Ein Dritter und wahrer Weltkrieg

Ende der Verniedlichung – NATO und etliche christliche Nationen wollen durch Kampfeinsätze in muslimischen Ländern einen „Frieden“ herbeibomben. Islamisten antworten asymmetrisch mit „Terror“.
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Man fange beim Ende der 40er Jahre an, als die Zionisten Land zugewiesen bekamen, einen Staat ausriefen und sogleich in Kriege verwickelt wurden.

Sodann sehe man sich die über 50 hegemonial geprägten „missions“ der US-Amerikaner an sowie die Durchsetzung der Interessen eines globalisierten und immer brutaler werdenden Kapitalismus und seine Reibung mit der noch existierenden „sozialistischen“ Sowjet-Union.

Danach verfolge man einmal die US-amerikanischen Abenteuer im Zusammenhang mit Saddam Hussein, Kuwait, Iran, Afghanistan und Irak, wo die USA bewiesen, dass sie mit ihrer Übermacht an Menschen und Material Kriege gewinnen können, aber keinen Frieden.

Nun versuche man einmal die Entwicklungen aus der Sicht von Muslimen im Nahen Osten zu verstehen, aus einer mittelalterlichen Mentalität in Staaten, wo der Koran Glaubenslehre, Grundgesetz sowie Bürgerliches Gesetzbuch und Strafgesetz ist, wo eine kleine Oberschicht den Reichtum aus Bodenschätzen abgreift, in skandalösem, unbegreiflichem Luxus lebt und mit den Erzkapitalisten aus Staaten von Ungläubigen profitabel paktiert.

Man stelle dem die Interessen von eher armen Bevölkerungsteilen gegenüber, die großenteils von einer mühseligen Agrarwirtschaft leben und eine in Koranschulen gehirnwäscheartig eingetriebene Religion (aus)leben. Man ordne dann einmal die von den USA initiierte ursprüngliche Funktion von Osama Bin Laden ein, die ja zunächst nur gegen die Sowjetunion zielte und sich danach erst gegen die ausbeuterische und demütigende Haltung des US-Kapitalismus richtete, um sich für dessen hegemoniale Auswüchse zu rächen.

Dann komme man langsam zu der Erkenntnis, dass wir uns asymmetrisch im Dritten und wahren Weltkrieg befinden, in dem es zunächst um die Schwächung und später um die Besiegung von Ungläubigen gehen soll, um letztendlich – irgendwann – weltweit einheitlich Allahs Gottesreich zu errichten. (Jahwes und Gottes Mühlen mahlen langsam und eher dürftig, Allahs Mühlen mahlen auch, aber effizient.)

Jetzt versuche man einmal in eher historischen Zeiträumen zu denken... – fünfzig Jahre zurück und fünfzig Jahre voraus. Dabei mag man bedenken, wie sehr die Interessen der westlichen Welt vor allem auf kapitalistischen Profit, auf Konsum und auf materielle Werte ausgerichtet sind, während sich weltweit die Muslime gegen die Ungläubigen vor allem als „gottgefällig“ erweisen wollen und aus „geistlichem“ Antrieb handeln, um sich ihr Paradies in Allahs Reich zu sichern.

Diese Dimension und vor allem die der asymmetrischen Kriegsführung (Araber gegen Juden, Djihadisten gegen den ungläubigen Westen) sollte man vordergründig bedenken und dabei nicht aus den Augen verlieren, dass der „Westen“ meint, mit Waffengewalt und freie Bürger belastenden „Überwachungen“ dagegen ankommen zu können, während die „friedliebende“ muslimische Welt Süßholz raspelt, ihre Hände in Unschuld wäscht und nur zusieht, statt ihren Laden selbst aufzuräumen. Am dereinstigen „point of no return“ wird sie jedoch kaum untätig bleiben und sich freuen, für einen greifbar nahen „Endsieg“ ihr Scherflein beizusteuern. So gesehen ist jede Moschee ein Stich ins Fleisch der Ungläubigen. Jede.

