innerhalb der Beziehung sich nicht traute zu artikulieren? Albern. Lies mir meine Gedanken von der Stirn ab?! Blödes Mittelschichtsmädchen-Getue. Ich habe für diese Schicht von Frauen nicht so viel Sympathie wie du. Na und?

Nur mach aus deinen Schichtensex-Fantasien bitte keine allgemeingültigen. Sei der Ritter für die mittelmässigen Mittelschichtmädchen, nur lass mich bitte aus deinen Anstrengungen raus.

Wir brauchen hier nicht pimmelfechten. Nimm die und ich nehme die selbstbewussten Frauen. Saubere Arbeitsteilung, oder?

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Ehemaliger Nutzer 24.06.2012 | 05:12

Wir kommen anders

Daß aber auch jede Generation meint, sie habe das Rad, oder meinetwegen auch den Sex, neu erfunden.

...fast so viele wie Aufklärungsbücher. Gerade ist wieder eines erschienen: Make Love (Verlag Rogner & Berhard, 22,95 Euro)

Wie verschwiemelt unser Verhältnis zum 6 anscheinend immer noch ist, verdeutlicht der Titel des Aufklärungsbuches. Es ist, nota bene, keine Übersetzung aus dem Englischen, sondern ein deutscher Originaltext (jedenfalls schließe ich das aus den Autorennamen Ann-Marlene Henning und Tina Bremer-Olszewski).

Der Titel ist nicht "Mach Liebe", "Liebe machen", "Gamsen", "Schnackseln", "Vögeln", "Bumsen" oder "Vögeln", sondern "Make Love". Du meine Güte, kaum geht's um 6, schon sträuben sich die Federn und die Autoren (oder der Lektor oder der Verlag) flüchten sich ins keusche Englisch. Wer führt nicht alles nonchalant den motherfucker im Mund, während er beim Mutterficker entsetzt zusammenzucken würde.

Beim Abtippen trieb es dem Redakteur über so viel Offenheit zunächst die Schamesröte ins Gesicht...

Ach, wie rührend. Der Redakteur tippt das Band ab, nicht die "jüngste Mitarbeiterin".

...am Ende aber war er auffallend beschwingt und zuversichtlich, dass hier eine Generation heranwächst, die genauso unsicher, genauso sehnsüchtig, genauso neugierig ist wie alle vorherigen auch.

Alles andere wäre auch höchst erstaunlich gewesen.

Juri: Bei mir war es ein unfassbar unromantischer One-Night-Stand. Ich war in einem Club, wir haben getanzt und uns geküsst und sind irgendwann zu ihr. Ich weiß nicht einmal mehr, wie sie hieß oder wie es war.

Juri ist jetzt 19 Jahre alt und möchte mal später eine Familie gründen. Wenn der jetzt schon so an präseniler Demenz leidet, dann mag ich ihn mir gar nicht mit 50 vorstellen. "Wie?" wird er entsetzt rufen, wenn ihn seine Frau an die ehelichen Pflichten (das Abspülen und Rasenmähen) erinnert, "Ich bin verheiratet? Wie konnte das nur passieren?" Und dann wird er rätseln, wie seine Frau heißt und ob er ein oder zwei Kinder hat. (Der Kinder wegen hoffe ich, er werde kinderlos bleiben.)

Robert: Wenn man sich nicht kennt, dann mit Kondomen.

Wenn man sich kennt, braucht man kein Kondom? Weil dann die AIDS-Viren so freundlich sind, nicht zum anderen rüberzuschwimmen? O sancta simplicitas!

Ich glaube, in der Vorstellung meines Vaters bin ich vier Jahre alt, habe ein rosa Kleidchen an und eine Schultüte in der Hand – der würde es nie verstehen, dass ich inzwischen Sex habe.

Kinderchen, es wird euch schockieren, aber ich bin jetzt mal ganz offen mit euch: Eure Eltern hatten auch schon mal Sex (ich vermute fast, sie haben ihn immer noch). Die fallen nicht ohnmächtig vom Stuhl, wenn sie hören, eine 19jährige hätte schon mal geschnackselt.

Maike: …aber was haben denn Pornos mit Aufklärung zu tun? Die sind doch total realitätsfern!

Juri: Ja, klar, ich weiß. Aber trotzdem ist man doch dadurch viel früher mit Erotik in Berührung gekommen und hat sich dann rasch informiert, oder?

Oder. In den ganz alten Zeiten, als der Uropa noch einen Bauernhof hatte, haben die Kinder den Hahn beim Besteigen der Henne beobachtet. In den alten Zeiten, als der Papa schon in die Stadt gezogen war, haben die Kinder bemerkt, daß der Hund zweimal im Jahr wepsig wurde und - so sich Gelegenheit bot - die Hündin bestieg.

Der HABICHT fraß die WANDERRATTE, nachdem er sie geschändet hatte.

Abgesehen davon meldet sich die Erotik, vulgo: Geilheit, ganz von selber. Wenn's den Porno zum Schnackseln bräuchte, dann gäbe es uns Menschen schon lange nicht mehr.

Juri: Was ich im Porno immer absurd finde: dass der Mann, kurz bevor er kommt, den Sex abbricht und sich über die Frau kniet, um ihr ins Gesicht zu spritzen. Darauf wäre ich nie gekommen.

Im echten & wahren Leben hat das etwas damit zu tun, daß Sex eine schmutzige, glitschige und schleimige Sache ist - oder doch zumindest sein sollte. Touch-a, touch-a, touch me, I wanna be dirty

http://www.youtube.com/watch?v=cUqCv_1kGzM

Im Porno ist es des öfteren eine Sache der Qualitätssicherung. Der Kunde soll sich mit eigenen Augen davon überzeugen, daß der... äh, Künstler nicht simuliert, sondern wirklich und tatsächlich abspritzt.

Maike: So geht es mir auch. Habt ihr eigentlich einen Trick, damit ihr nicht zu früh kommt?

Robert: Naja, ich stelle mir dann Frauen vor, die mir nicht gefallen. Oder ich denke an ein mathematisches Problem. Ich will ja nach dem Sommer mein Informatikstudium beginnen und da gibt es genügend Fragestellungen, die einen ziemlichen ablenken können.

Hl. Muttergottes von Tschenstochau! Dem Inschenjör ist doch wirklich nix zu schwör.

Charlotte: Die besten Orgasmen meines Lebens habe ich vorgetäuscht!

Das ist ein Satz, den sollte man sich ins Kissen häkeln.

Charlotte: Also … äh … ich muss gestehen, ich habe wahnsinnig selten einen Orgasmus.

Und dafür all die Mühe?

Maike: Sex ist auch ohne Orgasmus gut.

Ob das dann noch Sex ist? Oder doch eher Turnübung... Nix gegen Turnübungen, Turnen macht ja auch Spaß. Aber die allerwenigsten Menschen würden einen Felgaufschwung am Reck als Sex bezeichnen.

Janina: Und wie ist es, wenn ihr keinen hochkriegt?

