Sánchez bietet Torra eine Mogelpackung an.

Info-Blog: Katalonien Der neue Regierungschef Sánchez ist - überspitzt formuliert - aus dem gleichen Holz geschnitzt wie sein Vorgänger Rajoy:
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Beide vertreten einen "españolistischen" Umgang mit Katalonien. Der feine Unterschied zu Rajoy ist, dass Sánchez besser als sein Vorgänger Rajoy auf medienwirksame politische Kommunikation und Methoden der "sanften" Konfrontation mittels des Dialogs mit den Independentistas in Katalonien setzt. In Wirklichkeit ist sein Dialogangebot an Torra eine reine Mogelpackung, wo zwar "offener" Dialog drauf steht (politische Konfliktlösung), aber in Wahrheit ein striktes Monologisieren im Sinne von der angeblichen Unantastbarkeit der Einheit Spaniens drin steckt. Zudem eine Mogelpackung, die verführerisch auf die independentistische Regierung wirken kann, weil nach den vielen Monaten der vielfältigen Repressionen und des politischen Stillstandes in Katalonien suggeriert wird, man könnte den Katalonienkonflikt auf institutioneller Ebene politisch bzw. dialogisch angehen und möglicherweise auf dem Verhandlungswege lösen. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass der Verhandlungspartner der Independentistas, der Pedro Sánchez, selbst Teil der nationalen Allianz aus PP-PSOE-Ciudadanos war und kurz nach der Unabhängigkeitswahl im Oktober zur Anwendung der "nuklearen" Option entlang des Artikels 155 drängte. Vor diesem Hintergrund besteht ein nicht unberechtigtes Mißtrauen gegenüber der Sánchez-Regierung seitens der independentistischen Parteien.

Berechtigtes Mißtrauen läßt sich auch aus der Zusammensetzung des "Sánchez-Kabinetts" ableiten: "In seinem Grusel-Kabinett findet sich aber auch der Innenminister Fernando Grande-Marlaska, der auf einem solchen Posten ebenfalls nicht für das Bild der Erneuerung steht. Denn Grande-Marlaska ist tief im Foltersumpf verstrickt und erinnert eher an die Zeit, als unter der PSOE die staatlichen Todesschwadrone GAL unterwegs waren und Menschen bis zum Tode folterten und dann in ungelöschtem Kalk verschwinden ließen. In sechs von neun Fällen, in denen Spanien seit 2004 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen Folter und Misshandlungen verurteilt wurde, standen die Gefangenen unter dem Schutz dieses Ermittlungsrichters.

Mit dem Außenminister Josep Borrell gibt es noch einen zweiten rechten Hardliner, der einer Regenerierung im Weg steht. Er saß schon in der Regierung unter Felipe Gonzalez, als die GAL für die Regierung tödlich aktiv war. Und auch er war einst in einen Betrugsskandal mit zwei seiner engsten Mitarbeiter und seiner früheren Frau verwickelt und musste deshalb als PSOE-Präsidentschaftskandidat zurücktreten. Borrell ist ein Ultranationalist, der Katalonien "desinfizieren" will, ist Mitglied der sogenannten "Katalanischen Zivilgesellschaft" SCC, die von der faschistischen Gruppe Somatemps gegründet wurde und immer wieder mit gewalttätigen Altnazis und Neonazis in Katalonien demonstriert." weiterlesen hier Stehaufmännchen Sánchez: Blinkt gerne links und überholt dann rechts.

Im Hinblick auf den politischen Umgang der Sánchez-Regierung im Rahmen des Katalonienkonflikts kommt Streck zu folgender Einschätzung: "Sánchez setzt in der Katalonienpolitik offenbar auf Kontinuität und tritt in Fußstapfen der Vorgänger.

Das ist einerseits nicht sonderlich verwunderlich, da er die Zwangsverwaltung und die Repressionspolitik der radikalen spanischen Nationalisten stets unterstützt hat. Andererseits spricht daraus seine Angst vor den Ultranationalisten und den Rechtsradikalen. In dieser Linie ist auch die Ernennung von Borrell zu sehen, der klar zu den Hardlinern gegen die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen gehört."

