"Die Bürgermeisterin von Lampedusa"

Kurzdrama von D. Wagner Der bei Pforzheim lebende Autor hat einen kraftvollen, lyrischen Text geschrieben, der die Fragen der Bürgermeisterin zu einem assoziativen inneren Monolog verdichtet ..
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Wenn jemand aus einem brennenden Haus

Fliehen muss, flieht er einfach

Und wenn es in unserem Fall

Über das Meer. Ich hoffe,

Das so viele Menschen ertrunken,

Das Grauen sich in Hoffnung verwandelt.

Dies sage ich Bürgermeisterin Lampedusas.

Jetzt geschieht genau das,

Was geschehen musste.

Und ich melde, es wird noch mehr Tote geben.

Ich bin die Bürgermeisterin von Lampedusa,

wurde gewählt im Mai 2012,

und bis zum 3. November 2012 wurden mir bereits

21 Menschenleichen übergeben,

Ertrunkene, weil sie versuchten

Lampedusa, meine Insel,

Die bald nur noch ein Mittelmeerleichenberg ist,

zu erreichen.

Für unsere Insel alles ein großer Schmerz,

Dennoch der Schmerz ist nicht sichtbar,

er ist verpuppt

in ein Stadium von Schweigen.

Bald bricht das Schweigen auf.

Ich frage mich, verwandelt es sich

zum Reden?

https://youtu.be/GS5ECwBcNIY

Ausschnitt aus "Die Bürgermeisterin von Lampedusa", 50 Seiten mit Grafiken von Carlfriedrich Claus, Softcover, J.S.Klotz Verlagshaus, ISBN 978-3-946-23119-6

10:00 12.10.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Dietrich Wagner

Schriftsteller und Psychotherapeut, in Eisenhüttenstadt geboren, Begründer des Lore Perls Haus in Pforzheim, psychologische Praxis in Neuenbürg
Dietrich Wagner

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