DonaldSardon

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Teure Diener | 11.03.2011 | 15:45

donaldsardon

Ich wurde ca. 1975 an einer Universität in Berlin als wissenschaftlicher „Assistent“ zunächst für 1-2 Jahre eingestellt als Angestellter, mit Tarif BAT IIa, danach wurde die Stelle (mit genau den gleichen Aufgaben) in eine befristete Beamtenstelle, mit Tarif A13, umgewandelt. Nach Ende meiner Assistentenzeit bekam ich an der gleichen Universität eine befristete Angestelltenstelle mit Tarif BAT IIa. Dann, ca. 4 Jahre später, wurde ich, immer noch an der gleichen Universität, auf eine unbefristete Beamtenstelle (Akad. Rat) eingestellt, erneut mit Tarif A13.

Bei der ersten Umwandlung von BAT IIa in die Beamtenstelle A13 erwartete ich noch eine Verbesserung des Netto-Einkommens. Das hat sich aber gleich als falsch herausgestellt. Die Nettoeinkommen unterschieden sich fast überhaupt nicht. Was sich unterschied, waren die Brutto-Einkommen. Auf der Angestelltenstelle gab es Brutto deutlich mehr, auf der Beamtenstelle Brutto deutlich weniger. Weil aber auf der Angestelltenstelle die Rentenversicherungsbeiträge abgezogen wurden ergab sich durchgängig: BAT IIa-Netto ungefähr gleich A13-Netto.

Übrigens habe ich beim Übergang auf die unbefristete Stelle, also dem für mich zweiten Übergang von BAT IIa nach A13, noch versucht, anstelle der unbefristeten Beamtenstelle eine unbefristete Angestelltenstelle BAT IIa zu bekommen, weil es da einen vernünftigen Arbeitsvertrag gab. Das wollte die Universität nicht, weil, wie ich damals erfuhr, die A13-Stelle für die einstellende Behörde (also die Universität) kurz- und mittelfristig billiger war (wegen des geringeren Brutto, nur langfristig war ja viel später die Pension zu bezahlen).

Wie kommt das alles?

Vor ca. 15 Jahren hat ein älterer Bekannter, von Beruf Steuerprüfer und schon damals pensionierter Beamter, daher recht kundig, mich darüber aufgeklärt.

Bis zum Jahr 1957 gab es entsprechend der Rentenversicherungsanstalt für Angestellte eine „Pensionskasse“ für Beamte, in die, so wie bei Angestellten, regelmäßig vom Brutto-Beamtengehalt eingezahlt wurde.

Diese „Pensionskasse“ wurde durch die Politiker abgeschafft, um die Verwaltung zu vereinfachen. Nun wurde, von den öffentlichen/staatlichen Behörden, bei den Beamtengehältern einfach vom Brutto eben der Betrag, der bis dahin an die „Pensionskasse“ gegangen war, abgezogen. Zugleich übernahmen diese Behörden die Verpflichtung, die Beamtenpensionen zu bezahlen.

Diese Abschaffung der Pensionskasse im Jahr 1957 geschah übrigens gegen den Protest der Gewerkschaften und gegen den Protest des Beamtenbundes!!!

Was waren die Argumente dieses Protestes? Längerfristig sei zu befürchten, in der Öffentlichkeit und in den Medien werde vergessen, dass die Beamten durchaus, ebenso wie die Angestellten, für Ihre Altersversorgung durch Kürzung Ihres Brutto-Gehaltes aufkommen. Weiterhin könne es längerfristig Entwicklungen geben, die auf eine Versteuerung der ursprünglich steuerfreien Pensionszahlungen hinauslaufen, weil die Pension ja rechnerisch nicht mehr durch direkte Zahlungen vom zu versteuernden Brutto-Einkommen der Beamten erworben werde, sondern nur indirekt durch eine schon 1957 beschlossene Kürzung des Brutto-Gehaltes.

