Der Westen und der Bürgerkrieg in Syrien

Syrien Mit Wirtschaftssanktionen, die zum Aufstand gegen Assad treiben sollten, und Waffenlieferungen an Islamisten heizte der Westen den syrischen Bürgerkrieg ordentlich an
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Als Ergänzung zu meinem Beitrag über Syrien und die sich anschließende Diskussion über die Einmischung des Westens (https://www.freitag.de/autoren/dklose/krieg-gegen-menschen-religion-und-kultur) möchte ich hier noch drei Artikel zur Lektüre empfehlen:

8.6.2015 – Nachdenkseiten

Kann das Aushungern eines Volkes ein berechtigtes Mittel zum von außen betriebenen Regime-Wechsel sein? – von Albrecht Müller

Es geht hier um die 2011 verhängten Sanktionen des Westens gegen Syrien. Am 30.08.2011 erklärte die Tagesschau ganz offen das Ziel, das mit dem Embargo verfolgt wird. Unter der Überschrift “Wie hart treffen Syrien die Sanktionen?“ heißt es:

“So treffen Sanktionen zunächst die kleinen Leute. Syriens Handel mit Ländern der Region ist seit Beginn der Krise um 30 bis 40% gesunken. Ein zumindest zeitweiliger Stopp der bisher rund eineinhalb Milliarden EURO Einnahmen jährlich aus dem Öl lässt den Staat aber nicht unberührt. Er muss möglicherweise Leistungen für öffentliche Beschäftigte kürzen – immerhin 30 Prozent aller Syrer. Und ebenfalls 30% Prozent lebten bereits vor den Protesten unter der Armutsgrenze von weniger als zwei Dollar am Tag.”(…) “Langfristig könnten fehlende Einnahmen aus dem Verkauf der wichtigsten syrischen Ressource auch Menschen zum Protest treiben, die bislang loyal zum System Assad standen oder schwiegen – staatliche Beschäftigte und erfolgreiche Geschäftsleute.”

http://www.nachdenkseiten.de/?p=26356

Es kann einem nur als irr anmuten, in einen Staat, den man selbst derartig destabilisiert hat, dann auch noch Waffen in riesigem Umfang hineinzupumpen. Waffen, die, wie der Öffentlichkeit im Westen vorgegaukelt wurde, an eine „demokratische“ bzw. „gemäßigte“ Opposition gehen sollten. Solche Oppositionskräfte gab oder gibt es in Syrien vielleicht, aber das sind kaum die Leute, die mit Waffen kämpfen… Und die eigenen Verbündeten wie die Saudis haben ja auch kräftig Waffen an die syrische Opposition geliefert – ob man in Saudi-Arabien der Öffentlichkeit wohl auch etwas erzählt hat von „demokratischer“ bzw. „gemäßigter“ Opposition? Das wäre wohl ein Witz bei den saudischen Musterdemokraten.

Wahrscheinlich war in diesem Fall die saudische Propaganda gegenüber der eigenen Bevölkerung näher an der Wahrheit als die westliche, die radikalsunnitischen Saudis werden die Abnehmer ihrer Waffen in Syrien wohl eher als gut islamisch verkauft haben…

Ja, von Anfang an gab es für die aus dem Ausland nach Syrien an die Opposition gelieferten Waffen nur drei Arten von Abnehmern: Islamisten, grauenhafte Islamisten und besonders grauenhafte Islamisten. Übergänge fließend und die Gruppierungen in ständigem Wandel, so dass die Waffen mit absoluter Sicherheit innerhalb kurzer Zeit sich auf alle drei genannten Arten islamistischer Kämpfer verteilt haben.

Und dann auch noch das:

25.5.2015 – Jürgen Todenhöfer

US-Geheimdienst deckt auf: Der Westen wollte einen islamistischen Terrorstaat

Laut US-Geheimdienst DIA wusste die Regierung Obama spätestens seit August 2012, dass Al Qaida (AQI, ISI, IS) und andere Extremisten den Aufstand in Syrien anführten. Dadurch sei „die Chance der Schaffung eines ‚Salafisten-Hoheits-Gebiets‘ in Ost-Syrien“ entstanden. Das sei genau das, was der Westen und seine Verbündeten am Golf ‚wollten‘, um das syrische Regime vom schiitischen Irak und Iran abzuschneiden. „Der ISI könne dadurch zusammen mit anderen Terror-Organisationen im Irak und Syrien einen ‚islamischen Staat‘ ausrufen.“

Der Inhalt des Geheimdokuments verschlägt einem die Sprache. Ein Friedens-Nobelpreisträger als Terror-Pate! Der Westen an der Seite des internationalen Terrorismus! Als wissentlicher Förderer des internationalen Terrorismus! Des ISI! Das ist die bittere Realität.

Das Dokument ist eine Sensation und ein politischer Skandal. Ein terroristisches Watergate. Obama und der Westen wussten früh, wer in Syrien wirklich kämpft und welche weltweite terroristische Gefahr aus ihrer Politik erwuchs. Während sie der Welt das übliche Märchen erzählten, sie kämpften für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, unterstützten sie gezielt terroristische Organisationen.

Ein salafistischer Terrorstaat in Ost-Syrien war ihnen nicht nur egal. Sie ‚wollten‘ ihn. Sie nahmen zusätzlich bewusst in Kauf, dass der ISI einen islamistischen Terrorstaat gründen konnte, der Teile des Irak umfasste. Der DIA-Bericht ist in diesem Punkt unmissverständlich.

Deshalb planen die USA zur Zeit auch nicht, den ‚Islamischen Staat‘ völlig auszuschalten. Selbst wenn sie wüssten wie. Sie brauchen den IS noch. Iran würde ihnen sonst zu stark. So kämpfen sie mit angezogener Handbremse.

Wetten, dass die westlichen Politiker und die Mainstream-Medien alles tun werden, um diese Perversion der offiziellen westlichen Anti-Terrorpolitik herunterzuspielen oder totzuschweigen? Die DIA-Analyse ist der Offenbarungseid einer abenteuerlichen und leider auch kriminellen Strategie. Obama und der Westen als vom US-Geheimdienst überführte Terrorpaten – das ist schwer zu verdauen.

es folgen die wichtigsten Auszüge aus der DIA-Analyse

http://juergentodenhoefer.de/us-geheimdienst-deckt-auf-der-westen-wollte-einen-islamistischen-terrorstaat/

12.6.2015 – Hintergrund

Zerfall und Neuordnung im Nahen Osten

Während der Irak zerfällt, hat sein Nachbar Syrien faktisch aufgehört, als eigenständiger Staat zu existieren – dank massiver Unterstützung von al-Qaida und anderen Dschihadisten durch den Westen und seine Partner – von Sebastian Range

http://www.hintergrund.de/201506113563/globales/kriege/zerfall-und-neuordnung-im-nahen-osten.html

09:49 03.07.2015
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Geschrieben von

Dietrich Klose

Vielfältig interessiert am aktuellen Geschehen, zur Zeit besonders: Ukraine, Russland, Jemen, Rolle der USA, Neoliberalismus, Ausbeutung der 3. Welt
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Dietrich Klose

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