"In der Moselle", Anfang der 1960er Jahre

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Es war Anfang der 1960er Jahre. Ich war Anfang 20. Die Schwester eines Freundes, sie war schon etwas älter, sie arbeitete in der Polstermöbelfabrik der saarländischen Firma Flasche, mit Hauptsitz in Rehlingen-Siersburg, in der Dependance in Vic-sur-Seille im Département Moselle. Das Museum dort besitzt Gemälde des bedeutenden lothringischen Barockmalers Georges de la Tour, des Malers, der das Kerzenlicht so sehr in seinen Bildern liebte. U.a. hängt dort sein Hauptwerk „Johannes der Täufer in der Wüste“. Kunstliebhaber pilgern dorthin, was allen nur zu empfehlen ist. Georges de la Tour ist in Vic-sur-Seille geboren, 81 km von Saarbrücken entfernt. Es ergab sich, dass in diesem kleinen Ort, er hat etwa 1.200 Einwohner, damals ein Bal populaire stattfand. Eine „Zigeunerkapelle“, ich sage das ausdrücklich, weil man es damals so sagte, diese „Zigeunerkapelle“ spielte zum Tanz auf. Eine Sängerin begleitete sie mit einschmeichelnden Chansons. Die jungen Damen des Ortes, Mademoiselles et Dames, saßen auf Stühlen, die rundum der Saalwände standen und warteten darauf, dass sie zum Tanz aufgefordert wurden. Ich war zu schüchtern, und wagte das nicht. Das muss die Sängerin, die „Zigeunerin“ - bildhübsch, mit tiefschwarzen Haaren - bemerkt haben, sie kam zu mir und forderte mich auf, mit ihr zu tanzen. Da war der Bann gebrochen. Wir tanzten danach jedes Mal, auch valse musette, wenn sie Pause hatte. Sie sang oftmals zwischen den Pausen „Sous le ciel de Paris“! Das Chanson hatte ich damals von Juliette Créco schon mal im Radio gehört und nun gab mir hier die Sängerin ihre Adresse. Ihren Namen habe ich bis heute nicht vergessen. Sie wird mir immer in Erinnerung bleiben. Sie hieß Graciella Zanninetti.

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Geschrieben von

Günter Schott (Saar)

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