Aus dem Häuschen

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Die Autorin jayne schreibt hier auf freitag.de.



Gestern konnte man bei Jogi Löw wieder einmal gut beobachten, was es heißt, ganz aus dem Häuschen, hier dem Trainer-Unterstand am Spielfeldrand zu sein. Und das läuft genauso ab wie bei den kleinen Wetterhäuschen, die es zu kaufen gibt, wo je nach Großwetterlage mal die eine, mal die andere Figur vor die Türe tritt. Diesmal war es halt der Löw, während sich der australische Trainer lieber im Schatten aufhielt, trotz der ansehnlichen, in den Nationalfarben gehaltenen Krawatte.

Auch die Presse scheint momentan aus dem Häuschen, bekam das beim Spiele-gucken so en passant mit - war eben die Kanzlerin vom Leitwolf Spiegel & Konsorten noch heißgeliebt, so macht der neue Spiegel jedenfalls diese Woche mit dem Titel "Aufhören!" auf und meint damit die schwarzgelbe Koalition mit Merkel und Westerwelle an der Spitze. Naja, das ist ja ganz schön, und es könnte in den nächsten Tagen noch schöner kommen ...

Aber zurück zum Spielfeld. Welchen Fußballspieler man denn am liebsten verkörpern würde, lautete vor Kurzem eine Umfrage im Wochenblatt - Ich bin überaus glücklich, keinen dieser Gladiatoren verkörpern zu müssen, die von einer Meute aus dem Häuschen geratener Taktiker pausenlos vom Spielfeldrand aus bekläfft werden. Von Leuten, die natürlich alles besser wissen, weil sie die Übersicht zu haben meinen, und deren Grimassen mehr über sie selbst verraten als über den Spielverlauf. Die Trainer scheinen allesamt Choleriker, man sollte sie vom Spiel ausschließen oder auf einer mit Plexiglas abgeschirmten Empore plazieren.

Damals, als die Spiele in verrauchten Stuben vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher verfolgt wurden, bei schräg einfallendem Sonnenlicht, das den Rauch noch undurchdringlicher erscheinen ließ, führten die Trainer medial ein Schattendasein, man kannte ihre Namen und sonst nichts. Heuer scheint sich die Regie eher um deren Befindlichkeiten zu kümmern als um den Spielverlauf, bei jedem Winkelzug blinken sie auf, die Blankgesichter von der Trainerbank, und dann sieht man sie aufspringen und gleich Kettenhunden am Rand hin und her laufen, sich die Haare raufen, denn drauf dürfen sie ja nicht, noch nicht ... Sie gleichen Tragöden, denen die Spielerlaubnis entzogen worden ist.

Man sollte vielleicht einmal die Trainer und Schiedsrichter gegeneinander antreten lassen, die Regie übernähme ich ...

10:47 14.06.2010
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Geschrieben von

Die Ahnungslosen

Blogger mit wenig bis gar keinem Fußball-Wissen schreiben über ihre EM-Erlebnisse
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