Dietrich Klose

Vielfältig interessiert am aktuellen Geschehen, zur Zeit besonders: Ukraine, Russland, Jemen, Rolle der USA, Neoliberalismus, Ausbeutung der 3. Welt
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Dietrich Klose
RE: Meryl Streeps Rede gegen Donald Trump | 18.01.2017 | 12:47

Was meinen Sie den jetzt mit "Mogelpackung?", wo ich mich "voll hinter Trump" stelle? Obamacare? Ist wohl eine. Der Deal mit Assad-Putin: War wohl keine, hat immerhin zur Vernichtung des größten Teils der syr. Chemiewaffen geführt.

Ob Obama in den USA, in Kenia, auf Samoa oder sonstwo geboren ist? Wäre so was von sch... egal. Ob er schwarz, braun, rot oder grünhäutig ist? Wäre so was von sch... egal. Ob er Christ, Atheist, Moslem, Hindu ist? Wäre so was von sch... egal.

Ob er Kriege führt und das eigene Land weiter den Konzernen überlässt? Hoppla, das ist nicht egal.

Was wollen Sie mir mit "ist ja nur ein "Schwarzer", vielleicht auch ein "Moslem"" denn unterstellen? Was wollen Sie mit "aber wenigstens hat er ja blonde Haare" ausdrücken?

Trump lügt? Kann gut sein, würde ich sogar annehmen, habe ich aber im Detail nicht verfolgt. Woher haben Sie diese Information? Aus der Presse? Die lügt ja bekanntlich nie (kleiner Scherz).

Mir fällt auf, dass der Umgang mit Obama völlig ohne Bezug auf das Erbe der Bush-Jahre erfolgt.

Man kann nach acht Jahren nicht mehr sehr viel auf den Vorgänger schieben. Obama hat das Meiste einfach so weiterlaufen lassen, wie er es von Bush übernommen hat. Er hat viel schwadroniert und wenig geändert.

"Zwänge nach dem 11. September 2001": welche? Es war doch kein Zwang, damit als Vorwand in noch mehr Ländern Krieg zu führen oder anzuzetteln als Bush. Und die Saudis dürfen als beste Verbündete in der Region immer noch weltweit ihren Salafismus verbreiten.

RE: Meryl Streeps Rede gegen Donald Trump | 18.01.2017 | 11:52

Hui, der zweite zitierte Absatz passt ja 1:1 für Frau Streep

RE: Meryl Streeps Rede gegen Donald Trump | 18.01.2017 | 10:56

Es war doch auffällig zu sehen, dass für einige Diskutant(inn)en hier offenbar ganz selbstverständlich ein Artikel, in dem Donald Trump vorkommt, nur ein Artikel über Donald Trump sein kann. Und dafür kann es dann– die Imprägnierung durch unsere Medien sei Dank – wiederum nur eine mögliche Vorlage gibt: Bashing auf Teufel komm raus. Und das haben sie in diesem Artikel vermisst.

Stattdessen: Bashing einer Trump-Kritikerin, verbunden mit einer Entlastung für Trump (in einem konkreten Fall): Wie furchtbar! Es hieß, dass solche Kritik wie meine an Meryl Streep für die Zukunft Kritik an Trump erschweren und der Lächerlichkeit preisgeben würde. Nun, so wichtig sind Artikel in der Freitag Community sicher nicht. Eher lächerlich war die von Streep vorgebrachte Kritik an Trump, und sie traf offensichtlich nicht einmal zu. Aber das hatten wir ja schon.

Streep wurde auch nicht von mir kritisiert, weil sie Trump kritisiert hat (als würde ich ihn für sakrosankt halten), damit verbunden war ja dann gleich die Unterstellung, wer Trump-Kritiker kritisiert, muss also ein Trumpanhänger sein.

In derartigen Aussagen kommt ein klassisches Lagerdenken zum Ausdruck: „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“: „Wir“, die „Guten“ (zu denen natürlich alle ohne nachzudenken gehören wollen), die sich hier um Streep, Obama, Clinton und ihr politisches Umfeld scharen. So machen uns es die Medien ja auch täglich vor, jetzt auch wieder mit der Tränendrüsen-Hofberichterstattung von Obamas Abschied aus dem Weißen Haus. Auf der anderen Seite die „Bösen“: Trump und Entourage. Zwei ganz gegensätzliche Lager eben, und die Gretchenfrage: Zu welchem gehörst Du denn?

