RE: Polemik pro WikiLeaks | 09.12.2010 | 01:33

Salut Emma

Zunächst muss ich gestehen, dass ich anfangs diesem Beitrag gerne gefrönt habe, ist er doch so erfrischend emotional, nah und bewusst subjektiv (diese Plattform, sowie eine Meinung generell...kann auch kaum objektiv sein bzw. besitzen beide auch gar nicht diesen Anspruch/Intention) gesetzt (um eine kleine Wertung vorweg zu nehmen, auch das Wörtchen "naiv" würde wohl in diese Reihe passen)...
Auch wenn es dein Text sicherlich vom Aufwand her verdient hätte, möchte ich ihm aber nicht derart viel Zeit widmen, den, deinen zumindest rhetorisch variablen, kreativen Stil zu bemühen und weiterzuführen...d'rum gestatte mir teils subtile, banale, alltäglichere Formulierungen zu verwenden.

Diese Hetzschrift, dieses Erbrechen auf unsere westliche Gesellschaft besticht durch fantasievolle Akkumulationen von Attributen, die aber teilweise dann doch Ermüdungserscheinungen beim Leser evozieren...nebenbei ist nicht immer der Kontext gegeben, vllt dann doch das Augenmerk mehr auf den Inhalt, denn die Form legen.

Wo wir auch schon beim Contenu (Wenn die Anglizismen schon von der herrschenden Schicht in Kultur, Literatur verpönt sind, flüchte ich mich in die Gallizismen) wären...
Möchte gar nicht viele Wörter verlieren, welche nette Floskel und viel zu selten hält man sie dann auch ein (bezweile es auch in meinem casus hier), da es für den objektiven Empfänger, der etwas beschlagen ist mit der temporären Weltpolitik, -wirtschaft, et cetera ersichtlich ist, dass hier gar nicht erst der Versuch unternommen wurde, sachlich, rational, differenziert und recherchiert zu argumentieren und "informieren".
Als "angehender" Jurist (wenn man als 19-Jähriger Erstsemestler denn davon reden möchte), der die ius prudentia gerade der Form wegen aber schon schätzt, hätte ich mir auch öfter den feinen, gar höflichen Konjunktiv gewünscht...wobei der Text dann vielleicht auch gar nicht mehr seine Wirkung entfaltet hätte, mag man also diesen Mangel deiner Intention hinter dem Text zuschreiben.

Deine literarischen Exzesse treiben inhaltlich teilweise wahnwitzige Blüten, wie sie nur von Individuen mit Verlaub recht naiven, beschränkten, da beeinflussten und stark einseitig gefärbten Horizont gedüngt werden können...
Du sprichst viele Missstände an, Korruptionen, Verblendungen und "Massenverblödungen", die ohne Frage existieren...prangerst Fundamentalismus, Radikalimus, Propaganda an, bemühst sie aber mit großer Befriedigung selber bis zur Ejakulation und Ekstase in subtil pauschalen und in dem Kontext neuen Wortschöpfungen wie "zentralistisch-feudalistische Meta-Korruptions- maschine EU".

Zu viel der Kritik nunmehr aber, da du wie gesagt, viele "wahre" Punkte angesprochen hast, die rosarote Brille mit Blick auf globale Strukturen, den Blick auf die USA, ihren Machenschaften (in Vergangenheit wie Gegenwart und bestimmt auch Zukunft) abgenommen, aber leider durch eine tiefschwarze (nicht als Metapher zur politischen Einstellung zu assoziieren, da bist du wohl eher der nicht regierungsfähigen Linken zuzuordnen) ersetzt hast.

Man merkt, dass du hinterfragst, dich informierst, dich aus Eigeninitiative fortbildest...da empfiehlt es sich aber immer beide Seiten ausführlich zu betrachten und dann für sich eine "Wahrheit" zu finden, zumindest aber eine eigene Meinung zu vertreten und nicht eine Dritte einfach zu übernehmen...

