Dietrich Klose
18.09.2016 | 10:35 11

Der Jemenkrieg: Immer noch "vergessen"?

Jemen In USA und Großbritannien wird wegen der eigenen Verwicklung jetzt mehr über Jemen berichtet. Deutsche Medien schweigen weiter und üben sich in transatlantischem Gehorsam

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Dietrich Klose

Eingebetteter Medieninhalt

Er und ein anderer Junge überlebten als einzige einen saudischen Luftangriff auf das Auto, in dem seine Familie unterwegs war, 11 Menschen starben. Ein Bild, das in westlichen Mainstreammedien kaum zu sehen sein wird, weil es sich nicht zur Propaganda gegen einen Intimfeind des Westens eignet

Jetzt sind es schon 200 „Yemen Press Reader“ mit Zusammenstellungen von Berichten und Nachrichten aus dem medial vernachlässigten Krieg im Jemen, und da ist wieder einmal Zeit für einen zusammenfassenden Rückblick. Mein letzter zusammenfassenden Rückblick auf den Jemenkrieg datiert vom 1. Juni 2016: „Medien und Propaganda: „Vergessener“ Jemen“: https://www.freitag.de/autoren/dklose/medien-und-propaganda-vergessener-jemen). Was hat sich seitdemin den Medien getan?

Das ist im Grund nicht allzu viel. An dem angeblich „vergessenen Krieg“ im Jemen hatte ich mich damals gestoßen: Wer hat eigentlich diesen Krieg „vergessen“? Am 14. September macht die Webseite von ABC News auf mit: „Photos of Malnourished Children Show Horrors of Yemen's Forgotten War”, “Fotos von unterernährten Kindern zeigen die Schrecken von Jemens vergessenem Krieg”. Nun, zu den zerbombten und verstümmelten Kindern kommen jetzt noch die unterernährten hinzu, als eine Folge des Krieges, der saudischen Seeblockade, des Zusammenbruchs der Infrastruktur und von Teilen der medizinischen Versorgung, ebenfalls zu großem Teil den Luftangriffen der saudischen Koalition zu „verdanken“.

Seien wir doch so ehrlich: Dieser Krieg ist eigentlich nicht „vergessen“; die Menschen im Jemen haben ihn sicherlich nicht „vergessen“, ebensowenig wie das saudisch-emiratische Kanonenfutter. Auch der Durchschnittsbürger im Westen hat ihn nicht „vergessen“, denn um ihn zu „vergessen“, hätte er den Jemenkrieg vorher ja schon einmal in seinem Kopf haben müssen. Nein, es sind diejenigen, deren Aufgabe es eigentlich wäre, uns umfassend zu informieren, was in der Welt vor sich geht, die uns diesen Krieg haben „vergessen“ lassen (wenn man dieses Wort beibehalten will), und das – davon kann man ausgehen – durchaus in voller Absicht.

Ich hatte am 1. Juni geschrieben, dass unsere Medien vor allem dort versagen, wo die Essentials der Eliteninteressen betroffen sind, und das sind im Bereich der Außen- und Weltpolitik die Interessen der US-amerikanischen Außen-, Interventions- und Militärpolitik. Das gilt für die Medien in den USA, aber nicht weniger auch für die Medien der mit den USA verbündeten „westlichen“ Länder, deren Eliten ganz auf die USA ausgerichtet sind. Ja, deutsche Medien machen manchmal im Durchschnitt sogar den Eindruck, also wären sie gegenüber der US-Außenpolitik noch höriger als sogar die Medien der USA selbst.

Immerhin scheint das Thema Jemenkrieg in letzter Zeit in den US-amerikanischen und britischen Medien stärker in den Fokus gerückt sein, vor allem in Verbindung mit den Auseinandersetzungen über die Frage, ob weitere Waffenlieferungen an die Saudis ausgesetzt werden sollen oder nicht. Zur Beurteilung dieser Frage ist natürlich das, was im Jemen geschieht, entscheidend, denn ebendort kommen diese Waffen ja tatsächlich auch zum Einsatz.

Es bleibt abzuwarten, ob und wie sehr das Thema Jemen dann in den Medien präsent bleibt, wenn diese Auseinandersetzungen einmal so oder so beendet sind. Immerhin ist auch in der anglophonen Mediendiskussion auffällig, dass die grundsätzlich wichtige Frage nie gestellt wird, inwieweit der saudische Luftkrieg gegen Jemen überhaupt eine rechtliche Grundlage hat oder grundsätzlich ein Kriegsverbrechen darstellt. Diese Frage ist m. E. im Übrigen uneingeschränkt mit „Ja“ zu beantworten, denn der Regierung des „Präsidenten“ Hadi fehlt sei über 18 Monaten jede legitime Grundlage, und damit fehlt eine solche Grundlage auch jedem Hilfsersuchen dieses Nicht-mehr-Präsidenten an irgendeine auswärtige Macht wie die Saudis.

Damit ist der saudische Luftkrieg gegen den Jemen (und ebenso der Einmarsch saudischer und emiratischer Truppen) ein Angriffskrieg. Das bedeutet, der Krieg als solcher stellt ein Kriegsverbrechen dar, der Angriff auf irgendwelche militärischen Ziele ist dabei ebenso ein Kriegsverbrechen wie der Angriff auf zivile Ziele. Wenn sie denn einmal berichten, kritisieren viele Medien die Saudis durchaus für die vielen Angriffe auf zivile Ziele, ebenso argumentieren NGOs wie Human Rights Watch und Amnesty International. Diese verbreitete Argumentation erklärt damit Angriffe auf militärische Ziele zumindest indirekt für legal – und genau das trifft für den Jemenkrieg nicht zu (hierüber vielleicht einmal in einem anderen Artikel).