Glaubt denn jemand, dass „der Islam“ nicht eine auf sehr lange Sicht angelegte Strategie verfolgt? Lügen und sich verstellen ist dabei ausdrücklich erlaubt und geboten.

„Paris“ und jetzt auch „Brüssel“ sind nach „9/11“ leuchtende Meilensteine, auf die man bei den Muslimen später zurückblicken mag.

Worum geht es denn?

Das lehren uns einige „durchgeknallte“ Muslime, die aus Wahn, Eifer und Machtgier bereits versuchten und weiterhin anstreben, unter egal welchen Umständen – wie auch jetzt beim Machtstreben des IS – ein „Kalifat“ auszurufen. Ein Kalifat (in etwa auch ein „Imamat“) ist die Herrschaft, das Amt oder das Reich eines Kalifen, also eines „Nachfolgers“ oder „Stellvertreters des Gesandten Gottes“ Mohammed. Ein Kalif oder Imam als Kalif ist für die Bewahrung der Religion und die Organisation der weltlichen Angelegenheiten zuständig. Man kann sich das ganz einfach so vorstellen, wie wenn der Papst in Rom nicht nur für den Glauben von Christen maßgeblich ist, sondern auch für alle weltlichen Belange, für alle zivilen, strafrechtlichen und verwaltungstechnischen Vorschriften und letztlich auch für die Kontrolle und den Einsatz von Waffen bis hin zur Atombombe.

Wohin das führt, wenn eine alleinherrschende abrahamitisch-monotheistisch geprägte Religion aus „Glaubensgründen“ den Knüppel herausholt, kann man an der über Jahrhunderte wütenden Inquisition der römisch-katholischen Kirche ablesen. Diese Kirche übte zwar offiziell nicht auch die weltliche Herrschaft aus, doch war die weltliche Herrschaft von dieser Kirche und deren Wohlgefallen abhängig. (Den Vorsitz bei einem kirchlichen Inquisitionsverfahren führten als Inquisitoren in erster Linie Bischöfe oder Ordensgeistliche.) Das Treiben des IS im irakischen und syrischen Raum nun mit dem der mittelalterlichen „christlichen“ Inquisition zu vergleichen, dürfte kaum abwegig sein. Denn das absolutistische Selbstverständnis von Judentum, Christentum und Islam ist gleich und wird nur noch von Fanatikern („Fundmentalisten“, „Orthodoxen“) auf eine oft mörderische Spitze getrieben.

Wenn also manche Gegenwartskritiker behaupten, dass zur Zeit ein weltweiter Religionskrieg, ein religiös geprägter Weltkrieg, stattfindet, stehen ihnen zahlreiche gute Argumente zur Verfügung, die man nicht – wie von der Politik oft praktiziert – von der Hand weisen kann. Zeichen darf man deuten als das, was sie selbst bei restriktiver Betrachtung mindestens noch sind. Sobald man sie aus einer eigenen Glaubenshaltung nur so interpretiert, wie es in einen „political correct“ Kram passt oder wie man es zur Beschwichtigung öffentlicher Skepsis braucht, führt man sich selbst in die Irre. Ein Problem ist ja, dass auch die politischen Parteien etwa in der Bundesrepublik Deutschland nur weltanschauliche „Glaubensgemeinschaften“ sind, die um die Gunst von Förderern („Wählern“) buhlen und sich gegenseitig bekämpfen wie Schiiten und Sunniten. Sie haben das Privileg, Herrschaft im Staat anzustreben und auszuüben, und bieten in sich selbst und über ihren Einfluss in vielen Bereichen von Staat und Wirtschaft für talentierte „Überzeugungstäter“ hervorragende Karriereleitern. An Sachverstand für Bereiche, in denen sie sich als zuständig austoben dürfen, haben sie oft weniger zu bieten als Mitglieder in Taubenzüchter- oder Imkervereinen, die vor allem deshalb Mitglieder wurden, weil sie von ihrem Metier etwas verstehen oder dazu gezielt etwas lernen wollen. Bei Parteien genügt es, den jeweils geltenden Katechismus („Parteiprogramm“) nachzubeten.