Könnte einiges inhaltlich noch schreiben, Punkte weiterführen, die es verdient hätten, differenzierter und detaillierter aufgeschlüsselt zu werden, nur fehlt mir die Zeit und auch der Sinn, die Motivation...da dies wohl kaum die richtige Plattform ist.
Deswegen nur generell die Bitte...schaut weniger "Bauer sucht Frau", "Big Brother", "Talkshows", "Seifenopern",...legt vielleicht mal die "Bild" beiseite, und greift zur "FAZ" (um nur eine, aus meiner Sicht aber "beste" Zeitung zu nennen), auch wenn die "Bild" so schöne, ansprechende Bilder und überaus interessante, kaum populistische Schlagzeilen hat.
Hinterfragt etwas mehr, bildet euch fort....
"Bowling for Columbine", "The Big Lebowski", "Thank You for Smoking", "Jarhead", "Fight Club" uvm....sind gute Filme, die mal mehr mal weniger Missstände aufzeigen...
Auch die Serien "Californication", "Breaking Bad" und "Boston Legal" sind v.a. gut (dienen primär dem "flachen" Entertainment), zeigen aber gerade Fehler im amerikanischen System...
"Mount Misery" und "House of God" (von Shem) sind geniale Bücher aber gerade in der Literatur gibt es eine sehr breite Auswahl an wirklich gut recherchierten Inhalten...

Dieser kleine Exkurs, nicht wirklich sinnvoll, sei mir gestattet...hast du doch nicht minder ausschweifend formuliert (und wie du mir, so ich dir...eine Mentalität, die die Menschheit wie keine andere beherrscht und zu manch Konflikt/Krieg und temporär der Stillegung von "Mastercard"(die offen für Spenden für den politischen Arm fundamentalistischer Gruppierungen in der USA (Rassismus, Abtreibung,...) aber nicht für Wikileaks, die dem "Mutterland" der Demokratie eben jenes Gut zurückgeben wollen (könnte man geschönt und wieder recht populistisch, einseitig formulieren, ist aber wohl was wahren dran) geführt hat)...was für ein schrecklich schöner Anhang, der hoffentlich die gewünschte Parallele und somit die Mühe beim Lesen deines Textes etwas überzeichnend verdeutlicht.

Genug der geistigen Ergüsse, die mehr aus Langeweile, denn Überzeugung und Wille zur Tiefe geschrieben wurden...noch etwas Patriotismus am Ende, was allerdings meine Erfahrungen an der Universität bestätigt haben...der Westen wird viel zu hoch bewertet, zumindest was Bildung, Kultur angeht, allenfalls Baden-Württemberg kann mit Sachsen bzw. v.a. Dresden mithalten, natürlich gibt es Ausnahmen, weswegen ich von der Breite, dem Durchschnitt rede, aber selbst der Schlechteste in meinem Jahrgang, an meinem Gymnasium (Romain-Rolland) wirkt wie Kafka/Hesse...im Vergleich zu ein paar Legasthenikern im Westen, die nach Wörtern ringen, abstruse Wortschöpfungen betreiben und rhetorisch filigran durch die Welt "tun, tuten"...mit einem geöffneten Horizont à la Siddhartha Gautama, denn diese "Bild"-lesenden, "Bauer sucht Frau" schauenden, mit Klischees behafteten "Wessis"...hyperbolisch formuliert, immerhin kommen einige meiner besten Freunde aus dem Westen, ist ma chérie eine waschechte Wessi...

(Bin zu faul nochmal drüber zu lesen, ist an einem Stück geschrieben, weswegen er nicht minder strukturiert wie dein Text wohl geworden ist, ein paar Fehler existieren können, neige weiterhin in der Eile zur Akkumulation und dem etwas großzügigen Gebrauch von Kammata)

Um Verzeihung der inhaltlichen wie formellen Entgleisungen flehend, erwarte ich deine charmante wie bissige Antwort.

Beaucoup de bisous mon p'tit chouchou