Während nun die amerikanischen und britischen Medien in letzter Zeit doch mehr aus dem Jemenkrieg berichten, schlafen die deutschen Medien bei diesem Thema weiter den Schlaf der Ungerechten. Am letzten Samstag, am 10. September, griffen saudische Kampfjets eine Stelle an, wo mit einem Brunnenbohrgerät ein Brunnen gebohrt wurde. Das ist nun nicht gerade ein militärisches Ziel, und Trinkwasser ist gerade im trockenen Jemen essentiell. Ein Angriff auf ein Brunnenbohrgerät hat natürlich „Sinn“, wenn man ein Land und seine Bevölkerung aushungern und verdursten lassen will. Bis Sonntag Abend hieß es dann, 18 Menschen seien dabei ums Leben gekommen, wobei die Saudis dort wieder einmal die Doppelschlag-Taktik angewandt hatten: nach dem ersten Angriff wurde, als weitere Menschen zur Rettung der Getroffenen an diesen Ort gekommen waren, noch einmal genau dort zugeschlagen, um die Helfenden ebenfalls umzubringen. Weitere Tote hatte es an diesem Tag auch noch an anderen Orten gegeben.

Die Süddeutsche Käsepostille vom Montag: Nicht einmal eine dürre Meldung dazu. Am Montag Abend erklärte dann die UNO – und damit waren wohl jede Zweifel ausgeschlossen – die Zahl der Toten bei diesem Luftangriff habe sich auf 30 erhöht. Offenbar waren viele noch ihren Verletzungen erlegen, oder man hatte noch weitere Leichen gefunden. Vielleicht konnte man sich ja dann wenigstens in der Süddeutschen Dienstagsnummer in Sachen Jemen von der „Bäckerblume“ positiv abheben. Pusteblume, da war wieder gar nichts. Also dann doch lieber gleich die „Bäckerblume“, die gibt es wenigstens umsonst. Und die 2,60 Euro Einzelpreis stecken wir dann in frische Brötchen / Wecken / Semmeln.

Und die „Zeit“ vom Donnerstag zwei Tage später, gibt es hier mal irgendetwas zum Thema Jemen, vielleicht auch im Hinblick auf die Diskussionen bei den Briten und in den USA? Schließlich ist es doch andauernd auffällig, wie oft bei uns aus den USA berichtet wird, als wäre es bei uns um die Ecke und Los Angeles von uns nicht viel weniger entfernt ist als Kuala Lumpur (ab München: 9606 zu 9756 km). Und auch von uns nach Washington ist noch ein Stück weiter als bis nach Katmandu (6816 zu 6586 km ab München). Aber nein, da gibt es in der „Zeit“ gar nichts.

Und hier muss eben grundsätzlich gesagt werden, dass ein derartiges Weglassen des Jemenkriegs in der Medienberichterstattung weder Zufall ist, noch damit etwas zu tun hat, dass das Land für Korrespondenten extrem gefährlich ist: das ist Nebelkerzenwerferei, unsere Medien verzichten aus Kostengründen generell immer mehr auf eigene Auslandskorrespondenten, man begnügt sich mit Nachrichten aus zweiter Hand oder tut so, als würde man von vor Ort berichten: Vom Balkon des Luxushotels in Kairo geht es dann um den Krieg in Syrien. Auch dass man die Aufmerksamkeit des Publikums nicht überstrapazieren dürfe, wäre ein schwachsinniges Argument. Als Leser wählt man ja immer aus, was man liest, was einen interessiert, und mehr, als die Aufmerksamkeit zulässt, geht bei keinem. Statt Weltgeschehen konnte man dann in der Süddeutschen Bunten Illustrierten vom Dienstag auf der Seite 8 eine ganze Spalte unter der Rubrik „Schönheiten“ lesen und sehen. Sagen wir es freundlich: Verzichtbar.

Unsere Medien – genauer gesagt: die sog. Mainstreammedien – sind eng eingebunden in ein enges Netzwerk der engen sog. „transatlantischen“ Beziehungen nach Amerika und verbreiten ein den Interessen der US-Eliten und ihrer Politik entsprechendes Narrativ, man könnte auch sagen, sie machen Propaganda. Da wird Russland hemmungslos verteufelt und konfrontiert, teilweise offen zu militärischer Konfrontation gehetzt, gleichzeitig auch die übelsten Neonazis in der Ukraine noch als „Aktivisten“ oder ähnliches geweißelt. Fahrt aufgenommen hat diese Art der Propaganda („Berichterstattung“ verbietet sich) mit den Ereignissen auf dem Maidan in Kiew.

Umgekehrt wird alles, was die Aktionen der USA und ihrer Verbündeten betrifft, in der Berichterstattung weichgespült. Die Methoden der Propaganda sind sehr geschickt und täglich zu beobachten und durch hunderte von Einzelfällen dokumentiert. Was zu unappetitlich ist, lässt man dann gerne einfach weg – wie eben den Krieg im Jemen: Die USA stecken in diesem Krieg bis zur Halskrause mit drin, er liegt immer noch im Interesse der Amerikaner.

Über die Interessen der USA am Jemenkrieg ist viel gerätselt worden, es dürfte schlichtweg um Folgendes gehen:

1) Der Krieg sichert der US-Rüstungsindustrie Milliardenaufträge. Die Saudis sollen die US-Waffen ja nicht nur kaufen, sondern auch tatsächlich aufbrauchen, um möglichst schnell neue zu ordern. Unter dem Friedennobelpreisträger Obama wurden in 7 ½ Jahren Waffen für 115 Milliarden Dollar an die Saudis verkauft, ein einsamer Rekord.

