Katalonien bewegt!

Info-Blog 4. Teil zu den aktuellen Entwicklungen bzw. Ereignissen in Katalonien.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der dritte Teil kann hier gelesen werden.

25. November

Das Unionisten-nahe ZDF spricht im Zusammenhang mit den Zwangswahlen am 21-D in Katalonien von einer "seltsamen Wahlkampagne", obwohl die ZDF-Reporterin konstatieren muss, dass auf den Kandidatenlisten viele Altbekannte Unabhängigkeitsbefürworter vorne stehen.

Was die mit Blick auf die von der spanischen Zentralregierung diktierten "Neuwahlen" angeht (anmutend "lustig" in Deutschland, dass hier (fast) niemand Neuwahlen will, aber in Katalonien von den Mainstream-Medien und den EU-Institutionen kritiklos befürwortet sowie propagandistisch unterstützt wird, obwohl die spanischen/katalanischen Bürger ihre Regierung bis 2019 demokratisch gewählt haben), hat der Spanien-Katalonien-Kenner Raul Zelik detaillierte Informationen aufbereitet:

Dazu Zelik in seinem erstklassigen Info-Blog:

"Anders als ich vor 2 Wochen geschrieben habe, ist es nicht zu einer gemeinsamen Liste der Unabhängigkeitsparteien gekommen – obwohl das Zehntausende KatalanInnen mit einer Unterschriftenliste gefordert hatten. Es gibt nun drei Listen: die Liste Junts per Catalunya von Ministerpräsident Puigdemont, die Liste der linksrepublikanischen ERC und die linksradikale der CUP. Alle drei Listen haben allerdings offenen Charakter. Puigdemont hat seine Partei, die liberale PDeCAT, davon überzeugt, keine PolitikerInnen, sondern VertreterInnen der Gesellschaft (darunter den inhaftierten Vorsitzenden der ANC Jordi Sànchez) auf der Liste aufzustellen. Die ERC präsentiert sich in einem Bündnis mit ehemaligen SozialdemokratInnen, Grünen und sogar ChristdemokratInnen, und die CUP ist sowieso mehr eine offene Kandidatur von Bewegungslinken als eine klassische Partei." weiterlesen hier: Was ist los in Katalonien?

Zur antikapitalistischen CUP hier ein Interview von Raul Zelik mit Quim Arrufat, dem Sprecher des Generalsekretariats der CUP, "die mit acht Prozent im katalanischen Parlament sitzt und dort zwei Jahre lang die abgesetzte Regierung Puigdemont toleriert hat. Mit Arrufat sprach Rauk Zelik darüber, wie sich die Lage nach der Suspendierung der katalanischen Autonomie darstellt und warum die antikapitalistische CUP so sehr auf die Gründung eines unabhängigen Kataloniens setzt." weiterlesen hier: Unabhängigkeit - gegen den Nationalstaat?

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Wie redet man einen katalanischen Präsidenten an, der von Bürgern demokratisch gewählt wurde und zur Zeit in Brüssel residiert?

Diese Frage stellte sich Burkhard Birke, der in Brüssel ein sehr interessantes Interview mit Puigdemont geführt hat , und sich dieser Frage wie folgt angenährt hat:

Birke: Im Gespräch habe ich ihn eigentlich immer nur als Carles Puigdemont angesprochen, normalerweise spricht man ja auch Ex- oder abgesetzte Präsidenten immer mit Präsident an, und irgendwann kam dann doch die Frage. Hören wir doch dann mal, was er zu sagen hatte." weiterlesen hier http://www.deutschlandfunk.de/carles-puigdemont-natuerlich-betrachte-ich-mich-noch-als.694.de.html?dram:article_id=401410

In diesem Zusammenhang hat die spanische Wahlkommission dem katalanischen Sender TV3 angeordnet, dass sie in ihren Nachrichtensendungen von "Regierung im Exil bzw. "exillierten" Regierungsmitgliedern in Brüssel nicht sprechen darf.http://www.lavanguardia.com/politica/20171124/433141923223/junta-electoral-provincial-prohibe-tv3-usar-exilio-referirse-puigdemont.html

Apropos Interview mit Puigdemont kann hier gelesen oder auf spanisch angehört werden:

"Natürlich betrachte ich mich noch als Präsident"

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Sehens- und hörenswerter Dialog zwischen Sabine Kebir und Professor Carlos Collado-Seidel

Eingebetteter Medieninhalt

Als Ergänzung zum obigen Gespräch:

Kulturgeschichtlich skizzierte Gründe für Eigenstaatlichkeit Kataloniens: Walther L. Bernecker "Wechselvolle Nachbarschaft in Iberien"

"Mitte des 13. Jahrhunderts bewirkte das damals schon ausgeprägte Freiheitsstreben der Katalanen die Einrichtung eines ständischen Repräsentativorgans (Consell de Cent), das 1359 schliesslich einen ständigen Ausschuss, die Generalitat, ernannte und ein ständisches Regierungsorgan bildete. Die Generalitat entwickelte sich zu einer der ersten parlamentarisch verantwortlichen Regierungen der Welt. Das sich schnell herausbildende katalanisch-aragonesische Rechts- und Verwaltungssystem unterschied sich in vielfältiger Weise vom kastilischen: Die Krone Aragonien war keine absolute Monarchie, die verschiedenen Stände hatten weitreichende Mitbestimmungsrechte. Von grösster Bedeutung wurde das Paktwesen (pactismo), das ausgehandelte Einvernehmen zwischen dem Monarchen und den gesellschaftlichen Schichten des Adels und des Stadtpatriziats." weiterlesen hierhttps://www.nzz.ch/international/wechselvolle-nachbarschaft-in-iberien-ld.1321927

Dazu passend eine kritische Annährung an die Unabhängigkeitsbefürworter in Katalonien von Wolf Wetzel:

"Im ersten Teil ging es darum, in überschaubarem Umfang die katalanische Unabhängigkeitsbewegung zu beschreiben: „Kann man einen (katalanischen) Nationalismus links wenden?
In diesem zweiten Teil geht es darum, einem wichtigen Einwand nachzugehen: Sich auf die letzten zehn Jahre zu konzentrieren, sei viel zu kurz gegriffen, um das Unabhängigkeitsbestreben in Katalonien zu verstehen, so der Einwurf." weiterlesen hier Unabhängigkeit für Katalonien?

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Meiner Meinung nach eine unterstützungswürdige demokratische Aktion:

14:12 25.11.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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