Zu keinem. Der herbeigeredete Kontrast zwischen beiden „Lagern“ ist künstlich aufgebauscht. Im Grunde sind beide nur ein Lager – sie verkörpern die Elite der Elite. 1 % gegen 99 % – und 1 % wäre noch sicher zu viel, eher 0,2 %, 0,1 % für jeden Teil dieser „Elite“.

Das neoliberale Gesellschaftsmodell blieb unter Obama genauso wie zuvor alleinbestimmend: Das Land raste weiter in den neoliberalen Sumpf einer weiter verrottenden Infrastruktur, zu der längst auch Gesundheits- und Bildungssystem gehören. „Obervolta mit Raketen“ hatte Helmut Schmidt einmal über die Sowjetunion gesagt, auf Obamas USA trifft es längst zu. Das Land ist von sozialer Spaltung und einer Vielzahl von sozialen Gegensätzen zerrissen, schlimmer al je zuvor. Auch unter Obama liefen die Geschäfte für die großen Konzerne bestens. Die großen auf den Weg gebrachten Freihandelsabkommen hätten die Macht der Konzerne endgültig festgezurrt. Nie machten die Rüstungskonzerne mehr Umsatz. Mehr Kriege wurden angezettelt, damit der Bedarf weiter erhöht. Die Geheimdienste florierten, die Überwachung wurde ausgebaut. Trotz Finanzkrise wurde die Finanzwirtschaft so gut wie nicht angetastet.

Was hätte eine Finanz- und Konzernelite sich Besseres wünschen können als einen Propagandapräsidenten Obama von der anderen Elitefraktion, der ständig von Demokratie und Menschenrechten faselt und dessen Anhang mit Peanuts wie „Political Correctness“ und Identitätspolitik befriedigt wird, während sie gleichzeitig ungehindert die Welt zu ihrem eigenen Besten umgestalten und ausplündern können, Kriege inklusive?

Der Unterschied zwischen diesen beiden „Lagern“ ist doch nicht größer als der zwischen zwei Räubern, die ihr Opfer niedergeschlagen haben, und, während der noch am Boden vor ihnen liegt, sich nun um die Aufteilung der Beute streiten. Dem Opfer wird es ziemlich egal sein, wenn der eine mit der Begründung, er sei ja homophil und durchgegendert, für sich den besseren Part beansprucht.

„Obama hat uns bombardiert und dabei Krokodiltränen vergießen, Trump wird uns bombardieren und dabei keine Tränen vergießen“, hat vor ein paar Wochen jemand aus dem Jemen getwittert. Das trifft den Nagel auf den Kopf: Für die draußen stehenden Opfer unter amerikanischen Bomben gibt es herzlich wenig Unterschied zwischen den beiden 0,1 %-Elitenhälften, keinen Unterschied zwischen Obama, Clinton samt Kulturanhang auf der einen und Trump und Co. auf der anderen Seite. Da halte ich doch den Standpunkt der Opfer für den angemessensten.

Machen wir uns da doch nichts vor: Im Vergleich zu Obama, Clinton und Co. war Trump bisher nur Pillepalle. Mehrere hunderttausend Leichen im Keller (um mal sehr vorsichtig, „konservativ“ zu schätzen) haben die bisherigen Machthaber Trump immerhin bis jetzt voraus. Sicher nicht, weil Trump ein besserer Mensch wäre, sondern wohl einfach aus bisherigem Mangel an Gelegenheit zum Kriegführen. Das wird sich wohl leider ändern, wenn Trump Präsident wird. Da sollte man sich keinen großen Illusionen hingeben (wie es nicht wenige im Jemen lange Zeit getan haben).

Dann wird es reichlich Grund geben, Trump zu kritisieren. Vielleicht auch von Meryl Streep. Sei’s drum, das wäre ja wirklich etwas, wo Kritik sein muss – und eben auch zu Obamas, nicht erst zu Trumps Zeiten. Ich würde dann freilich gerne wissen, warum Obamas Kriege, Bomben und Tote offenbar ganz ok waren, Trumps aber nicht. Aber warten wir’s ab.