2) Interessen der USA im Jemen sind im Grunde nur die Freiheit der Durchfahrt durch die Meerenge des Bab al-Mandab, den Zugang zum Suezkanal, und die Terrorbekämpfung. Beides wäre auch mit einer von den Huthis dominierten Regierung problemlos möglich. Die freie Durchfahrt ließe sich wohl jede Regierung durch Entwicklungshilfegelder abkaufen, und die Huthis sind die schärfsten Feinde von Al Qaida im Jemen (und umgekehrt). Wenn die USA nun die Saudis bei dem Kampf gegen die Huthis unterstützen, dann nur deshalb, weil ihnen die Saudis als Ölproduzenten, Finanziers und als regionales Gegengewicht gegen Iran wichtige Verbündete sind und sie die Saudis bei Laune halten wollen, indem sie ihnen Jemen als Spielwiese für ihr militärisches Abenteuer überlassen. Der Atomdeal mit dem Iran erhöhte noch die Notwendigkeit, den Saudis im Jemen (der mit seinen Menschen die USA wie gesagt einen feuchten Kehricht interessiert) entgegenzukommen.

Und so vertreten die USA – und in ihrem Schlepptau alle ihre Verbündeten bzw. Vasallen im sog. „Westen“ auch – mehr oder weniger unreflektiert – die politischen Grundbehauptungen, mit denen das saudische Eingreifen im Jemen gerechtfertigt wird: Hadi ist der rechtmäßige Präsident des Jemen; er hatte als solcher das Recht dazu, die Saudis um Hilfe zu rufen, damit ist das saudische Eingreifen rechtmäßig; die Huthis sind „Rebellen“ (wie lange sollen sie das denn noch sein, jetzt regieren sie zwei Jahre), ihre Machtergreifung ist „illegal“, ein „Coup“.

Der Einfluss der USA und Großbritanniens im UN-Sicherheitsrat haben diese pro-saudische Linie auch zur Politik der UNO werden lassen – mit desaströsen Folgen für den Jemen. Denn die Sicherheitsratsresolution 2216 vom April 2015 ist so völlig einseitig, dass sie auf der einen Seite die Saudis völlig ungehindert gewähren lässt und auf der anderen die Huthis und ihre Verbündeten völlig isoliert und von ihnen die völlige Selbstaufgabe, sprich Kapitulation, verlangt.

Diese Resolution, die noch heute die Politik der UNO wie des gesamten Westens gegenüber dem Jemenkonflikt bestimmt, hat sich als das größte denkbare Hindernis für eine friedliche Einigung erwiesen. Diese Resolution gibt der einen Seite den Vorwand, auf der Kapitulation der Gegenseite zu beharren und damit jeden Kompromiss abzulehnen, die andere Seite stellt sie vor die Alternative Weiterkämpfen oder Kapitulation und damit Untergang und zwingt sie somit dazu, letztendlich das Weiterkämpfen zu wählen.

Saudi-Arabien ist, wenn man die Verbrechen dieses Landes im Jemenkrieg, die geistige Intoleranz und Unfreiheit im eigenen Land, das mittelalterliche Strafsystem mit Köpfen, Auspeitschen etc., die weltweite Verbreitung eines intoleranten und militanten Pseudo-Islam, die Förderung des Terrorismus, die Verwandlung eines Landes in die Beute eines in Saus und Braus lebenden Herrscherclans, betrachtet, sicher einer der unappetitlichsten Verbündeten, die überhaupt vorstellbar sind. Das hat freilich weder die USA noch ihren westlichen Anhang daran gehindert, sich mit den Saudis engstens zu liieren. Der „Westen“ sah sich ja auch in anderen Fällen keineswegs davon abgeschreckt, sich mit den widerlichsten Regimen zu verbünden oder diese sogar überhaupt erst an die Macht zu bringen, sei es im Nahen Osten, in Asien, in Afrika oder in Lateinamerika. Was allein zählte, waren die eigenen Interessen – wirtschaftlich, politisch und strategisch.

Vor dem Jemenkrieg hatte ich mich mit dem Krieg in der Ukraine beschäftigt. Der Anlass, von der Ukraine nun nach dem Jemen zu schauen, war die verblüffende Feststellung, dass der „Westen“ im Jemen genau um 180 Grad umgedreht wie in der Ukraine argumentierte. Was in dem einen Land dazu diente und alles gut und rechtens war und was man selbst aktiv betrieb, um einen Präsidenten aus dem Amt zu jagen und eigene Parteigänger an die Macht zu bringen, war in dem anderen Land alles ganz furchtbar und unrecht und musste bekämpft werden, um den verjagten Präsidenten im Amt zu halten. Für legitim erklärte man hier das eine, dort das genaue Gegenteil, wie es gerade den eigenen Interessen passte (https://www.freitag.de/autoren/dklose/ukraine-und-jemen-doppelmoral-vom-feinsten). Und in beiden Fällen war das auch noch mit einem klaren Bruch der Verfassung des betreffenden Landes verbunden – und mit dem Ausbruch eines Bürgerkrieges, bei dem alle Seiten Kriegsverbrechen begingen, sich die eigenen Verbündeten des Westens jedoch als die bei weitem größten Menschenschlächter erwiesen.

Eine ungeschminkte Berichterstattung über diese politischen Pirouetten des Westens und über die Schlächtereien in der Ukraine sowie im Jemen hätte gar keine andere Möglichkeit gehabt, als die Politik der USA sehr deutlich zu kritisieren. Und genau eine solche grundsätzliche Kritik ist in unseren „Mainstream“-Medien unerwünscht. Typische Vermeidungsstrategien sind dann 1) Verschweigen und einfach nicht zu berichten; 2) nur dürftige oder häppchenweise Berichterstattung über Einzelereignisse, die es aber unmöglich machen, sich ein zusammenhängendes Bild der Ereignisse und der Hintergründe zu machen; 3) man berichtet, wobei bestimmte Maßstäbe als selbstverständlich über die Ereignisse und Akteure gelegt werden (das geht schon über die Sprache)und diese in vorgegebene Schablonen gepresst werden, so dass sie der Bewertung anheimfallen, die dem Leser eingetrichtert werden soll. Die „vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen“ sind ein schönes Beispiel, außer „Huthi“ stimmt in diesem Fall gar nichts daran. 4) direkte Propaganda.

