mein wahres Ich

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Einmal im Jahr, an einem besonders schönen Wochenende, packte mein Vater die Familie ins Auto und fuhr mit uns in die Südeifel, wo meine Großeltern herstammen. Höhepunkt des Ausfluges war stets der obligatorische Besuch auf der Burg Eltz.

Schon auf dem Parkplatz, bevor wir den Weg durch den Wald zur Burg einschlugen, verwandelte ich mich für die anderen unsichtbar in mein wahres Ich: ein vornehmes Burgfräulein aus dem 13. Jahrhundert. Sommerrock und T-Shirt verwandelten sich in ein kostbares Gewand mit langen, nach unten weit ausgestellten Ärmeln, die Sandalen in zierliche Pantöffelchen aus bestickter Seide und mein Pferdeschwanz in eine kunstvolle Frisur, auf der stilgerecht eine spitze Haube mit einem Schleier saß. Selbstverständlich schlu