Bei den politischen Religionen der westlichen Demokratien kommt jedoch hinzu, dass sie nicht wirklich frei, sondern vom Kapitalismus weitgehend korrumpiert oder sogar unverkennbar versklavt sind. Gewarnt vor solchen Zuständen hatte bereits der ehemalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower, der das soziologische Menetekel vom „wirtschaftlich-militärischen Komplex“ unterschrieb und als bedrohlich in den Raum stellte. Genutzt hat das nichts. Die jüngste so genannte „Bankenrettung“ zeigt, wer wen im Schwitzkasten hat und wie wenig Politik daran interessiert ist, wirklich die Interessen der Bürgermehrheit zu vertreten. Kurz formuliert: Im Westen regiert das Kapital. Es versteckt sich hinter parteipolitischen Ritualen und predigt die Parole „Freiheit und Demokratie“. Unter dieser Parole führt das Kapital auch Kriege, um angeblich Freiheit und Demokratie auch in Staaten zu verbreiten, in denen auffälligerweise für den Westen wichtige Ressourcen gesichert werden. Dabei wird immer und immer wieder vor allem die Rüstungsindustrie gemästet – die eigentliche Schlüsselindustrie in dieser Welt. Auffällig ist auch, wie aus der Bundesrepublik Deutschland in großen Mengen Rüstungsgüter in Länder geliefert werden, wo Menschenrechte, bürgerliche Freiheiten und die Demokratie mit Füßen getreten werden und häufig die „Scharia“ herrscht… – jenes barbarische islamische Rechtssystem, das auch qualvolle Strafen vorsieht und vollstreckt. Der Begriff Scharia bezeichnet das islamische Recht; es enthält die Gesamtheit der Gesetze, die in einer islamischen Gesellschaft zu beachten und zu erfüllen sind.

Tonangebend sind für Muslime die Imame und Mullahs. Ihre religiöse und staatsbürgerliche Disziplinierung holen sich Muslime in den Moscheen ab. Im Vordergrund steht das „Freitagsgebet“. Dieses so genannte „Freitagsgebet“ ist eine im Koran verankerte religiöse Verpflichtung. Es ist für muslimische Männer und Jungen ab der Pubertät absolut verpflichtend und für muslimische Frauen lediglich empfohlen. Als Ort kommt nicht nur für Gebete die Moschee infrage: Eine Moschee (arabisch ‏مسجد masdschid – ‚Ort der Niederwerfung‘) ist ein ritueller Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebets und darüber hinaus der politischen, rechtlichen und lebenspraktischen Wertevermittlung im Sinne des Islams sowie ein sozialer Treffpunkt. Es ist der Ort, in dem zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland vielfach auch die so genannten „Hassprediger“ auftreten dürfen.

Der Begriff „Hassprediger“ ist schillernd und kann je nach den weiteren Umständen verschiedene Bedeutungen erfahren. Im Zusammenhang mit dem Auftreten von jeweils als „Hassprediger“ bezeichneten Personen in Moscheen der Bundesrepublik Deutschland war und ist häufig gemeint, dass es sich um Personen handelt, die eine Integration von Muslimen in westliche Gesellschaften behindern oder gar dafür empfängliche muslimische Eiferer ermuntern, sich einem „Dschihad“ anzuschließen, also für den Islam zum „Gotteskrieger“ zu werden. (Mit Gotteskrieger werden Menschen bezeichnet, die Kriege oder allgemein Waffengewalt befürworten, um den Einfluss ihrer Religion auszubauen, zu festigen oder zu verteidigen.)