Den sich völlig widersprechenden Umgang unserer Medien und Politik mit den Ereignissen in der Ukraine und im Jemen hatte ich ja schon vor nun fast 18 Monaten verglichen. Nehmen wir nun noch einmal beide Länder und übertragen die weitere Entwicklung des Jemen in Gedanken auf die Ukraine.

Jemen. Der von der saudischen Propaganda ins Spiel gebrachte Iran spielt auch im westlichen Jemendiskurs eine wichtige Rolle. Man sieht eine Einmischung des Iran im Jemen kritisch und gesteht den Saudis das Recht zu, zum Schutz der eigenen Sicherheit im Jemen einzugreifen – auch militärisch. Man muss sich hierzu nur einmal Kerry oder britische Politiker anhören (Hierbei unter den Teppich gekehrt wird, dass die Übergriffe der Huthis auf saudisches Gebiet, die man als Bedrohung der saudischen Sicherheit sehen kann, erst lange NACH dem Beginn des saudischen Luftkriegs gegen den Huthi-Jemen begonnen haben! Also: Man erklärt es also zu einem LEGITIMEN Recht einer größeren Macht (Saudi-Arabien), in seinem direkten schwächeren Nachbarland (Jemen) militärisch einzugreifen, um den Einfluss einer räumlich weiter entfernten konkurrierenden Macht (Iran) einzudämmen.

Diese Konstellation ist also im Fall Saudi-Arabien – Jemen – Iran für den Westen völlig in Ordnung – selbst wenn dabei das halbe Land in Schutt und Asche gebombt und eine riesige humanitäre Krise ausgelöst wird. Man möge halt bitte nicht mit Absicht zivile Ziele angreifen; Angriffe auf militärische Ziele sind damit erlaubt und „Kollateralschäden“ sind bei so etwas nicht vermeidbar. Wenn die Saudis, deren Argumentationsniveau und Glaubwürdigkeit der eines Sechsjährigen neben Omas leerer Keksdose gleichen, allem Augenschein zum Trotz erklären, sie würden nur militärische Ziele angreifen, dann ist alles in Ordnung. Man will eben einfach nichts sehen.

Ukraine, fiktives Szenario, ab Ende Februar 2014. Nach dem erfolgreichen „Maidan“ flieht Präsident Janukowitsch nach Russland (das hat er ja tatsächlich getan). Janukowitsch erklärt, er sei rechtmäßiger und demokratisch gewählter Präsident (was den Tatsachen entsprochen hätte, anders als bei Jemens Hadi, dessen Amtszeit 4 Wochen vor seiner Flucht zu den Saudis effektiv abgelaufen war), und er richtet ein Hilfegesuch an Russland, ihn gegen die Aufständischen zu unterstützen. Russland fliegt Bombenangriffe gegen Kiew und gegen immer mehr Städte und Ortschaften, die nicht im Bereich der von Anti-Maidan-Kräften gehaltenen Gebiete liegen. Lwiw wird vollständig zu Trümmern gebombt. Nach US- bzw. westlicher Interpretation, vom Jemen auf die Ukraine übertragen: Alles rechtmäßig und nicht zu beanstanden!

Es wird im Lauf der Zeit immer klarer, dass Präsident Putin diesen Bombenkrieg nicht Janukowitsch zu Gefallen führt. Tatsächlich geht es ihm um russische Sicherheitsinteressen. Russland (größere Macht) greift in der Ukraine (schwächerer Nachbarstaat) militärisch ein, um dort den Einfluss einer größeren weiter entfernten konkurrierenden Macht zurückzudrängen, die den „Maidan“ und seine Protagonisten massiv gefördert und mit ihnen nun großen Einfluss in dem Land hat (nein, diesmal nicht der Iran, sondern die USA). Nach US- bzw. westlicher Interpretation, vom Jemen auf die Ukraine übertragen: Alles rechtmäßig und nicht zu beanstanden!

Vergegenwärtigen Sie sich noch einmal die westliche Politik gegenüber Russland und die Medienberichterstattung über Russland nach dem Umsturz in der Ukraine Anfang 2014 – bis heute. Was meinen Sie, wenn Russland in der Ukraine genau das gemacht hätte, was der Westen bei Saudi-Arabien im Jemen nicht nur billigt, sondern auch noch massivst unterstützt? Wäre das für den Westen ebenso in Ordnung gewesen???? Welcher Bohei wurde und wird denn um die „Annexion“ der Krim gemacht, im Vergleich zu den saudischen Bombardements im Jemen eine Petitesse, und ganz anders auch noch ohne jedes Blutvergießen abgelaufen? (Was jetzt keine Rechtfertigung für die Krim-Annexion bedeuten soll, nur eine Relativierung).

Nun hat sich Russland in der Realität wesentlich friedlicher verhalten als in der obigen Fiktion und eben wesentlich friedlicher als Saudi-Arabien im Jemen, und wird trotzdem vom Westen als Wiedergänger von Teufel und Beelzebub medial, politisch und militärisch angefeindet. Wie westliche Politik und westliche Medien im Vergleich dazu mit dem Jemenkrieg umgehen, ist ein – aber keineswegs das einzige – Beispiel für eine ekelhafte Doppelmoral. Eine Doppelmoral, die tötet, denn würde der „Westen“ nicht an der Fiktion festhalten, das Eingreifen der Saudis sei rechtmäßig und die einzigen Interessen, an denen die Weltpolitik auszurichten ist, seien ohnehin die eigenen (was man zwar nicht offen sagt, aber wonach man sich richtet), wäre es mit dem Morden im Jemen wahrscheinlich bald vorbei.

Wie sehr wirkliche Kritik an der amerikanischen Außenpolitik in unseren Medien zum Tabu erklärt wird, sieht man an dem häufigen Gebrauch des Wortes „Antiamerikanismus“. Es ist eines der Schlagworte, mit denen Kritiker belegt werden, mit denen man sich nicht inhaltlich auseinandersetzen will, sondern die durch Etikettierungen außerhalb des Diskussionsrahmens gestellt werden sollen. Andere Schlagwörter dieser Kategorie sind Antisemitismus,Verschwörungstheoretiker, Populist, und es gibt noch ein paar mehr. Aber bleiben wir beim „Antiamerikanismus“. Der Begriff bedeutet dem Wortlaut nach: eine amerikafeindliche Haltung.

