die stadtneurotikerin

neurotisch, neugierig, naturbelassen
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RE: Gegen die Dunkelheit anschreiben | 13.01.2010 | 11:45

Danke für den sensiblen Beitrag zu diesem spannenden Thema. Als ich gestern den Artikel von Margaret Drabble im Freitag gefunden habe, wollte ich ihr spontan beipflichten. Frauen sind heute bestimmt nicht unglücklicher als zu Austens Zeiten. Vielleicht sind sie länger unglücklich, weil sie länger leben. Wenn man glaubt, man hätte die Depression doch schon in seinen Vierzigern, den Sechzigern erledigt, dann steht sie noch einmal vor der Tür, wenn man 85 ist.

Als von dieser Krankheit immer mal wieder gebeutelte Frau stelle ich vor allem fest, wie schwierig es für die betroffene Frauen ist,und es sind meiner Erfahrung nach mehrheitlich die Frauen, die Selbsthilfegruppen und andere Einrichtungen aufsuchen, selbst im engsten Freundeskreis oder mit einem Partner über die Krankheit zu sprechen. Da ein depressiver Mensch durchaus gut aussehen kann, die Krankheit hat man nicht im Gesicht, ist es für die Umwelt oft schwer, den Grad der Verzweiflung zu erkennen. Wenn da ein paar Künstler so etwas wie Öffentlichkeitsarbeit betreiben, in dem sie sich öffentlich mit ihrer Krankheit auseinandersetzen, finde ich das erstmal hilfreich.

Und heute denke ich übrigens, dass Frauen vielleicht doch unglücklicher sind als früher. Weil sie vernetzt sind. Weil sie sich vielleicht eher vergleichen können und auf dem Prüfstand stehen. Warum habe ich keinen jüngeren Liebhaber? Warum Falten? Warum bin ich nicht so erfolgreich? Warum ist meine Partnerschaft im A....., wenn ich mir mit dem Mann Tatort ansehe?