Alternative für AfD

Verantwortliche richten! Nicht wehrlose Minderheiten sind für die Zustände verantwortlich, sondern jene, die diese herbeigeführt haben. Königlich honriert entziehen sie sich der Verantwortung.
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Seit einem Vierteljahrhundert wird die Interessenlosigkeit der Bürger an Politik beklagt. Erst waren es die katastrophalen Wahlbeteiligungen, die man beklagte, die aber natürlich nichts an der Weiterbeschäftigung der etablierten Akteure änderten und daher auch nicht zu Änderungen zwangen. Jetzt sind es die nicht genehmen, populistischen Parteinen, die für Magengrummeln sorgen.

Doch anstatt irgenetwas daraus zu lernen und seinen demokratischen Pflichten nachzukommen, breitet sich ein Authismus aus, der kaum noch erklärlich ist. Wohlfeilen Worten folgen überhaupt keine Taten. Der Bürger wird weiterhin nicht ernst genommen. Trotz der immensen Einschläge werden die Schüsse scheinbar überhaupt nicht gehört.

Die Bevölkerung möchte, auch nach eingehender Aufklärung und breit geführter Diskussion, TTip nicht. Und? Interessiert nicht! Statt die Gespräche abzublasen oder wenigstens offen zu führen, werden weiterhin geheime Verhandlungen geführt, um das ganze noch irgendwie über die Bühne zu bekommen. Für wen?

Seit Jahren werden Investitionen in Straßen, Schulen, Telefonnetze, Krankenhäuser und vieles mehr gefordert und immer wieder als vorrangigste Aufgabe bezeichnet. Nun sind weitere Privatisierungen geplant, um Lösungen für die Instandhaltung unserer ruinierten Infrastruktur zu finden; angeblich weil die Staatskasse leer ist. Was hat die Allianz mit Straßenbau zu tun und warum ist der Staat so ausgehölt? Werden hier genau diejenigen bedient, die an der Herbeiführung des Zustandes bereits hervorragend verdient haben?

Es gibt unendlich viele Beispiele, wo Bürger spüren, dass etwas nicht stimmt, dass Unehrlichkeit regiert. Seit mindestens einem Vierteljahrhundert geht der Politik jegliche moralische Orientierung verloren. Eine Orientierung, die schon gar nicht mehr als Ziel eines gedeihlichen Zusammenlebens vermittlet wird. Wie auch?

Und welch Wunder, der Bürger ist verärgert, enttäuscht, fühlt sich macht- und sinnlos, resigniert und geht nicht mehr zur Wahl. Die geschmeidige soziale Lage tröstet über so manches hinweg. Ein wenig Brot und Spiele durch Medienbeduselung und Sozialneidsdebatten. IPhones, APP's und Hartz-IV-Schmarotzer-Debatten in Talkshows überdeckten so manches, ließen aber nicht wirkliche Zufriedenheit zurück. Man spürt stattdessen zunehmend, dass es so nicht ewig weiter gehen wird. Aber wo war eine Alternative?

So, und nun gibt es eine Alternative. Pegida und AfD öffnen endlich das Schleusentor der schlechten Laune. Endlich dieser etablierten, bornierten und TV-geschmeidigen Kaste mal in den Hintern treten. Endlich mal wahrgenommen werden. Endlich mal die eigene, lang gepflegte Trostlosigkeit als unabänderliche Folge organisierter Ungerechtigkeit herausbrüllen. Und so ganz falsch ist dies nicht einmal. Wer soziales und geistiges Elend zulässt, kann keine studierten Humanisten erwarten.

So weit so gut; eigentlich. Leider sind hier die falschen Robin Hoods mit den falschen Lösungsversprechen aus den Bäumen gesprungen. Leider hat sich keine Bewegung in dieselbe gesetzt, die gegen die vorgehen, die unseren Staat durch Privatisierung von Volksvermögen ausgehöhlt haben. Die nicht nur für kaputte Schulen und Brücken, für eine gescheiterte Rentenvorsorge und eine endsolidarisierte Gesellschaft verantwortlich sind, sondern auch noch Ideen und Ziele einer Gemeinschaft verödet haben. Das sind die Gleichen, die sich wundern, dass sie keine Mitarbeiter finden, weil das Schulsystem durch ihre Vermögensanhäufung unterfinanziert ist.

Die vermeintlichen Retter der Inhaber des völkischen Zorns instrumentalisieren indes Neid, Angst und andere niedere Beweggründe zur Erlangung eigener Macht dadurch, dass sie dies auf Kosten anderer tun. Ihre eigene trostlose Seelenverfassung toben sie in Hass und Demagogie aus. Der entfachte Zorn ist so betörend, dass die Claqueure gar nicht bemerken, dass Ziele gegen ihre eigenen Interessen propagiert werden, dass die Demagogen sich selbst nicht an das vermittelte Wertesystem halten und dass sogar die Physik geleugnet wird. Nein, Haupsache Hass und Schuldige weit weg von der eigenen Sippe.

Es ist dringend an der Zeit, dass wieder richtig Politik gemacht wird, dass geklärt wird, was die Zukunft uns abverlangt und wie man den Weg in diese gehen kann, dass Verantwortliche sich auch als solche Benehmen, dass Idealismus und Solidarität keine Fremdwörter mehr sind und dass wir von unseren humanitären Fortschritten retten, was noch zu retten ist.

Es wird notwendig sein zu klären, ob wir versuchen wollen, auf Kosten anderer unseren Wohlstand zu verteidigen, indem wir unsere Kinder in den Krieg schicken, oder ob wir versuchen, ein globales Einvernehmen herzustellen. Wir müssen kommunizieren, dass ein Miteinander wesentlich effizienter ist als ein gegeneinander; übrigens einer der wirklich gültigen, ökonomischen Grundsätze.

Es wird notwendig sein, den Reichen zu sagen "so Schluss mit hemmungsloser Bereicherung", anstatt mit TTIP die Macht von Großunternehmern zu zementieren. Da kann Herr Gabriel Glaubwürdigkeitspunkte sammeln und muss sich nicht wundern, warum er und die SPD so unbeliebt sind.

Für diese Glaubwürdigkeit werden wir aber auch international arbeiten müssen. Wir dürfen nicht mehr mit faulen Kompromissen dem vermeintlichen eigenen Vorteil zuliebe den falschen Partnern zudiensten sein.

Wir müssen für uns klären, ob wir nicht auf einem einfacheren, aber in ein soziales Netz eingebundenen Niveau glücklicher sein können, zumal wir die Erde nur einmal ausbeuten können. Was weg ist, ist weg, und das ist schon jezt nicht wenig.

Vielleicht können wir die Politiker dazu bringen, doch wieder in Horizonten zu denken, denn sonst werden sie mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt. Jetzt und gerade auch jene, die nicht der AfD nahe stehen, sollten jetzt klar zum Ausdruck bringen, dass nicht mehr geduldet wird. Die Zeit zum Bekenntnis und zur Positionierung ist gekommen; jeden Tag und bei jeder Gelegenheit. Ich möchte auf keinen Fall, dass die Falschen zum Jäger werden, aber ich denke, es ist nicht mehr viel Zeit.

17:28 26.05.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

DerGemeineStaat

Gemeinwohl und die Bewältigung des Transfomationsproblems als Basis für ein weltweit gleichberechtigtes Leben. Wider die Mächtigen!
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