Humanitäre Katastrophe im Jemen

Pressemitteilungen: "Save the Children" und "Aktion Deutschland hilft": 8 Millionen Kinder ohne medizinische Versorgung - Die Not wächst jede Minute
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Die humanitäre Krise im Jemen wird immer dramatischer. "Save the Children" und "Aktion Deutschland hilft" wenden sich an die Öffentlichkeit in Deutschland und bitten um die dringend benötigte Hilfe.

Save the Children

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8 Millionen Kinder ohne medizinische Versorgung, Zugang für humanitäre Hilfe im ganzen Land sofort nötig

Das Gesundheitssystem im vom Krieg gebeutelten Jemen steht vor dem Kollaps. Das stellt eine neue Analyse von Save the Children fest, in der auch Ärzte und Eltern zu Wort kommen. Mehr als die Hälfte aller geschätzten 3.500 medizinischen Einrichtungen des Landes sind wegen des Konflikts geschlossen oder nur teilweise funktionsfähig. Somit haben laut UN [1] 8 Mio. Kinder keinen Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung.

Der Bericht „Der Kampf ums Überleben: Geschichten von Jemens kollabierendem Gesundheitssystem“ belegt, dass die Kindersterblichkeit im Jemen steigt. Mindestens 1.219 Kinder sind direkt durch die Kampfhandlungen zu Tode gekommen. Der dauerhafte Mangel an medizinischer Ausrüstung und Personal führen allerdings zu weiteren 10.000 vermeidbaren Todesfällen, die die Studie als die „unsichtbaren Opfer des jemenitischen Kriegs“ („invisible casualties of Yemen’s war") bezeichnet.

Im ganzen Land fehlt es an qualifiziertem Personal, da viele Ärzte entweder Jemen verlassen oder als Binnenvertriebene von ihren Heimatort fliehen müssen. „Schon vor dem Krieg starben Zehntausende Kinder an vermeidbaren Ursachen“, klagt Edward Santiago, Länderdirektor von Save the Children im Jemen. „Aber jetzt ist die Situation dramatisch schlechter: Wir verlieren wöchentlich ca. 1.000 Kinder an Durchfall, Mangelernährung und Atemwegsinfektionen – alles Todesfälle, die wir normalerweise verhindern könnten.“

„Eltern verlieren durch das Kriegschaos ihre Arbeit und ihre Lebensgrundlage. Viele haben uns erzählt, dass sie ihren Schmuck, Fahrzeuge, Benzinkanister und Land verkaufen müssen, nur um sich die Fahrt in ein Krankenhaus leisten zu können. Andere machen Schulden, nur um im Krankenhaus festzustellen, dass sie sich die Arznei, die ihre Kinder dringend bräuchten, trotzdem nicht leisten können oder dass die Klinik gar keine lebensrettenden Medikamente mehr hat.“

Der Vize-Direktor des Al-Sabeen Krankenhauses in Sanaa, Hilel Mohammed al-Bahri, bestätigt einen 300%igen Kostenanstieg für Medikamente seit dem Beginn des Kriegs im März 2015. Für die meisten Familien ist das unbezahlbar. „Wir können weder Medikamente noch Ärzte und Angestellte bezahlen. Wir hängen von den geringen Gebühren ab, die uns unsere Patienten bezahlen. Für Wartung oder Ersatzteile haben wir kein Geld, ohnehin macht die Blockade alles unmöglich. Wir können nur Babys unter neun Monaten auf der Intensivstation unterbringen, für die älteren haben wir keinen Platz. Überhaupt haben wir nur 20 Plätze auf der Intensivstation, dabei sind wir das einzige Kinderkrankenhaus weit und breit.“

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Zahlreiche Kinder müssen abgewiesen werden oder, wie im Al-Sabeen-Krankenhaus, sich die Station mit hochinfektiösen Kindern teilen. Für Masern oder andere ansteckende Krankheiten hat die Klinik weder Isolationsräume noch die entsprechende Ausrüstung.

Save the Children fordert die Konfliktparteien daher auf, den Import von wichtigen Handelswaren und humanitären Lieferungen nicht weiter zu behindern, sondern humanitärer Hilfe sofort und ungehindert Zugang in ganz Jemen zu verschaffen. Außerdem müssen die Parteien ihren Verpflichtungen zur Einhaltung von internationalem Völker- und Menschenrecht nachkommen und sofort Maßnahmen ergreifen, um grobe Vergehen gegen Kinder zu beenden und verhindern.

Dazu zählen das Morden, Verletzen und Verstümmeln von Kindern, das Angreifen von Krankenhäusern und die Rekrutierung und Ausbeutung von Kindern für militärische Zwecke.

Save the Children unterstützt 60 ärztliche Einrichtungen mit entscheidenden Apparaturen, Medikamenten und Schulungen im Jemen. Die Kinderrechtsorganisation hat auch mobile medizinische Teams, die Ernährungsunterstützung leisten. 2016 haben wir so 400.000 Menschen erreicht, wovon mehr als die Hälfte Kinder waren.