Es wird aber tatsächlich fast immer nur denjenigen umgehängt, die die Außenpolitik der USA mit ihren massiven Einflussnahmen, „regime changes“, militärischen Eingriffen, Anstiftung von Stellvertreterkriegen und Unterstützung unappetitlicher Regime kritisieren. Es kann auch solche treffen, die an der Innen- und Wirtschaftspolitik der USA Kritik üben, etwa daran, dass die sozialen Gegensätze in diesem Land immer krassere Formen annehmen. Das Wort „Antiamerikanismus“ unterstellt dabei dem Kritiker, er würde das Land USA mit seiner Bevölkerung grundsätzlich ablehnen, sei damit also so etwas wie ein Nationalist oder Chauvinist mit nationalen Vorurteilen gegenüber einer anderen Nation.

Aber genau das trifft ja nicht zu. Ja, es ist hier grundsätzlich festzustellen, dass die heftigsten Kritiker einer imperialistischen US-Außenpolitik und einer unsozialen US-Wirtschaftspolitik gerade Amerikaner selbst sind. Was für einen Sinn hätte das denn, ihnen „Antiamerikanismus“ vorzuwerfen? Noam Chomsky, Robert Parry, Glen Greenwald, Michael Moore, alles „Antiamerikanisten“? Der Begriff in seiner gängigen Anwendung erweist sich als Hohlformel, als persönliche Verunglimpfung ohne Substanz.

Ist es nicht auch merkwürdig, dass bei uns so gerne mit diesem Begriff operiert wird, dass aber analoge Begriffe für einen entsprechenden Sachverhalt völlig unbekannt sind? Was wäre es denn mit einem „Antiitalianismus“? Warum hat man die Schmierfinken der reich illustrierten Tageszeitung für ihre „Berichterstattung“ (besser: Hetze) über Griechenland nicht des „Antihellenismus“ geziehen? Und dann ist einem womöglich längst aufgefallen, dass über Russland seit einigen Jahren grundsätzlich nur negativ berichtet wurde – was, anders als bei der „antiamerikanistischen“ Kritik an den USA, immer mehr auch die als dumm, verführt, unmündig geschilderte Bevölkerung einschließt. Da kann nichts absurd genug sein und da sind plötzlich auch die absurdesten Verschwörungstheorien nicht nur nicht verpönt, sondern werden vom Medienmainstream selbst in Umlauf gebracht. Warum ist es noch niemandem eingefallen, dafür den Begriff des „Antirussismus“ einzuführen und gegen einen solchen „Antirussismus“ ähnlich zu Felde zu ziehen wie gegen „Antiamerikanismus“?

Ein Grund ist natürlich die enge Verflechtung bzw. Verfilzung der Medien- und politischen Eliten mit den USA, der dazu führt, dass gleiche Sachverhalte eben nicht gleich gesehen und geschildert werden. Beim Blick auf die USA kommt aber noch etwas anderes hinzu. Offensichtlich haben nicht nur die Amerikaner selbst, sondern längst auch ein großer Teil der ausländischen USA-Fans der Politik- und Medienelite eine Haltung zutiefst verinnerlicht, die man in deren Fall mit dem Stockholm-Syndrom vergleichen könnte: „Unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert“ (Wikipedia).

Auch deutsche Politiker und Medienleute haben längst die Idee verinnerlicht, dass Amerika ein ganz besonderes Land sei, die Idee vom „American exceptionalism“. Demnach ist Amerika besser als alle anderen Länder, es ist dazu da, alle anderen, die ganze Welt zu retten, es ist von sich aus gut, und zwar immer und grundsätzlich, damit sind auch alle Handlungen der USA im Ausland letztlich richtig und gut. Und somit sind natürlich auch alle Verbündeten der USA gut und alle Gegner der USA schlecht, und was die USA dürfen, das darf irgendein anderes Land noch lange nicht.

Nun ist es grundsätzlich abzulehnen, dass irgendein Land besser wäre als ein anderes, einfach so, dadurch dass es existiert und das von sich behauptet. „Gottes auserwähltes Volk“, „Gods own country“, so etwas gibt es einfach nicht. So etwas wären ein Nationalismus und ein Chauvinismus, die man tatsächlich anprangern kann und sollte. Von Amerikanern vertreten ist es einfach nur dumm, anmaßend und gefährlich, von Nicht-Amerikanern übernommen ist es noch dümmer, Selbstaufgabe und Arschkriecherei.

Nun ist es natürlich nicht so, dass es in unseren Mainstreammedien keine Kritik an den USA und ihrer Politik geben würde. Es ist jedoch auffällig, dass diese Kritik offenbar ein bestimmtes Maß nicht überschreitet, sowohl was Quantität wie auch was Qualität betrifft. Es ist rein quantitativ zu wenig, und im Grundsatz wird nicht eine nur an den eigenen (Elite-)Interessen ausgerichtete Macht- und Interventionspolitik kritisiert, sondern es geht nur um Einzelheiten, die das grundsätzlich positive und zustimmende Gesamtbild nicht stören. Die Kritik wird unter der Schwelle gehalten, bei der sie tatsächlich die öffentliche Meinung so stark beeinflussen würde, dass sie auch die Politik zu einer Änderung des bisherigen Kurses zwingt.