Juri: Das ist mir mal passiert, als ich sehr viel getrunken hatte. Am nächsten Morgen war mir das wahnsinnig peinlich

Wenn du einen erigierten Schwanz brauchst, um eine Frau zu befriedigen, bist du ohnehin die allerärmste Sau. Hast du nicht Zunge, Finger, Arme, Beine, Zehen?

Leute, die Lüneburger Fickverordnung von 1387 ist nicht mehr rechtsverbindlich in der Bundesrepublik Deutschland.

Du rammst ihn rein,

Du ziehst ihn raus,

Du rammst ihn rein, fallera

Rein fallera

Maike: Im ersten Moment denkst du als Frau: Lag es an mir?

Eine Form von Größenwahn.

Charlotte: Ich bin bei Frauen seltsamerweise viel kritischer. Bei Männern, finde ich, geht alles: Die können superdünn sein oder etwas dicker, sehr behaart oder kaum.

Die Tante Jolesch hat gesagt: "Was ein Mann schöner is wie ein Aff, is ein Luxus."

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 24.06.2012 | 05:17

@Peter Knobloch

Jungs wollen Mädels ins Gesicht spritzen. Was zur Hölle ist geil daran? Nicht als eben das Machtspielchen, das Pornos vorspielen.

Ach, Machtspielchen. Reicht die Phantasie nicht so weit, daß es Besudeln ist, was den Reiz ausmacht? Spielt der Mösensaft keine Rolle in deinem Sexualleben?

Ich will mich aber um den Begriff "Macht" nicht herumdrücken. Hat es für dich keinen Reiz, zu überwältigen und überwältigt zu werden? Ist dir tatsächlich noch nie die (spielerisch) aggressive Komponente beim Sex aufgefallen? Immer nur Blümchen-Sex?

Hinzu kommt kapitalistisch anmutender Leistungsdruck. Die Mädels sorgen sich um ihre Kurven, die Männer um ihre Performance.

Sex findet nicht im luftleeren Raum statt. Vor den Sex haben die Götter den Club gesetzt. Im Club will man sich amüsieren, will Spaß haben. Fein. In den alten, längst vergangenen Zeiten hat das Amüsement gedauert, so lange es eben gedauert hat. Wurde man müde (auch für einen jungen Menschen keine Schande am Freitagabend um 2 Uhr nachts), dann ging man eben heim, mit oder ohne Aufriß. Heute pfeift man sich Aufputschdrogen ins Hirn, um das Amüsement bis in den Morgen durchzustehen. "Durchstehen", das klingt nicht nur nach Stalingrad, das ist Stalingrad. Vergnügen ist zum Kampf geworden, so hart und grausam wie das Berufsleben. Man verläßt die Fabrikhalle mit ihrem stampfenden Rhythmus der Maschinen und stapft in den Club, die Disko, um sich dort dem stampfenden Rhythmus von Techno-Music (richtig: Techno) auszusetzen. Pardon wird nicht gegeben, wer nicht mitmacht, ist draußen, das gnadenlose Gesetz des Dschungels. Vergnügen wird zur freudlosen Fortsetzung des freudlosen Alltags. Hektik, Streß, Erotik. Hauptsach, keiner kommt zu sich.

Ciao

Wolfram

goedzak 24.06.2012 | 09:46

Alles klar, Narzissmus findet sich nur bei Feministinnen, wer ihn woanders sieht, versteht nix davon, 'richtigen' Sex haben nur richtige Männer, lila Pudel leider gar nicht, die spielen lieber den Ritter für unechte Mittelschichtfrauen. - Das fällt mir oft auf: Maskulisten leben im Männerparadies, Wahnsinns-Sex, prima Frauen, überhaupt kein Leidensdruck. Da muss die Motivation für den Emanzipationskampf eine durch und durch idealistische sein. Aber ob diese armseligen lila Pudel das wert sind? Stell Dir vor, Du befreist sie tatsächlich eines Tages, dann wird aber die Konkurrenz um die 'echten' Frauen viel härter. Da wirst du dich noch umgucken...

crumar 24.06.2012 | 11:18

Bitte schau doch mal auf deine eigenen Beiträge - DU hast MIR die narzisstische Kränkung als Motiv meines Beitrags vorgeworfen, nicht ich dir.

Und "Kränkung" als Gefühl stimmt ja auch. Nur habe ich explizit geschrieben, ich wäre gekränkt oder verletzt, hätte meine Freundin mich so behandelt in meiner Beziehung. Du brauchst nicht als Gefühl zu unterstellen, was als Gefühl konkret im Text steht. Wenn du es denn zur Kenntnis nehmen wolltest. Willst du aber nicht. Lieber bugsierst du mich in die Rolle des gefühllosen Maskulisten voller rrrrrrrrrichtiger Männlichkeit - Klischees all inclusive.

Und auch deine Reduzierung meiner Beiträge auf Feminismus vs. Maskulismus ist m.E. Produkt deiner selektiven Wahrnehmung. Ich lasse mir die gesellschaftliche Zumutung nicht unterschieben, als Mann für die gelingende Sexualität in einer Beziehung verantwortlich zu sein. Zu dieser Beziehung gehören zwei Menschen. Dieser Zuweisung - bzw. Delegation - einer Verantwortung auf der Basis des Geschlechtes verweigere ich mich. Volle Suppe gendersensibel, oder?!

Zum Thema "Leidensdruck" kann ich dir schwören, auch Maskulisten bluten. ;) Nur vergieße ich Herzblut lieber in und nach einer Beziehung, die von beiden Seiten mit Herz geführt wird oder wurde. Ich packe meine Interessen, meine Bedürfnisse, meine Träume, meine Widersprüche und Ängste auf den Tisch des Hauses und erwarte von der, "meiner" Frau selbiges. Und Sex ist ein Bereich der Beziehung - wieso sollte ich in diesem anders agieren???

Was mir in Beziehungen zu und mit Frauen auffiel und auffällt, war die schichtenspezifisch ausgeprägte Diskrepanz zwischen gesagtem und gemeinten. Damit meine ich keine Ironie, sondern eine versteckte (emotionale) agenda. Ich sehe es aber nicht als meinen Job in einer Beziehung an, Ratekönig zu sein oder Fragemeister, was die Frau eigentlich meint und eigentlich fühlt. Mir geht die unreflektierte Uneigentlichkeit auf die Nerven. Einige Männer verzaubern diese Uneigentlichkeit als Rätselhaftigkeit der Frau an sich und leben prima in ihrer eigenen Märchenwelt. Sollen sie! Ist aber nicht mein Ding. So what?

Und noch einmal im Zusammenhang mit dem vorgetäuschten Orgasmus: Ich lebe lieber in der realen Welt, in der wir ein Problem mit unserer Sexualität haben und meine Frau Schwierigkeiten mit dem Orgasmus hat, als eine Realität vorgetäuscht zu bekommen, die gar nicht existiert.

Ich verstehe nicht, was daran so schwierig zu verstehen ist und bitte beziehe dich doch auf das, was ich konkret schreibe und nicht auf irgendeinen virtuellen Text.

