Zensur bei T-Online

Leserkommentare: Ein antirussischer Propagandaartikel mit verschwörungstheoretischen Tönen reizte zum Widerspruch. Der kurze Kommentar wurde dreimal eingestellt - und war nie zu sehen
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Das sollte der große Kracher sein: Russland versucht, in Deutschland Auslandspropaganda zu betreiben und baut dazu ein "Netzwerk" auf. Ja so etwas aber auch, die bösen und hintertriebenen Russen! Das geht ja gar nicht!

Diesen Eindruck bekommt man, wenn man auf der Nachrichtenseite con T-Online den Artikel "Vereine als Einfallstor : Das Netzwerk des Kreml in Deutschland" liest:

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_85054572/vereine-in-deutschland-das-netzwerk-des-kreml.html

Und weil das noch nicht reicht, gibt es noch zwei weitere Artikel dazu:

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_85048502/wie-der-berliner-telegraph-die-krim-annexion-vorantreibt.html

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_85056570/-berliner-telegraph-so-dubios-ist-die-russische-zeitung-aus-chemnitz.html

Merkwürdig ist nur, dass die Russen hier nichts anderes machen als das, was die meisten größeren Länder im Ausland machen: Kulturarbeit und natürlich auch politische Beeinflussung im Sinn der eigenen Regierung. Das machen die Deutschen selbst, die Briten, die Franzosen, die Chinesen, vor allem und ganz besonders aber die Amerikaner.

Warum also wird es jetzt im Fall der Russen derart skandalisiert? Wer noch halbwegs seinen Verstand beisammen hat, sollte diesen Widerspruch bemerkt haben. Fazit: Diese Artikel sind antirussischer Propagandaartikel mit verschwörungstheoretischen Tönen.

Das reizte zum Widerspruch. Einen kurzen Kommentar hatte ich insgesamt dreimal eingestellt zu sehen war er nie. Er schaffte es nicht einmal kurz auf die Seite. Das nennt man Zensur, denn gegen die "Netiquette" von t-online (https://www.t-online.de/community-netiquette-auf-t-online-de/id_63215958/index ) hat er ja wohl kaum verstossen.

Hier dieser Kommentar:

Was soll eigentlich die ganze Aufregung bei diesem Thema, die Amerikaner treiben es mit "Netzwerk" und Auslandspropaganda doch unglaublich viel heftiger in Deutschland, und das schon seit vielen Jahrzehnten. (Und in Russland und praktisch allen Ländern auf diesem Globus auch).

Und auch die Briten tun es, noch wesentlich heimlicher und hinterhältiger als die "bösen Russen", wie jetzt die Geschichte um die "Integrity Initiative" in Deutschland, den USA und anderswo zeigt. Die im übrigen von den deutschen "Mainstreammedien" totgeschwiegen wird.

Das war's schon. Darf aber offenbar bei T-Online nicht gesagt werden. Soweit zum Anspruch, eine "offene, vorurteilsfreie Diskussion" (https://www.t-online.de/nachrichten/id_73113032/leserkommentare-statement-der-chefredaktion.html ) zu führen.

Dieser Artikel hat zu einer ausführlichen Diskussion Anlass gegeben. 1151 Kommentare waren innerhalb eines einzigen Tages erreicht.

So ganz widerspruchslos haben viele das antirussische Propagandanarrativ nicht weggesteckt.

Hier ein paar Stimmen:

Es sind wieder die bösen Russen zu den Anderen muss man ja schweigen. Sonst fliegste hier raus.

"Exklusiv-Recherche." schon da wird richtig dick aufgetragen !

Das Russian Institute for Strategic Studies (RISS) hat weltweit 2014 Medienberichte über RUS untersucht und in freundlich/neutral vs. feindlich eingeteilt. Der negative Spitzenreiter der Untersuchung ist Deutschland mit 9229 Russlandartikeln, von denen nur 1050 neutral waren gegenüber 8179 feindlich gesinnt, was ein Verhältnis, einen sog. World Mass Media Hostility Index von 7,4 ergibt. Damit liegt DEU sogar noch vor den USA mit 6,2 bei 5771 Artikeln gesamt, danach CZ (4,6), Österreich (Index 4,0), Polen (3,6), Frankreich (3,6), Ukraine (2,5), GB (2,4).

Also ich mache mir wesentliche mehr Sorgen wegen der Amerikanisierung in Deutschland.

Wie gut, dass es für die Amerikanisierung Deutschlands keine Netzwerke und Vereine gibt. LOL

Bei den vielen neoliberalen und gewinnorientierten Kapitalgesellschaften heut, hab ich mit Begriffen wie "Verein" und/oder "Gemeinnützig" mehr als nur ein Problem.

Dieses undifferenzierte und emotionale Schüren eines Feindbildes macht wirklich Angst.

Wieviel Claas Relotius diese Reportage wohl enthält? Oder darf man das nicht fragen?

Ich hoffe das nicht der Spiegel das recherchiert hat.

Wenn meine Frau gebürtige Russin ist, ich ein Deutscher und wir lassen uns Scheiden, dann ist sie doch Schuld. Ja so muß es sein.

Deutschland sucht den Gegner????

es ist sehr erfreulich zu lesen wie wenigstens hier im Forum die Leser mitdenken, mitreden und sich nichts vormachen bzw. vorerzählen lassen

Wenn ich mir krampfhaft einen Gegner suchen muss,stimmt was nicht.Erstens gibt es außer dem einen zig andere und zum anderen bin ich nicht selbstsicher weil ich fürchte kein Können zu haben. Also der Russe ist evtl. einer von vielen ,auch sogenannte Freunde ,die uns den Spiegel vorhalten.

Moskau betreibt das, was in unserem Auswärtigen Amt "Kulturpolitik" heißt, und was die Goethe-Institute machen (sollten). Nur unsere "Kulturpolitik" ist zu dumm, Netzwerke zu bilden. Sie stellt Deutschland negativ dar und bewirkt Verachtung. Die Russen machen es nicht so ungeschickt. Man sollte nicht mit Verschwörungtheorien antworten - wie der Artikel - sondern daraus lernen.

20:11 11.01.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Dietrich Klose

Vielfältig interessiert am aktuellen Geschehen, zur Zeit besonders: Ukraine, Russland, Jemen, Rolle der USA, Neoliberalismus, Ausbeutung der 3. Welt
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Dietrich Klose

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