Noch etwas zu der „linksliberalen“ Elite, die ich bewusst immer in Gänsefüßchen geschrieben habe. Ja, die liberale Geisteselite sind leider immer die ersten, die ein autokratisches Regime bekämpft und vertreibt. Das ist jetzt gerade in der Türkei zu besichtigen. Nur, bei uns im Westen hat sich doch ein großer Teil dieser Gruppierung längst mit der Macht verbandelt. Diese Leute mögen sich immer noch für „links“, „liberal“ oder „linksliberal“ halten, aber das sind sie doch schon längst nicht mehr. Wer zu den eigenen Kriegen schweigt, kann doch keine dieser Eigenschaften mehr für sich beanspruchen. Da war eine Jane Fonda doch noch aus anderem Holz geschnitzt.

Dass diese Geisteselite versagt hat, schrieb John Pilger gestern auf Consortium News. „It’s Not About Trump, But Us“, so die Überschrift, und zitiert sei das hier:

On the day President Trump is inaugurated, thousands of writers in the United States will express their indignation. “In order for us to heal and move forward …,” say Writers Resist, “we wish to bypass direct political discourse, in favour of an inspired focus on the future, and how we, as writers, can be a unifying force for the protection of democracy.”

And: “We urge local organizers and speakers to avoid using the names of politicians or adopting ‘anti’ language as the focus for their Writers Resist event. It’s important to ensure that nonprofit organizations, which are prohibited from political campaigning, will feel confident participating in and sponsoring these events.”

Thus, real protest is to be avoided, for it is not tax exempt. Compare such drivel with the declarations of the Congress of American Writers, held at Carnegie Hall, New York, in 1935, and again two years later. They were electric events, with writers discussing how they could confront ominous events in Abyssinia, China and Spain. Telegrams from Thomas Mann, C Day Lewis, Upton Sinclair and Albert Einstein were read out, reflecting the fear that great power was now rampant and that it had become impossible to discuss art and literature without politics or, indeed, direct political action.

“A writer,” the journalist Martha Gellhorn told the second congress, “must be a man of action now . . . A man who has given a year of his life to steel strikes, or to the unemployed, or to the problems of racial prejudice, has not lost or wasted time. He is a man who has known where he belonged. If you should survive such action, what you have to say about it afterwards is the truth, is necessary and real, and it will last.”

Her words echo across the unction and violence of the Obama era and the silence of those who colluded with his deceptions. That the menace of rapacious power — rampant long before the rise of Trump — has been accepted by writers, many of them privileged and celebrated, and by those who guard the gates of literary criticism, and culture, including popular culture, is uncontroversial. Not for them the impossibility of writing and promoting literature bereft of politics. Not for them the responsibility to speak out, regardless of who occupies the White House.

Today, false symbolism is all. “Identity” is all. In 2016, Hillary Clinton stigmatized millions of voters as “a basket of deplorables, racist, sexist, homophobic, xenophobic, Islamaphobic — you name it.” Her abuse was handed out at an LGBT rally as part of her cynical campaign to win over minorities by abusing a white, mostly working-class, majority. Divide and rule, this is called; or identity politics in which race and gender conceal class, and allow the waging of class war. Trump understood this.

“When the truth is replaced by silence,” said the Soviet dissident poet Yevtushenko, “the silence is a lie.”

Und das ist in acht Obamajahren aus unserer Welt geworden, wie die (selbsternannte?) Weltelite selbst konstatieren muss:

