The Weinbeeren strike again

Literaturverfilmung Der Frühling lässt sein blaues Band flattern, den Weinbeeren flattern hingegen die Nerven bei so viel Starpower in der neuen Jane Eyre-Verfilmung

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Das arme kleine Waisen-Mädel Jane Eyre verlebt eine triste Kindheit bei seiner herzlosen Tante Mrs. Reed. Als es zwischen den beiden zum offenen Streit kommt, wird Jane nach Lowood School geschickt, einer karitativen Schuleinrichtung für Mädchen. Jane fügt sich –nach manchen Anlaufschwierigkeiten– in das rigide Schulsystem ein und wird nach einigen Jahren sogar selbst Lehrkraft im Internat.

Mit achtzehn Jahren nimmt sie schließlich eine Stellung als Hausgouvernante in Thornfield Hall an. Hier unterrichtet sie die kleine Adèle, die wohl eine uneheliche Tochter des Hausherren Edward Rochesters aus einer Liaison mit einer Pariser Maitresse ist, auch wenn Rochester dies bestreitet und die Umstände an dieser Stelle ungeklärt bleiben. Rochester selbst und Jane verlieben sich ineinander und nach einigem erzromantischen Geplänkel wird eine Hochzeit zwischen der Dienstmagd und dem hochgestellten Herren anvisiert. Am Tag der Eheschließung allerdings überschlagen sich die Ereignisse: Jane erfährt, dass Edward bereits verheiratet ist und seine tobsüchtig-verrückte Frau –Bertha Mason– seit Jahren in einer dunklen Dachkammer versteckt hält. (Mehrmals hatte das Gelächter der Wahnsinnigen die Flure von Thornfield Hall erzittern lassen, und einmal hatte sie sogar einen Mordanschlag auf Rochester unternommen – Dinge, die Jane nun erst einzuordnen weiß.)

Von dieser Entdeckung und der geplanten Bigamie ihres Geliebten in große seelische Qualen gestürzt, flieht Jane überhastet von Thornfield Hall aus in die Weiten der nordenglischen Heide- und Moorlandschaft. Nach tagelangem Umherirren erreicht sie schließlich das Haus der Geschwister Diana, Mary und St. John Rivers, die ihr Zuflucht gewähren. Diana und Mary verlassen ihrerseits bald das Haus, um Gouvernantenstellungen anzutreten, während der Kirchenmann St. John eine Stelle als Lehrerin für Jane auftut. Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass Jane die Cousine der Geschwister Rivers ist. Als sie sodann von einem verschollen geglaubten Onkel eine große Summe Geldes erbt, teilt sie dies großzügig mit ihren neugefundenen Familienmitgliedern. Obwohl sie immer noch eine Liebe zu Edward Rochester in ihrem Herzen spürt, ist sie kurz davor, in den Heiratsantrag von St. John einzustimmen. Dieser will als Missionar nach Indien gehen und ist auf der Suche nach einer geeigneten Gefährtin für diese Aufgabe. Rosamond, die Tochter eines reichen Fabrikanten aus der Gegend, hatte vor seinem strengen Auge nicht bestehen können, mit Jane hingegen beginnt er bereits Hindi zu lernen. Zuletzt reißt sich Jane doch los, weil es sie wieder zu Edward Rochester zieht.

In Thornfield Hall angekommen findet sie das Anwesen ruiniert und zerstört, sie erfährt von einem schrecklichen Brand, der vor einiger Zeit hier gewüstet hatte. Gelegt wurde das Feuer von der verrückten Bertha Mason, die bei der Gelegenheit gleich ihren Abschied von der Welt nahm. Edward Rochester, der versucht hatte, seine Frau zu retten, ist als erblindeter Krüppel –aber wieder ledig– aus den Flammen hervorgegangen und hat sich auf eine kleine Besitzung fernab der Gesellschaft zurückgezogen. Jane sucht ihn auf, gibt sich ihm zu erkennen, und die beiden heiraten. Als ihr Kind geboren wird, stellt sich das Augenlicht Rochesters –wenn auch schwach– wieder ein…