Vieles von dem, was hier jetzt nur angerissen ist, findet täglich vor aller Augen statt und wird in den Medien, so es als potentiell gefährlich angesprochen wird, systematisch herunter gespielt. Was sich jetzt in Paris und später in Brüssel ereignete, wird zwar als bestialisch, brutal, unfassbar oder ungeheuerlich angeprangert, doch gleichermaßen als sinnlos und unverständlich. Warum dieses „sinnlose“ Ermorden „unschuldiger Menschen“ an „friedlichen“ Orten der „Unterhaltung und Entspannung“, die in keiner Weise als besondere Ziele hervor stechen? Warum überhaupt Paris? Warum Brüssel? – Dabei ist die Antwort einfach und bezieht auch die Begründung des IS für die grauenvollen und infam orchestrierten Attentate mit ein: Frankreich kämpft in Syrien gegen den IS mit Waffengewalt. Im Gegensatz zu Großbritannien und den USA, die ebenfalls den IS bekämpfen, ist Frankreich vom europäischen Festland aus leicht zu erreichen. Zwischen England und Europa müsste erst der Ärmelkanal überwunden werden. Die USA sind noch schlechter zu erreichen. Es ging den Terroristen nicht um bestimmte signifikant scheinende Ziele, sondern um die Auslösung von Angst und Verzweiflung, um die Aushöhlung von Sicherheit im zivilen Alltag, um Verunsicherung. Brüssel freilich ist auch ein „Herz“ der EU.

Von psychologisch-strategischer Bedeutung ist jedoch noch Weiteres: In Paris sollte bald ein „Klima-Gipfel“ stattfinden. Da machte es aus der Sicht von Gotteskriegern Sinn, durch einen brutalen Akt ein Klima der Angst und Verunsicherung zu erzeugen. Hatte man speziell darauf spekuliert, so geht diese Spekulation durch die Reaktionen der französischen Regierung auf: Ausgangssperren, Versammlungsverbote, Flugverbote, Einschränkung öffentlicher Verkehrsmittel, Ausweitung und Verschärfung von Kontrollen mit entsprechend behindernden Folgen. Zudem steht ein alsbaldiger politischer G20-„Gipfel“ im Urlaubs- und Golfzentrum Belek bei Antalya auf dem Plan, also ausgerechnet im muslimischen Hexenkessel Türkei, in einem Staat, der von dem streng muslimischen Autokraten Erdogan kujoniert wird und Atatürks Errungenschaften zunehmend infrage stellt. Insofern mag das Timing der Terroristen ausgeklügelt gewesen sein, denn sie schlugen los, als im Stadion von Paris Frankreich gegen Deutschland im Fußball antrat. Und an zahlreichen Stellen in Paris starteten sie zeitgleich ihre mörderischen Schießereien. Im Visier ihrer Verbreitung von Angst und Schrecken mochten sie aber auch die „Gipfeltreffen“ haben. Denn diese mussten nun gesichert werden wie ein „Fort Knox“, was dann die „Angst des Westens“ dokumentierte.

Damit aber nicht genug. Mit etwas Glück für die Polizei geriet Tage zuvor in Bayern ein Muslim aus Montenegro ins Netz, in dessen Auto nicht wenig Sprengstoff und ein höllisches Arsenal an Waffen und Munition gefunden wurde. Aus einem Navigationsgerät und einem Spickzettel ging als Ziel des Fahrers eine Adresse in Paris hervor. Natürlich wurde der Fahrer verhaftet, und ebenso natürlich wurden schnellstens die Behörden in Frankreich ausführlich unterrichtet, also gewarnt. Doch die Franzosen nahmen den Medien zufolge diese Warnung nur unwillig wie einen Geburtstagstermin zur Kenntnis, zu dem man erscheinen mochte oder auch nicht. Jetzt gibt es um diese Nachricht und die angegebene Adresse ein großes Geheimnis. Es ist ja nicht auszuschließen, dass sich an der angegebenen Anschrift ein Wespennest oder eine Spur zu ihm befunden haben mag. Offenkundig waren die Terroristen gut koordiniert, und vielleicht wohnten sie vor dem Attentat sogar zusammen, um mit Sicherheit vereint losziehen und losschlagen zu können. Hier zeigen sich hinsichtlich der französischen Polizeiarbeit Parallelen zum dem Anschlag auf Charlie Hebdot, wo ja einiges an polizeilicher Schlafmützigkeit in dessen Vorfeld offenbar wurde. Erst nach BBrüssel gab es auch Aufklärungen zu Paris.

