„Wir nennen es unsichtbare Zwangsräumungen“

Interview Irene Sabaté ist Anthropologin und Mitgründerin der ersten Mietergewerkschaft Spaniens
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 47/2017

Nach der Wirtschaftskrise entzündete sich die soziale Frage in Spanien von 2008 an vor allem an Zwangsräumungen von Wohnungseigentümern, die ihre Darlehen nicht mehr bedienen konnten. Inzwischen haben Immobilienspekulation, Tourismus und die Liberalisierung des Mietrechts in den Ballungsräumen eine neue Blase geschaffen – auf dem Mietmarkt.

Reguläre Mietverträge sind seit 2013 auf drei Jahre beschränkt. Derzeit läuft die erste Generation dieser Verträge aus. Vermieter können bis einen Monat vor Ablauf des Mietvertrags kündigen und bieten dann oft einen neuen, stark erhöhten Vertrag an. Rechtlich gibt es keine Mechanismen, um die Mieten zu regulieren, obwohl Spaniens Verfassung das Recht auf Wohnen als soziales Recht anerkennt