Alirenn 24.06.2012 | 14:24

Ganz schlechter Journalismus

Das Titelblatt verspricht: „Was 18-Jährige über Sex wirklich denken“. Der Autor des Einleitungstextes ist zuversichtlich gleich etwas über die ganze Generation gelernt zu haben. Tatsächlich unterhalten sich irgendwelche 5 Berliner AbiturientInnen über Sex. Das mag ja ganz unterhaltsam sein, ist aber wenig lehrreich. Um über 18-Jährige oder eine Generation etwas zu erfahren fehlt ja wohl z. B. die Bäckereifachverkäuferin aus Ostfriesland! Vielleicht wäre es dann aber nicht mehr so schön abgegangen. Oder die Recherche hätte mehr Arbeit gemacht. So bleibt es völlig unklar, warum diese 5?

Richtig ärgerlich sind aber die Grafiken in der Printausgabe: Da geht es um Verhütungsmethoden von deutschen Mädchen und Jungs und Mädchen und Jungs mit Migrationshintergrund. Für solch einen Unsinn wird man zumindest während der Fußball EM selbst bei der Sportbild entlassen. In welche Gruppe fällt den nun der Özil? Nett, dass die Freitagredaktion im attestiert kein deutscher Junge (gewesen) zu sein.

So zeigen die Grafiken schön, wie erfolgreich Sarazin und Co mit ihrem Projekt sind Differenzen zu ethnisieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass noch vor 5 Jahren in einer sich links-liberal gebenden Zeitung die Jugendlichen nach Bildungsabschlüssen differenziert worden wären und ich bin mir ebenfalls ziemlich sicher, dass Bildungsabschlüsse die besser erklärende Variable sind. (Oder verhütet der aufs Abitur zu steuernde Sohn meiner aus Österreich stammenden Freunde doch anders?)

Fragen lassen muss sich die Redaktion auch, warum man den nun keinen Berliner Abiturienten mit („klassischen“) Migrationshintergrund aufgetrieben hat. Schließlich hat doch ca. ein Viertel der Jugendlichen einen Migrationshintergrund und die Auswahl der Grafiken legt doch nahe, dass man denkt, die kommen anders?

Und noch ein Tipp an die Redaktion: Wenn man Ergebnisse einer Befragung veröffentlicht, sollte man immer dazuschreiben WER befragt wurde. Wie definiert sich hier z.B. Mädchen. Sind die 18- und 19-Jährigen Gesprächspartnerinnen noch Mädchen? (Eigentlich gilt man in dem Alter ja als junge Frau, aber Mädchen klingt bei Sex vielleicht irgendwie besser…)

So lernt man letztlich durch den Artikel doch etwas: der Freitag ist eine Zeitung von Menschen mit Abitur und ohne Migrationshintergrund für Menschen mit Abitur und ohne Migrationshintergrund, deren Kinder Abitur machen (sollen).

Und (Vorsicht Provokation!): Kicken dürft ihr schon für uns, aber unsre Töchter kriegt ihr nicht!

heidenplejer 24.06.2012 | 15:10

"So lernt man letztlich durch den Artikel doch etwas: der Freitag ist eine Zeitung von Menschen mit Abitur und ohne Migrationshintergrund für Menschen mit Abitur und ohne Migrationshintergrund, deren Kinder Abitur machen (sollen)."

Was für ein Unsinn. Soll jetzt als Gegenprobe auch noch eine Migrationsanalyse der Redaktion, Artikelschreiber, Blogger, Kommentatoren und stillen Lesern veranlaßt werden?

Ernst Glischka 24.06.2012 | 17:29

Ich würde diesen Einwand nicht allzu schnell vom Tisch wischen. Es gibt keinen Hinderungsgrund oder eine Form von Filter, die eine Zeitung wie den FREITAG vor seichten Bias (nennen wir es ruhig auch kulturellen Rassismus) schützen würde. Ganz im Gegenteil, und hier kann man sehr gut an die soziologischen Arbeiten Pierre Bourdieus anknüpfen -, bietet sich im Feld der kulturellen Produktion (Journalismus, Kunst, Kultur) nur die Verlängerung der gesamtgesellschaftlich eingeübten Verhaltensschemata und Wahnehmungsformen ab. Das muss man nicht einmal bewusst so produzieren, sondern ergibt sich als Nebenwirkung aus unbeachteten gesellschaftlichen Konfliktlinien, die entweder thematisiert oder ausgegrenzt werden.

Nun ist das Interview ja nicht als alleinige Erkenntnisquelle geeignet, wie bereits weiter oben festgestellt wurde, es gibt vielmehr einen ersten Einblick ins Denken von bestimmten Jugendlichen. Es wurden ja auch einige sozialstrukturelle Angaben beigegeben: neben dem Alter auch der Schulabschluss und die angestrebte Studienfachwahl; darüber hinaus einige moralische Vorannahmen. Wenn man also tatsächlich ein Interesse an der Frage hat, welchen Effekt ein Buch wie "Make Love" heute hat, dann müsste man das um weitere empirische Belege gruppieren. Im Kern, so denke ich, bildet das obige Interview aber zurzeit wohl sehr getreu die Mentalitätslage der Jugendlichen ab. Anders: in den gepflegten Vorstellungen, Idealen und Ideologien richtet sich eine Mehrheit der Alterskohorte aus (das gilt ja auch für Erwachsenen, die entweder beruflichen Erfolg und persönliches Wohlempfinden leben oder aber jene Masse, die danach auf unterschiedlichstem Wege immer nur suchen wird und sich meist anders - im Wege der Moral - zufrieden geben muss).

Es gibt ja auch eine relativ breite soziologische und sozialpsychologische Literatur zum Sexualleben der Gesellschaft. Das Buch "Make Love", das zurzeit so debattiert wird, versteht sich in erster Hinsicht als Ratgeber - sowohl für Jugendliche wie auch Eltern. Es dürfte auch für Menschen dienlich sein, die in einer Umwelt sozialisiert wurden, in der eben kaum oder nur verbrämt über Sexualität (mehr aber wohl über die "pralle" und die "verruchte" Sexualität) gesprochen wurde. Meine Grundthese bleibt, dass die bestehende Gesellschaft natürlich nicht "aufgeklärt" im Sinne einer vollständigen Reflexion der Sexualität als Teil einer Identität heute ist. Sexualität wird darin zu einem Puzzle-Teil, das sich um andere kulturelle Symbole und Semantiken herum gruppiert; die natürlich auch in Dienst genommen wird oder als verlängerter Arm von Machtdemonstrationen (noch überwiegend männlicher Herrschaft) dient und die ihr Komplement in der Werbeindustrie, im Leistungssport, im Gesundheitswesen (immer mehr), aber auch seit mehr als einem Jahrzehnt verstärkt auch in der Arbeitswelt findet.