Einfache Bürger von Paris und etliche Touristen in der Stadt sprachen vor den neugierigen TV-Kameras von einem „Krieg“. Dagegen sprachen die Politiker nur von einem „terroristischen Anschlag“ und von „Terrorismus“, wobei sie dann tunlichst einen Bezug auf Muslime oder auf den Islam auch dann noch vermieden, als über das Internet äußerst glaubhaft längst feststand, dass der IS hinter den Anschlägen steckte.

Wenn es irgendjemanden gibt, der den aggressiven Islamisten das Handwerk legen kann, so ist das „der Islam“ selbst in seiner Gesamtheit. Denn die Gotteskrieger, die kämpferischen Teilnehmer am Dschihad, gedeihen nicht in holländischen Gewächshäusern und gehen auch nicht aus christlichen Gemeinden hervor. Sie werden aus den mit der Welt und ihrem Schicksal Unzufriedenen in muslimischen Umgebungen, deutlich auch aus den Besuchern von Moscheen herausgefiltert und gezielt konditioniert. „Der Islam“ in seiner Gesamtheit sieht zu, schweigt vor allem und beteuert erst nach dem Ansprechen auf entsprechende Themen seine absolute Unschuld. Von allen Religionen dieser Welt sind es jedoch einzig die Muslime, die Menschen anderen Glaubens und deren Gesellschaften Probleme bereiten. Auf Deutschland bezogen ist nicht erkennbar, dass etwa Hindus, Shintoisten, Juden, Buddhisten oder Sikhs und Mitbürger aus anderen Nationen irgendwelchen Ärger bereiten. Es sind nur und immer wieder Muslime, wenn auch vorwiegend die extremen unter ihnen wie die Salafisten. Und sie setzen sich durch. Das geht so weit, dass die Presse bei Straftaten von Ausländern aus dem muslimischen Umfeld meistens weder die Nationalität noch die Zugehörigkeit zum Islam auch nur andeutet.

Ja, es herrscht in Wahrheit Krieg, ein Dritter und wahrer weltumspannender Krieg. Ein Religionskrieg, der aus dem Bereich des Islam von religiösen Fanatikern gegen den ungläubigen Westen geführt wird. Das muss ein asymmetrischer Krieg sein, weil die extremen Muslime nicht über eine adäquate Bewaffnung verfügen. Zwar ist Pakistan sogar ein Atomstaat und weist in seinem Norden zu Afghanistan hin eine islamistische Brutstätte auf, doch generell kommen die Gotteskrieger bis auf den konventionell ausgerüsteten IS gegen den waffenstarrenden Westen nicht an. Da gleichen sie eher den Palästinensern, die gegen den hoch und modern ausgerüsteten Judenstaat Israel auch nur asymmetrisch kämpfen können… – ob nun zu Recht oder nicht.

