Katalonien-Baskenland bewegt.

Infoblog 7. Teil zu den aktuellen Entwicklungen bzw. Ereignissen in Katalonien und im Baskenland.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der sechte Teil kann hier gelesen werden. 2. Dezember

Raul Zelik hat spätestens mit seinen Analysen zu der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien einen größeren Bekanntheitsgrad in der deutschen Medienlandschaft erlangt. Zudem beschäftigt er sich seit längerem mit der politischen Entwicklung der links-abertzalen* Bewegung im Baskenland. Dazu ist ein "kleines" Büchlein erschienen, das er dieses Wochenende in Pamplona vorstellen und unter anderem mit dem baskischen Chefredakteur der Tageszeitung GARA diskutieren wird.

Eingebetteter Medieninhalt

Aus seiner Sicht kann man Einiges von der baskischen Linken lernen. Dazu Raul Zelik* im O-Ton: "Fünf Aspekte haben mich an an ihr interessiert:

1.) ist es eine Linke, die im besten gramscianischen Sinne im sozialen und kulturellen Alltag verankert ist und konsequent Gegenhegemonie aufzubauen versucht. Die feministische Inhalte, alternative Jugendkultur und Gewerkschaftsforderungen in die letzten Dörfer tragen kann. Die auf Selbstorganisierung im Viertel setzt, Hunderte von Nachbarschaftszentren unterhält und es schafft, ganz normale Volksfeste mit politischen Inhalten zu besetzen.

2.) ist es eine Linke, die seit 40 Jahren in Institutionen arbeitet, Hunderte Bürgermeister/innen gestellt hat, mit 21% als zweitstärkste Fraktion im Parlament sitzt, aber trotzdem den außerparlamentarischen Schwerpunkt nicht verloren hat. Das heißt, sie hat nach wie vor klar, dass Wahlen und Medienpräsenz für Linke nicht die zentralen Größen beim Aufbau gesellschaftlicher Gegenmacht sein können.

3.), was in der Eribon-Debatte ganz interessant gewesen wäre, ist es eine Linke, die von normal arbeitenden Leuten – Lehrer/innen, Fabrikarbeiter/innen, Bäuer/innen – und nicht von Akademiker/innen und Berufspolitiker/innen dominiert ist. Und in der politische Führung, zumindest bislang, eher als die Aufgabe eines Kollektivs als die prominenter Spitzenpolitiker/innen verstanden wurde.

4.) hat sie in ihrer politischen Praxis eine Strategie entwickelt, wie sich Linke positiv auf das gemeinschaftliche Leben in Dörfern und Stadtteilen beziehen können, ohne vor dem reaktionären Stumpfsinn zu kapitulieren, den es in solchen Gemeinschaften eben auch gibt. Die an der Solidarität des Alltagslebens positiv anknüpft und letzteres trotzdem verändert.

Und 5.) ist es eine Linke, die dazu beigetragen hat, dass es in ihrem Land eine der stärksten Genossenschaftsbewegungen der Welt gibt und dass Allmende-Praktiken im Alltag nach wie vor weit verbreitet sind.

In den letzten 2 Jahren war ja viel die Rede davon, dass wir von Parteien à la Podemos und linkem Populismus à la Mélenchon lernen sollten. Ich glaube eher, dass es sich lohnen würde, einen Blick auf die Ränder und Nebenschauplätze zu werfen."

*Mit freundlichem Einverständnis des Autors hier im Freitag veröffentlicht (Original auf der Facebook-Seite von Raul Zelik).

* Zur Übersetzung und Begriffsdeutung von “abertzale” Linke: "Das baskische Wort bedeutet in seiner ursprünglichen Übersetzung “patriotisch”. Die mit dem deutschen Begriff verbundenen idologischen Konnotationen unterscheiden sich wesentlich vom baskischen “abertzale”. Im 21. Jahrhundert bezeichnen sich alle die Organisationen und Individuen als “abertzale”, die ein neues baskischen Gemeinwesen anstreben, das jenseits des aktuellen Rechtsrahmens der spanischen und französischen Verfassung sowie der bestehenden Autonomiestatute enstehen soll." ETXERA

Von Raul Zelik gibt es hier hervorragende Analysen zu Katalonien und dem Baskenland:

14:07 02.12.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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