dilu

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: All That Jazz | 28.06.2011 | 21:36

"Seltsam riecht daran nun wirklich nichts." - Danke. Endlich sagts mal jemand :) Im Ernst: Es gibt genug sehr gute und nicht-komisch riechende Nachwuchsmusiker, auch solche, die nicht in den (warum so verteufelten) Mainstream abwandern. Der "Jazz" hat sein Portfolio ausgebaut - er bildet, sie Wesseltoft/Schwarz heutzutage Schnittmengen zwischen Stilen und Spielarten ab, die es vorher so noch nicht gab - bzw. die vorher nicht wahrgenommen wurden. Das liegt für die einen an mangelnden Plattformen für die anderen an den Barrieren in den Köpfen und dem immer noch nachgesagten "komischen" Geruch. Ja, es braucht mehr Plattformen in allen Größen und allen Ausprägungen, aber auch Ja, man kann es niemandem verübeln, der versucht über Bitches Brew einen Einstieg "in den Jazz" zu bekommen, dass er da ersteinmal vorsichtig optimistisch abgeschreckt wird.
Wie bei vielen Diskussionen liegt die Wahrheit auch hier irgendwo in der Mitte und letztendlich in den Köpfen derer, die die Musik machen und derer, die die Musik hören.
Dass "Jazz" funktioniert spiegelt sich nicht nur in sich selbst treu bleibenden Labels wie ECM, sondern auch in der Zuschauerzusammensetzung beim Elbjazz Festival - Auftritt Klaus Doldinger's Passport - einem echten Klassiker -nur graue Haare und beige Partnerjacken? Deutliche Fehlanzeige.
Ja, ich bin schwer parteiisch und ja, ich glaube nach wie vor, dass "Jazz" auch immer "Jazz" aus sich selbst heraus bleiben kann und wird. Und zudem finde ich es keinesfalls indiskutabel, den Einstieg ins Métier über zugänglichere Dinge zu finden.
Wie jede wirklich gemochte Musik muss man auch dem "Sich-beschäftigen-mit-Jazz" zeit geben und sich durchhören, durchwühlen, manchmal durchleiden und manchmal durchtragen lassen. Aber mit Sicherheit wird jeder einem anderen Genre eher zugetaner Fan auch in den Schnittstellenbereichen des "Jazz" Künstler, Projekte und Songs finden, die er mehr als hörbar findet. Und darüber weitergehen.
Den alten Größen Tribut zu zollen ist wichtig und unumgänglich, sich mit Ihnen zu beschäftigen - natürlich! Sie sind der Anfang und Ausgangspunkt für Vieles, Viele und Vielmehr. Allerdings ist der ständige Rückbezug weder gesund und nützlich für den Hörer noch für Musiker, die sich längst ihre eigene Schnittmenge aus "Jazz", den Klassikern, Ihrer eigenen musikalischen Vergangenheit und Ihrer Vision von Musik gebildet und sich in ihr etabliert haben.

Man könnte sich an dieser Stelle überschlagen in Festivals, Organisationen, Labels, Künstlern und Setups, die täglich daran arbeiten, die Schnittmengen des "Jazz" abzubilden und einfach nur geile Musik zu machen.

Und wenn der Musikexpress, der Rolling Stone und sämtliche anderen Musikmagazine mal gute Jazztipps für Ihre Druckausgabe brauchen - ich glaube da wäre Bedarf. Aber auch ein immenses Angebot.

Einstieg für alle die es interessiert:
Kauft Euch die Jazzthing oder schaut bei jazzthing.de vorbei. Die Plattenkritiken sind absolut zugänglich, verständlich und hier geht es nicht nur um den komisch riechenden Frickel Jazz, sondern immer auch um den Blick über den Tellerrand. Richtung Elektronik, Richtung HipHop, Richtung World... Und: Wie wär's einfach mal mit einem Livekonzert oder einer Session statt Sportschau :)?

Keine Angst. Jazz beisst nicht. Er will nur spielen.