Bleibt jetzt die „Gefährdungslage“ in diesem Krieg der Islamisten gegen den unschuldigen Westen. Für den Westen sind alle anderen Staaten, die nicht seine „Werte“ und seine Meinung teilen, die „Bösen“ wie beispielsweise auch der laut Gerhard Schröder „lupenreine“ Demokrat Wladimir Putin, in dessen Diensten der Altbundeskanzler Schröder jetzt indirekt steht. Während der Westen wortbrüchig geworden ist und mit EU und NATO Russland förmlich eingekreist und umzingelt hat, während er die Ukraine durch seine hegemonialen Bestrebungen in ein blutiges Abenteuer gestürzt hat, wird Putin das Recht abgesprochen, auf seine Weise und im wohlverstandenen Interesse Russlands die Präsenz auf der Krim mit ihrem Marinehafen zum Schwarzen Meer zusätzlich durch die Annexion vertraglich gebundenen Gebietes abzusichern. Während der Westen sich die hoch verschuldete Ukraine sozusagen im Rollgriff unter den Nagel reißen wollte, wird beklagt, dass Russland die opportunistisch zuschlagenden Separatisten im Osten der Ukraine unterstützt. Der feine Unterschied: Der Westen ist immer im Recht. Dass man sein Verhalten aus anderer und nicht einmal subjektiver Perspektive auch anders beurteilen mag, kommt ihm nicht in den Sinn. Es kommt ihm auch nicht in den Sinn, dass er die „Werte“, die er unablässig predigt, zu erheblichen Teilen selbst missachtet und dass er in wichtigen Belangen heuchlerisch agiert.

Das alles wird im Kern getrieben von einem ausufernden und maßlos gierigen Kapitalismus, der aus Profitgier auch Dumpinglöhne, Lohnsklaverei und Kinderarbeit in Kauf nimmt. Ihm ist auch anzulasten, dass jeden Tag über 3.000 Menschen hungers sterben, was der Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler (lange Zeit UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und zur Zeit Mitglied im Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UN) als glatten „Mord“ bezeichnet. Speziell durch die hegemonialen Machenschaften der USA und durch die Willfährigkeit westlicher Staaten den Amerikanern gegenüber hat sich die westliche Welt in der muslimischen Welt mit ihrem eingetrichterten simplen Glauben als das leibhaftige Böse unbeliebt gemacht. Kein Ajatollah, kein Imam und kein Mullah wird sich von seiner Überzeugung abbringen lassen, dass Nichtmuslime minderwertige Menschen sind, und zwar insbesondere dann, wenn es sich um „Christenhunde“ oder Juden handelt. „Man“ arrangiert sich mit dem „Kafir“, dem Nichtmuslim, dem „Ungläubigen“ oder „Gottesleugner“ insbesondere dann, wenn es um den Selbsterhalt geht, wenn sich vor allem so die Chance bietet, es zu einem guten Ein- und Auskommen oder sogar zu Wohlstand zu bringen. Ansonsten jedoch sind die Menschen im Abendland hauptsächlich nur „Ḥarbīs“, die ohne Rechte, auch ohne Recht auf Leben, außerhalb des islamischen Herrschaftsgebiets leben. Die Länder der Ḥarbīs werden als „Dār al-Harb“ („Haus des Krieges“ bzw. Kriegsgebiet) bezeichnet.

Da kann man einem fanatischen Islamisten leicht einreden, er vollbringe ein gottgefälliges Werk, wenn er in ein solches „Kriegsgebiet“ eindringt und möglichst viele „Kuffār“ umbringt. Denn diese haben sowieso kein Recht auf Leben. Ein schlichtes und gehirngewaschenes Gemüt wird dann kaum anfangen, philosophische oder rechtliche Überlegungen anzustellen und lieber scharf sein auf das Paradies bei Allah und auf die Jungfrauen in diesem Paradies. Den hochintelligenten Religionsgelehrten in den Hochburgen des Islam, speziell an der Al-Azhar-Universität in Kairo, wird Solches sehr wohl bewusst sein. In ihren „Fatwas“ (islamischen Rechtsauskünften) wettern sie geflissentlich gegen die Auswüchse islamistischen Treibens, doch es gibt keine islamische Staatsgewalt, die gegen den islamistische Terror wirksam einschreitet. Im Westen kann bestraft werden, wer durch Handlung, Duldung oder Unterlassung ein Unrecht fördert. Doch warum soll in der islamischen Welt jemand gegen etwas einschreiten, was doch irgendwie ausreichend vom Koran gedeckt oder sogar gewollt wird?

