Position ohne Haltung

Pegida Wenn alle einen missverstehen, weiß man vielleicht einfach nicht, was man sagt. Eine Polemik
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Position ohne Haltung
Läuft nicht so mit der seriösen Argumentation. Ein Pegida-Demonstrant am 8. Dezember in Dresden

Foto: Jens Schlueter/AFP/Getty Images

Die PEGIDA werden missverstanden! Ich, Ihr, wir alle unterstellen ihnen Böses. Sogar mein Chef! Er, seine Kollegen und viele andere Menschen die mit Wissenschaft in Dresden zu tun haben, sehen durch das Auftreten von PEGIDA den Wissenschaftsstandort Dresden in Gefahr. Irgendwie entsteht durch die Demonstrationen der Eindruck, fremd anmutende Menschen seien in Dresden nicht willkommen. Dabei meinen die PEDIGA das gar nicht so!

Wissenschaft lebt vom Austausch von Ideen. Diese Ideen sind in Menschen eingepackt und viele dieser Menschen sind nicht deutsch sondern ‚anders‘. Diese Ideen mit Mensch drumrum sollen weiter nach Dresden kommen um sich auszutauschen, von Mensch zu Mensch.

Weil alle die PEGIDA missverstehen, haben Wissenschaftler Angst, dass bald keiner mehr kommt und uns die Ideen ausgehen. Die PEGIDA haben zwar auch Ideen aber die sind weder gut, noch sind die PEGIDA bereit, sich darüber auszutauschen. Sie vertreten ihre Position, weil sie nicht mit Gutmenschen diskutieren. Die PEGIDA wollen, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen. Von der Systempresse wird ihnen aber unterstellt und in die Welt hinausposaunt, dass dieser Frieden durch eine mit Brutalität durchgesetzte kulturelle Homogenität erreicht werden soll. Das ist natürlich ein Missverständnis. Gegen ein wenig Folklore aus dem Morgenland hat nämlich niemand etwas einzuwenden. Auch nicht gegen angepasste Menschen, denen man nicht ansieht, dass sie anders sind (WEIL sie nicht anders sind). Es ist doch alles ganz anders, liebe Gutmenschen und Systemmarionetten.

Darum gibt es jetzt auch ein Positionspapier. Und darin kann man lesen, dass wir alle die PEGIDA missverstehen. Denn die guten Ausländer, die mit den tollen Ideen innen drin, die wollen die PEGIDA haben, weil sei gut für die Wirtschaft, den Standort Deutschland, sind. Und den PEGIDA nehmen die auch keinen Job weg, denn die Ideen der PEGIDA laufen sozusagen außer Konkurrenz. Die guten Ausländer sollen kommen, die schlechten Ausländer, radikale Muslime, Wirtschaftsflüchtlinge und kriminelle Asylanten, die will man hier nicht haben. Die machen nur Ärger, kosten Geld und demontieren das hübsche Abendland. Die echten Flüchtlinge, die dürfen selbstverständlich auch kommen, das ist Menschenpflicht. Die mögen nur nicht in der eigenen Nachbarschaft dezentral untergebracht werden, aber kommen dürfen sie.

Es muss sich auch niemand Sorgen machen, dass man da den Einen mit dem Anderen verwechselt, also den guten mit dem schlechten Ausländer. Wenn die PEGIDA etwas wissen, dann, wie man einen Moslem erkennt und einzuordnen hat. Denn mit Moslems kennen die patriotischen Europäer sich aus. Man hat ja auch Ausländer als Freunde.

Moslems müssen zum Beispiel einmal im Leben übers Reisen mekkan, und dürfen Schweinefleisch nur nach Sonnenuntergang essen. In der Moschee dürfen sie keinen Alkohol trinken, wenn ein Lebewesen auf der Flasche abgebildet ist. Den radikalen Moslem erkennt man am zotteligen Bart, der verschleierten Frau, die er mit Steinen bewirft, sobald sie nicht drei Meter hinter ihm geht und dem Rucksack mit selbst gebauter Bombe. So einfach ist das, warum machen das denn immer alle so kompliziert?

Die PEGIDA machen sich außerdem total Sorgen um die Flüchtlinge. Die sind sogar für dezentrale Unterbringung, weil in so großen Heimen mit Vollversorgung, das geht gar nicht, die sind nämlich auch traumatisiert! Denkt denn niemand an die Menschen? Wichtig ist den PEGIDA auch eine null Toleranz-Politik: wer falsch parkt wird abgeschoben. Wer sich mit überfordertem Wachpersonal anlegt, fliegt.

Denn eines muss klar sein: Wer traumatisiert ist, wird nicht kriminell und wer kriminell wird, ist nicht traumatisiert. Opfer mögen sich bitte auch wie Opfer verhalten. Wir bitten allen Flüchtlinge inständig, die PEGIDA nicht mit der Komplexität ihrer Existenz zu überfordern. Und ein bisschen Dankbarkeit wäre schön.

Wenn Flüchtlingsheime brennen, hat das nichts mit den PEGIDA zu tun. Wenn Faschos, sich von 10000 Wutbürgern ideologisch bestärkt fühlend, das erste mal die Fäuste sprechen lassen, auch nicht. „So haben wir das nicht gemeint!“ wird es dann von Herrn Bachmann heißen. „Die haben uns missverstanden.“ Das scheint irgendwie vielen so zu gehen. Vielleicht wird es Zeit, sich zu fragen, warum.

Ältere Texte über PEGIDA:

Dresdens besorgte Bürger

Beschimpfte Hüter des Abendlandes

15:43 14.12.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

diaphanoskopie

"...im Gegenlicht der Wirklichkeit." - Ich hab' mal jeden Scheiß geglaubt. - @diaphanoskopie
diaphanoskopie

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