Alte Muster

Flüchtlinge Die Welt rückt zusammen - und wieder auseinander. Schuld daran hat die Sprache. Und die Menschen, die alte Worte neu benutzen. Unterwegs im Neo-Kolonialismus?
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Migrationsprozesse, Wanderungsbewegungen, Diasporen, Society in Motion. Diese Begriffe hat es schon immer gegeben. Jeder konnte etwas damit anfangen und hatte Verständnis für die Gründe einer Flucht. Es ging uns immer besser. Und die Gründe für eine Flucht verblassten vor unseren geistigen Wohlstandsaugen. Die Sprache veränderte sich.

Politiker, Medienschaffende und der alltägliche Mensch verfallen in konzeptuelle Muster, die dem Phänomen des Transnationalen entgegenwirken, und das obwohl eine Zunahme und Alltagsgebräuchlichkeit sozialer Netzwerke und allgemein Medien erreicht wurde. Die Welt schien ein Stück näher zusammenzurücken.

Die Welt rückt zusammen – und wieder auseinander

„Die anderen“, „Jene“, „Syrer“, „Türken“ bis hin zu „Afrikaner“, so manch einer hat selbst das N-Wort wieder in seinen Wortschatz aufgenommen – wobei der Begriff "Schatz" diesbezüglich keinen geistigen Reichtum symbolisiert.

Aus einem transnationalen Global Flow sind Neo-Koloniale Zugehörigkeiten entstanden. Aus einer Gemeinschaft der Menschen, die voneinander lernen und gegenseitig Informationen austauschen, sind wieder die „Geber“ auf der einen Seite und die „Nehmer“ auf der anderen Seite geworden.

Nicht zuletzt ist mit dem ungarischen Zaun mal wieder eine physische Demarkationslinie entstanden, die den Osten vom Westen trennt. Erinnert sich da jemand?

Ein Zaun! Erinnert sich da jemand?

Menschen, die ein Leben hinter sich zu lassen haben, um eben dieses zu retten, sind nicht „jene“ oder „die da“. Es sind Mitbürgerinnen und Mitbürger dieser Welt. Wir sind nicht die „Guten“, auch wenn es uns deutlich bessergeht als den meisten Menschen anderer Erdteile. Die Begriffe „schlechte“ Menschen oder gar koloniale Farbzuweisungen gehören in den Werteschrank der Political Incorrectness – mit Sicherheit verwahrt! Normativ abgesichert!

Menschen, die diese erdenklich schlimme Erfindung einer Staatengrenze passieren müssen, um Zuflucht zu erhalten, um ihr Leben zu schützen, sind Willkommene. Die Menschen sollen das Erlebnis erfahren, dass die Flucht zu ihrer Vergangenheit gehört. Diese Menschen sind Geflüchtete. Es ist vorbei. Willkommen in einem möglichen Zuhause!

16:25 04.09.2015
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