Katalonien - der spanische Faschismus.

Franquismus Ceka K Uebel: Unverarbeitete Geschichte des Grauens: In der ganzen Welt gibt es Strömungen von Revisionisten, die den Holocaust leugnen.
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In Spanien kommen die Leugner der Verbrechen des Franco-Regimes noch dazu. Vor diesem Hintergrund hat der Autor, Ceka K Uebel, einige relevante Richtigstellungen zu den Legendengeschichten und Falschdeutungen über den Franquismus zusammengestellt, die auf Spanisch im "el diario.es" erschienen sind: Franco: datos frente a la demagogia negacionista.

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1. Franco war ein Putschist gegen eine demokratische Ordnung. Spaniens Rechte, Franco sehr nahestehend, hat ihre Version geschminkt und die Realität verfälscht, um diesen Aufstand gegen die verfassungsmäßige Ordnung zu legitimieren.

2. Es ist falsch, dass der Putsch eine Antwort auf den Mord an Calvo Sotelo war. Der Putsch war vorbereitet und das Datum war Monate vor diesem Angriff geplant.

3. Es ist falsch, dass der Staatsstreich wegen der kommunistische Bedrohung durchgeführt wurde. Die PCE (Partido Comunista Español - Kommunistische Partei Spaniens) hatte 1936 kaum 3000 Mitglieder und erlangte nur 16 Abgeordnete bei den Wahlen im Februar 1936.

4. Die Kommunisten wurden erst während des Krieges stark, weil die westlichen Demokratien der Republik nicht halfen und die einzige ausländische Unterstützung von der Sowjetunion kam.

5. Es ist falsch zu sagen, dass "der Krieg von der Linken in '34 initiiert wurde".
Die Rechte regierte die Republik im Jahr 1934 und fuhr fort, dies zu tun, bis sie im Februar 1936 die Wahl verlor.

6. Es ist auch falsch zu sagen, dass es den Putsch wegen "des Betrugs bei den Wahlen von 36 gab: Der rechte Flügel und die deutschen Geheimdienste sagten den Sieg der Volksfront bei den Wahlen im Februar bereits voraus.

7. Bereits in den 80er Jahren kamen verschiedene Historiker nach einer wissenschaftlichen Analyse der Wahlergebnisse zu dem Schluss, dass es keine nennenswerten Unregelmäßigkeiten, geschweige denn entscheidende Faktoren für die endgültige Sitzverteilung gegeben hatte.

8. Franco löste einen Krieg aus, der das Land zerstörte und 300.000 Aktivisten und Zehntausende Zivilisten tötete. Franco ermordete weitere 150.000 Männer und Frauen aus ideologischen Gründen.

9. Francos internationale Unterstützer waren Hitler und Mussolini. Italienische faschistische Truppen, Nazi-Militärberater und Flugzeuge der deutschen Condor-Legion kämpften Seite an Seite mit den franquistischen Soldaten.

10. Francos Verbrechen waren keine Reaktion auf die Gewalt "der republikanischen Seite", sondern eine vorsätzliche Strategie.

11. Drei Monate vor dem Aufstand, im April 1936, diktierte General Mola allen seinen rebellischen Gefährten geheime Befehle und sagte unter anderem: "Die Aktion muss extrem gewalttätig sein, um so schnell wie möglich den Feind zu besiegen."

12. (...) mit vorbildlichen Strafen (...) Bewegungen der Rebellion oder des Streiks zu erwürgen. Beseitigen Sie die linken "Elemente": Kommunisten, Anarchisten, Gewerkschafter, Freimaurer usw.».

13. In den Regionen, in denen sich der Staatsstreich sofort durchsetzte und es daher weder Krieg noch Opfer der Rechten gab, war die Repression gleich oder brutaler als in den Gebieten, die Monate oder Jahre später in die Hände der Franquisten gerieten.

14. Als der Krieg begann, waren die Befehle der rebellischen Generäle: Mord und Vergewaltigung. Franco: "In einem Bürgerkrieg ist eine systematische Besetzung des Territoriums, begleitet von einer notwendigen Säuberung, einer schnellen Niederlage der feindlichen Armeen vorzuziehen"

15. General Juan Yagüe: "Dem, der sich widersetzt, weißt du schon, was du zu tun hast: zum Gefängnis oder zur Mauer, ist egal. Wir haben uns vorgenommen euch zu schlagen, und das werden wir tun. "

16. General Queipo de Llano: "Unsere mutigen Legionäre undMilizen haben den feigen Roten gezeigt, was es heißt, echte Männer zu sein. Und auch ihren Frauen. Das ist völlig gerechtfertigt, weil diese Kommunisten und Anarchisten freie Liebe predigen.

