Saudische Propaganda, Jemen und Iran

Propaganda und Krieg: Das saudische Narrativ von der Einmischung Irans im Jemen ist auch im westlichen politischen und medialen Mainstream erfolgreich – obwohl es vor allem Propaganda ist
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Wie kann man die ständigen Kriegsverbrechen der Saudis im Jemen hinter einer Nebelwand von Propaganda verschwinden lassen? So:

Der auf der Community-Seite des Freitag erschienene Artikel "Die Houthi-Iran-Connection" von Jakob Reimann zeigt sehr schön die saudische Propaganda zum Jemenkrieg auf, wie sie auch, mehr oder weniger deutlich, die Berichterstattung fast aller Mainstream-Medien durchsetzt hat.

Das Propagandanarrativ „Die Iraner sind an allem schuld“ hat dabei im Lauf der letzten drei Jahre das ältere Propagandanarrativ „Wir unterstützen die legitime Regierung“ klar auf Platz Zwei verdrängt. Gründe dafür sind einmal, dass die Hadi-Regierung sich samt ihrer angeblichen „Legitimität“ im Lauf der Zeit abgenutzt haben, und zum anderen, dass das Iran-Narrativ in den USA wesentlich mehr zieht, korreliert es doch mit der Jahrzehnte andauernden anti-iranischen Paranoia in den USA und der daraus sich ergebenden Politik.

Die Wirkung dieses saudischen Propaganda-Narrativs wird noch wesentlich verstärkt durch eine geschickte PR- und Lobbyarbeit, für die die Saudis beträchtliche Mittel aufwenden (1).

Pro-saudische Propagandaartikel in US-Medien, oder Entsprechendes von „Experten“ (zutreffender wäre: Lobbyisten) entsprechend finanzierter US-Think Tanks, geäußert, wirken weiter auf deutsche Mainstream-Medien, die sich ja – vor allem bei außenpolitischen Themen – wesentlich an der „Generallinie“ der US-Mainstream-Medien orientieren. Meinungsführer sind hier die New York Times und die Washington Post.

Beide Blätter leisten sich zu Spitzenjournalisten hochgejazzte pro-saudische Haus-Lobbyisten, die regelmäßig mit plumpen pro-saudischen Propagandaergüssen auffallen: Thomas Friedman bei der New York Times (2) und David Ignatius bei der Washington Post (3).

Und die Tatsache, dass das anti-iranische Propagandanarrativ der Saudis auch genau den Nerv der US-Außenpolitik trifft, verstärkt die Durchsetzung dieser Propaganda erheblich. Seit Jahrzehnten versteift sich ein erheblicher Teil der US-Politik im Nahen Osten auf den Iran. Hintergründe sind: der iranisch-israelische Konflikt und der Einfluss der Pro-Israel-Lobby in den USA (4); die immer noch nicht verwundene Demütigung der USA durch den Iran bei der gescheiterten Befreiung der amerikanischen Geiseln in der US-Botschaft in Teheran 1980 (5), und die enge Bindung der USA an Saudi-Arabien, die die USA per se zugunsten der Saudis aktiv Partei ergreifen lässt, wenn es gegen den Iran geht.

Der Iran steht auf der amerikanischen Wunschliste für einen Regime Change ganz oben an, wie sich auch wieder bei den Unruhen im Iran Dez. 2017 / Jan. 2018 gezeigt hat. Der Jemen, der Jemenkrieg, die humanitäre Katastrophe im Jemen verkleinern sich für die US-Politik und einen großen Teil der Mainstream-Berichterstattung zu nichts mehr als zu einem Mittel für den Zweck, den Iran vorzuführen und eine aggressivere Politik und einen aggressiveren Ton gegenüber dem Iran einzunehmen.

Das gilt zu einen für die Trump-Administration, man denke nur an die Huthi-Raketen-Show von Trumps UN-Botschafterin Nikki Haley oder den an Russlands Veto gescheiterten Versuch, im UN-Sicherheitsrat den Jemen als ein Vehikel einer Politik gegen den Iran zu nutzen. Es gilt aber ebenso für die ganz auf der Linie der „Neocons“ (6) liegende Mehrheit der Demokratischen Partei, wie sie sich bei den letzten Wahlen um Hillary Clinton geschart hat. Und deren dezidierteste Vertreter in der Medienlandschaft sind wiederum die einflussreichen New York Times und Washington Post, siehe oben. Hier beißt sich die „demokratische Schlange“ aus Politik und Medien quasi in den Schwanz.