Deshalb ist es ein infamer Krieg, der von muslimischen Gläubigen besonderer Art weltweit gegen durchaus arrogante, gierige und rücksichtslose Ungläubige aufgenommen und geführt wird. Dieser Krieg verbreitet Terror, lässt sich aber nicht mehr, wie die Politik es gern hätte, einfach unter Terrorismus abheften. Die Opfer „terroristischer Akte“ im Westen haben sich in den Jahren seit 2.000 vervielfacht, und rund zwei Drittel aller Bluttaten werden von Islamisten begangen.

Wie und wann auch immer kämpferische Islamisten Anschläge planen und Ziele festlegen mögen, noch nie wurde es ihnen so leicht gemacht wie jetzt, in potentielles „Kriegsgebiet“ zu gelangen. Gewöhnlich, bei „üblicher“ Besucherfrequenz können die Staaten ihre Gäste noch überschauen und bei Verdachtsmomenten eingehende Kontrollen durchführen. Die von der Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland aus jetziger Sicht sogar „verschuldete“ Flüchtlingslawine hat die Grenzen zu Deutschland derart überrollt, dass statt jeder Kontrolle nur noch ein Durchwinken möglich war. Es wird geschätzt, dass sehr deutlich über 300.000 Flüchtlinge unerfasst durch Deutschland vagabundieren und sich irgendwie durchschlagen. Dramatisch verschlimmert hat sich die Lage auch dadurch, dass so genannte „Schengen“-Staaten, durch welche die Flüchtlinge reisen mussten, um an eine deutsche Grenze zu gelangen, nichts getan haben, um die Flüchtlinge zumindest zu erfassen und dadurch auch in gewisser Weise zu sieben. Diese wurden einfach durchgewunken oder – um ein unerwünschtes Ausbüchsen zu verhindern – sogar mit Bus und Bahn durch das jeweilige Staatsgebiet transportiert. Unter diesen Flüchtlingen befanden sich viele Männer, die dem Terror von Islamisten in ihrer eigenen Heimat entkommen wollten, viele von den Flüchtlingen kamen aber ohne Papiere und konnten zu ihren Namen und Herkünften behaupten, was sie wollten. Niemand weiß, ob der IS oder anderen Gruppen ihre Chancen wahrnahmen, über die Flüchtlingslawinen Kämpfer in die Europäische Union einzuschleusen. Die zeitliche Nähe des Flüchtlingsstroms zum Terror in Paris lässt daher leicht ungute Gefühle aufkommen, obgleich andere und bereits erwähnte Aspekte auch anderes vermuten lassen.

So bleibt insgesamt, bei Betrachtung des islamistischen Terrors über einen längeren Zeitraum, nur der Schluss, dass es sich nicht (nur) um Terror handelt, sondern um einen durch nagenden Frust ausgelösten und durch religiöse Motive gestützten Krieg gegen „die westliche Welt“ der Ungläubigen, um – sozusagen – eine „flankierende Maßnahme“ zu der ansonsten schon stattfindenden „Unterwanderung“ des Westens. Sarrazin lässt grüßen.

© 2015 by kbh/mls/mg
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Anmerkung:
In einigen Teilen sind zu Erläuterungen die Formulierungen aus Wikipedia direkt übernommen, jedoch nicht gekennzeichnet worden, um den Textfluss nicht zu stören.

05:23 15.11.2015
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Geschrieben von

reflex

Seit Jahrzehnten untot und losgelöst vom Glauben an Gutes in politischen Machenschaften.
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reflex

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