Die Doktorei. Eine Narretei zwischen Popanz und Irrtum

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http://lunalightdesign.com/images/illus/jester.jpgDie Schizophrenie der gesellschaftspolitischen Hierarchie lässt sich – wie seitlanger Zeit kaum mehr – bestens am Umgang mit der ‚Sache Guttenberg‘ herausstellen. Wo sonst, als im Ordnungswahnland bekommt man ein derartiges Bühnenstück geboten? Nur Deutschland bietet ein Spektakel der besten Güte vom Falle Guttenbergs.

Nicht, und das sei gleich und ohne Umschweife gesagt, der Mensch Guttenberg selbst bietet mehr Anlass zur Klage über Falschheit; er trägt nur voraus, was überall Maßstab ist. Nichts als Ordnung, Hierarchie, Geradheit und so mehr legt der Fall den Grundstock für den Ausbruch einer innerlich tief verkrusteten Gesellschaft. Weniger als der Verdacht, dass Guttenberg das AMT oder die WISSENSCHAFT beschädigen könnte, stellen sich ganz andere Zusammenhänge her, die infolge der schon zu lange anhaltenden Guttenberg-Diskussion auftreten können.

Die akademische Hierarchie, hier scheinbar vom politischen Guttenberg bekämpft wird, oder besser: sich bekämpft glaubt, verhärtet sich zunehmend im Laufe der letzten Tage. Ob Minister oder nicht – der KTG rüstet die Kollegen aus Wissenschaftskreisen zu einem Gefecht, das sie lange zu führen gewillt waren. Nur bot sich bisher kein ausreichender Anlass. Und (wohl kaum zufällig) geriet ausgerechnet als bester Fang der Verteidigungsminister ins Visier. Da hätten an seiner Stelle jede Menge anderer Kollegen sitzen können, keine Minister, sondern einfache Abgeordnete. Jüngst war da einer mit einem hier verrufenen Titelschwindel, der sich reumütig aus dem Bundestag zurückzog. Zu schnell leider und nicht fundiert falsch genug. Da bietet der neue Fall mehr Nährboden für die Zielgerade, anstelle einer politisch überalterten Kompetenzleiste eine moderne wissenschaftliche, basierend auf strengsten Leistungsmaßstäben und ökonomischer Fähigkeit aufzublähen. Endlich doch.

Während man sich in Parlamentskreisen aus guten Gründen konziliant gibt (Dietmar Bartsch in lustiger Pose oder gar die Grünen überaus witzig bei der Anhörung Guttenbergs) und auf Gängen Nächte durchlästert, wächst die Untertänigkeit in der Bevölkerung – alles muss seine Ordnung haben, möglichst recherchierbar, stets nachvollziehbar, amtlich im besten Sinne. Beide Systeme, Wissenschaft und Politik, werden allerdings und ganz entgegen der augenblicklichen Einschätzung, so beliebig bleiben wie bisher. Doktortitel kann man weiterhin kaufen, hier nur teurer als anderswo. Und mehr als schade ist das auch nicht. Daß Einer zum Gespött aller Öffentlichkeit gemacht wird, hat er sich nicht selbst zu verdanken. Die traurige Bilanz ist: Das Opfer Guttenberg wird wohl von keinem Gott angenommen. Die Tragödie Guttenberg stattdessen fördert den Applaus der ständig gehörigen Masse über Jahre, gerade hier.

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Doktortitel im Kurs

Der Doktor Eh und Je

Fischers Fritz

Sintemalen?

01:37 24.02.2011
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Geschrieben von

DOKTOR

So langsam, wie diese Seite kann man gar nicht mehr sein.
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