derlaie

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RE: Doktoren ohne jede Würde | 06.03.2011 | 18:09

Zu "Doktoren ohne jede Würde" von Nico Schmidt

Als konkreten Aufhänger für Ihren Artikel ziehen Sie bemerkenswerterweise eine Geschichte heran, die immerhin zwanzig Jahre alt ist. Man fragt sich, warum Sie gerade die Plagiatsvorwürfe an Elisabeth Ströker gewählt haben. Seitdem müsste es doch eine ganze Reihe anderer und für Ihren Zweck passendere Fälle gegeben haben.
Ich war damals Student im Philosophischen Seminar der Uni Köln und studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Ströker. Deshalb erlaube ich mir ein paar sicher subjektiv gefärbte Anmerkungen zu Ihrem Artikel:
- Der Vergleich, den die Uni Köln mit Frau Ströker zog, muß geradezu als salomonisch gelten, insbesondere wenn man die Schlammschlacht miterlebt hat, die diesem Akt vorausging. Denn es gab damals starke Indizien, dass die Beschuldigte in Ihrer Dissertation zwar abgeschrieben hatte, aber dabei keine Täuschungsabsicht verfolgte, die für einen Plagiatsvorwurf vorliegen muss. Bei einem ausgewiesenen Kenner Cassirers, wie ihr Doktorvater Theodor Litt es war, sich unbemerkt mit cassirerschen Federn schmücken zu wollen, wäre schlicht und ergreifend unmöglich gewesen. Litt hat übrigens Bedenken Strökers wegen ihrer Zitationsweise in mindestens einem erhaltenen Brief zu zerstreuen versucht.
- Der Vorwurf, sie hätte in der Arbeit die wissenschaftlichen Standards für Dissertationen nicht eingehalten, die sie später souverän beherrschte, bleibt natürlich bestehen, muß aber zumindest teilweise an den Doktorvater weitergereicht werden. Hier tut sich meines Erachtens auch eine Parallele zum Fall Guttenberg auf. Man muß sich fragen, wie der Ex-Minister seine Arbeit über ein Thema schreiben konnte, in dem Häberle als eine der Koryphäen gilt, ohne daß der Herr Professor den kleinsten Verdacht schöpfte, hier würde systematisch abgekupfert. Hat er die Arbeit je gelesen?
- Zu Guttenberg hat sich damit rechtfertigen wollen, dass er zur Zeit seiner Dissertation unter einem extremen Druck stand als Abgeordneter, Familienvater und Doktorand. Aus der Erfahrung mit meiner eigenen Doktorarbeit ist mir schleierhaft, wie er auch nur hoffen konnte, diese Dreifachbelastung ohne Blessuren durchzuhalten. Meines Erachtens würde es allerdings zur Fürsorgepflicht eines Doktorvaters gehören, dass er eine solche Situation wahrnimmt und seinen Schützling vor den Gefahren warnt. Zugegeben, das ist wohl zu viel verlangt im heutigen Wissenschaftsbetrieb. Damit will ich das Verhalten von zu Guttenberg in keinster Weise entschuldigen, aber ich würde halt gerne verstehen, wie jemand mit offenkundig politischem Ehrgeiz sich selbst einen so riesigen Fleck auf die sonst so weiße Weste klecksen kann. Auch wenn es die Innenseite der Weste war, muß man doch damit rechnen, dass irgend jemand sie mal umdreht.
- Rund um den Weltfrauentag und im Kontext der von Bascha Mika ausgelösten Debatte ist die Frage vielleicht erneut angebracht, warum der Plagiatsvorwurf gegen Frau Ströker über 40 Jahre nach Erscheinen der Arbeit von einer ungefähr gleichaltrigen Kollegin erhoben wurde, die (damals ohne Internethilfe) mehrere hundert Seiten lang minutiös jedem tatsächlich oder vermeintlich abgeschriebenen Zitat nachgegangen ist. Hier liegt Stoff für bewegende Dramen verborgen. Fehlt noch der (oder die) Schiller, um sie aufzuschreiben.
- Aus meiner Sicht haben Sie für die Untermauerung Ihrer sonst ja ganz plausiblen Thesen das falsche Beispiel gewählt. Der Fall Ströker eignet sich wohl eher dazu, eine weitere These einzuführen: Jeder Fall von Abschreiben und Plagiat sollte aus seinem jeweiligen Kontext heraus betrachtet, begutachtet und beurteilt werden.
Ralf Peters

RE: Proust-Hörer wissen mehr | 03.12.2010 | 23:45

Das Hörbuch von Peter Matic ist nicht die erste "Gesamtlesung" der Recherches von Proust: Von 1997 bis 2003 haben Peter Lieck und Bernt Hahn in der Lengfeld´schen Buchhandlung in Köln immer vierzehntägig Dienstagsabends den ganzen Proust gelesen. (Es gab nur einmal eine Unterbrechung, weil der letzte Band der Übersetzung, aus der gelesen wurde, noch nicht im Druck war!) Diese Lesungen wurden alle aufgezeichnet und sind als Hörbücher erhältlich. Der Vergleich mit Matic lohnt sich.