Und ganz genauso ist es gekommen. Heute meint jeder (ja sogar viele der Beamten selbst), Beamten erhielten Ihre Altersversorgung vom Staat ohne dafür eigene Leistungen erbracht zu haben – und es taucht immer mal wieder die Forderung auf, doch endlich auch die Beamten ihre Altersversorgung selbst zahlen zu lassen.

Bei Wiedereinführung des Pensionsfonds wäre also zu fordern, dass die Bruttogehälter der Beamten zunächst auf das gleiche Niveau gehoben werden wie die Bruttogehälter der Angestellten auf äquivalenten Stellen.

Die Geschichte der Abschaffung des Pensionsfonds im Jahre 1957, einschließlich der Proteste der Beamten dagegen, ist eigentlich ganz einfach zu recherchieren und man sollte erwarten, dass sie auch in den Medien mal erzählt wird. Aber das geschieht nicht. Denn alle sind sich einig, dass die Beamten ihre Alterversorgung „für umsonst“ bekommen. Wer dem widerspricht und bezweifelt, dass die Beamten seien in Sachen Altersversorgung privilegiert seien, macht sich unbeliebt.

warum? Alle sind sich einig, dass die Beamten ihre Alterversorgung „für umsonst“ bekommen. Wer dem widerspricht und bezweifelt, dass die Beamten seien in Sachen Altersversorgung privilegiert seien, macht sich unbeliebt.

RE: Teure Diener | 11.03.2011 | 15:45

donaldsardon

Ich wurde ca. 1975 an einer Universität in Berlin als wissenschaftlicher „Assistent“ zunächst für 1-2 Jahre eingestellt als Angestellter, mit Tarif BAT IIa, danach wurde die Stelle (mit genau den gleichen Aufgaben) in eine befristete Beamtenstelle, mit Tarif A13, umgewandelt. Nach Ende meiner Assistentenzeit bekam ich an der gleichen Universität eine befristete Angestelltenstelle mit Tarif BAT IIa. Dann, ca. 4 Jahre später, wurde ich, immer noch an der gleichen Universität, auf eine unbefristete Beamtenstelle (Akad. Rat) eingestellt, erneut mit Tarif A13.

Bei der ersten Umwandlung von BAT IIa in die Beamtenstelle A13 erwartete ich noch eine Verbesserung des Netto-Einkommens. Das hat sich aber gleich als falsch herausgestellt. Die Nettoeinkommen unterschieden sich fast überhaupt nicht. Was sich unterschied, waren die Brutto-Einkommen. Auf der Angestelltenstelle gab es Brutto deutlich mehr, auf der Beamtenstelle Brutto deutlich weniger. Weil aber auf der Angestelltenstelle die Rentenversicherungsbeiträge abgezogen wurden ergab sich durchgängig: BAT IIa-Netto ungefähr gleich A13-Netto.

Übrigens habe ich beim Übergang auf die unbefristete Stelle, also dem für mich zweiten Übergang von BAT IIa nach A13, noch versucht, anstelle der unbefristeten Beamtenstelle eine unbefristete Angestelltenstelle BAT IIa zu bekommen, weil es da einen vernünftigen Arbeitsvertrag gab. Das wollte die Universität nicht, weil, wie ich damals erfuhr, die A13-Stelle für die einstellende Behörde (also die Universität) kurz- und mittelfristig billiger war (wegen des geringeren Brutto, nur langfristig war ja viel später die Pension zu bezahlen).

Wie kommt das alles?

Vor ca. 15 Jahren hat ein älterer Bekannter, von Beruf Steuerprüfer und schon damals pensionierter Beamter, daher recht kundig, mich darüber aufgeklärt.

Bis zum Jahr 1957 gab es entsprechend der Rentenversicherungsanstalt für Angestellte eine „Pensionskasse“ für Beamte, in die, so wie bei Angestellten, regelmäßig vom Brutto-Beamtengehalt eingezahlt wurde.