Davos-Bericht: „Das kapitalistische Wirtschaftsmodell funktioniert nicht mehr“
Die Demokratie steckt in einer „tiefen Krise“, warnt eine Studie. Technologische Umbrüche verschärfen die Ungleichheiten weiter, darum müsse man sich auf „inklusives“ Wachstum konzentrieren. EurActiv Brüssel berichtet.
Auch in diesem Jahr wird die Stimmung gedrückt sein, wenn sich nächste Woche, vom 17. bis 20. Januar, mindestens 50 Staats- und Regierungschefs sowie hunderte von führenden Wirtschaftsvertretern in Davos treffen. Immer mehr deutet darauf hin, dass der weltweite Fortschritt vom Kurs abgekommen ist. In den USA und der EU stellt man die Globalisierung mehr denn je in Frage. Viele bekommen nichts mit vom Wirtschaftswachstum, während sich die Schere zwischen armen und reichen Ländern immer weiter öffnet.
Die Demokratie befinde sich in einer „tiefen Krise, ausgelöst von den Folgen schneller wirtschaftlicher und technologischer Veränderungen, von der tiefen sozialen und kulturellen Polarisierung und dem Erstarken post-faktischer politischer Debatten“, betont das Forum in seinem Global Risk Report 2017. „Die allgegenwärtige Korruption, kurzfristiges Denken und die ungleiche Verteilung der Wachstumserträge legen nahe, dass das kapitalistische Wirtschaftsmodell für die Menschen nicht mehr funktioniert“, meint Klaus Schwab, Gründer und Leiter der Organisation.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Bericht, den Marktkapitalismus zu reformieren, damit die Früchte der Globalisierung besser verteilt werden können. Denn der Großteil der Bürger ist nicht länger bereit, das aktuelle Modell zu unterstützen.

Und wie fast täglich, kamen auch gestern abend neue Bilder aus dem Jemen herein, diesmal die völlig verkohlten Leichen von einem US-unterstützten saudischen Luftangriff von gestern auf einen Markt. Obama sei Dank.

RE: Meryl Streeps Rede gegen Donald Trump | 16.01.2017 | 20:08

Ja, wenn wir den Splitter im Auge des anderen kritisieren und den Balken im eigenen Auge nicht sehen wollen

RE: Trump und Clinton: der amerikanische Alptraum | 09.11.2016 | 11:14

Das mag sein. Aber wir können Trump und der amerikanischen Wahlentscheidung keine Schuld am Aufstieg der europäischen Rechtspopulisten geben. Den hat eine Fehlentwicklung bei uns in Europa selbst zu verantworten, die ja ganz der entspricht, wie ich sie hier geschildert habe. Wer Sanders wegpustet, wird Trump bekommen. Das gilt auch bei uns, man muss nur die Namen austauschen.

RE: Jemenkrieg-Mosaik 220 - Yemen War Mosaic 220 | 31.10.2016 | 07:34

Eine interessante Frage - die ich aber auch nicht beantworten kann. Ich würde so etwas den Saudis durchaus zutrauen - wenn es nicht gerade Mekka wäre.

RE: Datenbank-Crash | 25.10.2016 | 10:43

Meinen Yemen Press Reader 217 habe ich jetzt wieder eingestellt. Danke an das Team für die Bemühung, die Daten wieder herzustellen. Nur mit den Bildern (Twitter) klappt es nicht mehr. Statt dass man die Tweets mit den Bildern sieht, kommt nur "Eingebetteter Medieninhalt." Was ist denn da los?

RE: Vergessene Krise: Im Jemen verhungern Kinder | 29.09.2016 | 21:46

Danke für das Lob - das geht aber in diesem fall nicht an mich, sondern an Save the Children, deren Pressemeldung ich hier nur wiedergegeben habe.

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Gruß Dietrich Klose

RE: Jemen: Saudischer Luftangriff, Dutzende Tote | 28.09.2016 | 21:22

Da bin ich leider pessimistisch... In den Regierungen wird es die nicht geben - würde man das tatsächlich durchziehen wollen, müsste man auch Druck auf die USA ausüben und sich im Notfall auch eingestehen, dass man mit einem land, das weltweit solche Kriege anstiftet oder unterstützt, nicht mehr in einem Militärbündnis bleiben sollte.

Es gibt schon ein paar Politiker, die weniger macchiavellistisch denken und für die Mord an Zivilisten auf jeden Fall schrecklich ist. Es ist aber zweifelhaft, dass solche Leute wirklich auf Positionen kommen, auf denen sie etwas zu sagen haben.

Ein Beispiel, Lichtblick in den USA, der Republikaner (!!) Rand Paul - aber wir haben ja Trump gegen Clinton.

Und bei uns?? Forget it.