17. General Emilio Mola: "Parlamentarier? Niemals! Dieser Krieg muss mit der Vernichtung der Feinde Spaniens enden (...) Ich will sie besiegen, um meinen Willen, der jetzt auch Dein Wille ist, aufzudrängen und sie zerstören».

18. Die rebellischen Generäle nutzten die marokkanischen "einheimischen" Truppen als Waffe, um Terror und Tod zu säen. Internationale Journalisten notierten in ihren Chroniken, wie die "maurischen Truppen" ihnen "Ohren der Kommunisten" als Souvenirs anboten.

19. Franco verursachte das Exil von 250.000 Spaniern. Franco inhaftierte mehr als eine Million Männer und Frauen in Gefängnissen und Konzentrationslagern.

20. Franco baute ein faschistisches Regime auf, das Deutschland und Italien im Zweiten Weltkrieg unterstützte. Er stimmte mit Hitler der Deportation von Tausenden von Spaniern/innen in die Konzentrationslager der Nazis zu.

21. 7.500 von de Deportierten würden in Orten wie Mauthausen, Buchenwald, Dachau, Auschwitz oder Ravensbrück ums Leben kommen.

22. Franco lehnte Hitlers Angebot, "seine Juden" zu repatriieren, ab, bevor er die "Endlösung" startete. Diese Untätigkeit des spanischen Diktators führte dazu, dass mindestens 40.000 Männer, Frauen und Kinder sephardischer Herkunft in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau landeten.

23. Franco schickte 50.000 Männer, um in der Uniform der Naziarmee zu kämpfen und unter dem Banner des Hakenkreuzes zu kämpfen. Franco fing erst 1943 an seinen Faschismus zu schminken, als Hitler die ersten Kämpfe in Europa verlor, und befürchtete, der Führer würde ihm schaden.

24. Franco entführte die Freiheiten der Spanier für 40 Jahre. Während des Franco-Regimes gab es mindestens 30.960 gestohlene Babys aus republikanischen Familien, um Ihnen "Werten des Neuen-Spaniens" zu geben und ein wirtschaftlich gutes Geschäft zu machen. Die zu verschachern.

25. Franco hatte seinen eigenen Doktor Mengele. Antonio Vallejo-Nágera. Seine Theorien fesselten den Diktator und wollten beweisen, dass der Marxismus das Ergebnis eines "roten Gens" sei. Dieser "Arzt" experimentierte mit den Gefangenen verschiedener Konzentrationslager. Unter anderem mit den Mitgliedern der Internationalen Brigaden, die in San Pedro de Cardeña gefangen gehalten wurden. Sein ideologischer Rassismus, angeblich wissenschaftlich, legitimierte den Diebstahl von Babys und die Eliminierung von Feinden, wegen des imaginären Gens.

26. Franco verurteilte spanische Frauen zur Rolle von Dienern ihrer Väter, Ehemänner und Kinder. Franco ernannte Frauenführerin Pilar Primo de Rivera: "Frauen entdecken nichts, es fehlt ihnen natürlich das schöpferische Talent, das Gott für männliche Intelligenzen reserviert hat..... wir können nicht mehr tun, als besser oder schlechter zu interpretieren, was Männer uns vorgeben (...) «Die einzige Aufgabe, die die Frauen in dem Heimatland haben, ist das Zuhause »

27. Franco tötete die Intelligenz. Buchstäblich. Er ermordete Intellektuelle von internationalem Format wie Miguel Hernández oder Federico García Lorca. Tötete Hunderte von Schullehrern und "säuberte alle anderen. Franco verbrannte Bücher und verfolgte dessen Lehren.

28. Franco war korrupt und schuf ein Regime, in dem die Korruption von oben bis unten dominierte. Sein Vermögen erreichte kurz nach Beendigung des Krieges bereits 400 M.€. Er baute,dank seiner unendlichen politischen Macht, ein Firmengeflecht auf, das heute seine Erben kontrollieren.

29. Franco fuhr fort, bis zum letzten Tag zu töten und zu unterdrücken. 1970 gab es immer noch politische und gewöhnliche Gefangene, die Zwangsarbeit verrichten mussten. Die letzten Hinrichtungen wurden im September 1975 verübt. Nur zwei Monate vor seinem Tod.