Diese „Pensionskasse“ wurde durch die Politiker abgeschafft, um die Verwaltung zu vereinfachen. Nun wurde, von den öffentlichen/staatlichen Behörden, bei den Beamtengehältern einfach vom Brutto eben der Betrag, der bis dahin an die „Pensionskasse“ gegangen war, abgezogen. Zugleich übernahmen diese Behörden die Verpflichtung, die Beamtenpensionen zu bezahlen.

Diese Abschaffung der Pensionskasse im Jahr 1957 geschah übrigens gegen den Protest der Gewerkschaften und gegen den Protest des Beamtenbundes!!!

Was waren die Argumente dieses Protestes? Längerfristig sei zu befürchten, in der Öffentlichkeit und in den Medien werde vergessen, dass die Beamten durchaus, ebenso wie die Angestellten, für Ihre Altersversorgung durch Kürzung Ihres Brutto-Gehaltes aufkommen. Weiterhin könne es längerfristig Entwicklungen geben, die auf eine Versteuerung der ursprünglich steuerfreien Pensionszahlungen hinauslaufen, weil die Pension ja rechnerisch nicht mehr durch direkte Zahlungen vom zu versteuernden Brutto-Einkommen der Beamten erworben werde, sondern nur indirekt durch eine schon 1957 beschlossene Kürzung des Brutto-Gehaltes.

Und ganz genauso ist es gekommen. Heute meint jeder (ja sogar viele der Beamten selbst), Beamten erhielten Ihre Altersversorgung vom Staat ohne dafür eigene Leistungen erbracht zu haben – und es taucht immer mal wieder die Forderung auf, doch endlich auch die Beamten ihre Altersversorgung selbst zahlen zu lassen.

Bei Wiedereinführung des Pensionsfonds wäre also zu fordern, dass die Bruttogehälter der Beamten zunächst auf das gleiche Niveau gehoben werden wie die Bruttogehälter der Angestellten auf äquivalenten Stellen.

Die Geschichte der Abschaffung des Pensionsfonds im Jahre 1957, einschließlich der Proteste der Beamten dagegen, ist eigentlich ganz einfach zu recherchieren und man sollte erwarten, dass sie auch in den Medien mal erzählt wird. Aber das geschieht nicht. Denn alle sind sich einig, dass die Beamten ihre Alterversorgung „für umsonst“ bekommen. Wer dem widerspricht und bezweifelt, dass die Beamten seien in Sachen Altersversorgung privilegiert seien, macht sich unbeliebt.

RE: Guttenberg und der Niedergang der politischen Moral | 26.02.2011 | 10:54

DonaldSardon

Treten Sie nicht zurück, Herr Dr.!

In den Diskussionen dieser Webseite ist es selbstverständlich, Herrn Dr. Guttenberg den Rücktritt nahezulegen. Ich bin da anderer Meinung – und die möchte ich im Folgenden begründen. Das Resultat vorwegnehmend werde ich sagen, lasst uns Herrn Dr. Guttenberg zurufen: Treten Sie nicht zurück, geben sie solchen Anliegen nicht nach, bleiben Sie solange wie möglich Mitglied der aktuellen Regierung!

Hinreichend bekannt ist nun, Herr Dr. Guttenberg hat hochstaplerisch vorgegeben, etwas geleistet zu haben, was er nicht geleistet hat und er möglicherweise auch nicht leisten konnte, seine Haltung angesichts der Entdeckung seiner Hochstapelei ist scheinheilig, er tut so, als sei er offen und ehrlich, wie auch stark genug, um Fehler zugeben zu können, ein Betrug ist aber kein Fehler, sondern mit der Absicht verbunden, andere zum eigenen Vorteil zu täuschen.

So wird es nun in der Öffentlichkeit diskutiert – und eben das ist doch hochgradig begrüßenswert! Die Diskussion gäbe es nicht, wenn er seine Dissertationsleistung so ehrlich wie andere erbracht hätte. Der Mensch, der hinter seiner Maske steht, wurde auf einmal offenbar. (Anmerkung: man sehe sich seine Internetseite an, wo auf der Hauptseite eine automatische Diashow mit Selbstportraits und unterlegten Texten läuft, deren eitle und auf Effekt zielende Verlogenheit empfindsamen LeserInnen sofort klar wird – auch ohne die ganze Dissertationsgeschichte.)