Die Weinbeeren haben das Buch gelesen und auch die neueste Verfilmung mit der göttlichen sehr talentierten, aber diesmal unvorteilhaft frisierten Mia Wasikowska und dem tumben herausragenden, umwerfenden Michael Fassbender in den Hauptrollen zur Kenntnis genommen. Was sie dazu zu sagen fanden, wird im Folgenden berichtet.

http://www.thezerosbeforetheone.com/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/New-on-DVD-Superbly-spare-Jane-Eyre-PRA8KOV-x-large.jpeg

Haaaaach...

Anchesa: Gut, fangen wir an: „Wir sind geboren, um zu kämpfen und zu leiden…“ Jane Eyres Worte!

doimlinque: Hmmm, na und? Am Ende kriegt sie doch die Jane-Austen-Heirats-Wende. Soll sich mal nicht so anstellen.

Diander: Gleich sticheln, was? Wir wollten doch Jane Eyre besprechen und nicht Elizabeth und Darcy. Also Jane. Ja, zu kämpfen hat sie wohl und sie kämpft mit Würde und Tapferkeit. Kein Weichei, eine richtig toughe.

doimlinque: Ich komme dann doch gleich noch mal auf den Schluss. Der hat mir nämlich nicht so gut gefallen, gerade weil sie sich eben freigekämpft hatte. Von mir aus hätte das Buch mit Ihrer Absage an St. John vorbei sein können.

Anchesa: Stimmt, sie hatte sich freigekämpft. Aber für mein Empfinden war sie nicht der Typ für ein freibestimmtes Leben. Irgendwie hat sie sich doch immer untergeordnet und das oft aus eigenem Entschluss. An mancher Stelle dachte ich nur nicht schon wieder Mädchen, wenn sie wieder mal das „Dienstmädchen“ rauskehrte.

Diander: Also erstmal zur Dir, doimlinque: Du unterstellst, dass materielle und berufliche Unabhängigkeit nicht zusammengeht mit einer Partnerschaft. Dass sie eine Erbschaft gemacht hat, eine eigenständige Stellung als Lehrerin, heißt doch nicht, dass sie auf persönliches Glück verzichten muss. Und dann zu Anchesas Gedanken: Dass sie kein freibestimmtes Leben führt, finde ich gar nicht. Gut, sie ist gefangen in materiellen Abhängigkeiten, bewahrt sich aber doch gerade innerhalb dieser einen ganz eigenen Kopf und eigene Vorstellungen. Das geht in der harten Kindheit schon los, wo sie sich vehement gegen Ungerechtigkeiten von Mrs. Reed oder in Lowood School wehrt. Und dieser eigene Kopf setzt sich dann später fort, gipfelt fast in der Abschiedsszene von Rochester, als sie ihm entgegenhält, es ginge um ihre Ehre und ihren Selbstrespekt, als sie ihn verlässt.

Anchesa: Ich meinte mit meiner Äußerung zum Beispiel die Situation, als Jane eine „Braut“ ist, sich aber mit all ihren Kräften dagegen wehrt, als solche aufzutreten. Sie verweigert sogar eine gemeinsame Mahlzeit mit ihrem Edward. Versteht ihr, was ich meine?

doimlinque: Also, ich bin da eher bei Di. Innerhalb des rigiden Klassensystems behauptet sie ihr eigenes Selbst. Die Sache mit dem Essen, tja, sie will ihn zappeln lassen (klassisch weibliche Gemeinheit…). Dann zu Partnerschaft/persönliches Glück: Ich weiß nicht, ich weiß nicht… Zum einen ist mir wohl der Herr Rochester nicht sympathisch genug, als dass ich da dem Ehegelübde entgegen hätte fiebern wollen. Das ist ein launischer, verwöhnter Grumpfling. Und dass sie am Ende gleichwertig nebeneinander stehen können, muss Brontë mit so einem Bauerntrick bewerkstelligen, indem sein altes Eheweib im gleichen Akt ausgelöscht und Rochester selbst hilfsbedürftig geworden ist. Der kann jetzt keine Befehle mehr geben, also kann Jane ihn ohne Probleme aushalten. Finde ich nur halbwegs überzeugend.