In seiner ersten Regierungserklärung hat Sánchez in Richtung auf die katalanischen Independentistas deutlich gemacht, dass er zwar für eine dialogische "Lösung" offen ist, aber ohne auf die "Einheit" Spaniens verzichten zu wollen. Über einen verbesserten Autonomiestatut für Katalonien könnte man ja reden - und Basta! Seine Anti-Haltung gegenüber der Unabhängigkeit Katalonien ist klar und offensichtlich unverhandelbar (siehe hier: Sánchez apuesta por resolver la crisis soberanista con la votación de un Estatut). Dennoch sind einige etablierte independentistische Parlamentsparteien (außer der CUP, die auf einen unilateralen Aufbau der Republik pocht) in die Dialogfalle getappt und hoffen auf ein erneutes Referendum mit Sánchez Segen - und da müsste schon ein "Wunder" geschehen.

-------------------------------------------------------------------------------------

Über politische Spannungen im independentistischen Lager, die neben hegemonialen Machtansprüchen auch auf die "Mogeltüte" von Sánchez zurückzuführen sind, berichtet Krystyna Schreiber: "Derweil wird der Unabhängigkeitsblock in Katalonien von internen Spannungen geschwächt. Die Frustration der Basis ist groß. Die Befürworter der Eigenständigkeit verlangen eine Fortsetzung der bisherigen Politik, die zu dem von Madrid nicht anerkannten Referendum vom 1. Oktober und zur Unabhängigkeitserklärung vom 27. Oktober geführt hat. Zugeständnisse ihrer Anführer gegenüber dem spanischen Staat verstehen sie als Unterwerfung. Das wurde am vergangenen Wochenende beim Parteitag der Esquerra Republicana de Catalunya (Republikanische Linke Kataloniens, ERC) deutlich, als die Delegierten gegen die Linie des Vorstands entschieden, »mit allen zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln« unilateral auf den Aufbau einer Republik hinzuarbeiten, sollte ein mit Madrid vereinbartes Selbstbestimmungsreferendum nicht möglich sein.

Die überparteiliche »Katalanische Nationalversammlung« (ANC) beschloss am Sonntag, sich im Vorfeld der Kommunalwahlen im Mai 2019 für Vorwahlen einzusetzen, um Kandidaten aufzustellen, die mit breiter Unterstützung der Basis für die Unabhängigkeit eintreten. Die Bewegung, die in den vergangenen Jahren unter anderem die Großdemonstrationen zum katalanischen Nationalfeiertag am 11. September organisiert hatte, stützt sich inzwischen auch auf die »Komitees zur Verteidigung der Republik« (CDR), die zu einer Radikalisierung der ANC beitragen.

Eine nächste Richtungsentscheidung steht am 20. Juli an, wenn sich die Demokratische Partei (PDECat) des von Madrid im vergangenen Jahr abgesetzten Ministerpräsidenten Carles Puigdemont zu ihrem Parteitag trifft. Auch dort werden zwei Linien konkurrieren. Ein moderater Flügel strebt wie die ERC-Führung ein Abkommen mit Madrid an, während ein anderer das Mandat der Abstimmung vom 1. Oktober und damit die Unabhängigkeit durchsetzen will." Neuanfang mit Hindernissen

------------------------------------------------------------------------------

Eingebetteter Medieninhalt

Apropos PDECat und Puigdemont: "Kataloniens Ministerpräsident Joaquim Torra und sein im vergangenen Herbst von Madrid abgesetzter Amtsvorgänger Carles Puigdemont wollen mit einer neuen Organisation die Bewegung für eine unabhängige Republik vereinen. Berichten örtlicher Medien zufolge arbeitet Puigdemont bereits seit längerem daran, aus dem »Junts per Catalunya« (JxCat, Gemeinsam für Katalonien), dem Bündnis zu den Regionalwahlen im vergangenen Dezember, eine politische Bewegung zu formen. JxCaT hatten Mitglieder von Puigdemonts Demokratischer Partei (PDECat) und unabhängige Kandidaten angehört. Nun soll daraus eine Föderation entstehen, in der sich die für die Unabhängigkeitsbewegung charakteristische Vielfalt widerspiegelt. Sie soll Parteien und Bürgerorganisationen des republikanischen Lagers unter einem Dach vereinen und so gemeinsame Aktivitäten vereinfachen. Als Name für das Projekt wird in der Presse »Nationaler Ruf nach der Republik« (Crida Nacional per la República) gehandelt. Im Herbst ist die erste Vollversammlung geplant, auf der auch über den endgültigen Namen, die juristische Organisationsform – Partei oder Föderation – sowie die internen Strukturen entschieden werden soll.