Spenden für Save the Children, Nothilfe im Jemen

Filmmaterial und Fotos finden Sie hier.

Für Interviews in Englisch oder Arabisch kontaktieren Sie bitte Simona Sikimic: simona.sikimic@savethechildren.org / +44 (0) 7826 672131

Ein ergänzendes Briefing finden Sie hier.

Multimediamaterial

Alle Materialien sind unter der Angabe ©Save the Children kostenlos verwendbar.

Aktion Deutschland hilft

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Humanitäre Katastrophe im Jemen: Die Not wächst jede Minute / "Aktion Deutschland Hilft" schlägt Alarm, doch Spendengelder bleiben aus

Bündnisorganisationen von "Aktion Deutschland Hilft" schlagen Alarm: Es fehlt an Spenden, um die humanitäre Not im kriegsgebeutelten Jemen zu lindern. Neben einer Hungerkatastrophe bahnt sich dort eine Choleraepidemie an. 210.000 Euro sind bislang bei dem deutschen Hilfsbündnis eingegangen. 250 Familien können damit für ein Jahr mit Lebensmitteln versorgt werden - dabei brauchen 19 der 26 Millionen Jemeniten dringend Hilfe.

"Die Spendensumme ist ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der katastrophalen Lage im Land", sagt Manuela Roßbach, Geschäftsführerin von "Aktion Deutschland Hilft". "Das immense Leid im Jemen entsetzt uns - genauso wie die Gleichgültigkeit der Weltöffentlichkeit, die davor die Augen verschließt, dass in diesem Land Millionen Menschen täglich ums Überleben kämpfen." Alle zehn Minuten stirbt im Jemen ein Kind durch Krankheiten, die man mit einfachsten Mitteln wie sauberem Trinkwasser hätte vermeiden können. "Das dürfen wir nicht zulassen. Doch ohne finanzielle Unterstützung sind den Helfern die Hände gebunden." Das Hilfsbündnis ruft deshalb verstärkt zu Spenden für Not leidende Menschen im Jemen auf.

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Fünf Mitgliedsorganisationen setzen die gesammelten 210.000 Euro um. Vor allem im Westjemen versorgen sie Bedürftige mit Trinkwasser und Lebensmitteln, verteilen lebensrettende Medikamente und schulen lokale Geburts- und Rehabilitationshelfer. So ist beispielsweise die Organisation ADRA mit 2000 Helfern vor Ort. Islamic Relief unterstützt Menschen in 19 der 22 Regierungsbezirken und erreichte seit 1998 zehn Millionen Jemeniten.

Die Meldungen aus dem kriegsgebeutelten Jemen sind erschütternd. Seit März 2015 tobt im Armenhaus Arabiens ein Krieg zwischen Rebellen und der arabisch-westlichen Militärkoalition, der die Infrastruktur des Landes komplett lahmlegt. 80 Prozent der Einwohner sind dringend auf Hilfe angewiesen. Eine Hungerkatastrophe bedroht das Leben jedes dritten Kindes unter fünf Jahren. Ein Choleraausbruch schwächt die verzweifelte Bevölkerung zusätzlich. Immer wieder sterben Zivilisten bei Bombenangriffen und in den Gefechten. Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt zu. Straßen, Schulen und Krankenhäuser sind zerstört. Treibstoff ist enorm teuer geworden. "Wir müssen diesen Menschen helfen. Jetzt. Bevor es zu spät ist", appelliert Roßbach.

Aktion Deutschland Hilft ruft zu Spenden für die Not leidende Bevölkerung im Jemen auf:

Stichwort "Hunger Jemen" IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 (Bank für Sozialwirtschaft) Spendenhotline: 0900 55 102030 (kostenfrei aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk höher) Charity SMS: SMS mit ADH10 an die 81190 senden (10 EUR zzgl. üblicher SMS-Gebühr, 9,83 EUR davon gehen direkt an Aktion Deutschland Hilft) Online spenden unter: www.Aktion-Deutschland-Hilft.de

https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/spenden-jemen/

Film: Jemen: 19 Millionen Menschen in Not

https://www.youtube.com/watch?v=gnv0GGdOF40 = http://www.dpa-video.com/video/15285388/jemen-19-millionen-menschen-in-not-1

AN DIE REDAKTIONEN

Wir haben für Sie eine Auswahl an Fotos und Videos zusammengestellt: Fotos: http://bit.ly/2j7zliS Video zum Einbinden auf Ihrer Webseite: siehe oben

OTS: Aktion Deutschland Hilft e.V newsroom: http://www.presseportal.de/nr/50116 newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_50116.rss2

Pressekontakt: Aktion Deutschland Hilft e.V. Tel.: 0228/ 242 92 - 222 Fax: 0228/ 242 92 - 199 E-Mail: presse@aktion-deutschland-hilft.de

18:24 07.01.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Dietrich Klose

Vielfältig interessiert am aktuellen Geschehen, zur Zeit besonders: Ukraine, Russland, Jemen, Rolle der USA, Neoliberalismus, Ausbeutung der 3. Welt
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Dietrich Klose