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Über aktuelle faschistische Aktivitäten in Spanien berichtet Ralf Streck:

"Dass spanischen Unionisten die katalanischen Medien ein Dorn im Auge sind, ist seit langem bekannt, so wurde längst versucht, unter anderem den katalanischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter spanische Kontrolle zu bekommen. TV3-Journalisten, wenn sie identifiziert werden, sind immer wieder auf Unionisten-Demonstrationen Aggressionen ausgesetzt, auf denen Faschisten auch Hakenkreuze und den Hitlergruß zeigen, wie gerade in Chemnitz. Auch in Spanien werden Ultras gerne gewalttätig gegenüber Pressevertretern und Andersdenkenden, greifen katalanische Radiostationen an, machen Jagd auf Flüchtlinge oder Einwanderer, die sich bisweilen auch nicht aus dem Haus trauen, wenn Rechtsradikale in größerer Zahl aus Spanien anreisen." weiterlesen hier Spanische Ultras greifen Kameramann in Katalonien an

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Franco ist tot - der spanische Faschismus lebt und tobt sich sanktionsfrei aus: "Die Ewiggestrigen in Spanien pilgern aus Protest zur Franco-Gedenkstätte, da die sozialdemokratische Regierung die Reste des Diktators aus dem „Tal der Gefallenen“ exhumieren will. Dazu Ralf Streck: "Stellen wir uns einmal in Deutschland einmal etwas vor, was in Spanien anscheinend völlig normal ist. Stellen wir uns also vor, es gäbe in einem Tal 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt eine Nazi-Gedenkstätte, in der Hitler begraben wurde, zu der jährlich die Ewiggestrigen pilgern, um die Diktatur zu verherrlichen, den Hitlergruß zeigen und Nazi-Lieder abzusingen.

Stellen wir uns zudem vor, dass es sogar noch eine Hitler-Stiftung gäbe, die von einer Regierung subventioniert wird, die von einer Volkspartei (PP) gestellt wird, die von Ministern der Hitler-Regierung gegründet wurde, die sich von Putsch und Diktatur bis heute nicht distanziert hat ...

All das ist in Spanien normal und am Sonntag sind besonders viele Faschisten und Ultranationalisten ins sogenannte "Tal der Gefallenen" gepilgert, wo sich der Diktator noch zu Lebzeiten eine Gedenkstätte schaffen ließ. Dort wurde er nach seinem Tod 1975 bestattet.

Der Hintergrund für die Versammlung von etwa 1.000 Faschisten war der Aufruf der "Bewegung für Spanien". Die hatte angesichts der Pläne der neuen sozialdemokratischen Regierung, Franco und den Vorgänger Primo de Rivera zu exhumieren, zu einem "nationalen patriotisch-religiösen Pilgerzug" aufgerufen, um gegen die Pläne zu protestieren.

Auch für die Neue Züricher Zeitung löst das "150 Meter hohe Betonkreuz auf einem Felskegel über der kargen kastilischen Landschaft" ein "beklemmendes Gefühl aus". Das Kreuz zeigt die klerikal faschistische Verstrickung zwischen katholischer Kirche und Faschismus. "Es ist ein Monument für den Sieg der Franquisten über die Republikaner im spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) und dient den verbliebenen, ewiggestrigen Anhängern des Diktators Francisco Franco (1892–1975) bis heute als Pilgerort“, schreibt die Zeitung weiter.

Dass damit jetzt Schluss gemacht werden soll, treibt die Faschisten nun auf die Barrikaden." Vielfacher faschistischer Gruß bei Madrid

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Auf den Fotojournalisten und Unabhängigkeitsbefürworter Jordi Borras bin ich durch dieses Video aufmerksam geworden: Interview mit dem Faschismus-Experten Jordi Borras über Faschismus in Spanien und den Unterschied zu Deutschland

Leseempfehlung: Raul Zelik: Spanien - Eine politische Geschichte der Gegenwart.

"Zelik zeichnet nach, dass es nicht zu einem wirklichen Bruch mit den franquistischen Eliten gekommen ist, sondern dass diese sich vielmehr durch einen Pakt mit den neuen politisch-demokratischen Kräften in die Post-Franco-Ära hinüber gerettet haben. Und so bis heute das politische Klima prägen."

22:49 01.09.2018
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