Anchesa: Und selbst da ordnet sie sich unter. Ist 24 Stunden am Tag für ihn da, geht jeden Schritt mit ihm. „Dienstmädchen“ halt.

Diander: Na toll, doimlinque, bloß weil Du den sardonischen Edward nicht leiden kannst. Dabei ist er doch gar nicht übel, will Jane von Anfang an, auch als sie nur seine Bedienstete ist, gleichwertig behandeln. Und Du machst hier den armen Mann so madig. Aber Du hast natürlich Recht, dass es schon eines Kunstkniffes bedurfte, um die beiden wenigstens materiell und hierarchisch auf eine Linie zu stellen. Geistig und seelisch waren sie das doch vorher schon, nur das liebe Geld fehlte.

doimlinque: Ach je, ich nehm ihn Dir nicht weg, Deinen Eddie, bitte sehr. Es ist nur so, dass ich ein bisschen enttäuscht bin, dass Jane überhaupt zu dem alten Zausel zurückgeht. Warum? Geistig und seelisch auf einer Linie? Ich hatte da immer so ein ganz klares Machtgefälle zu ihren Ungunsten vor Augen. Kurzum, mir geht das gegen den Strich.

Anchesa: Warum? Das sagt Jane doch selber in ihren Dialogen und in ihren Gedanken (die mich manchmal echt reizten). Sie dachte, „…Ein liebend Auge ist aller Zauber, dessen es hier bedarf, einem solchen sind sie schön genug.“ – Und das Alter, doimlinque, spielt das echt für dich eine Rolle?

doimlinque: Nö. Da könnte auch der junge Zausel stehen.

Diander: Neinnein, ich bleibe dabei, ich fand sie ebenbürtig. Schau Dir die seitenlangen Unterhaltungen, Wortgefechte an, da zieht sie keineswegs den Kürzeren. Er nennt sie ja auch wechselweise „starrköpfiges kleines Ding“, „elfish“ und sonstwie. Lammfromme Unterwürfigkeit, so sie selbst, hätte seinem Verstand und seinem Geschmack weit weniger zugesagt.

Und dann schau Dir die Besetzungen von Rochester in den Filmen an, kein einziger Zausel dabei, weder jung noch alt. Lauter Charakterköpfe wie Orson Welles, Michael Fassbender und viele mehr.

doimlinque: Ob das nicht eher was mit den Gepflogenheiten in Hollywood zu tun hat?

Anchesa: Da magst Du Recht haben. Es war auch verblüffend, wie sehr ich beim Lesen des Buches z.B. Toby Stephens vor Augen hatte.

doimlinque: Ob das nicht eher was mit den Gepflogenheiten in Deinem Kopf zu tun hat?

Anchesa: Püüühhhh.

Diander: Grmpff.

Diander: Übrigens, zu „elfish“. Der Begriff ist mir im englischen Original hängen geblieben, daher habe ich den vorher zitiert. Und gerade nochmal nachgesehen, wie das in der deutschen Ausgabe übersetzt wurde: Mit „geisterhaft“, nu ja. Der Zauber, der „elfish“ innewohnt, fehlt da ja wohl völlig. Meinetwegen „elfengleich“, aber doch nicht „geisterhaft“.

Anchesa: Jane ein Geist? Na gut, manchmal kam sie mir schon vor wie nicht von dieser Welt!

doimlinque: Jut, Knut. Nach diesem unglaublich informativen und wahnsinnig langweiligen Exkurs also weiter im Text. Wo waren wir stehengeblieben? Es ging ja irgendwie um das Verhältnis Jane-Edward, gell…? Also, mir geht das einfach ein wenig gegen den Strich, dass Jane –als doch relativ starke Persönlichkeit– sich dann am Ende wieder auf die Suche nach Rochester macht. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, das sei so eine Konzession der Autorin an die Konvention, dass Held und Heldin sich schlussendlich kriegen müssen.