Für die Beendigung des Vietnamkriegs spielte damals in den 1960er/1970er Jahren die Medienberichterstattung eine entscheidende Rolle. Sie ließ die öffentliche Meinung in den USA wie auch bei den westlichen Verbündeten immer mehr kippen, so dass den USA die Weiterführung des Krieges immer weiter erschwert wurde. Damit haben die Medien damals zur schnelleren Beendigung des Krieges beigetragen und vielen Menschen (darunter auch vielen Amerikanern) das Leben gerettet, die nun nicht mehr Kriegsopfer wurden. Danach haben die verantwortlichen in Politik und Medien dafür gesorgt, dass so etwas nie wieder passieren kann („So etwas“: nicht der Krieg, sondern dass kritische Berichterstattung zum Beenden eines Krieges zwingt).

Umgekehrt trägt also fehlende, mangelhafte, oder die Hintergründe ausblendende Berichterstattung über Kriege dazu bei, dass diese Kriege weiterlaufen können, sprich, dass mehr Menschen sterben müssen. Der Jemenkrieg ist ein Musterbeispiel dafür. Unsere Medien entsprechen also damit nicht unbedingt jemandem, der einem anderen einen Dolch in den Bauch rammt, aber sie sind demjenigen gleichzusetzen, der etwa auf einsamer Landstraße bewusst an einem verunglückten und verblutenden Motorradfahrer vorbeigeht. Das ist der moralische Wert unserer „Mainstream“-medien in Sachen Jemenkrieg.

(Die Kategorie der im übertragenen Sinne „Bauchschlitzer“ gibt es unter deutschen Journalisten auch. Das sind diejenigen, die, während unsere Verbündeten in einem Bürgerkrieg in großem Umfang Menschen massakrieren, für eine noch größere Ausweitung dieser Militäreinsätze schreiben. Diese „Journalisten“ durften sich vor zwei Jahren zum Thema Ukraine austoben).

Um zum Schluss wieder den Bogen zum Jemenkrieg einzuschlagen: Ich habe keine große Hoffnung, dass sich für den Jemen in nächster Zeit etwas wesentlich zum Besseren ändert. Es wird eben nicht dazu kommen, dass die Medien in den USA und bei uns so darüber berichten, dass die öffentliche Meinung so kippt wie im Vietnamkrieg und die Menschen gegen einen solchen Krieg in Massen auf die Straßen gehen…

Ein wenig Hoffnung – aber die käme für den Jemen auf jeden Fall zu spät – macht, dass die Leute ja doch nicht dumm sind. In den USA hat eine Gallup-Umfrage jüngst ergeben, dass das Vertrauen der Amerikaner in ihre Medien abgestürzt ist. Nur noch 32 % der Amerikaner haben Vertrauen in die Medienberichterstattung. Immer mehr Menschen ahnen und merken – sicher noch ohne dass sie das näher spezifizieren können – dass sie von den Medien weniger informiert als manipuliert werden. Der freie Fall wird weiter gehen. 32 % ist heute, 32 – x % ist morgen.

Auch in Deutschland ist das Vertrauen in die Medien abgestürzt. Und, was auch wieder Hoffnung macht, dass trotz der miserablen Berichterstattung doch eine hoffentlich wachsende Zahl an Leuten merkt, was hier gespielt wird. „Zeit Online“ hatte über eine Untersuchung des Yemen Data Project über den saudischen Luftkrieg im Jemen berichtet. Und die Leserkommentare sind eindeutig. Damit für heute genug.

17.9.2016 – Die Zeit

Saudi-Arabien bombardiert offenbar Schulen und Krankenhäuser

Die Militärkoalition um Saudi-Arabien hat im Jemen mehr als 8.600 Luftangriffe geflogen. Ein Drittel der Ziele sind einem neuen Bericht zufolge zivile Einrichtungen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten

Aus den Kommentaren:

NR: Huch zivile Opfer? Erklärten nicht bisweilen deutsche Politiker Waffenlieferungen dienen dem Frieden?

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8923998#cid-8923998

ihm / ihr antwortet:

TF: Die von Ihnen angesprochene Sichtweise vertrat auch ZEIT-Herausgeber Josef Joffe in einem Artikel zu den Panzerlieferungen an Saudi-Arabien, in welchem er die Waffenlieferungen als realpolitisch richtig bezeichnete und die Kritik daran als "nur moralisch": "Wer also strategisch und nicht nur moralisch denkt, sollte auch das militärische Gleichgewicht im Auge behalten. Gleichgewicht ist das Prinzip. Die Praxis aber besagt, dass Saudi-Arabien mit seinem luxuriösen Militärpotential auf Abschreckung, nicht auf Nutzung setzt. Die Saudis kaufen, um nicht kämpfen zu müssen. Die Offensive liegt nicht im Blut dieser Regionalmacht, die am liebsten auf dem Zaun sitzt und eine klare Entscheidung (hier: gegen Iran) vermeidet. Riad ist wie ein Krösus, der sein Geld nicht ausgeben will."

http://www.zeit.de/politi...

So schnell können sich realpolitische Einschätzungen als Fehleinschätzungen erweisen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8924390#cid-8924390

1A: "8.600 saudische Luftschläge" - das klingt ganz nach einem Bombengeschäft für die westliche Waffenindustrie.
Das hat der Jemen nun davon, das er Saudi-Arabien überfallen hat, Ups, hat er ja gar nicht, egal. Die Saudis sind eine der wenigen Vorzeigedemokratien dort unten und verbreiten als enger und guter Freund des Westens mit ihren Handlungen 1:1 die Werte des Westens in der Region. Hoffen wir, das der Krieg im Jemen hilft weiterhin deutsche Arbeitsplätze zu sichern. Das ist nun einmal das Kernanliegen der deutschen Außenpolitik unter Schwarz/Rot.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8924126#cid-8924126

FI: Sollte man den saudischen Machthaber jetzt nicht auch Schlächter nennen, Sanktionen verhängen und mit Einmarsch drohen? Ganz so wie im Fall Syrien?

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8924131#cid-8924131 und ihm antwortet:

JFK: Mir ging genau derselbe Gedanken durch den Kopf.
Wenn das Assad oder die Russen gewesen wären, was meinen Sie was für einen Aufschrei es gegeben hätte...