Priorität soll sein, die volle Handlungsfähigkeit der katalanischen Regierung wiederherzustellen. Darüber hinaus sucht man einen Konsens, wie mit den Ereignissen seit dem letzten Herbst umgegangen werden soll. Nach dem gegen die Repression der spanischen Staatsmacht durchgesetzten Referendum vom 1. Oktober und der darauf folgenden Zuspitzung der Ereignisse, insbesondere der Aufhebung der katalanischen Autonomie durch die spanische Zentralregierung, war die Unabhängigkeitsbewegung von einer Phase der Orientierungslosigkeit erfasst worden. Inzwischen sammelt man sich wieder, doch nach wie vor bleibt das republikanische Lager fragmentiert. Beobachter werten es deshalb nicht als Zufall, dass Puigdemonts Offensive nur wenige Tage vor dem für den 20. Juli geplanten Parteitag der PDECat bekannt wurde. Auf diesem soll entschieden werden, ob sich der radikalere Flügel um Puigdemont und seine Anhänger, der am Aufbau der Republik festhält, oder der moderate Block von Generalkoordinatorin Marta Pascual durchsetzt. Letztere repräsentiert eine Tendenz, die in der Tradition der zerbrochenen Koalition »Convergència i Unió« (CiU), die Katalonien lange Jahre regiert hatte, zur »Politik der Pakte« mit Madrid zurückkehren will. Dieser Flügel hatte zuletzt in Madrid für die Wahl des Sozialdemokraten Pedro Sánchez zum neuen spanischen Regierungschef gestimmt. In der Bevölkerung gibt es für diese Linie jedoch nur geringe Unterstützung. Populärer ist die von Puigdemont und Torra verfolgte Strategie, weiter Druck auf das wirtschaftlich und sozial unstabile und von Korruptionsskandalen geschwächte Königreich Spanien zu machen, um die Zustimmung Madrids zu einem dann von allen Seiten anerkannten Unabhängigkeitsreferendum zu erzwingen." Ruf nach der Republik

Über die strömungsübergreifende independentistische Sammelbewegung "Crida Nacional per la República" berichtet das "Handelsblatt" folgendermaßen: "Die Bewegung erfreue sich riesigen Zulaufs, berichteten spanische Medien am Dienstag unter Berufung auf separatistische Politiker. Bereits in den ersten beiden Stunden nach der Verlesung eines Manifests bei einem Festakt in Barcelona am Montagabend hätten rund 3500 Interessenten um Mitgliedschaft gebeten. Bis zum Dienstagmorgen seien es schon 13000 gewesen." Großer Zulauf zu Puigdemonts neuer Separatistenbewegung

------------------------------------------------------------------------------------

Eingebetteter Medieninhalt

Puigdemont ist ein freier Mann - zumindest außerhalb Spaniens: "Der zuständige Ermittlungsrichter am Obersten Gericht in Madrid, Pablo Llarena, zieht nun den amtlichen Angaben zufolge auch die europäischen Haftbefehle gegen fünf weitere Separatisten zurück, die sich ins Ausland abgesetzt hatten. Die nationalen Haftbefehle würden aber alle aufrechterhalten, hieß es. Damit können die Betroffenen nicht in ihre Heimat zurückkehren, ohne dass ihnen dort die Festnahme droht." Spanien zieht internationalen Haftbefehl gegen Puigdemont zurück

In diesem Zusammenhang ein lesenswertes Interview von Ralf Streck mit dem Verteidiger von Puigdemont, der gute Chancen sieht, dass die Rebellionsanklage in Spanien fällt und die Gefangenen freikommen. Dazu ein kurzer Auszug:

"Streck: Wie wirkt sich der deutsche Beschluss auf die katalanischen Politiker und Aktivisten aus, die sich schon in der Hand der spanischen Justiz befinden?
Jaume Alonso-Cuevillas: Formal hat das erst einmal keine Auswirkung auf sie. Der Prozess läuft in Spanien weiter, denn in Deutschland wurde ja nur über Carles Puigdemont entschieden, der sich nicht im Land befindet. Entschieden wurde, ob er ausgeliefert wird und unter welchen Bedingungen das geschieht. Allerdings befinden wir uns gerade in Spanien in einer sehr delikaten Situation. Denn es gab mit dem Regierungswechsel auch einen Wechsel des Generalstaatsanwalts. Und das passiert genau zu einem Zeitpunkt, in dem die Staatsanwaltschaft ihre Anschuldigungen formuliert. Es wäre also nun ein ausgezeichneter Zeitpunkt für die neue Generalstaatsanwältin, die Vorwürfe zurückzuziehen. Das gilt sowohl für Rebellion und Aufruhr, da die deutschen Richter in ihrem Beschluss diese Vorwürfe mit aller Klarheit ablehnen." Puigdemont: "Die gesamte Anklage ist widersinnig"