Diander: Also nein, wenn es nur darum ginge, Jane passend unter die Haube zu kriegen, wäre St. John ja auch noch Gewehr bei Fuß gewesen. Nein, es musste Rochester sein, und zwar der Liebe wegen. Und das ist ja auch eine starke Aussage für die damalige Zeit. Eine kleine Konzession meinerseits allerdings: ich habe mich gefragt, was passiert wäre, wenn Bertha Mason am Schluss nicht praktischerweise vom Dach gefallen wäre. Das konnte Jane zu Beginn ihrer Rückkehr nicht wissen, wäre spannend zu sehen, wie sie dann reagiert hätte.

Anchesa: Also ich empfand Jane wirklich nicht als starke Persönlichkeit, eher sogar das Gegenteil. An manchen Stellen hat sie sich ja regelrecht selbst zerfleischt. Nicht zum Aushalten.

Und St. John war vielleicht intellektuell eine Alternative, aber eben auch nur geistig. Und gerade Jane ist das Gefühl sehr wichtig. Ich glaube, wenn Bertha sich nicht vom Dach gestürzt hätte, wäre Jane mittlerweile aber soweit gewesen, das sie auf Rochesters „Angebot“ eingegangen wäre, in ein fremdes Land (Frankreich war‘s wohl) zu gehen und dort mit ihm zu leben.

doimlinque: Brrrrr, Frankreich – grauenvoller Vorschlag. Im Ernst und zunächst: Da sprichst Du etwas an, Di, was das ganze Buch so ein bisschen durchzieht, nämlich die günstigen oder ungünstigen Zufälle. Jane warnt durch ihren Brief nach Madeira quasi eigens die Familie ihrer –tja, wie soll man sagen?– Nebenbuhlerin vor der bevorstehenden Heirat; dann flieht sie aufs Geratewohl irgendwohin und trifft ausgerechnet auf ihre Verwandten; dann stirbt die erste Ehefrau so unglaublich praktischerweise; Edward verletzt sich ganz arg und ist jetzt nicht mehr der hohe Herr sondern muss von Jane durchs Leben geführt werden – und ganz am Ende kann er dann plötzlich doch wieder sehen… Uiuiui, ich fand es in der Menge doch ein wenig zu viel des Guten.

Und Jane ist trotzdem eine starke Persönlichkeit, Anchi!

Diander: Jawollja, do! Ich sehe, die Abstimmung geht deutlich 2:1 für starke Persönlichkeit aus. Und zu den Zufällen, ein paar dei ex machina zuviel. Das Einzige, was damals noch einigermaßen ansatzweise hätte passieren können, war, in der Gegend um die Ecke ein paar unbekannte Verwandte zu treffen, aber alles andere ist schon ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Tut aber der Hauptgeschichte nix.

Und nochmal zur Stärke und zum Gefühl, Anchesa: Ganz ehrlich, Jane ist für meinen Eindruck eine der stärksten und rationalsten Frauen, die so in der Literatur rumschwirren. Die Stärke, einfach um ihres eigenen Wertgefühls willen ihren Mann zu verlassen, puuuh, harte Nummer. Viele andere wären einfach dahingeschmolzen. Und genau diese Rationalität finde ich an ihr sehr beeindruckend. Bist Du sicher, dass Du nicht aus Versehen „Wuthering Heights“ gelesen hast?

Anchesa: Zum einen finde ich gerade diesen Zufall, dass Jane ein paar Stunden übers Land geht und dann ausgerechnet im Hause ihres Cousins und ihrer Cousinen landet, doch sehr an den Haaren herbei gezogen.

