Der deutsche Weg

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Der deutsche Weg

Nach der Niederlage der Bayern gegen Chelsea im Champions-League-Finale war es eigentlich schon sichtbar. Und nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft gegen Italien ist es klar: der deutsche Weg führt nicht zum Erfolg.

Das waren ja zwei sehr gute Mannschaften mit zum Teil richtig tollen Fußballern wie Toni Kroos oder Miroslav Klose. Die waren sehr gut vorbereitet, ultraprofessionell ausgebildet, fit, motiviert und alles. Warum hat es dann nicht geklappt? Wenn ich nicht irre, war es der Philosoph Jean-Paul Sartre der sagte, beim Fußball werde alles verkompliziert durch die Anwesenheit des Gegners.

Wer waren diese Gegner? Zunächst einmal der alte Didier Drogba, in seinem letzten Spiel für Chelsea. "Der Mann, der die Bayern erledigte" (SZ-Titel) verwendet in seiner Freizeit viel Geld auf wohltätige Einrichtungen in Afrika. Dann der Torwart Petr Cech, wie der Name schon sagt ein Tscheche, der seit einem schweren Sportunfall nur noch mit Rugby-Helm spielt. Der Engländer Frank Lampard ist der einzige Spieler aus der Zeit vor der Ära des heutigen Club-Eigentümers Roman Abramowitsch. Er hat alle(!) Trainer überlebt und war zeitweise der einzige Engländer im Team.

Bei den Italienern ist es natürlich Andrea Pirlo, der so langsam ist, daß er in Deutschland keine Chance hätte. Und seine Intuition und seine Sichtweise des Spiels sind derart genial, daß deutsche Talent-Scouts dies wohl nicht begriffen hätten. Vermutlich hätten auch schwer Erziehbare wie Antonio Cassano und Mario Balotelli in Deutschland keine Chance. Zur Erinnerung: Das waren die, die gegen uns das 1:0 gemacht haben.

Will sagen, die Eigenschaften, bei denen uns der Gegner überlegen war, sind alles Eigenschaften, die nicht meßbar und trainierbar sind: die konnten besser mit Druck und mit unvorhergesehenen Situationen umgehen, die hatten mehr Erfahrung, auch mehr Lebenserfahrung, die waren unberechenbar. Dieses Wort macht eigentlich alles klar: Unberechenbarkeit läßt sich eben nicht berechnen. Der letzte Spieler in Deutschland, der unberechenbar war, war für mich Reinhard Libuda. Wir hatten also auch welche, aber irgendwann sind die wohl ausgestorben.

Problematisch wird es nur, wenn jetzt Leute hergehen, wie vor allem nach dem Bayern-Spiel geschehen, und sagen, wir seien eigentlich besser gewesen. Die haben dann schon Probleme mit der Wahrnehmung der Realität, beziehungsweise die leben für meine Begriffe in einer recht verschrobenen Realität.

Daß wir im Finale von den Spaniern vermutlich völlig auseinander genommen worden wären, ist wieder eine andere Geschichte. Dazu ist es ja nicht gekommen.

10:52 10.07.2012
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Geschrieben von

derbunt

extaxifahrer
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