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8924255#cid-8924255 und es antwortrt:

LK: Sie fragen ein bisschen zu naiv. Die "aufständischen" Huthis im Jemen sind schiitische Einheimische, die den früheren Präsidenten, der gedacht hat nach seinem Rücktritt vom Rücktritt einfach wieder Präsident zu sein, bekämpfen.
Da auch die saudischen Ölquellen, der Ursprung ihres Reichtums, überwiegend in schiitischem Siedlungsgebieten liegen, gilt es alle "fehlgeleiteten" Volksbewegungen sofort im Keim zu ersticken. Mit allen Mitteln, auch mit vom Westen gelieferten Waffen.

Leider hat es unsere politische Führung unter gütiger Unterlassenschaft der kommentierenden Presse unterlassen uns genauer darüber aufzuklären, wieso ein ehemaliger Präsident eines Landes als international anerkannt zu betrachtet sei (Yemen), ein entgegen der Verfassungsquoren als abgestzt erklärter Präsident (UKR) völlig ignoriert und ein noch im Amt befindlicher Präsident (SYR) unbedingt weg muss.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8924392#cid-8924392

DZ: "Bombenagriffe auf Zivile Einrichtungen das geht gar nicht". Mehr wird man von unseren Politiker nicht dazu hören, wenn überhaupt

www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8924251#cid-8924251

ML: "Im Jemen kämpft die international anerkannte Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi mit Unterstützung Saudi-Arabiens und anderer Alliierter gegen die Huthi-Rebellen, die ihrerseits von Verbündeten des früheren Staatschefs Ali Abdullah Salih und dem Iran unterstützt werden."

Im Jemen kämpfen die Schergen des einen Diktators gegen die seines Vorgängers. Was soll der Hinweis auf die "international anerkannte Regierung"? Verleiht das dem Treiben Saudi-Arabiens etwa Berechtigung?

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8924668#cid-8924668

JH: Kurz, Saudia Arabien mach im Jehmen mit US-Waffen und US-Unterstützung genau das was wir im Westen sonst immmer Assad unterstellen.

Nur das wir an die Sadis Waffen erkaufen, Handlel Treiben und sie dipllomatisch utnerstützten.

Wärend wir Syrien sanktioniern (Begründung: Assad bombd Zivilsiten) und Russland ständig Vorwürfe machen wegen der Unterstütztun von Assad.

Meiner Meinung nach gibt es wenig auf dem Planeten was so verlogen ist wie das gereden von "den westlichen Werten".

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8924915#cid-8924915

IM: Der Westen unterstützt massiv, mit entsprechenden Waffenlieferungen an Saudi Arabien und vor Allem durch das fehlende Sanktionieren dieser KRIEGSVERBRECHEN, den Völkerrechtsbruch, der im Jemen durch die saudische Koalition begangen wird.
Hinzu kommt diese doppelte Moral, diese Heuchelei, nach dem Motto: Die Saudis wollen einen zurück getretenen, geflüchteten Präsidenten wieder ins Amt hieven und wir, der Westen tolerieren hierbei die vielen toten KINDER, ÄLTERE und FRAUEN auf dem Weg der Widerherstellung der vorangegangenen Regentschaft des Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi . In der Ukraine, nachdem Janukovitsch fliehen musste vor den faschistischen Putschisten, die ihn mit Waffengewalt aus dem Amtsitz entfernen wollten, ist nicht etwa der Westen aufgestanden und hat geschriehen, wir wollen, dass der demokratisch gewählte Präsident wieder das Amt übernimmt und die Faschisten verjagt.. Nein, es ist so, dass dort dann die Putschisten von den USA massiv mit Geld und auch Logistik unterstützt wurden und werden, die gegen die Zivilisten kämpfen, die mit diesem faschistischen Putsch eben nicht einverstanden gewesen sind, die sich von diesem faschistischen Regime abgewendet haben, Donezk, Lugansk und zu guter letzt, die per Refrendum jetzt der russischen Förderation zugehörige Krim... Von wegen westliche Werte !!!!!

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8925011#cid-8925011

G: Also Rüstungslieferungen stabilisieren Saudi Arabien und die Region - sagt Seehofer.

Überragendes Interesse der Realpolitik: Stabilität

"Seehofer wollte nicht als deutscher „Oberlehrer auftreten, gegenüber einem Land mit ganz anderer Geschichte, ganz anderer Kultur, ganz anderem religiösen Hintergrund“, sondern „dabei helfen, dass dieses Land sich weiter stabilisiert“. Dem Stabilisierungsziel galt auch ein Austausch über mögliche deutsche Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien. Seehofer hält es für richtig, Saudi-Arabien „in verantwortlicher Weise auch mit militärischen Gütern zu helfen“. Denn Saudi-Arabien soll Stabilitätsanker bleiben in einer höchst instabilen Region, erläuterte er später: „Das ist für mich ein ganz überragendes Interesse der Realpolitik.“

https://www.bayernkurier....

http://www.csu.de/aktuell...

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8925215#cid-8925215

Ö: "Saudi-Arabien bombardiert offenbar Schulen und Krankenhäuser." - Das klingt nach einem Stabilitätsanker in der Region, über den sich unsere Bundesregierung freuen kann: Wenn das nicht mal ein guter Anlass ist, zum Wohle unserer Wirtschaft, ein wenig unsere Rüstungsexporte anzukurbeln. Wie jeder weiß, sind Waffen an sich nicht böse, nur die Menschen, die sie verwenden. Und die Saudis sind nun wirklick über jeden Zweifel erhaben. http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8925696#cid-8925696

N: die einen nennen wir Schlächter und die anderen unterstützen wir beim schlachten.

ich sehe die Engel schon fallen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8927105#cid-8927105

S: "Unsere Freunde und Partner" an ihrem bleiernen Werk. Steinmeier schuttelt die goldberingten Hände in Riad, und meidet das Thema. Ach sind wir gut und gerecht.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/jemen-saudi-arabien-luftangriff-zivilisten?cid=8927420#cid-8927420

English summary:

Yemen: A look at the way the Yemen war had been covered in Western media during the last month. While in British and US media more reporting can be found now, certainly due to the controversies in both countries whether arms supply to Saudi Arabia should be stopped or continued, in Germany media still almost do not report at all. Missing, insufficient, incoherent or misleading reporting is no fault or by accident, but following a general line not to uncover Western responsibility for and involvement in warfare and war crimes. Even many non-American journalists deeply are convinced of “American exceptionalism”. But people begin to wake up.