Und zu Janes „Stärke“: Sätze wie „Es hat niemals eine größere Närrin als Jane Eyre auf diesem Erdenrund gelebt“ und „Deine Torheit widert mich an“ und „Arme, dumme Närrin!“ sind doch wohl eher Zeichen von Schwäche, Unsicherheit und Selbstzerfleischung als Stärke und Willen, oder?

doimlinque: Sehe ich wirklich anders. Man kann doch mit sich selbst hadern und hart ins Gericht gehen und trotzdem nach außen hin einigermaßen geradlinig durchs Leben marschieren. Für das 19. Jahrhundert, das nun wirklich nicht eben viele starke weibliche Charaktere in der Literatur kennt, finde ich Jane tatsächlich ziemlich emanzipiert. Gerade deswegen nervt mich der Schluss so.

Kurz und gut, wir hätten lieber „Wuthering Heights“ lesen sollen, das ist mir sowieso das liebste Brontë-Buch…

Anchesa: Ich halte es auch wirklich nicht für ein Zeichen von Stärke, eher von Dummheit, wenn Jane Edward nicht gestattet, ihr seine Liebe zu zeigen, mit ihr zärtlich umzugehen. Sie hält ihn auf Abstand, ja, stößt ihn regelrecht zurück. Sie hält ihn tagsüber fern, isst nicht mal mit ihm. Und irgendwie sieht sie sich ja auch nicht als Braut, was ich noch weniger verstehe, da sie ihn doch liebt.

doimlinque: Das lese ich ganz anders, eher so, dass Jane sich da einen kleinen Raum für sich selbst erhalten will. Denn das soziale Gefälle ist doch quasi unüberbrückbar, da schlägt sie sich ganz wacker. Aber gut…

Anchesa: Nein, ich lese das so, dass sie sich selbst und auch Edward nicht traut. Das Vertrauen fehlt.

Diander: Oje, wir werden uns nicht einig. Ich bin wieder doimlinques Meinung. Durch das nicht gemeinsame Essen bewahrt sie sich ihre Unabhängigkeit, und vor allem wahrt sie die Trennung zwischen dem Status als bezahlte Gouvernante und dem der Verlobten. Außerdem mutmaßt ja Rochester selber, sie hätte Angst, er würde wie ein Oger essen, quasi wie ein Grumpflinque. (Späßle!!) Aber vielleicht sollten wir, nachdem unüberbrückbare Nichteinigkeit besteht, das Thema wechseln…

doimlinque: Ja, machen wir einen auf Wechselbalg. Der Rochester, ne, ist ja wohl voll der krasse Typ, ey. Es stimmt, in den Filmen, die ich so kenne, wird er von großformatigen Mimen gemimt (kann man das so sagen?), aber bleiben wir mal beim Buch: Er hat also ein Kind mit einer dahergelaufenen Französin und weigert sich das anzuerkennen, dementsprechend herzlos behandelt er Adèle. Er wurde in irgendeiner Form übertölpelt und quasi zur Ehe gezwungen (wie stellt man das an?). Seine wahnsinnige Frau sperrt er in eine dunkle Kammer und verleugnet sie vor der Welt. Und dann macht er sich an das arme kleine Janelein ran. Ich finde den Typen irgendwie unsympathisch.

Anchesa: Ich nicht. Voll der krasse Typ? Muss nicht schlecht sein, oder? Und in solche Ehen wurden damals im 19. Jhd. wahrscheinlich so einige von der Familie gedrängt. Vielleicht mehr Frauen als Männer, aber ein Einzelfall war es sicher nicht. Und Adèle ist nicht von ihm. Rochester ist zum ersten Mal verliebt, bisher hat er sich ja in diesem Punkt auch nur „vergnügt“. Und nun sieht er die Welt mit anderen Augen und will auch nur ein kleines Stück vom Glück. Ich kann verstehen, dass er Bertha verheimlicht und Jane will.