Herr Dr. Guttenberg ist Mitglied und führende Figur in einer der beiden Parteien, deren Zusammengehörigkeit wie auch Ausrichtung von ihnen durch das Wort „christlich“ gekennzeichnet wird. Und diese Wortverwendung muss angesichts der von diesen Parteien betriebenen Politik ebenso wie die Vorlage der Dissertation und das Verhalten angesichts der Entlarvung als Hochstapelei bezeichnet werden.

Das Wort „christlich“ suggeriert ja nicht lediglich eine Nähe zu den christlichen Kirchen, sondern vor allem ein Anliegen dieser Parteien, den Benachteiligten in unserer Gesellschaft Barmherzigkeit zu zeigen („was du dem Ärmsten getan hast, hast du mir getan“), friedlich zu sein („die andre Wange hinhalten“), sich für hilflose Kinder einzusetzen („lasset die Kindlein zu mir kommen“), gerecht und großzügig auch mit Sündern umzugehen („wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“). Solches und noch vieles mehr suchen diese Parteien als ihre dermaßen zentrale Grundhaltung zu suggerieren, dass sie das Wort „christlich“ als Bestandteil Ihres Namens wählen. Dies ist angesichts der von diesen Parteien forcierten konkreten Politik ebenso scheinheilig, mit Täuschungsabsicht, mit Betrug und Hochstapelei verbunden wie die Sache mit der Dissertation des Herr Dr. Guttenberg. Muss ich das hier wirklich belegen? Es zeigt sich u.a. in der Haltung dieser Parteien zum Krieg, zur Kinderarmut in unsrem Land, in Sachen Strafjustiz, im Umgang mit den größtenteils unschuldig arbeitslos Gewordenen, bei einer Sicherung angemessener Löhne am untersten Ende der Skala, bei Rentenkürzungen durch Rentenalteranhebung für die zukünftig von Altersarmut Bedrohten. Geholfen wird gerade nicht den Unglücklichen, Schwachen und Benachteiligten, sondern in vorgeblich „christlicher“ Weise den ganz Reichen, den großen Konzerne, Banken, Versicherungen, den Starken.

Aber die Betrugsabsicht bei der Verwendung des Wortes „christlich“ der derzeit regierenden Parteien, diese Hochstapelei, diese Scheinheiligkeit wird überhaupt nicht in der Öffentlichkeit diskutiert oder gar angeprangert.

In der Öffentlichkeit diskutiert und angeprangert wird Hochstapelei und Scheinheiligkeit mit Sicht auf einen vormals glänzend aufgetretenen Vertretern eben dieser Parteien, Herrn Dr. Guttenberg. Damit wird der Schleier, der über der Hochstapelei der „christlichen“ Parteien ausgebreitet ist, an einer einzelnen Stelle wenigstens ein klein bisschen angelupft. Andeutungsweise wird auf einmal sichtbar, welche Falschheit hinter den „christlich“ genannten Haltungen öffentlicher Vertreter dieser Parteien steht.

Man muss sich daher im Interesse der sicherlich vielen, durch die parteiliche Wortverwendung „christlich“ irregeführten Menschen in unserer Gesellschaft wünschen, diese öffentliche Diskussion werde möglichst tiefgehend wie auch lange weiter fortgesetzt. Und das wird sie vor allem dann, solange Herr Dr. Guttenberg noch im Amt bleibt, nicht zurücktritt oder entlassen wird.

Daher wünsche ich mir, dass Herr Dr. Guttenberg noch möglichst lange an seinem Ministerposten festhält – auch wenn es ihm sehr bald nicht mehr möglich sein wird. Und möchte ihm, wie oben angekündigt, zurufen: „Treten Sie nicht zurück, geben sie solchen Anliegen nicht nach, bleiben Sie solange wie möglich Mitglied der Regierung!“