Ganz und gar nicht thematisiert wird darin ja, was "Sexualität" als Begriff überhaupt sei, ob es so etwas wie Sexualität überhaupt gibt, ob Geschlechterrollen oder biologische Geschlechter nur Konstrukte sind, wie mit sog. "abweichender" Sexualität, wie mit Vergewaltigung und Trauma usf. umzugehen, was es aber auch heißen mag, wenn man sich in einer eher sexualisierten Lebensumwelt als Mensch zurecht finden muss (nicht: kann). Kritisch finde ich persönlich die unbefangene Darstellung von "Trieben", die den Menschen nur zu einem regressiven Anhängsel seiner Hormone herunterbrechen. Allerdings kann ich das Buch zum jetzigen Zeitpung noch nicht sachgerecht kommentieren oder kritisieren, weil ich es noch gar nicht gelesen habe. Meine Vermutung geht aber schon jetzt dahin, dass es bestimmte Strukturmuster und Leitbilder nur weiter verdinglicht/reifiziert, wie die Geschlechterforschung sagt. Es würde sich im Anschluss lohnen, das mit anderen Themen der Zeitgenossenschaft (wie "Müdigkeit/Burn-out" oder aber Biopolitik als Einwirkung auf den Körper als Ressource usf.) zu diskutieren.

Ernst Glischka 24.06.2012 | 17:48

Mir geht es nicht um einen angeblich fehlenden Migrationshintergrund beim FREITAG, sondern um die Aussage, dass Rassismen überall und latent wirken können, so auch bei der Produktion journalistischer Texte. Das Beispiel der Interviewten muss dafür kein Gradmesser sein (dazu müsste man ja wissen, wie die Auswahl der Teilnehmer wirklich konkret war). Man sollte das mit beachten, wenn man allgemeingültige Aussagen generieren will. Ansonsten ist "Migration" natürlich kein Kriterium, aber wie "Sexualität" ein aufgeladener Begriff. Der Rest meines Einwands hatte zum Ziel, die Debatte wieder etwas mehr zu öffnen, weil sich hier die letzten Kommentare aus meiner Sicht zu weit von der zentralen Fragestellung ("Aufklärung!?") entfernt haben.

crumar 24.06.2012 | 18:24

Hast du vor, dieses Buch zu lesen und eine Rezension einzustellen?

Ich hab gerade u.a. die BZgA Klamotten "Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung" - speziell Männer und Jungen - am Wickel und mich würde interessieren, warum gerade "Make Love" populär ist. Und ob sich die Lektüre lohnt.

Bin selber aufgeklärt worden mit "Sex Front" und "Das Sex Buch" von Amendt. Beide Bücher haben Sexualität natürlich eingebunden in politische Kontexte und mich würde interessieren, ob diese überhaupt angesprochen werden in heutiger Aufklärungsliteratur für Jugendliche.

Ernst Glischka 24.06.2012 | 18:55

Wegen der Kommentarfunktion: hier gibt's zwar angenehmerweise keine Kommentarschleife, umgekehrt führt das dann aber zu einer Flut von redundanten Postings, das nervt wirklich und bläht den Kommentarbaum ins Unübersichtlich auf...Admins?

Wegen dem Buch: ich habs mir zumindest bestellt, um überhaupt aussagefähig zu sein. Mein Interesse daran ist aber etwas allgemeiner. Mich interessiert, was daran an unreflektierten Inhalten mitschwingt (ich denke da an Foucaults Sexualitätsdispositiv, was ja manchem vielleicht bekannt sein wird) und was sich davon ggf. übertragen lässt auf andere Gebiete sozialen Handelns. Vielleicht kann ich nach dem Querlesen dazu etwas Input nachreichen.

Alirenn 24.06.2012 | 19:01

Ganz schlechter Journalismus

Das Titelblatt verspricht: „Was 18-Jährige über Sex wirklich denken“. Der Autor des Einleitungstextes ist zuversichtlich gleich etwas über die ganze Generation gelernt zu haben. Tatsächlich unterhalten sich irgendwelche 5 Berliner AbiturientInnen über Sex. Das mag ja ganz unterhaltsam sein, ist aber wenig lehrreich. Um über 18-Jährige oder eine Generation etwas zu erfahren fehlt ja wohl z. B. die Bäckereifachverkäuferin aus Ostfriesland! Vielleicht wäre es dann aber nicht mehr so schön abgegangen. Oder die Recherche hätte mehr Arbeit gemacht. So bleibt es völlig unklar, warum diese 5?

Richtig ärgerlich sind aber die Grafiken in der Printausgabe: Da geht es um Verhütungsmethoden von deutschen Mädchen und Jungs und Mädchen und Jungs mit Migrationshintergrund. Für solch einen Unsinn wird man zumindest während der Fußball EM selbst bei der Sportbild entlassen. In welche Gruppe fällt den nun der Özil? Nett, dass die Freitagredaktion im attestiert kein deutscher Junge (gewesen) zu sein.

So zeigen die Grafiken schön, wie erfolgreich Sarazin und Co mit ihrem Projekt sind Differenzen zu ethnisieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass noch vor 5 Jahren in einer sich links-liberal gebenden Zeitung die Jugendlichen nach Bildungsabschlüssen differenziert worden wären und ich bin mir ebenfalls ziemlich sicher, dass Bildungsabschlüsse die besser erklärende Variable sind. (Oder verhütet der aufs Abitur zu steuernde Sohn meiner aus Österreich stammenden Freunde doch anders?)

Fragen lassen muss sich die Redaktion auch, warum man den nun keinen Berliner Abiturienten mit („klassischen“) Migrationshintergrund aufgetrieben hat. Schließlich hat doch ca. ein Viertel der Jugendlichen einen Migrationshintergrund und die Auswahl der Grafiken legt doch nahe, dass man denkt, die kommen anders?

Und noch ein Tipp an die Redaktion: Wenn man Ergebnisse einer Befragung veröffentlicht, sollte man immer dazuschreiben WER befragt wurde. Wie definiert sich hier z.B. Mädchen. Sind die 18- und 19-Jährigen Gesprächspartnerinnen noch Mädchen? (Eigentlich gilt man in dem Alter ja als junge Frau, aber Mädchen klingt bei Sex vielleicht irgendwie besser…)

So lernt man letztlich durch den Artikel doch etwas: der Freitag ist eine Zeitung von Menschen mit Abitur und ohne Migrationshintergrund für Menschen mit Abitur und ohne Migrationshintergrund, deren Kinder Abitur machen (sollen).

Und (Vorsicht Provokation!): Kicken dürft ihr schon für uns, aber unsre Töchter kriegt ihr nicht!

Alirenn 24.06.2012 | 19:03

Tschuldigung, die Dopplung war ein Fehler. Hier der neue Beitrag:

Hui, da sieht man mal wieder, dass Texte auch Projetionsflächen sind. Ich habe in meinem Kommentar bemängelt, dass das ganze Gespräch wenig aussagt über18-Jährge oder eine Generation, weil es völlig unklar ist, warum man sich nun grade für den Sex dieser 5 interessieren soll. Da war ich nicht der erste. Die Beiträge von Ben Emsi und Osus gingen auch in diese Richtung.

Dann habe ich mich über die Grafiken (nicht das Interview) in der Printausgabe geärgert. Hier habe ich bemängelt, dass völlig unnötig und oberflächlich die Kategorie Migrationshintergrund mit dem Gespräch gekoppelt wird. Journalistisch erwarte ich, wenn man das schon macht, dass dann die Einführung der Kategorie auch irgendeine Folge für den Artikel/das Gespräch hat. Aber: „Fehlanzeige“.

