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RE: "Du bist so normal!“ | 23.07.2015 | 12:24

Ich habe das Interview mit Frau Lierhaus gelesen und kenne ihre Geschichte. Dabei hatte ich nie den Eindruck, dass sie ihre eigenen Erfahrungen verallgemeinert und impliziert, dass ein Leben mit einer Behinderung grundsätzlich nicht lebenswert ist.

Darum verstehe ich die teilweise harte Kritik an Frau Lierhaus nicht. Sie hat ehrlich und offen ihre Meinung zu ihren Erfahrungen geäussert. Das darf sie und soll sie auch tun dürfen. Mich beeindruckt ihre Ehrlichkeit auch wenn sie erschüttert und traurig macht. Warum darf sie sich nicht so äussern? Soll sie, weil sie eine öffentliche und bekannte Person ist, sich hinter einer Fassade verstecken und ihre Probleme weglächeln? Sie zeigt Stärke und steht zu ihrer Aussage. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland hat sie nach der Veröffentlichung des Interviews bestätigt, dass sie nur von sich selbst und ihren Erfahrungen geredet hat: "Ich kann die ganze Aufregung überhaupt nicht verstehen", sagt sie, "ich bin total überrascht von den vielen Reaktionen, vor allem von denen, die mich angreifen. Ich stehe zu dieser Aussage: Ich würde mir heute sehr stark überlegen, ob ich diese Operation noch einmal machen würde. Es geht um mein Leben, über das ich spreche - und niemand außer mir kann nachempfinden, was ich in den vergangenen sechs Jahren durchgemacht habe"

Ein Leben sowohl mit wie auch ohne Behinderung ist lebenswert, diese Frage stellt sich für mich nicht. Aber ein Leben mit Behinderung ist wegen der Einschränkungen manchmal verschissen. Ich schreibe aus Erfahrung. Seit Gebut bin ich stark hörbhindert und bin mittlerweile ertaubt. Seit etwas mehr als einem Jahr habe ich Cochlea Implantate. Damit mache ich meine ganz eigenen guten und schlechten Erfahrungen die sich nicht verallgemeinern lassen.