Gerhard Polt vs. Slavoj Žižek.

Humanität "Menschenwürdiger Umgang" mit Zuwanderern ist das Thema von Gerhard Polt. Für Slavoj Žižek sind Flüchtlinge "außerirdische" Wesen.
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Dem Tausendsassa Slavoj Žižek hingegen ist der humanitäre Umgang mit Zuwanderern bzw. Flüchtlingen offenbar eher zuwider, da Flüchtlinge seiner Auffassung nach als temporär nicht dem "Proletariat" zugehörig definiert werden sollten: "Denn das Proletariat besteht für Marx aus ausgebeuteten Arbeitern, deren Schicksal es ist, den Wohlstand für andere zu erarbeiten. Während das überall entstandene Prekariat als neue Form des Proletariats gelten darf, befinden sich die Flüchtlinge in einer paradoxen Situation: Sie sind erst daran, zu neuen prekären Arbeitern zu werden. Insofern sind sie erst einmal «nichts», ohne Platz im sozialen Gefüge eines Landes, das sie aufgenommen hat, und von hier ist es ein langer Weg zum Proletariat im Marxschen Sinne." Die wahren Zurückgelassenen werden aufbegehren

Und am Ende schließt der "marxistische" Tausendsassa mit der "grossen" Frage ab:

"Sollen die linken Intellektuellen also das humanitäre Spiel blind mitspielen und sich allein um die Flüchtlinge kümmern? Oder sollten sie sich vielmehr darauf konzentrieren, das System zu unterminieren, das diese Flüchtlinge erst hervorbringt?"

Wie so oft spielt Žižek das "Proletariat" hier gegen Flüchtlinge dort aus. Diese Sichtweise auf die Flüchtlingsfrage und der damit verbundenen sozialen Frage weist er im NZZ-Artikel als "marxistische" Position aus. Entsprechend seiner Wortwahl meine ich:

Mit Verlaub- das ist nicht nur unmarxistisch (Spaltung statt internationale Solidarität), das ist zutiefst inhuman (Žižek: Flüchtlinge sind erst einmal "nichts" und sollen wir uns um Flüchtlinge allein kümmern?).

Es geht auch verbindender und verbindlicher: Eine solidarische Einwanderungsgesellschaft und die 2. Internationale zu linker Flüchtlingspolitik sagte.

Richard David Precht im Gespräch mit Ilija Trojanow, Schriftsteller: Überall in Europa feiern nationalistische Parteien Wahlerfolge. Ihr Thema ist die angebliche "Überfremdung" der jeweiligen Gesellschaft. Woher kommt die Angst vor dem Fremden? (Noch 6 Tage verfügbar)
Dazu passend: Eine paradoxe Wut auf das Leiden Anderer

"Das Bedrohungsgefühl könnte durch die Infragestellung der Privilegienverhältnisse thematisiert werden. Aber die derzeit zu erlebende Reaktion ist das Gegenteil, ist diese allgegenwärtige Gewalt und die paradoxe Wut auf die Leiden Anderer. Wir, die wir geopolitisch privilegiert sind, verzeihen den Flüchtlingen, dem «Abfall der Weltordnung», wie der Soziologe Zygmunt Bauman es formuliert hat, - eine Ordnung, die nicht unwesentlich von westlichen Akteuren und Instanzen errichtet wurde und von der der Westen unermesslich profitiert -, wir verzeihen den Flüchtlingen nicht, dass sie leiden und uns mit ihrem Leid in den gut eingerichteten Vierteln unseres Wohlstands im wahrsten Sinne zu Leibe rücken. Deshalb müssen sie dämonisiert, herabgewürdigt und letztlich entmenschlicht werden."https://www.rosalux.de/publikation/id/14837/warum-migration-provoziert/

23:17 17.12.2017
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