Schließlich denke ich, dass eine Zeitung, die unnötig ethnisiert (hier: migrantisiert) und in der zwischen Deutschen und Personen mit Migrationshintergrund unterschieden wird (nicht nur Özil sonder auch der Poldi), wenig attraktiv für diese Personen ist. Ich halte das für ganz plumpen Alltagsrassismus („Sie sprechen aber gut deutsch!“). Und ja, ich halte es nicht für einen Zufall, dass dieser in einer Zeitung wie dem Freitag grade beim Thema Sex passiert. Und: Ich habe ich fürchterlich geärgert.

anne mohnen 24.06.2012 | 19:05

Auf Ärztekongressen ist es schon lange ein Thema, dass es ein Aufklärungsdefizit bei Kinder und Jugendlichen gibt. Quer durch alle Schichten überlassen Eltern Schule, Medien, Pornos diese Aufgabe. Viele Eltern fühlen sich einfach nicht (mehr) verantwortlich oder in der Lage, mit ihren Kindern über Sexualität zu sprechen. Da mag man sich dann über die Reklame für ein Aufklärungsbuch nicht wundern. Jugendliche, wie Generationen voher, offenkundig auch eine Fiebel: Make Love!

In der Printausgabe wird das Interview „überhöht“ durch die Abbildung eines jungen kopulierenden Paares. Auch wenn das Photo ein wenig „David Hamilton mäßig“ eingesüßt ist, steht doch "explicit" das Geschlechtsteil sowie das Gesicht der jungen Frau im Fokus. Sollen hier junge Leute in ihrem Alltag abgeholt werden? Der sähe dann so aus: der Klick auf die Pornoseite ist einfach, vor allem anonym, so anonym wie eben jene fünf Interviewten. Ja, ohne Nachnamen und mit großen gesichtsverdeckenden Herzchenbrillen kommen die fünf jungen Leute anders (daher): leider weder frank noch frei, am allerwenigsten fröhlich (herüber). Woran mag die neue Tristesse wohl liegen?

Oder geht es um am Ende doch um etwas ganz anderes? „Die Dialektik der Aufklärung“ bekäme hier eine ganz neue Konnotation, oder? Mal angenommen, dem wäre so, müsste es dann nicht völlig nebensächlich sein, Statistiken ohne Quellenangabe zu veröffentlichen?

Wie auch immer, dem Artikel liegt eine pfiffige Idee zugrunde!

.;-))))))))))))))))))))))

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Ehemaliger Nutzer 24.06.2012 | 19:31

@anne mohnen

Na, das mit dem Fokus auf dem gesicht der jumgen Frau stimmt auch nicht so ganz!

Ja, Himmelherrgottsnein, muß ich jetzt wirklich drei-sechßich hinblättern, damit ich das Pornobild im FREITAG sehen kann?

Die zeigen hier Geschlechtsteile und ich bin gesperrt worden, nur weil ich beiläufig deren Existenz erwähnte! Dieser... wie war das noch? Ah ja, Sex... Also dieser Sex ist doch eine einzige Sauerei; was immer dieser Sex, wie war das noch mal?, genau ist.

Ciao

Wolfram

crumar 24.06.2012 | 19:56

@Glischka Die Kommentarfunktion hier ist gaga - die hätten ganz einfach heise/telepolis kopieren sollen. Da bekomme ich eine Mail für jeden Kommentar zu meinem Beitrag mit Link und Schwupps! bin ich am Ziel.

Egal. Jedenfalls muss ich mir dann das Buch wohl doch selber kaufen, da meine Fragestellung komplett von deiner abweicht.

Zudem habe ich prinzipiell Zweifel, ob medial und theoretisch verwurstete Sexualität von Menschen überhaupt einen Bezug zu deren Realität hat. Ob also die Theorien überhaupt sexuelle Wirklichkeit real existierender Paare reflektieren und ob Medien über Sexualität nicht per se mit dem Blick auf Aufmerksamkeit und Auflage berichten.

Schau dir die Diskussion der Jugendlichen an; die greifen mediale Label wie "Generation Porno" auf und verhalten sich im Gespräch zu diesen. Die Frage ist, ob sie davon unabhängig gezwungen worden wären, sich in ein Verhältnis zu setzen.

Grüße!

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Ehemaliger Nutzer 24.06.2012 | 20:12

@crumar

@Glischka Die Kommentarfunktion hier ist gaga - die hätten ganz einfach heise/telepolis kopieren sollen. Da bekomme ich eine Mail für jeden Kommentar zu meinem Beitrag mit Link und Schwupps! bin ich am Ziel.

So war das bis neulich hier auch. Nach dem Relaunch war die Funktion weg. Sie soll aber wiederkommen, so ist uns verheißen.

Zudem habe ich prinzipiell Zweifel, ob medial und theoretisch verwurstete Sexualität von Menschen überhaupt einen Bezug zu deren Realität hat.

Das ist halt das Kreuz mit den Leuten. Wenn du Leute über ihre Sexualität befrägst, dann bekommst du Antworten, die du in der Pfeife rauchen kannst. Noch über ihre Vermögensverhältnisse reden die Leute ehrlicher als über ihre Sexualität. Mei, ist halt so. Nix gnaues weiß man nicht über den Sex. Im Grunde reichts ja, daß es ihn gibt. Gell.

Ciao

Wolfram

Ernst Glischka 24.06.2012 | 20:41

Weger der Jugendlichen und der Frage nach realistischen "Realitätseinschätzungen" (sic!): Klar, wir müssen davon ausgehen, dass das Mediensystem eine Eigenlogik hat und wie eine Art Müllverbrennungsanlage für Alltäglichkeiten fungiert: Irgendein Input wird verarbeitet, bekommt ein anderes Label und stößt über drei Ecken neuerliche "Debatten" an, die dann dazu langen, den Feuilleton zu bepflanzen, ab und an mal eine "reale!" Dokumentation zu drehen und obendrein das Thema (als falsches und falschverstandenes) wieder ad acta zu legen.

Vielleicht geht's nur mir so, aber irgendwie empfinde ich beim Lesen von Zeitungen und dem punktuellen Beobachten im Internet ein Unbehagen, wonach zwar einerseits alles und jeder "modernisiert" wird, im Grunde aber immer weniger erklärt oder zumindest hinterfragt wird. Es wird vieles - auch subjektpolitisches - ins Rampenlicht geholt, aber vom blamablen Charakter des stage-diving entfernt es sich dann noch, Beiträge verharren im "Andenken", im "Anreißen" und im "Danke für diesen Beitrag..." und man gewöhnt sich langsam an diese Häppchennahrung. Das Thema ganz oben ist ja eigentlich banal, dazu gab es ja schon nach 1968 einen Berg an Literatur, der viel weiter ging, wenn er auch im Sumpf der K-Gruppen versandete oder sich akademisierte. Der Witz am "post-ideologischen" Zeitalter ist ja, dass es mit aller Macht versucht, Konflikte als Eitelkeiten auszugeben; nichts wird mehr gefürchtet als das Abweichen vom Grundsatz aber am Ende des Tages wird man allerorts wieder zurückgeworfen auf die guten alten "Strukturen", die ja "ein Einlenken" erforderlichten machten.