Diander: Ha, da wechsel ich jetzt mal flugs die Seiten rüber zu Anchesa. Sei nicht so hart, doimlinque. Stell Dir mal vor, Du würdest mit 18 Jahren zwangsverheiratet und stellst kurz danach fest, dass Deine Gattin, ääähm, ein wenig neben der Spur ist. Da kann man schon mal im Laufe der Zeit ein wenig anderweitig sein Vergnügen suchen. Und genau genommen leidet er ja sehr darunter, da kann man schon mal notorisch missmutig werden.

doimlinque: Er leidet wie ein Hund, der Hund… Oh Mann, eine Weiß-blau-Gerautete und eine Ostpockin, die beide große Michael Fassbender-Fans sind – Dear Lord, where did I go wrong… Ich merke schon, es ist hoffnungslos, gegen Euch anzuargumentieren mit klarer, kühler Rationalität. Natürlich ist Adèle seine Tochter, er gibt das nur nicht zu, der Saftsack!

Diander: Männer sind Schweine, willst Du das damit sagen?

doimlinque: Schon, ja. Ich muss es schließlich wissen.

Anchesa: Ich geh mal nicht weiter DARAUF ein und hab ‘ne kleine Frage an doimlinque:

Du sagtest vorhin sinngemäß, dass das Ende dich sehr genervt hat. Wie würde ein Ende aussehen, das Du eher bevorzugen würdest?

doimlinque: Na, ich hatte es glaube ich vorher schon angedeutet: Ich hätte es wohl überzeugender gefunden, wenn Jane –nachdem sie auch St. John den Laufpass gegeben hat– ganz einfach alleine geblieben wäre. Nicht für immer vielleicht, aber doch fernab von Rochester (und jenem Missionarshelden).

Diander: St. John, übrigens, ja, das ist ja für mich die viel größere Pfeife, apropos „Männer sind Schweine“… Versteckt sich hinter seinem Glauben, Rücken gerade, Augen zu und durch. Also nee, der geht ja gar nicht. Wie sagt Jane an einer Stelle über ihn? Kalt wie ein Eisberg oder so ähnlich. Dann doch lieber ein leidenschaftlicher Rochester, wa?

Anchesa: 100 % Zustimmung! Der geht echt nicht. Mit welchem Recht entscheidet er, dass Rosamond, die er doch liebt, zur Missionarsgattin nicht geeignet ist und ihn deshalb auch nicht „verdient“ und ihm in Indien nichts nützt??? Nein, da nehm ich mir einfach eine, die ich zwar nicht liebe, die aber einfacher zu handeln ist und obendrein noch schön Geld mitbringt und fahre mit der nach Indien. Rosamond hatte eine Familie, die sicher hinter ihr gestanden und aufgepasst hätte, Janes Familie war ER und keiner konnte dementsprechend protestieren.

doimlinque: Wie schön, wir sind uns einig. Mit der Einschränkung, dass ich nicht einsehe, warum das Ablehnen von St. John die Jane gleich wieder in Rochesters Arme treiben muss. Ansonsten d’accord, es ist so ein ganz selbstsüchtiges Eifertum, das St. John da offenbart.

Diander: Einigkeit, holla! Darauf ein Prösterchen!

doimlinque: Cheerio, Miss Di!

Anchesa: Skål, Ihr Mitbeeren.

Alle leeren ihre Gläser auf Ex…

Doimlinque: Ganz was anderes: Le film! Ich fand den ja ein wenig mau, muss ich sagen. Sehr gute Schauspieler (minus Michael Fassbender), aber am Ende doch so ein Schmonzettenbrei, den kein Mensch braucht. Tut mir leid.

Anchesa: Einen Actionthriller gibt das Buch aber auch nicht her, doimlinque. Da ich ja vorher auch eine andere Version des Stoffes gesehen hatte –die Verfilmung mit Toby Stephens in der Rolle des Rochester– fand ich den Film aber auch ein wenig, nun, schlechter… Ich denke, jeder hat da so seine eigenen Vorlieben.

