Die Zaunkönigin

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RE: Den Statusverlust abwehren | 01.12.2015 | 15:50

Ich stimme dir da voll zu. Die politischen Voraussetzungen für Gleichberechtigung sehe ich größtenteils als sehr gelungen an, es hapert meiner Ansicht nach hauptsächlich an der Akzeptanz der sich auflösenden Rollenmuster.

Das traditionell männliche Profil (voll arbeiten) wird als erstrebenswert angesehen und das traditionell weibliche (Haushalt und Erziehung) als notwendiges Übel. Es wird immer noch als normal angesehen, die traditionellen Rollen zu besetzen. Der Rollenwechsel ist bloß die Kür. Die Frau arbeitet voll? Das ist ja emanzipiert, super! Wie, der Mann opfert seine Karriere und kümmert sich um die Kinder? Wie nett von ihm!
Als junge Frau merke ich immer wieder, wie die (älteren) Frauen in meinem Umfeld sich verantwortlich für Haus und Kind fühlen, selbst wenn sie haupt- oder mit-verdienen. Oft wird der Anteil am Haushalt z.B. nicht proportional zum Anteil an der Arbeitszeit verteilt, sondern die Frau erledigt ganz selbstverständlich den Löwenanteil.
Ich bemerke an mir selbst, wie stark ich die traditionelle Vorstellung von weiblicher Verantwortung verinnerlicht habe. Wenn mein Partner und ich über unsere Zukunft sprechen fällt es mir schwer, die Hauptverantwortung für unsere hypothetischen Kinder an ihn abzugeben. Ich fühle mich einfach hauptverantwortlich und das ärgert mich. Denn rein rational haben wir beide keine Ahnung von Kindererziehung und putzen.