Plus: das Thema wird auch so entrückt dargestellt, als könne danach gleich irgendwas über Sneaker und dann über kulinarische Vorlieben gewählt werden. Es bleibt austauschbar, gerade weil die "Meinungen" von Leuten nur als austauschbare eingeführt werden: "der Juri siehts so, die Maike so....der Peter ist Student, die Tanja macht ein Semester in X, der Werner ist arbeitslos, aber sonst gut drauf..." usw.

crumar 25.06.2012 | 01:35

@Wolfram Wenn du nicht so eeeeeeeeeeeeellenlange Beiträge schreiben würdest, dann könnte ich wirklich gezielt auf dich antworten, denn deine gefallen mir sehr. Nur ist das einerseits schwer möglich und andererseits bist du drei Beiträge darunter - die sich dank der schöpferischen Leistung des "Freitag" über gefühlte drei Meter scrollen erstrecken - schon wieder thematisch ganz woanders.

Zu deiner reaktonären Phase (es ist die blaue): Der club an sich, ich musste mich gerade von einem Jungspund belehren lassen, den sucht man gar nicht mehr auf wegen der Musik (teccno, Stahlgewitter, weisst schon), sondern um in diesem möglichst cool auszusehen. Was auch erklärt, warum die Hauptstadt Clubs so beschissen wenig für ihre Anlagen ausgeben. Was ich - alter Sack - als Abwertung verstehen würde. Wie DJs, die mit notebooks auflegen. Das ist aber gar nicht mehr so! Solche DJs werden gar nicht angespuckt und die clubs abgefackelt, weil die Bässe nicht kommen. Sondern die sind einfach so hip und man bezahlt trotzdem Eintritt. Dass ist für mich - in meinem Alter - schwer nachvollziehbar.

Da ging man hin wegen der DJs und DJanes und weil das Set aber so was von einem Brett war, dass man bis morgens um acht die Musik als Droge geniessen konnte. Aber das war vor Jahren und eben nicht ten years, sondern twenty years after. Scheiße passiert.

Ich mochte die Anfangszeiten dieser Bewegung so wie du deine. Kein Ausverkauf, sondern zu laut, zu schnell und zu sexy. Contort yourself!

Sieh das mal durch meine Augen und weniger mit den Augen der Kritik einer Warenästhetik. Die jungen Frauen waren übrigens auch ganz hinreißend. Und ich bin in einer Landkommune sozialisiert. So mit neckischem Männerunterhemd für Frauen ohne BHs beim Jazzdance zu Barbara Thompson. Was verdammt prägend ist (so mit 14-15).

Aber das war eben nur ein linkes Jahrzehnt und dann war es vorbei. Schade eigentlich. Und jetzt kommen die Nachgeborenen. Und wir hoffen doch alle, es sind keine Nachgeburten, oder?

Lieben Gruß, crumar

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Ehemaliger Nutzer 25.06.2012 | 09:44

@crumar

@Wolfram Wenn du nicht so eeeeeeeeeeeeellenlange Beiträge schreiben würdest, dann könnte ich wirklich gezielt auf dich antworten, denn deine gefallen mir sehr.

Erst mal Dank für das Kompliment. Sooo ellenlang sind meine Beiträge oder Kommentare dann auch wieder nicht, jedenfalls nicht immer (siehe den Kommentar vom 24.06.2012 um 11:43 h. Und gerade hier fallen lange Beiträge gar nicht auf, wie du schreibst, scrollt man sich hier den Finger wund.

...und andererseits bist du drei Beiträge darunter (...) schon wieder thematisch ganz woanders.

Weil halt (fast) keiner auf meine Kommentare antwortet, nö.

Zu deiner reaktonären Phase (es ist die blaue):

Was für eine reaktionäre blaue Phase?

Der club an sich, ich musste mich gerade von einem Jungspund belehren lassen, den sucht man gar nicht mehr auf wegen der Musik (teccno, Stahlgewitter, weisst schon), sondern um in diesem möglichst cool auszusehen.

Der Club als Abenteuer. Dröhnende Knatter-Knatter-Musik, stroboskopische Lichtgewitter, die jederzeit einen epileptischen Anfall auslösen können. Das auszuhalten ist eine Sache für die ganz knallharten Marlboro-Cowboys (und -girls natürlich). Man sollte T-Shirts mit dem Aufdruck "I survived the disco night" verkaufen.

Sondern die sind einfach so hip und man bezahlt trotzdem Eintritt.

Die Mädels, hör ich, zahlen in vielen Diskos (oder Clubs oder wie immer sich das nennt) keinen Eintritt. Die Mädels, die trotzdem reingehen müssen ganz schön cool sein. Da wirst du in aller Öffentlichkeit als Frischfleisch für Männer deklariert und du findest das echt supi-dupi.

Ciao

Wolfram

Peter Knobloch 25.06.2012 | 10:40

Lieber Wolfram

Sex findet nicht im luftleeren Raum statt. Vor den Sex haben die Götter den Club gesetzt.

da gebe ich Dir da völlig recht. Und ich habe mich köstlich amüsiert. Natürlich trefften Deine Vergleiche zwischen Techno und Maschinenstampfen, Club und Stalingrad m.E. nach voll ins Schwarze. Und klar sind mir die Aspekte von Macht und Besudeln beim Sex aufgefallen. Wobei ich eher Besudelungsanhänger bin ... Nur hege ich den leisen Verdacht, dass das ins Gesicht spritzen streng der Cumshot-Schablone der Poronindustrie folgt. Hier unterstelle ich einfach mal Ideenlosigkeit und vor allem die besorgt mich.

Liebe Grüße

Peter

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Ehemaliger Nutzer 25.06.2012 | 11:27

@Peter Knobloch

Nur hege ich den leisen Verdacht, dass das ins Gesicht spritzen streng der Cumshot-Schablone der Poronindustrie folgt. Hier unterstelle ich einfach mal Ideenlosigkeit und vor allem die besorgt mich.

Deinen Verdacht kann ich weder bestätigen noch widerlegen. Es will und will mich halt keiner zuschauen lassen... Nicht, daß ich zuschauen wollte.

Aber du magst recht haben. Durch die filmische Pornographie ist Sex zum Zuschauersport geworden, da mag sich schon manch einer an den Vorgaben der Profi-Ficker orientieren. Und so wird ganz schnell nach dem Club auch der Sex zur olympischen Disziplin.

Höher, schneller, weiter.

Ciao

Wolfram

Knüppel 26.06.2012 | 22:10

Schade, dass weder schwule noch lesbische Jugendliche zu Wort kamen - als gäbe es diese 10 - 15 % der Gesamtbevölkerung gar nicht.

So etwas trägt subtil dazu bei, dass schwule und lesbische Jugendliche sich schon von Anfang an ausgegrenzt und nicht einmal wahrgenommen fühlen.

