Ansatz einer Differenzierung

Pegida Wenn die Möglichkeiten es zulassen, ziehe ich hier und heute positive, entwicklungsfähige Unterstellungen im Zweifel vor. Irgendwer muss das ja mal machen.
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Die Studie der TU Dresden „Wer geht zu PEGIDA und warum?“ nehme ich als Ausgangspunkt der Überlegungen. 54% nennen mindestens einen Unterpunkt von „Unzufriedenheit mit Politik“, davon 4% Außenpolititk , 20% Asylpolitik – Ukraine ist also nicht das Kickthema. 75% erwähnen nicht Islam/Islamisierung

Relativierend durch die Einschränkung, dass die Rückmeldung auf die Umfrage nur 35% war, kann ich als Erkenntnis mitnehmen: die Mehrheit sagt, dass ihre Unzufriedenheit nicht hauptsächlich im Islam und nicht in der Außenpolitik begründet liegt. Gestiegene Angst vor islamistischem Terror ist trotzdem verständlich, das nebenbei mit auszudrücken, stört viele bestimmt nicht. These: Das Anwachsen der Pegida-Demos verschiebt die Durchschnittsmeinung der Teilnehmer in Richtung Mitte, aber im Pegida-Manifest kommt das wenig an, weil das die Aktivisten der ersten Stunde formen. Diese Fehlwahrnehmung (wenn sie denn eine ist) müssen sich die Neuteilnehmer aber zu einem guten Teil selbst ankreiden, nicht den Medien. Wie sollen die das mitbekommen, wenn man nicht mit Medienvertretern redet?

Also was ist es? Mich wundert, dass das Wort Fachkräftemangel nicht im Positionspapier auftaucht. Liegt es an der FDP-Prägung der Organisatoren? Ich behaupte mal, die ökonomische Unsicherheit macht in der Hauptsache die Unzufriedenheit. Arbeitskräftemigration ist eine gewünschte Folge des europäischen Binnenmarktes. Die Differenzierung zwischen Migrant, Flüchtling und Zuwanderer ist gewiss verbesserungswürdig. Dass die negativen Nebenwirkungen von ökonomischer Liberalisierung mit noch mehr Liberalisierung bekämpft werden sollen, ist den meisten (auch mir) nicht verständlich. Und falls es doch jemand erklären kann – dann mal los! Viele kennen sicher eine Fachkraft, die arbeitslos ist. Trotzdem kann das in 10 Jahren anders aussehen, auch arbeitslose Fachkräfte gehen mal in Rente. Ich erwarte, dass die Pegida-Forderungen wegens „Ende unkontrollierter Einwanderung“ in Richtung Anti-EU gehen müssen, wenn das Asylrecht anerkannt wird.

Warum jetzt? IS, Charlie Hebdo, Zunahme der Flüchtlingszahlen, klar. Umbruch in der Wirtschaftstruktur? Ich nehme u.a. wahr, dass Unternehmer, die seit Anfang der 90er ihr Ding mit Wachstum am Laufen hielten, nun in Ruhestand gehen – und an Großkonzerne übergeben, die wegen Niedrigzinsgeldflut leicht an Geld kommen. Das bringt selten Gutes für die Mitarbeiter. Dass die Stadt Dresden ihren Einfluss auf den Wohnungsmarkt durch den Verkauf der Wohnungsgesellschaft (2006) aufgegeben hat, merkt der normale Mieter auch. Dass man in Dresden für erlittene Weltkriegsungerechtigkeiten öffentlich leiden darf, tut seinen Teil. Das könnte ein besonderer 13.Februar werden in diesem Jahr.

Die Linkstruktur auf Internet-Webseiten und Facebook tut sicher ihr übriges. Einmal im Meinungsmikrokosmos einer Richtung gefangen bedarf es schon Anstrengung, aus dem vorgeschlagenen Klick-Pfad auszubrechen.

11:44 16.01.2015
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Geschrieben von

Dersu Usala

Gefangen im Bewusstsein des Unlösbaren, zu lösen nur durch Lösen vom Bewusstsein.
Dersu Usala

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