Zaungast

Kommentar II Mit stoischen Desinteresse hat Polens Regierungschef Donald Tusk den Gasstreit zwischen Moskau und Kiew verfolgt. Er verließ sich ostentativ auf ...

Mit stoischen Desinteresse hat Polens Regierungschef Donald Tusk den Gasstreit zwischen Moskau und Kiew verfolgt. Er verließ sich ostentativ auf die Brüsseler EU-Diplomatie, was vermutlich dem Motiv geschuldet war, die polnische Angst vor der Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland nicht erneut anzufachen. Je mehr sich Tusk jetzt auf die EU verließ, ohne selbst aktiv zu werden, desto schwerer sollte es ihm fallen, die vom alten Europa forcierten Pläne eines solchen Russland-Deutschland-Relais zu attackieren. Vielleicht wollte er genau das zum Ausdruck bringen. Der Premier dürfte Realist genug sein, um zu begreifen, dass die vergangenen Tage ein vehementes Plädoyer für das Nord-Stream-Projekt waren, ob das Warschau nun gefällt oder nicht. Ohnehin wird für Polen bestimmtes russisches Gas nicht über die Ukraine, sondern über Weißrussland importiert. Und bevor sich eine Regierung in Minsk je so gegen Moskau exponiert wie die in Kiew, dürfte ein Zeitalter vergehen. Die entscheidende Frage für die EU bleibt sowieso, dass Gas von Russland nach Europa fließt. Auf welchem Weg dies geschieht, erscheint zweitrangig. An diesem Pragmatismus wird Polen nichts ändern.

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

00:00 16.01.2009

Ausgabe 15/2021

Hier finden Sie alle Inhalte der aktuellen Ausgabe

3 Ausgaben kostenlos lesen

Der Freitag ist eine Wochenzeitung, die für mutigen und unabhängigen Journalismus steht. Wir berichten über Politik, Kultur und Wirtschaft anders als die übrigen Medien. Überzeugen Sie sich selbst, und testen Sie den Freitag 3 Wochen kostenlos!

Kommentare