Diander: Öööh, mir hat er gefallen, sehr sogar. Ich kenne auch die etwas ältere BBC-Version, und auch die ganz alte mit Orson Welles. Ich fand diese hier erstens exzellent besetzt (vergesst mir Judi Dench als Mrs. Fairfax nicht) und zweitens auch ein wenig außergewöhnlich gemacht, sehr spooky. Jane Eyre als Buch ist ja auch als gothic story angelegt, und das wurde in der 2011er Version stärker betont, was nicht schlecht umgesetzt war. Und Fassbender, nuja, der passt zwar vielleicht optisch nicht 100 pro, aber als Type zu 200 %.

Anchesa: Also die BBC-Verfilmungen über die Zeiten find ich sowieso allesamt außergewöhnlich. Ich liebe sie!!!

Was fandest Du an dem Film so spooky? Meinst Du alles rund um Bertha?

Diander: Die Beleuchtung zum Beispiel, sehr düster. In Verbindung mit der nordenglischen Landschaft, der einsamen Wanderung durch Moor und Heide, der Gottverlassenheit, dem dunklen Haus, nur durch ein paar Kerzen erhellt… Und die Musik fand ich outstanding. Die Violine, die jeweils die Stimmungen von Jane einfängt und widerspiegelt, herzzerreißend. Selten etwas so Passendes und gleichzeitig Unaufdringliches, wenig Schmalziges gehört.

doimlinque: Lustig, die Musik fand ich nun gerade besonders schrecklich. Ordnen wir das unter Geschmacksdifferenz ein. Und nur, weil die Crew in den Extras auf der DVD betont, dass sie die unheimlichen Elemente stärker zum Vorschein bringen wollte, bin ich da trotzdem nicht übermäßig beeindruckt von. Ich bin mir insgesamt nicht sicher, ob diese Version dem Filmkanon wirklich etwas Neues hinzugefügt hat.

Diander: Du bist vielleicht nur abgestumpft gegen Grusel. Mein Filius hat sich den Film auch angeschaut, der fand ihn total spannend, was ja für ‘nen Teenager bei Brontë und Jane Eyre nicht zwingend so ist. Aber gut, Geschmäcker sind ja tatsächlich Geschmackssache. Darauf einen Toast!

doimlinque: Cheerio, Miss Di!

Anchesa: Skål, Ihr Mitbeeren.

Alle leeren erneut ihre Gläser auf Ex…

doimlinque: Halten wir also fest: Im Allgäu seid Ihr ein wenig hasenfüßig unterwegs. Gut zu wissen.

Anchesa: Und in Sachsen hören wir augenscheinlich andere Musiken. Ich kann mich beim besten Willen nicht an die Musik erinnern! Wenn ich an diese Zeit denke, denke ich auch an Musik, wie sie in den BBC-Verfilmungen der Jane-Austen-Bücher verwendet wurde.

doimlinque: Neeeeeeeeiiiiin!!! Weg, weg, weg. Bäh! Jane Austen, brrrrrrrrrrr…. Vade retro, Satana!

Anchesa: Grrrrrrrrrrr.

Diander: Wie hört Ihr denn in Sachsen „augenscheinlich“? Hört Ihr nicht mit den Ohren? Seltsames Völkchen.

Anchesa: Jaaa, sind wir ;-))

doimlinque: Sie hören „ohrenscheinlich“ die Puhdys und sonst nix...

Es wären noch viele Punkte offen gewesen –Janes Schulzeit, die religiöse Nummer, die Brontë-Sisters, Michael Fassbenders zweieinhalb Brusthaare– aber die 3 Weinbeeren entschieden sich an dieser Stelle, erst mal eine alkoholgeschwängerte Pause einzulegen.

Diander holte noch eine Flasche aus dem Keller, Anchesa war immer noch sprachlos und doimlinque nahm seine Gitarre zur Hand und brachte ein Puhdys-Medley – woraufhin Diander gleich nochmal in den Keller verschwand…

Anchesa, Diander und doimlinque

Zuletzt war es an dieser Stelle um Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens gegangen.

Michael Fassbender ist doof

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Geschrieben von

Diander

Jeder macht, was er will, keiner macht, was er soll, aber alle machen mit!

Diander