Ich werde nie vergessen, was eine schwarze US-Journalistin einst schrieb: "Als ich jung war kamen Schwarze im US-Fernsehen praktisch nicht vor, es war so, als wären wir unsichtbar, als gäbe es uns gar nicht ..."

Als ich jung war, kamen Schwule praktisch im Fernsehen und anderen Medien nicht vor und falls doch einmal, dann ausschließlich in negativem Kontext (als Kranke, Kriminelle oder Perverse). Ich kam mir damals auch so vor, als gäbe es außer mir keine anderen Schwulen und fühlte mich völlig ignoriert.

Nein, versteht mich nicht falsch, ich bin nicht für ein "Quotensystem" oder eine politisch korrekte Berücksichtigung aller sexuellen Ausrichtungen/Orientierungen/Identitäten aber ..., ich erwarte von Journalisten - zumal irgendwie linken - etwas mehr Sensibilität bei solchen Themen.

PS

Sollte ich etwas überlesen haben, bitte ich um Entschuldigung. Mir war der Text ein wenig langweilig (kaum Überraschungen in der Selbstreflektion der Jugendlichen), so dass ich überwiegend que(e)r :-) gelesen habe. Nein, ich habe keinen Porno erwartet und wollte mich auch nicht am Text "aufgeilen", fand ihn einfach nur sehr beliebig und wenig interessant, sorry!

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Ehemaliger Nutzer 27.06.2012 | 02:10

@Knüppel

Schade, dass weder schwule noch lesbische Jugendliche zu Wort kamen - als gäbe es diese 10 - 15 % der Gesamtbevölkerung gar nicht.

So etwas trägt subtil dazu bei, dass schwule und lesbische Jugendliche sich schon von Anfang an ausgegrenzt und nicht einmal wahrgenommen fühlen.

Manchmal hilft Elementarmathematik. Die "jüngste Mitarbeiterin" des FREITAG hat vier Freunde zu dem Gespräch eingeladen, damit waren es fünf Gesprächsteilnehmer. Ein homosexueller Gesprächsteilnehmer repräsentiert 20 % und hätte damit die Schwulen und Lesben bereits überrepräsentiert.

Aber, damit du beruhigt bist: Janina scheint mir bisexuell zu sein. Sie berichtet von sexuellen Erfahrungen mit Männern, etwa Analverkehr, sagt dann aber an einer Stelle "Ich stehe auch auf Frauen und finde Titten richtig wichtig. Obwohl die meisten meiner Frauen dann oft eher einen guten Arsch hatten."

Eine halberte Lesbe, damit stammt die 10 %-Quote wieder. Gell.

Nein, ich habe keinen Porno erwartet und wollte mich auch nicht am Text "aufgeilen", fand ihn einfach nur sehr beliebig und wenig interessant, sorry!

So ist das halt. Gute journalistische Texte entstehen nicht dadurch, daß ich ein Tonband einschalte, die Leute reden lasse und dann das Band vom Redakteur abtippen lasse. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn das Gespräch ein alter Sack (bzw. eine alte Säckin) geführt hätte und durch "dumme" (sprich kluge) Nachfragen die Jugendlichen zu mehr Reflektion provoziert hätte. Die jüngste Mitarbeiterin, im selben Alter wie ihre Gesprächspartner, kann so was naturgemäß nicht.

Ciao

Wolfram

goedzak 27.06.2012 | 19:06

Der amerikanische Fotograf Larry Clark (geb. 1943), dessen Arbeiten gerade in der Galerie c|o Berlin zu sehen sind (was auch vom FREITAG unterstützt wird), beschrieb 1974 die Szenerie seiner sexuellen Jugendjahre so:

„...fucking in the backseat. gangbangs with the pretty girl all the other girls in the neighborhood hated. the fat girl next door who gave me blow jobs after school and i treated her mean and told all my pals. we kept count up to about three hundred the times we fucked her in the eighth grade. i got the crabs from babs. albert who said ‚no i’m first, shes my sister.’ once when i fucked after bobby hood (ol’ horse dick) i was fucking hair an’ air. a little rape.“

Sowas kommt natürlich heute gar nicht mehr vor - scheint es.

Fräuleinchen 27.06.2012 | 19:46

"Charlotte: Die besten Orgasmen meines Lebens habe ich vorgetäuscht!"

@lieber Wolfram

"Das ist ein Satz, den sollte man sich ins Kissen häkeln."

Ich habe an dieser Stelle laut gelacht und hoffe, dass Charlotte und die anderen Teilnehmer noch die besten Orgasmen ihres Lebens vor sich haben ;)

Ich behaupte, die hatten - alle wie sie da saßen - in ihrem Leben noch keinen SEX.

Es beruhigt mich aber, das diese Generation, die ihre sexuellen Reize so dermaßen zur Schau stellt dann doch noch so unerfahren ist. Ist doch wie zu jeder Zeit: große Klappe, nüscht dahinta ;)

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Ehemaliger Nutzer 27.06.2012 | 22:50

@Fräuleinchen

"Charlotte: Die besten Orgasmen meines Lebens habe ich vorgetäuscht!"

@lieber Wolfram

"Das ist ein Satz, den sollte man sich ins Kissen häkeln."

Ich habe an dieser Stelle laut gelacht und hoffe, dass Charlotte und die anderen Teilnehmer noch die besten Orgasmen ihres Lebens vor sich haben ;)

Das bleibt zu hoffen, in der Tat. Wenn die vorgetäuschten Orgasmen noch die besten sind, dann ist das schon etwas sehr armselig. Gut, man könnte es positiv wenden und sagen, das ist der Sieg des Theaters über das Leben.

Ich behaupte, die hatten - alle wie sie da saßen - in ihrem Leben noch keinen SEX.

Das möchte gut sein. Oder, weniger radikal formuliert: Sex, der mehr wie Turnvater Jahn anmutet als Oswalt Kolle.

Ist doch wie zu jeder Zeit: große Klappe, nüscht dahinta ;)

Ja mei, an der jeweils jungen Generation wird seit alters viel herumgenörgelt. Ich sag's mal andersrum: Warum sollte ausgerechnet diese Jugend besser sein als all die vorangegangenen?

Ciao

Wolfram

crumar 28.06.2012 | 01:28

@knüppel Ich unterstütze hiermit deinen Antrag, weil ich mir die Print-Ausgabe gekauft habe und Schwule kommen tatsächlich vor. In einem Betrag über "darkrooms". Abgesehen von der Güte des Artikels (zur inhaltlichen Qualität will ich mich nicht äussern) finde ich wirklich, dass der Hochglanz-Hetero-Beitrag eine Engegensetzung verdient hat. Ich fände es gut, wenn für Schwule und Lesben als Teenager das coming-out erleichtert wird, indem wir Stück für Stück die gesellschaftliche "Normalität" in Richtung Menschen und Menschenrechte verschieben.

Und wenn der "Freitag" zu diesem Zweck Medium sein kann, dann unterstütze ich das.

