Die Persönlichkeitsspaltung des Volker Beck

Beschneidungsdebatte Vom Saulus zum Paulus. Verwunderung über den Gesinnungswandel des Volker Beck.
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Volker Beck, Jahrgang 1960, ist erster parlamentarischer Geschäftsführer von Bündnis90/die Grünen, engagierter Bürgerrechtler und aktiv im LSVD, deren Sprecher er bis 2004 war. Anlässlich der Rede des Papstes im Deutschen Bundestag am 22. September 2011, übte Volker Beck harte Kritik am Oberhaupt der katholischen Kirche und warf diesen vor, den säkularen Verfassungstaat anzugreifen, sowie einen "Kulturkampf gegen die Menschenrechte“ zu führen.

Nun könnte man daraus folgern, dass Volker Beck eher kritisch bis ablehnend gegenüber Religionen eingestellt ist. Umso überraschender war sein Auftritt am 19.07.2012 im Plenarsaal des Deutschen Bundestages, wo er sich in einer Rede für die Legalisierung von religiösen Beschneidungen bei Kindern einsetzte.

Alleine dies hat mich zum doch sehr zum Staunen gebracht. Noch mehr verwunderter hat mich, als er seinen Standpunkt mit Zitaten aus der Tora untermauerte, ausgerechnet eine der Quellen aus der sich Homophobie und Sexualfeindlichkeit speist. Und vollends konsterniert war ich, als er kurz vor Ende seiner Rede, den Zuhören empfahl, doch ab und zu einen Blick in die „heilige Schrift“ zu werfen.

Die Online-Ausgabe der Zeitung „DIE ZEIT“ veröffentlichte einen Tag später ein Interview , in dem Beck seine Position zur Beschneidungsdebatte nochmals unterstrich. Das Interview führte Miriam Lau, ihres Zeichens Redakteurin der Hauptstadtredaktion von „DIE ZEIT“. Es war ein gut abgesprochenes Gefälligkeitsinterview. Kritische Nachfragen zur Argumentation von Volker Beck, sowie zur Nachfrage von Marlene Rupprecht (SPD) während seiner Rede wurden von Miriam Lau nicht gestellt. Das war wahrlich keine Glanzstunde des Journalismus, und hat Frau Lau als ernstzunehmende Journalistin m.E. disqualifiziert. Doch das nur nebenbei. Aufschlussreich sind folgende Aussagen, die Beck im Interview machte:

Opfer von Menschenrechtsverletzungen haben nicht automatisch recht, aber sie verdienen die Verteidigung ihres Rechts.

Da wird die Ausübung von Religion immer schon als übergriffig erlebt, als politischer Anspruch, wieder das ganze Leben aller bestimmen zu wollen. Man merkt: Auch die Weltanschauung des Atheismus kann fundamentalistische Züge annehmen."

Wenn die Menschenwürde einer Gruppe angegriffen wird, und es trifft meistens Minderheiten, dann ist es Aufgabe eines Politikers, sich dem entgegenzustellen."

Ich lasse diese Aussagen mal umkommentiert wirken.

Betrachtet man die Vita von Beck, sein Engagement im LSVD, sowie seine Papstkritik und stellt dem seine Rede im Bundestag und seine Äußerungen im Zeit-Interview gegenüber, muss man sich fragen, ob Volker Beck in den letzten Monaten einen radikalen Gesinnungswandel durch gemacht hat oder er sich opportunistisch und mit vorrauseilendem Gehorsam bestimmten Wählergruppen anbiedert oder ob es sich um eine behandlungsbedürftige Persönlichkeitsspaltung handelt?

(Nein, ich bin kein Schwulenhasser und kein Neonazi. Ich unterstütze die Programmatik von Bündnis90/Die Grünen in weiten Teilen immer noch, distanziere mich aber von der Ideologisierung und Dogmatisierung des Parteiprogramms durch Künast und Roth … aber dazu ein anderes Mal; Der-Splitter-im-Auge)

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08:17 22.07.2012
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Geschrieben von

der-Splitter-im-Auge

Freidenker, Kommunist und Treibhauseffekt->
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der-Splitter-im-Auge

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