-------------------------------------------------------------------------------------------

Eingebetteter Medieninhalt

Franco ist tot - der spanische Faschismus lebt und tobt sich sanktionsfrei aus: "Die Ewiggestrigen in Spanien pilgern aus Protest zur Franco-Gedenkstätte, da die sozialdemokratische Regierung die Reste des Diktators aus dem „Tal der Gefallenen“ exhumieren will. Dazu Ralf Streck: "Stellen wir uns einmal in Deutschland einmal etwas vor, was in Spanien anscheinend völlig normal ist. Stellen wir uns also vor, es gäbe in einem Tal 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt eine Nazi-Gedenkstätte, in der Hitler begraben wurde, zu der jährlich die Ewiggestrigen pilgern, um die Diktatur zu verherrlichen, den Hitlergruß zeigen und Nazi-Lieder abzusingen.

Stellen wir uns zudem vor, dass es sogar noch eine Hitler-Stiftung gäbe, die von einer Regierung subventioniert wird, die von einer Volkspartei (PP) gestellt wird, die von Ministern der Hitler-Regierung gegründet wurde, die sich von Putsch und Diktatur bis heute nicht distanziert hat ...

All das ist in Spanien normal und am Sonntag sind besonders viele Faschisten und Ultranationalisten ins sogenannte "Tal der Gefallenen" gepilgert, wo sich der Diktator noch zu Lebzeiten eine Gedenkstätte schaffen ließ. Dort wurde er nach seinem Tod 1975 bestattet.

Der Hintergrund für die Versammlung von etwa 1.000 Faschisten war der Aufruf der "Bewegung für Spanien". Die hatte angesichts der Pläne der neuen sozialdemokratischen Regierung, Franco und den Vorgänger Primo de Rivera zu exhumieren, zu einem "nationalen patriotisch-religiösen Pilgerzug" aufgerufen, um gegen die Pläne zu protestieren.

Auch für die Neue Züricher Zeitung löst das "150 Meter hohe Betonkreuz auf einem Felskegel über der kargen kastilischen Landschaft" ein "beklemmendes Gefühl aus". Das Kreuz zeigt die klerikal faschistische Verstrickung zwischen katholischer Kirche und Faschismus. "Es ist ein Monument für den Sieg der Franquisten über die Republikaner im spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) und dient den verbliebenen, ewiggestrigen Anhängern des Diktators Francisco Franco (1892–1975) bis heute als Pilgerort“, schreibt die Zeitung weiter.

Dass damit jetzt Schluss gemacht werden soll, treibt die Faschisten nun auf die Barrikaden." Vielfacher faschistischer Gruß bei Madrid

-----------------------------------------------------------------------

Eingebetteter Medieninhalt

Auf den Fotojournalisten und Unabhängigkeitsbefürworter Jordi Borras bin ich durch dieses Video aufmerksam geworden: Interview mit dem Faschismus-Experten Jordi Borras über Faschismus in Spanien und den Unterschied zu Deutschland

In dieser Woche wurde Jordi Borras Opfer eines rechtsextremen Übergriffs: "Dem bekannten Fotojournalist Jordi Borras wurde die Nase gebrochen, während der Angreifer rief: "Es lebe Franco!"

Inzwischen hat auch die spanische Nationalpolizei ein Sanktionsverfahren gegen ihren Polizisten eröffnet, der den bekannten katalanischen Fotojournalisten Jordi Borras am späten Montag angegriffen, ihm die Nase gebrochen und weitere Verletzungen zugefügt hat. Der Polizist soll den bekannten Aktivisten, der sich vor allem rechtsextremen Umtrieben in Katalonien widmet, in Barcelona auf der Straße erkannt und angegriffen haben.

"Es lebe Franco" und "Es lebe Spanien", soll der etwa 40jährige Angreifer nach Angaben von Zeugen gerufen und sich auf Borras gestürzt haben. Damit zeigte er, dass er zu den Ewiggestrigen gehört, die am Wochenende mit faschistischem Gruß demonstriert haben. Als das Opfer von einem Anwohner unterstützt wurde, der beide zu trennen versuchte, gab sich der Angreifer plötzlich als spanischer Nationalpolizist zu erkennen.

