Lauterbachs abstruses Demokratieverständnis

Lukaschenko / Lauterbach Lauterbach redet wie Lukaschenko - und realisiert offenbar selbst mal wieder nicht, was er für einen Unsinn redet. Oder doch kein Unsinn? Wer so redet, ist kein Demokrat
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Bei Bild-TV haben am 1. August kurz nach den „Querdenker“-Demonstrationen in Berlin Karl Lauterbach und Wolfgang Kubicki über Corona diskutiert, ein „Corona-Duell“ im Bild-Sprech:

https://www.youtube.com/watch?v=CH8knBx1vSc.

Was hat Karl Lauterbach da auf die Frage des Moderators, ob ihm die „Querdenker“-Demonstation und der „Christopher Street Day“ wenige Tage zuvor „Sorgen machen“, geantwortet (ab min. 21:43):

Klar, das macht Sorgen.

Etwas anderes erwartet? Wohl kaum. Die Frage des Moderators war ja wohl eher rhetorisch, wenn an einen Karl Lauterbach gerichtet.

Und da muss man auch als Epidemiologe fair sein.

Redet er da von sich, oder von welchem Epidemiologen redet er denn da? Doch, mit Sicherheit redet er da von sich – lallt sich damit zum Experten hoch. Lauterbach ist KEIN Epidemiologe. Ich bin auch kein Atomwissenschaftler oder Politologe, behaupte das aber auch nicht. Dass Lauterbach sich für einen Epidemiologen hält, bindet er uns dann in min. 23:20 gleich noch einmal auf. Innerhalb von zwei Minuten gleich zweimal einen solchen Bären aufgebunden zu bekommen, dafür muss man schon einen tragfähigen Rücken haben!

Das eine ist so gefährlich wie das andere.

Beide Demonstrationen sind aus meiner Sicht nicht zulassungsfähig gewesen (alle Füllwörter wie also lasse ich hier weg).

Er kommt dann auf „Gewaltbereitschaft“ (witzig: Die eingeblendeten Filme zeigen nur friedliche Demonstranten und die Gewaltbereitschaft der Polizei) und die Demonstrationen in Frankreich und sagt weiter:

Das scheint ja eine europäische Bewegung zu werden, das sehe ich also als sehr bedenklich an. Vor allen Dingen weil es sich schlicht und ergreifend auch direkt gegen den Staat wendet. Es geht zum Teil also noch um Corona, es geht aber zum anderen Teil auch schon darum, ganz gezielt zu demonstrieren gegen den Staat, gegen die Gesetze, die gemacht werden.

Fazit: Für einen Karl Lauterbach ist es „bedenklich“, wenn sich eine Demonstration „auch gegen den Staat“ wendet. „Gegen den Staat, gegen Gesetze, die gemacht werden“, soll man also in Deutschland nicht demonstrieren.

Das ist Originalton Lauterbach, das wäre nicht anders auch O-Ton Lukaschenko.

Das hat uns bisher in dieser Deutlichkeit in Deutschland kaum jemand gesagt, und wenn man einfach in die Vergangenheit schaut, waren wohl 75 % aller Demonstrationen „gegen den Staat“ und „gegen Gesetze, die gemacht werden“ gerichtet.

Und, was Herr Lauterbach wohl vergessen hat, wir haben ein Demonstrationsrecht als ein Grundrecht, welches das ausdrücklich erlaubt. Herr Lauterbach findet offensichtlich nur noch Demonstrationen „für den Staat“ statthaft. Genau das hatten wir in Deutschland-Ost zuletzt bis Herbst 1989. Soll das wieder so werden? Offenbar genau das.

Und, analysieren wir doch mal Lauterbach-Sprech genauer: Was heißt eigentlich: „Gegen den Staat“? Wieviele Demonstrationen haben tatsächlich die Auflösung unseres Staates Bundesrepublik Deutschland gefordert? Ansonsten wird kaum je „gegen den Staat“ demonstriert. Der „Staat“ sind wir (auch die Demonstranten) und nicht irgendeine Regierung. Und weiterhin scheint Herr Lauterbach den Unterschied von „Gesetzen“ und Verordnungen nicht zu kennen, dann (abgesehen davon, dass es nun einmal auch Teil des Demonstrationsrechts ist, auch „gegen Gesetze“ zu demonstrieren) ist der größte Teil der ganzen Coronamaßnahmen gar nicht durch Gesetz, sondern durch Einzelverordnungen eingeführt worden.

Ein Politiker, der den Unterschied von Gesetzen und Verordnungen nicht kennt. Nun, bei einem Karl Lauterbach wundert mich gar nichts mehr. Er ist offenbar ein genauso fähiger Politiker, wie er auch als Epidemiologe befähigt ist.

Etwas später geht es dann weiter um Unterschiede und Parallelen zwischen „Christopher Street Day“ und „Querdenker“-Demo:

Aus meiner Sicht kann man hier nicht mit zweierlei Maß messen. Es kommt hier natürlich dazu, wie Herr Kubicki gesagt hat, dass also hier die Demonstration gegen die Coronamaßnahmen, also quasi eine Demonstration war gegen die Schutzmaßnahmen, die notwendig sind, und beim Christopher Street Day hat man dagegen nicht demonstriert, aber hat sich einfach nicht daran gehalten (alle Verhaspeler, Ähs und Füllwörter lasse ich weg).

Hier wird massiv geframed: „Maßnahmen“ ist sachlich, „Schutzmaßnahmen“ ist Propaganda-Framing.

„die notwendig sind“ ist Propaganda-Framing. Herr Lauterbach setzt seine Meinung als Fakt. Neutral wäre gewesen: „die ich für notwendig halte“. Und, die Andere wie die Demonstranten eben genau nicht für „notwendig“ halten. Genau das ist nun einmal in einer Demokratie deren gutes Recht, unabhängig davon, ob man selbst sie für notwendig hält oder nicht.

Aber für Herrn Lauterbach macht es (als „Epidemiologe“) offenbar einen Unterschied, ob jemand sich nicht an „Schutzmaßnahmen“ hält, weil er sie für unsinnig hält, oder einfach so. So biegt er es sich „als Epidemiologe“ hin, warum er den Christopher Street Day doch für nicht ganz so schlimm hält wie die „Querdenker“-Demo. Aber so viel ist er dann doch nicht „Epidemiologe“, dass er nicht weiß, dass es einem Virus ganz egal ist, woran jemand ohne Maske und ohne Abstand nun denkt oder nicht denkt.

Fazit:

Lieber Herr Lauterbach, vielen Dank für diese grundlegende Aufklärung über Ihr Demokratieverständnis. Für mich geht aber dabei zwischen Sie und Herrn Lukaschenko kein Blatt mehr.

Weswegen Sie zu Herrn Lukaschenko die doch wohl auch von Ihnen vertretene 1,50m-Abstandsregel nicht einhalten wollen, ist natürlich Ihre Sache.

Aber: Die Herren Lukabach und Lauterschenko sollten wir in diesem Land möglichst bald aufs Altenteil schicken. Ab sofort in den Medien.

08:03 10.08.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Dietrich Klose

Vielfältig interessiert am aktuellen Geschehen, zur Zeit besonders: Ukraine, Russland, Jemen, Rolle der USA, Neoliberalismus, Ausbeutung der 3. Welt
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Dietrich Klose

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