Der imaginäre Sammler

ERINNERUNGSLANDSCHAFT Eine Ausstellung mit DDR-Kunst nach ästhetischen Gesetzen in Apolda
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Die Zensur ist die Mutter der Metapher, sagt der Schriftsteller Luis Borges. Matthias Flügge, Kunsthistoriker aus Berlin, der die Ausstellung "Jahresringe" im thüringischen Apolda gemacht hat, zitiert diesen Satz nicht zufällig im Katalog. Wussten doch viele Ausstellungsbesucher in der DDR aus Bildmetaphern zu lesen und Rückschlüsse zu ziehen. Die Doppelbödigkeit von Gemälden, Grafiken und Skulpturen ergab sich häufig aus der Doppelfunktion der Werke in einer Öffentlichkeit, in der verdeckt gesprochen wurde. Andeutung bot die Chance zur individuellen Ausdeutung und das Risiko eines damit verbundenen Missverständnisses. Das macht die Sache heutzutage umso schwieriger, wo die in der DDR entstandene bildende Kunst weitgehend aus ihren gesellsc