@Wolfram Deine reaktionäre Phase sehe ich bspw. in der Wahrnehmung deiner fest vorgefassten Meinung über die Erlangung von potentiellen Sex-Partnern in Clubs. Mir ist nicht eingängig, warum sich dieses Sozialverhalten so großartig geändert haben sollte, nur weil sich die Musik geändert hat. Ob du eine Frau abschleppst zu "Brown Sugar", zu "We are family", zu "I wanna be adored", zu "Dirty Needles" - wo ist der verdammte Unterschied?

Ob sich eine Frau dummdoof neben dich gestellt hat 1975-2012 und dir signalisiert hat: Spriiiiiiiiich miiiiiiich an, weil ich selber es nicht tun kann und werde. Wo ist der Unterschied? DAS sehe ich als Knackpunkt an. Es hat sich nichts geändert

Ausser das die heutigen frechen Früchtchen dich mit Sätzen wie: "Size matters!" angehen?! Wollen wir wetten, dass die einer ernsthaften Diskussion über deine Vorliebe zur Ausformung und dem Geschmack ihrer Schamlippen nix entgegenzusetzen haben?

Ich habe wirklich keine Lust auf Kleinkinderscheiße. Niedlich: http://www.youtube.com/watch?v=N607AQqbfsA

It´s your birthday! ;)

Linksmaskulistische Grüße, crumar

Peter Knobloch 28.06.2012 | 12:29

Wie Wolfram schon geschrieben hat, ist zumindest Janina Bi. Vielleicht fällt es beim Querlesen nicht auf, weil sie kein großes Tara macht, kein Coming-Out, sondern es einfach sagt, weil es, so scheint es mir, für sie das normalste von der Welt ist. Also bitte abregen und Hetero-Sexismus-Keule weglegen, :-*

(Küsschen)

"Janina: Ich stehe auch auf Frauen und finde Titten richtig wichtig. Obwohl die meisten meiner Frauen dann oft eher einen guten Arsch hatten. Was ich dann auch gut fand. Es ist also wohl letztlich nicht so wichtig."

crumar 29.06.2012 | 02:37

@knobloch Ich meinte eigentlich die explizit schwulen und lesbischen Jugendlichen und auch wenn die sich nicht so prima mit Hochglanz-Fotos verkaufen lassen.

Mir ist Janina Wurst und ihr Anteil an Bi. Bi ist Bi und schwul ist schwul. Das war es auch schon. Ich habe auch keine Hetero-Sexismus Keule, weil ich selber hetero bin.

Ich meine, dass auch explizit schwule und lesbische Jugendliche ein Recht auf Darstellung ihrer Sexualität haben. Das leite ich aus meiner Einstellung zu Menschenrechten ab. Und ich bin übrigens heterosexueller Linksmaskulist.

Warum ich dir Menschenrechte erklären muß, ist mir ein Rätsel. Wie so vieles bei den "irgendwie Linken" hier.

Ich muß gestehen, ich verstehe eine Menge nicht. Ich verstehe noch nicht einmal, dass ich begründen muß, warum ich die nicht verstehe.

Gruß, C.

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Ehemaliger Nutzer 29.06.2012 | 13:26

@crumar

...finde ich wirklich, dass der Hochglanz-Hetero-Beitrag eine Engegensetzung verdient hat. Ich fände es gut, wenn für Schwule und Lesben als Teenager das coming-out erleichtert wird, indem wir Stück für Stück die gesellschaftliche "Normalität" in Richtung Menschen und Menschenrechte verschieben.

Der FREITAG bringt einen Artikel über Jugendliche und Sex, es ist keine systematische Recherche, vielmehr plaudern fünf Jugendliche aus Berlin, alle miteinander bekannt, ein wenig zum Thema. Das Ergebnis ist durchaus interessant.

Dann stapft Knüppel bei der Tür herein und meint, "Schade, dass weder schwule noch lesbische Jugendliche zu Wort kamen - als gäbe es diese 10 - 15 % der Gesamtbevölkerung gar nicht.

So etwas trägt subtil dazu bei, dass schwule und lesbische Jugendliche sich schon von Anfang an ausgegrenzt und nicht einmal wahrgenommen fühlen."

Ich weiß nicht, wie es anderen Lesern mit diesem Satz ergangen ist, mich hat er erst mal kalt erwischt. In der Tat, sagte ich mir, es ist doch merkwürdig und ausgrenzend, daß Homosexuelle gar nicht erwähnt werden. Dann allerdings hat sich mein Verstand eingeschaltet und mir zugeflüstert: "Hoppala! Wann immer du über einen Gegenstand schreibst, schreibst du gleichzeitig über viele Zigtausende Dinge nicht. Das ist zwangsläufig und unvermeidbar."

Der Artikel war kein Report, sondern die Aufzeichnung eines Gesprächs unter Jugendlichen über ihre Sexualität. Vollständigkeit, umfassende Behandlung des Themas war nicht mal ansatzweise angestrebt. Homosexuelle kamen halt grad nicht vor. Es waren übrigens fünf Berliner Jugendliche, kein Wort in dem Gespräch über die Sexualität von Jugendlichen im ländlichen Niederbayern.

Jörn Kabisch, der Koch vom Dienst hat einen Artikel über die Makrele geschrieben. Leser, die Fisch nur unter Protest und allenfalls in viereckiger Form zu sich nehmen, werden sich vielleicht ausgegrenzt fühlen, Kabisch schreibt nichts über Fleisch oder gar - die Vegetarier sind zu recht empört - über Salat oder Gemüse. Aber: 14 Tage zuvor hat Kabisch über Fleisch und Salat geschrieben. Es ist klar, worauf ich hinauswill? Würde der FREITAG als Zeitung, in seiner Gesamtheit also, das Thema "Homosexualität" ausgrenzen, so wäre dies kritikwürdig, sehr kritikwürdig.

Ah so, ja, was ich noch fragen wollte: Wieso ist der Hetero-Beitrag ein Hochglanz-Solcher? Wo ist der Glanz und wo die Höhe?

Deine reaktionäre Phase sehe ich bspw. in der Wahrnehmung deiner fest vorgefassten Meinung über die Erlangung von potentiellen Sex-Partnern in Clubs.

Ich sehe, du bist ein Visionär. Ich habe nämlich über die "Erlangung von potentiellen Sex-Partnern in Clubs" so gut wie nichts geschrieben. Ich habe lediglich erwähnt, daß Clubs ein Ort für eine solche "Erlangung" (allmählich gefällt mir das Wort) sind. Ansonsten habe ich ein bißchen über Clubs und deren Besucher gespöttelt, mild gespöttelt, wie ich anmerken möchte. Mehr war nicht. Oder habe ich beim Nachschauen was überlesen?

Wollen wir wetten, dass die einer ernsthaften Diskussion über deine Vorliebe zur Ausformung und dem Geschmack ihrer Schamlippen nix entgegenzusetzen haben?

Ah, ich habe mir schon immer gewünscht, mal eine ernsthafte Diskussion über Geschmack und Ausformung von Schamlippen und meine und deine Vorlieben in dieser Hinsicht zu führen. Anders werden wir die Probleme unserer Zeit nie in den Griff bekommen.

Ciao

Wolfram