Der Mindestlohn

Wirtschaftspolitik Eine Bedrohung für die Wirtschaft der Bundesrepublik?
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Die meisten Politiker würden folgenden Satz wahrscheinlich unterschreiben: Menschen, die arbeiten, dürfen ihre Kinder nicht in Armut großziehen. Genau an diesem Punkt setzt die Einführung eines Mindestlohns an, welcher aber von weiten Teilen der Union und Wirtschaft skeptisch beäugt wird. Ein Beispiel wäre, der von Unsinn triefende offene Brief von Hans-Werner Sinn an Angela Merkel, in welchem er vor der Einführung eines Mindestlohns warnt, weil die Bundeskanzlerin damit „Deutschlands Wohlstand verschleudern würde“. Als Negativbeispiel wird oft Frankreich herangezogen ohne zu beachten, dass es auch Länder in der EU gibt, welche in einer besseren wirtschaftlichen Lage sind UND einen Mindestlohn besitzen (siehe Niederlande, Luxemburg…).

Wenn sogar ultrakapitalistische Länder, wie die USA oder Großbritannien, einen gesetzlichen Mindestlohn haben, müsste das den deutschen Politikern doch zu denken geben. So schlecht kann doch kein Beruf sein, dass man dafür nur mit 3 Euro pro Stunde entlohnt wird. Große Teile der Wirtschaftstheoretiker und der Presse versäumen es, sich mit den Schicksalen hinter den bloßen Statistiken der Erwerbstätigen auseinanderzusetzen. Wie soll das im richtigen Leben ohne Mindestlohn funktionieren, wenn man eine Familie ernähren muss, wenn man Miete zahlen muss, wenn man sich nicht mal für 50 Euro notwendige Schuhe für den kommenden Winter kaufen kann? Die Zahl der Niedriglohnempfänger steigt und mit ihnen die prekären Lebenslagen. Umso zynischer mutet das Argument der Mindestlohngegner an, dass ein Mindestlohn Jobs vernichtet und schlecht bezahlte Arbeit besser als keine Arbeit ist. Ein vernünftiger Mindestlohn schützt die arbeitenden Menschen vor sklavenähnlicher Ausbeutung. Will man Jobs schaffen um jeden Preis? Dann bräuchten wir ja überhaupt keine sozialen Mindeststandards mehr!

Es geht nicht nur um die quantitative Zielsetzung die Zahl der Arbeitslosen zu verringern, sondern auch darum dass Wirtschaft kein Selbstzweck ist, dass Menschen in Würde von ihrer Arbeit leben können. Die schlechte Lage der Wirtschaft lässt die Einführung eines Mindestlohns nicht zu? Quartalsergebnisse sind fast nie so gut, dass Unternehmer komplett zufrieden sind, da die Profitmaximierung in der Natur des Kapitalismus liegt. Deshalb wird man immer von Unternehmerlobbys zuhören bekommen, dass man sich einen Mindestlohn nicht leisten kann. Mindestlohnbezüge drücken sicherlich weit weniger aufs Portemonnaie der Unternehmen, als die höheren und höchsten Gehälter. Da man bei einer Mindestlohneinführung auf den einen oder anderen zusätzlichen Porsche verzichten muss, ist eine Begründung die wohl näher an der Wahrheit liegt, eine Begründung welche die Unternehmerlobbys sich aber nicht auszusprechen trauen.

Ein gesetzlicher Mindestlohn ist nicht nur Abbild einer humanen Wirtschaftspolitik, sondern er bringt ebenfalls handfeste ökonomische Vorteile mit sich: er stärkt die Kaufkraft vieler Menschen, bekämpft das Lohndumping und verringert die immer breiter werdende Arm-Reich Schere. Wenn Wirtschaftsbosse und Manager gegen den Mindestlohn wettern, sollten sie doch für einige Wochen für 5 Euro die Stunde arbeiten! Mal schauen, ob sie dann noch die gleichen zynischen Vorstellungen von„schlechte Arbeit ist besser als gar keine Arbeit“ besitzen.

Wer den Mindestlohn als Vorstufe zum Sozialismus sieht, besitzt ein pervertiertes Gesellschaftsbild. Die Union sollte öfters mal in der katholischen Soziallehre blättern als in der konfusen Gedankenwelt eines Friedrich Merz herumzustochern.

Wenn es zu einer Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns kommt, macht es keinen Sinn, verschiedene Mindestlöhne auf die unterschiedlichen Branchen und Bundesländer zu verteilen, da so ein Flickenteppich entsteht, in welchem Unternehmen eine anständige Bezahlung ohne größere Umstände umgehen können. Die Menschen in den neuen Bundesländern sind ja nicht weniger wert als die Menschen in den alten Bundesländern.

Wenn man den offenen Brief von Herrn Sinn an die Bundeskanzlerin liest, kommt man jedoch zum Schluss, dass ein Mindestlohn die Wirtschaft zersetzt und wettbewerbsschädigend ist. Nun da das ifo Institut für Wirtschaftsforschung im immer stärker werdenden Wettbewerb der internationalen Wirtschaftsinstitute wettbewerbsfähig bleiben muss, schlagen wir vor, dass Herr Sinn mit gutem Beispiel vorangeht und sein Gehalt dort auf 3,50 Euro zu begrenzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und, um die deutsche Wirtschaft nicht durch zu hohe Lohnforderungen zu ruinieren.

14:31 14.05.2014
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Geschrieben von

Don Corleone

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