Links:

16.8.2016 – Consortium News

America’s Journalistic Hypocrites – by Robert Parry

https://consortiumnews.com/2016/08/16/americas-journalistic-hypocrites/

22.7.2016 – Bundeszentrale für politische Bildung

Medien im Mainstream. Problem oder Notwendigkeit? – von Uwe Krüger

http://www.bpb.de/apuz/231307/medien-im-mainstream?p=all

11.8.2016 – Blätter für deutsche und internationale Politik

Immer einer Meinung: Wie Alphajournalisten die politische Debatte bestimmen – von Uwe Krüger

https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2016/august/immer-einer-meinung

9.3.2016 – Nachdenkseiten

Warum den Medien nicht zu trauen ist – von Uwe Krüger

http://www.nachdenkseiten.de/?p=31990

und zu American Exceptionalism jede Menge Artikel verlinkt hier:

http://www.softpanorama.info/Skeptics/Political_skeptic/Nationalism/american_exceptionalism.shtml

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (11)

Angelika Gutsche 18.09.2016 | 12:35

Vielen Dank für Ihre Arbeit und diesen Beitrag, dem ich mich inhaltlich nur voll anschließen kann.

Leider interessieren sich zu wenige Menschen für die polititschen Vorgänge in so exotischen Ländern wie der Jemen eines ist, oder aber auch Mali. Da ich diese Länder bereiste, die Menschen dort kennen- und schätzen lernte - das gleiche trifft auch für Libyen zu - schockieren mich diese Kriege zutiefst.

Es gibt übrigens noch einen weiteren Grund, warum dieser Jemen-Krieg geführt wird: Wer die Meerenge im Golf von Aden, das Bab al-Mandab (Tor der Tränen) kontrolliert, die Saudis im Verbund mit den USA oder eine Iran-freundliche Regierung in Sanaa, der hat auch die Kontrolle über den gesamten Ölexport nach Europa. Er kann den Ölhahn zu oder abdrehen - je nach Bedarf. Siehe meinen Beitrag:
https://www.freitag.de/autoren/gela/erdoel-und-wirtschaftskrieg

smukster 18.09.2016 | 15:36

Den Ölexport kann schon der abdrehen, der Hormuz kontrolliert, da braucht es Bab al-Mandab nicht. Jedenfalls solange es keine Pipeline an die ostjemenitische Küste gibt - und wenn es sie gäbe, wäre der Weg um Afrika auch nur etwa einen Dollar pro Barrel Öl teurer. Wirklich wichtig ist Bab al-Mandab für den Containertransport, nicht den von Öl.

Der Jemenkrieg hat seinen Zweck erfüllt, die Saudis abzulenken und daran zu hindern, bei den Iranverhandlungen oder der Syrien-Einigung allzuviel Probleme zu bereiten. Aus westlicher Sicht ist er nicht mehr nötig (s. den Rückzug der US-Berater), aber einen Krieg (gesichtswahrend) zu beenden ist nicht leicht. Keine Seite kann die andere wirklich besiegen, aber was bislang fehlt ist die Formel, die Riad den Rückzug ermöglicht, ohne dass Hadi wieder eingesetzt würde (denn das wird nicht geschehen). Aber der Druck wächst mit jeder weiteren Rakete auf Najran, insofern wäre ich da vorsichtig optimistisch.

Dietrich Klose 20.09.2016 | 10:47

Vielen Dank für diese positive Rückmeldung!

Der Hinweis auf das Bab al-Mandab stimmt natürlich. Ich kann mir freilich nicht vorstellen, dass das einen reellen Grund dafür abgeben kann, gegen die Huthis einen internationalen Krieg zu führen. Auch eine Huthi-dominierte Regierung im Jemen würde diese Seestraße nicht blockieren, bzw. internationale Anerkennung und vielleicht noch etwas Entwicklungshilfe seitens der USA sicher gerne gegen eine Garantie der freien Durchfahrt eintauschen. Daran wird auch eine größere Affinität zum Iran nichts ändern.

Dietrich Klose 20.09.2016 | 11:00

Danke für Ihre Kommentare! Ich glaube aber nicht daran, dass das Bündnis USA-Saudis am Zerbrechen ist. Die USA agieren nach wie vor so, dass sich das nur als klare Parteinahme für die Saudis erklären sind, und Erklärungen zu den neuen Waffendeals über Sicherheitspartnerschaft pp sind eindeutig. Sicherlich hat das Bündnis einen (mE nicht sehr großen Knacks bekommen - aber viel mehr als in einer Ehe, wo die Frau sich langsam über die offene Zahnpastatube und die herumliegenden Unterhosen aufregt, ist das m. E. leider noch nicht. Zumindest, was die US Regierung angeht, nicht wenige Abgeordnete denken ja schon anders darüber.

smukster 20.09.2016 | 23:49

Die (zensierte) Veröffentlichung der 28 Seiten und der (bisher nur Senats-)Beschluss zur Möglichkeit der Strafverfolgung sprechen da aber eine andere Sprache, ebenso der Abzug der Berater für den Jemenkrieg. Auch das Iranabkommen und die Bemühungen um eine Einigung bzgl. Syrien seitens Teilen(!) der US-Regierung sind sicher nicht in Riads Sinne. Entscheidend ist jedoch, dass mit dem Ende des Petrodollars die Geschäftsgrundlage des Bündnisses nicht mehr existiert.