Und so bleiben im sog. „liberalen“ US-Mainstream Opposition und Protest gegen Donald Trump tatsächlich an der Oberfläche, sind stark personalisiert, machen sich an Nebensächlichkeiten wie der von Clinton so sehr propagierten Identitätspolitik fest. Gegen die aggressive Außenpolitik der Trump-Administration gibt es seitens des politischen wie medialen sog. „liberalen“ Mainstreams in den USA nur verhaltenen Protest, wenn überhaupt. Im Fall von Russland will man die Trump-Regierung an Aggressivität sogar noch übertrumpfen.

All das wirkt dann direkt auch auf die Mediendarstellung in Deutschland zurück und lässt das saudische Propagandanarrativ Erfolg haben. Ein negatives Beispiel lieferte vor kurzem das ZDF (7).

Anmerkungen - Links

(1)

https://www.thebureauinvestigates.com/stories/2018-03-06/foreign-office-lends-diplomat-to-pr-firm-working-for-saudi-crown-prince = https://www.mintpressnews.com/senior-british-diplomat-moonlights-for-the-saudi-crown-princes-pr-firm/238792/

https://www.nationofchange.org/2018/03/09/gulf-monarchies-corruption-us-foreign-policy/

http://www.theamericanconservative.com/articles/u-s-saudi-lobby-washington-in-overdrive-for-crown-prince-salman-mbs-visit-yemen-qatar-trump/

https://www.youtube.com/watch?v=hYxhmZFqYsY

https://deutsch.rt.com/der-nahe-osten/64938-wie-saudi-arabien-mit-jemen-krieg-durchkommt-pr-un/

https://www.irinnews.org/investigations/2018/02/06/yemen-pr-wars-saudi-arabia-employs-ukus-firms-push-multi-billion-dollar

(2)

http://www.merip.org/open-letter-senior-middle-east-scholars-new-york-times-regarding-its-thomas-friedmans-column-saudi-a#.WiAjpuG-pOk.facebook

http://www.jadaliyya.com/Details/34727/Seventy-Years-of-the-New-York-Times-Describing-Saudi-Royals-as-Leading-Reform?mc_cid=19ca5f8d02&mc_eid=cdad1a519c

http://www.theamericanconservative.com/larison/friedmans-love-letter-to-a-war-criminal/

https://theintercept.com/2017/11/29/very-bad-men-trump-the-saudi-crown-prince-sexual-assaulters-and-robert-mugabe/

(3)

http://fair.org/home/david-ignatius-15-years-of-running-spin-for-saudi-regime/

(4)

http://www.unz.com/pgiraldi/americas-jews-are-driving-americas-wars/

https://www.aljazeera.com/news/2018/03/aipac-speakers-praise-saudi-arabia-uae-leadership-180305184008667.html

https://www.buzzfeed.com/johnhudson/anti-iran-legislation-draws-unexpected-opposition-from-the?utm_term=.cblDjZLRAL#.otKlg4jvbj

https://en.wikipedia.org/wiki/Israel_lobby_in_the_United_States

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Israel_Lobby_and_U.S._Foreign_Policy

(5)

https://de.wikipedia.org/wiki/Geiselnahme_von_Teheran

(6)

https://de.wikipedia.org/wiki/Neokonservatismus und der längere Artikel auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Neoconservatism

(7)

https://propagandaschau.wordpress.com/2018/03/10/zdf-heute-sechs-luegen-ueber-den-jemen/

Mehr Informationen zum Jemenkrieg hier:

"jemenkrieg-Mosaik" ca. 2 x wöchentlich, letzte Folge Nr. 392:

https://www.freitag.de/autoren/dklose/jemenkrieg-mosaik-392-yemen-war-mosaic-392

Der saudische Luftkrieg im Bild / Saudi aerial war images:

(18 +, Nichts für Sensible!) / (18 +; Graphic!)

http://poorworld.net/YemenWar.htm

http://yemenwarcrimes.blogspot.de/

http://www.yemenwar.info/

und alle Liste aller Luftangriffe / and list of all air raids:

http://yemendataproject.org/data/

12:29 14.03.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Dietrich Klose

Vielfältig interessiert am aktuellen Geschehen, zur Zeit besonders: Ukraine, Russland, Jemen, Rolle der USA, Neoliberalismus, Ausbeutung der 3. Welt
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Dietrich Klose

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