Er zeigte seine Dienstmarke, wie ein Bild dokumentiert, das die Online-Zeitung El Mon veröffentlicht hat, bei der Borras arbeitet. Er sei dann weggerannt und habe dabei Gegenstände verloren, darunter auch ein Messer. Nun behauptet der Polizist, Borras habe ihn angegriffen und beleidigt." Spanischer Ultra-Polizist greift katalanischen Journalisten an

--------------------------------------------------------------

Eingebetteter Medieninhalt

Korruption scheint in Spanien integraler Bestandteil politischen Regierens zu sein - und korruptives Handeln beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Rajoy-PP: "Spanische Medien haben brisante Tonaufzeichnungen veröffentlicht. Darin erhebt eine Frau Vorwürfe der Korruption und Geldwäsche gegen Ex-König Juan Carlos. Nun beschäftigt der Fall die Geheimdienste.So habe der Monarch Geld auf dem Schweizer Konto eines Cousins deponiert und im Namen der Frau Grundstücke in Monaco und Marokko gekauft. Außerdem berichtete die Frau, Juan Carlos habe sich von seiner Frau Sofia trennen und sie heiraten wollen - zur Finanzierung habe er Geld aus einem Vertrag über einen Hochgeschwindigkeitszug mit Saudi-Arabien abgezweigt." Geldwäschevorwurf gegen Juan Carlos

Vor diesem Hintergrund berichtet Carmela Negrete: "Nun sollen die Affären um das Königshaus endlich auch ein parlamentarisches Nachspiel haben. Der Generalkoordinator der Vereinten Linken (IU), Alberto Garzón, kündigte an, eine Untersuchung der wirtschaftlichen Aktivitäten Juan Carlos’ zu beantragen. Auch die republikanisch orientierten Regionalparteien ERC und Pdecat aus Katalonien, Compromís aus Valencia und Bildu aus dem Baskenland haben den neuen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez aufgefordert, diese Untersuchung zuzulassen. »Niemand kann sich über die Gesetze stellen, auch die höheren Instanzen müssen sich für ihr Handeln verantworten, das hat der Exkönig selbst gesagt«, so Garzón. Sein Fraktionskollege und Podemos-Chef Pablo Iglesias ging noch weiter und erklärte, dass »in einem demokratischen Spanien die Monarchie und ihre Privilegien überflüssig« wären. Er spielte damit auf die in der Verfassung verankerte Immunität des Königs an, durch die Juan Carlos für Taten vor seiner Abdankung 2014 nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Unterdessen wird der Ruf nach einer Abschaffung der Monarchie lauter. Das linke Internetportal Público sammelte innerhalb weniger Tage mehr als 100.000 Unterschriften von Lesern, die sich für ein Referendum über die Staatsform – Monarchie oder Republik – aussprechen. Eine solche Abstimmung fand im Juni bereits im Madrider Stadtteil Vallecas statt. Mehr als 7.000 Menschen beteiligten sich an diesem symbolischen Referendum, 6.400 von ihnen votierten für eine Republik. Andere Orte folgten dem Beispiel. So soll es in den kommenden Tagen in mehreren Gemeinden nahe der Grenze zu Gibraltar entsprechende Befragungen geben. In Algeciras, Tarifa, Los Barrios, San Roque und La Línea de la Concepción werden die Bürger nach ihrer Meinung gefragt. Und in Madrid sollen im Dezember in weiteren Vierteln und Vororten solche »Referenden« durchgeführt werden." Referenden für die Republik

---------------------------------------------------------------

Eingebetteter Medieninhalt

Ein Thema, das nicht mit der Katalonienfrage direkt im Zusammenhang steht, dennoch für wichtig halte - zumindest lebenswichtig für die Menschen, die sich auf der Flucht nach Europa befinden:

"Die Nichtregierungsorganisation Proactiva Open Arms prangert einen schweren Verstoß gegen die Pflicht zur Seenotrettung im Mittelmeer an. Den Flüchtlingshelfern zufolge hat die libysche Küstenwache in internationalen Gewässern zwei Frauen und ein Kind auf einem Schlauchboot im Stich gelassen. Eine Frau und das Kind seien verstorben. Der spanische NBA-Spieler Marc Gasol wurde laut eigener Aussage Zeuge, wie die zweite Frau gerettet wurde. Gasol ist mit dem Gründer von Proactiva Open Arms befreundet. Der Basketballer war bei dem Einsatz der Seenotretter dabei und sagte der spanischen Zeitung "El País", dass Open Arms ein Gespräch zwischen einem libyschen Patrouillenboot und einem Handelsschiff namens "Triades" mitgehört habe.

