Zwischen Bier und Auto

Festival Das Goethe-Institut und German Films zeigen deutsche Filme in China. Die Präsentation wirkt wie eine Unterhaltungssendung im chinesischen Staatsfernsehen
Ausgabe 43/2013
Zwischen Bier und Auto

Illustration: Otto

Bier, Würstchen und Autos – dafür ist Deutschland in China bekannt. An Film denken die wenigsten. Das soll sich ändern, weshalb das Goethe-Institut und German Films, die Auslandsvertretung der deutschen Filmbranche, dieses Jahr zum ersten Mal ein Festival des deutschen Films in China ausrichten. Gezeigt werden zwölf Filme, darunter Oh Boy, Hannah Arendt und Was bleibt. Die Eröffnungsfeier in Peking vergangene Woche fand – Bier, Würstchen, Autos – zwischen frisch polierten Autos in den Präsentationsräumen von Audi statt.

Die deutschen Gäste erscheinen leger, hier ein bisschen Make-up, dort ein schnell übergeworfenes Jackett. Wohingegen ein Großteil der chinesischen Besucher mit chinesischen Wurzeln sich herausgeputzt hat. Allen voran die Moderatorin, die am Abend mehrmals ihr Outfit ändert und beim Vorstellen des Begleitpersonals wie Andres Veiel, Yasemin Şamdereli oder Lars Eidinger mehr Wert auf das Aussehen legt als auf irgendetwas anderes. Das Festival des deutschen Films in China sieht dadurch aus wie eine Unterhaltungssendung im chinesischen Staatsfernsehen.

Diesen Eindruck verstärken die Fragen. Die zielen nicht auf die Inhalte der Filme, sondern auf das Wohlbefinden der Gäste ab. Selbst der Schirmherr des Festivals aus dem Gastgeberland, der Regisseur Wang Quan’an, redet statt vom Kino lieber über die lokale Küche. Dabei steht China mit dem Bau der Riessenstudios des „Oriental Movie Metropolis“ vor einem großen Sprung – es will Hollywood übertrumpfen, dessen Filme von allen ausländischen bislang das meiste Geld einspielen.

Ob der deutsche Film daran etwas ändern kann? „Deutsche Filme schaffen es, einen emotional zu berühren, das kommt hier gut an. Deswegen sehe ich Potenzial“, sagt Judy Xiao von einer Filmförderungsfirma. Fragt man genauer nach, welchem Film das gelungen sei, folgt ein entschuldigendes Lächeln. „Leider konnte ich mir den Namen nicht merken.“

Pessimistischer scheint realistischer. „Die Masse hat keine Ahnung vom deutschen Film und auch kein Interesse daran“, sagt der Journalist Philip Jun Fang. Wahrscheinlich lässt sich dieser Satz auch über die chinesischen Arthouse-Filme sagen, die auf den Festivals Preise gewinnen, aber in China kaum bekannt sind. „In China geht es bislang immer nur um Geld und nicht darum, einen guten Film zu machen“, sagt Filmemacherin Zhang Li etwas frustriert.

Ein Hindernis für die Wahrnehmung des deutschen Films stellt wiederum schon seine Verfügbarkeit dar. „Vieles kann man nur online sehen“, sagt Journalist Fang. Barrieren gibt es auch auf dem Festival, wo Andres Veiels Drama Wer wenn nicht wir über die Vorgeschichte der RAF ausschließlich in der deutschen Botschaft in Peking und nur mit Anmeldung gezeigt werden darf.Derweil setzt das Festival seine Tour durch die Großstädte Chengdu, Shenzhen und Shenyang fort.

Katharina Finke weilt gerade dank eines Stipendiums der Robert-Bosch-Stiftung in Peking

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