Das Patrouillenboot soll demnach Schiffbrüchige nach Libyen zurückgebracht und zuvor das Boot zerstört haben, in dem die Migranten zwei Tage und zwei Nächte verbracht hatten. Allerdings hätten die Libyer mindestens drei Personen in dem Wrack zurückgelassen." "Ich fühle Wut und Hilflosigkeit"

In diesem Zusammenhang ein lesenswerter Artikel im Rubikon:

"Linke erklären Forderungen nach mehr Grenzschutz, um die deutschen Armen vor der Aufnahme zu vieler armer Geflüchteter zu schützen, allzu gern mit anderen Forderungen. Man verlange schließlich Abrüstung, den Stopp der Rüstungsexporte und Hilfsmaßnahmen in den Heimatländern der Betroffenen.

Das ist ja alles richtig und nötig. Nur: Es gibt diese Hilfe vor Ort eben nicht. Und weder sind die europäischen Regierungen daran interessiert, weitere Hilfsmaßnahmen zu finanzieren. Noch planen sie in irgendeiner Weise, den Waffenschmieden die Rüstungsproduktion und die Exporte zu untersagen. Das ist trotz noch so lauter Rügen auch nicht zu erwarten. Das heißt: Trotz all dieser richtigen und wichtigen Forderungen werden die Lebensbedingungen in der imperialistischen Peripherie nicht besser. Trotzdem fliehen Menschen in Massen vor den wachsenden sozialen und ökologischen Verwerfungen des marktkonformen Raubbaus zugunsten von Maximalprofit für die Eigentümer der Produktionsmittel. In ihrer Verzweiflung durchqueren sie die Wüsten, steigen in die Boote und gelangen, so sie überleben, an eine europäische Grenze. Das ist nicht zu leugnende Realität. Wie viele Opfer also rechtfertigen linke Ziele, wie die Rückeroberung des deutschen Sozialstaats für Sozialdemokraten oder der Aufbau eines nationalen revolutionären Subjekts für Kommunisten?" Das Flüchtlings-Dilemma

„Sei misstrauisch gegen den, der behauptet, dass man entweder nur dem großen Ganzen oder überhaupt nicht helfen könne. Es ist die Lebenslüge derer, die in der Wirklichkeit nicht helfen wollen und die sich vor der Verpflichtung im einzelnen bestimmten Fall auf die große Theorie hinaus reden. Sie rationalisieren ihre Unmenschlichkeit. Zwischen ihnen und den Frommen besteht die Ähnlichkeit, dass beide durch höhere Erwägungen ein gutes Gewissen haben, wenn sie dich hilflos stehen lassen“ (Max Horkheimer . zitiert in Das Flüchtlings-Dilemma)

---------------------------------------------------------------

Eingebetteter Medieninhalt

Abschließend der Hinweis auf diese interessante und erfolgreiche zivile Plattform namens Foreign Friends of Catalonia, die im Februar 2018 gegründet wurde und sowohl Menschen als auch zivilgesellschaftliche Organisationen aus dem In- und Ausland vereinigt, die für das Selbstbestimmungsrecht der Katalanen eintreten. Zudem laden sie die zivilen Akteure zur jährlichen Diada (Feiertag) in Katalonien bzw. Barcelona ein. Für die eingeladenen Gäste bietet Foreign Friends of Catalonia private Unterkünfte und kulturelle Touren an. Die Veranstaltung findet in der Zeit vom 8 bis 11 September statt. Mehr Informationen findet man in diesem "El National cat" Artikel: "Campaña para invitar personalidades extranjeras por la Diada.

Die Website von Foreign Friends of Catalonia: www.diadaforeign.cat

Leseempfehlung: Raul Zelik Spanien – Eine politische Geschichte der Gegenwart

"Nachdem die meisten Europäer/innen Spanien jahrzehntelang nur als Reiseziel konsumiert und sich kaum mit den gesellschaftlichen Konflikten im Land beschäftigt haben, ist es an der Zeit, diese andere Seite der spanischen Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen. Auch deshalb, weil die Entwicklungen in Katalonien und
der Korruptionsskandal um die PP unter Beweis stellen, dass die Krise in Spanien noch lange nicht ausgestanden ist."
11:43 20.07.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare